surch <Äsües LrHarMring M des apsstslischu» Sjtihlrs (Hmrde FimMschsf vorr Laisach. entbietet dem gesummte» wohlehrwürdigen Säkular- und Regularklerus der Diözese seinen oberhirtlichen Gruß, Heil und Segen vom Herrn! cEItit a. h. Entschließung vom 30. Mai d. I. haben mich Seine k. und k. apostolische Majestät zum Fürstbischöfe von Laibach ernannt und mittelst apostolischen Breves vom 10. August Seine päpstliche Heiligkeit in dieser Würde koufirmirt. Gestern am 0. September waren Sie, Ehrwürdige Brüder, in großer Anzahl Zeugen, wie der hochwürdigste Fürsterzbischof und Metropolit von Görz unter Assistenz der hochwllrdigsten Fürstbischöfe von Gurk und Lavaut mir die bischöfliche Weihe erthsilte und feierlich mich in den Besitz des bischöflichen Stuhles von Laibach einsetzte. Unerforschlich sind die Rathschlüsse Gottes. Da der bischöfliche Stuhl noch von einem geistes- und körper- kräftigen Manne besetzt Ivar, konnte ich nicht darauf denken, in dem oberhirtlichen Amte ihm zu folgen. Nach Ruhe sich sehnend, faßte der hochwürdigste Fürstbischof Bartholomäus den lange vorbedachten Entschluß, den heiligen Vater um die Lösung der zarten Bande zu bitten, welche ihn mit der Kirche von Laibach verknüpften. Dem wiederholt und dringend ausgedrückten Wunsche haben Seine Heiligkeit zu willfahren befunden. In Folge dieses seltenen Ereignisses hat der Herr sich gewürdiget, das, was schwach ist vor der Welt, zu erwählen. Während für mich schon längst die eilfte Stunde geschlagen und mein Lebenstag sich zum Untergange geneigt hat, wollte der Herr in seiner Barmherzigkeit an eine hervorragende Stelle in seinem Weinberge mich berufen, um die noch immer andauernde Last und Hitze des Tages zu tragen und durch treues Ausharren zu beweisen, ob ich wohl den Groschen aus seiner Hand verdienen möge. Mit beklommenem Herzen ergreife ich darum den Hirtenstab. Mein Vertrauen ist auf den Herrn. Ich würde doch nicht den Muth haben, zu vertrauen, wenn es nicht eben die Diözese meiner geliebten Heimat wäre, deren Leitung ich zu übernehmen berufen bin. Durch eine lange Reihe von Jahren brachten es die verschiedenen Stellungen meiner amtlichen Wirksamkeit mit sich, daß die Erwerbung einer ausgedehnten Kenntnis von Personen und Sachen mir nahe lag. Ich komme nicht als Fremdling zu Ihnen; wir haben mit cinnander gelebt und gelitten. Nicht erst von gestern und chegestcru stammt unsere Vertrautheit. Wir begegnen uns zum Theil als Jugcndgenossen, die sreundschaftlich in den ehrwürdigen Hallen des Studiengebäudes zusammen wandelten und unter besorgten Lehrern dem gemeinsamen Ziele wissenschaftlicher und religiös-sittlicher Bildung zustrebten; als Solche, die in engerer Umschlingung in dem „der Tugend und den Musen" geweihten Hause des Klerikalsemiuars auf den hehren priesterlichen Beruf sich vorbereiteten. Es ist deren noch eine große Zahl wirksam in verschiedenen Sphären des geistlichen Berufes, die ich auf meinen theologischen, theilweis auch auf filosvfischen Lehrkanzeln als Lehrer achten und lieben lernte. Viele sah ich als Leiter des Knabenseminars und daun als Leiter der theologischen Studienanstalt unter meinen Augen wachsen und gedeihen. Und wenn meine sehnsüchtigen Augen auf diese vielfachen, wechselseitigen Verknüpfungen Hinblicken, wer sollte es mir verargen, wenn ich zu den Priestern der Diözese mit dem mächtigen Gefühl brüderlicher und väterlicher Liebe mich hingezogen fühle? Als einen der Ihrigen, aus Ihrer Mitte hat der Herr mich berufen, um Ihnen als Führer auf der Bahn des Heiles voranzugehen und der Welt über Ihre Nachfolge das Bekenntnis abzunöthigen: (Znam spoeiosi psclss ovanMlmantiuin paesm, ovun- Mlirmntium bona! Nachdem ich nnn heute zum ersten Male mein vberhirtliches Wort an Sie richte, ehrwürdige Brüder, begrüße ich Sie nut großem Tröste als meine Mitarbeiter im Weinberge des Herrn. Mein ehrerbietiger Gruß gilt zunächst Ihnen, hochwürdige Domkapitularen. Kraft altkirchlichcr Ordnung bilden Sie den Senat der Kirche und sind als Rathgeber in der Leitung der Seelen mir beigegeben; ich hege das Vertrauen in meinem Busen, daß Sie immerdar treu und offen mir zur Seite stehen werden. Mein liebevoller Gruß ergeht ebenso an Sie, ehrwürdige Herren Konsistorialräthe, die das Vertrauen des Oberhirtcn in dessen näheren Umkreis gezogen; ich rechne mit Zuversicht ans Ihre erprobte Einsicht und Klugheit. Mein freundlichster Gruß ergeht an Sie, ehrwürdige Lehrer, Bildner und Leuker der studierenden weltlichen und geistlichen Jugend; ich lebe der seligen Hoffnung, daß Sie nie ermüden werden in liebender Geduld und Hingebung. Mein herzlicher Gruß ergeht an Sie, ehrwürdige Dekane, die Augen des Bischofes in dem ausgedehnten Kirchensprcngel; an Sie, ehrwürdige Pfarrer, Kuraten und Gehilfen im Dienste des Herrn; in allen und in einem jeden einzelnen aus Ihnen sehe und verehre ich ein auserwähltcs Gefäß, welches der Herr geheiliget hat, damit es seinen Namen hintrage zu den Söhnen der Berufung. Ich versehe mich zu Ihnen, daß Sic, jeder nach dem Maße seiner Stellung und Begabung und nach dem Reichthnm der himmlischen Charismen an der Lösung der großen Aufgabe mitwirke, welche in den gegen¬ wärtigen Zeitläufen unser harret. Wenn überhaupt groß die Aufgabe ist, welche zu lösen den Priestern des Herrn obliegt, wie groß muß erst die Verbindlichkeit sein, welche auf dem Oberhirten lastet! Ich fühle das ganze Gewicht der Verantwortung, welche auf meine Schultern gelegt ist, einer Verantwortung, welche vor Gott, vor Papst und Kaiser, vor allen göttlichen und menschlichen Autoritäten, vor allen Diözesanen mich schwer verbindet. Ich rufe Sie, ehrwürdige Brüder, zu Theilnehmern der Rechenschaft auf, welche Gott von mir fordern wird. Es ist das Heil unsterblicher, durch das Herzblut Jesu Christi erlöster Seelen, um welches es sich handelt; diese wird Gott aus unseren Händen fordern. Erfassen wir, Geliebte, in klarem Bewußtsein die ganze Höhe und Tiefe der Sendung, die wir für die Erlösung der Welt von Gott übernommen haben. Der h. Apostel offenbart sie in den bedeutsamen Worten: 8ie nos sxistimst boino ut miniskros (Lrwti ob «lispensatorss rnz^torioruin Osi. (I. 6or. 4, I.) Also Diener Christi sind wir, und auch uns gilt das edle und adelnde Wort: „Ich will, daß wo ich bin, dort auch mein Diener sei." Welcher Dienst uns da obliegt, kann keinen Augenblick zweifelhaft sein. Er selbst, die ewige Wahrheit, hat es verkündet: Gehet hin und prediget das Evangelium allen Geschöpfen. Bringet allen Menschen die frohe Botschaft, daß Gott in Christo die Welt mit sich versöhnet, und der Profetische Preisgesang der himmlischen Schauren vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange sich erfüllt: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind. Es ist also die frohe Botschaft vom Frieden, welche wir im Dienste des Herrn der geängstigten Welt zu bringen haben, und mit dem Frieden Freude und Trost. Diese frohe Botschaft, daß Gott in Christo die Welt mit sich versöhnet, ist auch das Geheimnis, das, von Ewigkeit in Gott verborgen, in der Fülle der Zeit der sehnsuchtsvollen Menschheit geofsenbart ward, der Inbegriff aller Geheimnisse, welche wir ansznspenden haben, damit die Menschen selig seien im Frieden mit Gott. Als die Welt aus dem Munde der Apostel das Wort vom Frieden vernahm und annahm, wie freudig athmete sie auf, befreit vom quälenden Zwiespalt des Zweifels und vom drückenden Bewußtsein der Sündenschuld! Aber wie kommt es, daß der Friede im Herru noch immer nicht ein Gemeingut der Menschen geworden ist? Woher kommt es, daß Sie selbst oft über kirchenfciudliche Bestrebungen in Ihren Gemeinden laute und bittere Klagen erheben? Sollten wir uns — bei allem gerechte» Jammer — ganz die Frage ersparen, ob hier, wo so geklagt wird über die Feindschaft gegen die Kirche, die Diener der Kirche schon all ihre Freundschaft angeboten haben, deren sie in Christi Geist und Sendung fähig sind, ob sie vielfach so ganz und echt die ganze in der Kirche wohnende Mütterlichkeit der Liebe entfaltet haben, welche nicht bloß die treuen und wohlbefähigten Kinder festhält, sondern auch die arinen, die bekümmerten und verirrten wieder sucht und tröstet und heilt? Bewahren Sie wohl in treuer Seele das Wort: Wer Dankesthränen ernten will, muß Liebe säen. Woher kommt es, daß in unserer Zeit so Viele der alles übertreffenden Erkenntnis Christi sich verschließen? Wird Christus nicht verkündet von hundert und aber hundert Kanzeln? Ja gewiß. Aber die Hand ans Herz! Wird er wohl imnier so verkündiget, daß die Verkündigung geeignet zur Begründung der Ueberzeugung ist? Dazu genügt eine oberflächliche Kenntnis nicht. Der Verkündiger des Evangeliums muß sich klar und lebendig dessen bewußt sein, was er glaubt, er muß sich stets Rechenschaft geben können von der Hoffnung, die in ihm lebt. Wenn Sie, ehrwürdige Brüder, eine tiefe gläubige Ueberzeugung in sich begründet haben, wenn die erhabenen Wahrheiten unseres Glaubens ein unzerstörbares Eigenthum Ihres Geistes und dadurch ein Gegenstand der vollen Liebe Ihres Herzens geworden sind, daun wird Ihr Wort zum Herzen dringen, seste Ueberzeuguugstreue und Liebe zum christlichen Lebensgesetze wirken. Zu diesem Ziele führt aber nur unversieglicher Eifer zum Studium, demuthsvolle Forschung, denkende Betrachtung. Auf diesem Felde, ehrwürdige Brüder, wünsche ich Ihnen zu begegnen; da haben Sie keine Opposition, keine Feindseligkeit irgendwoher zu fürchten; die Brenschen, welche eines geheimnisvollen Zuges zu Christus trotz allen Ausschlagens gegen den Stachel nicht loswerden können, werden sich wieder um Ihre Kanzeln sammeln und dem Worte des Lebens aus Ihrem Muude lauschen. Viele werden durch Ihre ernsten religiösen Vortrüge wieder zum Glauben kommen, eben weil sie zu richtigen Begriffen von den Wahrheiten des Glaubens gelangen. Andere werden, wenn auch nicht streng konfessionell Gläubige, doch Christ¬ gläubige werden, und wieder andere werden, wenn selbst nicht einmal christglüubig, doch nachdenkend werden. Und schon das ist ein großer Gewinn, weil es die Interesselosigkeit an den Fragen über den Menschen und den Sinn seines Daseins verhindert. Der Stachel ist da, und es wird ihnen am Ende schwer werden, gegen denselben auszuschlagen. Es ist nicht zu lüugneu, daß iu unserer Generativu eine eigeuthümliche Krankheit sich mancher Kreise bemächtiget hat, ein unbe¬ greiflicher Fanatismus gegen Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Aber inan wird wieder auf Gott kommen, wenn man sieht, daß die Widersprüche des Denkens und Lebens nur durch solch eine Macht gehoben werden können. Es ertönt in unserer Zeit von allen Seiten her der Ruf: „Der Glaube ist in Gefahr!" Ja Wohl. Aber woher kommt eigentlich die Gefahr? Gedenken wir der evangelischen Parabel: „Als die Arbeiter schliefen, kam der Feind und säete Unkraut unter den Weizen." Bevor wir einen Stein auf andere werfen, fragen wir uns selbst: Ist der Glaube um uns herum etwa deshalb in Gefahr gekommen, weil wir schliefen, oder was dem gleich kömmt, Ungehöriges trieben? Während wir sorglos der Uuthütigkeit uns Hingaben oder außerhalb unserer Sendung thütig waren, ist es geschehen, daß ein großer Theil der Gebildeten, theils geblendet vom Scheine einer falschen Freiheit, theils durch eine lügenhafte Weltanschauung irregeleitet, sich von der Kirche abgewendet hat. Wollen wir unserer Pflicht genügen, so müssen wir stets eingedenk sein der Worte des Herrn: „Wachet und betet!" Wir müssen unausgesetzt auf der Warle stehen und dem schlau vordringenden Feinde die Wege verbauen, auf denen es ihm zu gelingen pflegt, in das Ackerfeld des christlichen Glaubens einzudriugen und Unkraut zu säen. Die Wege sind mannigfaltig, auf denen gegen unsere thenersten Überzeugungen zu Felde gezogen wird. Bald ist es die Filosofie, bald die Naturwissenschaft, bald die Geschichte, welche das Rüstzeug zur Vernichtung unserer Hoffnung liefern soll. Da wird die Echtheit unserer heiligen Bücher, die Existenz eines persönlichen dreieinigen Gottes, die Welt¬ schöpfung, das Dasein reiner Geister, die selbstständige Wirklichkeit des menschlichen Geistes, die Freiheit des Willens, die persönliche Fortdauer nach dem Tode, das Jenseits, die Ewigkeit der Belohnungen und Strafen und somit in unbegreiflicher Verblendung gerade dasjenige geläugnet, was eigentlich den höchsten Adel des Menschen ausmacht, was ihn über alle anderen Geschöpfe der Erde erhebt und zur Krone der Weltschöpfung macht. Groß in der That — wer wollte das längnen! — sind die Fortschritte auf dem Gebiete der Forschung in Natur und Geschichte und der Geist hat Blicke in sein eigenes Leben geworfen, daß er dasselbe in seiner Wurzel, das heißt, in der Idee des Ewigen belauscht. Ehrwürdige Brüder! Wir haben keinen Grund, diese Fortschritte zu fürchten, vielmehr allen Grund, derselben uns zu freuen, sie werden allesammt Christo Zeugnis geben. An uns ist es, der Filosofie, der Naturwissenschaft und Geschichte dieses hehre Zeugnis zu entlocken. Wie kann das geschehen? Nur dadurch, daß Win selbst deukeud und prüfend die Gebiete dieser Wissenschaften betreten, aller Fortschritte auf denselben uns bemächtigen und in Geist, Natur und Geschichte die goldenen Schriftzüge sichtbar machen, in welchen jene, die guten Willens sind, das Zeichen Christi, des Weltheilandes, erkennen. In dieser Richtung, ehrwürdige geistliche Brüder aller Grade, finden Sie das weiteste Feld der Wirksamkeit, Sie können es nie erschöpfen; auf diesem Felde der heiligen Berufsthütigkeit werden Sie von den Menschen mit Wohl¬ gefallen angesehen und mit ehrfürchtigem Danke begleitet werden. Die Welt hat ja doch eigentlich im innersten Grunde des Herzens ein Bedürfnis, zu glauben und gläubig zu erkennen, ein Bedürfnis, sich unter dem liebenden Auge einer höchstwcisen Vorsehung zu wissen, ein Bedürfnis, von der Qual des Gewissens, vom Drucke der Sündenschuld befreit zu werden, und ihre Hoffnung über die Pforte des Todes hinaus in die Ewigkeit zu erstrecken. Sie wird sich an diese Hoffnung wieder anklammern, wenn sie sieht, daß das, was wir bekennen und verkünden, wirklich auch der Gegenstand unserer höchsten Verehrung, unserer tiefsten Ueberzengung und unserer glühendsten Sehnsucht ist. Die reichsten Früchte, die nachhaltigsten Erfolge wird Ihre erleuchtete Wirksamkeit bei der Heranwachsenden Jugend erzielen. Daher wende ich mich mit besonderer Dringlichkeit des bekümmerten Herzens an Sic, ehrwürdige Lehrer der theologischen Wissenschaft, an Sie, ehrwürdige Vorsteher der geistlichen Bildungsanstalten, an Sie, ehrwürdige Religionslehrer der Mitlelschulen. Ein herrliches Los ist Ihnen zugefallen. Streben Sie in jeglicher Weise dahin, um liebende Treue und kindliche Ehrfurcht gegen den Urheber und Vollender unseres Glaubens in die jugendlichen Herzen zu pflanzen, den Glauben an den Gesalbten nut dem Geiste in der innersten Wurzel zu verknüpfen, den beweglichen Willen an den Gehorsam gegen Gott und die Kirche zu binden. Glücklich, wenn Sie jene Reife erzeugen, daß die ans den Borbereitungsschulen austretenden Jünglinge über sich selbst, über ihr Verhältnis zu Gott und Welt im Klaren seien. Ich werde Sie aber auch glücklich schätzen, wenn Sie, im ungünstigsten Falle, bei Einzelnen doch das erreichen, daß Sie, nach eineni verhängnisvollen Schiffbruch späterer Jahre, die durch den Verlust des Glaubens entstandene Oede als unerträglich fühlen und wieder nach dem verlorenen Gut des seligen Friedens in Christo sich zu sehnen beginnen. Die erste Grundlage zur sittlich-religiösen Bildung muß die Volksschule legen, und es drängt mich, daß Sie, ehrwürdige Mitarbeiter im Weinberge des Herrn, Ihr Verhältnis zu derselben in der ganzen Bedeutsamkeit erfassen. Die Volksschule ist nichts weniger als getrennt von der Kirche; der Religionsunterricht bildet einen integrircnden Bestandtheil im Organismus der Volksschule und dieser Unterricht fällt vermöge ihrer göttlichen Sendung der Kirche allein zu. Dem Religionslehrer als Repräsentanten der Kirche gehört auch die Leitung der geistlichen Uebungen; beide, Katechet und Lehrer, arbeiten in christlicher Eintracht an dem heiligen Werke der religiös-sittlichen Erziehung. Diesen Einstuß auf die Volksschule zu üben hat die Kirche nicht bloß ein Recht, sondern auch die heiligste Pflicht. Sie kann es nicht unterlassen, die Kleinen zu Christus, dem göttlichen Kinderfrcunde, hinzuführen und die Liebe zu ihm in deren zarte weiche Herzen zn pflanzen. Die Kirche ist aber nach dein Schulaufsichtsgesetze unseres Kronlandes noch anderweitig vielfach mit der Volksschule verknüpft und verschlungen. Sie ist im Landesschulrathe durch zwei Mitglieder des Klerus vertreten, welche vom Kaiser über Vorschlag des Ordinarius ernannt werden; sie hat ihren vom Bischöfe ernannten Repräsentanten in jedem Bezirksschulrathe; endlich ist jeder selbstständige Seelsorger ein geborenes Mitglied des Ortsschulrathes: in sehr vielen, vielleicht in der Mehrzahl der Landschulen, fungirt er auch als Ortsschnl-Jnspektor. Die Stellung der Geistlichkeit ist also so geartet, daß sie sowohl in administrativer als auch in didaktisch-pädagogischer Hinsicht den größten und wohlthätigsten Einfluß auf das Gedeihen der Volksschule nehmen kann. Urtheilen Sie selbst, ob die Zurückweisung oder Unterlassung eines solchen Einflusses irgend berechtiget wäre. Es ist bekannt, daß sich einige österreichische Bischöfe an den heiligen Vater mit der Frage gewendet haben, wie sie sich den neuen Schulgesetzen gegenüber zu Verhalten haben, insbesondere ob sie ihren Geistlichen gestatten dürfen, sich an den auf Grund der neuen Schulgesetze zn organisicnden Orts-, Bezirks- und Landesschnlräthen zu betheiligeu. Auf die so gestellte Anfrage wurde im Namen des heiligen Vaters durch den apostolischen Nuntius in Wien nnterm 24. Februar 1869 Niro. 1940/1 an den Metropoliten von Görz folgender Bescheid ertheilt und allen Suffragancn zur Darnachachtnng mitgetheilt: „(lolsissiuw 6t Uovoronllwmmo Domino! Xovit Oolsitmäo Vs8tra kovoronäismmg., Lnmtm .Lolli apostoliew propO8itam kuisso guMtionom, an viri ocelosiastiei Ooiwiliorum supor sakiolis fnxta loMm Iiujus imxorii llo llio 25. Nasi nuni 1868 p. olapm 6on8titutorum partieip68 6886 p088int. Unia giEtioni voIons boatwmmrw Uator 6Onv6ni6U8 llaro r68pon8nm, maturo oxamino primo porpoiww, gmv Upweopi lme llo io intwrroMti 8ui8 littorw 6xp08U6runt 6orumgu6 llmnllo nttenta opinionnm llivcmsitato, eoiwuit omnia lloe 8ub intuitu prullonti oorunllom Urallatorum arbitrio rolinguoulla; quatomw ipsi .jullicont, an noeno, viris 6eola8 oarumguo in8titution6in pro viribu8 6ON86rvar6." Ans diesem Bescheide geht hervor, daß die Bischöfe nach der Willens- meinnng des heiligen Vaters den Einfluß auf die Schuleu und deren Unterricht möglichst zu wahren beflissen sein sollen. Von der Wahrung eines solchen Einflusses könnte aber keine Rede sein, wenn die Geistlichen von den Schulen sich zurückzögen, und etwa die ihnen angebotcnen Ortsschul-Jnspektorsstellen zurückwiesen. Die Volksschule war von jeher eine kostbare Domäne der Kirche. Auch durch die gegenwärtige Provinzial¬ gesetzgebung ist uns in dieser Richtung nach dem oben Dargelegten ein weites und dankbares Feld geöffnet; nur hängt das Maß des wohlthätigen Einflusses, ehrwürdige Brüder, nicht bloß von Ihrer geistlichen Würde, sondern von Ihrem persönlichen Werte, das heißt, von Ihrer geistigen Befähigung, von der Ueberlegenheit Ihrer Einsicht und Bildung, von der genauen Kenntnis der Schulgesetzgebung und Unterrichtsordnung und von dem Maße der Liebe zur Jugend ab, jener Liebe, welche der Herr kennzeichnet, da er spricht: Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich! Die Jugendbildung ist es in der That Werth, daß Sie, ehrwürdige Seelsorger, dieselbe mit aller Innigkeit eines liebenden Herzens umfassen. Bewahren Sie tief in der Seele das goldene Wort des heiligen Johann Chrysvstomus: i,(Zuill mnju8, guam nnimi8 moäerari, gunm nllol68e6ntulornm ünZoro mor68? Omni eerto pietoro, omni eorto «tutuurio, eotsrisgno luijusmodi omnibus oxesllontioroin bun(! ckueo, gui jnvonnnr uniiuos tinMt-6 uon iAiioi-ob". So ist es. Wahrlich, wer der Herzen der Jugend sich bemächtiget, dem gehört die Zukunft. Haben Sie den Samen christlicher Bildung tief in die Herzen der Kleinen gelegt, haben Sic denselben während seines Keimens und Aufstrebens zum Lichte wahrhafter Aufklärung, während seiner Entwickelung zu christlicher Zucht und Sitte sorgsam gepflegt, so haben Sie dadurch eine Eroberung vorbereitet, mit der an nachhaltigen, beseligenden Folgen keine mit materiellen Waffen erfolgende vergleichbar ist. Sind Sie, ehrwürdige Brüder, selbstständige Seelsorger eines Pfarrsprengels, so werden Sie als Mitglieder des Ortsschulrathes, mit der himmlischen Charitas im Busen, die bewegende Seele desselben sein; Sie werden nicht bloß Ihre geistliche Autorität zur Erzielung eines fleißigen Schulbesuches geltend machen können, sondern vielfältige Mittel in der Hand haben, um den Gang des Unterrichtes naturgemäß zu lenken und dessen gedeilichen Erfolg zu sichern. Sind Sie Katecheten der Schule, so können Sie die reichste Fülle des Segens ansstreuen. Als Solche werden Sie wohl zunächst die Aufgabe haben, den Blick der Kleinen zu ihrem ewigen Vater, zu ihrem Schöpfer und Erlöser, zu lenken und deren Herzen die Weihe jenes liebenden Gehorsames zu vermitteln, der auch dann noch anhält, wenn Fleisch und Blut ihn schwer empfinden. Sie werden als Katecheten in guter Harmonie mit dem weltlichen Lehrer zu wirken trachten und darum auch mit den ihm znfallenden Lehrgegenständen sich vertraut zu machen beflissen sein. Es wird sich öfter die Nothwendigkeit ergeben, daß Sie seine Stelle ersetzen, in Erledigungsfällen nach Thnnlichkeit den ganzen Unterricht übernehmen, oder an Orten, wo keine sistemisirte Schule besteht, eine Nothschule halten. Von jeher waren die Seelsorger die vorzüglichsten Bildner des Volkes. Ich hege die Zuversicht zu Ihnen, daß eben die Liebe zum theueren Volke der Heimat Sie drängen wird, dieser Mission auch in Zukunft treu zu bleiben. Ehrwürdige Brüder! Dro Okristo loMtiono kungimur, Dei onim suinus aclsutoros (I. Cor. 3, 9). Wohlan denn, so predigen Sie das Wort aller Kreatur, den Erwachsenen und den Kleinen, den Starken und den Schwachen; legen Sie ihnen mit weiser Berechnung die Speise des Lebens vor, den einen werden Sie Milch, den anderen kräftigere Speise reichen; predigen Sie aller Orten, in der Kirche, im Beichtstühle, in der Schule, am Krankenbette, in jeder Hütte, wo man nach dem Troste und Segen des Wortes Gottes verlangt; predigen Sie in jeglicher Weise, odsoera, iueropa in omni putioutiu ot äoebrinu; predigen Sie mit dem eigenen Leben. Dieses Wort des eigenen Lebens ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert, durchdringend Mark und Gebein, cs bewegt nicht nur, es zieht. Lxomplum osbo tiäolium, so ermahnt der Apostel seinen geliebten Timotheus (I. Mm. 4, 12) und mit ihm alle jene, welche das Weihezeichen der Kirche in ihrer Seele tragen. In omnibus toipsum prmbo oxomplum bonorum opsrum (Mt. 2, 7). Die Priester sind in der Kirche eigens dazu bestellt, um ein gutes Beispiel zu geben, ja sie sind nicht nur Beispiele, sondern Vorbilder, gemäß dem Worte des höchsten, leuchtendsten Vorbildes für jeden gottgefälligen menschlichen Wandel: Lxomplum ckocki vobis, ut gumnaämockum s§o toost itn ot vos üumtis. Der Herr selbst erklärt beim Profeten hlor. 31, 14), daß die reiche Fülle von Gütern, welche über eine Gemeinde sich ergießen, aus der belebenden Quelle des priesterlichen Lebens fließt: Iimbrmbo ummam saeorckotum pinFuoäino, ob populus nmus bonis mois ackimplobitur, Ümit Dominus. So mögen Sie denn, in Christo geliebte Brüder, pflanzen und begießen mit dem Worte des Mundes und des Lebens. Nichts hindert uns, alle jene Thätigkeit zu entfalten, welche die heilige Kirche in Christi Auftrag zur größern Ehre Gottes und zum Heile der Seelen zu entfalten berufen ist. Nur unsere eigene Schuld wird es sein, wenn wir mit unseren Werken zurückbleiben. Doch wissen sollen wir, daß nur Gott es ist, der das Gedeihen gibt. Darum wollen wir inbrünstig zu ihm flehen, daß er unserer Arbeit seinen Segen gebe. Am Morgen, am Abend, zu jeder Zeit des Tages soll unser Gebet zu ihm aufsteigen, insbesondere wenn das hochheilige Opferlamm vor uns am Altäre liegt und wenn nach der heiligen Communion der ewige Vater auf uns herniedersehend in uns das Bild seines Sohnes erkennt. Der Herr wird uns dann mit seiner Hilfe nahe sein. Eine ist unsere Berufung, eines soll auch unser Streben sein. In brüderlicher Liebe vereint, sollen wir dem hohen Ziele entgegenwandeln; ein herrliches Schauspiel wird es vor Himmel und Erde sein, wenn wir in unseren socialen Beziehungen Eintracht und Frieden, in unseren geistlichen Verrichtungen Einförmigkeit, in der Lehre Einstimmigkeit bewahren. Es besteht eine zweifache, die kirchliche und staatliche Ordnung, welche unsere Lebensverhältnisse regelt; die eine gipfelt in dem von Christo gesetzten Felsen, dem Nachfolger des heiligen Petrus in Rom, die andere in dem Kaiser von Gottes Gnaden, dem Erben erlauchter Ahnen. Auf deni Grunde dieser zweifachen Ordnung wollen wir die Einigkeit bewahren, indem wir Gott geben, was Gottes, und dem Kaiser, was des Kaisers ist, und in Beweisen der Ehrfurcht und Liebe gegen die von Gott gesetzten Autoritäten wetteifern. Treu einhaltend die in flüchtigen Zügen gezeichnete Norm des priesterlichen Lebens, werden wir, wenn die Zeit unserer Auflösung bevorsteht, vertrauensvoll mit dem Apostel sagen können: „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, meinen Lauf vollendet, die Treue bewahrt; es erwartet mich die Krone der Gerechtigkeit,, verheißen denjenigen, die seine Ankunft lieben." Zum Schlüße, Geliebte, nur noch ein großes Anliegen meines Herzens. Bringen Sie, ehrwürdige Brüder, welche Zeugen meiner Konsekration waren und zu denen überhaupt dieses Schreiben gelangt, meinen oberhirtlichen Gruß und Segen allen, für welche Sie durch die Gnade Christi das Hirtenamt empfangen haben. Sagen Sie ihnen, daß ich meinem Gott durch Jesum für alle danke, welche zum Glauben berufen wurden und durch denselben reich geworden sind in aller Lehre und in aller Erkenntnis. Mein Zeuge ist Gott, dem ich iu meinem Geiste durch das Evangelium seines Sohnes diene, daß ich ohne Unterlaß ihrer gedenke, allezeit in meinen Gebeten, und bitte, daß es mir bald gegönnt werden möge, zu ihnen zu kommen. Ich sehne mich, sie zu sehen, damit ich ihnen auch etwas von geistiger Gabe mittheile zur Stärkung und selbst getröstet werde bei ihnen durch wechselseitigen Glauben, den ihrigen und den meinigen. Ich bin allen Schuldner, und was an mir liegt bereit, allen aller Orten das Evangelium zu verkünden, welches eine Kraft Gottes ist, zum Heile für einen jeden, der daran glaubt. (Uom. 1—2, 6or. I.) Ich bestätige hiemit die geistliche Jurisdiction und die von der gesetzmäßigen Autorität ertheilten Facultäten bis zu der einem Jeden festgesetzten Zeit. Wenn eine Abänderung oder eine Vermehrung sich als nützlich oder nothwcndig Herausstellen sollte, so wird seinerzeit das Nöthige versügt werden. Ihm, der mächtig ist euch zu stärken nach meinem Evangelium und der Predigt Jesu Christi, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten verborgen war, ihm sei Ehre und Preis durch Jesum Christum in Ewigkeit. (liom. 16, 25, 27.) Gnade sei euch und Friede von Gott unserem Vater, und dem Herrn Jesu Christo. (Rom. 1.)> Aus dem bischöflichen Wohnlihe in Wbach am 6 September 1375. Jilhann hrWKjimu^ Fürstbischof. vruek äer „Näroäna tiskarna" irr Kaidaed. — LelbstvsrlaK. -