lnr Annst, Literatur, Theater n. geselliges Leben. NNW2<22NW ^O N NNVWNN> N pionmangold genannt. Was mußte der solide, strenge Mann von ihm denken, wenn er bei seinem sonst guten Einkommen noch einen Geld­vorschuß bettelte, um — man kennt ja die pfiffigen Ver­wände, mit denen ruinirte Liederlichkeit sich Almosen er­schleicht, und gewiß übersetzte sich Willman n seinen Jam­mer nicht anders — um seinem Mädchen ein Geschenk zum Christfeste kaufen, und einmal recht artig mit ihm schmau­sen zu können. Nein — unmöglich war es ihm, seine Bitte vorzubringen. Willmann , mit seinen Rechnungen noch immer beschäftigt, und in der Freude über den glücklichen Ausschlag einer bedeutenden Speculation, bemerkte die Be­wegung des jungen Mannes nicht, und im Geiste abwe­send, hielt er maschinenmäßig unter dem blanken Messer Heinrichs, der mit wirrem Blicke die Goldhaufen an­starrte , die in verführerischem Glänze ihm vom Pulte ent­gegen blitzten. Ein kleiner Theil von diesem Reichthume, und auf immer hätte seine Noth, seine Verzweiflung ein Ende gehabt. — Therese war gerettet, war glücklich — ein Gedanke der Hölle umspann seine Seele, die Gold­münzen glühten im Glänze der Morgensonne, eine wonnige, heitere Zukunft schwebte in bunten, lockenden Bildern vor seinem wirren Blicke — ein einziger Schnitt, und sein war der ganze blendende Reichthum, der hier vor ihm sich — unwiderstehlich wuchs der wilde Gedanke zum Entschluße, Niemand war in der Nähe, kein Zeuge der der That, als — Gott, in dessen heilige Tempel so eben der Feierruf der Glocken die gläubigen Beter lud. Da bebte der Arme gräßlich zusammen, klirrend siel das Messer zu Boden, todtenbleich, mit verstörten Zügen, Hut und Schcrsack zurücklassend, stürzte er fort aus dem Kabinette, durch das Gewühl der Straßen nach dem Hause seines Meisters, der entsetzr die innere Zerrüttung und die See­lenfolter eines Verbrechens im fahlen Antlitze des Ver­zweifelnden las, dessen düsteres brütendes Wesen ihm schon seit mehren Tagen aufgefallen war. Um Gotteswillen ^ was ist Ihnen? was haben Sie gethan? fragte Lehrfeld, als Heinrich, klappernd vor Angst, mit kaltem Schweiße die Stirne bedeckt, halbohnmächtig in einen Stuhl sank. 3?8 »Nichts — gar nichts!« stöhnte der Erbarmungswürdige — nur eine Stunde Ruhe — dann verlasse ich Ih r Haus auf immer!« — Nacht umflorte jetzt seinen Blick; der von tiefem Kummer, vom Uebermaße der Leiden erschöpfte Kör­per erlag dem Sturme des Gefühles, und röchelnd brach der Bellagenswerthe in den Armen seines Gebieters zu­sammen. Ein Diener des Banquiers erschien in Lehrfelds Offizin, als Heinrich im höchsten Grade geistiger Er­schöpfung eben zu Bette gebracht worden war, und erkun­digte sich im Auftrage seines Herrn um die Veranlassung zu dem seltsamen Benehmen des junges Mannes. Lehr­feld wusite keine Auskunft, jedoch versprach er, Heinrich zur Rede zu stellen, sobald dieser sich erholt haben würde, und folgte dann dem Abgesandten selbst zum Banquier, um den Fehler seines Subjekis zu entschuldigen und gut zu machen. Therese saß, ein Bild des tiefsten Seelenschmerzes, am Abende des heiligen Tages neben der Leiche der Mut­ter in Thränen gebadet, keines Gedankens mehr fähig in der Erschöpfung des tiefsten Seelenleidens. Auch Hein ­rich hatte sie verlassen, und der Himmel schien taub für ihren Jammer. Was sollte sie beginnen, die Hilflose — wer sollte sich ihrer erbarmen im Uebermaße des Elends.? Ein Wagen rollte vor das Häuschen — in die Arme der Verzagenden sank schluchzend der Geliebte, hinter ihm trat der Banquier mit Lehrfeld und Grünling in das enge Gemach. Willmann hatte Heinrich, der sich er­klärte, nur ihm die Ursache seines seltsamen Benehmens entdecken zu wollen, selbst besucht. Heinrich gestand ihm, daß er durch sein blendendes Gold zwei Menschenleben auf das Spiel gesetzt, da ihn selbst das Uebermaß seines Un. glucks, verbunden mit dem bittersten Grolle gegen das Schicksal, das dem Einem alles gibt, dem Andern alles entzieht, fast unwiderstehlich zu einem Frevel gedrängt, und daß nur sein guter Engel ihn gerettet habe. Er be­kannte ihm, daß er mit der Absicht gekommen sey, um eine Unterstützung zu bitten, und was ihn von seiner Bitte ab­gehalten. Alle Umstände seines Unglücks erzählte er dem teilnehmenden, menschenfreundlichen Banquier auf seine Fragen — daß er ein weggesetztes Kind des Lagers sey, und allein, ganz allein da stehe in der Welt, da der Tod und der Krieg alle seine Wohlthäter ihm genommen habe, denen er seine Bildung verdankte — er erzählte ihm von Therese, von ihrer Mutter, er nannte ihm den Namen der Unglücklichen — da war in dem Banquier eine Erinne­rung erwacht, und schnell hatte er den Entschluß gefaßt, dle Bedauerungswürdige aufzusuchen und sich die Gewiß­heit einer Ahnung zu verschaffen, die plötzlich seine Seele erfüllte. „Ja sie ist es!« rief er, als Therese sich erhob, um Hem wiedergekehrten Freunde ihres Herzens, an dem sie noch immer mit innigem, starken Vertrauen hing, in die Arme zu sinken. ..Ganz das Bild ihrer Mutter, meiner unglücklichen Schwägerin! Armes Weib« —fuhr er, an's Bett der Leiche getreten, fort: „So schwer mußtest Du den Fehltritt Deiner Jugend büßen, der Dich aus dem Vater-Hause verstieß und unstätt hinaustrieb in die Welt. Du hast das bittere Geheimniß Deines Lebens bewahrt, bis Dein Herz erstarrte, das gewiß genug gebüßt!" — Dann zog er Therese an seine Brust, und erklärte ihr den gan­zen Zusammenhang — daß er ihr Onkel sey, daß ihre Mut­ter aus Liebe zu einem Gardeoffizier das elterliche Haus verlassen und man ungeachtet aller Nachforschungen seit­her nie etwas von ihr gehört habe — daß sie wahrschein­lich von seiner Gegenwart in der Scadt nichts gewußt weil sie keine Hilfe bei ihm gesucht u. s. w. Der geneigte Leser kann sich den Schluß der Erzäh­lung selbst machen. Heinrich war zu beliebt und geach­tet, sein Brotherr, Grünling , alle Bekannte gaben ihm das vortheilhafteste Zeugniß auch in Beziehung auf seine Geschicklichkeit, daß Wil l mann alles Uebrige, was wir bereits wissen, mit eingerechnet, ihm um so weniger seine Nichte verweigern konnte. Grünlin g sprach — das hatte er sich durchaus nicht nehmen lassen—nach vier Wochen richtig sein Amen bei der Trauung, und tanzte, seinen Wadenkrampf vergessend, recht herzhaft seinen Reigen mit der jetzt so glücklichen Therese. Apfel und Thaler. Erzählung «on Joseph Buchenhoin. (Fälschung.) Hinter dem Ofen? wiederholte der Vater, die Bemer­kung seiner Frau absichtlich übergehend, und schüttelte ver­wundert sein Haupt, daß die zu beiden Seiten herabhän­genden, weißen Lockenhaare hin und her schwankten. Ja ! bekräftigte die Thürmerin, dem Anscheine nach über die Ungläubigkeit ihres Mannes triumphirend. Anton! komm heraus, daß dich der Vater sehen könne. Der Knabe kam nicht. Was machst du denn? rief die Mutter, indem sie sich rückwärts über die Lehne ihres Stuhles nach dem Win­kel, in welchem der Knabe seyn sollte, niederbog. Warum kommst du nicht, wenn ich dich rufe? Keine Antwort. Der Vater trat näher zu dem bezeichneten Platze und fand richtig den Knaben am Boden sitzend. Trotzig war sein Blick in einen Winkel geheftet, die Füsse nachlässig über einander geworfen und in seiner Hand ruhte ein kleiner Baumzweig, dessen Blätter zerrissen und gewaltsam zerrie­ben am Boden herum zerstreut lagen. Gib Antwort, wenn die Mutter dich ruft! Es erfolgte abermals kein Laut. Dieser Trotz griff schneidend in die Seele des Vaters. Er ging nach dem bekannten Mittel, welches hinter dem Spiegel aufgehoben wurde, und aufgescheucht, wie ein Reh, sprang nun der Knabe auf und kam langsam schleichend aus ^. dem Hinterhalte hervor. Sein Blick war noch immer starr am Boden, und ein Finger seiner Hand steckte in seinem 279 schweigenden Munde, während er sich mir seiner zweiten Hand träge und nachlässig gebogen an die Wand gedrückt hielt. Er zitterte am ganzen Leibe. Vater und Mutter sahen einander befremdet an! Was mag er denn wieder angestellt haben?—nahm nach einem ziemlich langen Stillschweigen der Thurmwächter das Wort. Mi t einem unbestimmten Achselzucken deutete die Mutter ihre Unwissenheit an. Bube! warum zitterst du? — rief der Vater im barschen Tone. Das Antlitz des Knaben ward bald roth, bald bleich; doch er schwieg noch immer in seiner vorigen Stellung. Wo warst du heute? rede, oder — du kennst mich — Nirgends. Nirgends? du lügst! Gingst du nicht Nachmittags mit Agnes zum Schloßchore hinaus? Wo ist sie? Ich war nicht aus dem Schlosithore, antwortete der Sohn bebend und ein schwerer Seufzer drängte sich un­willluhrlich aus seiner Brust. Und wo bleibt deine Schwester, wiederholte hastig der Vater. Ich weiß nicht, — ich sah sie gar nicht. — Agnes wird wohl irgendwo noch draußen seyn, nahm die Mutter das Wort, welcher die Raschheit ihres Mannes und die unbestimmten Antworten ihres Sohnes beinahe Angst machen wollten. Der Vater beruhigte sich, und zitternd schlich Anto n in seinen Winkel zurück. Es ward Abend; Agnes kam nicht. Die Nacht brach herein, und des Mädchens Ausbleiben schien mehr als be­ denklich zu werden, denn es war noch nicht zurückgekehrt. Man rief seinen Namen mit lauter Stimme außer den Mauern des Schlosses. Es erfolgte leine Antwort. Emsig suchte man es bei den übrigen Bewohnern im Schlosse. Umsonst! Niemand wußte etwas von dem Kinde. Der Va­ ter schalt, die Mutter weinte und heulte. Nichts half, die Tochter war verschwunden. Der nächste Morgen graute, und unermüdet trieb die Angst von Strauch zu Strauch rings durch die Gebüsche des Schloßberges die verzweifelnde Mutter. Der Schmerz war um so großer, da nun jede Hoffnung verschwunden war, die Verlorne wieder zu finden. Anton ! rief der Vater im gemilderten Tone, am andern Morgen, wo ist Agnes? Der Knabe sank bei dem Namen seiner Schwester beinahe leblos zusammen, doch sammelte er sich schnell. Dein Gesicht zeugt wider dich, sprach Ersterer strenger zu dem Bebenden. Du kennst den Aufenthalt deiner Schwester. Rede die Wahrheit, es soll dir nichts Schlimmes wider­ fahren. Aber kecker, als gestern Abends verneinte der Knabe mit einer leichten Kopfbewegung, und betheuerte, keine Kennt­ niß von seiner Schwester zu haben. Die entschiedene Sprache, Antons Jugend und d-' um die Mittagszeit am Eingangschore Wache hielt, zu welchem über den breiten Wallgraben eine Zugbrücke in das Schloß führte: daß unfern von seinem Standpunkte ein widerlicher Leichengeruch heraufsteige, welcher unerträg­lich wäre. Anfangs wollte Niemand daran glauben, doch als der Zweite, der auf diesem Posten stand, des Erster« Aus­sage bestätigte, folgte man der Spur nach. Ein Haufe Reisig und Gesträuch aller Art fand man unter der Zug­brücke. Von diesem Haufen schien sich der odiose Geruch ringsherum zu verbreiten. Man räumte das Gesträuch hin­weg, und zum allgemeinen Schrecken lag das verlorne Kind schon im hohen Grade der Verwesung unter demselben. Die rechte Schläfe des frühen Opfers war grünlich blau und trug die deutlichsten Spuren einer gewaltsamen Todes' art. Grauen und Entsetzen überfiel bei diesem Anblicke alle Anwesenden. Vater und Mutter der so frühe Verunglückten standen sprachlos da, sie hatten keine Thräne, denn ihr Schmerz grenzte an das Unendliche! Wer mag des Kindes Mörder seyn? ging nun fragend vom Mund zu Munde der Anwesenden, und Jedermann blieb die Antwort schuldig. Dem Thurmwächter zuckte es plötzlich durch Mark und Bein. Alte, lege in das Grab dein lebensmüdes Haupt, sagte er zu seiner Ehegattin, welche verzweiflungsvoll die Hände rang und gegen Himmel starrte, als wollte sie den Blitz auf des Thäters Haupt herab erstehen, wir haben keine Kinder mehr! — Er ging raschen Schrittes in seine Wohnung. Niemand wußte sich diese räthselhafte Sprache des alten Feuerwächters zu erklären. Dieser aber, in seiner Stube angelangt, ergriff seinen Sohn wehmüthig bei der Hand, führte ihn zu seinem alten Lehnstuhl, in welchen er sich ernst und schweigend nieder­ ließ, und stellte den Knaben zwischen seine Knie, Aug' gegen Aug'. Unglücklicher! was hast du gethan? — Du hast deine Schwester erschlagen! rief er demselben zu. Das Auge des Knaben, dieser klare Spiegel seines zerrütteten Innern — sank zu Boden, und ein heftiges Zittern drängle sich durch alle seine Glieder. Antworte! Ja oder Nein? — Nein! klang es bebend von den Lippen des Erbleichten. Nicht? rief der zerknirschte Vater, riß seinen Sohn» mit aller Heftigkeit in seine Arme und trug ihn eilends zu der Stelle, wo seine Tochter jämmerlich erschlagen lag. Als der Knabe sich dem traurigen Orte nahe fühlte, fing er sich mit aller Gewalt gegen den Vater zu sträuben 28V an, und hatte nicht den Muth, seinen Blick auf jene Stelle zu werfen, wo ihm die vermeint Verlorne entstellt vorge­ wiesen wurde. Die Bewohner des Schloßes, welche den leblosen Körper noch immer erstaunt umstanden, konnten dieses sonder-­ bare Treiben des Knaben sich nicht erklären, noch mehr aber wunderten sie sich, als der Feuerwächter unter gräß­ lichem Lachen eilenden Schrittes den geschlängelten Pfad zur Stadt hinab mit seinem Sohne einschlug. (Beschluß folgt.) Mein Math au eine Dichteritt. Um einen Vlumeutitel fragt' Mich jüngst mein liebes Miimmchcn» Li nun, der Roth war bald gesagt; Ich nannt' ihr! Gänseblümchen. Revue des Mannigfaltigen. I n einem Theater einer kleinen italienischen Stadt wurde die Oper: „Nomen e 6i»lisu->," mit dem 3. Akte von Vaccaj gegeben. Als Romeo gekommen, seine Klagen über Giulietta's Grab auszutonen, war das Publikum still und in aufmerksamer Rührung. Romeo nähertsich dem Sarge, hebt den Deckel herab und vergießt Thränen über die ver­lorne Geliebte. Er war mit seinem Gesang zu Ende und Giulietta sollte erwachen. Aber sie rührt sich nicht und liegt starr, wie ein wirklicher Leichnam. Der arme Romeo schlägt sich die Stirne in Verzweiflung und ruft, sich dem Sarge nähernd, mit halblauter Stimme „Nun , Signora C..." aber es erfolgt keine Antwort. Der Jüngling erblaßt, ist einer Ohnmacht nahe, die Zuschauer sind in der neugierig­sten Erwartung, was da kommen werde. Endlich Hort man ein leises Geräusch, wie von einer Person, welche schläft. Alles lauscht. Was ists? Giulietta war im Sarge einge­schlafen und schnarchte recht behaglich. Es blieb Romeo nichts übrig, als sie aus ihrem Schlummer zu rütteln. I n der Rhein- und Moselzeitung wird, von Hachen­burg im Nassau'schen aus, die Errichtung eines Denkmals für Franz Drake, der im Jahre 1Z86 zuerst die so nütz­lichen Kartoffeln aus Virginien nach Europa brachte, in Anregung gebracht. Unlängst sollen mehrere deutsche Auswanderer aus Nordamerika nach Wiesbaden zurückgekehrt seyn, die alle eine traurige Schilderung von dem mühseligen Leben und von den Entbehrungen in dem amerikanischen Paradiese machen. Nach ihrer Versicherung würden viele deutsche Einwanderer gerne in ihre Heimat zurückkehren, wenn es ihnen nicht am Gelde fehlte, doch sollen viele dahin transportirte Sträf­linge sich wohl befinden und fleißig arbeiten. Ein Kaufmann empfahl jüngst einer Dame seidenen Stoff zu einem Kleide mit folgenden Worten: „Das Kleid hält Ihnen bis in die Ewigkeit, und nachher können Sie noch eine Schürze daraus machen lassen.« Theater in Laibach Oper. Nach mehrjährigem Vermissen kam uns am !5. d. M . wilder Carl Mari« u. Webers geniale Schöpfung »der Freischütz« zu Gehör, welcher »n diesem Tage zum Vortheile der Schauspielerin und zweiten Sängerin M»d. Christian!) gegeben und am «7. wiederholet wurde. Sonderbar! es waltet hier ein eigenes Mißgeschick über diese Oper, die nun nicht gefallen will, obgleich sie vor Jahren, als sie hier ihre ersten Vorstellungen erlebte, eine enthusiastische Aufnahme gefunden. Es ist schwer zu entscheide», worin eigentlich der Grund der dermalige» Kalte für diese Oper liege, die doch diesmal, wenigstens in Vezug auf Gesang im Allqcmeinen gewiß lobenswert!,, und im Einzelnen sogar mit nie ge> horter Virtuosität ausgeführt wurde. Das Alter tann der Oper nicht nachtheilig seyn, da sie ihr Entstehen aus den neueren Dccenie» datirt; und selbst, wenn sie älter wäre, bürgt für ihr Fortlebe» die Clossicität ihres Meisters, der gerade vorzugsweise durch dieses Werk, dem die ganze Anmulh deutscher Muse, Kraft und Gediegenheit, und der bishin nie so ergreifend charaeterisirte infernalische Mysticismus innwohnet, die Palme der Unsterblichkeit errang. Ware es etwa die Verwöhnung des Publikums a» die gol»»e»kitzel,>den Südfrüchte, die demselben den Genuß der zwar minder süßen, doch gehaltvollern deutschen Erzeugnisse verleiden? Dann müßten wir die falsche Richtung aufrichtig beklagen, welche der Alles an­ tastende Geist der Zeit auch de», bisher festgestandenen, durch die einschmei­ chelnden, italienischen Melodien nicht irregemachten, deutschen Geschmacke für Einfachheit, Kraft und Gcmülhlichteit des Ausdruckes — die richtigen Grundrisse eines characterische» Tongemähldcs— gegeben. - Nach dieser Apologie der deutschen Kunst gehen wir zur Darstellung der Oper und Neurtheilung der einzelnen Leistungen über. I m Ganzen fiel die Darstellung-wie bereit« erwähnt — lobenswert!) aus, kleine Ein> zelnheite» abgerechnet, wozu z. N. das Nestrebe» des Choristen Hrn. D °­b ritz, sich z» sehr hören lassen zu wolle», wodurch zugleich dem »,!hwe„­digen Ebenmaße der Chorstimme» Lmtraa geschieht; ferner auch, daß Hr. Heutel (Max) einige Mal während der musikalische» Pausen sch«­ckcrndes Spiel mit den Coulissenbewohnern trieb, gehört. Uebrigens führte Hr. Henkel seinen Part gut durch, und wir haben Hierfalls bloß »och beizufügen, daß er wohl thun nzerde, wenn er küuflig­hin in der C. M . v. Weber'schen Musik selbst augebrachte Verzierungen unterläßt, wie dies bei der einfachen, seelenvollen Arie: »durch die Wäl­der durch die Auen« zu wünschen war. Dlle. Ed er sang »Is Agathe sehr gemüthlich, insbesondere aber trug sie d,e große, schwierige Arie im zweite» Akte recht gelungen und beifalls­würdig vor. Auch Mad. Christian,) gab das Annchen brav und befrie­digte in dieser Parthie vollkommen. Hr. Meilin a er (Caspar) wolle uns verzeihen, daß wir zuletzt erst von ihm zu sprechen kommen, Von ihm. der doch zuerst geuaxnt zu werde» Verdient, der uns in seinem Caspar ein moralisches Nild des Grauens, und zugleich ein characterMisch-musikalisches des reinen Entzückens vor­führte. Kann man wohl diesen Gesangpart, besonders das herrlich und genialvorgetragenc Trinklied und die darauffolgende Arie »Schweig! schweig!» mit mehr musikalischer Wahrheit, Energie und Declamat,°n, gepaart mit einer stets richtigen flaug - und umfangreichen Stimme, überhaupt tan» mau ih» klassischer daisteile» scheu, als Von Herr» Mellinger ? Es hat uns daher tief i» die Seele geschmerzt, daß der meisterhafte Gesang dieses Künsilels die Anerkennung nicht fand , die er doch im vollste» Maße verdic»te. Die übrigen Mitwirkenden leisteten Genugendes, so wie die Ausstat­tung der Oper zweckmäßig war. Lcden ig. Räthsel. Mein ?eib ist gebrechlich , der Kopf Von Holz, Ich habe nicht Hände, nicht Füße; Doch bin ich auf meine» Inhal t stolz, Und komm' über Neige und Flüsse. Die Steiermark ist mein Heimatland, Doch bin ich in jeden, Welttheil bekannt. Was tief in dunkler Crdenschicht Diechemische Wertstatt bereitet, Das bring' ich an's goldene Tageslicht, Das wird durch mich auf der Erde verbreitet. D u dankst mir Erquickung, Genesung und Heil, D'rum ward mir schon längst dein Beifall zu Theil. I. V. Laibach. Druck und Verlag von Joseph Blasnik.