KATHOLISCHE MISSIONSZEITSCHRIFT Inhalt Missionsbischof Johannes Riegler M. F. S. C. gestorben ........................... 122 P. Wilhelm Kühner: Religionsunterricht im Kraal .............,.................... 124 P. Karl Fischer: Gerichtssitzung bei einem Zuluhäuptling ......................... 127 P. Wilhelm Kühner: Notizen aus Pretoria (Schluß) ................................. 129 Br. August Cagol: Du guter und getreuer Knecht ................................... 130 Oskar Hofmann: Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige ................. 131 Br. August Cagol: Königslanze und Kreuz (Schluß) ................................. 135 Hugo Kocher: Der Schatz des Inka (Fortsetzung) ................................... 140 Das vordere Umschlagbild zeichnete Rudolf Wirth, München; der Scherenschnitt auf der 4. Umschlagseite stammt von Hugo Kocher, München. Zur gefälligen Beachtung Die Missionszeitschrift „Stern der Neger" erscheint alle zwei Monate im Umfang von 24 Seiten. — Der jährliche Bezugspreis beträgt in Deutschland DM 2.50; in Österreich 12 Schilling; in Italien 300 Lire. — Allen, die den Bezugspreis für 1955 schon gezahlt haben, sagen wir ein herzliches Vergelt's Gott. Bestellungen werden entgegengenommen: In Deutschland vom Missionshaus Josefstal, Ellwangen (Jagst), Württemberg; in Österreich vom Missionshaus Maria Fatima, Unterpremstätten bei Graz; in Italien vom Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen. Einzahlungen sind zu richten: In Deutschland auf das Postscheckkonto Stuttgart 54 066 Missionshaus Josefstal; in Österreich auf das Scheckkonto 86211 „Stern der Neger"; in Italien auf das Herz-Jesu-Missionshaus in Milland bei Brixen. Miffionsgebetemeinungen Vom Heiligen Vater gutgeheißen und gesegnet November: Für die Missionen unter den Indios und Negern Südamerikas; Dezember: Daß die studierende Jugend Japans nach gesunden Grundsätzen gebildet werde, die zur Erkenntnis der Wahrheit führen. Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionäre Söhne des Heiligsten Herzens Jesu, Josefstal bei Ellwangen (Jagst), Württemberg. Postscheckkonto Stuttgart 54066. — Schriftleitung: P. Stephan Untermann. — Druck: Schwabenverlag AG., Zweigniederlassung Ellwangen (Jagst). Mit kirchlicher Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern. Stern ber Neger Katholifebe Miffione=Zeitfchrift Herausgegeben oon öer Kongregation Miffionäre Söhne bes Heiligften Herzens Jelu 48. Jahrgang Heft 6 Am 10. August wählte das Generalkapitel der Kongregation Missionäre Söhne des Heiligsten Herzens Jesu P. RICHARD LECHNER zum neuen Generalsuperior. Er wurde geboren am 16. Februar 1911 in Tannhausen, Diözese Rottenburg; empfing 1935 in Brixen die Priesterweihe und war seitdem ununterbrochen in d,er Missionsdiözese Lydenburg (Südafrika) tätig. Wir wünschen dem neuen Generalobern Gottes reichsten Segen. (Foto Zirlik, Ellwangen/Jagst) Miffionebifchof Johannes Riegler M.F. S.C. geftorben In der September/Oktober-Nummer des „Stern der Neger" mußten wir unsern Lesern mitteilen, daß der Oberhirte unserer südafrikanischen Missionsdiözese Lydenburg, Exzellenz Johannes Riegler, sehr schwer erkrankt sei. Die Art seiner Erkrankung — Verletzung des Gehirns mit Lähmungserscheinungen an Armen und Füßen — gab nur wenig Hoffnung auf eine baldige und vollkommene Wiederherstellung seiner Gesundheit. Daß das Ende aber so schnell kommen sollte, darauf war man doch n'cht gefaßt. Und so war die Bestürzung groß und allgemein, als am Nachmittag des 7. Oktober im Missionshaus Josefstal ein Telegramm aus Transvaal eintraf: „Bischof Riegler um 3.00 Uhr morgens gestorben." In tiefer Trauer gedenkt die Kongregation der Missionäre Söhne des Heiligsten Herzens Jesu des heimgegangenen hochwürdigsten Missionsbischofs. In tiefer Trauer stehen die Gläubigen seiner ■ südafrikanischen Diözese am Grabe des geliebten und hochverehrten Oberhirten. Allzu früh mußte Bischof Johannes Riegler von uns gehen, und es bleibt uns nur übrig, seiner Seele im Fürbittgebet zu gedenken und in seinem Geist in Heimat und Mission sein Werk fortzusetzen. Der äußere Lebensgang Der Verewigte wurde geboren am 1. Dezember 1901 in Übersbach (Steiermark). Nach dem Abitur trat er 1921 in unsere Genossenschaft ein und empfing 1926 in Brixen (Südtirol) die hl. Priesterweihe. Im folgenden Jahre kam er nach Südafrika und wirkte mit froher Hingabe auf der Hauptstation Maria Trost in der damaligen Präfektur Lydenburg. Im Jahre 1939 ernannten ihn die kirchlichen Obern zum Apostolischen Präfekten von Lydenburg. Neün Jahre später erhob der Apostolische Stuhl die Präfektur zum Vikariat und 1951 bei der Errichtung der kirchlichen Hierarchie in Südafrika zur Diözese. Am 23. Januar 1949 empfing Monsignore Riegler in Maria Trost die Bischofsweihe. Nach menschlichem Ermessen lag nun ein langjähriges Wirken vor ihm. Gott hat es anders gewollt. Nach nur sechsjähriger Tätigkeit als Missionsbischof war sein irdischer Lauf vollendet. Wenn nach dieser Schilderung der äußeren Lebensverhältnisse einige Worte über die Persönlichkeit und das Wirken des verstorbenen Bischofs gesagt werden sollen, so können wir uns dabei auf die Ansprache beziehen, die Generalsuperior P. Richard Lechner beim Trauergottes-dienst im Missionshaus Josefstal hielt. Er nannte Bischof Riegler einen vorbildlichen Missionar, einen umsichtigen und tatkräftigen Oberhirten und einen lieben Mitbruder. Der Missionar Am Anfang alles missionarischen Wirkens steht die Erlernung der Landessprachen. Mit größter Energie und stets gleicher Begeisterung verlegte sich der junge Missionar auf das Studium der Zulusprache. Er begnügte sich nicht mit einer oberflächlichen Kenntnis derselben, sondern nahm immer wieder, auch noch in späteren Jahren, die Grammatik zur Hand, um sich im Gebrauch der Sprache zu vervollkommnen. — Vorbildlich war dann seine Tätigkeit in der Missionsschule. Regelmäßig erteilte er den Katechismusunterricht, und es gab für ihn nicht leicht eine Entschuldigung, diese wichtigste Arbeit eines Missionars zu unterlassen. Sein Grundsatz, den er selbst zuerst befolgte, war: Zuerst Unterricht und Predigt, dann Planen und Bauen. Für katholische Lehrer tat er sein Möglichstes, obwohl er dabei auch viele Enttäuschungen erlebte. Seine Versuche, Katechistenschulen zu errichten, blieben leider ohne Erfolg. Seine missionarische Haltung war gepaart mit großer Leutseligkeit und steter Hilfsbereitschaft. Jedermann hatte bei ihm stets Zutritt; alle fühlten sich bei ihm zuhause. Wo immer er helfen konnte, da half er. Mit seinem Auto brachi : er Kranke ins Hospital; gestern diente es als Hochzeitskutsche, heute als Leichenwagen. Hatte jemand auf der Straße eine Panne, gleichgültig ob Weiß oder Schwarz, Bischof Riegler half immer, überdies war ihm ein goldener Humor eigen, der ihm bei Katholiken und Andersgläubigen unzählige Freunde gewann, die ihn wirklich tief verehrten. Die Schwarzen, diese scharfen Beobachter, nannten den Bischof mit Vorliebe „Mhlakanipane", d. h. den „Ganzklugen", weil seine erfinderische Liebe immer neue Wege fand, ihnen zu helfen. Sie nannten ihn auch „Ndoda Emadodeni", das bedeutet „Mann unter den Männern", weil er allzeit treu und verläßlich war. Der Missionsbischof Als Oberhirte war Bischof Riegler mehr Vater als Kirchenfürst. Das zeigte sich besonders während der Kriegsjahre, überall sprang er helfend und tröstend ein, da die Missionäre ihren Aufenthaltsbezirk nur sehr schwer verlassen konnten. Und was tat er nicht alles um die Internierung seiner Mitbrüder zu verhindern und die bereits internierten wieder freizubekommen! — Während seiner Amtszeit wurden viele Schulen und nicht weniger als zwölf Stationen neu eröffnet. Er gründete auch eine Genossenschaft von schwarzen Schwestern, die „Töchter des Unbefleckten Herzens Mariä" die wohl noch eine wichtige Rolle in unserer Mission in Transvaal spielen werden. —-Seine intime Kenntnis der Zulusprache und seine Vertrautheit mit den Problemen der Schwarzen bewog die Bischöfe Südafrikas, Exzellenz Riegler zum Vorsitzenden ihres Rates für Rassen- und Eingeborenenfragen zu wählen. Mit allen führenden Katholiken Südafrikas war er persönlich bekannt, da er regelmäßig allen größeren Tagungen der katholischen Lehrerschaft und der „Katholischen Aktion" beiwohnte. Der Mitbruder Bischof Riegler war nicht nur ein vorbildlicher Missionar und ein tatkräftiger Oberhirte, sondern auch jederzeit ein lieber Mitbruder; nach der Bischofsweihe nicht weniger als vorher. Für jeden Pater und Bruder war er immer zu sprechen. Allzeit war er ein gern gesehener Gesellschafter, der zur Unterhaltung und Abspannung auch ein Kartenspiel nicht verschmähte. Bei ernstlicher Erkrankung eines Mitbruders beeilte er sich, ihn zu besuchen, und kam es zum Sterben, so Exzellenz Johannes Riegler M. F. S. C., Bischof der Missionsdiözese Lydenburg, Südafrika, gestorben am 7. Oktober 1955 in Witbank. fand er sich rechtzeitig ein, um in der letzten Stunde beizustehen. Den Wahlspruch, den er für sein bischöfliches Wappen gewählt hatte, suchte er zuerst selbst und in vorbildlicher Weise zu erfüllen: „Filioli, diligite alterutrum" •— „Kindlein, liebet einander." Der Trauergottesdienst für den hohen Verstorbenen fand am 9. Oktober in Witbank statt. Am nächsten Tag wurden die sterblichen Überreste von Bischof Riegler zur letzten Ruhe bestattet. Er fand sein Grab in der von ihm geweihten neuen Kathedrale. Erzbischof Garner von Pretoria nahm die Beerdigung vor, Erzbischof Hurley von Durban sprach den Nachruf, fünf Bischöfe sangen die feierliche Absolution. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erwiesen ihm die letzte Ehre. Möge die Erinnerung an diesen ersten Oberhirten der Missionsdiözese Lydenburg Missionaren und Gläubigen ein steter Ansporn sein, an dem von ihm geförderten Werk unverdrossen weiterzubauen. Religionsunterricht im Kraal Von P. Wilhelm Kühner, Witbank (Transvaal) „Ich kenne die Meinen." Dieses Wort des guten Hirten sollte jeder Missionar auch von seinen Schäflein sagen können. Deshalb bemühe ich mich, als neuernannter Seelsorger von L. mein weitausgedehntes Gebiet zu durchstreifen und möglichst viele Gläubige und auch Nichtgläubige kennen zu lernen. Eine gute Gelegenheit dazu bietet der wöchentliche Gang des Katechisten Franz zu gewissen Außenposten. Gewöhnlich fährt er mit dem Rad. Aber heute nehme ich ihn einmal in meinem kleinen Auto mit. Eine kleine Schachtel Süßigkeiten stecke ich noch geschwind zu mir, und dann geht es los. Unterwegs probiere ich meine Sprachkenntnisse in Zulu aus. Mit dem Katechisten kann ich drauflosreden; er versteht mich und kann mich auf Fehler aufmerksam machen. Obwohl er schon ein älterer Mann von über 60 Jahren ist und ich noch ein Neuling im Missionsleben bin, verstehen wir uns doch dank seiner den Bantus eigenen freundlichen Art ganz gut. Wo wir uns in Zulu nicht verständigen können, wechseln wir auf Englisch oder Afrikaans über. Von der Hauptstraße biegen wir nach einigen Meilen links ab und bald können wir mit dem Auto nicht mehr weiter. Der Weg hört auf, nur die Fußpfade der Schwarzen winden sich noch durch das harte, hohe Gras. Wir müssen unter einigen Stacheldrahtzäunen durchkriechen. Heiß brennt die Sommersonne auf uns nieder. Drüben in den Steen Kamp-Bergen braut sich ein Unwetter zusammen. Wir kommen zur Farm eines Katholiken, die von meinem Vorgänger für einige Zeit gepachtet worden war, um dort Schwarze anzusiedeln. Im ersten Kraal ist niemand zu Hause. Im nächsten finde ich eine ledige junge Mutter und ein Mädchen, die mir bekannt sind. Es ist gut zu wissen, wo die Leute wohnen. Dann kann man auch besser beurteilen, inwieweit sie schuldig zu spre- chen sind, wenn sie hie und da am Sonntag nicht in die Kirche kommen. Die meisten von ihnen haben einen Kirchenweg von mehr als einer Stunde, manche sogar mehr als zwei Stunden Fußmarsch. Dabei sind sie im Sommer nie vor einem Gewitter sicher und haben meistens keinen Regenschirm oder Regenmantel, manchmal nicht einmal andere Kleider zum Wechseln. So ist es trotz allem erstaunlich, daß sie diese Opfer bringen. Dabei haben sie keine jahrhundertelange Tradition, die die Gläubigen in der Heimat zum Kirchgang nötigt. Es ist schwer, ihnen den Begriff der Sonntagspflicht beizubringen. Warum denn auch jeden Sonntag? Die Protestanten nebenan gehen doch auch nicht jeden Sonntag zur Kirche und sie haben keinen so weiten Weg. Weil ich gerade die Protestanten erwähne: Ich war vor einigen Tagen bei Herrn E., dem Berliner protestantischen Missionar. Er und seine Frau waren sehr lieb und freundlich. Da gerade auch ein anderer Besucher mit seiner Frau zu Gaste war, der sehr aufs Kartenspielen aus ist, habe ich sogar einer Skatpartie zu gestimmt, die uns alle köstlich unterhalten hat. Die Berliner Mission arbeitet hier schon seit 1860. Wir katholischen Missionare kamen erst 1924 in dieses Gebiet. Mein Katechist erzählte mir, daß viele die protestantische Kirche verlassen haben und zur katholischen Kirche übergetreten seien, weil sie einsahen, die Kirche Luthers sei nicht gut. Ich fragte nach dem Warum. Die Antwort war, daß viele Schwarze vor dem Abendmahl schon betrunken waren. Das hat abgestoßen. Wie gut und weise ist doch das Nüchternheitsgebot unserer Mutter Kirche, dachte ich mir. Im dritten Kraal wimmelte es von Leuten. Etwa ein Dutzend halbnackter Kinder springen umher, andere reiten auf dem Rücken ihrer Mütter, mit e'nem Ziegenfell und Tüchern festgebunden. Ich ziehe meine Bonbonschachtel heraus, um ihnen zu helfen, die erste Scheu zu überwinden. Ein ganz kleiner Mann von etwa zwei Jahren weiß sich noch nicht zu benehmen. Die Eingeborenensitte schreibt vor, daß man Geschenke nicht mit einer Hand entgegennehmen darf, sondern mit beiden Händen, die man wie eine Schale zusammenlegt als Ausdruck der Bitte und des Dankes. Sofort wird der ungebildete von seinem vielleicht fünf Jahre alten Bruder in drolliger Weise belehrt, der Sitte gemäß zu handeln. Es ist zum Lachen, wie der größere dem Kleinen die Hände zusammenfügt, die Handfläche nach oben. Mit Gebet beginnt der Unterricht. Der alte Paulus mit seiner tiefen Bärenstimme und seiner von den Jahren gebeugten Haltung muß das Vaterunser aufsagen. Er kann es zur Not. Zwei andere ergraute Greise, deren Alter wie bei den meisten Negern sehr schwer zu bestimmen ist — selbst wissen es die wenigsten — können das „Gegrüßet seist Du, Maria". Zwei junge Mädchen mit je einem Sprößling auf dem Rücken wissen die Zehn Gebote. — Seitdem durch die Weißen das Stammessystem zerstört worden ist, gibt es viele uneheliche Kinder. Aber wenigstens bringen die Schwarzen sie noch zur Welt. Die katholischen Mädchen haben in einem solchen Fall drei Sonntage hintereinander während der hl. Messe vor der ganzen Gemeinde im Gang der Kirche auf den Boden zu knieen, um ihre Schuld öffentlich zu büßen. Erst dann dürfen sie wieder zu den Sakramenten. Die Buben und Mädchen wissen zu sagen, wie der Priester die Taufe spendet und wie die drei göttlichen Personen heißen. Dann liest der Katechist den nächsten Abschnitt vor über die Hochzeit zu Kana und die Wunder, die unser Herr wirkte. Schöner und besser wäre es freilich, er könnte die Geschichten auswendig. Aber dazu ist er zu alt. Und ich kann die biblischen Berichte auch nicht auswendig, weil ich die Sprache noch nicht beherrsche. Nach dem Unterricht werde ich zu einer Tasse Tee in der Hütte eingela- Vom 9.—19. August tagte Im Missionshaus Josefstal hei Ellwangen (Jagst) das 5. Generalkapitel unserer Genossenschaft. — Erste Reihe von links: Alfred Stadtmüller, Karl Mönch, Vinzenz Kirchler, Anton Baumgart, Johann Deisenbeck, Alois Wilfling, Josef Würz. — Zweite Reihe: Andreas Riedl, Andreas Lechner, Franz Rauch, Franz Koch, Stephan Untermann, Anton Reiterer, Alois Hirner, Hermann Bauer. (Foto Zirlik) den. Ich war überrascht, denn ich hatte nichts erwartet. Auch kleine selbstgebackene Brötchen wurden uns beiden, dem Katechisten und mir hingestellt. Ugogo (die Großmutter), eine der ersten Katholiken des Gebietes, von P. Zorn selig getauft, hatte sogar eine Art Pudding bereitet. Ich hatte sie bei unserer Ankunft noch an der Arbeit gesehen, aber nicht begriffen, was ihr Tun bedeuten sollte. In einem Mörser hatte sie mit einem dicken, keulenartigen Stock Mangokerne zerstoßen, die dann mit Maismehl vermischt wurden. Dazu kam noch etwas Zucker, und der Pudding war fertig. Er schmeckte nicht schlecht. Neben der Teekanne stand sogar eine Büchse mit kondensierter Milch. Europäische Zivilisation breitet sich auch unter den Schwarzen immer mehr aus, aber nicht immer zu ihrem Vorteil. Mein Katechist Franz mag keinen Tee. Er fragt mich, ob er sich Negerbier geben lassen darf. Ich habe nichts dagegen, wenn sie welches bereit haben. Denn der Zubereitungsprozeß dauert einige Tage. Die Ugogo serviert einen großen Humpen. Ich verbiete Franz, ihn ganz ayszutrinken. Großmutter bringt daher einen großen Becher und schenkt ein, aber nicht ganz. Dann macht sie merkwürdigerweise das Kreuzzeichen, betet kurz und trinkt selbst. Ich verstehe das zuerst nicht recht. Langsam aber dämmert es mir: Ach so, sie muß zuerst trinken, um zu beweisen, daß kein Gift im Topf ist. Jetzt erst schenkt sie dem Katechisten den Becher voll und überreicht ihm knieend in ehrfürchtiger Haltung das Bier. Ich habe das schon oft beobachtet, daß die Frauen die Männer km'eend bedienen. Wohl ein Zeichen, daß sie im Heidentum die Sklavinnen ihrer Männer sind. Aber auch bei Männern habe ich dieses Knieen schon gesehen. Auf Weihnachten schenkte ich einem unserer schwarzen Lehrer einen Anzug, den ich selbst schon zwei Jahre getragen hatte. Wochen zuvor hatte Lehrer Moses um diesen Anzug gebeten, aber ich hatte ihm keine Hoffnung gemacht. So kam das Geschenk ganz unerwartet. Sein Gesicht strahlte vor Freude. In seinem Entzücken ließ er sich spontan auf beide Kniee nieder und nahm dann mit beiden Händen und unter Dankesausbrüchen den Anzug in Empfang, etwa wie ein Novize bei der Ein- Der Katechet Franz Maila gibt Unterricht im Kraal Masekos. (Foto W. Kühner) kleiđung das Ordensgewand entgegennimmt. Beim Weggehen gab ich der Großmutter eine halbe Krone (1.— DM). Ich mußte ihr ehrlich versichern, daß das keine Bezahlung sei, sondern ein Geschenk meinerseits. Knieend nahm sie es mit beiden Händen entgegen und sagte: „Ngiyabonga, baba" (ich danke, Vater). Bei früheren Besuchen in anderen Hütten hatte ich schon Geschenke erhalten, die anzunehmen ich mich beinahe schämte, da ich die große Armut dieser Leute sah. Aber ein Zurückweisen hätte eine Beleidigung bedeutet und als europäischer Stolz ausgelegt werden können, der von armen Schwarzen nichts annehmen will. So brachte ich einmal eine Henne nach Haus, die wohl heute noch auf der Missionsstation mit den Hühnern Br. Brands um die Wette Eier legt. In anderen Fällen wurden mir Eier angeboten. Ein sehr frommer protestantischer Schwarzer gab mir sogar eine halbe Krone, wofür ich ihm dann Arzneien von unserer Krankenschwester Bernarda gegen sein Blutspucken besorgte. Die Absicht jedoch, für sein Geld eine Gegengabe zu erhalten, kam bei ihm nicht in Frage. Ihm eine solche zu unterschieben, hätte ihn schwer verletzt. Der Kraalsherr Johannes, ein Kate-chumene, begleitete uns bis zum Zaun. „Hambani kahle!" (Glückliche Re-se!) rief er uns nach. „Sala kahle!" (Angenehmer Verbleib!) war unser Abschiedsgruß. Gerichtefitning bei einem Zuluhäuptling ' Von P. Karl Fischer, Reichenau (Natal) Unser Missionsarzt Dr. M. Kohler aus Würzburg wollte einmal bei einer Gerichtssitzung dabei sein, wo ein Häuptling nach den Rechtssatzungen des Zuluvolkes als Richter amtiert. Ich konnte ihm eine solche Gelegenheit leicht verschaffen, und an einem Donnerstag, welches der gewöhnliche Gerichtstag ist, ritten wir zusammen zu Nyongwana Zulu, dem Häuptling der Amabaca. Unsere Ankunft war angemeldet. Ein In-duna (Minister) des Häuptlings führte uns in eine Hütte, die schön und kunstgerecht mit Kuhmist „gewachst" war. Hier sollten wir bis zur Eröffnung der Sitzung warten. Wir wollten mit Nyongwana zuerst sprechen. Es war unmöglich, denn bei solchen Gelegenheiten sind die Häuptlinge unnahbar. Wir gingen deshalb wieder ins Freie hinaus und unterhielten uns mit bekannten Männern, die sich nach und nach einfanden. Als die Sonne schon ziemlich hochstand, standen auf einmal alle auf, erhoben ihre rechte Hand und riefen: „Bayete!" Das ist die Weise, den Häuptling bei öffentlichen Gelegenheiten zu grüßen. Der Häuptling kam mit zweien seiner Minister, von denen einer einen Sessel trug, aus seiner Hütte und schritt zum Gerichtsplatz. Der große, weite Platz vor dem Viehgehege ist der Sitzungssaal der Zulu. Der Viehstall, der von Steinen oder Dorngestrüpp umhegt ist, gilt jedem Zulu als der heiligste Platz im Gehöft. In früheren Zeiten durfte keine weibliche Person den Isibaya (Viehstalll betreten. Dort war auch der Begräbnisplatz des Kraalsherrn. Der Häuptling setzte sich auf seinen Stuhl, die zwei Minister ließen sich zu beiden Seiten auf dem Boden nieder, und die anderen Männer hockten sich im Kreis vor den Häuptling hin. Gegenüber dem Häuptling blieb der Kreis offen. Ein Induna rief zwei Namen auf. Durch die Kreisöffnung schritt ein Mann mit seiner Tochter, die wegen Diebstahls angeklagt war und das gestohlene Gut, einen alten Fetzen, in der Hand trug. Hernach kam ein zweiter Mann, ebenfalls mit seiner Tochter, der die Klage eingebracht hatte. Diese vier Personen traten in die Mitte des Kreises und setzten sich ohne weiteres auf den Boden. Frauen und Mädchen haben aber in der Versammlung keine Stimme, die Entscheidung liegt allein bei den Vätern und Männern. Nun stellte der Häuptling die Frage: „Was ist los?" Der Kläger steht auf und sagt: „Die Tochter des N. N. hat meiner Tochter ein Kleid gestohlen." Der Häuptling: „Ihr versammelten Männer, was sagt ihr dazu?" Jetzt begannen die Männer laut die Sache zu besprechen; die einen hielten es mit dem Verklagten, die anderen mit dem Kläger. Es wurde stundenlang hin und her gesprochen; der Häuptling und seine Indunas horchten zu und machten hin und wieder eine Bemerkung, das ange-klagte Mädchen stand immer wieder auf und hielt den alten Fetzen, den sie gestohlen haben sollte, mit der Hand hoch. Kläger und Angeklagter wurden gar nicht mehr gefragt; sie saßen ruhig am Boden und ließen das Gespräch über sich ergehen. Der ganze Fall war schon vorher allen Leuten bekannt, so daß es keines weiteren Verhörs bedurfte. Als sich schließlich in der Versammlung keine neuen Gesichtspunkte mehr ergaben (und vielleicht auch, weil sich in den Kehlen der Durst bemerkbar machte und mittlerweile die Frauen mit den Bierkrügen auf dem Kopf gekommen waren), stand der Häuptling auf und verkündete laut das Urteil: „Das Kleid wurde gestohlen, und als Strafe müssen 17 Schilling gezahlt werden." Nach diesem Urteilsspruch standen alle auf, erhoben wieder die Hand und riefen laut: „Bayete!", während der Häuptling mit seinen Indunas in seine Hütte zurückging. Der verurteilte Vater sammelte bei seinen Verwandten und Freunden die 17 Schilling und legte sie auf den Tisch in der Hütte des Häuptlings, ohne daß etwas aufgeschrieben oder bestätigt wurde. Ein Biergelage beschloß die Sitzung. Die Männer setzten sich in Gruppen zusammen und ließen die Krüge, die ihre Frauen gebracht, im Kreise herumgehen. Auch der Häuptling und seine Indunas fanden sich dazu ein, aber jetzt stand niemand mehr auf und rief: „Bayete!"; sie ließen sich wie zu ihresgleichen nieder und tranken wacher mit. Es wäre alles recht und schön gewesen, wenn es bloß um eine wichtige Sache gegangen wäre. So aber handelte es sich um einen schmutzigen Kleiderfetzen, den ein Mädchen nicht versehentlich, sondern mit Absicht schon weggeworfen hatte, und den ein anderes wieder vom Weg aufhob, um damit ihr Bündel Stroh oder Reisig besser b'nden zu können. Die heidnischen Mädchen gebrauchen solch ein weißes Leinenstück, das vielleicht zwei oder drei Schilling kostet, als Schürzchen. Daß der strittige Fetzen wirklich nichts mehr wert war, beweist das Verhalten der beiden Mädchen nach der Sitzung; sie ließen ihn einfach liegen, wo die Angeklagte ihn hingeworfen hatte. Auf dem Heimritt meinte der Doktor: „Man kann die Schwarzen einfach nicht verstehen." P. Karl Fischer aus der Reichenau - Mission in Natal, ein treuer Mitarbeiter des „Stern der Neger". (Archiv) Notizen au© Pretoria Von P. Wilhelm Kühner, Lydenburg (Transvaal) (Schluß) Pretoria, 8. 9. 1953 Zur Zeit sind drei Filmstars von Hollywood hier, die bei dem neuen Film „Duell im Dschungel" mitwirken. Zwei von ihnen, nämlich Jeane Cranine und ihr Ehegatte Brinkman sind katholisch. Am Freitag war mein Chef bei ihnen zum Essen im Freien eingeladen. Monsignore aß natürlich Fisch. Brinkmann kam mit einem fetten Kotelett anspaziert. Er sieht den Fisch auf meines Chefs Teller, stutzt und ruft aus: „Herrschaft, es ist ja Freitag!" Geht zurück und bestellt sich einen Fisch, unbekümmert um das viele Volk der Protestanten. Diese amerikanischen Katholiken haben oft eine köstliche Offenheit und einen strahlenden Freimut im Bekenntnis ihres Glaubens. Beim feierlichen Empfang im „Capitol" war ich auch zugegen und hörte mit Ergötzen David Farrer. Er erzählte die Geschichte von den zwei Pfarrern, die an die Himmelstüre zum hl. Petrus kamen und Einlaß begehrten. Der Himmelspförtner fragte, was sie Gutes getan hätten. Sie antworteten, sie hätten beide während 40 langer Jahre sich bemüht, die Herzen ihrer Schäflein mit Gottesfurcht zu erfüllen. Petrus war damit nicht recht zufrieden und ließ sie warten. Unterdessen kam eine junge, schöne Dame. Sie marschierte schnurstracks zum Himmelstor und erhielt ohne Schwierigkeiten sofort Einlaß. Die Pfarrer regten sich darüber auf: „Wir müssen warten, und dieses leichtfertige Geschöpf wird ohne vieles Fragen und Examinieren eingelassen." Petrus erklärte ihnen den Grund: „Sie hat vor acht Tagen erst die Fahrprüfung abgelegt und ist seitdem mit ihrem Wagen viel im Land herum gekommen. Sie hat in dieser einen Woche mehr Menschen große Gottesfurcht beigebracht als ihr beide in 40 Jahren." 10. 9. 1953 Ich war auf der Farm von Mister B. und habe mich recht wohl gefühlt in Gottes Natur und in der Ruhe und Stille ländlicher Umgebung. Die Pfirsichbäume stehen in schönster Blüte. Mein assistant-manager erzählt, daß sie um Weihnachten reif werden und so groß wie eine Männerfaust. Er hat eine Kuh, die Milch gibt für die Eltern und die fünf Kinder. Das erinnerte mich an einen Spruch, den ich an einem Haus bei Ellwangen wiederholt gelesen habe: „Glücklich preis ich den, der außerhalb der Stadt Milch von eigner Kuh und ein Landhaus hat." 11.9. 1953 Mein Chef fuhr heute abend mit einigen katholischen Männern aus Pretoria nach Witbank zu P. Reiterer, um dort zu beraten, ob die Knights of da Gama, die Da Gama-Ritter, auch in der Pfarrei Witbank eine Gruppe bilden sollten. Diese Ritter sind ein Orden katholischer Männer aus dem Laienstand, der wie die Kolumbusritter in Amerika die Förderung und Verteidigung der katholischen Kirche im öffentlichen Leben zum Ziel hat. 16. 9. 1953 Heute abend kam ein junger Mann ins Sprechzimmer und bat um eine Unterredung. Er erzählte mir, er sei im Krieg gewesen und zwar in Ägypten, Nordafrika und Italien. Er habe die ganze Bibel durchgelesen, ebenso den Koran, den er in Ägypten geschenkt bekommen habe. Nun wolle er katholisch werden, denn er sei überzeugt, daß in unserer Kirche die Wahrheit zu finden sei. Mit seiner eigenen Kirche, der Dutch Reformed Church, sei er fertig. Sie wiederspreche sich. Ich bin vorsichtig. Er ist 28 Jahre alt. Er muß zum -Konvertitenunterricht kommen. Morgen fangen wir an. Das ist nun der zweite junge Mann, der sich innerhalb 14 Tagen zum Übertritt in unsere Kirche meldet. Langsam wird sich so eine afrikaans - sprechende kathol'sche Gemeinde bilden. Die Gnade allein kann bekehren. Mögen recht viele um diese Gnade für Südafrika beten und opfern. Mein Lateinstudent wird Ende des Monats zu den Oblaten von Germiston ins Noviziat gehen. Er erzählte mir heute in der Lateinschule nach dem Abendessen, daß er gerade seine letzte Arbeit angefangen habe, eine schöne Zimmereinrichtung. Er ist ja Kunsttischler. Voriges Jahr hat er eine Einrichtung für das Studierzimmer Dr. Malans hergestellt. Gestern erlebte ich ein Gegenstück zu dem oben Gesagten. Ein Mitglied der Presbyterian Church, der mit einer Katholikin verheiratet ist, die aber nie in die Kirche kommt, hatte im Rausch den katholischen Erzbischof von Pretoria antelefoniert, um seiner Frau zu beweisen, daß er Schneid habe. Seine Exzellenz war freundlich und gab mir die Adresse der Familie mit dem Ersuchen, sie zu besuchen und nach dem Rechten zu schauen. Ich traf nur die Frau an mit einem achtjährigen Knaben. Er geht in die protestantische Staatsschule, obwohl er in der katholischen Kirche getauft ist und die Eltern bei der Fleirat in der katholischen Kirche die katholische Erziehung der Kinder versprochen haben. Ich lade die Frau ein, zum Kindergottesdienst in die Kathedrale zu kommen und den Buben in die katholische Schule zu schicken oder wenigstens in den katholischen Religionsunterricht. Sie versprach, mit dem Mann darüber zu reden und ihr Möglichstes zu tun. Sie wünschte ein Taufzeugnis für den Jungen mit Angabe der Paten. Bei der Taufe habe es Streit mit dem damaligen Pfarrer gegeben, da die Taufpaten nicht katholisch sind. Ich erklärte ihr, daß ein Protestant doch nicht gut für die katholische Erziehung des Kindes einstehen könne, wie es die Pflicht der Taufpaten sei. Sie verstand. Aber der Mann hatte das damals nicht verstehen wollen. Ich schrieb heute die Taufurkunde aus dem Taufbuch heraus. Es waren keine Taufpaten im Buch eingetragen! Wah~ scheinlich wird nun mein Presbyterianer beim Empfang der Taufurkunde durch die Post recht wütend werden... Ich werde später wieder einmal vorbeischauen. 20. 9. 1953 Mein koranbelesener Afrikaaner ist nicht wieder erschienen. Vielleicht wollte er nur herausbringen, ob wir Katholiken Andersgläubige wirklich so schnell in die Kirche aufnehmen, ohne Prüfung, ohne vorherigen Unterricht. Wahrscheinlich hatte er von nichtkatholischen Freunden gehört, er könne im Handumdrehen Katholik werden. Heute hörte ich bei der Abendmesse eine eigenartige Melodie, gesungen von den Schwarzen. Mir ist das Lied bekannt, was ist es nur? Auf einmal erkenne ich die Melodie, etwas verändert, aber doch ganz deutlich: „Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht." Sehr passend für ein Kirchenlied, nicht wahr! Du guter unö getreuer Knecht ♦.. Von Br. August C a g o 1 Bruder Peter M i r b e t h hat uns verlassen. Kaum 36jährig hat er seinen irdischen Lauf vollendet. Er stammte aus Winn, Diözese Eichstätt, trat 1936 ins Missionshaus Josefstal ein und machte hier Noviziat und Profeß. Er wurde zum Arbeitsdienst eingezogen, wurde bald darauf Soldat, nahm am Krieg teil und geriet in amerikanische Gefangenschaft. Nach zweijähriger Tätigkeit im Missionshaus Mellatz kam er 1948 nach Südafrika; seit 1949 wirkte er auf der Missionsstation Clen Cowie. Er war ideal gesinnt und auch in seiner Werktagsbeschäftigung mit Gott verbunden. Als Verwalter der Missionsfarm war er umsichtig, fleißig und ordnungsliebend. Dabei meisterte er die nicht leichte Aufgabe, mit den Eingeborenen in befriedigender Weise zu arbeiten. Er war den Schwarzen gegenüber ernst und selbst streng, aber un- parteiisch gerecht, und erfreute sich daher ihrer uneingeschränkten Zune;-gung und Achtung. So erscheint unserer beschränkten Einsicht sein Hingang fast unersetzlich. Seine Todeskrankheit muß schon lange in ihm wirksam gewesen sein. Trotzdem versah er mit vorbildlicher Treue klaglos seinen täglichen Dienst. Anfang Mai wurde er ernstlich krank. Unser sehr tüchtiger Spitalarzt Dr. Kurt Hübner, Gien Cowie, untersuchte ihn und war sehr erstaunt, als er im Röntgenbild sein Herz übermäßig vergrößert fand. Eine spätere Untersuchung ergab Flecktyphus und machte die Isolierung des Kranken notwendig, so daß er auch auf den Besuch seiner Mitbrüder verzichten mußte. Die verschiedenen Arzneien brachten keine Besserung. Dr. Hübner konsultierte nach und nach zehn andere Ärzte. Die laufend vorgenommenen Blutuntersuchungen zeigten immer deutlicher die wahre Ursache des Leidens: Leukämie. Blutübertragungen konnten nur ganz vorübergehende Besserung bewirken. Der Zerfall des Blutes ließ sich nicht mehr aufhalten, und so war der Tod vorauszusehen. Br. Mir-beth hätte so gern noch einmal seine Eltern gesehen, aber Gott verlangte auch dieses Opfer von ihm. In den letzten Tagen ahnte er wohl, wie es mit ihm stand und äußerte: „Wenn es der Wille Gottes ist..." Ich erbaute mich an seiner Gottverbundenheit und widersprach ihm nicht, obwohl man ihm bis dahin den Glauben an eine mögliche Besserung belassen hatte. In den frühen Morgenstunden des 22. Juli entschlief er dann ohne Todeskampf. Arzt und Pflegerinnen hatten ihn während seiner Krankheit mit größ- Am 22. Juli starb in Gien Cowie im Alter von erst 36 Jahren Br. Peter Mirbeth. (Archiv) ter Hingabe betreut und gepflegt. Am folgenden Morgen fand die Beerdigung auf dem Friedhof von Gien Cowie statt. Fast das gesamte Personal der Missionsdiözese fand sich dazu ein, dazu sehr viele Eingeborene. P. Brosig sang das Totenamt in der Kirche, P. Richard Lech-ner hielt als Vertreter des in Europa abwesenden Superiors die Exequien und eine Ansprache in Englisch, der eine solche in Sepedi von einem eingeborenen Lehrer folgte. Dann wurde der Sarg von Brüdern zum Friedhof getragen. Am Grabe sprach P. Wilhelm Kühner. Möge der frühe Tod unseres lieben Mitbruders von Gott als Opfer angenommen werden für die Bekehrung der Schwarzen, denen er sein Leben geweiht hatte. Die Ernte ift groß, aber t>er Arbeiter finb nur wenige! Von Oskar Hofmann, M. F. S. C. Bamberg Liebe Leserin und lieber Leser! Vielleicht werden auch Sie, wenn Sie das Bild auf Seite 134 sehen, denken: „Warum bauen die Missionäre schon wieder ein neues .Haus? Der soziale Woh- nungsbau, Eigenheime für kinderreiche Familien, die Aufgaben der Diaspora usw. sind doch heute viel dringlichere Anliegen!" Wenn Sie so denken, haben (Fortsetzung auf Seite 134) Alaska -im holi In den Schneewüsten Alaskas ist der Hundeschlitten noch immer das gebräuchlichste Fahrzeug. Auch der Missionär bedient sich seiner, wenn er im spärlich besiedelten Land unter Eskimos und Indianern das Evangelium verkündet. Die Mission Alaska wird von 23 Jesuitenpatres versehen, die 10 500 Katholiken unter 60 000 Bewohnern betreuen. Eine Eskimo - Schwester aus der Genossenschaft Unserer Lieben Frau vom Schnee mit zwei Eskimomädchen. Sie sind gerade damit beschäftigt, Miniaturschlitten und die dazu gehörigen Hunde aus Holz zu schnitzen und zu bemalen, um sie den Wohltäter der Station zu schicken. Holy Cross am Yukon. — Zwei Eskimo an der Krippe des Herrn. Der junge Mann stammt von der kleinen Insel Diomede, das Mädchen von der Insel King. ionslanC) loröen Der Glockenturm der Station St. Maria. — Uich im eisigen Norden •uft das Glöcklein auf jrimitivem Gerüst zu Gottesdienst und Unterteilt. Tome, eine Hauptstation ■ es Apostol. Vikariates .laska. — Die drei ersten Oblatinnen Unserer Liefen Frau vom Schnee in ihrer Kapelle. Diese Genossenschaft nimmt sich m die Töchter der 18 000 skimos in Alaska an. f ine junge Indianerin • 3m Inoko, einem Ne-enfluß des Yukon, mit irem treuen Wolfshund, lehr als anderswo ist in laska der Hund des ienschen Freund und . elfer. Ule Aufn. Fides-Foto) fr -, \ f i Ji/ & 4 sfc SBp-- A Mp k Sie in gewisser Hinsicht recht, aber eben nur in gewisser Hinsicht. Denn schon die Aufgabe, die das Diasporaproblem stellt, steht und fällt mit der Sorge um den Priesternachwuchs. Die Sorge um den Priesternachwuchs aber war es, die uns zum Bau unseres neuen Knabenseminars in Neumarkt in der Oberpfalz drängte. „Gott braucht MenschenI", so hieß ein Film, der im vergangenen Jahr im ganzen deutschen Bundesgebiet über die Leinwand lief, und „Die Menschen rufen nach dem Priester!“ ist der Schrei, der uns aus jedem Brief entgegentönt, der aus der Mission eintrifft. Wie sagte doch der amerikanische General Mac Arthur, als er noch in Japan weilte, zu einem Bischof: „Ihr habt 500 Missionare hier; Ihr müßtet 5000 hier haben!" Das war in Japan. — Und wie schrieb uns kürzlich ein Mitbruder aus unserer Mission in Peru: „Der Pfarrer und Dekan P. Lorenz Unfried hat neben seiner Pfarrei Llata 40 Außenstationen mit insgesamt 40 000 Seelen zu betreuen. Außerdem gehört zum Dekanat noch die Provinz Maranon, ein Gebiet von 500 Kilometer Ausdehnung mit weiteren 30 000 Seelen, wo Dorf um Dorf ohne Priester ist. 50 Priester bräuchte er mindestens, um eine einigermaßen gediegene Seelsorgsarbeit leisten zu können." Liebe Leserin und lieber Leser! Verstehen Sie nun, warum wir uns zum Neubau eines Knabenseminars entschlossen haben? Weil wir Priester brauchen! Weil Gott Priester braucht! Weil der Mensch in seiner seelischen Not nach dem Priester schreit! Und warum wollen wir bei der großen Priesternot in der Heimat, namentlich in der Diaspora, noch Priester füi die Mission haben? Weil uns Jesus Christus selbst den Auftrag zur Mission erteilt hat, als er sprach: „Geht hinaus in alle Welt und lehret alle Völker...!" Aus diesem Missionsbefehl erwächst für uns eine große und heilige Verantwortung, D i r und m i r! Und deswegen mußten wir bauen! Das Bauen ist aber heutzutage sehr teuer, und ein so großer Bau, in dem Das neue Missionshaus in Neumarkt (Oberpfalz) im Rohbau. Hier sollen Gymnasialstudenten, die Missionspriester werden wollen, ein Heim finden. (Archiv) zunächst einmal 60 Missionsschüler ein Heim finden sollen, kostet sehr viel. Darum haben wir in der letzten Nummer dieser Zeitschrift eine Zahlkarte beigelegt mit der innigen Bitte, uns in diesem wichtigen Vorhaben zu unterstützen. In herzlicher Dankbarkeit sagen wir allen Wohltätern, die uns einen größeren oder kleineren „Baustein'1 geschickt haben, ein aufrichtiges Vergelt's Gott. Wer noch etwas geben möchte, möge das tun, wenn er den Bezugspreis für den „Stern der Neger" bezahlt. Und noch etwas: Wenn Sie einen Jungen kennen oder selbst einen haben, der Priester und Missionar werden möchte und gerne ins Missionsseminar Neumarkt eintreten wollte, so teilen Sie uns bitte umgehend seine Adresse mit. Wir hoffen, im Herbst des nächsten Jahres das Seminar eröffnen zu können. Königelanze unD Kreuz Geschichtliche Erzählung von Br. August C a g o 1 Nach dem Kriegsgewitter Im Januar 1920 konnte der Apost. Vikar Bischof Geyer die beiden Schil-lukmissionen Lull und Tunga zum ersten Male wieder besuchen. Erstere fand er in bester Verfassung. Dort hatten die beiden Patres Maggio und Molo den Weinberg des Herrn getreulich weitergepflegt. Die Station zählte 88 Schilluk-christen und 124 Taufbewerber. In Tunga fand er das zweistöckige Wohnhaus, seit vier Jahren eine Beute der Tropenregen und heftigen Stürme, baufällig. Die Ostmauer war eingestürzt und hatte zwei übereinanderliegende Zimmer eingerissen. Die Südmauer war nahe daran, einzufallen. Das Dach hing lose und abgebogen in der Luft. Termiten hatten die Holzteile, Fenster und Türen, fast gänzlich zernagt. Hunderte von Fledermäusen hatten sich in dem unbewohnten Hause eingenistet und alle Räume mit ihrem widerlichen Geruch erfüllt. Leute vom Regierungsplatz und Schillukschlingel waren eingebrochen und hatten fortgeschleppt, was ihnen brauchbar geschienen. Vielfach zertrümmerte Einrichtungsgegenstände, Bücher und Schriften lagen in buntem Durcheinander im Hausgang. Die Kirche zeigte Risse an der Vorderseite, doch war sie im übrigen gut erhalten. Da Kirchengeräte und -Wäsche nach Lull gebracht worden waren, stand sie ganz leer, nur war sie mit fingerdickem Staub bedeckt. (Schluß] Auch die Herde ohne Hirten hatte in vierjähriger Verwaisung gelitten, wie es nicht anders zu erwarten gewesen. In politischer Hinsicht hatte das Naturvolk der Schilluk vom Baume der Erkenntnis gekostet, und es waren ihm die Augen aufgegangen. Es hatte erfahren, daß die doch so hochstehenden Weißen sich gegenseitig geradeso und noch schlimmer prügelten wie sie, die wilden Schilluk I Am Morgen fanden sich doch noch einige Christen zur Anhörung der hl. Messe ein und empfingen die langentbehrten hl. Sakramente. Es galt nun, die Station Tunga baulich wiederherzustellen und beide Stationen mit Personal zu versehen. Mit ersterer Aufgabe betraute der Bischof den arbeitsfreudigen und unerschrok-kenen P. Fischer, der die schwierige Aufgabe mit Hilfe von Schillukknirpsen glücklich vor der eigentlichen Regenzeit lösen konnte. Mit der zweiten Angelegenheit hatte es seine Schwierigkeit, denn die Regierung zeigte keine Eile, deutsche Missionare ins Innere des Landes zuzulassen. Als dann endlich die beiden Stationen wieder mit Missionaren besetzt werden konnten, durften die beiden italienischen Mitbrüder von Lull einen wohlverdienten Urlaub in die Heimat antreten. Leider starb dort P. Maggio noch im selben Jahre an Malaria, deren Keime er mit sich genommen, und P. Molo nach seiner Rückkehr in die Mission im folgen- den Jahre an der selben tückischen Krankheit, beide nur 40 Jahre alt! In Tunga war die mohammedanische Nachbarschaft des Regierungsplatzes nicht ganz ohne Einfluß auf die Schilluk geblieben. Manche von den Naturkindern hatten sich vom schillernden und einschmeichelnden Wesen der Anhänger des Wüstenpropheten berücken lassen und hatten unvermerkt von deren Denkart und Geisteswesen angenommen. Es fehlte aber auch nicht an tröstlichen Zügen. P. Angerer erzählte, wie freudig ihn die Leute begrüßten, als er als erster nach Tunga zurückkehrte, und wie angelegentlich sie sich erkundigten, wann denn die anderen Missionare zurückkehren würden. Im Mai 1921 begannen die Missionare von Tunga, einen älteren Christen regelmäßig in ein Nachbardorf zu schik-ken, damit er dort die Kinder unterrichte, die zwar von Zeit zu Zeit auf die Mission kamen, ihrer Beschäftigung wegen aber sich nicht immer einstellen konnten. Bald folgten weitere Katechistenposten in anderen Dörfern. Selbst auf die Nilinseln folgten die Missionare der Schillukjugend, wenn sie vor der Regenzeit das Vieh auf die dortige Weide trieb. So konnten denn am Weihnachtsfest 1922 sechs Schillukjünglinge getauft werden. Lull war einen Schritt voran. Dort hielten die Christen im November 1920 einen „Katholikentag" ab. Die Generalversammlung beriet die Stellungnahme, die die Getauften in Zukunft den heidnischen Stammessitten gegenüber beobachten sollten. Den wichtigsten Verhandlungsgegenstand bildete die furchtbare Unsitte der Blutrache, ein Grundgesetz des Heidentums. Lange Zeit hindurch bestand zwischen zwei Nachbardistrikten ein gespanntes Verhältnis, das bei der geringsten Veranlassung blutige Kämpfe auslösen konnte, wie es schon früher geschehen war. Ein vor Jahren begangener Mord war noch nicht „gesühnt", d. h. gerächt worden. Da geschah es eines Tages, daß ein Verwandter des Ermordeten einen Verwandten des Mörders meuchlings überfiel und mit der Lanze niederstieß. Damit war wiederum der Kriegsfall zwischen beiden Dorfbezirken gegeben. Es gelang den Missionaren zwar, den Ausbruch einer offenen Fehde zu ver- Diözese Ahmedabad (tndien). — Ein Missionär aus dem Jesuitenorden beim Religionsunterricht. (Fides-Foto) hindern, aber die feindlichen Familien mußten doch stets befürchten, daß einer der Ihrigen der Rache der Gegner anheimfalle. Infolgedessen schlossen die Nachbardörfer sich von dem gegenseitigen Verkehr ab, die Feldarbeit war vielfach gehemmt, und die streitlustige Jungmannschaft war schwer im Zaume zu halten. Die Schillukchristen wußten allerdings, daß ein Bruderkrieg dem christlichen Sittengesetz widerspricht, allein die geltenden heidnischen Rechtsanschauungen machten es ihnen fast unmöglich, sich stets vom Kampfe fernzuhalten. Den bitteren Vorwurf der Feigheit wollten sie sich noch gefallen lassen; fast unerträglich aber erschien es manchem Neuchristen, nicht blutige Sühne fordern zu dürfen, wenn u n -schuldige Blutsverwandte dem Mordstahl erlagen. Die Kirchenbesucher versammelten sich im Missionshof, um den Missionaren alle ihre Schwierigkeiten vorzulegen. Sie erwarteten von den Sendboten des Glaubens eine klare, unzweideutige Auslegung des Gesetzes der Feindesliebe unter Rücksichtnahme auf die verwickelten Landesverhältnisse und die herrschenden Stammessitten. Es wurde viel für und wider gesprochen in weitläufigen Darlegungen, wobei die meisten Sprecher eine überraschende Geistesschärfe offenbarten. Das Ergebnis der langen Auseinandersetzungen entsprach jedoch nicht den Vorschriften des Christentums. Manche der Versammlungsteilnehmer standen dem Friedensgedanken des Evangeliums innerlich noch fremd gegenüber. Deshalb machten die Missionare den Vorschlag, jeder Einzelne solle im Laufe der Woche die schwebenden Fragen vor Gott und seinem Gewissen überdenken und mit den Glaubensgenossen leidenschaftslos besprechen, was allgemeine Zustimmung fand. Die Missionare versprachen, die einschlägigen christlichen Lehren am folgenden Sonntag eingehend darlegen zu wollen. Am Sonntag, 28. November, fanden die Christen sich wieder ein zur Bera- tung. Während des feierlichen Gottesdienstes wurde um den Beistand des Hl. Geistes gefleht, daß er den Verstand der Leute erleuchte und in ihren Herzen das Feuer echter Gottes- und Nächstenliebe entzünde. Dann begaben sich die Kongreßteilnehmer ins Schulgebäude, das ehemalige Kirchlein, und nahmen ernst und gemessen Platz. Nach andächtigem Gebet begann der Missionar, die vorgelegten Fragen in klarer, bündiger, wohlvorbereiteter Rede zu besprechen. Die unverrückbaren Grundsätze des Christentums wurden scharf herausgemeißelt und dann zweckmäßige Verhaltungsmaßregeln gegeben. Die Schil-luk lauschten dem Vortrag mit größter Aufmerksamkeit; keiner verzog eine Miene, aus der man seine Einstellung hätte erraten können. Als der Pater geendet hatte, erhob sich einer der ältesten und angesehensten Christen und begann, seine Meinung darzulegen, anfangs ein wenig zurückhaltend, dann aber voll Mut und Feuer. Er führte aus; Alle Missionare hätten stets von Kriegen und Fehden abgemahnt; es sei ja auch heller Wahnsinn, wenn Christen ihre Genossen und Brüder bekämpften und dazu beitrügen, ihr eigenes Volk und Land ins Verderben zu stürzen. Um sich aber den Belästigungen der Häuptlinge und den Quälereien der heidnischen Volksgenossen zu entziehen, sollten alle Christen sich mit Zustimmung des Königs und der englischen Regierung um die Mission herum ansiedeln. Die Bewohner dieser rein katholischen Niederlassung sollten vom Schillukkönig und von der Kolonialverwaltung eine Ausnahme-stellungverlangen, durch die sie von der Beobachtung der unsinnigen Stammesgesetze für immer befreit würden. Der Vorschlag dieses schwarzen Cicero gipfelte somit in der Schaffung einer Reduktion, ähnlich jenen berühmten Indianer-Reduktionen der Jesuiten in Südamerika. So ideal der Plan sein mochte, so war er unter den obwaltenden Verhältnissen praktisch nicht ausführbar. Es traten sodann andere Sprecher auf, die ihre Ratschläge, nicht ohne rednerische Gewandtheit, mit den stärksten Beweggründen zu erhärten suchten. Der vernünftigste Rat war der, daß man es überhaupt nicht zum Kriege kommen lasse, sondern sich sogleich an die Regierungsposten wende und sie um ihr Eingreifen ersuche, sobald ein Häuptling Kriegsvorbereitungen treffe. Bemerke man außerordentliche Ansammlungen Bewaffneter oder Kriegslustiger oder die Berufung von Zauberern zur Darbringung von Opfern für einen guten Kriegsausgang, so müsse die Regierung unverzüglich davon in Kenntnis gesetzt werden. Bei diesen Ratschlägen war allerdings der Fall eines Blitzüberfalles nicht vorgesehen. Nun begannen mehr oder weniger stürmische Wechselreden. Gründe und Gegengründe prallten mit aller Gewalt auf einander, so daß der Vorsitzende Pater wiederholt zur Ruhe mahnen mußte. Endlich einigte man sich auf den Beschluß, die Christen sollten sich geschlossen weigern, in einen ungerechten Krieg zu ziehen. Als ungerecht wurde der Angriffskrieg bezeichnet. Im Falle eines Verteidigungskrieges sollten die Christen ihren Genossen zu Hilfe kommen, jedoch nur insoweit, als es notwendig sei, das Heimatdorf und seine Bewohner zu schützen. Damit war eine Formel gefunden, die alle Teile befriedigen konnte. Während der langen Verhandlung hatte der Vorsitzende Pater schweigend zugehört. Nun stand er auf, um sein Endurteil abzugeben, was im wesentlichen mit den von den Schilluk getroffenen Abmachungen übereinstimmte. Der Missionar faßte noch einmal alle Gründe zusammen, die für die genaue Einhaltung der Vereinbarungen sprachen. Zum Schlüsse wurden alle aufgefordert, etwaige noch vorhandene Zweifel kundzutun, damit keiner im Ernstfall sagen könne, er sei über seine Christenpflichten nicht ganz klar gewesen. Die gestellten Fragen betrafen alle jene Punkte, die für den Katholiken, der mitten unter Heiden lebt, Anlaß zum Falle sein können, wie: unerlaubte Tänze, abergläubische Gebräuche, heidnische Opfer und die Kriegssitten. Alle Fragen wurden dem christlichen Gesetze gemäß beantwortet. Somit konnte der Vorsitzende die Versammlung mit einem kurzen Gebet schließen. Beim Mittagsmahl, das im Freien eingenommen wurde, sah man Freund und Feind fröhlich plaudernd beieinander sitzen. Feindesliebe ist das schwerste Gebot des Christentums; die Schillukchristen hatten den Vorsatz gefaßt, es zu halten. Am Nachmittag wurde nach dem Rosenkranz eine feierliche Dankandacht mit Te Deum in der Schilluksprache gehalten. Während des Krieges war der Schil-lukkönig Fadiet gestorben. Im Januar 1917 hatte er den in Ägypten internierten P. Stang grüßen und ihm sagen lassen, er werde verfolgt und fürchte für sein Leben. Kurz darauf erfuhr man, daß er gestorben sei. Es ist anzunehmen, daß er, wie die meisten seiner Vorgänger, ein Opfer von Ränken geworden. Fadiet hatte stets für sein Königtum gefürchtet, weil er nicht mehr schalten und walten konnte, wie er wollte, denn seit der Verbannung seines Vorgängers Kur sah die englische Verwaltung dem Schillukkönig scharf auf die Finger. Dieser aber hatte mit den Eigenschaften seines Volkes zu rechnen, das gewohnt gewesen, in Härte und Strenge regiert zu werden. Als Fadiet die große Verehrung bemerkt hatte, die P. Banholzer bei einem großen Teile seines Volkes genoß, fürchtete er, die Schilluk könnten den „Abun-dit" zu ihrem König ausrufen. In seinem Neide und in seinem Mißtrauen hatte er sich in Abneigung gegen die Mission verbissen und sich nur dem derbfröhlichen P. Stang gegenüber freundlich gezeigt. Im März 1917 wurde P a p i t König der Schilluk. Er ist ein Sohn des früheren Königs Johr und ein Bruder Njikangs, des auf der Mission Lull erzogenen Jünglings. Papit ist wegen seines geraden und wenig herrschsüchtigen Charakters beliebt; bei seiner Wahl war er noch jung, kaum 30 Jahre alt. Sein Bruder Njikang, wohl unterrichtet in katholischen Grundsätzen, zeigte wenig Neigung, sich unter das sanfte Joch Christi beugen zu wollen, sondern zog es vor, seinen Launen und Leidenschaften zu leben und sich auszutoben in seinen Flegeljahren. Niemals aber verlöschte der glimmende Docht seiner christlichen Überzeugung ganz, und endlich siegte die Gnade. Die sinnlichen Vergnügungen ekelten ihn allmählich an, Gewissensbisse stellten sich ein, und er suchte wieder nähere Verbindung mit den katholischen Glaubensboten, die den Irregegangenen freundlich empfingen. Endlich, am Feste Christi Himmelfahrt 1924 beugte er das stolze Haupt und empfing das Taufwasser. Im Jahre 1922 legte Bischof Geyer nach mehr als 18jähriger Tätigkeit sein Amt als Apost. Vikar nieder; er war 62 Jahre alt und dem erschlaffenden Klima des Sudan nicht mehr gewachsen. Sein Nachfolger wurde P. Paul Silvestri, der nur fünf Jahre im Amte blieb und 1930 in der Person von Dr. Franz Xaver Bini einen Nachfolger erhielt. Dieser starb im Juni 1953 nach 23jähriger Tätigkeit und erhielt als Nachfolger P. Augustin Baroni. Indessen schritt das Bekehrungswerk beim Schillukvolk stetig voran, für das im Jahre 1922 eine dritte Hauptstation zu D e t w o k eröffnet worden war. Im Herbst 1923 verließen die meisten deutschen Missionare die Schillukmission, um ein neues Arbeitsfeld in Südafrika zu übernehmen. Von dem Zeitpunkt an wurde die Schillukmission vorwiegend von italienischen Missionaren versehen. Bald darauf wurde das Schillukland mit angrenzenden Gebietsteilen von Rom als eigene selbständige Mission erklärt. Die Werke der Kirche bleiben nicht unberührt vom Weltgeschehen. Mussolini begann den Krieg gegen Abessinien. Die Schillukmission grenzt im Südosten an Abessinien. 1936 ordnete die britische Regierung in London — gegen den Wunsch der Sudan-Regierung — an, daß die Missionare italienischer Herkunft, die in der Oberen Nilprovinz tätig waren, ihr Arbeitsfeld zu verlassen hätten. Daraufhin übergab die römische Propaganda die Schillukmission, die sie zur Apost. Präfektur erhob, den englischen St.-Joseph-Missionaren von Mill Hill, die nun das schwierige aber vielversprechende Arbeitsfeld am Weißen Nil betreuen, heute ein schöner Edelstein im geistigen Geschmeide der katholischen Kirche. Ein Seminarist aus dem Regionalseminar Aberdeen (Hongkong) nimmt sich als Katechist einiger Jungen an, deren Väter Hochseefischer sind. (Fides-Foto) Einen Augenblick befällt Lucia eine seltsame Schwäche. Sie umarmt das Mädchen und schluchzt trocken auf. Dann richtet sie sich wieder auf und kleidet sich hastig um. Aus der schlanken Reiterin wird ein feingewachsener Knecht mit kleinen Füßen und mädchenhaften Fäusten. „Die Schere!" Maquala zögert unwillkürlich. Aber die Herrin stampft ungeduldig. Dann beugt sie das Haupt. „Schneide meine Haare ab!", herrscht sie. Noch einmal zögert Maquala, dann tut sie wie geheißen. Die schwarzen Locken fallen, eine um die andere. Ein Lauschen an der Türe. Huschende Schritte auf den Treppen. Nun ein banges Lauern, ein Aufatmen. „Der Madonna sei Dank, es steht keine Wache vor dem Bußloch." Die Riegel knirschen, kreischend dreht sich der Schlüssel. In der Ecke des Verließes steht Don Fernao, bleich und abgemagert, bereit zum Letzten. Seine Augen weiten sich. Ein ungläubiges Staunen steht auf seinem Gesicht. Dann ein unterdrückter Jubelruf. „Lucia, Lucia!“ „Bst, still. Folge Maquala, ich bringe inzwischen den Schlüssel zurück. Wartet auf mich am Timbobaum, dort stehen die Pferde." Ein atemloses Hasten, ein Warten mit klopfenden Pulsen. Endlich löst sich ein Schatten aus dem Dunkel. „Lucia, du?" „Fernao!" Ein Jubelruf aus gepreßtem Herzen, eine Umarmung, die kein Ende nehmen will. Maquala drängt, die Pferde stampfen ungeduldig. Der alte Maragé hat gut gewählt. Ausgeruhte feurige Tiere stehen bereit. Lucia muß Fernao beispringen. Die Kerkerhaft und die schmale Kost haben ihn geschwächt. Jetzt aber sitzt er fest im Sattel. „Los!" Die Pferde traben an, fallen von selbst in Galopp. Hufe hämmern durch die Nacht.' Hinter den Wipfeln verschwin- det das Dach, der Zwingburg. Kernen Blick tut Lucia zurück. Sie weiß, mit dieser Tat hat sie einen Schritt getan, der sie von allem löst, was bisher war. Santiago taucht aus dem Dunkel. Hinter der Kirche verhalten die Flüchtigen die Pferde. Don Fernao, den die Nachtluft gekräftigt, ein frischer Trunk erquickt hat, klopft an einem ebenerdigen Fenster. Er braucht nicht lange zu warten. Miguel hat einen leichten Schlaf. Bald daruf sitzen die Männer bei eiliger Beratung in der Sakristei. In der Ecke kauert Urupo. An ihn wendet sich Fernao. „Jetzt ist die Stunde gekommen, da ich den Schatz von Ahuanca von dir fordere." Wortlos erhebt sich der Inka und geht voran. Im Hofe flammen die Fakeln. Saumtiere mit Tragsätteln werden herausgeholt, die Pferde gesattelt. Ein Licht taucht aus dem Dunkel der Türe. Pedro, der Schreiber, schiebt sein Fuchsgesicht um die Ecke. Da verlöscht sein Licht und harte Söldnerfäuste zahlen ihm den Lohn für manche heimliche Schurkerei. Der frühe Morgen findet den Trupp in einer von Felsen umschlossenen Schlucht. Unter Urupos Führung steigen die Männer bergan und kehren nach geraumer Weile mit schwer beladenen Ledersäcken zurück. Ein Maultier um das andere wird beladen. Den Zweihänder griffbereit vor der Brust eröffnet Llauptmann Miguel den Zug. Sorgfältig werden alle Spuren hinter dem letzten Saumtier getilgt. Mitten durch die Feinde Durch die baumbestandene Savanne schlängelte sich ein Zug, von dem ein Glitzern und Blinken ausging. Hauptmann Miguels Soldknechte saßen trotz des heißen Tages gewaffnet und gepanzert im Sattel. Auf weiten Umwegen hatte sie erst Urupo aus den Bergen herausgeführt, jetzt schritt ein grauhaariger Indianer an der Spitze. Ihn hatte Urupo aus einem Bergdorf herausgeholt, als er selbst den Zug verließ, um nach Santiago zurückzukehren. Er konnte und wollte die Heimat nicht verlassen. Noch hatte er den Schwur nicht erfüllt, den er zum Sonnengott getan, als er unter den Fäusten der Henker in Schmerzen zuckte. Seit dem frühen Morgen war Hauptmann Miguel von einer fahrigen Unruhe ergriffen auf jeden Hügel hinaufgetrabt, der den Weg säumte. „Fürchtest du etwas?" fragte ihn Don Fernao, der sich trotz dem eiligen Ritt der letzten Tage unter Lucias Pflege gut erholt hatte. „Gefürchtet habe ich noch nie etwas", lächelte der Bärtige, „aber Don Fran-zisco müßte Stroh statt seinem Hirn im Kopfe haben, wenn er nicht alle Pässe, die nach dem Norden führen, bewachen ließe. Noch heute stoßen wir auf die Posten Pizarros, oder ich will meinen Zweihänder mitsamt der Scheide fressen." Don Fernao warf einen besorgten Blick auf die Saumtiere, am längsten haftete er an den beiden schlanken Reitknechten, die dem Zug folgten. „Wir dürfen es auf keinen Kampf ankommen lassen. Die Fracht, die wir führen ist gar kostbar und Lucia ..." Der Hauptmann unterbrach ihn. „Ich weiß, was du sagen willst. Wir müssen durch einen der Pässe schlüpfen, ohne daß es zum Kampfe kommt. Soviel ich von unserem Graukopf da vom erfahren konnte, erreichen wir den Rio Amanha in einer guten Stunde. Dort läuft der Pfad für die Saumtiere zwischen dem Fluß und der Felswand dahin. Gerade die richtige Stelle für eine Wache. Wenn irgendwo, dann liegen die Encomenderos an dieser Stelle auf der Lauer. Dort vorn rasten wir in den dichten Büschen. Sorge dafür, daß die Tiere nicht streunen und daß keines ausbricht. Ich selbst will mir inzwischen Kundschaft holen. Den Graukopf nehme ich mit, der kennt jeden Durchschlupf." Die Sonne war um ein gutes Stück weitergerückt, ehe Hauptmann Miguel wieder in der Tropa eintraf. Sein Gesicht war heiter wie immer, nur die scharfe Falte über der Nasenwurzel verriet die Spannung, die ihn gepackt hatte. Er nickte den beiden Reitburschen fröhlich zu. „Jetzt gibts einen schnellen Ritt, ihr könnt zeigen, was eure Pferde leisten." Lucia griff nach dem Kurzschwert. Aber der Deutsche schüttelte den Kopf. „So gefährlich wird es nicht. Die paar Spieße, die uns den Durchschlupf wehren, schlagen die Knechte nieder. Ihr habt nichts zu tun, als euch im Sattel zu halten und auf die Maultiere zu achten, daß sie bei dem Lärm nicht ausbrechen." Er winkte einen der Söldner beiseite. Sein Gesicht wurde ernst. „Bartolo, es gilt. Wir müssen durch den eisernen Zaun brechen. Da vorn, wo die Berge sich zusammenschieben, gibt es nur einen Pfad für eine Tropa. An ihm liegen die Encomenderos. Dreißig Mann!" „Teufel, das ist mehr als genug, um uns zu halten", knurrte der lederbraune Söldner. „Es wird rote Arbeit geben und ein paar von unseren Maultieren werden wir los. Schade um die Ladung." „Such die vier wundgeriebenen Maultiere aus, die schlechtesten, die wir haben. Drei gehen mit leeren Sätteln, eines trägt nur noch die halbe Last. Packe sie auf einen der Reitgäule hinter den Mädchen. Ich muß eine kleine Tropa zeigen, um die Burschen hinter mir herzulocken. " Bartolo stieß einen leisen Pfiff aus. „Ach so, du hast einen zweiten Schlupf gefunden, in den du die Wache locken willst." Hauptmann Miguel nickte. „Don Fer-nao ist unser bester Reiter, er muß mich begleiten. Inzwischen wird euch der Indianer in einen Hinterhalt führen. Sobald die Reiter hinter mir her sind, brecht ihr durch. Die ganze Bande wird uns nachlaufen, wenn sie die prallen Packsättel sieht. Wir laden sie mit Zweigen, das füllt und gibt eine leichte Last." Auf dem schmalen Pfad, der sich in gemächlichen Windungen zu der Paßhöhe emporschlängelt, zogen eine Weile später Don Fernao und Miguel dahin. Miguel hatte die Rüstung abgelegt und sah wie ein Maultiertreiber aus, der seinen Herrn begleitet. Ab und zu brachte er mit lauten Rufen seine Maultiere in die Reihe. Er stieg gelegentlich ab und machte sich an den Packsätteln zu tun. Ständig führte er muntere Reden, aber seine Augen huschten ruhelos umher. „Nur immer hübsch sorglos“, mahnte er Don Fernao. „Sie sind bereits auf uns aufmerksam geworden. Ich sah einen Posten zwischen den Büschen verschwinden. Jetzt satteln sie und ein Dutzend Knechte brechen auf, um uns den Weg zurück nach der Savanne zu verlegen.“ Lachend rief er laut: „Nur noch eine halbe Legua und wir sind über den Paß. Don Casca wird lachen, wenn wir mit den vollen Satteltaschen einreiten.“ Leise fuhr er wieder fort: „Wie einfältig es die Bande angreift. Ein Blinder kann sie sehen, wie sie hinter den Büschen talab reiten. Vorsicht jetzt!“ Es krachte und knackte. Mit lautem Geschrei brachen die Knechte hervor, während unterhalb des Pfades die Spieße der zweiten Schar blinkten. Mit einem lauten Schrei rissen die Reiter ihre Pferde herum. Sie trieben die Maultiere zum Galopp. Steine spritzten unter den stampfenden Hufen. Eines der Saumtiere brach aus und lief zwischen die untenstehenden Knechte hinein, die ihm mit vorgeworfenen Spießen den Weg sperrten. Miguel hatte seinen Plan genau überlegt. Er tat, als wollte er mit den Maultieren die Knechte unten überholen. Als er einsah, daß es zu spät dazu war, blieb ihm nur noch eine Bergschlucht zur Rechten. Schäumend floß auf ihrem Grund ein Wildwasser dahin. Dort hinein jagte er die bockenden Saumtiere. Und hinter ihnen folgten in jagendem Ritt die Reiter. Das Eisen ihrer Rüstung klirrte. Mit lauten Rufen trieben sie die Pferde an. Jetzt spritzte das Wasser unter den Hufen. Ein Pferd stieg und stürzte, zwei Reiter klirrten kopfüber in den Bergbach. Miguel wandte sich im jagenden Ritt und lachte laut auf. Jetzt deckte dichtes Buschwerk die Flüchtigen. Mit einem Schlag der flachen Klinge trieb der Hauptmann die Maultiere bächauf. Dann riß er sein Pferd herum und zwang es, in die Felsen zu klettern. „Folge mir, Fernao; jetzt gilt es, die Tölpel da unten zu umgehen." Keuchend mühten sich die Pferde bergan. Der Lärm, den die Verfolger machten, verschlang das Stampfen der Hufe, das Poltern fallender Steine. Fer-naos Pferd stürzte, aber mit hartem Griff riß er es wieder hoch. Nun ein kurzes Verschnaufen. Miguel lauschte. Dann lachte er leise. „Wie die Hunde hinter einem Hasen laufen sie im Bach unsern Maultieren nach. Hörst du das Lärmen? Die Unsern sind handgemein mit den auf der Straße zurückgebliebenen Knechten. Jetzt müssen wir durch. Hier hinter mir!“ So gut es gehen wollte, zwangen sie ihre Pferde hangabwärts durch die Büsche. Mit dem Zweihänder mußte Miguel Bahn schlagen. Endlich wurde es lichter. Hals an Hals liefen die Pferde in rasendem Jagen der Straße zu. Fernao hob sich im Sattel. Mit halbem Blick sah er, daß die in das Bachtal gelockten Reiter bereits wieder umkehrten. Beim Anblick der beiden Flüchtigen spornten sie die Pferde. Sie mochten begriffen haben, daß sie in eine Falle gegangen waren. Im Galopp die Straße hinauf, nun nahe der Felswand um eine Biegung. Ein paar Knechte liefen den Reitern entgegen, waffenlos der eine, der andere mit blutendem Kopf. Nur zwei Spieße sperrten den Weg. Der Zweihänder sauste. Die Hölzer brachen, mit einem Schrei taumelte einer der Angreifer zu Boden. „Weiter!" Don Fernao schlug sich Bahn. Einer der Knechte hatte sich an ihn gehängt und versuchte, ihn aus dem Sattel zu reißen, während er mit der Rechten das Kurzeisen schwang. Jetzt scheuten die Pferde, zwei, drei Männer lagen auf der Straße. Ein Sporenhieb, ein Zügelruck, sie sprangen darüber hinweg. „Vorwärts!" Hinter der im Galopp davonstiebenden Tropa her. Bartolo und die Soldknechte hatten alle Hände voll zu tun, die scheu gewordenen Maultiere zusammenzuhalten. Trotz aller Befehle war Lucia am Ende des Zuges geblieben. Jetzt leuchteten ihre Augen auf. „Den Heiligen sei Dank!" stammelte sie, da traf ein flacher Hieb des Zweihänders ihr Pferd, daß es im Sprung voranschoß. „Reitet, reitet, wir decken die Flucht!" brüllte Miguel und rief ein paar seiner Knechte zurück. Sie zügelten die Rosse, um Platz für Wendung und Anlauf zu haben. „Wenn sie kommen, sind wir im Vorteil, wir dringen bergab auf sie ein", murmelte er. Aber die Encomenderos hatten genug. Mit ihren von der Hetze im Wildbach abgetriebenen Gäulen gaben sie die Verfolgung auf. Der Weg war frei. Hauptmann Miguel hob sich in den Bügeln. „So Fernao, jetzt können wir aufatmen. Was sonst noch im Land herumstreift an Wegelagerern, das wagt sich nicht an einen solch starken Trupp heran. Auf nach Limai Jetzt reiten wir wieder unter dem kaiserlichen Feldzeichen." Ein Abschied an der Klosterpforte Im Palast zu Lima saßen in einem geräumigen Zimmer der hochwürdige Lizentiat und kaiserliche Statthalter Pedro de la Gasca und sein neu ernannter Feldhauptmann, Don Alonso de Alvaredo in sorgenvoller Beratung. Trotz der tatkräftigen Hilfe der Kaufleute und Handelsherren war es ihnen noch nicht gelungen, ihr Heer auf die notwendige Kopfzahl zu bringen. Der schnelle Sieg der Empörer am Titicacasee hatte viele, die sich bereits unterworfen hatten, wieder bedenklich gemacht. Sie zogen es vor, sich ruhig zu verhalten, um im Falle eines Sieges Pizarros leicht wieder umschwenken zu können. „Es fehlt an Geld." Don Alonso fuhr sich mit gekrümmten Fingern durch den dichten schwarzen Bart. „Bleibt uns nichts übrig, als noch einmal einen Aufruf zu erlassen.“ Der Statthalter wiegte überlegend den scharf gemeißelten Kopf. „Wir dürfen nicht länger verziehen. Jeder Tag, den wir hier festsitzen, gibt den Empörern Gelegenheit, neue Feuer des Aufruhrs anzulegen. Es schwelt und knistert im Gebälk dieses Staates, der eigentlich noch gar kein geordnetes Gemeinwesen ist." Er seufzte. „Ich sehe eine Arbeit von Jahren vor mir liegen. Sobald erst einmal Peru fest in meiner Hand ist, wird meine größte Sorge sein, mir verläßliche Beamte zu suchen. Aber wenden wir uns der Forderung des Augenblicks zu." Er unterbrach sich. Ein Diener war eingetreten. „Die Wachen vom Tor unserer lieben Frau bringen eine Tropa, die von Don Fernao de Lara angeführt wird, in den Flof des Palastes. Sie lassen fragen, was geschehen soll. Der Hidalgo behauptet, von Santiago zu kommen." „Santiago?" Der Feldhauptmann suchte auf der Karte, die auf einem Nebentisch ausgebreitet lag. „Das liegt mitten im Gebiet der Aufständischen, ein kleiner Ort hinter Cuzco ; soviel ich weiß, ist es eine der schwierigsten Provinzen. Don Fernao de Lara — wenn ich mich recht entsinne, nannte ihn der Vizekönig einen seiner fähigsten jungen Beamten." „Herauf mit ihm! Vielleicht bringt er uns verläßliche Botschaft", forderte der Statthalter. Und jetzt stand Don Fernao braungebrannt und abgemagert von der langen Fahrt dem Priester gegenüber. Er verbeugte sich und entschuldigte sich seines zerschlissenen, verstaubten Gewandes wegen. „Ihr kommt von Santiago?" Abermals verbeugte sich Don Fernao. Der Feldhauptmann mustert indessen den jungen Hidalgo von der Seite. Der junge Mann gefiel ihm. Er hatte ein offenes, männlich kühnes Gesicht. Aber es hieß vorsichtig sein. Verrat und Meuchelmord umschlichen den Palast. Hatten nicht erst am Vortage die Wachen einen Mann festgenommen, in dessen Besitz sich ein vergifteter Dolch befand? Doch rasch verflogen die Bedenken. Don Fernao erzählte von seiner bedrängten Lage, seinen Gewissenskämpfen. Und nun kam etwas, das den kaiserlichen Statthalter vom Sessel emporriß. Der Tempelschatz von Ahuanca! „Mitten durch das feindliche Land seid ihr mit einer solchen Tropa geritten? Don Fernao, die Hilfe die Ihr mir in dieser Stunde bringt, will ich Euch nie vergessen." Er reichte dem jungen Hidalgo die Hand. — „Den Knechten, die unter ihrem Hauptmann Miguel Stech-lin treu und wacker den Zug geleiteten, versprach ich die ganze Traglast eines Saumtieres als Belohnung." Der Statthalter nickte. „Dies und ein Geschenk, das ich selbst bestimmen werde, sei ihr Lohn. Ich nehme sie in meine Dienste und will sie nach dem Sieg nicht vergessen. Ihr aber, Don Fernao, sollt stets ein geneigtes Ohr bei mir finden." Ein tiefer Atemzug. „Euer Gnaden, in meiner Tropa befindet sich ein junges Mädchen, Dona Lucia Orgaz, mit ihrer indianischen Dienerin. Sie ist es, die mich aus den Banden der Empörer befreite. Wollt Ihr mir eine Bitte erfüllen, so nehmt Euch des Mädchens an, das um meinetwillen alles hinter sich ließ." Der Statthalter schlug an eine silberne Glocke. Ein Diener kam gelaufen. „Geleite die Dona und ihre Dienerin in das Kloster der barmherzigen Schwestern. übergib sie der Oberin und bitte sie in meinem Namen um Aufnahme. Ich werde selbst im Kloster vorsprechen, sobald es meine Zeit erlaubt." „Orgaz? Ist das nicht der Name eines Vertrauten Pizarros?" fragte Don Alonso mit gerunzelter Stirn. „Don Carlos Orgaz ist ihr Vater, von dem sie sich durch ihre Tat lossagte", versetzte Don Fernao fest. „Seltsam sind die Wege der Liebe", lächelte de Gasca. „Aber gehen wir hinab in den Hof. Mir scheint, mit dem heutigen Tag sind unsere Sorgen zu Ende. Der Tempelschatz von Ahuanca kommt zur rechten Zeit. Mit seiner Hilfe wollen wir dies geplagte Land befrieden. Möge er auf diese Weise auch den Inkas zum Segen werden." Im Kloster der barmherzigen Schwestern verwandelten sich die beiden jungen Reitknechte wieder in sittsam gekleidete Mädchen. Nur die kurz geschnittenen Haare Dona Lucias erinnerten noch an die abenteuerliche Fahrt durch das aufrührerische Land. Wie ein wüster Traum lag das alles hinter ihr. Die Flucht in der Nacht, der Ritt durch die Berge. Dreimal war die Tropa von Wegelagerern und umherstreifenden Banden angefallen worden, und dreimal Dona Lucia an der Seite der Männer mit Armbrust und Schwert gestanden. Jetzt in der Stille der Klosterzelle fuhr sie oft schreckhaft aus dem Schlummer auf. Der Vater stand vor ihr und drohte ihr wütend mit den Fäusten; schreiend, mit geschwungenen Schwertern stürm- ten die Knechte aus dem Dunkel und sanken mit zerhauener Stirn zurück. Blut, Blut, ein ganzes Meer von Blut drohte Dona Lucia zu verschlingen. Gellend schrie sie auf und erst in den Armen der mitleidigen Nonnen, die gelaufen kamen, beruhigte sie sich wieder und ihre Angst löste sich in einem Strom von Tränen. (Fortsetzung folgt) Kennen Sie schon das „ Werk des Erlösers”? Wenn Sie es noch nicht kennen, will ich es Ihnen erklären! Es ist der Missionsmeßbund unserer Häuser. Jedes Mitglied hat Anteil an einer hl. Messe, die täglich für die Wohltäter geieiert wird. Ebenso erlreut es sich auch anderer geistlicher Vorteile. So kann es an folgenden Festtagen einen vollkommenen Ablaß gewinnen, den es auch den armen Seelen zuwenden kann: Am 25. Januar, dem Tag der Bekehrung des hl. Paulus; am Schmerzenslreitag und am Feste der Sieben Schmerzen Mariens im September; am zweiten Sonntag nach Ostern, am Dreifaltigkeitssonntag und am Feste des Negerapostels Petrus Claver am 9. September. Außerdem haben die Mitglieder Anteil an den Gebeten der Kongregation und an den Bekehrungsarbeiten der Missionäre. Als Zeichen der äußeren Verbundenheit erhalten sie jährlich eine kleine Gabe in der Form eines Kalenders und des Jahresberichtes ihres Missionshauses. Der geringe Beitrag von jährlich DM —.50 kommt der Ausbildung unserer Missionäre zugute. Willst Du diesem Liebeswerk beitreten, oder die geistlichen Vorteile Deinen Verstorbenen Anverwandten zuwenden, so schreibe an das Missionshaus, das Dir am nächsten liegt, und bitte um Aufnahme. Die Anschriften unserer Missionshäuser lauten: Missionshaus Joseistal, Ellwangen (Jagstj Missionsseminar St. Josel, Ellwangen (Jagst) Missionshaus St. Heinrich, Bamberg, Ob. Karolinenstraße 7 Missionsseminar Ritterhaus, Bad Mergentheim, Mühlwehrstraße 29 Missionshaus Maria Lourdes, Mellatz, P. Oplenbach, über Lindau!Bodensee Missionsseminar Neumarkt/Opl in Österreich: Missionshaus Maria Fatima, Unterpremstätten bei Graz!Steiermark in Italien: Herz-Jesu-Missionshaus Milland bei Brixen Missioni Estere, Roma, Viale Vaticano 50