532._____________________________________ -t-rj^Ij^^H-______________________________________C)y3 lili ... os- - - -^o • ACHTZEHNTER JAHRESBERICHT über die deutsche Staats. * Oberrealschule i IN TRIEST. Veröffentlicht am Schlüsse des Schuljahres 1887-88 vom Director LIBOR PEIKER, k. k. Schulrath. "gi TRIEST. Im Selbstverläge der k. k. Stunts Oberrealsolmle. 1888. 1 8a.------------------------------------------------------------------- sh || ~ i s 7) f ACHTZEHNTER JAHRESBERICHT über die deutsche IN TRIEST. Veröffentlicht am Schlüsse des Schuljahres 1887-88 vom Directur LIBOE PEIKER, k. k. Schnlrath. TRIEST. Im Solbstverlnge der k. k. StantsOberroalsolmlo. 1888 INJBL ALT. Seite 1 23 26 Ueber Sagen und Märchen vom Prof. w. Urbas.................................... Schulnaclirichten vom Director Libor Peiker: X. Chronik der Sehule.................................................... IT. Der Lehrkörper nnd die Vertheilung der Lehrgegenstände während des Schuljahres 1887-88 .................................................... | a) Uebersicht über die Lehrgegenstände und ihre III. Der Lehrplan j wöchentliche Stundenzahl....................28 l b) Durchführung im einzelnen...........................29 IV. Verzeichnis der gebrauchten Lehrbücher.....................................35 V. Schriftliche Aufgaben aus dem Deutschen (Unterrichtssprache) für die oberen Classen 37 VI. Die Lehrmittel 1. Lehrer-Bibliothek.....................................38 Schiiler-Bibliothek...................................40 Physik................................................40 Chemie................................................41 Naturgeschichte.......................................41 Geometrie.............................................42 Freihandzeichnen......................................42 Aufwand für die Lehrmittel ..........................42 VII. Statistische Notizen..........................................................43 VIII. Maturitätsprüfung............................................................46 IX. Die wichtigsten Verfügungen der Vorgesetzten Behörden.......................47 X. Unterstützungsfond............................................................48 XI. Kundmachung bezüglich des nächsten Schuljahres................................49 3. 4. 5. 6. 7. Lieber Sagen und Märchen. Jede Zeit ist nur eine Folge und Wirkung der ihr bereits vorangegangenen, jedes Alter nur ein Erzeugnis der früheren; denn wie wir körperlich durch eine lange Kette von Geschlechtern mit den Urmenschen Zusammenhängen, so leben in unsern Geistern die Ueberlieferungen aller unserer Ahnen fort. Da überdies die Natur des Menschen durch alle Zeiten unveränderlich dieselbe bleibt, wir also beispielweise noch immer so denken und fühlen, wie etwa die alten Griechen vor mehr als zweitausend Jahren gedacht und gefühlt haben; so vermag der Mensch das sich anzueignen und festzuhalten, was die Menschen vor ihm erstrebt und geschaffen. Eben daher wurzelt auch nicht nur der Sprachbau, vermöge dessen die heutige Menschheit ihr Inneres kundgibt, in jenen einfachen Lauten, vermittelst deren die Urgeschlechter ihre dürftigen Vorstellungen einander mitzutheilen suchten; sondern der Inhalt selbst, unsere höchste Poesie wie unsere tiefste Speculation, unser Glaube wie unser Aberglaube hängt durch nirgends abgerissene,, obschon nicht immer sichtbare Fäden mit der ärmlichen Weltanschauung der Urzeit zusammen. *) Leider war der Mensch als endliches Wesen seit jeher, wie körperlich so auch geistig, mit mancherlei Mängeln behaftet, die sich ebenfalls von Geschlecht zu Geschlecht forterbten — es seien nur die Mängel der Sinne, die Beschränktheit des Erkenntnisvermögens, die Unzuverlässigkeit des Gedächtnisses erwähnt. — So konnte denn der Mensch jene geistige Erbschaft, von der allein hier die Rede sein soll, niemals voll antreten: die Ueberlieferung war stets getrübt, wo nicht gar lückenhaft; die Geschichte wurde zur Sage, zum Märchen, und schwand oft gänzlich. Wie hätten auch sonst so viele Entdeckungen und Erfindungen verloren gehen, oder doch lange Zeit vergessen sein können, wie z. B. die Erfindung des biegsamen Glases unter Kaiser Tiberius, die Entdeckung Amerikas durch die Nordländer vier Jahrhunderte vor Colon. Dieser Uebelstand, der sich einestheils aus den eben erwähnten Mängeln der menschlichen Natur überhaupt erklären lässt, anderiitheils aber in der Ueberlieferung selbst, in der Eigenart des Mittheilenden oder des Empfangenden begründet ist, hat sich zwar bedeutend gebessert, seitdem die Menschen es verstehen, das Andenken an Personen und Vorgänge durch Schriften und Denkmäler festzuhalten; allein ganz beseitigt ist derselbe deshalb noch immer nicht. Denn wie viele Bildwerke und Urkunden der Alten sind uns verloren gegangen, wie oft wurde die Urschrift durch die Abschreiber verstümmelt, und endlich, wie manche Darstellung vermittelt uns die Begebenheiten nur nach der ganz willkürlichen Auffassung des Künstlers. Gesteht doch Schiller selbst in einem Briefe an Karoline v. Wolzogen (vom 10. Dezember 1788), er werde stets eine schlechte Quelle für einen künftigen Geschichtschreiber sein, denn die Geschichte sei nur ein Magazin für seine Phantasie. — Und wer kennt nicht das herrliche Bild von Jacques Louis David: Napoleons Uebergang über die Alpen, das uns den Helden auf bäumendem Koss zeigt, während er doch in Wirklichkeit auf einem Maulthier sorgsam hinübergeführt wurde. Nun, und wenn es all die angedeuteten Uebelstände nicht gäbe, was wäre die Folge? — Nun, dann besässen wir eine Weltgeschichte, die wohl den Thatsachen vollkommen entsprechen und bis auf die Entstehung des Menschengeschlechtes zurückreichen, aber durch ihre Trockenheit uns sicherlich nur langweilen würde. Denn eine ganz wahrheitgetreue Erzählung dessen, was sich innerhalb eines bestimmten Zeitraumes zugetragen, müsste uns ungefähr so abstossen, wie der Schaukasten eines Vorstadt-Photographen, der seine Bilder nicht zu retouchieren versteht.2) Es verhält sich nämlich, nach Grimms Ausspruch, die Wirklichkeit zur Geschichte, wie sich diese zur Sage, und wieder die Sage zum Märchen verhält. Oder, wenn wir uns bildlich aus-drücken wollen, die Wirklichkeit ist kaum mehr als der Rohbau eines Hauses, in welchem noch der Hammer des Maurers, die Axt des Zimmermanns hallt; die Geschichte dagegen ist das wohnlich fertige Gebäude, auf das nur leider Hebbels Epigramm passt: „Oben brennt es im Dach und unten rauchen die Minen ; Aber mitten im Haus schlägt man sich um den Besitz.“ Die Sage wäre dann naturgemäss die Ruine des unterlassenen oder verlassenen Baues, in dessen verödeten Räumen vielleicht noch die Geister der einstigen Bewohner spuken. Das Märchen endlich ist nur ein Schutthaufen, belebt von allerlei Krieohthieren und überwuchert von unterschiedlichem Gestrüpp und Schlinggewächs, aus welchem jedoch da und dort eine weissschimmernde Sternmiere oder blassfarbige Zaunwinde, rother Alpenmohn neben gelbblütigem Leinkraut, Steinbrech und Nachtschatten, Stechapfel und Bilsenkraut hervorlugen, um die bei Tage blaue Lycänen und dunkle Medusen flattern, wogegen nachts das wüthige Heer darüber hinbraust. Doch wir müssen von der Geschichte und der ihr zu Grunde liegenden Wirklichkeit hier absehen, da sie nicht in den Kreis unserer Erörterung gehören; die ganze Reihenfolge der genannten Begriffe wird ohnedies klar, sobald wir das Wesen der beiden letztem und ihr Verhältnis zu einander recht erfasst haben. Wir wollen deshalb nur diese, nämlich die Sagen und Märchen, etwas genauer ins Auge fassen. Zu dem Ende wollen wir zunächst die Frage zu beantworten suchen: Was sind Sagen und Märchen, und wie unterscheiden sie sich von einander ? Sodann wollen wir nach ihrer Entstehung und Verbreitung sehen, schliesslich ihren Wert zu bestimmen trachten. I. Sagen und Märchen sind im allgemeinen althergebrachte, volksthümliche Erzählungen mehr oder minder wunderbaren Inhaltes, deren Urheber meist unbekannt sind. Während jedoch die Sage gern an bekannte Orte oder geschichtliche Personen anknüpft, verschmäht gewöhnlich das Märchen solch bestimmte Angaben, und überlässt sich lieber einer zügellosen Phantasie. Daher hat jedes Volk seine eigen-thümlichen Nationalsagen — wie die Deutschen von den Nibelungen —, viele Orte ihre besondern Localsagen — wie die von Tannhäuser —; das Märchen dagegen ist mehr weltbürgerlicher Art, nur passt cs sich gern Land und Leuten an, wie. sich etwa * dieselben farbigen Gläschen im Kaleidoskop zu immer neuen Bildern zusammenschieben. So zaubert das Tischlein deck’ dich im arabischen Märchen das beliebte Nationalgericht „Fatt“ hervor, im italienischen „Maccaroni“, im französischen „Kaffee und Cognac“. Denn losgelöst von Ort und Zeit flattern diese anmuthigen Geschichten von Land zu Land, von Volk zu Volk; und was dereinst im fernen Indien ausgedacht worden ist, oder bestimmte Gestalt gewonnen hat, das ertönt heute im Zelte des arabischen Sheikhs wie in der Strandhütte des schottischen Fischers, nur nach den jeweiligen Verhältnissen abgeändert. Das deutsche Kind weint über das bittere Los Schneewittchens, das von dem Hasse der bösen Schwiegermutter bis zu den Zwergen verfolgt wird; und in Griechenland weiss man von Rodia zu erzählen, die selbst unter dem Schutze der Königin der Nacht vor ihren neidischen Schwestern nicht sicher ist. Und hier wie dort bezaubert die Scheintodte im gläsernen Sarge das Herz des Königssohnes und gewinnt, zum Leben erweckt, seine Hand. 3) Anders verhält es sich mit der Sage. Wenn diese einmal den heimatlichen Boden verlassen hat, so verliert sie in der Fremde gar leicht ihren ursprünglichen Charakter, das Natürliche verschwindet mehr und mehr; dafür nimmt das Wunderbare überhand — die Sage wird zum Märchen. So ergieng es z. B. den altgriechischen Sagen bei den Römern; man denke nur, was Ovid aus Kadmus, einem Nationälhelden der Griechen, gemacht hat! Freilich ist Ovid kein Volkssänger gewesen; allein dem Römer konnte es auch gleichgiltig sein, was die Griechen dem Kadmus verdankten. Da sind wir aber bei einem weitern unterscheidenden Merkmal zwischen Sagen und Märchen angelangt, das wir nicht unbeachtet lassen dürfen. Dem Volke liefert die Stoffe zu seinen Erzählungen die es umgebende Welt; es schmückt dieselben vielleicht aus, erfindet aber keine. Der Dichter dagegen erzählt nicht nur Geschichten, die ihm von aussen zugekommen, sondern ersinnt auch welche; nur können dies wohl Märchen s e i n, nimmer jedoch Sagen. Denn diese beziehen sich ja auf bestimmte Orte und Personen, es liegen ihnen wirkliche Begebenheiten aus dem Menschen- und Weltleben zugrunde, weshalb sie Spuk und Zauberei wohl missen können; das Märchen aber schaltet in der ganzen Schöpfung frei, belebt alles, und setzt sich über ursächlichen Zusammenhang vollends hinweg — ja wenn Faust „das Wunder des Glaubens liebstes Kind“ nennt, so darf man wohl auch sagen: Das Wunderbare ist des Märchens liebster Spielgenosse. Wie könnte auch sonst Andersen den Zinnsoldaten wegen der papiernen Tänzerin in ein Herz zusammenschmelzen, oder Baumbach sich vom Hausschlüssel eine Geschichte erzählen lassen? Doch diese Art von Märchen, welche nur einem eigenartigen Spiel der Phantasie ihren Ursprung verdanken, gehören nicht hielier, da das echte Märchen wie die Sage volksthümlich, sein Urheber also nicht bekannt sein soll. — Worin sich aber die beiden Gattungen noch ferner unterscheiden, das ist ihr Alter. Die Sage ist keiner bestimmten Zeit eigen, sie durchrankt die ganze Weltgeschichte und kann nur mit dem Menschen- o o geschlechte selbst aussterben ; als die ältesten Sagen eines jeden Volkes müssen jedoch seine Heldensagen bezeichnet werden, die wohl aus vorgeschichtlicher Zeit stammen, aber trotzdem jünger sind als die Märchen, welche auf die Anfänge aller Cultur weisen, also bis in das Kindesalter der Menschheit zurückreichen. Allein während die Sage wie ein unaustilgbares Unkraut fortwuchert und immer neue Schösslinge treibt, welkt das Märchen sichtlich, zersetzt sich mehr und mehr, und geht langsam aber unablässig der völligen Aflösung entgegen. Deshalb sucht der Geschichtsforscher sorgfältig die Sagen auszujäten, während der Cultur-historiker die Märchen emsig sammelt. Mit all dem Gesagten soll übrigens durchaus nicht behauptet werden, dass zwischen Sagen und Märchen eine strenge Scheidewand bestehe; vielmehr muss zugestanden werden, dass sich dieselben vielfach berühren und kreuzen, ja oft sogar in einander übergehen, wie schon der ältere Sprachgebrauch es zeigt, welcher zwischen „Sagen und Mären“ keinen Unterschied macht. Diesem schwankenden Charakter der beiden Ueberlieferungen ist es wohl zuzuschreiben, dass die Ansichten darüber so sehr von einander abweichen. So hält Felix Dahn die Sagen und Märchen für zwei Schwestern und zwar jene für älter als dieses. Von der deutschen Sage4) schreibt er: „Ueber den Waldweg wandert sie still, wo sich der Eichenhag mit einzelnen knorrigen Stämmen in die Freiung lichtet, ein hohes, stattliches Weib —: ihr Alter ist schwer zu errathen: zeitlos, jahrlos erscheint sie — : sie trägt alterthiimlich seltsames Gewand: der zerschlissene Schleier weht im Wind, der dunkle, weitfaltige Mantel verhüllt sie halb: aber das Untergewand gleisst, wie von altem Golde durchwirkt, und den breiten Gürtel schliesst eine kunstreiche Spange von Bronze. Ernste edle Züge trägt das bleiche langgestreckte Antlitz; durch das dunkelbraune Haar ziehen einzelne Silberfäden hin; das halbgeöffnete Auge scheint wie zurück in das Vergangene zu schauen.“ „An den Falten ihres Mantels aber hält sich, hart hinter ihr schreitend, ihre reizende, blonde, jüngere Schwester, das Märchen; die Kleine lächelt so gern: und weint sie auch einmal, — es ist wie ein warmer Maienregen: die Sonne scheint hell mitten hindurch : es währt nicht lang und ist nicht so gar traurig gemeint“.... „Die Sage erzählt, keineswegs oft, nur hie und da, wo der einsame Weg, den sie schreiten, ihr die Erinnerung weckt und die Zunge löst; oft spricht sie halb für sich hin, halb verlorene abgebrochene Worte. Die Kleine aber lauscht andächtig: nicht alles versteht sie: aber sie legt sichs zurecht und lässt gern auch die traurigsten Geschichten der Schwester glücklich ausgehen und erzählt sie so weiter ihren Gespielen, — den Kindern.“ Wenn die eben citierten Worte eines so bedeutenden Schriftstellers, wie Felix Dahn es ist, von unsern bisherigen Ausführungen wesentlich abweichen; so hat dies nur darin seinen Grund, dass wir hier mehr die ursprüngliche Fassung dieser Aeusserungen des Volksgeistes und deren allmähliche Entwickelung, als die fertigen Sagen, in ihrer heutigen Gestalt, im Auge haben. Wie entstehen denn Sagen und Märchen, und welche Schicksale haben sie? II. a) Das bekannte: „Wenn jemand eine Reise thut, so kann etwas erzählen“, lässt sich wohl auch dahin erweitern: Wenn jemand was erfahren hat, so kann ers auch berichten. Selbstverständlich ist es gleichgiltig, ob er das an sich oder an ändern erlebt, oder ob er blos davon gehört hat. Da nun der gesellige Mensch auch mittheilsam ist, so kamen auf solche Art seit jeher allerlei Wahrnehmungen und gar manches Gerücht nicht nur unter den Mitlebenden herum, sondern auch von Vater auf Sohn und so von Geschlecht zu Geschlecht. Allein, wie schon erwähnt, oberflächliche Beobachtung des Ereignisses, mangelhafte Auflassung des Gehörten, willkürliche Ausfüllung des Lückenhaften, Eflecthascherei der Mittheilung, phantasievolle Ausschmückung des Dargestellten, ja Verquickung des Wirklichen mit blos Erträumtem — diese und noch manche andere Umstände haben die Ueberlieferung vielfach geschädigt, so dass von den ursprünglichen Geschehnissen oft nur ganz entstellte Berichte auf die Nachwelt gelangten. Aeusserlich gewannen zwar diese Geschichten; allein die Wahrheit litt meist bis zur Unkenntlichkeit. Mitunter wandern diese Erzählungen zeit- und namenlos durchs Land: „Es war einmal ein König“; zuweilen findet man sogar eine ganz annehmbare Erklärung dafür: „Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch; versunken und vergessen! das ist des Sängers Fluch.“ Manchmal veränderte oder vertauschte man die Namen; machte aus dem geschichtlichen Siegbert den Siegfried, und aus der Chrodihilde die Krimhilde; oder schrieb der ßrunhilde zu, was Fredegnnde verbrochen hatte. Und da auch die Zeitrechnung ausser allen Betracht kam, so verschmolzen nicht selten mehrere Individuen zu einer Person, wie aus dem Gundikar, dem Gundo-bald und dem Guntram, die doch um mehr als halbe Jahrhunderte auseinander lebten, ein Günther wurde; oder man brachte Personen in Verbindung, die in Wirklichkeit nichts mit einanderzu thun hatten, wie Etzel und Dietrich von Bern, unbekümmert darum, dass Theodorich noch gar nicht auf der Welt war, als Attila starb. — Aus diesen wenigen Andeutungen schon dürfte es zu erklären sein, wie aus der Beziehung der Frevelthaten im merovingischen Ilause auf bedeutende Persönlichkeiten theils vorausgegangener, theils nachfolgender Jahrhunderte das erschütternde Gemälde werden konnte, das uns im zweiten Theile des Nibelungenliedes entrollt wird. Aber noch ein Umstand macht sich hier geltend, den man nicht unterschätzen darf, da gerade derselbe häufig, namentlich über Geschichten aus älterer Zeit einen eigenthümlichen Glanz verbreitet. Wie nämlich der einzelne Mensch gewöhnlich das, was er verloren, höher schätzt als das, was er noch besitzt, so würdigt die Mitwelt selten ihre bedeutenden Männer, während die Nachwelt ihnen Denkmäler über Denkmäler setzt. — Man denke unter tausenden, von den Zeitgenossen unbeachteter oder gar verunglimpfter, von den später Lebenden dagegen hoch gefeierter Männer, nur an Schiller und Goethe, deren Bilder heutzutage in allen Grössen und Gestalten, und in den verschiedensten o Stoffen ausgeführt, über Alldeutschland verbreitet, deren Schriften schon fast in alle gebildeten Sprachen übertragen sind ; wogegen ihr Zeitgenosse Manso sie die Sudelköche von Weimar nannte. Da lässt sich denn in gewisser Hinsicht wohl sagen : Die Zeitperspective verhält sich umgekehrt zur Kaumperspective. Im Raume erscheinen uns die Gegenstände um so kleiner, je weiter sie von uns entfernt sind ; dagegen dünken uns die Thaten der Vorwelt um so grossarti^er, je mehrere Jahrhunderte sie von der Jetztzeit trennen. Wie käme es auch sonst, dass jeder Schulknabe von Leonidas und dem, übrigens ganz nutzlosen Kampfe an den Thermopylen zu erzählen weiss, von der heldenmiithigen Vertheidigung des Predilpasses durch Hauptmann Hermann aber, wodurch gerade der Sieg bei Aspern erst möglich wurde, nicht einmal grössere Geschichtswerke Erwähnung thun. Und welcher herrliche Sagencyclus umspinnt die rein praktischen Versuche der Minyer, den unwirtbaren Pontus dem Handel zu erschliessen! „Die Prometheus-Sage und die Entfesselung des feuerzündenden Titanen am Kaukasus auf der östlichen Wanderung des Hercules, das Aufsteigen der Io aus dem Thal des Hybrites nach dem Kaukasus, die“ Sage „von Phrixus und Helle, der Zug der Argonauten nach Kolchis,“ sie „bezeichnen alle dieselbe Richtung des Weges, die Bestrebung, ins schwarze Meer vorzudringen, in welches früh schon sich phönicischc Schifier gewagt hatten.“5) Was endlich ist das Epos aller Epen, die unübertreffliche Ilias anderes als die poesievolle Ausschmückung der kleinasiatischen Colonisation durch die Aeolier und der damit verbundenen Kämpfe mit der einheimischen asiatischen Bevölkerung, vielleicht auch nur eines Raubzuges griechischer Stämme gegen die Troer. Wie zuweilen Missverständnis die Bildung einer Sage veranlassen kann, sehen wir am Rattentanger von Hameln. Ein altes Stadtbuch von Hameln enthält die etwas dürftige Mittheilung: „Anno 1284, am dage Joannis et Pauli, ist der 26. dach des „mantes jünii gewesen, sint durch einen piper, so mit allerleige „varve becledett, einhundert und drittich Kinder in Hamelen ge-„born uth der stadt gebracht unde up den Koppen by Calvarie, „butten dem oisterdore, verbracht unde verloren.“ Athanasius Kircher, der auch davon erzählt, fügt hinzu, die Kinder seien in Siebenbürgen wieder aus der Tiefe aufgetaucht. Wenn wir nun, da wir an Zauberspuk nicht glauben, diese einfache Geschichte, ohne die spätem Zuthaten, ohne all den poetischen Zierat, welchen Julius Wolft' um dieselbe gewoben, auf ihren wahren Sachverhalt prüfen; so finden wir als glaubwürdigste Erklärung wohl die, das genannte Stadtbuch theile nur einen Fall von jener merkwürdigen Epidemie der Tanzwuth mit, welche während des ganzen Mittelalters, und bis ins 16. Jahrhundert hinein, so viele Opfer gefordert hat. Melden doch auch die Reinhardsbrunner Annalen, dass im Juli 1236, also im selben Jahrhundert, mehr als 1000 Kinder aus Erfurt tanzend bis nach Arnstadt gezogen seien. Dass sich bei den Johannis-Belustigungen genug fremde Spielleute in auffallender, bunter Tracht in den Städten und Märkten werden herumgetrieben haben, ist leicht zu denken. Auch das Verschwinden der Jugend im Calvarienberge ist nicht schwer zu deuten. Da nämlich dieser an der Wendung der Strasse von Hameln nach den Vorhügeln des Süntels lag, so konnte das Auge der Nachschauenden den tanzenden Zug dort zum letztenmale erblicken. Doch was ist’s mit Siebenbürgen, wo die Kinder wieder zum Vorschein gekommen sein sollen? Darunter dürfte wohl das Dorf Siebenbergen nächst der Schauenburg, unweit Iiameln, zu verstehen sein; dorthin mag die unge-rathene Schar gezogen sein. Einzelne der Kinder sind vielleicht von Siebenbergen wieder nach Hause zurückgekehrt; die Mehrzahl jedoch ist vermuthlich in der Fremde verdorben und gestorben. Ist diese Auffassung der Sage richtig, dann ist die vorherige Vertreibung der liatten durch den Spielmann ein später hineingetragener Zug. b) Doch, der schönen Dichtung Wolffs und allen jenen, denen sie lieb geworden, zu Gefallen, soll später, trotz Stadtbuch und Jahreszahl, noch eine poetischere Deutung dieser Sage versucht werden. Merkwürdig genug hat sogar auch der Drang, Namen, Symbole, Denkmäler, Sitten u. dgl. volksthiimlich zu erklären, oft Veranlassung zur Sagenbildung gegeberi. So wurde durch Uebersetzung des Namens Christophorus der riesige Christusträger, von dem die Legende meldet, dass er den Heiland über den Fluss getragen hätte und dabei von der Last beinahe erdrückt worden wäre.7) — Nachdem aus dem ursprünglichen Mauththurm hei Bingen ein Mausthurm und schliesslich ein Mäusethunn geworden war, bildete sich im Laufe der Zeit die Sage, Mäuse hätten hier den Mainzer Bischof Hatto, zur Strafe für seinen Geiz, bei lebendigem Leibe aufgezehrt. — Auf dem Pilatus bei Luzern zeigt der Führer den Reisenden einen See, von dem er ganz ernstlich behauptet, Pontius Pilatus habe sich in demselben ertränkt, oder, sein Leichnam wäre in denselben geworfen worden. Und doch stammt der Name daher, dass der Berg im Mittelalter mons pileatus genannt wurde, d. h. der behütete Berg, weil häufig Wolken seinen Gipfel umhüllen. — Am Hochaltar der alten Cistercienserkirche zu Sittich in Unter-krain ist das Wappen der daselbst 1424 verstorbenen Herzogin Viridis, aus dem mailändischen Hause Visconti-Sforza, eingemauert. Bekanntlich zeigt dieses Wappenschild eine Schlange, aus deren Schlunde ein Kind halb hervorragt. Das Volk aber, welches damit nichts anzufangen weiss, erzählt, cs habe hier einst eine kinderfressende Schlange gehaust, welche erst unschädlich gemacht wurde, als man ihr Bild am Hochaltare einmauerte; offenbar eine Anspielung auf die eherne Schlange in der Wüste. Von allen diesen, bewusst oder unbewusst, im Volke sich bildenden Sagen sind wohl jene zu trennen, welche bald dem persönlichen Interesse eines Biographen, bald der Vorliebe eines Geschichtschreibers für seine Nation, ihre Entstehung verdanken, und mit mehr oder weniger lauterer Absicht unter das Volk gebracht werden. Was nach dieser Richtung in alter wie in neuer Zeit geleistet wurde, ist fast unglaublich, und der Geschichtsforscher, dem es um die Ergründung des Thatsächlichen ernst ist, muss oft allen Scharfsinn anwenden, sein Feld von den wuchernden Klatschrosen, Cyanen und Raden zu säubern, die ihm das Korn durchsetzen. Freilich finden gerade diese Blumen die meisten Liebhaber. Nicht nur Kinder greifen begierig darnach, auch die Hauptmasse des Volkes erfreut sich besonders daran; ja sogar der geistvolle Prosper Merimee sagt (in seinem Vorwort zur Chronique du Rögne de Charles IX.), er liebe an der Geschichte nur die Anekdoten. Nun sind aber leider die hübschesten Anekdoten, die witzigsten Redewendungen in der Geschichte meistenteils erfanden. Das Ei des Kolumbus und das Ei des Schweppermann, der Apfel des Teil und der des Newton, die Vorhersagung einer Sonnenfinsternis durch Thaies und diejenige von der Entdeckung der Venus-Phasen durch Kopernikus, das Martyrium des Regulus und das des Galilei, der König Eduard I. von England mit seinem Knaben auf dem Arm vor den wallisischen Grossen und Maria Theresia mit ihrem Sohne Josef auf dem Arm vor den Magnaten in Pressburg, die erste Begegnung Petrarcas mit Laura in der Kirche und die Miltons mit der schönen Italienerin, der Ring des Grafen Essex und der des Herzogs von Medina-Sidonia — sie alle verschwinden vor der Kritik oder erblassen doch so stark wie ein Nebelbild, dessen Glasplatte man aus dem Brennpunkt gerückt hat.8) Allein gerade diese Anekdoten sind, wie gesagt, fürs grosse Publicum das anziehendste, diese merkt es sich am leichtesten und hält am zähesten daran, denn sie wirken wie gute Illustrationen, machen die Geschichte erst durchsichtig, fassbar, pikant, und übergehen darum auch bald in den geheiligten Sagenschatz des Volkes, das sich dieselben nicht so leicht nehmen lässt. Man verdirbt sichs heutzutage mit einem Schweizer, wenn man ihm zu beweisen sucht, die Befreiung der Schweiz sei nicht eine That Teils ; wie man es etwa im alten Rom nicht hätte wagen dürfen zu behaupten, die Römer hätten sich nicht durch das Schwert des Camillus, sondern durch 1000 U Gold der Gallier erwehrt. Der Mensch liebt eben seine Ideale; denn sie machen ihn, wenigstens für Augenblicke, all die Beschwerden des Lebens vergessen ; er zieht sie der kahlen Wirklichkeit vor, denn sie erheben ihn über dieselbe und bringen ihn seinem Gott näher. Wer mag es also dem Volke verargen, wenn ihm z. B. die Schiller’sche Maria Stuart besser gefällt als die historische. Freilich geschieht bei diesem Streben zu idealisieren des guten manchmal zu viel: aus dem Helden wird nach und nach ein Halbgott; wie aus der Sage, durch allerlei mythische Zuthaten, mit der Zeit ein Märchen wird. So bildete sich aus der früher erwähnten Begebenheit zu Hameln durch ungenaue Ueberlieferung die Sage vom Rattenfänger; aber dieser selbst erhielt durch den Z a u b e r, den man seinem Spiel und Gesang beilegte, durch die Ratten und Mäuse, die man ihn vorher entführen liess, endlich durch die Entrückung der Kinder, diesen diabolischen Racheact, einen märchenhaften Charakter, der sogar, trotz der am 26. Juni 1884 in Hameln veranstalten, 600jährigen Erinnerungsfeier, die ganze Geschichte etwas verdächtig macht. Wenn sich nämlich an eine Sage solch mythisches Beiwerk anschliesst, dann erscheint auch ihr innerstes Wesen so sehr verändert, dass aus einer treu zu Land und Leuten haltenden Freundin eine heimatlose Landstreicherin wird, die inan überall findet, und die doch nirgends recht daheim ist. — Wie käme es auch sonst, dass man ein, dem Rattenfänger von Hameln, ganz ähnliches Märchen unter den Basken erzählen hört,9) dass im Dorfe Drancy-les-Nouis bei Paris ein gleiches vorkommt; nur ist es dort nicht ein Pfeifer, sondern ein Kapuziner, der, um seinen Lohn betrogen, schliesslich alles nutzbare Ilausvieh entführt. In Irland dagegen, und zwar zu Belfast in Ulster, soll einst ein Pfeifer, ohne weiteres, die ganze Jugend zu einem Berg gelockt und mit ihr darein verschwunden sein. Ebenso macht auch der Apfelschuss die ganze Tell-Sage wanken. Denn schon der persische Dichter Farld Uddin Attär, erzählt um 1175 von einem ähnlichen Schüsse, nur schiesst da der König selbst den Apfel von eines Sclaven Kopf. In der Wilkinasage aber muss Eigil auf Nidungs Befehl den Apfel von seines dreijährigen Knaben Kopf wegschiessen. Er nimmt hiezu drei Pfeile; zwei davon sind, im Falle des Misslingens, für den König bestimmt. Bis in die Einzelnheiten der Tell-Sage Aehn-liches aber erzählt Saxo Grammaticus vom dän. König Harald und dem Schützen Toko. — Wenn sich min schon die völlige Gleichheit der beiden letzten Sagen mit der Gessler-Tell-Scene leicht aus der nachbarlichen Berührung erklären lässt, so ist doch die Aehnlichkeit mit der persischen Sage auffallend. — Dass die israelitische Potiphar-Josef-Sage mit der ägyptischen Anupu-Bitin-, der griechischen Phädra-Hippolyt-Sage verwandt ist, kann ebenso wenig befremden, als dass eine Ilero-Leander-Sage so häufig an grössern Gewässern erzählt wird; denn das menschliche Herz bleibt doch immer und überall dasselbe. Allein wenn man bei den Südslaven eine Sage findet, welche an die griechische Oedipus-Sage gemahnt, und die damit verwandte Sphinx-Sage in einem gascognischen Märchen wiedererkennt; wenn man die Elemente des Mythus von Amor und Psyche ebenso im altindischen Märchen Pururavas und Urvasi, wie im deutschen Lohengrin, dem Ritter mit dem Schwane, walirnimmt; wenn man endlich die von Herodot mitgetheilte Geschichte vom ägyptischen Könige Rhampsinit und dem schlauen Diebe in seinem Schatzhause, der Leichenwärter und Prinzessin auf höchst ergetzlichc Weise betrog, bis ihm der König Verzeihung zusicherte und ihn schliesslich zu seinem Eidam machte, oder die Erzählung vom Gevatter Tod, der sein Pathenkind zu einem berühmten Arzt macht, bis er endlich auch den holt, mit geringen Variationen fast allerorten von Indien bis Island, wieder hört: so drängt sich einem wohl der Gedanke auf, diese, so verbreiteten Geschichten müssten einer ändern Herkunft sein als die gern an der Scholle haftenden Sagen. Diese Vermuthung bestätigt sich auch, wenn man dieselben, durch alle Gestaltungen, bis zu ihrem Ursprung zurück verfolgt, selbst dann, wenn sie sich in sagenhafter Weise an ganz bestimmte Orte oder Personen anklammern. Die Untersberg- und die Kiö'häuser-Sage werden gerade dadurch zu Märchen, dass auch andere Völker von bergentrückten Helden zu erzählen wissen; so die Mongolen von Timur, die Russen von Stenko Razin, die Serben von Marko Kraljevič und Knez Lazar, die Montenegriner von Ivo öernojeviö, die Dänen von Holgerdanske, die Briten von Arthur, die Portugiesen von Sebastian, die Peruaner vom Inka Virakoha. — Und alle hoffen, dass dieselben einst, in der Stunde der höchsten Not, wieder erscheinen werden, um ihr Volk aus der Bedrängnis zu erlösen, wie solches die Mexicaner von Quetzalcoatl, die Aegypter von Osiris, die Indier von Wischnu erwarteten. 6) Diese merkwürdige Uebereinstimmung lässt sich nur dann begreifen, wenn man annimmt, alle diese Sagen hätten eine gemeinsame Quelle, es läge ihnen eine ursprüngliche Vorstellung der Menschheit, ein uralter Mythus zugrunde. — Solches aber deutet auf das Märchen; denn alle jene Erzählungen des Volkes, welche sich auf Mythen gründen, sind Märchen im eigentlichsten Sinne des Wortes. Nun versteht man unter Mythus die gesammte Vorstellungswelt der Völker auf ihrer ersten Entwickelungsstufe: das Bild nämlich, welches sich der Mensch in seiner frühesten Kindheit von dem All entworfen ; wie er sich die Gestalt und Einrichtung der Welt, als eines Ganzen, vorgestellt; wie er sich die einzelnen Vorgänge in der Natur und im Menschenleben erklärt, den Grund alles natürlichen und geistigen Daseins und der Beschaffenheit aller Wesen begreiflich zu machen gesucht hat — das alles ist Mythus. Die Menschheit auf der ersten Stufe geistiger Bildung dachte mythisch, wie die culturlosen Stämme noch heute denken und wie die Kinder immer denken werden; da wird jeder Gedanke zum Mythos, jede Anschauung zum Symbol.10) Hilflos stand anfänglich der Mensch da, in stiefmütterlicher Ausstattung allen Gefahren preisgegeben; nur in seinem Gehirne lebte die Schöpferkraft, die ihn befähigte, stufenweise sich zum Herrn der Erde zu machen. Allein diese Kraft schlummerte sehr tief, erst im schweren Kampfe ums Dasein konnte sie geweckt und entwickelt werden. Der Mensch musste die Erfahrung machen, dass er, als ein Glied der langen Kette von Wesen, nach allen Seiten mit der übrigen Welt in Verbindung steht, von ihr abhängt, wie sie von ihm. Jenachdem dieses Verhältnis sich gestaltete, wurde er Herr oder Untergebener. Wesen und Vorgänge, die er besiegen konnte, machte er sich dienstbar; andere bezwangen ihn, er ward ihr Knecht: erstere wurden seine Beute; letztem fiel er oder brachte er sich zum Opfer. Zunächst sah sich der Mensch genöthigt, die Uebermacht mancher Thiere anzuerkennen; die Furcht vor diesen war der Anfang seiner Ehrfurcht, das Streben nach ihrer Besänftigung der Anfang seiner Religion. Die verschiedensten Spuren führen zu der Annahme, dass die rückständigste und verbreitetste Form der Anbetung, der T liier dienst gewesen sei.11) Doch bald drängten sich der Menschheit in ihrem Kindesalter noch andere Verehrungswesen auf. Wie ein Kind sein Köpfchen beständig nach dem Lichte wendet, so richtete sich schon früh das Auge des Menschen auf das leuchtende Geschwisterpaar am Himmel, die Sonne, deren wärmenden Strahl er zugleich wohlthuend. empfand, den Mond, dessen mildes Licht ihm die Nacht weniger schrecklich machte, endlich auch auf die vielen funkelnden Sterne, deren scheinbar regellose Anordnung er sich auf seine Art zurecht zu legen wusste. — Da er mit der Vergangenheit nicht ganz brechen konnte, so bevölkerte er den Himmel mit seinen frühem Verehrungswesen nicht nur im Thierkreis, sondern auch anderwärts ; darum, und weil auch spätere Geschlechter daran festhielten, führen nur an dem, in Mitteleuropa sichtbaren Sternenhimmel nicht weniger als 32 Sternbilder Namen von Thieren, 1U) welche im Sommer der Hirte Bootes leitet, im Winter der Jäger Orion treibt. Es musste sich nämlich dem Menschen dabei noch eine andere Warnehmung aufdrängen, und zwar die, dass der Zustand der Dinge nicht unveränderlich derselbe bleibt. Er sah die Sonne sinken und endlich ganz verschwinden; es wurde immer dunkler und kühler, bald vernahm er nichts mehr als das Geschrei der Nachtvögel, das Geheul der Raubthiere; eine unbehagliche Stimmung bemächtigte sich seiner, er fühlte sich bedroht von unsichtbaren grausigen Mächten, welche Licht und Wärme und Leben hingerafft hatten; er fand sich selbst schon angegriffen, denn seine Lebenskraft schien zu schwinden, er ward müde, und versank endlich in Erstarrung, in Schlaf. — Doch er erwachte wieder gestärkt, mit ihm schien die ganze Natur sich neu zu beleben, auch die Sonne war wieder da und goss ihre Licht- und Wärmestrahlen über alles aus. — Der Mensch hat einen Tod und eine Auferstehung gesehen, ja mitgemacht, ohne jenen abwehren, ohne zu dieser etwas beitragen zu können. — Grossartiger noch stellte sich ihm dasselbe Schauspiel dar, als die Tage sich zu kürzen, die Pflanzen abzusterben begannen, die Nacht dagegen immer endloser schien, der Frost ihm selber fast den Athem stocken machte, als die Sonne das dunkle Gewölk gar nicht mehr zu durchbrechen vermochte und die finstern Mächte, die Licht und Wärme verdrängt hatten, die Oberhand gewannen — doch wieder nur für einige Zeit. Denn unter Gewitterstürmen und Regengüssen hielt der Frühling seinen Einzug; das Licht hatte neuerdings gesiegt und alles lebte auf und entfaltete sich in früherer Pracht. — Und wieder hat er nichts dafür gethan; andere Wesen haben gewirkt, mit einander gekämpft — um sein Dasein, musste er sich denken — die einen haben ihn bedroht, die ändern gerettet. — Was für Wesen hassten und verfolgten ihn, welche liebten und schützten ihn ? 13) Das gab neue Veranlassung zu Mythos und Religion. Denn auf dieser Stufe wusste der Mensch noch gar nicht, dass es auch leblose Dinge gibt, welche in mechanischer Beziehung zu einander stehen und von Ursachen abhängig sind; sondern er sah überall nur Wesen, welche innerlich den Menschen glichen und sich wie solche benahmen, an Gestalt aber Menschen oder Thieren oder auch nur menschlichen Gerätschaften ähnlich sahen. Die mannigfachen meteorischen Erscheinungen: die verschiedenen o o Wolkengestaltungen und Färbungen mit Sonnenschein oder Regen, mit Blitz und Donner, mit Sturm oder Windstille, bei Monden-schein oder in dunkler Nacht — zauberten dem naiven Auge die verschiedensten Scenen vor; was den Menschen im eigenen Leben bewegte, das glaubte er auch am Ilimmel zu sehen. In hoch-getlnirmten Wolken sah er die fest gemauerte Burg, in welcher sich die eine Macht zu schützen suchte, die aber von einer ändern angegriflen und mit Blitzen niedergeschmettcrt wurde wie die Titanen von Zeus. Bald wieder erschien der Ilimmel als buntleuchtender Wiesenteppich, auf welchem junge Mädchen spielten und Blumen pflückten, wie Europa und Persephone, oder aus Krügen befruchtendes Wasser sprengten, wie die Hyaden; bald als ein weites Revier, in welchem ein Jäger einen Hirsch verfolgte, einen Eber jagte, wie Adonis, oder einer spröden Jungfrau nacheilte, wie Apollo, u. s. f. Da jedoch zum Himmel die Erde die genau entsprechende Kehrseite bot, sich dazu im Gewässer der Himmel mit all seinen Lichtern und Wolken wiederspiegelte; so wurde nach und nach Wasser und Land von oben her mit ähnlichen W esen bevölkert. Freilich erlitt dadurch der Mythos mancherlei Schicksale, die seine ursprüngliche Fassung mehr und mehr verwischten. Zunächst wurden die in den Wettererscheinungen sich immer wiederholenden Thaten himmlischer Persönlichkeiten für einmalige Begebenheiten unter Göttern oder Menschen gehalten; allmählich aber wurden derlei Mythen auch ganz unter menschliche Verhältnisse gesetzt, ohne jedoch an einem genau bezeiehneten Orte oder unter bestimmt genannten Personen zu spielen: d. h. sie wurden zu Märchen. Verband man endlich mit einem solchen den Namen einer Oertlichkeit, die besonders geeignet schien, als Schauplatz für eine jener Begebenheiten zu dienen, den Namen einer Person, die man ihrer Bedeutsamkeit wegen noch im Gedächtnis hatte und die man wohl für fähig hielt, solche Thaten zu verrichten ; so erhielt das Märchen sogar den Beglaubigungsstempel einer Sage. Diese Umwandlungen des ursprünglichen Mythos aber vollzogen sich selbstverständlich erst im Laufe der Jahrtausende, und da fortwährend neue Elemente hinzutraten, so schlingt sich jetzt im Märchenwalde alles bunt durcheinander; wenige einfache Grundformen, doch zu verwirrender Mannigfaltigkeit entwickelt; die Wurzeln gekreuzt, die Baumkronen verschlungen; und über alles wucherndes, parasitisches Gewächs gebreitet, das den Umblick erschwert und das Durchkommen hindert. 14) Wenn wir es trotzdem versuchen, hier noch einige Märchen näher zu beleuchten, so geschieht dies nur zu einiger Erläuterung der soeben flüchtig gegebenen Umrisse. Im alten Hellas ward dem Winter prophezeit, dass er von seines Sohnes Hand sterben werde. Als nun der junge Frühling geboren wurde, verstiess man ihn zuerst; später aber gieng der Winter einmal auf Reisen, da traf ihn unterwegs der mittlerweile kräftig gewordene Sohn, erschlug ihn und kam zu der verwittweten Mutter, der veilehengeschmückten Erde, deren Hand er gewann, nachdem er sie von den umlagernden Unthieren befreit hatte. Später musste er selbst auch sterben, als er die Greuel erkannte und seine Zeit vollendet war. — Die Sommersonne verbirgt sich hinter Herbstnebeln und Oedipus blendet sich selbst. ,5) Als jährlich absterbend und wieder auflebend dachten sich die Alten: Ormuzd und Osiris, Indra, Jama und Jima, Dionysos-Bacchus, Horus-Apollon-Hercules, Bel, Mythras, Atys, Linus, sowie den celtischen Sonnengott Hu, den indischen Krisohna, den griechischen Adonis, endlich Brahma und Buddha. So erklären sich der Schlaf des indischen Sonnengottes Wischnu, sowie der sechsmonatliche Aufenthalt der babilonischen Ischtar-Isis in der untern Sphäre, die iin Herbste stattfindende Vermählung von Persephone-Proserpina mit Pluto, endlich die beiden Fässer von Zeus-Jupiter, von denen das eine Gutes, das andere Böses ausgiesst (nach Homerischer Angabe ,6). — Hieher gehören alle Sagen von bergentrückten Helden, die wiederkehren sollen. In liom, dessen Gründer Wolfssäuglinge waren, gieng am 15. Februar das Wolfsfest, die Luperealien, dem Frühlingsanfang voran. Im Norden war der Wolf Fenrir Verfolger der Sonne und des Mondes, die er beim Weitende beide verschlingen sollte; er erhielt sieh in der deutschen Volkssage durch den Wolf, welcher Kothkäppchen (dessen leuchtende Mütze den Mond bedeutet) nebst der Grossmutter verschlang, aber durch den Jäger, d. i die Sonne, erlegt wurde, wodurch der Mond wieder seine Befreiung erlangte. Dadurch sind wohl Sonnen- und Mondfinsternisse verbildlicht. Wenn wir uns daran erinnern, dass der Mensch seine Wohnstätte auf Erden erst den Thieren abringen musste, er also früher Jäger als Hirte oder Ackerbauer war, so kann es uns nicht wundern, dass gerade das schönste aller Sternbilder den Namen des riesigen Jagdheldcn Orion trägt, und es ist bezeichnend, dass es eben der Winter, die Jagdzeit ist, während welcher in Europa Orion mit den beiden Hunden die Nacht hindurch leuchtet. Der Winter ist aber zugleich die Zeit der Stürme, und weil diese unsichtbar sind, so verschmolz in der Phantasie des Volkes, und zwar vorzugsweise des deutschen, das sichtbare, aber geräuschlose Heer der Jagdthiere am Himmel mit dem unsichtbaren, aber geräuschvollen Wesen der Stürme zu einer Sage, nämlich zur Sage von der wilden Jagd oder dem wüthenden Heer. Dass die Sagen von dem Umzuge der Hel, von welcher es in der jüngern Eddaheisst: Ihr Saal ist Elend, Hunger ihre Schüssel, Gier ihr Messer, Träg ihr Knecht, L a n g s a m ihre Magd, Einsturz ihre Schwelle, ihr Bette Kümmernis und ihr Vorhang dräuendes Unheil — die Sage von der Frau Holle, welcher der getreue Eckhart voraneilt — von der Berchta, welcher der Knecht Ruprecht vorausgeht — von Muoltahee, von Sträggele und Po-sterli u. s. w. nur Variationen der Sage vom wilden Jäger Wuotan, dem Schiinmelritter, von Hackelbärend, Karlequintes, Harlekin, Erlkönig und drgl. sind; kann umso weniger bezweifelt werden, als für alle diese mythischen Umzüge eine der beiden Sonnwendzeiten angegeben wird. Wie dem winterlichen Gestirn des Jägers Orion das sommerliche des Hirten Bootes gegenübersteht, so bildet gleichsam ein Seitenstück zum Treiben der wilden Jagd das Locken der Thiere durch Spiel und Gesang. Die durch ihre Leierklänge selbst leblose Dinge in Bewegung setzenden Sänger des Alter-thums Amphion und Orpheus sind nur Vorläufer des deutschen Horant, von dessen Gesang cs in der Kudrun heisst: Diu tier in dem waldo — ir weide liezen sten ; die würme, die solten — in dem grase gen, die vische, die da solten — in dem wäge vliezen, die liezent ir geverte — — Aber auch des Rattenfängers muss man hier unwillkürlich wieder gedenken ; seine Pfeife tönt ja ebenfalls sinneberückend zauberhaft. Erwägt man dabei, dass in vielen Volkssagen die Ratte, oder vielmehr ihre Verwandte, die Maus als ein Sinnbild der menschlichen Seele erscheint; dass darin oft Kinder (die man ja unter anderm auch Mäuschen nennt) als Seelen an die Stelle der Mäuse treten; dass endlich nach dem Volksglauben jeder Mensch seinen eigenen Stern hat, der bei seiner Geburt erglimmt, bei seinem Tod erlischt: so erscheint für die Sage vom Katten-fänger noch eine mythische Deutung umsomehr zulässig, als diese Sage nicht nur in Hameln, sondern auch, wie früher gesagt, anderwärts vorkommt. Darnach wären die Mäuse, oder Ratten, nur ein Symbol, die Kinder die eigentlichen Seelen, die vom zauberischen Spielmann, dem Seelenbegleiter Hermes der deutschen Sage, in die Unterwelt geführt werden, wie der Mond mit dem Sternenheere am frühen Morgen hinter den Bergen verschwindet. Was dem Jäger: Orion, dem Hirten: Bootes war, das waren dem Fischer und Schiffer: die Wassergeister, die Nymphen, Nereiden, Najaden, Sirenen, Nixen, die meisten fuss-los wie die Sterne, die sicli im Wasser spiegeln. Ihr Gesang ist verführerisch schön, wie der Blick in die bodenlose, doch den' Himmel wiederspiegelnde Tiefe, das Gemurmel der Wellen, das Branden der Wogen etwas unbeschreiblich Anziehendes, etwas Dämonisches hat.I7) „Hulb zog sie ihn, halb sank er hin Und ward nicht mehr gesehen.“ Sie sind dabei doch unter strengem Regiment; Poseidon, der Meer- oder Wassermann, weiss Zucht zu halten — die ewige Weltordnung darf ja nicht gestört werden — und sie erweisen sich den Menschen auch freundlich, dienstbar, wie die Zwerge, deren nächste Verwandte sie sind. Schon Diodor weiss von Daktylen (Däumlingen) auf Kreta, von Teichinen auf Rhodos zu erzählen; ihnen gleichen unsere Nickel und Kobolde, Wichte und Heinzelmännchen, Feen und Elfen, unter ihren Königen Alberich oder Oberon, Goldemar und Laurin, Nibelung und Schilbung ; ja auch die Wald-, Holz-, Moos-und Korndämonen 18) gehören hieher. Ihr nächtliches Treiben, in luftigen Reigen, ist nichts anderes als das Kreisen der Gestirne; ihr Scheiden von den Menschen ist folgerichtig das Verschwinden der Sterne am Morgen. Die scheinbaren, doch nicht wesentlichen Gegensätze dieser Pygmäen: die Titanen, Giganten und Kyklopen, die Thursen, Hünen und Riesen werden zwar heutzutage nur als personifi-cierte Naturgewalten betrachtet; es zählten aber ursprünglich als solche besonders Sonne und Mond, welche ja dem kindlichen Auge des Volkes, im Vergleiche zu den Sternen, als riesig erscheinen mussten, und in weiterer Folge auch Tag und Nacht, Sommer und Winter. Denn was ist die Blendung des Kyklopen Polyphemos durch Odysseus anders als die Personificierung der Vorstellung: Der Sonnengott brenne des Nachtgottes Auge, den Mond, aus ; wie kann das Märchen vom Wärwolf, der die Däumlinge verschlingt, anders gedeutet werden, denn als Verkörperung der Wahrnehmung, dass die aufgehende Sonne die Sterne verschwinden mache; was sind endlich alle Drachentödter, mögen dieselben Apollon, Herakles, Siegfried oder wie immer heissen, anderes als Sonnenhelden, welche die Schrecknisse der Nacht und des Winters überwinden. Sie alle hat derselbe oder ein verwandter Mythos erzeugt, wie Brunhild, die vom Dorn gestochen in der glutumgebenen Burg im festen Schlafe liegt, bis sie von Siegfried, der durch den Flammenring zu ihr dringt, geweckt wird, aus der gleichen Familie stammt wie das liebliche Dornröschen, das auch 100 Tagjahre im (Winter-) Schlaf befangen ist, bis Prinz Frühling sie weckt. Doch so verlockend auch dies Thema ist und so interessant es vielleicht wäre, wenigstens noch einige der bekanntesten Märchen, wie „Blaubart, der gestiefelte Kater, Aschenbrödl“ u. s. w. auf ihre mythischen Elemente zu prüfen, so müssen wir uns dennoch bescheiden, da eine solche Untersuchung den einem Programmanfsatze zugemessenen Kaum gar zu sehr überschreiten würde. übrigens ähneln all die Sagen und Märchen der Vorzeit, die Volkslieder und Sprichwörter, selbst die Sitten und Gebräuche der Völker — einer Geröllbank, welche die Meereswellen aus den Trümmern aller Gesteinsarten an den Strand gespült und dort aufgehäuft haben. Der kundige Forscher findet vielleicht alle Schichtungen der Erdrinde, alle Alter der Erdbildung darin vertreten, vermag auch das bunte, wirre Gemenge in Hauptgruppen zu scheiden; er kann jedoch gewiss nicht für jeden einzelnen Stein den Ursprungsort angeben, noch den Weg am Meeresboden, auf dem Wellen und Strömungen ihn geführt haben. Ebenso erweist sich unser Wissen und Glauben, unser Singen und Sagen als eine Ansammlung der verschiedenartigsten Erbschaften aus allen Zeiten und Völkern: herangetragen aus der Heimat, vermehrt durch Zufuhren von fremden Völkern, bald geläutert und vereinfacht, bald bereichert oder doch vielgestaltiger umgeformt, jenachdem die Verhältnisse es bedingten, oder die Bildungsstufen der Völker, wohl auch nur Einzelner, geeignet dazu waren.,!l) Die Deutung aber ist gerade deshalb oft sehr schwierig. III. Sind denn die Märchen und Sagen cs wert, dass man von ihnen spricht, dass man sie sammelt, dass man ihrer Herkunft^ ihrem Zusammenhänge nachforscht, ihre Bedeutung zu ergründen sucht ? — Für die Wissenschaft, namentlich für die Cultur-geschichte, ist ihr Wert gewiss ein nicht zu unterschätzender — schon die umfangreiche Literatur derselben beweist dies — ; für die Kunst aber sind sie geradezu von unberechenbarem Werte, wie aus den vielen altern und neuern Meisterwerken, insofern dieselben märehen- oder sagenhafte Stoffe zum Gegenstände haben, leicht zu ersehen ist. — Verdankten nicht die herrlichsten antiken Statuen, wie Laokoon, die Niobiden u. a., ihren Ursprung eben mythischen Anschauungen des Alterthums ? Haben nicht die Maler aller Völker die Stoffe für ihre schönsten Schöpfungen ihrem Sagen- und Märchenschatze entnommen, wie Schwind in seinen reizenden Bildern zum „gestiefelten Kater“ zu „Aschen-brödl“, zu „Melusine“; Schnorr in seinen charakteristischen Illustrationen zum „Nibelungenliede“; Kaulbach in seinen humorvollen Zeichnungen zum „Reineke Fuchs“ ? Beruhen endlich nicht auf Mythen und Sagen : die ganze Ilias und Odyssee, wie das Nibelungen- und das Rolandslied, Iphigenie und Antigone wie Hamlet und Makbeth und hundert andere, grössere und kleinere Dichtungen? Ja gibt es für die Oper dankbarere Stoffe als „die weisse Frau“, „der Vampyr“, „der Freischütz“, „Faust“ und so viele andere ? Nichts ist auch natürlicher, sind doch die meisten Sagen und Märchen an sich schon hochpoetisch, echte Producte der Volksepik — man denke nur an die alttestamentlichen Bücher: Ruth, Hiob, Tobia — ; was hat da der Bearbeiter noch hinzuzufügen, um sie zu wahren Kunstwerken umzugestalten ? Kaum mehr denn so viel, als die gewählte Form und der Geschmack der Zeit es verlangen. Aber nicht nur zu den verschiedensten Umbildungen haben diese theils ernsten und tiefsinnigen, theils heitern und neckischen Aeusserungeh des Volksgeistes Veranlassung gegeben : sondern, wie die Schöpfungen der Natur die Bestrebungen der Kunst hervorgerufen haben, wie der volkstlnimliche Aesop einen Lachambeaudie zu seinen wunderlieblichen Fabeln,2n) die naiven Märchen von „1001 Nacht“ Hauff zu seinen, im orientalischen Geiste gedichteten Märchen begeistert haben; so haben sicherlich auch die Sagen und Märchen des Volkes, Dichter wie Andersen, Baumbach u. a., angeregt, Märchen frei zu ersinnen. Doch nicht allein der Umstand, dass schon so viele Künstler sich der genannten Stoffe, bald zu eigenartiger Behandlung, bald zu sinnreicher Umgestaltung bedienten, oder dieselben willkürlich nachbildeten, zeugt von dem Werte der Sagen und Märchen; dafür liefert schon einen unwiderleglichen Beweis die reiche Literatur, deren sie sich erfreuen. Konnte Nopitsch in seiner Bibliographie der Sprichwörter an zweitausend Sammlungen von diesen „Feldblumen der Weisheit“ aufzählen, so lässt sich wohl auch behaupten, dass nicht nur jedes Volk, sondern sogar jede Landschaft ihre eigenen Sagen besitzt, die schon in mehr oder minder vollständigen Sammlungen veröffentlicht sind. So gibt es z. B. ausser jenen Sammlungen, welche die Sagen und Märchen von Deutschland überhaupt enthalten, noch besondere aus dem Eisass, aus Schwaben, aus Vorarlberg, Tirol, Baiern, der Ober-pfalz, vom Spessart, ans Westfalen, Hessen, Sachsen, Schleswig-Holstein, märkische Sagen u. s. f. Und nicht nur Schriftsteller mindern Ranges unterziehen sich der Mühe, solche Lesen unter dem Volke zu veranstalten, sondern auch die hervorragendsten Geister verschmähen es nicht, diesem Studium ihre besten Kräfte zu weihen: in Deutschland befassten sich keine geringeren damit als die gründlichsten Kenner deutscher Sprache und deutschen Wesens, die genialen Forscher, die Begründer der geschichtlichen Sprachforschung in Deutschland: Jakob und Wilhelm Grimm. ______________________________________________________________________ W. Urbas. ') Dr. Steinthal, Mythus und Religion. *) Kadenhansen, Isis, I. Bd. ’) Meyer, Essays und Studien. ') Dahn, Bausteine, I. Bd. r>) A. Humboldt, Kosmos, II. Bd. “) Meyer, Essays und Studium. 7) Max Müller, Über die Sprache, II. Bd. 8) Hertslet, Der Treppenwitz in der Weltgeschichte. 9) W. Humboldt, Über die Ivawisprache, I. Bd. 10) Dr. Steinthal, Mythus und Religion. ") Radenhausen, Isis, I. Bd. I2) Müller, Kosmische Physik. la) Dr. Steinthal, Mythus und Religion. H) Meyer, Essays und Studien. ir') Gravenhorst, Griechisches Theater. ,s) Bimsen, Die Plejaden. ”) O. Henne-Am lthyn, Die deutsche Volkssage. '*) Mannhardt, Baumcultus. 19) Radenhausen, Isis, I. Bd. ,0) Übersetzt von L. Pfau. Schulnachrichten. I. Chronik der Schule. Wenige Tage nach Schluss des Schuljahres 1886-87 erkrankte der hochwürdige Herrr Canonicus Vincenz Battalia, Dom-soholasticus und bischöflicher Coinmissär für den katholischen Religionsunterricht, an einer Gehirnlähmung. Die Heftigkeit, mit welcher die Krankheit auftrat, wie auch das hohe Alter des kirchlichen Würdenträgers — er zählte bereits 70 Jahre — Hessen gleich anfangs eine Hoffnung auf Wiedergenesung nicht autkommen. Nach kurzem Leiden schied er am 19. Juli 1887 aus dem Leben. Seinem Sarge folgten die in Triest anwesenden Schüler und die Professoren W. Urbas und Dr. Tomasi n. Der Berichterstatter erfüllt nur eine Pflicht schuldigen Dankes, wenn er an dieser Stelle der immer regen und wohlwollenden Fürsorge gedenkt, welche der Lebende während der Zeit seines Wirkens unserer Anstalt entgegenbrachte. Der k. k. Professor Ernest Lindenthal wurde infolge seiner Bewerbung um eine an der Staats-Unterrealschule im II. Bezirke Wiens erledigte Lehrstelle mit dem Erlasse Sr. Exc. des Herrn Unterrichtsministers Z. 11654 dd. 31. August 1887 nach Wien übersetzt. Lindenthal, welcher seit 1879 unserer Anstalt angehörte, übersiedelte kurz vor Beginn des Schuljahres. Sein rastloser Fleiss, sein reges Pflichtgefühl sowie seine aufrichtige Liebe zur «Tugend sichern ihm bei uns allen die freundlichste Erinnerung. An die nun hier erledigte Lehrstelle trat der geprüfte Lehramtskandidat Karl Schober, zuletzt Supplent an der k. k. Oberrealschule in Sechshaus bei Wien, welcher mit demselben Erlasse Sr. Exc. des Herrn Unterrichtsministers zum wirklichen Lehrer ernannt worden war. Schober übernahm mit Beginn des Schuljahres seine Dienstespflichten. Dem Professor W. Urbas wurde die vierte, dem Professor Ed. Ritter von Wolff die fünfte und dem Berichterstatter die vierte Quinquennalzulage zuerkannt. Am 16. September wurde das Schuljahr in der üblichen Weise eröffnet. Aufgenommen wurden 284 Schüler. Davon entfielen auf Cl. I 82, auf 01. IT 76 Schüler, weshalb diese Classen zufolge der gesetzlichen Bestimmungen in /.wei Abtheilungen gesondert werden mussten. Demnach wurden die im Vorjahre schon in Verwendung gewesenen Hilfslehrer Karl Schwarzer, Vin-cenz Hruby, Franz Mako wetz und Theodor von Sowa mit Genehmigung der h. k. k. Statthalterei Z. 13817/VII dd. 27. September 1887 auch für das Schuljahr 1887-88 wieder in Verwendung genommen. Die italienische Sprache wurde wie in den Vorjahren classeu-weise mit 3 Stunden, das Slovenisohe hingegen in 3 Abtheilungen ii 2 Stunden wöchentlich gelehrt. In der ersten Abtheilung waren 6, in der zweiten 4, in der dritten 6 Schüler. Den Turnunterricht erhielten die Schüler in der hiesigen städtischen Turnhalle. Wenige Tage nach Beginn des Unterrichtes erkrankte Pompejus Bison, Schüler der VI. Classe. Trotz der sorgfältigsten Pflege, welche ihm im Elternhause zutheil wurde, erlag derselbe am 21. October, im 17. Lebensjahre, seinen Leiden. Die tieftrauernden Eltern, der Lehrkörper sowie die Schüler der Anstalt begleiteten am 23. October den Dahingeschiedenen zur letzten Ruhestätte, woselbst der k. k. Religions-lehrer, theol. Dr. Tomasin, die Beerdigung vollzog. Diesem Verluste sollte nach wenigen Monaten noch ein zweiter folgen. Bela Tschebulz Edler von Tsebuly, welcher die k. k. Militär-Unterrealschule zu Eisenstadt mit Auszeichnung absolviert hatte, trat mit Beginn des Schuljahres als öffentlicher Schüler in die V. Classe ein. Auch hier erwarb er sich durch seine musterhafte Haltung, durch seinen ausdauernden Fleiss in kurzer Zeit die Liebe seiner Lehrer. Ein scheinbar umbedeutendes Brustleiden gestaltete sich jedoch mit dem Eintritte der kalten Jahreszeit immer ernster, so dass er infolge ärztlichen Käthes genötigt war, am 5. Februar 1888 seinen Austritt zu melden. Am 6. Mai schloss der so hoffnungsvolle Jüngling, der einzige Sohn seiner Eltern, die Augen für immer. Dem Sarge folgten am 8. Mai, dem Tage der Beerdigung, nebst vielen ändern Leidtragenden, der k. k. Landesschulinspector Ritter v, Gnad, der Berichterstatter, sowie die Lehrer und Schüler der V. Classe. Das hochwürdige bischöfliche Ordinariat machte der Di-reetion mittels Note vom 17. November 1887, Z. 2309 die Mittheilung, dass an die Stelle des verstorbenen Domscholasticus Vincenz Battalia, der Ehrendomherr Ferdinand Staudacher zum bischöflichen Commissär für den katholischen Religionsunterricht ernannt wurde. Derselbe wohnte sowohl im 1. wie auch im 2. Semester in den Classen I—IV dem Religionsunterrichte bei. In den Monaten November und December wurde die Anstalt von dem k. k. Landesschulinspector Dr. Ernst Ritter v. Gnad in eingehender Weise inspicieit. Am 11. Februar 1888 wurde das erste Semester geschlossen, und das zweite am 17. eröffnet. Der geordnete Gang des Unterrichtes erlitt im abgelaufenen Schuljahre durch die Erkrankung des einen oder ändern Collegen nur unbedeutende Störungen. Der Gesundheitszustand der Schüler war im ganzen recht befriedigend. Mit dem Präsidialerlasse der h. k. k. Statthalterei N. 802/P dd. 29. Mai wurde die Direction in Kenntnis gesetzt, dass die Leitung der diesjährigen Maturitätsprüfungen der k. k. Landes-schulinspector Anton Ritter v. Klodic-Sabladoski übernehmen wird. Die schriftlichen Maturitätsprüfungen wurden vom 23. bis 28. Mai, die mündlichen am 5. und 6. Juli abgehalten. Am 7. Juli erhielten die Schüler ihre Semestralzeugnisse. Das Schuljahr wurde mit einem Gottesdienste geschlossen. 2* II. Der Lehrkörper und die Verth.eilu.ng- der TJn.terrich.ts-Gegenstände während des Schuljahres 1887-88. Name und D i enstchara kter Gegenstand Classe Zahl der wöchentlichen Stunden Peiker Libor, k. k. Schulrath, Director. Mathematik Darstellende Geom. III V 0 Wolff Eduard, Ritter von, k. k. Professor. Freihandzeichnen IIa, II b, III IV, VI, VII 20 Cega de Celio Anton, phil. Dr., k. k. Professor. Italienische Sprache la, Ha, II b III, IV, V, VI, VII 18 Widmann Peter, k. k. Professor, Ordinarins in CI. IV. Geographie Geschichte, Geogr. I a IIb,III,IV,VI 18 Urbas Wilhelm, k. k. Professor, Ordinarius in CI. II a. Deutsche Sprache Geschichte, Geogr. II«,III,IV,VI II a 19 Hopfner Johann, k. k. Professor, Ordinarins in CI. VI. Mathematik Ib, V—VII 18 Zavagna Heinrich, k. k. Professor. beurlaubt. Sivida Franz, phil. Dr., k. k. Professor, Ordinarius in CI. VII. Deutsche Sprache Geschichte, Geogr. Ia, V, VII V, VII 19 Brumatti Anton, k. k. Professor, (zur Dienstleistung zugewiesen) Italienische Sprache Physik Ib III, IV, VI, VII 16 Gene/in Placid, phil. Dr., k. k. Professor, Ordinarius in CI. III. Geographie Französische Sprache Ib III—VII 21 Name und Dienstcharakter Gegenstand (Masse Zahl der wöchentlichen Stunden Schüler Johann, k. k. Professor, Ordinarius in CI. V. Mathematik N aturgesehiehte Chemie Ila I b, II a, V V, VI 18 Huber Hans, k. k. Professor, Ordinarius in CI. II b. Mathematik Naturgeschichte Chemie Ia, Ilb la, Ilb,VI,VII IV •20 Tomasin Peter, theol. Dr., Religionslehrer Katholische Religionslehre la —IV 12 Schober Carl, wirklicher Lehrer, Ordinarius in CI. Ia. Schreiben Freihandzeichnen Geometr. Zeichnen Darstellende Geom. Mathematik Ia, Ila, Ilb Ia III VI IV 19 Schwarzer Curl, snpplierender Lehrer, Ordinarius in CI. Ib. Schreiben Freihandzeichnen Geom. Zeichnen Darstellende Geom. Ib Ib Ila, Ilb, IV VII 19 Sowa Theodor, Edler von, Assistent. Er lehrte das Freihandzeichnen in CI. V, und assistierte beim Unterrichte dieses Gegenstandes in den CI. II a, II b, III 16 Hruby Vincem, supplierender Lehrer. Englische Sprache V —VII 9 Makowetz Franz, supplierender Lehrer. Deutsche Sprache Ib, Hb 11 Diener: Castelluber Andreas, Amtsdiener. Minen Jacob, Aushilfsdiener. III. Der Lehrplan. a) Ueberaicht über die Lehrgegenstände und ihre wöchentliche Stundenzahl. Gegenstand (Masse 11 jg ^ I !_n jn IV V VI VII ■S> 2 ES e» Katliol. Religionslehre . 2 2 2 2 8 Deutsche Sprache . . 6 5 4 3 3 3 3 •27 Französische Sprache — — 5 4 3 3 Q O 18 Italienische Sprache J 3 3 3 3 3 3 3 21 I Slovenische Sprache j 1 w irde i i 3 A bth. ii 2 St. gelehrt Englische Sprache 2) — — — — 3 3 3 <) Geschichte und Geogr. 3 4 4 4 3 3 4 25 Mathematik 3 3 3 4 5 5 5 28 Naturgeschichte . . . 3 3 — — 3 2 3 14 Chemie — — — 3 3 3 — 9 Physik — — 3 3 — 3 4 13 Darstellende Geometrie . — — — — 3 3 3 9 Geometrisches Zeichnen — 3 3 3 — — — 9 Freihandzeichnen . . Ü 4 4 4 4 4 3 29 Schönschreiben . . . 1 1 2 Freie Gegenstände: Stenographie .... _ _ ___ _ _ 3 Analytische Chemie . . 2 Turnen. Der Unterricht wurde in der städtischen Turnhalle ertheilt 2 ') Italienische und slovenische Sprache sind nur für jene Schüler obligat, deren Eltern oder Vormünder sich für die eine oder aridere Sprache entscheiden, Minist.-Erl. vom 7. Nov. 1870, Z. 11436. J) Sie ist vom Schuljahre 1880-81 angefangen für jene Schüler der drei obern Classen obligat, welche das Italienische in den untern Classon nicht besucht haben, oder das in den untern Classen begonnene Studium des Italienischen in den obern Classen nicht fortsetzen. Minist.-Erl. vom 4. Mai 1880, Z. 813. b) Durchführung1 im einzelnen. I. ( lasse. Religionslehre: Die katholiche Glaubens- und Sittenlehre; die katbolichen Gnadenmittel. Deutsche Sprache: Die ganze Formenlehre. Lehre vom einfachen Satz, liecitierübungen. Schriftliche Hebungen und Aufgaben. Italienische Sprache: Formenlehre des Artikels, Substantivs, Adjectivs, Pronomens und der regelmässigen Verba. Lectiire aus den „Letture italiane“, p. I. Mündliche und schriftliche Uebungen. Geographie: Geographische Vor- und Grundbegriffe; übersichtliche Beschreibung der Erdoberfläche und deren Scheidung nach Ländern und Völkern, bei steter Anwendung der Karten. Mathematik: Dekadisches Zahlensystem, Grundoperationen mit unbenannten und einnamigen ganzen und Decimalzahlen, Grundzüge der Theilbarkeit, gemeine Brüche, mehrnamig benannte Zahlen. Naturgeschichte: Zoologie. I. Sem.: Beschreibung der wichtigsten Formen der Wirbelthiere, mit besonderer Berücksichtigung der Bewohner der Adria; im II. Sem. wirbellose Thiere, vorwiegend Insecten und Meeresbewohner. Freihandzeichnen: Geometrische Formenlehre. Zeichnen geometrischer Gebilde; das geometrische Ornament. Schönschreiben: Uebungen behufs Aneignung einer leserlichen und gefälligen Schrift. II. Classe. Religionslehre: Liturgik; die kirchlichen Orte und Gegenstände; die religiösen Zeichen und Handlungen; die kirchlichen Zeiten und Feste. Deutsche Sprache: Vom einfachen und erweiterten Satze. Lehre vom zusammengesetzen Satze, in Verbindung mit der Interpunctionslehre. Mündliche und schriftliche Uebungen. Italienische Sprache: Die übrige Formenlehre der flexiblen Redetheile, die inflexiblen Uedetheile. Lectiire aus den „Letture italiane“, p. H. Monatlich ‘2 Aufgaben. Geschichte und Geographie: Uebersichtliche Geschichte des Alterthums. Ausführliche Beschreibung Asiens und Afrikas in physikalischer und politischer Hinsicht; specielle Geographie von Südeuropa; Uebungen im Kartenzeichnen. Mathematik: Abgekürzte Multiplication und Division, Schlussrechnung, Verhältnisse und Proportionen, einfache und Zusammengesetzte Regeldetrie, Kettensatz, einfache Zinsrechnung, Procentrechnung, Terminrechnung, Tlieilregel und Durchschnittsrechnung. Naturgeschichte: Mineralogie: Beschreibung einer Auswahl der wichtigsten Mineralien. Botanik: Beschreibung und Vergleichung einer Anzahl von Pflanzen aus den wichtigsten Familien. Geometrisches Zeichnen: Planimetrie bis zu den Flächenberechnungen. Uebungen im Linearzeichnen. Freihandzeichnen: Elemente des Flachornamentes und der Perspective. Schönschreiben: Die Rundschrift und Uebungen in der deutschen und englischen Schrift behufs Aneignung einer leserlichen Schrift. III. Classe. Religionslehre: Die Thora Moysis. Geschichte der Israeliten bis auf unsere Tage. Geographie von Palästina. Deutsche Sprache: Wiederholung der Formenlehre, Abschluss der Satzlehre, Interpnnction. Orthographie, Sprach-, Lese- und Schreibübungen. Französische Sprache: Kegeln der Aussprache. Leseübungen. Das wichtigste aus der Formenlehre des Artikels, des Hauptwortes und des Beiwortes. Die drei schwachen Conjugationen. Haus- und Schularbeiten nach Vorschrift. Italienische Sprache: Die Syntax nach Puoti. Lectiire aus den „Letture italiane“, p. III. Monatlich 2 Aufgaben. Geschichte und Geographie: Geschichte des Mittelalters, mit besonderer Hervorhebung der vaterländischen Momente. Specielle Geographie des übrigen Europa, namentlich Deutschlands, mit Ausnahme Oesterreichs. Uebungen im Kartenzeichnern Mathematik: Wiederholende Uebungen im Rechnen mit besonderen Zahlen. Zusammengesetzte Verhältnisse, mit Anwendungen auf verschiedene im praktischen Leben vorkommende Aufgaben. Einübung der 4 Grnndoperationen mit algebraischen Zahlen und Ausdrücken, soweit es für das Quadrieren und Kubieren nöthig ist. Das Quadrieren und Kubieren, die Quadrat-und Kubikwurzel. Physik: Einleitende Uebersicht; allgemeine Eigenschaften der Körper; Wärmelehre, Magnetismus, Elektricität und Akustik, mit besonderer Berücksichtigung dessen, was im Leben die häufigste Anwendung findet. Geometrisches Zeichnen: Erweiterung der Kreislehre, Gleichheit, Verwandlung und Theilung der Figuren; Umfang- und Flächenberechnungen, Aehnlichkeit der Figuren, Construction algebraischer Ausdrücke. Freihandzeichnen: Flachornamente in Contouren und mit Farbengebung. Stereometrische Körper durch Ebenen begrenzt, mit Schattenangabe. IV. Classe. Religionslehre: Geschichte der Offenbarung des neuen Bundes. Deutsche Sprache: Wiederholung des gesammten grammatischen Lehrstoffes. Wortfamilien, Homonyme, Synonyme. Metrik. Brief- und Geschäftsstil. Französische Sprache: Wiederholung des Lehrstoffes der III. CI. — Die von den Conjugations-Paradigmen abweichenden schwachen Verba. — Syntax der Fürwörter Vervollständigung der Formenlehre des Substantivs und des Adjectivs und des Adverbs. — Das Passivum. — Das starke Verb. — Lectüre: Leichte Erzählungen und Beschreibungen nach Fileks Chrestomathie. Haus- und Schularbeiten nach Vorschrift. Italienische Sprache: Fortgesetzte syntaktische Uebungen. Puoti, Sintassi della lingua italiana. Lectiire aus den „Letture italiane“, p. IV. Monatlich 2 Aufgaben. Geschichte und Geographie: Uebersicht der Geschichte der Neuzeit, mit besonderer Hervorhebung der vaterländischen Momente. — Geographie Amerikas und Australiens. Specielle Geographie und Statistik von Oesterreich-Ungarn. — Uebungen im Kartenzeichnen. Mathematik: Wiederholung des arithmetischen Lehrstoffes. Die vier Species mit allgemeinen Zahlen. Mass und Vielfaches. Brüche; Gleichungen des I. Grades mit 1 und 2 Unbekannten. Aufgaben darüber. Physik: Mechanik und Optik, mit besonderer Berücksichtigung dessen, was im Leben die häufigste Anwendung findet. Chemie: Ueber Lösungsmittel der Körper. Chemische Synthese und Analyse. Ueber Atomgewichte, Werthigkeit und chemische Formeln. Chemie der Metalloide und Metalle mit ihren wichtigsten gegenseitigen Verbindungen, sowie die besonders für Handel und Industrie bedeutendste]! organischen Verbindungen. Geometrisches Zeichnen: Stereometrie, Curvenlehre, Elemente der Projectionslehre. Freihandzeichnen: Ornamente nach Gypsmodellen und nach Vorlagen. Schattierte stereometrische Körper, durch krumme Flächen begrenzt. V. C’lilNSC. Deutsche Sprache: Stillehre, Metrik, Formen und Arten der Poesie und Prosa, auf Grundlage der Lectüre von Janker und Noes Lesebuch für die 5. Classe. Recitieriibungen. Erzählende und beschreibende Aufsätze. Französische Sprache: Wiederholung der Formenlehre. Wortbildung. Syntax des Artikels. Gebrauch der Hilfsverba. Casuslehre. Lectüre: Erzählungen und Musterstücke aus der historischen Literatur, im ersten Semester nach Fileks, im zweiten nach Bechtels Chrestomathie. Haus- und Schul-Aufgaben nach Vorschrift. Italienische Sprache: Geschichte der italienischen Literatur Carrara, I. Th. Monatlich 2 Aufgaben. Englische Sprache: Aussprache, Formenlehre, Substantivum, Adjectivum, Comparation, Adverb, regelmässiges Verbum, Hilfsverb», unregelmässige Verba. Nach Sonnenburgs engl. Grammatik, Lection 1—22. Schriftliche Uebungen. Geschichte und Geographie: Geschichte des Alterthums, mit steter Berücksichtigung der hiermit im Zusammenhang stehenden geographischen Daten. Mathematik: Systematischer Lehrgang der allgemeinen Arithmetik, einschliesslich der Potenzen und Wurzeln. Verhältnisse und Proportionen, Zahlensysteme. Bestimmte und unbestimmte Gleichungen des I. Grades. Die Planimetrie im vollen Umfange. Naturgeschichte: Das Wichtigste über den Körperbau des Menschen und die Verrichtungen der Organe desselben. Behandlung der verschiedenen Classen und Ordnungen der Wirbelthiere und wirbellosen in anatomisch-morphologischer und entwicklungsgeschichtlicher Beziehung, mit besonderer Rücksichtnahme auf die Fauna der Adria. Chemie: Einleitung. Chemie der Metalloide und ihrer gegenseitigen Verbindungen, mit besonderer Berücksichtigung und Entwicklung der neueren chemischen Theorien. Von der Chemie der Metalle: die Alkalimetalle, Erdalkalimetalle, die Magnesium-, Aluminium-, Zink- und zum Theil die Eisengruppe. Darstellende Geometrie: Orthogonale Projection des Punetes und der Geraden; Bestimmung und Darstellung der Ebene. Aufgaben über die gegenseitigen Beziehungen dieser Gebilde. Darstellung der ebenen Figuren, Schattcnconstructionen. Darstellung der Prismen und Pyramiden. Freihandzeichnen: Elemente des Kopfzeichnens. Stcreometri-sche Körper. YI. (JlaKHc. Deutsche Sprache: Ilauptperioden der deutschen Literatur. Deutsche Heldensage. Lyrik der ersten und zweiten Bliitheperiode. Minna von Barnhelm. Französische Sprache: Wiederholung des Lehrstoffes der V. Classe. — Vollendung der Casuslehre. Syntax der Pronomina. Gebrauch der Tempora und der persönlichen Modi. Lectüre: Musterstücke historischen Inhaltes, Schilderungen, Abhandlungen. Musterstücke aus der Lyrik. Schriftliche Aufgaben nach Vorschrift. Italienische Sprache: Geschichte der italienischen Literatur nach Carrara, II. und III. Th. Monatlich 2 Aufgaben. Englische Sprache: Wiederholung der Formenlehre; unregel-inässige Verba; Particip und Gerundium; Accus, cum infinitivo; Hilfsverba; Imperf. und Perfectmn. Nach Sonnenburgs Grammatik, Lect. 22—34. Lectüre leichterer Stücke aus Seeliger’s Lesebuch. Geschichte und Geographie: Geschichte des Mittelalters, des Zeitalters der Entdeckungen und der Kirchenreforuiation in Deutschland, mit steter Berücksichtigung der hiermit im Zusammenhänge stehenden geographischen Daten. — Wiederholung der Geographie Mitteleuropas (mit Ausschluss Oesterreichs), Nordwest- und Osteuropas. Mathematik: Kurze Wiederholung des Lehrstoffes der V. Gl. Die arithmetischen und geometrischen Progressionen. Logarithmen. Das Wichtigste über unendliche Reihen. Der binomische Lehrsatz. Die Vieldeutigkeit der Wurzeln und Logarithmen. Gleichungen des II. und höheren Grades, Exponentialgleichungen. Goniometrie, ebene Trigonometrie, Stereometrie. Physik: Allgemeine Eigenschaften der Körper. Mechanik. Wellenlehre, Akustik. Chemie: Chemie der Eisen-, Zinn-, Blei-, Silber- und Goldgruppe. Organische Chemie: Einleitung, Cyanverbindungen, Fettkörper, Verarbeitung der Kette, Kohlenhydrate, Gährung, aromatische Körper, ätherische Oele, Harze, einige Alkaloide, Eiweissstoffe. Naturgeschichte: Botanik, Betrachtung der natürlichen Gruppen des Pflanzenreiches in anatomisch-morphologischer Beziehung, sowie in ihren allgemeinen Lebensverrichtungen; Entwicklung der Charaktere der wichtigsten Familien an lebenden Exemplaren. Darstellende Geometrie: Darstellung der regulären Polyeder, der Pyramiden, Kegel, Prismen, Cylinder und Rotationskörper, ebener Schnitt dieser Körper, Durchdringungen, Berührungsaufgaben, Schlagschattenconstructionen. Freihandzeichnen: Köpfe und Ornamente nach Vorlagen und nach Gypsmodellen. VII. Classe. Deutsche Sprache: Literatur bis zur Mitte dieses Jahrhunderts. Lectüre: Goethes Hermann und Dorothea; Shakespeares Julius Cäsar. Französische Sprache: Wiederholung der schwierigeren Theile des früher durchgenommenen Lehrstoffes. Syntax der Participien und des Infinitivs. Wortfolge. Negation. Uebereinstimmung des Prädicates mit dem Subject. — Lectüre: Voltaires Zaire. Schwierigere prosaische Stücke. Bruchstücke aus der dramatischen Poesie. Haus- und Schularbeiten nach Vorschrift. Italienische Sprache: Geschichte der italienischen Literatur von Carrara, IV. und V. Th. Monatlich 2 Aufgaben. Englische Sprache: Englische Syntax: Artikel, Substantivum, Adiectivum, Pronomina, Präpositionen und Conjunctionen; Tempora und Modi, nach Sonnenburgs Grammatik, Lection 33 — Schluss. Lectüre nach Seeligers Lesebuch, und Ch. Dickens A Christmas carol in prose. Schriftliche und mündliche Uebungen. Geschichte und Geographie: Geschichte der Neuzeit vom Zeitalter der Entdeckungen bis zum Wiener Congress, mit besonderer Berücksichtigung Oesterreichs. Wiederholung der Geographie Amerikas und Australiens mit besonderer Rücksicht auf die physikalischen Verhältnisse. Geographie und Statistik Oesterreich-Ungarns. Mathematik: Sphärische Trigonometrie und deren Anwendung in der Stereometrie, praktischen Geometrie und Astronomie. Analytische Geometrie der Ebene, u. zw analytische Behandlung der Geraden und der Kegelschnittslinien. Wiederholung des gesammten mathematischen Lehrstoffes der oberen Classen Physik: Magnetismus, Elektricität, Optik, Wärme, Grundzüge der Astronomie. Naturgeschichte: I. Semester: Mineralogie. Grundzüge der Krystallographie, Beschreibung der wichtigsten Mineralien nach vorliegenden Exemplaren, mit besonderer Berücksichtigung der physikalischen und chemischen Eigenschaften, sowie ihrer Verwendung. II. Semester: Grundzüge der Geologie. Darstellende Geometrie: Elemente der centralen Projection und Wiederholung des gesammten Lehrstoffes. Freihandzeichnen: Ornamente, Köpfe und menschliche Figuren nach Vorlagen und nach Gypsmodellen. Freigegenstände: Slovenische Sprache: I. Abtheilung: Ueber Buchstaben, Betonung und Rechtschreibung. Die Formenlehre und deren praktische Anwendung bis zu den Präpositionen. II. Abtheilung: Präpositionen, das Reflexivum, der partitive Genitiv, das Supinnm, Conditionalis und Optativ, Classeneintheilnng des Verbums bis zur Classensteigerung. III. Abtheilung: Classensteigerung des Verbums, Acti-vum und Mittelform, Gebrauch des Casus, Wortbildung, Partikeln, syntaktische Eigentümlichkeiten. Stenographie: I. Cur s. Wortbildungs- und Wortkiirzungs-lehre; schriftliche Uebungen. II. Cur s. Satzkürzung, Schreib- und Leseübung. Analytische Chemie: I. Abtheilung. Qualitative Analyse von Verbindungen, die nur aus einer Säure und einer Base bestehen. Löth rohrproben. II. Abthcil u n g. Qualitative Analyse von Salzgemengen und Legierungen. Massanalyse. Turnen: a) Freiübungen: Kopf-, Arm- und Iland- iibungen, Rumpfbewegungen, Bein- und Fussiibungen. Turnerische Stellungen. Freiübung im Gehen, Laufen und Springen. b) Ordnungsübungen: Flanken- und Stirnstellung, Abstandnelnnen, Tactgehen und Tactlaufen, Aus- und Einreihen, Oefinen und Schlicssen der Reihen und Rotten, Gegenzug, Umzug und Durchzug, Schwenkungen, Aufzüge. c) Gerüstübungen: Hoch- und Weitsprung, Schwebeübungen am Schwebebaum, Sprungübungen am Sturmlaufbrett, Kletter-, Steig- und Klimmübungen an der senkrechten Kletterstange, an der schrägen Leiter, an der senkrechten Strickleiter, am Knoten- und Sprossentau. Uebungen an Barren, Reck, Bock und Pferd. d) Hantelübungen. IV. Verzeichnis der gebrauchten Lehrbücher. I. ClilSSC. Fischer, Katholische Religionslehre. — Gurcke Deutsche Grammatik, Ausgabe für Oesterreich. — Gurcke, Uebungsbuch zur deutschen Grammatik, Ausgabe für Oesterreich. Neumann Franz. Deutsches Lesebuch. I. Theil, geb. — Puoti, Regole elementari della lingua italiana, Parte I. — Letture ita-liane. Parte I. — Seydlitz, Grundzüge der Geographie, Ausg. für Oesterreich. — Kozenn, Geographischer Schul-Atlas in 59 Karten. — Knirr, Lehrbuch der Arithmetik für die zwei ersten Classen der Realschule. — Stre iss ler, Geometrische Formenlehre. I. Abth. — Pokorn y, Illustrirte Naturgeschichte des Thierreiches. II. Classe. Fischer, Lehrbuch der katholischen Liturgik. — Gurcke, Deutsche Grammatik, Ausgabe für Oesterreich.— Gurcke, Uebungsbuch zur deutschen Grammatik, Ausgabe für Oesterreich. — Neu mann Franz, Deutsches Lesebuch. II. Theil. — Puoti, Regole elementari della lingua italiana, Parte II. Letture italiane. Parte II. — Sn pan, Lehrbuch der Geographie. — Kozenn, Geographischer Schul-Atlas in 59 Karten. — Gindely, Lehrbuch der Geschichte für die unteren Classen. 1. Band. — Knirr, Lehrbuch der Arithmetik für die zwei ersten Classen der Realschule. — Menger, Gmndlehren de r Geometrie. — Pokorny, Illustrirte Naturgeschichte des Pflanzenreiches. — Pokorny, Illustrirte Naturgeschichte des Mineralreiches. III. ('lasse. Fischer, Geschichte der Offenbarung des alten Bundes. — Korioth, Geographie von Palästina. — Gurcke, Deutsche Grammatik, Ausg. für Oesterr. — Neumann Franz, Deutsches Lesebuch für die III. Classe. — Puoti, Regole elementari della lingua italiana. Parte II. — Letture italiane. Parte III. — Bechtel, tranzösische Grammatik. I. Theil. — Krist, Anfangsgründe der Naturlehre, Ausgabe für Realschulen. — Supan, * Lehrbuch der Geographie. — Kozenn, Geographischer Schul-Atlas in 59 Karten. — G i n d e 1 y, Lehrbuch der Geschichte für die unteren Classen. 2. Band. — Kn irr, Elemente der Arithmetik für die 3. und 4. Glasse. — Menger, Grundlehren der Geometrie. IV. Ciasse. Fischer, Geschichte der Offenbarung des neuen Bundes. — Fischer, Lehrbuch der Kirchengeschichte. — Gurcke, Deutsche Grammatik, Ausgabe für Oesterreich.— Neumann Franz, Deutsches Lesebuch für die IV. Ciasse. P11 o t i, Regole' elementari della lingua italiana. Parte II. — Letture italiane. Parte IV. — Bechtel, Französische Grammatik. I. Theil. — Bechtel, Französische Grammatik. II. Theil. — Bechtel, Uebungsbuch zur französischen Grammatik, Mittelstufe. — Fil ek, Französische Chrestomathie, — Supan, Lehrbuch der Geographie. —Hannak, Oesterreich. Vaterlandskunde (Unterstufe). — Kozenn, Geographischer Schul-Atlas in 59 Karten. — Gindcly, Lehrbuch der Geschichte für die unteren Classen. 3. Band. — Knirr, Elemente der Arithmetik für die 3. und 4. Ciasse. — Menger, Grundlehren der Geometrie. — Pick, Vorschule der Physik. — Kauer, Elemente der Chemie. V. Ciasse. J a u k e r & N 0 e, Deutsches Lesebuch für die oberen Classen der Realschulen. I. Theil. — Bechtel, Französische Grammatik. II. Theil. — Bechtel, Uebungsbuch, Mittelstufe. — Filek, Französische Chrestomathie, — Bechtel, Französische Chrestomathie. — Sonnenburg, Grammatik der englischen Sprache. — Supan, Lehrbuch der Geographie. — Gindely, Lehrbuch der Geschichte für die oberen Classen der Realschulen. 1. Bd. — Močnik, Lehrbnch der Arithmetik und Algebra — Močnik, Lehrbuch der Geometrie. — Kreussel, Lehrbuch der darstellenden Geometrie. I. lieft. — Woldrich, Leitfaden der Zoologie. — Mitteregger, Lehrbuch der Chemie. I. Theil. VI. Ciasse. Jauker & N o e, Deutsches Lesebuch für die oberen Classen der Realschulen, II. Theil. — Bechtel, Französische Grammatik. II. Theil. — Bechtel, Uebungsbuch, Oberstufe. — Bechtel, Französische Chrestomathie. — Sonnenburg, Grammatik der englischen Sprache. — Seeliger, Englisches Lesebuch. — Supan, Lehrbuch der Geographie. — Gindely, Lehrbuch der Geschichte für die oberen Classen der Mittelschulen. 2. Band. — Gindely, Lehrbuch der Geschichte für die oberen Classen der Mittelschulen. 3. Band. — Ilaberl, Lehrbuch der Arithmetik und Algebra. — Wittstein, Trigonometrie. — Wittstein, Stereometrie. — Kreussel, Lehrbuch der darstellenden Geometrie. II. Heft. — Burgerstein. Leitfaden der Botanik. — Wal lent in, Lehrbuch der Physik, Ausgabe für Realschulen. — Mitteregger, Lehrbuch der Chemie. I. Theil. — Mitteregger, Lehrbuch der Chemie. II. Theil. VII. Classe. Janker & Noe, Deutsches Lesebuch. II. Theil. — Carrara, Antologia italiana. Vol. III. — B echte], Französische Grammatik. II. Theil. — Beeilte], Uebungsbuch, Oberstufe. — Beeilte], Französische Chrestomathie. — Sonnenburg, Grammatik der englischen Sprache. — Seel iger, Englisches Lesebuch. — Supan, Lehrbuch der Geographie. — Hannak, Oesterreich. Vaterlandskunde (Unterstufe). — Kozenn, Geographischer Schul-Atlas in 59 Karten. — Gindely, Lehrbuch der Geschichte. 3. Band. — Haber], Lehrbuch der Arithmetik und Algebra. — Krens sei, Lehrbuch der darstellenden Geometrie. II. Heft. — Hochs tetter & B i s c h i n g, Leitfaden der Mineralogie. — Wallentin, Lehrbuch der Physik, Ausgabe für Realschulen. Cursus für die slovenisclic Sprache. Sk et, Slovenisches Sprach- und Uebungsbuch. V. Schriftliche Aufgaben aus dem Deutschen (Unterrichtssprache). V. Classe. Die Ferien. (II.) — Cyrns und Crösus. (Sch.) — Die Tantaliden. (Sch.) — a) Der Fischmarkt von Triest, b) Beschreibung einer Feuersbrunst (II.) nach freier Wahl. — Epaminondas. (Sch.) — Ein Spaziergang nach St. Andrea. (H.) — Reinekes Ansprache (nach (ioethes „Reineke Fuchs“ Sch.). — Alexanders Feldzug nach Indien. (Sch.) — Ost- und Westküste der Adria. (H.) — Welche Gründe sprechen für, und welche gegen die Flucht des Sokrates (nach Platons „Kriton“ H.). — Begrift der Fabel; Erzählung einer Fabel. (Sch.) — Der Dom von St. Just. (II.) — Ankunft eines Localdampfers. (Sch.) VI. C’lasse. Warum ist es gut, dass wir unsere Zukunft nicht kennen? — Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen. — Die Geschichte ist die Lehrmeisterin des Lebens. — Die Studien nähren die Jugend, ergötzen das Alter. — Kenntnisse schmücken die Glücksumstände, gewähren im Unglück Zuflucht und Trost. — Das Leben eine Seefahrt. — Wohlthätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht. — Sieh das Gute liegt so nah. — Miissiggang ist aller Laster Anfang. — Alles lässt sicli noch ertragen; nur nicht eine Reihe von schönen Tagen. VII. €lasse. Euch ihr Götter gehört der Kaufmann. Güter zu suchen, geht er, doch an sein Schift' knüpfet das Gute sich an. (II.) — Wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt, ist ein Barbar, er sei auch wer er sei. (Sch.) — Ein Sänger und Held. (Sch.) — Neugierde und Wissbegierde. (H.) — Wie hat Goethe in „Hermann und Dorothea“ den überlieferten Stoff behandelt? (Sch.) — Charakterschilderungen aus „Hermann und Dorothea“ von Goethe (nach freier Wahl. H.). — Ursachen der französischen Revolution. (Sch.) — Der Baum der Wissenschaften hat bittere Wurzeln, aber süsse Früchte. (II.) - Eines Eroberers Glück und Ende. (Sch.) — Charakterschilderungen aus dem Drama Shakespeares „Julius Cäsar“ (nach freier Wahl H.). — Einfluss der Eisenbahnen auf die Umgestaltung der menschlichen Lebensverhältnisse (Maturitäts-Prüfungsaufgabe). Aufgaben für die Redeübimgen. (VII. Classe.) a) gegebene: Die Folgen des 30jährigen Krieges. — Entwicklungsgang der deutschen Literatur. — Der Fortschritt der Kultur führt zur Theilung der Arbeit. — Die Meeresströmungen. — Kampfspiele der Griechen und Turniere im Mittelalter. — Zweite Türkenbelagerung Wiens. — Moderne Verkehrsmittel. — Reformen Josefs II. — Ueber Wirbelwinde. — Das Barometer. — Georg Washington. — Die Blüte. b) selbstgewählte: Entwicklung der Seefahrt. — Untergang der Hohenstaufen. Kulturgeschichtliche Streifzüge. — Der Kohlenstoff. — Unsere Zeit. — Solon. — Der Tabak. — Einiges über die Farben. — Schiller als Dramatiker, — Die Photographie. — Entwicklungsgeschichte der ältesten Waffen. — Alexander der Grosse. VI. Die Lehrmittel. 1. Lehrer-Bibliothek and histor.-geogr. Sammlung. Custos: Professor Peter Widmann. A. Lelirerbibliothek. 1. Zuwachs durch Ankauf; Schubert, Naturgeschichte des Pflanzenreiches. — Newton, Matheinat. Principien der Naturlehre. — Leunis, Synopsis der Botanik. — Kunz, Vorschläge zur Reform unseres Schulwesens. — Morandi, Antologia della nostra letteratura moderna. — Leist, Urkundenlehre. — Poncelet, Traite des proprictes projcctives des figures. — Glaser de Cew, Die magnetischen und dynamoelektrischen Maschinen. — Schwartze, Das Telephon. — Racine, Moliöre, Boileau, Montesquieu, Oeuvres completes. — Corneille, Theätre. — Funcke, Die analyt. und projective Geometrie der Ebene. — Martus, Mathematische Aufgaben und Ergebnisse. — Tyndall, Das Licht. — Iieis, Lehrbuch der Physik. — Krebs, Leitfaden der Physik. — Weyr, Elemente der projectiven Geometrie. — Barthelemy, Voyage du jeune Anacharsis. — Stanco-vich, Biogratia degli nomini distinti deli’ Istria. Fortsetzungen wu rden bezogen zu : Fehling, Handwörterbuch der Chemie. — Bronn, Classen und Ordnungen des Thierreiches. — Bücher, Geschichte der technischen Künste. — Fresenius, Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse. — Ranke, Sämintliche Werke. — Chavanne, Physikalisch-statistischer Handatlas. — Bartoli, Storia della let-teratura italiana. Zeitschriften: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik. — Mittheilungen der k. k. geograph. Gesellschaft in Wien. — Hirsch, Mittheilungen aus der historischen Literatur. — Ilofmann, Zeitschrift für mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht. — Herrig, Archiv für das Studium der neueren Sprachen. — Revue über die Fortschritte in den Naturwissenschaften. — Mittheilungen des k. k. österr. Museums. — Kolbe, Zeitschrift für das Realschulwesen. '2. Geschenke: Vom k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht: Sitzungsberichte der kais. Akademie der Wissenschaften. — Na-vigazione austro-ungarica all’estero nel 1885. — Statistica della navigazione e del commercio marittimo nei porti austriaci per 1’anno 1885. — Commercio e navigazione di Trieste nel 1886. — Bericht der nieder-österreichischen Handelskammer 1886. — Vaniček, Specialgeschichte der Militärgrenze. Von der k. k. geologischen Reichsanstalt: Verhandlungen. Von der k. k. Statthalterei in Triest: Botanische Zeitschrift. Vom Municipium der Stadt Triest: Verbali del Con-siglio. — Bollettino statistico. Von der Handelskammer in Triest: Berichte über die Tauernbahn. Von der k. k. Handels- und nautischen Akademie: Bollettino meteorologico. Von Herrn Contreadmiral Baron Wiplinger: Dabovich, Nautisch-technisches Wörterbuch. Von Herrn Heinrich Müller: Ritter, Lehrbuch der analytischen Mechanik. Von Herrn Dr. Tomasi n: Excerptum ex actis Sanctorum, Von Herrn Prof. II. Hub er: Kurze Anleitung zur chemischen Analyse. Von Herrn Prof. P. Widmann: Progetto di riordinamento delle scuolc popolari di Trieste. — Holzinger, Zur Reform des österreichischen Gymnasialwesens. — Pola in seiner Gegenwart und Zukunft. lt. Geographisch? Lehrmittel. Neu angekauf't: Beer, Eisenbahnkalte der österr.-ungar. Monarchie. ti. Schüler-Bibliothek und Münzensammlung. Custos: Professor Dr. Franz Swida. ^4) Deutsche Abtheilung: Zahl der Bücher bei Beginn des Schuljahres . . . 693 Bde. Zuwachs im Schuljahre 1887-88 ........... 51 „ Hievon entfielen auf die : Sprachlich-historische Gruppe:.........................34 Bde. Naturwissenschaftliche Gruppe......................... 17 „ Als abgenützt wurden 1887-88 ansgeschieden ... 22 „ Gegenwärtiger Stand...................................722 * B) Italienisch-französische Abtheilung 90 Bde. Gesammtstand . . . 812 Bde. Die Schülerbibliothek wurde im abgelaufenen Schuljahre von 170 Schülern benützt (Ia 28, I b 29, II a 22, II b 16, III 35, IV 13, V 19, VI 2, VII 6). C) Münzensammlung: Dieselbe wurde durch Spenden im abgelaufenen Schuljahre um 75 Stück Münzen und 2 Papiernoten vermehrt. — Spender : Bertoli Albert, Brugn aller Adolf, Goritschnigg Aurel und Ragg Manfred (V. Classe). •V. Cabinet für Physik. Custos: Professor Anton Brumatti. Durch Ankauf: Demonstrationsthermometer (70 cm hoch). — Blechmodell der Taucherglocke. — Holzscheibe mit 3 Bohrungen für die Gleichgewichtslagen. — Einfaches Modell der Pendeluhr. — Centrifugalbahn mit Wagen. — Glasmodell der Bramah’schen Presse. — Seitendruckapparat von Blech. — Modell der Nivellir-wage. — Papins Dampfkolber mit Halter. —• Apparat für die geradlinige Fortpflanzung des Lichtes. — Dynamometer. — Mayers Apparat für Elnstici täte versuche — Lnfttliermometer nach Drebbel. — Galileis Fallmaschine mit 4 Glocken. — Pa-pins Digestor mit Thermometer und Manometer. — Petfinas Drahtspirale. — Amperemeter nach Kohlrausch. — Chemikalien. — Glaswaaren. — 4 Kilog. Quecksilber. — 3 Bohrer und 3 Schraubenzieher. Geschenke: Herr Marinitsch : 1 Resonanz-Mikrophon. Schüler der V. Classe, Bruggnaller: 1 Gewichts-Aräometer. Herr G. M. Cosciancich : Kabelabschnitte von unterseeischer und unterirdischer Leitung. Löbl. Direction der k. k. Akademie für Handel und Nautik : Die von ihr herausgegebenen täglichen meteorologischen Berichte. 4. Cabinet für Chemie, Custos : Professor Johann Schüler. Durch Ankauf: Zeitschrift für analytische Chemie, Jahrgang XXVII. Es wurden chemische Präparate und Geräthe theils neu angeschafl't, theils auch Verbrauchtes oder unbrauchbar Gewordenes ersetzt. G eschen ke: Von der k. k. Bergdirection in Pribram: 5 St. Bleiglanz, 3 St. Siderit, 5 St. Zinkblende, 2 St. Fahlerz, 3 St. Antimonit, 2 St. Baryt, 1 St. Braunspath, 1 St. Calcit. Von der k. k. Bergverwaltung in Klausen (Tirol) : Handstücke von Grünstein, Glimmerschiefer, Pyrit, Kupferkies, Bleiglanz, Glimmerschiefer mit Granaten, Quarzitschiefer mit Biotit und Granaten, Amphibol, Bergholz, Quarz mit Granaten, Calcit, Marmor, Zinkblende, Smithsonit, Hornblendeschiefer. Vom Schüler A. Bruggnaller der V. Classe: Handstücke von Stahlerz und Kalkstein mit gediegen Quecksilber. Von Prof. J. Schüler: 1 St. Apophyllit und 2 Bergkrystalle. ü. Cabinet für Naturgeschichte. Custos: Professor Hans Huber. Durch Ankauf: Iltis, Hase, Turteltaube, Nachtigall, Sperling, Singdrossel, Haubenmeise. -- Skelett vom Maulwurf und Grünspecht. — Re-peraturen und Verbrauchsartikel. Geschenke: Vom Herrn k. k. Schulrath und Realschuldirector L. Pei-ker : 1 Sperber. Vom Herrn k. k. Polizeieommissär i. P. Josef Pasquali : 1 Weihe. Vom Herrn Maschinen-Inspector des Lloyd Anton Brugg-naller: 1 Taucher. Von Herrn Alfons Faber, Kaufmann, 10 Modelle von Goldklumpen und mehrere Mineralien aus Australien. Von Herrn John Pollak, Kaufmann, 4 Mineralien. Vom Schüler Smoquina aus Ha: 1 Mohrenkrone. „ „ Rauscher Albin aus 1 a: 1 junges Krokodil und 1 Orgelkoralle. 0. Cabinet für Geometrie. Custos : der wirkliche Lehrer Carl Schober. Durch Ankauf: Ein Doppelkegel aus Glas zur Demonstration der Entstehung der Kegelschnitte. — Ein Goniometer. — 7 Holzmodelle einfacher Gewölbeformen. — 4 regelmässige Körper. — Wiener, Darstellende Geometrie, 2 Bde. — Steiner, Sammlung von Maturitätsfragen aus der darstellenden Geometrie. 7. Lehrmittelsammlung für das Freihandzeichnen. Custos : Professor Eduard Ritter v. Wolff. Durch Ankauf: 18 Stück ornamentale Gypsmodellc. — 4 Stück Gypsmodelle für das Kopfzeichnen. — 6 Vorlagen für das Kopfzeichnen. Aufwand für die Lehrmittel. Für das Solarjahr 1888 stehen der Anstalt zur Ergänzung der Lehrmittel folgende Geldbeträge zur Verfügung: a) die im Schuljahre 1887-88 eingenommenen Aufnahmstaxen ä fl. 210................................fl. 193.20 b) die Lehrmittelbeiträge ä 50 kr...................... 145.— c) Zuschuss vom Staate................................ 281.80 Zusammen ... fl. 620.— Die Direction spricht an dieser Stelle allen denen, welche die Lehrmittelsammlungen durch Geschenke vermehrt haben, den gebührenden Dank aus. VII. Statistische Notizen. a) Aus dem Schul jahre 1887-88. Bei Beginn des Schuljahres öffent liehe Schüler.................... Schülerzahl am I öffentliche Schlüsse des Privntisten II. Semesters I im Ganzen . . Deutsch Italienisch Romanisch Serbisch n. Croat Slovenisch Griechisch Ungarisch . . Muttersprache Religions-Be- kenntnis Einheimische katholisch des lutein. liitus griecliisch-orient. evang. Augsb. Conf evang. Helvet. Conl Anglikaner . Israeliten . . Aus den Provinzen der westlichen Reichshälfte......................... Ausländer Fortgang Vorz11g4elas.sc . , 1. Fortgangsclasse 9 "* n 3. „ 2 ungeprüft . . . . Vorzugsclasse . . 1. Fortgangsclasse o n 3- ungeprüft . . . . zur Wiederholungsprüfung . . . (Masse la I b lllaill bl III IV I V VI IVIl 20 ii 4 13 — 1 ‘284 252 1 263 8!) 132 4 3 13 9 3 190 13 19 14 2 15 144 57 52 3 152 94 27 2 4 138 42 21 2 4G I. Classe. Mit 11 Jahren . . . 21 . 12 » • • . 24 » 13 . 18 » 14 Y) • • . 7 , 15 » • • 1 VII. Classe. Mit 17 Jahren . . 2 „ 18 , . 3 y> 19 , . . 3 n 20 , 2 Lebensalter der Schüler am Ende des II. Semesters Von der gesummten Schülerzahl am Ende des II. Semesters waren: Zur Schulgeldzahlung Verpflichtete....................................... 177 Von der Schulgeldzahlung Befreite ■ ™ Brutto-Betrag des eingehobenen Schulgeldes 4160 + 3710. . 11.7870.— Gesammtbetrag der Aufnahmstaxen...................................... 193.20 Beiträge der Schüler für die Lehrmittel . . „ 145.— Aufwand für die Lehrmittel..........................................„ 620,— Zahl der Stipendisten.................................................... — Allgemeiner Unterstützungsfond Kest aus dem Vorjahre Einnahmen .... Summe Ausgaben : Unterstützung Schüler . . mittelloser Rest fl. 177.69 „ 94.80 fl. 272.49 . 45.- fl. 227.49 Georgsstiftung Rest aus dem Vorjahre . Einnahmen: Ersatz von 1 ehemaligen Schüler................... Zinsen am 1. Nov. 1887. „ „1. Mai 1888 . Summe Ausgaben: Für Büchereinbände . . Schulbücher Summe -.18 2.— 10.5.— 105,— 212.18 11. 9.24 „ 202.94 fl. 212.18 Freie Lehrgegenstände. Schülerzahl am Ende des II. Sem. Halbjähriges Honorar für 1 Schüler Italienische Sprache (relativ obligat) .... 140 Slovenische Sprache (relativ obligat) .... 15 — Stenographie 24 — Analytische Chemie 7 — Turnen 100 — b) Richtigstellung der Tabellen des vorangegangenen Schuljahres nach dem Ergebnisse der Wiederholungsprüfungen. D 1 a s S B ® a a Ia Ib II a II b III IV V VI VII a CO Vorzugsclasse . . — 2 2 4 feO fl 1. Fortgangsclasse. 2(5 33 26 22 24 30 7 12 6 186 1? o Ph » 4 5 6 6 8 3 1 1 — 34 3, ungeprüft blieben . 6 4 2 1 1 6 18 2 Scliiilerzahl 36 46 33 29 38 33 8 13 8 244 VIII. Maturitätsprüfung. a) Schriftliche Aufgaben für die Abiturienten. Deutsche Sprache: Einfluss der Eisenbahnen auf die Umgestaltung der menschlichen Lebensverhältnisse. Französische Sprache: Uebersetzung aus dem Französischen ins Deutsche: Aus der „Corinne“ der M.me de Stael von „Oswald et Corinne s’ arretörent au pied de 1’escalier du Capitole. . .“ bis „...saint Pierre et saint Paul y ont ete renfermes “. Uebersetzung aus dem Deutschen ins Französische: Peter der Grosse und die Gesandten. (Gekürzt aus Beneckes Französischen Exercitien, S. 118 f.) Italienische Sprache: Di quanto inoremento riuscl al sapere l’invenzione della stampa. Englische Sprache: Aus W. Prcscolts: The Conquest of Mexico; Abschnitt: Seizure of Montezuma, bis inclinations. Mathematik: 1. Jemand zahlt einer Kentenbank 10 Jahre hindurch zu Anfang des Jahres eine bestimmte Summe, lässt in den folgenden 4 Jahren das Geld dort frei stehen, und erhält alsdann in den folgenden 20 Jahren am Ende eines jeden Jahres eine Rente von 3000 fl. Wie gross sind die ersten Einzahlungen bei 472% Zinseszinsen? 2. In einem schiefwinkligen Dreiecke sind zwei Seiten a — 113'", b = 17'" und die Differenz der gegenüberliegenden Winkel (A — B) ~ 54° 17' 56" gegeben. Man berechne den Flächeninhalt des Dreieckes. 3. In einem rechtwinkligen sphärischen Dreiecke beträgt die Hypothenuse a — 77° 30' 7 4", ein schiefer Winkel 58" 20'. Wie gross ist die Fläche des Dreieckes, wenn der Halbmesser der Kugel 10 Meter lang ist. Darstellende Geometrie: 1. Eine fünfseitige gerade Pyramide, deren jede Basiskante die Hälfte einer Seitenkante misst, soll so dargestellt werden, dass sie mit einer Seitenfläche auf der 1. Bildebene liegt. Man gebe den Schlagschatten auf den beiden Bildebenen an. 2. Die an einem Eck eines Paralldepipedes zusammenstossen-den Kanten schliessen mit einander gleiche Winkel von 60° ein, und haben die Längen von 4cm, 56/p. 3. Vom Schuljahre 1887-88 angefangen, beträgt das Schulgeld an der Staats-Oberrealschule in Triest 40 fl jährlich. Minist.-Erl. von 12. Juni 1886, Z. 9681. 4. Der Minist.-Erl. vom 4. November 1878, Z. 17722, bestimmt, dass alle Schulgeldbefreiungen nur so lange aufrecht zu erhalten sind, als die Bedingungen f'ortdauern, unter welchen sie ordnungsmässig erlangt werden konnten. Diese Bedingungen sind: Sittliches Betragen lobenswert oder befriedigend, Fleiss ausdauernd oder befriedigend, und in den einzelnen Unterrichtsgegenständen mindestens die Note „genügend“. Schüler, welche in die I. CI. aufgenommen worden sind, können erst nach Schluss des ersten Semesters von der Zahlung des Schulgeldes befreit werden, wenn ihr Semestralzeugnis den oben angegebenen Bedingungen entspricht. 5. Für diejenigen Schüler, wclche auf Grund der von ihren Eltern oder Vormündern abgegebenen Erklärung zur Theilnahme am Unterrichte in der italienischen oder slovenischen Sprache verpflichtet sind, treten diese Lehrgegenstände nach den Bestimmungen des Organisationsentwurfes § 20, 2, in jeder Beziehung in den Kreis der obligaten Fächer. Minist.-Eri. vom 14 Februar 1879, Z. 1666. 6. Nach den Bestimmungen des Herrn Ministers für (Jultus und Unterricht vom 4. Mai 1880, Z. 813, hat der französische Sprachunterricht an der deutschen Staats-Oberrealschule in Triest in der III. Classe zu beginnen. Das Englische gilt in den drei oberen Classen als obligater Gegenstand nur für jene Schüler, welche das Italienische in der Unterrealschule entweder nicht besucht, oder aber das daselbst begonnene Studium der italienischen Sprache in den Oberclassen nicht fortsetzen. Setzt ein Schüler auch in den Oberclassen das Studium des Italienischen fort, so ist er vom Besuche des Englischen dispensiert und die italienische Sprache ist für ihn obligater Gegenstand. Statth.-Erl. 6462/11 dd. 18. Mai 1880. X. Unterstützungsfond. 1. Allgemeiner Fond. Einnahmen: Rest vom Vorjahre............................fl. 177.69 Vom Lehrkörper.................................. 12.— Von den Schülern der Anstalt *)...........„ 67.80 Von Herrn Dorta durch Herrn Professor Urbas „ 15 — Zusammen . . fl. 272.49 Ausgaben: Unterstützungen an mittellose Schüler .... fl. 45.— Rest . . fl. 227.49 2. Georgsstiftung. Ei nnahmen: Rest vom Vorjahre.........................fl. —.18 Rückzahlung von einem ehemaligen Schüler . . „ 2.— Zinsen am 1. November 1887 ...........„105 — „ 1. Mai 1888 ..............„ 105.— Zusammen . . fl. 212.18 Ausgaben: für Büchereinbände........................fl. 9.24 „ Schulbücher................................... 202.94 Zusammen . . fl. 212.18 *) Von den Schülern der CI. Ia: Ferrari 50 kr., Hermann 1 fl., Lumbelli 1 H., Stanta 40 kr., Weissmann 2 fl. — CI. Ib: Oblatli 2 fl. — CI. Ila: Albrecht 1 <1., Eulambio 10 fl., Kummer 50 kr., Müller 2 fl., Partenyi 1 fl., Smoquina 1 fl. CI. II b: Bednarz 1 fl., Bontempo 50 kr., Berta 1 fl., Bradamante 1 fl, 50 kr., Crevatin 1 fl., Faber 1 fl., Honsell 2 fl., Kla9ing 5 fl., Karis 50 kr., v. L*“is 20 kr., Levi 20 kr., Napp 2 11., Panfilli 1 fl., PaleoIoRO 1 fl., Sivitz 50 kr., Zekoll 5 II. — CI. III: Benque 1 II., Berta 2 fl., Pulitzer 2 fl., Stecher Fr. 1 fl., Stecher It. 1 fl., Weiss 1 fl., Reiss 1 fl. _ CI. IV.: Ultscher I fl., — CI. V.: 0. — CI. VI : Rulli 2 fl. — CI. VII.: Parisi 5 fl. — CI. Ib: Pollack 5 fl. XI. Kundmachung bezüglich des nächsten Schuljahres. Die neu eintretenden Schäler müssen in Begleitung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter erscheinen, und bei der Aufnahme vorlegen : a) das Impfungszeugnis, b) die schriftliche Erklärung eines Augenarztes, dass sie mit der granulösen Augenkrankheit nicht behaftet sind. c) den Tanf- resp. Geburtsschein, cT) das letzte Schulzeugnis. Die Aufnahme wird am 14. und 15. September von 9-1 Uhr vorgenommen. Aufnahmsprüfungen finden statt: a) am 17. September, 8 Uhr, für die Schüler, welche in die erste Classe aufgenommen werden wollen. b) am 16. und 17. September, jedesmal um 8 Uhr, für solche, welche ihre Reife für eine höhere Classe durch eine Prüfung nachweisen müssen. Jene Schüler, welche der Anstalt im abgelaufenen Schuljahre bereits angehörten, haben sich, wenn sie ihre Studien hier fortsetzen wollen, am 14. September zwischen 9—12 Uhr im Conferenzzimmer zu melden. Jeder Schüler, welcher in die I. Classe eintreten will, muss: 1. das 10. Lebensjahr zurückgelegt haben; 2. bei der Aufnahmsprüfung aus der deutschen Sprache, dem Rechnen und der Religionslehre genügende Kenntnisse an den Tag legen Gefordert wird : In der Religion jenes Mass von Wissen, welches in den ersten vier Jahrescursen der Volksschule erworben werden kann. In der deutschen Sprache Fertigkeit im Lesen und Schreiben, Kenntnis der Elemente aus der Formenlehre und einige Uebung im Dictandoschreiben. Im Rechnen entsprechende Uebung und Gewandtheit in den vier Grundoperationen mit ganzen Zahlen. Für die Aufnahme in eine höhere Classe wird gefordert: 1. das entsprechende Lebensalter; 2. der Nachweis der nothwendigen Kenntnisse durch ein legales Zeugnis über das letzte Semester, eventuell durch eine Aufnahmsprüfling. Für eine solche Prüfung ist die gesetzlich bestimmte Taxe von 12 fl. zu erlegen. Alle Schüler, welche in die V. Classe aufgenommen werden wollen, haben eine schriftliche Erklärung ihrer Eltern oder deren Stellvertreter vorzulegen, in welcher ausdrücklich enthalten ist, ob der Schüler den Unterricht in der englischen oder italienischen Sprache in den Oberclassen besuchen soll. Jeder iieu aufzunehmende Schüler hat bei der Aufnahme eine Taxe von 2 fl. 10 kr. und einen Lehrmittelbeitrag von 50 kr. zu entrichten. Diese Taxe kann nur bei einer nothwendig gewesenen Uebersiedlung armer Eltern nachgesehen werden. Das Sehulgeld beträgt 40 fl. jährlich und muss im Betrage von 20 fl. im ersten Monate eines jeden Semesters erlegt werden. Arme Schüler, welche einen guten Fortgang, sowie ein lobenswert sittliches Betragen an den Tag legen, können von der Zahlung des Schulgeldes befreit werden. Alle Schüler der ersten Classe müssen für das erste Semester das Schulgeld im Betrage vom 20 fl. erlegen. Eine Befreiung kann erst nach Schluss des Semesters für diejenigen erfolgen, welche sich ein Zeugnis mit mindestens erster Fortgangsc.lasse erworben haben und im sittlichen Betragen wie auch im Fleisse mit dem 1. oder 2. Grade classificiert erscheinen. Triest, am 7. Juli 1888. Libor Peiker, k. k. Diroctor uiul Schulratli. Rnchdrnokorei des f>st,.-nng. Lloyrl. Trioflt. Bnchdrnckerei dos ftst.-ung. Lloyd, Trioafc.