DAS SUDSTEIRISCHE GRENZLAND AUS REGIONALER UND KOMMUNALPOLITISCHER SICHT Walter Zsilincsar* Izvleèek UDK 9J1.3(497.12-18-04:436) REGIONALNE IN RAZVOJNE ZNAÈILNOSTI OBMEJNEGA OBMOÈJA A VSTRIJSKE ŠTAJERSKE Obravnavano obmoèje je zaradi obmejnega položaja eno najmanj razvitih v Avstriji, kar prikazuje analiza demografskega razvoja in podrobnega vprašalnika o gospodarskih in drugih pogojih življenja v tem prostoru. Kljuène besede: obmejno obmoèje, meja, regionalni razvoj. Štajerska Abstract UDC 911.3(497.12-18-04:436) REGIONAL AND DEVELOPMENT CHARACTERISTICS OF THE BORDER REGION OF AUSTRIA STYRIA The discussed border region is, because of its location, among less developed regions in Austria. The paper analyses the demographic situation and presents the outcome of a questionnaire which intention it was, to find out about the economic characteristics of the region, particularly in regard to the newly established state of Slovenia. Key words: Border Region. Border Regional Development, Styria Die westlichen Anrainerstaaten des ehemaligen "Ostblock", so auch Österreich, mußten sich weitgehend unvorbereitet auf die neue geo-politische Situation nach dem Zerfall des sozialisti sehen Lagers einstellen. Die postkommunistischen Nachfolgestaaten beeilten sich, darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich von der politischen Nachkriegsteilung Europas in ein kapi-taiistisches West- und ein sozialistisches Ost-Europa verabschieden und zur geographischen Differenzierung in ein West-Mittel- und Osteuropa zurückkehren wollten. Im folgenden soll hinterfragt werden, wie diese neue Entwicklung auf kommunaler Ebene gesehen und beurteilt wird. Das südsteirische Grenzland eignet sich für diese Fragestellung in besonderer Weise. Über Jahrhunderte bildete das Land zu beiden Seiten der heutigen Staatsgrenze eine territoriale Einheit. Bereits 1147, also noch vor der Erhebung der Steiermark zum Herzogtum im Jahre 1180, waren mit der Karantaner Mark weite Teile der ehemaligen Untersteiermark im heutigen Slowenien an das steirische Markgrafengeschlecht der Traungauer gefallen. Bis ' Dr., Prof., Institut für Geographie, Karl Franzens Universität Graz, Heinrichstrasse 36, A-8010 Graz, A Walter Zsilincsar_\12_Das südsteirische Grenzland aus ... 1918, dem Zerfall der Donaumonarchie, blieb das Land ungeteilt. Die neue Staatsgrenze machte, mit einer kurzen Unterbrechung während der nationalsozialistischen Ära, aus binnenländischen Grenzgemeinden (Vgl. O. PICKL, Hsg., 1992). Erst am 19.8.1952 fanden in Bad Gleichenberg Verhandlungen über einen geregelten Grenzverkehr statt. Im selben Jahr wurde in Bad Radkersburg eine Murbrücke und neue Grenzübertrittsstelle errichtet. Im Jahre 1958 beschloß das Land Steiermark eine gezielte Grenzlandforderung und 1960 konnte mit Jugoslawien ein Abkommen über den "kleinen Grenzverkehr" beschlossen werden (W.ZITZENB ACHER, Hsg., 1988). Die folgenden Jahre brachten eine Konsolidierung der politischen Beziehungen zwischen Österreich und Jugoslawien, welche zu einem regen beidseitigen grenzüberschreitenden Einkaufs- und Besuchstourismus führte. Auf steirischer Seite profitierten hievon in erster Linie die Städte Leibnitz und Bad Radkersburg als Bezirkshauptorte sowie Mureck. Im Jahre 1988 konnte schließlich die Pyhrnautobahn bis zur Staatsgrenze fertiggestellt und ein neuer Autobahngrenzübergang eröffnet werden. Heute bestehen zwischen der Steiermark und Slowenien insgesamt 6 internationale (Radiberg, Langegg, Spielfeld, Mureck, Bad Radkersburg, Sicheldorf) sowie 16 Grenzübertrittsstellen im kleinen Grenzverkehr (ÖROK, 1975, S. 49). Die Ereignisse des Jahres 1991, die zum Zerfall Jugoslawiens und zur staatlichen Souverenität Sloweniens führten, wurden im steirischen Grenzland mit besonderer Aufinerksamkeit verfolgt, haben die kriegerischen Auseinandersetzungen in Slowenien doch bis an die Staatsgrenze gereicht. Mögen die Gefechte an der Grenze vor allem bei der älteren Generation durchaus Angst und Besorgnis ausgelöst haben, so dachte doch niemand ernsthaft an die Möglichkeit einer gezielten Grenzverletzung, ja, unter der Jugend und bei Bewohnern aus entfernteren Landesteilen entwickelte sich kurzzeitig sogar eine Art "Kriegsschau- Tourismus". Immerhin scheint die relative Gelassenheit der steirischen Bevölkerung gegenüber den dramatischen Ereignissen im Nachbarland doch ein hohes Maß an Vertrauen in die seit den Sechzigerjahren immer enger gewordenen "gut-nachbarlichen" Beziehungen auszudrücken. Wie beurteilt man die Lage heute in den steirischen Grenzgemeinden, nachdem sich die politische Situation im jungen Staat Slowenien überraschend schnell - zumindest im Vergleich mit anderen post-kommunistischen Staaten - konsolidiert hat? Welche Auswirkungen hatte der Zerfall Jugoslawiens auf das steirische Grenzland? Wie sieht man die Zukunft der Region unter der Vision eines geeinten Europa ohne Grenzen? Haben die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit den Stellenwert der "Grenze" in den Köpfen derjenigen verändert, denen diese Grenze jahrzehntelang das Gefühl der persönlichen Bedrohung vermittelte, denen sie den Glauben an eine erfolgversprechende Zukunft nahm, für die sie zum Symbol für wirtschaftliche Rückständigkeit, soziale Unsicherheit und kulturelle Ausdünnung geworden war? Walter Zsilincsar 113 Das südsteirische Grenzland aus ... 2. DAS SÜDSTEIRISCHE GRENZLAND IM SPIEGELBILD DER REGIONALSTATISTIK UND REGIONALPOLITIK Die Beziehungen zwischen dem steirischen Grenzland und dem damaligen Jugoslawien hatten bereits Anfang der Siebzigerjahre im Vergleich mit den Ost-Grenzgebieten Österreichs zu Ungarn und der einstigen Tschechoslowakei eine beachtliche Intensität erreicht. Dies, obwohl die südliche Steiermark zu jenen österreichischen Grenzgebieten gehört, die aufgrund ihrer Randlage zu den Hauptregionen Wien und Graz und der generell geringen bis unbedeutenden Verflechtungen mit den benachbarten ehemaligen Planwirtschaftsländern unter einer geringen Wirtschaftskraft, einer stagnierenden bis rückläufigen Bevölkerungsentwicklung, einer mangelhaften Infrastruktur bzw. anderen Symptomen struktureller Schwäche leiden (vgl. ÖROK, 1975, S. 57). Für die südsteirische Grenzregion bedeutet dies eine starke zentralörtlicher Abhängigkeit von der Landeshauptstadt Graz, deren Agglomeration nicht zuletzt aufgrund der Verkehrsachse Graz-Leibnitz-Spielfeld (Eisenbahn, Autobahn) zum bevorzugten Einpendelzentrum geworden ist. In entgegengesetzter Richtung profitieren die südsteirischen Weinbaugebiete und Badeorte vom Wochenend-Ausflugstourismus der Bewohner des Zentralraumes. Die Struktur-, Lage- und Entwicklungsproblematik der österreichischen Ost-Grenzgebiete wird lt. Österreichischer Raumordnungskonferenz (ÖROK, 1978, S. 34) durch folgende Krite rien geprägt: - Lage an Grenzen zu Nachbarstaaten, mit denen - im Vergleich zu anderen Staaten - geringe wirtschaftliche Beziehungen bestehen - extreme Randlage zu den Mitgliedstaaten der EG - Randgebiete der sozioökonomischen Hauptregionen, periphere Lage zu den entwickelten Wirtschaftsräumen und -Zentren diesseits und jenseits der Staatsgrenzen - ungünstige Erwerbs- und Einkommensverhältnisse ftir die berufstätige (oder -fähige) Bevölkerung - mangelhafte Versorgung der Bevölkerung mit Bildungs-, Gesundheits- und sonstigen Eine Antwort auf diese Fragen, die sich allein auf die offizielle Bevöikerungs-, Wirtschafts- und Sozialstatistik stützt, muß letztlich unbefriedigend bleiben vor allem wenn ihre Interpretation aus der gesicherten Position des Nicht- Betroffenen erfolgt. Es wurde daher versucht, durch die Befragung der Bürgermeister bzw. ihrer Gemeindesekretäre aller 19 steirischen Grenzgemeinden zu Slowenien sowie der Leiter der Bezirkswirtschaftskammern, Arbeiterkammern und Arbeitsämter der politischen Grenzbezirke Feldbach, Bad Radkersburg, Leibnitz und Deutschlandsberg ein Stimmungsbild einzufangen, das trotz oder gerade wegen seiner Subjektivität vom Lebensraum Grenze möglicherweise einen realistischeren Eindruck vermittelt, als er aus dem objektiven Datenmaterial der Regionalstatistik gewonnen werden kann. Daß die Auswertung beider Informationsquellen durchaus zu einer unterschiedlichen Beurteilung der Grenzraumproblematik führen kann schmälert weder den Wert der einen noch den der anderen, sondern liegt in der Natur der Sache. Walter Zsilincsar 114 Das südsteirische Grenzland aus... Folgeeinrichtungen (z.T. ungenügend ausgestattetes bzw. zu weitmaschiges Netz der zentralen Orte) - Standort- und Lageungunst für Investitionen im industriell - gewerblichen und im Dienstleistungsbereich - ungünstige Verkehrserschließung und -bedingung, u.a. im öffentlichen Verkehr - Rückgang, Stagnation bzw. nur geringe Zunahme der Wohnbevölkerung - überdurchschnittliche Wanderungsverluste In den 15 Jahren, die seit der Erstellung dieses Struktur-Merkmalskataloges vergangen sind, haben sich hinsichtlich der Gewichtung der aufgelisteten Charakteristika doch einige Veränderungen ergeben, die auch im Lichte der sog. "Ost- Öffnung" Ende der Achziger-, Anfang der Neunziger Jahre zu sehen sind. Nach einer anfangs zu optimistisch beurteilten Zukunftsperspektive im Zusammenhang mit der Neuordnung Europas sieht man die Entwicklungschancen für die Ost-Grenzgebiete, dies gilt auch für die südliche Steiermark, heute weit realistischer, insbesondere was den Faktor Zeit für das Wirksamwerden positiver Veränderungen anlangt. Es ist zu erwarten, daß die Ostöffnung den österreichischen Arbeitsmarkt mittelfristig rd. 50000 Arbeitsplätze (als Folge von Betriebsstandortauslagerungen in die angrenzenden Billiglohnländer oder infolge des Konkurrenzdruckes durch billige Ostimporte) kosten wird. Der südsteirische Grenzraum zu Slowenien wird aufgrund einer Verordnung der steiermärkischen Landesregierung in die vier Planungsregionen Feldbach, Radkersburg, Leibnitz und Deutschlandsberg gegliedert. Die Planungsregion FELDBACH grenzt lediglich mit der Gemeinde St. Anna am Aigen an Slowenien. Mit einer Bevölkerungszunahme von +1,2 % (von 64.978/1981 auf 65.751/ 1991) hebt sie sich von den meisten anderen steirischen Regionen, die einen Bevölkerungsrückgang verzeichneten (Landesmittel: -0,15 %) positiv ab. Die Region wies jedoch 1981 1 eine negative Arbeitsmarktbilanz (=Arbeitsplätze minus Berufstätige) von 7.068, d.s. 23,4 % der Berufstätigen, auf Gleiches gilt für die übrigen Grenzlandregionen. Die Zahl der Berufstätigen nahm mit + 6,5 % (1971-1981) unterdurchschnittlich zu (Landesmittel + 8,5 %). Gravierend ist der Aderlaß im Primärsektor: die Land- und Forstwirtschaft verlor zwischen 1971 und 1981 ein Drittel (34 %) ihrer Beschäftigten. Industrie und Gewerbe nahmen demgegenüber um ein Drittel (33 %) mehr Beschäftigte auf der Dienstleistungssektor wuchs sogar um 52,8 %. Typisch für die Ostgrenzgebiete ist der hohe negative Pendlersaldo von 5.633 Personen für 1989. Von den 7.471 Auspendlern des Jahres 1989 waren 36 % in der Landeshauptstadt Graz beschäftigt. Walter Zsilincsar__U5_Das südsteirische Grenzland aus ... Mit einer Agrarquote von 37 % (1981) liegt die Region Feldbach noch immer deutlich über dem Landesmittel von 13,2 % und dies, obwohl 1961 noch eine Agrarquote von 71,5 % zu verzeichnen war. Der ländliche Charakter der Region ist jedoch nach wie vor ein wichtiges strukturelles Merkmal, das sich darüber hinaus durch die kleinbetrieblichen Besitzverhältnisse auszeichnet, denn nur 5 % aller Betriebe sind größer als 20 ha. Eine weitere, landesweit zu beobachtende Entwicklung betrifft den Vollerwerb. Nur noch knapp mehr als ein Viertel aller Betriebe (27 %, 1990) wird im Vollerwerb gefühlt (1970: 54 %). Auch Industrie und Gewerbe werden von Klein- und Mittelbetrieben dominiert. Mit 55 % lag die Industrie- und Gewerbequote 1981 deutlich über dem Landesdurchschnitt. Nur 2,9 % aller Betriebe beschäftigten 100 oder mehr Arbeitskräfte. Charakteristisch für strukturschwache ländliche Regionen ist auch das schmale industriell-gewerbliche Branchenspektrum. Es dominiert das Bau- und Baunebengewerbe, gefolgt vom Nahrungsund Genußmittelsektor. Die Dienstleistungsquote erhöhte sich von 20,9 % (1971) auf 30,3 % (1981). Trotz steigender Tendenz bleibt sie aber vom Landesmittel von 45 % noch weit entfernt. Zu den Merkmalen strukturschwacher Regionen gehört auch das Bildungsdefizit. Die Zahl der Absolventen Höherer Schulen erreichte 1981 mit 3,0 % gerade die Hälfte des Landesdurchschnittes von 5,9 %. Mit 2.031 Einwohnern pro praktischem Arzt liegt die Versorgungsquote der Region zwar im Landesmittel, bei Fachärzten ist dagegen eine fühlbare Unterversorgung zu konstatieren. Allerdings verfügt die Bezirkshauptstadt Feldbach über ein Landeskrankenhaus, das nach erfolgtem Vollausbau aus 4 Abteilungen mit 330 Betten bestehen soll (AMT DER STEIERMARK. LANDESREGIERUNG, Planungsregion Feldbach, 1991). Die Planungsregion RADKERSBURG verlor zwischen 1981 (25.671 EW) und 1991 (24.799 EW) 3,4 % ihrer Bevölkerung. Auch die Arbeitsmarktbilanz war 1981 negativ (2.528 fehlende Arbeitsplätze, d.s. 21,3 % der Berufstätigen). Die Zunahme bei den Berufstätigen erreichte zwischen 1971 und 1981 mit 4 % nicht einmal die Hälfte des Landesdurchschnitts. Der Rückgang der Beschäftigten im Primärsektor von -35 % (1971 -1981) sowie die Steigerung im Sekundärsektor um 30 % geht mit der Entwicklung in der Region Feldbach konform. Der Dienstleistungssektor verbuchte dagegen einen Zuwachs von 65,7 % bei den Beschäftigten, was vor allem auf die positive Entwicklung der Therme Bad Radkersburg zurückzuführen ist. Äußerst problematisch ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 32,1 % (1991) im Vergleich mit dem Landesmittel von 27 %. Die Zahl der Auspendler (1981:2828), von denen 36 % in die Hauptregion Graz zur Arbeit fahren, hat gegenüber 1971 um 82 % zugenommen. Mit einer Steuerkraftkopfquote von S 4.707 nahm die Region Radkersburg 1989 die letzte Stelle unter den 17 steirischen Planungsregionen ein. Walter Zsilincsar 116 Das südsteirische Grenzland aus... Die hohe Agrarquote von 40,5 % (1981) bedeutet, daß nach wie vor eine beträchtliche Zahl von Arbeitskräften im Primärsektor gebunden ist, auch wenn die landwirtschaftlichen Arbeitsplätze gegenüber 1961 um 60 % abgenommen haben. Deutlich verstärkt hat sich auch der Rückgang bei den landwirtschaftlichen Betrieben von 4.264 (1960) auf3317 (1990). Nur 7 % von ihnen verfügten 1990 über eine Betriebsfläche von über 100 ha. Mehr als die Hälfte aller Betriebe (58 %) hatte 1990 bereits auf Nebenerwerb umgestellt. Für die ganz oder teilweise aus dem Agrarsektor ausscheidenden Arbeitskräfte er gibt sich jedoch eine äußerst schwierige Situation, da die Region mit einer deutlich unter dem Landesmittel liegenden Industrie- und Gewerbequote von 28,1 % viel zu wenig Ersatzarbeitsplätze anzubieten vermag. Wie in der Region Feldbach dominierten das Bau- und Baunebengewerbe sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie. In beiden Branchengruppen ist der Anteil an minder qualifizierten Arbeitskräften hoch, das Lohnniveau niedrig. Lediglich 12 Betriebe (1993) beschäftigen 50 oder mehr Mitarbeiter. Eine positive Entwicklung ist im Dienstleistungssektor zu beobachten. Die Dienstleistungsquote stieg von 19 % (1971) auf 31,4 % (1981). Im Fremdenverkehr trug der Kurbetrieb in Bad Radkersburg (1980- 1988: + 104,2 % Nächtigungen) spürbar zur Konsolidierung der wirtschaftlichen Situation im Grenzbezirk bei. Ein weiteres Hotelprojekt mit über 100 Betten steht vor der Realisierung. Bei der gesundheitlichen Versorgung macht sich der Fachärztemangel negativ bemerkbar. Die Schließung der Geburtenstation am Landeskrankenhaus in Bad Radkersburg wird im Hinblick auf die Sicherung der infrastrukturellen Ausstattung der Region als kontraproduktiv angesehen. Gleiches gilt für die beabsichtigte Schließung des Bezirksgerichtes in Mureck. Im Bildungsbereich kann das Angebot mit einem Gymnasium, berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen sowie Berufsschulen als ausreichend bezeichnet werden. (AMT DER STEIERMARK. LANDESREGIERUNG, Planungsregion Radkersburg, 1993). Von den vier Grenzlandregionen der Steiermark weist LEIBNITZ die positivste Bevölkerungsentwicklung auf (+2,6% von 1981 bis 1991). Selbst im unmittelbaren Grenzgebiet hat sich die Lage stabilisiert. Die Kleinregion Amf'els konnte sogar ein Bevölkerungsplus von 3,1 % erzielen. Die unmittelbare Lage an der Staatsgrenze als Sicherheitsrisiko scheint heute keinen direkten Einfluß mehr auf die regionale Bevölkerungsentwicklung zu haben. Die Agrarquote von 27,6 % (1981) unterstreicht trotz eines Rückganges der Zahl der landwirtschaftliche Betriebe zwischen 1960 und 1990 um 22 % (1980-1990: -9,4 %) den immer noch hohen Stellenwert der Landwirtschaft in der Region. Allerdings nehmen die land- und forstwirtschaftlichen Produktionsflächen immer mehr die Funktion des Bauerwartungslandes ein. In der Region Leibnitz sind in den dzt. gültigen Flächenwidmungsplänen rd. 500 ha Agrarflächen für die Bebauung vorgesehen, 300 ha sind als Aufschließungsgebiet für den Wohnbau ausgewiesen. Walter Zsilincsar 117 Das südsteirische Grenzland aus... Der Sekundärsektor der Region entwickelt sich tendenziell ähnlich wie in den übrigen Grenzlandregionen. Die industriell-gewerbliche Arbeitsplatzquote stieg von 19,7 %(1961) auf 34,4 % (1981) an. Die Betriebsstruktur ist überwiegend kleingewerblich. Mit 37 Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten (1992) übertrifft der Bezirk die übrigen südsteirischen Planungsregionen jedoch deutlich. Zwei Betriebe, ein Bildröhrenwerk und ein Druckgußbetrieb beschäftigen je über 500 Mitarbeiter. Durch den Konkurs eines Großunternehmens mit über 600 Beschäftigten in Leibnitz hat sich die Lage auf dem Aibeitsmarkt weiter zugespitzt. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,5 % Sept. 1993) gegenüber 5,6 % im Vergleichsmonat des Jahres 1992. Am Beispiel der zit. Großinsolvenz des Jahres 1993 in Leibnitz wird die Problematik der seit den Sechzigerjahren forcierten Industrieansiedlungspolitik in wirtschaftsschwachen Grenzregionen deutlich. Es wurden mit z.T. beträchtlichen öffentlichen Mitteln Betriebsansiedlungen von Großkonzernen und Einzelunternehmern gefördert, in deren betriebswirtschaftlicher Gesamtrechnung die niedrigen Lohnkosten eine wichtige Rolle spielen. Vielfach selbst aus Hochlohnländern ausgesiedelt besteht daher immer die Gefahr einer erneuten Unternehmensverlagerung in Gebiete mit noch besseren Produktionsbedingungen. Slowenien mit seiner reichen industriel len Tradition und traditionellen Ostkontakten bietet sich für Neuinvestitionen an. Am heimischen Arbeitsmarkt wirkt sich das plötzliche Freisetzen von mehreren hundert Arbeitskräften, noch dazu, wenn diese minder qualifiziert sind, äußerst negativ aus (plötzlicher Verlust von Steuereinnahmen für die Standortgemeinde, durch Arbeitslosigkeit bedingte Kaufkrafteinbußen, Auswirkungen auf Zulieferbetriebe, Anstieg der Auspendlerraten, verstärkter Druck auf den Arbeitsmarkt der Zentralräume und damit weitere Erhöhung des zentral-periphären Wirtschafts- und Sozialgefälles, u.a.). Im Dienstleistungssektor hat sich die Zahl der Arbeitsplätze zwischen 1961 und 1981 (8505 Beschäftigte) nahezu verdoppelt. Trotzdem erreicht die Dienstleistungsquote von 37,9 % noch nicht das landesweite Mittel von 45,1 %. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen der Bezirkshauptstadt Leibnitz, in der die Konzentration von öffentlichen bzw. persönlichen und sozialen Diensten zu einer Dienstleistungsquote von 48,1 % fuhrt, und der grenznahen Kleinregion Amfels, wo diese nur 33,6 % ausmacht. Auf dem Bildungssektor herrscht trotz einer hinreichenden schulischen Versorgung noch immer ein gegenüber dem Landesdurchschnitt niedrigeres Bildungsniveau. Lediglich 2,7 % (1991) der Schulabgänger verfügen über ein Reifezeugnis einer Höheren Schule (AMT DER STEIERMARK. LANDESREGIERUNG, Planungsregion Leibnitz, Entwurf 1993). Die Bevölkerungsentwicklung im Planungsraum DEUTSCHLANDSBERG hat sich im Jahrzehnt 1971 -1981 stabilisiert. Der geringfügige Bevölkerungszuwachs von 1,8 % resultiert aus der positiven Geburtenbilanz (+ 3,2 %, Steiermark: + 0,9 %), wogegen die Wanderungsbilanz (1971-1981: -1,5 %) negativ war. Einen besonders hohen Wanderungsverlust von - 5,6 % verzeichnete die Kleinregion Eibiswald. Sie leidet unter der extremen verkehrsgeographischen Randlage. Walter Zsilincsar 118 Das südsteirische Grenzland aus ... Mit 7.359 fehlenden Arbeitsplätzen in der Region stand der Bezirk Deutschlandsberg 1981 in der Steiermark an letzter Stelle. Die Arbeitsmarktbilanz hat sich mittlerweile weiter verschlechtert. Die Zahl der Arbeitslosen stieg von 765 (1981) auf 1321 (1991), obwohl andererseits mit 403 gemeldeten offenen Stellen 1991 gegenüber 71 (1981) fast sechs mal so viele Arbeitsplätze unbesetzt bleiben. In diesen Zahlen zeigt sich, daß die regionale Arbeitsmarktproblematik nicht allein als quantitatives, sondern vor allem auch als qualitatives Phänomen zu sehen ist. Das Fehlen attraktiver Arbeitsplätze veranlaßt immer mehr Menschen außerhalb der Region Arbeit zu suchen. Die Zahl der Auspendler erhöhte sich zwischen 1971 (5.234)und 1981 (7.605) um 45,3 %. Zwei Drittel der Auspendler arbeiten in der Hauptregion Graz. Die Land- und Forstwirtschaft mußte bei einer Agrarquote von 26 % (1981) zwischen 1961 und 1981 einen Verlust von zwei Dritteln ihrer Arbeitsplätze hinnehmen (1981:4848). Nur noch ein Viertel aller Betriebe wurde 1990 im Vollerwerb geführt. Die schwierige Situation in der Landwirtschaft resultiert nicht nur aus der überwiegend kleinbetrieblichen Struktur (69 % aller Betriebe waren 1981 unter 10 ha groß), sie manifestiert sich auch im beachtlichen Bergbauernanteil (28 % aller Betriebe) und in der mangelhaften Erschließung. 64 % der Betriebe verfügten 1981 noch über keinen eigenen Telefonanschluß; 300 Betriebe waren mit dem LKW nicht erreichbar. Durch eine Forcierung des Qualitätsweinbaus und die Direktvermarktung ist es jedoch in den letzten Jahren gelungen, die Ertragslage vieler Kleinbetriebe zu stabilisieren. Auch im industriell-gewerblichen Bereich dominiert der Kleinbetrieb. Lediglich 21 Betriebe beschäftigten 1981 50 oder mehr Arbeitskräfte (1993:29). Allerdings stellten diese Betriebe 52 % der 7.560 (1981) Arbeitsplätze im Sekundärsektor zur Verfügung, was gerade in strukturschwachen Regionen die Krisenanfälligkeit des Arbeitsmarktes erhöht. Diese schlägt sich auch in der Branchenstruktur nieder. Die überdurchschnittliche Präsenz von holz-, textil- und lederverarbeitenden Betrieben sowie des Bau- und Baunebenge werbes ist in hohem Maße konjunktur- und von außerregionalen Einflüssen abhängig. Die standortpolitischen Nachteile der grenznahen Gemeinden gegenüber der Kleinregion des Be zirkshauptortes Deutschlandsberg äußert sich darin, daß dort rd. die Hälfte der Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe konzentriert sind. Obwohl sich der Dienstleistungssektor in der Region dynamisch entwickelt, machten die Berufstätigen in den Wirtschaftsabteilungen Handel, Gast- und Beherbergungswesen, Verkehr- und Nachrichtenübermittlung, Wirtschafts-, Soziale und persönliche Dienste 1981 erst 36,2 % aller Beruftstätigen aus (Steiermark: 45,4 %). Im Fremdenverkehr sind beträchtliche quantitative und qualitative Mängel auf der Angebotsseite fest zustellen, die nicht allein auf die verkehrsgeographische Randlage zurückzuführen sind. Langjährige Stammgäste, vornehmlich aus höheren Altersgruppen, Gäste aus einkommensschwächeren Schichten und Inländer überwiegen im Übernachtungstourismus. Dagegen hat sich der Ausflugstourismus in den letzten Jahren positiv entwickelt. Er konzentriert sich im Walter Zsilincsar_n9_Das südsteirische Grenzland aus ... 3. DAS SUDSTEIRISCHE GRENZLAND IM SPIEGELBILD DER REGIONALWIRTSCHAFTLICHEN INTERESSENSVERTRETUNGEN 2 Die Ausfuhrungen der beiden folgenden Kapitel geben die persönliche Meinung von Personen wider, die sich auf ihre berufliche oder wirtschaftliche Position sowie ihre tägliche Konfrontation mit den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Problemen vor Ort stützt. Sie mag zwar den streng wissenschaftlichen Kriterien einer demoskopischen Untersuchung nicht standhalten, gegenüber einer rein auf statistischen Kennzahlen aufgebauten Strukturanalyse vom Schreibtisch aus hat sie aber den Vorteil der "Lebensnähe". Allein der Umstand, daß von den 19 persönlich kontaktierten Bürgermeistern bzw. Gemeindesekretären der steirischen Grenzgemeinden zu Slowenien nur 15 und diese auch z.T. erst nach mehrmaligem Ersuchen zur Auskunftleistung bereit waren, zeigt, daß man heute in den Gemeinden, nur 2 Jahre nachdem unmittelbar an der Grenze geschossen wurde, zur kommunalpolitischen "Normalität" zurückgekehrt ist. Bei den Funktionären der Wirtschafts- und Arbeiterkammem sowie Arbeitsämter in den vier Grenzbezirken (lediglich von der Arbeiterkammer Feldbach war keine Stellungnahme zu erhalten) konnte dagegen durchaus Aufgeschlossenheit gegenüber den Problemen des Grenzlandes i.w.s. konstaktiert werden, d.h. das Problembewußtsein endete nicht an der Staatsgrenze, sondern bezog die Situation des Nachbarlandes mit ein. Die wirtschaftliche Situation in den steirischen Grenzbezirken seit dem Zerfall Jugoslawiens wird mehrheitlich als stabil eingestuft, wobei jedoch das Stimmungsbarometer auf der Arbeitgeberseite etwas weiter ausschlägt als bei den Arbeitnehmervertretungen. Einer Lageverbesserung im Dienstleistungssektor und im produzierenden Gewerbe in Deutschlandsberg und Leibnitz steht eine deutliche Verschlechterung im Handel, insbesondere mit langlebigen Gütern in Leibnitz und Radkersburg, bei der Industrie in Deutschlandsberg und Feldbach sowie bei den Gast- und Beherbergungsbetrieben in Feldbach gegenüber (vgl. N. GELDNER, 1991 undM. SCHNEIDER, 1991). Als wichtigste Kriterien ftir die Beurteilung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage in den einzelnen Grenzregionen wurden angeftihrt: - der Zerfall Jugoslawiens ftir Leibnitz und Radkersburg mit Auswirkungen insbesondere im Handel und Gewerbe (Reparaturwerkstätten, Service) bzw. durch den Verlust von Exportmärkten - die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Sloweniens ftir alle vier Regionen (Kaufkraftverlust des Tolar), abgeschwächt in Feldbach wesentlichen auf die Weinbaugemeinden und ist wegen der relativ hohen Verkehrsbelastung an Wochenenden nicht unproblematisch (AMT DER STEIERMARK. LANDESREGIERUNG, Planungsregion Deutschlandsberg, 1991, R. SCHAFGASSNER, 1993). Walter Zsilincsar 120 Das südsteirische Grenzland aus... - die Auswirkungen der derzeitigen weltwirtschaftlichen Rezession für alle vier Regionen (gilt besonders für Großbetriebe) - die gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme in Österreich selbst für alle vier Regionen (Einfluß auf Spar- und Konsumverhalten) - die Nähe zur Staatsgrenze für alle vier Regionen (Einbußen im Fremdenverkehr, vor allem bei ausländischen Urlaubsgästen gilt die Südsteiermark als kriegsgefährdete Region; grenznahe Betriebe spüren Veränderungen in der Durchlässigkeit der Grenze sowohl in positiver als auch negativer Hinsicht besonders rasch) - innerbetriebliche Schwierigkeiten für alle vier Regionen. Diese hängen z.T. mit der Ostöffriung zusammen (Billigimporte, Betriebsverlagerungen in Billiglohnländer), z.T. sind sie auf Managementfehler zurückzuführen (Assmann-Konzern in Leibnitz), werden aber auch als wirtschaftlicher Bereinigungsprozeß gesehen - die Lage am Arbeitsmarkt für alle vier Regionen. Beklagt wird einerseits der Mangel an Fachkräften, andererseits wandern diese wegen des Fehlens adäquater Arbeitsplätze ab. Ein Problem stellt tw. auch der Verdrängungsprozeß durch Billigarbeitskräfte (meist Gastarbeiter) dar - die Infrastruktur für alle vier Regionen, wobei jedoch Leibnitz infolge Pyhrnautobahn bzw. Südbahn über die beste Verkehrsinfrastruktur verfügt. Beklagt wird das Fehlen leistungsstarker Ost-West-Verbindungen. Am nachteiligsten wirkt sich die geographische Randlage in den Bezirken Radkersburg und Deutschlandsberg aus. Die gegenwärtige Lage auf dem Arbeitsmarkt wird im Handel als durchschnittlich bis negativ, in Feldbach sehr negativ eingeschätzt. Auch die mittelfristige Prognose läßt nur wenig Optimismus auflcommen, wobei wiederum für den Bezirk Feldbach in allen Wirtschaftssektoren, in Leibnitz beim Handel und in Deutschlandsberg im Produktionssektor eine negative Entwicklung befürchtet wird. Die Gründe für diese pessimistische Prognose decken sich weit gehend mit dem Bild, das die amtlichen Strukturdaten für das südsteirische Grenzland zeichnen. Die generell hohe Agrarquote erzeugt durch die.anhaltende Landflucht einen wachsenden Druck auf den regionalen Arbeitsmarkt, der schon jetzt nur beschränkt aufnahmefähig ist. Slowenische Arbeitskräfte nehmen in allen steirischen Grenzbezirken die erste Stelle unter den ausländischen Gastarbeitern ein, in Deutschlandsberg sind es sogar rd. zwei Drittel. Steiermarkweit belief sich die Zahl der slowenischen Gastarbeiter auf2676 oder 14,1 % im September 1993. Gegenüber September 1992 bedeutet dies eine Verdreifachung. Obwohl sich die traditionell engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Slowenien seit dem Zerfall Jugoslawiens weiter vertiefen, werden auf steirischer Seite auch Vorbehalte gegenüber dem Slowenienhandel laut. Diese betreffen die Kaufkrafteinbußen des slowenischen Tolar infolge der hohen Inflationsrate (1991:247 %; 1992: 92,9 %; 1993-Prognose: 25-30 %), den Rückgang des slowenischen Bruttoinlandsproduktes von 1991 auf 1992 um 6,5 %, die rückläufige Industrieproduktion von 13,2 % im selben Zeitraum, Walter Zsilincsar 121 Das südsteirische Grenzland aus... 4. DAS SÜDSTEIRISCHE GRENZLAND IM SPIEGELBILD DER KOMMUNALPOLITISCHEN ENTSCHEIDUNGSTRÄGER Das Ergebnis der Befragung von 15 Bürgermeistern bzw. Gemeindesekretären in steirischen Grenzgemeinden zu Slowenien zeigt einmal mehr, wie problematisch generalisierende Aussagen zur Charakterisierung regionaler Identitäten bzw. von raumspezifischen Verhaltensmustem der Bevölkerung oder politischen Repräsentanten sind. Während das Grenzland von außen betrachtet gerne als geographische, geistig-kulturelle und sozio-ökonomische Einheit gesehen wird, stellt es sich bei näherem Hinsehen als äußerst heterogenes Gebilde dar. Nichts unterstreicht diese Behauptung besser als das Antwortspektrum auf die Frage, welche Auswirkungen der Zerfall Jugoslawiens bzw. die Staatsgründung Sloweniens auf die jeweilige Grenz gemeinde hatte: es reicht von sehr stark (2 x), stark (1 x), gering (4 x), sehr gering (1 x) bis zu überhaupt keinen Auswirkungen (6 x). Es fällt femer auf daß die Bürgermeister, die insbesondere in kleinen Gemeinden aufgrund ihres Kontaktes mit der Bevölkerung als Träger der öffentlichen Meinung angesehen werden können, die wirtschaftliche Lage in ihrer Gemeinde bisweilen anders einschätzen als die Wirtschaftstreibenden selbst. Dies gilt insbesondere für den Handel, wo knapp zwei Drittel der 84 diesbezüglich abgegebenen branchendifferenzierten Nennungen die steigende Arbeitslosenrate (Anfang 1993: über 14 % gegenüber nur 3,2 % 1989) oder den schleppenden Privatisierungsprozeß bei Großbetrieben. Dennoch wagen immer mehr steirische Firmen auch aus dem Grenzland den Sprung nach Slowenien. Die Gründe dafür sind vielfältig: das rd. um 50 % niedrigere Lohnniveau in Slowenien, das breitere Facharbeiterangebot, die gute Arbeitsmoral, die günstige verkehrsgeographische Lage zur Steiermark, das trotz ob.zit. Vorbehalte vorhandene Vertrauen auf eine positive V/irtschaftsentwicklung in Slowenien bzw. einfach das Bestreben, unter Ausnützung des nachbarschaftlichen Fühlungsvorteiles früher auf dem slowenischen Markt präsent zu sein als andere ausländische Investoren. Ein Großkauf- und Versandhaus, ein Schuhhandelskonzem, eine Einzelhandelskette und zwei Versicherungsuntemehmen aus der Steiermark haben diesen Schritt innerhalb der beiden letzten Jahre gesetzt (KLIPP, Nr. 6, 1993, S. 42-43). Derzeit gibt es ca. 300 österreichische Direktinvestitionen in Slowenien mit einem Volumen von 2,3 Mrd. S d.s. 27 % des in Slowenien veranlagten ausländischen Kapitals. Die Wirtschaftskammer Steiermark organisierte 1993 eine Gruppenausstellung mit 17 überwiegend steirischen Firmen bei der internationalen Handwerksmesse in Celje. Andererseits haben mittlerweile bereits 696 slowenische Führungskräfte an Managementseminaren des Wirtschaftsförderungsinstitutes in Graz teilgenommen. Geplant sind eine Technologiepark-Kooperation zwischen Graz und Maribor, ein regionaler Verkehrsverbund Graz- Maribor und ein gemeinsamer Arbeitsmarkt für erweiterte Grenzregionen in der Steiermark und in Slowenien (Auskünfte der Wirtschaftskammer Steiermark). Walter Zsilincsar 122 Das südsteirische Grenzland aus... nur geringe bis überhaupt keine Auswirkungen aus der Jugoslawienkrise vermuten. Stärkere Beeinfrächtigungen werden lediglich beim Handel mit Spirituosen und langlebigen Konsum-und Gebrauchsgütem (technischen Haushaltsartikeln, Unterhaltungselektronik, Fahrzeug-und Möbelhandel) angenommen. Beim Gewerbe und im Dienstleistungssektor dagegen verspürt nur die Hälfte der Befragten unmittelbare Konsequenzen für die eigene Gemeinde aus dem Zerfall Jugoslawiens. In räumlicher Hinsicht zeigt das kommunale Wirtschaftsleben der Grenzgemeinden einen deutlichen Bezug zu den drei wichtigsten internationalen Grenzüber trittsstellen Spielfeld, Bad Radkersburg und Langegg/Glanz. Hier hat nicht zuletzt der drastische Rückgang des Balkanverkehrs beträchtliche Einbußen beim Handel bewirkt. Lt. Auskunft der Bundesbahndirektion Graz ist der grenzüberschreitende Bahngüterverkehr fast völlig zum Erliegen gekommen. Selbstverständlich spüren die genannten Grenzorte die Rezession in Slowenien auch im bilateralen Einkaufstourismus (Kaufkraftschwund des Tolar, inflationsbedingte Preissteigerungen in Slowenien). Über Funktion und Bedeutung von Grenzen wurde schon viel allgemein Gültiges geschrieben. Es bedarf keiner Wiederholung. Und doch entwickelt jeder Grenzraum sein regionales, ja lokales Eigenleben, läßt sich nur schwer in ein stereotypes Schema einordnen. Dies wird einmal mehr durch die differenzierte Haltung der Grenzgemeinden gegenüber Fragen der bilateralen Beziehungen unterstrichen. Dabei ist freilich zu berücksichtigen, daß die gegenständliche Grenze historisch gesehen jung und vor allem unter der älteren Generation noch immer mit belastenden Erinnerungen verknüpft ist. Lediglich 9 von 15 auskunftbereiten Gemeinden pflegen offizielle Kontakte zu ihrer slowenischen Nachbargemeinde; 7 beurteilen diese als gut bis sehr gut. Auf die offiziellen und kulturellen Bezie hungen zu Slowenien hatte der Zerfall Jugoslawiens nach mehrheitlicher Meinung der Gemeindeoberhäupter (8/7 Nennungen) keinen bzw. nur einen geringen Einfluß; 3/2 Nennungen registrieren dagegen starke bis sehr starke Veränderungen. Bezüglich der zwischenmenschlichen und sportlichen Beziehungen über die Grenze hinweg wurden praktisch keine Auswirkungen festgestellt. Zwischen 10 steirischen und slowenischen Nachbargemeinden gibt es intensivere private Kontakte, in 7 Fällen werden kulturelle, in 5 sportliche Beziehungen gepflegt. Grenzüberschreitende Verbindungen auf dem lokalen Arbeitsmarkt wurden elfmal, im Einzelhandel siebenmal genannt. Bereits vor dem Zerfall Jugoslawiens waren die nachbarschaftlichen Kontakte nach Auffassung der Gemeindeväter in 5 Fällen gut bis sehr gut, in ebenfalls 5 Fällen zufriedenstellend. Viermal wurden sie allerdings als schlecht bis sehr schlecht eingestuft. Ebenfalls 4 Gemeinden stellen seit der Staatsgründung Sloweniens eine Verbesserung der Kontakte zu ihrer jenseits der Grenze gelegenen Nachbargemeinde fest. In 9 Fällen hatte dieses Ereignis keinen Einfluß auf die bestehenden Beziehungen. Was die derzeitige politische Entwicklung in Slowenien anlangt, so überwiegt eine vorsichtig optimistische Lagebeurteilung (8 Nennungen). Fünf Nennungen legen sich auf keinen bestimmten Trend fest, zwei hegen eher pessimistische Erwartungen. Gastarbeiter, speziell solche aus Slowenien, spielen in den unmittelbaren Grenzgemeinden keine oder bloß eine unbedeutende Rolle. Das ist bei der traditionellen Wirtschaftsschwäche des Raumes auch nicht anders zu erwarten. Nur in 4 Gemeinden sind sie ein wichtiger Faktor auf dem Arbeitsmarkt. Als Problem werden Gastarbeiter lediglich ein einer Gemeinde Walter Zsilincsar_123 Das südsteirische Grenzland aus ... ZUSAMMENFASSUNG Im Zuge der Neuordnung Europas nach dem Zerfall der Donaumonarchie als Folge des I. Weltkrieges wurden die steirischen Bezirke Deutschlandsberg, Feldbach, Leibnitz und Radkersburg von binnenländischen zu Grenzbezirken. Der damit verbundene Verlust an wirtschaftlichen Hinterländern, Gemeindeflächen bzw. privatem Grundbesitz, die Unterbrechung bestehender Verkehrsverbindungen sowie die politische und ökonomische Neuordnung imjungen Nachfolgestaat Jugoslawien haben das südsteirische Grenzland zu einer der ärmsten Regionen Österreichs gemacht. Es ist daher verständlich, daß trotz der im Laufe der Zeit erfolgten Normalisierung in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Jugoslawien bzw. zwischen der Steiermark und Slowenien die Stimmung zumindest bei einem Teil der Bevölkerung und der lokalen Politiker in den Grenzlandgemeinden bis heute zwiespältig geblieben ist. Es war daher verlockend, die jüngsten geo-politischen Veränderungen in Europa, die zum blutigen Zerfall Jugoslawiens angesehen. Ihre Integration wird in der Regel positiv beurteilt; 3 Bürgermeister halten diese jedoch für unzureichend. Gastarbeiter aus dem Nachbarland scheinen nicht nur generell bessere Chancen bei der Aufnahme in den Arbeitsmarkt zu haben, ihre Akzeptanz bei der heimischen Bevölkerung ist tiotz gewisser Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz eine deutlich bessere als jene der Flüchtlinge. Gerade an der südsteirischen Grenze ist man gegenüber der Flüchtlingsproblematik seit Jahrzehnten sensibilisiert. In den ersten Nachkriegsjahren hat das Schicksal politischer Flüchtlinge weit über das Grenzland hinaus Anteihiahme hervorgerufen. Gleiches gilt tür die erste große Flüchtlingswelle als Folge des Kroatien -bzw. Bosnien- Konfliktes. Seit jedoch das Schlepperbandenunwesen immer mehr um sich greift und die Zahl der Wirtschaftsflüchtlinge zunimmt, ist ein Stimmungsumschwung unter der Grenzbevölkerung fühlbar. Dieser kommt auch in der Meinung der Bürgermeister zur Einstellung der Öffentlichkeit gegenüber den Flüchtlingen zum Ausdruck: zwei Drittel der Befragten bemerken diesbezüglich bei ihren Bürgern heute eine indifferente bis eher negative Grundhaltung. Die Bürgermeisterbefragung in den steirischen Grenzgemeinden unterstreicht recht eindrucksvoll, daß selbst in relativ klein räumigen Grenzgebieten wie jenem zwischen der Steiermark und Slowenien der Stellenwert ein und derselben Grenze ein äußerst vielfältiger ja zwiespältiger ist, geprägt selbstverständlich von den kummunikativen Möglichkeiten des Naturraumes, die aus Platzgründen aus der vorliegenden Studie ebenso ausgeklammert werden mußten wie historisch-politische, kultur-historische oder bevölkerungsstatistische Analysen. So schätzt zwar die Mehrheit der Grenzbewohner nach Auffassung ihrer Gemeindeväter heute die Lage an der Staatsgrenze als ruhig und unpro blematisch ein (10 Nennungen), immerhin in 3 Gemeinden ist man jedoch besorgt, in einer sogar sehr beunruhigt und in einem weiteren Fall wird das Stimmungsbild als zwiespältig be zeichnet, obwohl auf höchster politischer Ebene die Beziehungen zwischen den beiden Staaten als völlig friktionsfrei gelten. Walter Zsilincsar 124 Das südsteirische Grenzland aus Tab. 1: Wirtschaftliche Strukturdaten für die steirischen Grenzbezirke Gospodarska struktura štajerskih obmejnih obmoèij v Avstriji Deutsch- Feldbach Leibnitz Radkersburg Steiermark lands bers .ArbtlUilose: Sept. 1992 9S9 (3.6) 894 (3,3) 1.506(5.6) 332 (1.2) 27.094 Sept. \m 1.1S8 (3.S) 1.102(3,6) 1.766 (5.7) 402 (1,3) 30.876 Quote Scpl. 1992 4,3 3,7 5,6 3.6 6,1 Sepl. 1903 5.2 4.5 6.5 4,4 6.9 .ausländ. Arhcitskräftc: ScpL 1992 (davon SL) 417C) 911(S9) 1.152 (•) 525(•) 18.738 (919) % der Stmk, 2,2 % 4.9% 6.1 Ol 2.S% ScpL 1993 (davon SL) 423 0 897 (326) 1.194(•) 670 (•) 18.967 (2.676) % der Srnik. 2.2 'S, 4,7 % 6.3 % 3.5 % llelrleb« d. yewerbl.Wl.: April 1992 1.805 1.765 2.223 ¦ 733 14,5S4 Sem. W3 1.S70 I.81S 2.31.'( 773 15.132 ncschäfllgte d.gew. \V1.: Juli 1990 10.323 10.070 11.375 3.160 272,549 Juli 1992 10.477 10.505 11.715 3.305 276,836 " keine Daten verfügbar Quelle: Auskünfte Jcr Bezirks-Winschafiskiinimcni und -ArbciLsiimter Tab. 2: Betriebsgrößenverteilung in der Landwirtschaft 1970 und 1990 Struktura kmetijskih posesti leta 1970 in 1990 Bezirk Uctricbe unter 2 hu 2 - 5 ha 5-10 ha 1 10-20 ha | 20 - 50 ha > 50 ha l'J70 WXi mit 1970 \'»fi l*w 1 1970 l'/W 1 1970 r»o 1970 Deutschlandsb, 6496 5203 1403 794 1744 1506 1548 1217| 1061 937 571 585 169 164 Feldbach 9352 7944 1545 927 2881 2633 2,840 22911 1752 1593 322 480 12 20 L^ibniu 8003 633S 1557 892 2251 1&44 2332 1S(M| 1398 1253 434 500 31 45 Radkersburj 4154 3317 732 439 1254 1037 1316 931 711 683 130 211 11 11 Slcir.Grenzland 28005 100% 22302 100% 5237 18.7% 3052 13,4% 8130 29,0% 7020 30,8% 8036 28,7% 6243 27,4% 4922 17.6% 4471 19,5% 1457 5,2% 1776 7.8% 223 0.8% 240 1.1% Quelle: K.Ganlcr u, H. HierEcgger, 1982; Ergebnisse der L.ind- und For^twinsc^ialtlichcn Bc'jicbszahlung 1950 Tab. 3: Bevölkerungsentwicklung im steirischen Grenzland 1981 - 1991 Demografski razvoj v štajerskem obmejnenm obmoèju 1981 - 1991 Bezirk VZ 1981 Schätzung für 1991 Veründerunjj VZ8I -SchätTumr Veränderting In % VZ 1991 Vtründerung VZ 81-VZ 91 Veränderung In %, Deutschiandsbers 59,507 60.300 + 793 + 1.3 60.581 + 1074 + 1.8 Feldbach 64.978 66,300 + 1322 + 2.0 65.751 + 773 + 1.2 Leibnitz 69.862 71.100 + 1238 + 1.7 71.712 + 1850 + 2.6 Radkersbure 23.671 23.500 -171 -0.7 24.799 • 872 •3,4 Steir.Grcnzland 220.018 223.200 + 31S2 + 1.4 222.S43 + 2825 + 1.3 Quelle: K. Gartier u. H. Hicrzegjer, 1982; Ergebnisse der Volkszählung (VZ) 1991 Walter Zsilincsar_125_Das südsteirische Grenzland aus ..¦ LITERATUR AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG (HSG.) 1991, Regionales Entwicklungsprogramm. Planungsregion Feldbach. Graz, 82 S. AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG (HSG.) 1991, Regionales Entwicklungsprogramm. Planungsregion Deutschlandsberg. Graz, 68 S. AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG (HSG.) 1993, Regionales Entwicklungsprogramm. Planungsregion Radkersburg. Graz, 74 S. AMT DER STEIERMÄRKISCHEN LANDESREGIERUNG (HSG.) 1993: Regionales Entwicklungsprogramm (Vorentwurf)- Planungsregion Leibnitz. Graz, o.S. GARTLER, K., u. HIERZEGGER, H., 1982: Regionalstudie Steirisches Grenzland, Teil I, Graz, 80 S. GELDNER, N., 1991: Industrie im Grenzland. Ein Entwicklungsmodell für die Steieirnark. In: WIFO-Monatsberichte Nr. 6. Wien, S. 362-367. o.N. 1993: Slovenija. Ein Nachbar rückt näher. In: KLIPP - Das Steiennarkmagazin,Nr.6/ 1993. Graz. S. 41-47. ÖSTERREICHISCHE RAUMORDNUNGSKONFERENZ (ÖROK). 1975: Die Grenzgebiete Österreichs. Schriftenreihe Nr. 7. Wien. 107 S. ÖSTERREICHISCHE RAUMORDNUNGSKONFERENZ (ÖROK). 1978: ÖROK-Regionalpolitik in den Ost-Grenzgebieten. Wien. 168 S. PICKL, O. (Hsg.) 1992: 800 Jahre Steiermark und Österreich. Der Beitrag der Steiermark zu Österreichs Größe. Graz. 774 S. und zur Neugründung des Staates Slowenien führten, zum Anlaß zu nehmen, ein aktuelles Stimmungsbild von dieser Region zu zeichnen. Da auf eine sozialwissenschaftliche Umfrage unter der Grenzbevölkerung aus Zeit- und Kostengründen verzichtet werden mußte, dienten die Bürgermeister von 15 der insgesamt 19 Grenzgemeinden zu Slowenien sowie die Leiter der Bezirksarbeiterkammern, -arbeitsämter bzw. -wirtschaftskammern durch persönliche Befragung unter Verwendung eines kurzen standardisierten Fragebogens als Meinungsmultiplikatoren bzw. Stimmungsbarometer. Der durchaus subjektive Charakter des Befragungsergebnisses wurde durch einen knapp gehaltenen regionalstatistischen Abriß ergänzt. Dabei zeigte sich, daß das Grenzland als ganzes zwar nach wie vor von einzelnen ähnlichen sozial-ökonomischen Parametern geprägt wird (überdurchschnittlich hohe Agrarquoten, unterdurchschnittliche Gewerbe- und Dienstleistungsquoten, überwiegend klein- und mittelbetriebliche Strukturen, geringe Steuerkraft der Gemeinden, unterdurchschnittliches Bildungsniveau, hohe Auspendleranteile vor allem in die Hauptregion Graz, u.a.), daß es jedoch bei nährerer Betrachtung eine bunte Vielfalt eigenständiger Entwicklungen in den Kleinregionen und Gemeinden, vor allem bei der politischen Meinungsbildung und Einschätzung der gegenwärtigen bilateralen Beziehungen zu den slowenischen Nachbargemeinden gibt. Auf diese keiner klaren Gesetzmäßigkeit unterliegende innere Raumdifferenzierung aufmerksam zu machen, weil sie bei großräumiger Betrachtung oder Fernanalyse zumeist untergeht, ist ein Hauptanliegen des Beitrages. W. Zsilincsar 126 Das südsteirische Grenzland aus... REGIONALNE IN RAZVOJNE ZNAÈILNOSTI OBMEJNEGA OBMOÈJA AVSTRIJSKE ŠTAJERSKE Povzetek Pri oblikovanju nove evropske stvarnosti po 1. svetovni vojni oziroma razpadu Habsburške monarhije so poprešnji osrednještajerski okraji Deutschlandsberg, Feldbach, Leibnitz in Radkersburg nenadoma postali obmejni. S tem povezana izguba tržišèa, prekinitev prometnih poti, prepustitev vaških in zasebnih zemljišè oziroma nepremiènin drugi upravi, pa tudi politièna in gospodarska ureditev v nanovo ustanovljeni jugoslovanski državi so botrovali temu, daje obmejno obmoèje avstrijske Štajerske sèasoma postalo najrevnejše obmoèje Avstiije. Razumljivo je, da sta politika in lokalno prebivalstvo ostala razdeljena v vrednotenju medsosedskih odnosov tudi po normalizaciji le-teh med Avstrijo in socialistièno Jugoslavijo, in tudi še zatem, ko seje Slovenija loèila od južnoslovanske skupnosti in se leta 1991 osamosvojila. Prav razpad Jugoslavije in nova gesotrateška oziroma geopolitièna stvarnost tega obmoèja sta bila vzroèni dejavnik za prièujoèo analizo. Ker smo se morali odpovedati kompleksni socialno-geografski raziskavi tega obmoèja smo anketo izpeljali le med politiki 15 izmed 19 mejnih obèin. S kratkim standardiziranim vprašalnikom smo zbirali mnenja med župani in med predstojniki okrajnih upravnih pisarn oziroma gospodarskih zbornic. Ugotovitve smo dopolnili z izbranim statistiènim gradivom. Izkazalo seje, da obmejno obmoèje oznaèujejo standardni in že desetletja veljavni socialnoekonomski parametri: nadpovpreèno visoki deleži zaposlenih v kmetijstvu, podpovpreèna gostota storitvenih in oskrbnih dejavnosti, pretežno majhni ali srednjeveliki industrijski obrati, slaba profima vrednost proizvodov za trg, nizki dohodki obèin (davki), podpovpreèna izobrazbena struktura, velik delež dnevnih migrantov, ki se vozijo na delo v Gradec, i.t.d. Podrobnejša analiza vprašalnika pa nam v nasprotju z zgornjim kaže raznovrstne, lokalne, inovativne ekonomske in družbene dejavnosti, ki vzpodbujajo prekomejne obiske oziroma gospodarsko sodelovanje s sosednjo državo Slovenijo. Prispevek želi opozoriti predvsem na te, zaenkrat še posamiène zato pa toliko bolj pestre oblike razvoja, ki se ob globalni analizi prostorskih razmer ob avstrijsko-slovenski državni meji ponavadi izgube. SCHAFGASSNER, R., 1993: Möglichkeiten für einen "sanften Tourismus"? Ergebnisse einer empirischen Fremdenverkehrsuntersuchung im Bezirk Deutschlandsberg-Weststeiermark. Unveröff. Diss.Univ.Graz. Graz. 587 S. SCHNEIDER, M., 1991: Die Landwirtschaft im steirischen Grenzland. In: WIFO-Monatsberichte Nr. 6. S. 352-361. SCHRENK, W., 1982: Regionalstudie Steirisches Grenzland. Teil I. Planungsgruppe Raumordnung. Graz. 80 S. ZITZENBACHER, W., (HSg.) 1988: Landeschronik Steiermark. Wien- München. 479 S.