SLOVANSKA KNJitNiCA LJUBLJANA 1834—1909 l\ 3715 Festschrift zur Feier des 75jähr. Bestandes der Kleinkinder-Bewahranstalt in Laibach 1834 = 1909 ~v Festschrift zur Feier des 75jährigen Bestandes der Kleinkinder-Bewahranstalt in Laibach gegründet am 4. November 1834. Herausgegeben von der Vereinsleitung. Verfaßt von Peter v. Radies. Im Selbstverläge der Kleinkinder-Bewahranstalt. Druck von lg. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg in Laibach. 9 M J) ty«" Vorwort IVXit stolzer Befriedigung können wir anläßlich der Feier des 75jährigen Bestandes unserer Anstalt auf die abgelaufene Zeit zurückblicken und überreichen unseren Gönnern und Freunden in dieser kleinen Schrift eine eingehende Geschichte der Kleinkinder-Bewahranstalt von ihren Anfängen bis zum heutigen Tage, in der getreulich erzählt ist von den Mühen und Sorgen früherer Generationen um das Gedeihen des Werkes, das wir fortzuführen übernommen haben. In deren Namen und in unserem eigenen danken wir allen jenen von Herzen, die es bisher ermöglichten, die Aufgaben des Vereines durchzuführen, und wie bei allen Akten der Wohltätigkeit in unserem Heimatlande ist es auch hier die Krainische Sparkasse, der in erster Linie voller Dank gebührt, denn ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen, den Bestand unserer Anstalt für alle Zukunft zu sichern, wie dies nun der Fall ist. Aber mit dem Dank müssen wir auch an alle unsere Gönner die Bitte richten, uns fernerhin ihre Unterstützung nicht versagen zu wollen, denn nicht allein erhalten wollen wir, was dahingegangene Generationen geschaffen, sondern auch weiter ausbauen im Sinne sozialer Fürsorge, die unsere Zeit immer dringender von uns fordert. So möge denn diese Festschrift unseren Freunden nicht nur ein Rückblick sein über bereits Geleistetes, sondern auch eine Anregung, wie das Bestehende weiter auszubauen sein wird, um dem Zeitgeiste jederzeit gerecht zu werden, der Möglichkeiten sind viele, die Grenzen sind lediglich durch die verfügbaren Mittel gezogen. Gerne benützen wir diese einleitenden Worte auch dazu, dem Verfasser der Festschrift, Herrn Peter v. Radies, unseren Dank abzustatten für die sorgfältige und mühevolle Sammelarbeit, der er sich unterzog, jedoch gestatteten es die Verhältnisse nicht, die ganze Arbeit ungekürzt zum Abdruck zu bringen. Wir schließen mit der neuerlichen Bitte, unserer Anstalt die bisher entgegengebrachten Sympathien, uns aber das ehrende Vertrauen, das uns zur Leitung berufen hat, freund-lichst erhalten zu wollen, damit wäre unserer so seltenen Jubelfeier der beste Inhalt gegeben. Laibach, Anfang November 1909. Die Leitung der Kleinkinder-Bewahranstalt: Florentine Rudesch Vorsteherin. Eugenie Raspi. Luitgarde Zeschko. Karl v. Hollegha. Raimund Schischkar. Max Samassa. Die Idee zur Gründung von Kinderbewahranstalten reicht bis in die Zeit des klassischen Altertums zurück. Die ersten Kindergärten in unseren heutigen Kulturstaaten entstanden im 19. Jahrhundert, und zwar am Beginne desselben vorerst in England, dessen Beispiele man dann bald in Deutschland folgte. Vom Jahre 1830 an verbreitete sich diese so segensreiche Institution auch in Österreich mehr und mehr und erfreute sich, wie alles Edle und Gute, vornehmlich der besonderen Begünstigung seitens des Herrscherhauses als auch des allgemeinen Zutrauens und der Mitwirkung der höheren Gesellschaft und dann aller Kreise der Bevölkerung. Die erste Warteanstalt in Wien entstand als k. k. Institut durch die Huld der Kaiserin Karolina Augusta mit Unterstützung des Vereines der adligen Frauen und vieler anderer Menschenfreunde; sie wurde am 4. Mai 1830 am Rennwege eröffnet. Alsbald danach entstand, um das freudige Ereignis der Geburt des Thronerben Erzherzog Franz Josef würdig durch einen Akt der Wohltätigkeit zu feiern, über Anregung treuer Wiener Bürger im August 1830 noch die zweite Wiener Bewahranstalt in der Vorstadt Margarethen. Rasch folgten diesen ersten Wiener humanitären Anstalten dieser Art solche in den Provinzen, wo sich gleichfalls edle Menschenfreunde opferwillig zusammenfanden, solche Schöpfungen ins Leben zu rufen. Gründung der Luibacher Kinderbewahranstalt 1834. Wie man in Laibach bei Gründung der Krainischen Sparkasse, dieser heutigen größten Wohltäterin des Landes Krain, der Zweitältesten der Monarchie (gegründet 1820), dem Vorbilde der Residenz bereits ein Jahr nach der Gründung der Wiener niederösterreichischen Sparkasse auf dem Fuße gefolgt, so währte es auch nicht lange, daß man sich hierorts zusammentat, gleich Wien eine Kinderbewahranstalt zu begründen. Am 24. Februar 1834 wurde eine gedruckte Einladung an die menschenfreundlichen Bewohner Laibachs hinausgegeben, in welcher zunächst darauf hingewiesen wurde, daß schon mehrfällig der Wunsch geäußert worden sei, auch hier nach dem Vorbilde größerer Städte der Monarchie eine Kleinkinderbewahranstalt zu schaffen, zu welchem Ende sich nun hier in möglichst kurzer Zeit ein Verein bilden solle. Einem handschriftlich vorliegenden Brouillon entnimmt man, daß die Zeichnung der Subskriptionslisten rasch vor sich ging und die Erhaltung der Anstalt auf zwei Jahre bald gedeckt war. Wie rege das Interesse der edelgesinnten Bewohner Laibachs an dem Zustandekommen unserer Anstalt war, bezeugt eine, wenige Wochen nach dem erfolgten Aufrufe eingeleitete Aktion des Kasinovereines, der zugunsten der Gründung eine mit einem Balle in dem Redoutengebäude verbundene Verlosung zahlreich gespendeter Gewinstgegenstände in Szene setzte. Diese Aktion hatte ein glänzendes Resultat, indem sich aus den diesfälligen Einnahmen ein namhafter reiner Überschuß zugunsten der Kinderbewahranstalt ergab. Weiters lieferte eine Subskription den Erfolg, daß an jährlichen Beiträgen 219 fl. und an Beiträgen zur Errichtung der Anstalt 811 fl. gezeichnet wurden. Der Erfolg dieser Bemühungen war, daß die Leitung des provisorischen Vereines bereits am 20. Oktober dem Publikum mitteilen konnte, daß nun die Errichtung der Anstalt gesichert sei. Es seien 1847 fl. 16 kr. K.-M. zur Verfügung und auch ein Lokal sei bereits gemietet, und zwar der erste Stock samt Garten des in der Pfarre St. Jakob gelegenen Hauses Nr. 108 der Rosengasse (jetzt Nr. 21). Nachdem alle Vorbereitungen auf das beste getroffen waren, fand die feierliche Eröffnung der Laibacher Kleinkinderbewahranstalt am 4. November 1834 zum Namensfeste Ihrer Majestät der Kaiserin statt. Das «Illyrische Blatt» der «Laibacher Zeitung» Nr. 46 vom Samstag den 15.November schreibt über diese Feierlichkeit wie folgt: «Um dieses fromme Institut auf eine würdige Weise ins Leben zu rufen, wurde um 10 Uhr in der Pfarrkirche zu St. Jakob der feierliche Gottesdienst abgehalten, wozu die (P. T.) wohltätigen Teilnehmer eingeladen waren, um Gott den Allmächtigen für die lange Erhaltung der allergnädigsten Landesmutter anzuflehen. Nebst den Eltern mit ihren zum Besuche dieses Institutes eingeschriebenen Kindern, deren Zahl sich auf 109 belief, fand sich auch eine sehr zahlreiche Versammlung ein, worunter Seine Exzellenz der Herr Landesgouverneur Baron Schmidburg samt Gemahlin, Seine fürstliche Gnaden der Herr Fürstbischof usw. nebst vielen Frauen und Herren aus allen Ständen bemerkt wurden. Nach beendigtem Gottesdienste verfügte sich die Versammlung in den Garten der Kleinkinderbewahranstalt, woselbst die Anwesenden bei dem herrlichsten Herbstwetter auf dem mit Teppichen bedeckten Rasenplatz die vorbereiteten Stühle einnahmen, um welche die Kinder mit ihren Eltern einen großen Kreis bildeten. Der k. k. Rat und Bürgermeister Hradetzky sagte nun im Namen der Armen den wohltätigen Spendern einige Worte des Dankes und empfahl dieses aufkeimende Institut dem frommen, schon oft erprobten wohltätigen Sinne der Bewohner dieser Hauptstadt. Sein Dank schloß mit dem aus der Tiefe des Herzens gesprochenen Wunsche: ,Gott erhalte lange Franz 4. November 1834: Feierliche Eröffnung der Anstalt. 1835. 39- : Namenstagsfeier Seiner Majestät. und Karoline1, ein Wunsch, welcher in allen Gemütern mit unwandelbarer Treue und inniger Anhänglichkeit widerhallte. Seine Exzellenz der Herr Landesgouverneur besahen dann in Begleitung der übrigen Anwesenden die Lokalitäten der Anstalt, wo sich bald die Kinder einfanden und unter Leitung ihres Lehrers einige kleine Beweise ihres Gehorsams und ihrer Aufmerksamkeit ablegten, welche um so mehr überraschten, als diese große Anzahl Kinder erst drei- oder viermal die Anstalt vorher besucht hatten.» Die Kinderbewahranstalt wird seit diesem feierlichen Tage von den aufgenommenen Kindern fortwährend besucht, woselbst sie nach der für solche Anstalten gebräuchlichsten Weise behandelt werden, worüber einstweilen, bis die Statuten des Vereines definitiv abgefaßt sind, der hochwürdige Herr Pfarrer von St. Jakob die Aufsicht zu führen sich herbeigelassen hat. Dieses fromme Institut steht übrigens auch dem Besuche des Publikums offen und wird insbesondere dem wohltätigen menschenfreundlichen Sinne desselben empfohlen, indem es nur dadurch seine Existenz erhalten kann. Das Namensfest Seiner Majestät des Kaisers wurde in dem neugegründeten humanitären Institute am 29. Mai in patriotischer Weise festlich begangen. Wenn in Betracht gezogen wird — sagt der Berichterstatter über diese Festlichkeit —, daß eine so große Anzahl von Kindern aus der ärmeren Volksklasse im Alter von zwei bis fünf Jahren in der kurzen Zeit von sechs Monaten so weit gebracht worden ist, daß sie solche Leistungen zwang- und harmlos machen, daß so der nützliche Keim für religiösen kindlichen Sinn, für Gehorsam, für Ordnungsliebe, für Reinlichkeit usw. in selbe gelegt wird, so spricht sich der lebhafteste Dank gegen die frommen Teilnehmer auf die lohnendste Weise von selbst durch die Tat aus und es kann mit voller Beruhigung die Hoffnung genährt werden, daß diese gemeinnützige Pflanze ihr Gedeihen durch den wohltätigen edlen Sinn der Bewohner dieser Hauptstadt auch für die Zukunft erhalten werde, wodurch es nur allein möglich wird, daß selbe zu einem früchtetragenden Baume emporwachsen könne. Nachdem der ursprünglich in 30 Paragraphen abgefaßte Beseitigung Statutenentwurf durch das Vorstandsmitglied Herrn Gu-bernialrat Wagner auf 18 Paragraphe zusammengezogen worden und diese Schlußredaktion der k. k. Landesregierung unterm 16. Dezember 1834 zur Vorlage gebracht war, erfolgte die Bestätigung dieser Statuten seitens der hohen Behörde unterm 14. August des Jahres 1835. Unter demselben Datum, 14. August, richtete der Gouverneur an die provisorische Direktion die Aufforderung, sich eine Schutzfrau zu erbitten, dann die Wahl der Funktionäre durch den Direktor vornehmen zu wollen und nach Konstituierung der neuen Direktion dem Vereine über die empfangenen Gelder und anderweitigen für die Anstalt erhaltenen Effekten Rechnung zu legen, sämtliche Akten und den allfälligen Geldrest, dann die Gerätschaften, Utensilien, überhaupt das ganze Eigentum der Anstalt mit einem ordentlichen Inventar der definitiv bestimmten Direktion zu übergeben. Man wandte sich mit der Bitte um Annahme der Stelle einer Schutzfrau an Ihre Exzellenz, die allgemein verehrte Gemahlin des Gouverneurs, Frau Magdalena Baronin Schmidburg, und man ging mit dieser Bitte nicht fehl. Ihre Exzellenz, eine Dame voll edelster Gesinnung, willfahrte dem Ansinnen der Direktion und versah die Stelle einer Schutzfrau während der Dauer ihres Wirkens für die Anstalt mit aller ihr eigenen opferwilligen Hingebung. Es mag nun, bevor wir in der Darstellung der Ereig- Ent«Einrichtung nisse weiter fortfahren, am Platze sein, über die erste de' Anstalt' Einrichtung derselben einige Details beizubringen. Erster Lehrer. Erste Wiirtcrin. Erziehungs- und Lehrplan. a6. Oktober: Definitive Auflösung; der provisoiischen Direktion. Es wurde bereits erwähnt, daß als erstes Lokal das Haus Nr. 108 in der Rosengasse gewählt wurde, in welchem der erste Stock und der Garten um den Preis von 140 (1. per Jahr gemietet worden war; die Vermieterin war Frau Katharina Helwig, bürgerliche Rauchfangkehrerswitwe. Als erster Lehrer wurde Anton Maichnitsch ernannt und wurde vor Eröffnung des Institutes nach Graz zur Informierung über die dortigen Einrichtungen geschickt. Auch wurde als Aufseherin oder Wärterin der Kinder Maria Dietrich bestellt. Als Besoldung erhielt der Lehrer in den ersten Monaten Oktober und November 1834 je 16 fl. 60 kr., doch sehen wir dieses Gehalt schon mit Dezember 1834 auf 20 fl. per Monat erhöht; die Aufseherin bezog per Monat 6 fl. 40 kr. Fragt man nach dem ersten Erziehungs- und Lehrplan der Anstalt, so gibt darauf der in den Akten des Vereines erliegende Doppelbrouillon genügenden Aufschluß. Die Grundprinzipien dieses Erziehungs- und Lehrplanes bezwecken, die Kinder im religiösen Sinne zu erziehen, ihnen insbesondere auch die Pflichten gegenüber den Eltern und den Gehorsam gegen diese, dann gegen die Vorgesetzten sowie das Betragen gegen die Nächsten beizubringen, mit einem Worte, sie zu braven und nützlichen Menschen heranzubilden. Mit Schluß des Jahres 1834 zählte die Anstalt 116 Zöglinge, 65 Knaben und 51 Mädchen, darunter nur zwei Zahlzöglinge. Die Eltern gehörten zumeist dem Arbeiterstande an, ein Teil auch der niederen Dienerklasse. Unterm 26. Oktober 1835 erfolgte die definitive Auflösung der provisorischen Direktion in einer ad hoc stattgehabten Versammlung. Dem über diese Versammlung erhaltenen Protokolle — unterzeichnet von den Herren Pochlin, Direktor, Michael Pregel, Verwalter der Deutschen Ritter- Ordenskommende, Wagner, Gubernialrat, Johann Hradetzky, Bürgermeister, v. Siccard, Gubernialrat, Johann Schlacker, Normalschuldirektor — entnimmt man vorerst, daß die Direktion als definitiv erklärt wurde und ferner, daß der bisherige Kassier Herr von Siccard die vorangeführte Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben und des Kapitalstandes vorgelegt und der Kassebestand sowie das Mobiliar und gesamte Inventar (mit Einschluß der Akten) dem Direktor eingehändigt worden war und daß beschlossen wurde, den Rechnungsrat Vet'ter zu ersuchen, die Rechnung zu revidieren. An Stelle des bisherigen Vermögensverwalters, Kassiers von Siccard, übernahm der Ökonom Herr Hohn vorläufig die Geldgebarung. Als im Jahre 1834 der Kasinoverein gegründet war, hatte sich der vorher hier bestandene Leseverein aufgelöst und in einem Schreiben aus dem Vorstande des letzteren — gezeichnet von k. k. Hofrat Grafen Welsperg und gerichtet an die oberste Schutzfrau unserer Anstalt, Exzellenz Baronin Schmidburg — wird die eben genannte Dame ersucht, die Summe von 44 fl. 33 kr. zu übernehmen, welche der Kleinkinderbewahranstalt in Laibach als von dem bestandenen Lesevereine pro 1833 erübrigte Summe zu ihrem Besten gewidmet worden sind. Auch der neugegründete Kasinoverein, der, wie wir oben gesehen haben, schon gleich bei Errichtung unseres Institutes demselben in edelmütiger Weise fördernd zur Seite war, fährt fort, dessen materielle Sorgen zu erleichtern; unterm 13. Jänner 1836 teilt die Direktion des Kasinos, gezeichnet Welsperg, mit, daß sie in ihrem Streben nebst der Förderung geselliger Vergnügungen auch zur Unterstützung gemeinnütziger Anstalten beizutragen sich veranlaßt gefunden und beschlossen habe, den Überschuß der Einnahme bei den Tombola-Unterhaltungen in der verflossenen Advent- 1834. 5. Jänner: Widmung seitens des bestandenen Lesevereines. 1836. 13. Jänner: Neuerliche Widmung des Kasinovereincs. io. August: Der Kassier des Institutes, Herr Anton Samassa, übernimmt den Kassenbestand. zeit im Betrage von 58 fl. 25 kr. K.-M. der Kinderbewahranstalt zuzuwenden. Unterm 18. Jänner richtete die Mithauseigentümerin Katharina Helwig die Mitteilung an die Direktion, daß sie den jährlichen Zins von 140 fl. auf 180 fl. zu erhöhen wünsche mit der Motivierung, daß das Quartier viel ruiniert und eine große Unruhe verursacht werde; wie wir dem unterm 5. März 1836 vereinbarten Mietverträge entnehmen, ging die Direktion auf diese Steigerung ein, welcher Vertrag die Direktion verpflichtete, für die gemieteten Lokalitäten per Jahr einen Zins von 180 fl., zahlbar in halbjährigen Raten von 90 fl., zu bezahlen. Herr Hohn führte die Geldgebarung bis zum 9. August 1836. Am 10. August übernahm dieselbe der neugewählte Kassier, Glockengießer Herr Anton Samassa. Unterm 31. Oktober legte Herr Anton Samassa als neugewählter Kassier den ersten Ausweis seiner Amtstätigkeit als solcher der Direktion vor. Der Eintritt des durch seinen humanitären Sinn sowie durch seine geschäftliche Genauigkeit und Pünktlichkeit ausgezeichneten, durch seine bürgerlichen Tugenden hervorragenden Herrn Anton Samassa, der sich in so vielen Jahrzehnten seines öffentlichen Wirkens durch seine ausdauernde, selbstlose Beteiligung an allen Unternehmungen für das Wohl seiner Mitbürger hervorragend betätigt hat, ist auch in unserer humanitären Anstalt auf das beste gekennzeichnet in der, wie der vorstehend kopierte erste Ausweis seiner Rechnungslegung als Kassier beweist, sorgfältigen, echt fachgemäßen Vorlage, die sich Zeit seiner Tätigkeit für unsere Anstalt fort auf derselben Stufe der Sorgfalt und Pünktlichkeit erhält, so daß der objektive Berichterstatter dieses seines Wirkens für die Kleinkinderbewahranstalt es konstatieren muß, daß Herr Anton Samassa an der Seite des Direktors der Anstalt fortan als das be- lebende und erhaltende Prinzip dieser so segensreichen Wohltätigkeitsanstalt unserer Stadt mitangesehen werden muß. Neben seinen Rechnungslegungen sind es auch die von Herrn Anton Samassa geführten Gestionsprotokolle, die von ihm mit ebensolcher Genauigkeit und Pünktlichkeit gesammelten, beziehungsweise bewahrten Belegstücke und anderen Aktenbestände, die uns den so vielseitig beschäftigten ausgezeichneten Fabriksherrn, Armenvater, Gemeinderat usw. usw. als einen rastlos schaffenden und wirkenden Menschen bewundern lassen und dessen Fleiß und Eifer, stets der besten Sache der Mitbürger zugewendet, sich auch in seinen, ihm auch in der Fürsorge um unsere Anstalt gefolgten Nachkommen, wie auf den anderen Gebieten des öffentlichen Lebens, ungemindert erhalten hat. Bevor wir die Chronik des Jahres 1836 schließen, müssen wir einer sehr praktischen «Tat» des Vereines der wohltätigen Damen gedenken, die darauf berechnet war, das Interesse der Bevölkerung für unser junges Institut möglichst zu steigern. Wir lesen nämlich im «Illyrischen Blatt» nachstehendes: «Öffentliche Einladung. Mit Bezug auf die im,Illyrischen Blatte* vom 13.Februar d. J. (1836) enthaltene Nachricht über das bisherige Gebaren der Kleinkinderbewahranstalt in Laibach wird zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß Montag den 28. März um 3 Uhr nachmittags im Saale der Philharmonischen Gesellschaft im Deutschen Ritter-Ordensgebäude eine öffentliche Darstellung der Methode, wie die Kleinen in dieser Anstalt behandelt, beschäftigt und unterrichtet werden, stattfinden werde. Das wohltätige Publikum von Laibach wird eingeladen, sich bei dieser Gelegenheit von Nützlichkeit und von den öffentliche Produktion der Kinder im Saale der Philharmonischen Gesellschaft. i. April 1837: Widmung der Schutzfrau Baronin Schmid-burg von der Veranstaltung einer Abendunterhaltung. 1838. Bauliche Herstellung in den Lokalitäten. Geburtstagsfeier Seiner Majestät. guten Früchten, welche diese Anstalt bereits getragen hat, die Überzeugung zu verschaffen. Mehr als Worte es vermögen, wird diese Überzeugung dem Vereine zur Erhaltung dieser Anstalt Wohltäter zuführen, die durch Unterzeichnung gütiger Beiträge ihm als Mitglieder beitreten werden. Von dem wohltätigen Frauenvereine zur Erhaltung und Leitung der Kleinkinderbewahranstalt in Laibach.» Die Schutzfrau Baronin Schmidburg betätigte sich als die eifrigste Förderin des Institutes, indem sie die Wintersaison dazu benützte, demselben außerordentliche Zuschüsse zu verschaffen. Die edle Dame veranstaltete in ihren Salons Abendunterhaltungen, welche auch vom besten Erfolge begleitet waren. Schon gleich im April 1837 übermachte der Gubernial-Expeditor Herr Pradatsch in ihrem Aufträge der Direktion unserer Anstalt die ansehnliche Summe von 146 fl. als Erträgnis einer solchen Abendunterhaltung. Unterm 29. März 1838 richtet der Kassier und Rechnungsführer Herr Anton Samassa im Aufträge der Direktion an die k. k. Bau- und Feuerlöschkommission die Bitte um Vornahme einer Besichtigung der Vereinslokalitäten, nachdem der Verein den Beschluß gefaßt habe, infolge Vergrößerung der Anzahl der die Anstalt besuchenden Kinder ein einziges Zimmer durch Abtragung zweier Abteilungsmauern herzustellen; die Bewilligung dieser Umgestaltung erfolgte sofort darauf. Am Geburtsfeste Sr. Majestät des Kaisers Ferdinand (19. April) wurden die Kinder mit Brot und Pomeranzen beteilt und hieftlr seitens der Direktion der Betrag von 13 fl. beim Kassier Herrn Samassa angewiesen. In diesem Jahre traten an unsere Anstalt aber zwei Fragen von meritorischer Bedeutung heran, nämlich die Frage nach Errichtung einer zweiten Anstalt in Laibach und die damit in einen gewissen Zusammenhang gebrachte Frage wegen vorläufiger Bestellung eines zweiten Lehrers an unserer Anstalt selbst. Diese zweite Frage, welche auch in Kürze ihre gewünschte Lösung fand, wurde von der Direktion nachdrücklich in Angriff genommen, und es erliegt in den Vereinsakten die diesbezügliche sehr interessante, an die k. k. Normalschuldirektion gerichtete wohlmotivierte Bitte. Schon eine Woche später hat die Anstalt an der Seite des Anstaltslehrers Maichnitsch bereits einen sogenannten «zubereitenden» Lehrer in der Person des Matthäus Krazhmann bestellt. Gleichwie im vorangegangenen Jahre (1837) veranstaltete Ihre Exzellenz die Oberschutzfrau Baronin Schmid-burg auch in diesem Jahre (1838) in ihren Salons eine Abendunterhaltung zugunsten der Anstalt und es wurde als Erträgnis derselben wieder ein ansehnlicher Betrag (150 fl.) an die Direktion abgeführt. Der so günstige Stand der Einnahmen war eine Folge der besonderen Rührigkeit des Kassiers Herrn Anton Samassa, der bei der Vorlage eines Abdruckes des Berichtes über das Gedeihen der Anstalt im Jahre 1837 die edlen Frauen Laibachs und die hochherzigen Förderer der guten Sache neuerlich dringendst zur Unterzeichnung freiwilliger Beiträge für das Jahr 1838 gebeten hatte. Die Subskription hatte die Summe von 339 fl. ergeben. Am 12. Dezember 1838 fand seitens der Direktion eine Versammlung statt, welche den Gegenstand der Errichtung einer zweiten Anstalt bildete, wobei der Beschluß gefaßt wurde, vorerst die Ergebnisse der bestehenden Anstalt abzuwarten, um einerseits das Bedürfnis kennen zu lernen und anderseits festzustellen, ob die diesfälligen Kosten aufzubringen sein werden. Bei dieser Versammlung spendete ein unbekannter Wohltäter 500 fl. K.-M. 1 litte an die Normalschuldirektion um Bestellung eines zweiten Lehrers. Matthäus Krazhmann zweiter Lehrer. Aufruf der Direktion, gezeichnet Anton Samassa, Kassier, enthaltend die Einladung zu neuerlichen Beiträgen. xa. Dezember: Versammlung wegen Errichtung einer zweiten Kleinkinderbewahranstalt. Hall auf der Schießstatte zugunsten der Anstalt. ökonomin des Damenkomitees. Neueinführung der Bespeisung der ärmsten Kinder ; dadurch Vergrößerung der Vereins-0 lokalitäten notwendig. 1840. Maskenball im Redoutensaale zugunsten der Anstalt. Am 11. Februar 1839 wurde durch den Handelsmann Herrn Josef Karinger ein großer Ball in den Schießstättelokalitäten arrangiert, welcher zugunsten der Anstalt ein Reinerträgnis von 419 fl. 52 kr. ergab, und seitens Ihrer Exzellenz der obersten Schutzfrau eine Tombola abgehalten, welche den Ertrag von 110 fl. lieferte. Aus diesem Jahre (1839) liegt auch eine «Verrechnung» der Gemahlin des Gubernialrates Wagner vor über die für die Kleinkinderbewahranstalt gemachten Ausgaben und Empfänge. — Frau von Wagner scheint demnach vom wohltätigen Damenkomitee als Ökonomin speziell des Komitees bestellt gewesen zu sein für Besorgung der internen Hausbedürfnisse. In mehrfacher Beziehung interessant sind aber die vom Herrn Anton Samassa dem Ausweise beigegebenen «Rechnungserläuterungen», in welchen bei den Einnahmen erstens bemerkt wird, daß die bisher unbehobenen Interessen der zwei Sparkassebüchel infolge höheren Beschlusses jährlich zu beheben und zu verwenden seien und zweitens, daß fernerhin die Rubrik: «Erlös verkaufter Arbeiten» wegzufallen habe, damit aus dem Erlöse Schuhe für die Kinder angekauft werden können, womit schon im Vorjahre Kinder beteilt worden sind. Unter den Erläuterungen bei den Ausgaben wird besonders hervorgehoben, daß infolge der Neueinführung der Bespeisung der ärmsten Kinder eine Änderung und Vergrößerung der Vereinslokalitäten abermals notwendig geworden sei, welche in der Weise durchgefiihrt wurde, daß im selben Hause Nr. 108 zur Wohnung der Wärterin seit 30. September 1839 ein Zimmer aufgenommen wurde. Die Tätigkeit des Vereines für unsere Anstalt begann im Jahre 1840 mit dem Arrangement eines Maskenballes im Redoutensaale durch den für die Interessen des Institutes unermüdlich tätigen Handelsmann Herrn Josef Karinger; für diesen Ball wurden 1313 Karten gelöst — auf dem Balle selbst erschienen 1200 Personen —, die Einnahmen betrugen samt den Überzahlungen 988 fl. 44 kr., die Unkosten 206 fl. 56 kr., so daß sich ein Reinerträgnis von 781 fl. 48 kr. ergab, für welchen Erfolg den um das Zustandekommen Bemühten gedankt wurde. In der Direktionssitzung am 18. Februar wurde über Antrag der Oberschutzfrau Exzellenz Baronin Weingarten beschlossen, dieses Reinerträgnis durch Anlegung in der Krainischen Sparkasse zu kapitalisieren. In derselben Direktionssitzung wurden dem Lehrer und der Wärterin für ihre äußerst tätige Verwendung Remunerationen bewilligt und die Wahl des Handelsmannes Herrn Ignaz Bernbacher zum Mitglied der Vereinsleitung zur Kenntnis genommen. Der in Druck gelegte Jahresbericht für das Jahr 1840 konstatiert, «daß dieses wohltätige Institut unter einsichtsvoller Leitung der Direktion und mütterlichen Aufsicht der 24 Frauen Kommittentinnen fortfährt, seinen segensreichen Zweck zu erfüllen». Die Anstalt wird, heißt es weiter, insofern ihr Raum ausreicht, fortwährend von 100 bis 130 Kindern besucht, viele der ärmsten Kinder wurden auch im Jahre 1840 durch wohltätige Spenden sowohl als durch jene Geldgeschenke, welche Besucher der Anstalt in die Sammelbüchse legen, mit Kleidung und Schuhen und bei 40 der ärmsten Kinder, besonders jene aus entlegenen Stadtteilen, während der Wintermonate zur Schonung ihrer Gesundheit mit einer einfachen Mittagskost beteilt. Auch im Jahre 1841 begann die Tätigkeit zur Beschattung außerordentlicher Einnahmen für unsere Anstalt mit dem Arrangement eines Maskenballes in dem städtischen Redoutensaale (20. Jänner), um welches Arrangement sich wieder Herr Handelsmann Josef Karinger besonders verdient machte, so daß sich ein reiner Ertrag von 263 tl. 18 kr. ergab. Das Damen-komitee besteht aus 24 Mitgliedern. 1841. Maskenball im Redoutensaale zugunsten der Anstalt. Abendunterhaltuni; im Kasino. Offert des Herrn Michael Meloni zur Unterbringung der Anstalt in seinem Hause, Floriansgasse Nr. 63, dem heutigen Anstaltsgebaude. 1842. Reihenfolge der die Anstalt inspizierenden Damen. Am 15. März fand in den von der Kasinogesellschaft zur Disposition gestellten Lokalitäten eine sehr zahlreich besuchte Abendunterhaltung statt; bei dieser Unterhaltung gelangten unentgeltlich beigestellte Gegenstände zur Verlosung und es stellte sich der Reinertrag dieser äußerst animierten Unterhaltung auf 356 fl. 46 kr. Gegen Schluß des Jahres (11. Dezember 1841) trat der damalige Besitzer des heutigen Anstaltsgebäudes Herr Michael Meloni an das Direktionsmitglied Herrn Samassa über des letzteren Anfrage mit dem Anerbietungsschreiben heran, das erste Stockwerk des Hauses Nr. 63 in der Floriansgasse samt dem zugehörigen Garten zur Unterbringung unserer Anstalt gegen eine Jahresmiete von 300 fl. zu überlassen. Für das Jahr 1842 erliegt in den Akten des Vereines ein Tableau der Reihenfolge, in welcher die Damen des Frauenvereines im Laufe des Jahres die Anstalt zu inspizieren übernommen hatten; dieser «Ausweis» über diese Reihenfolge besagt folgendes: I I I I I I t-h C4 (M d « o t> o o Maskenball zugunsten der Anstalt. Abend* Unterhaltung im Kasino. Subskription unter den Vereins-damen für die Ueteilung der ärmsten Kinder mit Schuhen im nächsten Jahre (1843)- 1843. Der Hauskauf. Vom 4. Juli bis 3. Jänner 1843 kehrte in denselben Intervallen der vorstehende Turnus wieder. Der am 26. Jänner (1842) zugunsten der Anstalt durch den Handelsmann Herrn Josef Karinger im landschaftlichen Redoutensaale veranstaltete Maskenball, der diesmal mit einer Verlosung gekaufter Gegenstände verbunden war, ergab die runde Summe von 500 fl. Eine im Laufe der Saison veranstaltete Abendunterhaltung im Kasino ergab ein Reinerträgnis von 342 fl. Unterm 20. September richtete die Direktion an die Frauen des Vereines die Einladung, am 4. Jänner des kommenden Jahres (1843) der jährlichen Verteilung der von den Mädchen der Anstalt verfertigten Strickarbeiten und der nötigen Schuhe unter die ärmsten Kleinen beizuwohnen und verband damit die Ritte, zur Sicherstellung dieser Summe eine Subskription unter sich gütigst einleiten zu wollen; auch möchten die wohltätigen Damen etwas an abgelegten Kinderkleidern beisteuern, beziehungsweise im Bekanntenkreise einsammeln. Die Subskription ergab die runde Summe von 50 fl. 30 kr. Der Beginn des Jahres 1843 brachte das wichtige Ereignis der Erwerbung eines eigenen Heims für unsere Anstalt zum gedeihlichen Abschlüsse. ln der Sitzung des Komitees der Kleinkinderbewahranstalt vom 3. Jänner 1843 wurde wegen Ankaufes des zur «exekutiven Versteigerung» gelangenden Hauses Nr. 63 (heute Nr. 27) in der St. Floriansgasse — gehörig dem Michael Meloni, geschätzt auf 4062 fl. 30 kr. — beschlossen, zur Frage: ob und in welcher Art man sich zum Ankäufe dieses Hauses einlassen solle? Stellung zu nehmen. Als vorzüglichstes Leitmotiv zum Ankäufe eines eigenen Hauses diente, daß das bisherige Lokal der Anstalt schon seit geraumer Zeit für die große Anzahl der Kinder nicht mehr genügte, weshalb viele Kinder nicht aufgenommen werden konnten und selbst die aufgenommenen keinen hinlänglichen Raum zu freier Bewegung hatten; insbesondere erwies sich der Garten (oder vielmehr Hofraum) als zu klein und ohne Schatten. Diesen Übelständen gegenüber wurde geltend gemacht, daß das in Frage stehende Haus .Nr. 63 in der Floriansgasse in jeder Beziehung als passend befunden worden sei, da es nebst einem ziemlich großen Garten hinter dem Hause so viele und geräumige Lokalitäten biete, daß die ganze Anstalt mit ihrem vollen Bedarfe im ersten Stockwerke untergebracht werden könne, der ebenerdige und der zweite Trakt aber zur Vermietung disponibel blieben; auch sei das Haus in seinen Hauptteilen in gutem Zustande und die Adaptierungskosten wären keine allzu großen. Bei der am 9. Jänner 1843 stattgehabten Lizitation wurde das Haus Nr. 63 denn auch für die Anstalt um den Preis von 6525 fl. K.-M. erstanden. Die Krainische Sparkasse, die dann im Laufe der Zeiten unsere Anstalt in ihren humanitären Bestrebungen stets mächtig gefördert und unterstützt hat, war es auch, welche der Direktion durch ihre hilfreiche Mitwirkung die Erwerbung des eigenen Heims durch ein Darlehen ermöglichte, indem sie gegen Verhypothezierung des Hauses ein Darlehen in der Höhe von 3500 fl. bewilligte. Am 19. Oktober 1843 war das Haus dem Vereine übergeben worden. Es dürfte nicht ohne Interesse sein, die Reihe der früheren Besitzer des heute der Kleinkinderbewahranstalt in Laibach gehörigen Hauses in der Floriansgasse Nr. 27 (in älteren Numerierungen Nr.63 und noch früher Nr. 123) kennen zu lernen. Als Quellen zur Eruierung dieser Übersicht dienten die Steuerbücher der Stadt Laibach von 1600 bis 1778 und weiters dann die bezüglichen Eintragungen in der krainischen Landtafel. Darlehen der Krainischen Sparkasse. 1844. Maskenball zugunsten des Institutes. Abendunterhaltung im Kasino. Als Besitzer erscheinen nach diesen Quellen: Vom Jahre 1600 bis 1618 Andre Jager, » » 1619 » 1640 Adam Roischek, » » 1640" » 1651 Bartime Hmel, » » 1651 » 1672 Adam Mertschun, Priester, » » 1673 Adam Mertschuns Erben, , » » 1674 » 1679 Friedrich Renner, Bildhauer, » » 1679 » 1682 Friedrich Renners sei. Witwe, » » 1682 Friedrich Renners sei. Erben, » » 1682 » 1689 Marcello Zerasello, Baumeister, » » 1689 » 1700 Marcello Zerasellos Erben, » » 1700 » 1719 Marcel Zerasello, » 1720 » 1763 Med. Dr. Joh. B Felber, » » 1763 » 1791 Med. Dr. Josef Knee, » » 1791 Maria Anna Knee, Witwe, > » 1791 Fräulein Cäcilia Knee, » » 1791 » 1798 Ferdinand Freiherr v. Erberg, Domherr, » » 1798 » 1805 Josef Freiherr von Erberg, » » 1805 » 1811 Matthias Perko, » » 1811 » 1827 Valentin Pegam, » » 1827 » 1843 Michael Meloni. Zu diesem Jahre ist noch zu erwähnen, daß an Stelle des nach Graz übersiedelten Herrn Gubernialrates Wagner der Herr Gubernialrat Brandstetter trat und die Herren Herrschaftsbesitzer Gallfe und der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Crobath Mitglieder des Komitees wurden. Herr Ignaz Bernbacher übernahm die Funktionen eines Ilausökonomen. Auch in diesem Jahre hatte Herr Karinger zugunsten unserer Anstalt im Redoutensaale einen Maskenball arrangiert, welcher am 15. Februar stattgefunden und wieder vom besten Erfolge begleitet war. Eine Abendunterhaltung im Kasino, wie gewöhnlich mit einem Tombolaspiele, ergab die Summe von 350 fl. 40 kr. In den Tagen der Anwesenheit der Majestäten Kaiser Ferdinand I. und der Kaiserin Maria Anna in Laibach beglückte Ihre Majestät die Kaiserin am 3. September vormittags die Kleinkinderbewahranstalt mit ihrem Besuche. Der Eingang des Gebäudes war mit Arkaden von Blumen und Reisig geschmückt. An der Treppe wurden Ihre Majestät von Ihrer Exzellenz der Gemahlin des Landesgouverneurs, Freiin von Weingarten, von den Frauen des Vereinsausschusses, von dem Gubernial-Vizepräsidenten Karl Grafen zu Welsperg und von der Direktion der Anstalt ehrfurchtsvoll empfangen und in das im ersten Stockwerke gelegene, zu dieser Feier sinnig ausgeschmückte Lokal geleitet. Daselbst angelangt, geruhten Ihre Majestät die Huldigung der Kleinen anzunehmen. Ihre Majestät geruhten längere Zeit daselbst zu verweilen, dem Unterrichte und der Prüfung der Kinder beizuwohnen und sich über die ganze Anstalt ansführlichen Bericht erstatten zu lassen. Zur bleibenden Erinnerung an diesen glücklichen Tag schrieben Ihre Majestät Dero Namen in das Fremdenbuch und obgleich heftiges Regenwetter das in dem hiezu geschmückten Garten der Anstalt vorbereitete kindliche Fest vereitelte, geruhten Ihre Majestät doch vor Ihrem Scheiden auch noch die Spielplätze und den Garten zu besichtigen und verließen sodann unter lautem Zurufe der außen versammelten Volksmenge die Anstalt, welcher Allerhöchst dieselben ein bedeutendes Geschenk anzuweisen die Gnade hatten. Ihre Majestät begleitend, beehrten auch Ihre Exzellenz die Frau Obersthofmeisterin der Kaiserin, Landgräfin von Fürstenberg, und Seine Exzellenz der Obersthofmeister Seiner Majestät, Moritz Graf Dietrichstein, dieses Institut mit Ihrer Gegenwart. Anläßlich dieses Allerhöchsten Besuches wurde an die Kaiserin Maria Anna ein vom 1. September 1844 Allerhöchster Kesuch Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Anna (3. September 1844). Spende Seiner Majestät Kaiser Ferdinands I. 1845. datiertes Promemoria in betreff der Kleinkinderbewahranstalt unterbreitet. Schon am Tage des Allerhöchsten Besuches Ihrer Majestät der Kaiserin in unserer Anstalt (am 3. September) hat Seine Majestät Kaiser Ferdinand geruht, der Kleinkinderbewahranstalt eine Unterstützung im Betrage von 300 fl. K -M. zukommen zu lassen. Infolge der Allerhöchsten Anwesenheit der Majestäten in Laibach und als Beweis der Würdigung der Verdienste, die sich die beiden Direktionsmitglieder, die Herren Bernbacher und Samassa, wie im allgemeinen um die Förderung alles Humanitären, so insbesondere um das Institut der Kleinkinderbewahranstalt erworben hatten, geruhte Seine Majestät Kaiser Ferdinand die genannten beiden Herren durch Verleihung der goldenen Ehrenmedaille auszuzeichnen. Die feierliche Überreichung der Ehrenmedaillen erfolgte am 2. Dezember 1844 durch den Kreishauptmann des Laibacher Kreises im Sitzungssaale des Rathauses. Am 10. März 1845 übergab der Laibacher Bürger Herr Handelsmann Ferdinand Schmidt («der Dorfschmidt», wie er sich von seinem Aufenthalte in Schischka selbst nannte), in gelehrten Kreisen als Naturforscher und Naturaliensammler bestbekannt, dem Bürgermeister der Stadt Laibach 100 fl. zur Anschaffung eines Sparkassebuches; das bis zum Jahre 1869 anwachsende Kapital von 200 fl. solle dann eine Art Stiftung bilden, die, in fünf Teile geteilt: zu 100 fl., 35 fl., 25 fl. und je 20 fl., an fünf Dienstmädchen zur Verteilung gelangen sollen; jedes brave Dienstmädchen sei berufen, als Preiswerberin aufzutreten, besonders aber diejenigen, die wegen Armut der Eltern ihren ersten Unterricht in der Kinderbewahranstalt genossen und sich durch ihr Wohlverhalten verdient gemacht haben, in ein Ehrenbuch verzeichnet zu werden, welches der großmütige Stifter unter einem durch den Bürgermeister unserer Anstalt übergeben ließ. Im September dieses Jahres (1845) erfreute Seine fürstliche Gnaden der hochwürdigste Fürsterzbischof von Wien, Eduard Milde, unser Institut mit seinem Besuche und spendete, hochbefriedigt von der Leitung und Einrichtung der Anstalt, dieser einen Betrag von 20 fl. K.-M. Die dem Rechnungsausweis beiliegenden Begleitworte des Kassiers Herrn Anton Samassa konstatieren dankend die bedeutende Aushilfe, welche der Kleinkinderbewahranstalt in diesem Jahre dadurch zuteil wurde, daß ein ungenannter Wohltäter in großmütigster Weise die Bestreitung des Brennholzes, der üblichen Remunerationen für das Lehrpersonal und die Ausgaben für mehrere Bauherstellungen im Hause übernommen. Die Verköstigung der ärmsten Kinder in den Wintermonaten wurde von einem ungenannt sein wollenden Wohltäter bestritten. Der von dem Sekretär des Frauenvereines Herrn Pra-datsch am Schlüsse des Jahres 1848 erstattete Jahresbericht hebt hervor, daß durch die inhaltsschweren Ereignisse dieses Jahres die Einnahmen der Anstalt im Gegenhalte zu den früheren Jahren merklich zurückgeblieben seien, allein diese Differenz sei durch das Legat des hiesigen Handelsmannes und Gutsbesitzers Herrn Seunig im Betrage von 200 fl. sowie durch das Geschenk des hier anwesend gewesenen Fürsten Miloä Obrenovic von Serbien mit 100 fl. ausgeglichen worden; anderseits verdanke die Anstalt eine bedeutende Verminderung ihrer Kosten jenem ungenannten Wohltäter, der auch diesmal wieder den größten Teil der Kosten für die Verköstigung der ärmsten Kinder bestritten. Das Jahr 1849 zeigt wieder einen erfreulichen Aufschwung in den Einnahmen, und zwar namentlich durch ein Legat des Herrn Michael Kukh, der zugunsten unseres Institutes die ansehnliche Summe von 500 fl. testierte. Ilesuch des Erzbischofs von Wien. 1846 1847. Verköstigung der ärmsten Kinder. 1848. Legat Seunig. Spende des Fürsten MiloS Obrenovid von Serbien. 1849. Legat des Herrn Michael Kukh. 1850. Tod des Direktors, Stadtpfarrers Pochlin. 1851. Stadtpfarrer Franz Hrovath, Direktor. Geschenk Ihrer Majestät der Kaiserin-Mutter. 1853. Dankgehet fiir die wunderbare Erhaltung des Lebens Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät Kaiser Franz Josefs I. Geschenk Ihrer Majestät der Kaiserin Mutter. 1854. Vermählungsfeier Seiner Majestät. Das nun folgende Jahr 1850 gestaltete sich gleich an seinem Beginne zu einem Trauerjahre für unsere Anstalt, indem derselben um diese Zeit der langjährige, unermüdet für das geistige und leibliche Wohl der Kinder tätig gewesene Direktor und Mitgründer, der hochwürdige, sich allseitiger ungeteilter Sympathien erfreuende Herr Stadtpfarrer Pochlin durch den Tod entrissen wurde. Die Einnahmen dieses Jahres erhielten durch ein Legat einen außerordentlichen Zufluß von 500 fl., welches die Handelsmannswitwe Frau Franziska Walland unserem Institute testierte. An Stelle des im Vorjahre verstorbenen Stadtpfarrers Pochlin trat als Direktor der Kleinkinderbewahranstalt bei St. Florian der Stadtpfarrer von St. Jakob, Plerr Franz Hrovath. In diesem Jahre beglückte Ihre Majestät die Kaiserin-Mutter Karolina Augusta unser Institut durch die allergnädigste Einsendung eines Geldgeschenkes im Betrage von 100 fl. Anläßlich der wunderbaren Errettung Seiner Majestät Kaiser Franz Josefs I. von dem Attentate am 18. Februar 1853 spendete eine ungenannt sein wollende Wohltäterin die Summe von 30 fl. mit der Widmung, daß alljährlich am Gedenktage von den Kindern der Anstalt ein Dankgebet gesprochen werden solle. Auch in diesem Jahre floß dem Institute ein Geschenk Ihrer Majestät der Kaiserin-Mutter Karolina Augusta im Betrage von 100 fl. zu, außerdem spendete Frau Fürstin Lobkowitz 25 fl. und testierte der Herrschafts- und Fabriks-besitzer Franz Gallü in Laibach 100 fl. Das für die Völker Österreichs hochbeglückende Ereignis der Vermählung Seiner Majestät Kaiser Franz Josefs I. mit der Prinzessin Elisabeth von Bayern, welches alle Lande unter Habsburgs Szepter mit Jubel erfüllte, wurde auch in unserer Anstalt in loyalster Weise durch eine entsprechende Feier festlich begangen. Und Laibachs getreue Bewohnerschaft, die das bedeutungsvolle dynastische Ereignis mitfeierte, gedachte in ihrem gewohnten humanitären Sinne dabei vor allem der armen Jugend in unserem Ins itute. Die Kasinogesellschaft hat nämlich aus dem Ertrage der Abendunterhaltung zur Vermählungsfeier Seiner Majestät zwei Stück krainischer Grundentlastungsobligationen zu 100 fl., zusammen 200 fl., ein Waldsteinsches Los per 20 fl. und einen Como-Rentenschein per 14 fl. Nominalwert als Elisabeth-Stiftung zugunsten unserer Anstalt gespendet. Aus gleichem Anlasse widmete der bürgerliche Schützenverein die Summe von 80 fl. Aber auch Ihre Majestät, die neuvermählte erhabene Kaiserfrau, gedachte unserer Anstalt und geruhte derselben die ansehnliche Spende von 200 fl. zukommen zu lassen. Der Rechnungsausweis für 1855 stellte sich bereits wieder günstiger als der des Vorjahres und unter den «besonderen Zuflüssen» erscheint diesmal, außer dem jährlich wiederkehrenden Beitrage des Fürstbischofes Anton Alois Wolf im Betrage von 50 fl., auch noch der namhafte Betrag von 100 fl aus Anlaß hochdessen fünfzigjährigen Priesterjubiläums am 15. Dezember 1854; weiters befinden sich darunter Legate des Dr. Max Wurzbach Edlen von Tannenberg 25 fl., der Maria Petschar 10 fl., der Frau Katharina Alton 100 fl.; die Abendunterhaltung im Kasino ergab diesmal 235 fl. Wer von den Zeitgenossen, die im Spätherbste des Jahres 1856 in den Ländern Steiermark, Kärnten oder Krain weilten, weiß nicht von dem hochbeglückenden Aufenthalte der Majestäten unseres Franz Josef I. und der unvergeßlichen Kaiserin Elisabeth in den Hauptstädten der drei Lande zu erzählen, da die Völker Innerösterreichs zum Elisabeth-Stiftung der Kasinogesellschaft. Widmung des Schützenvereines. Spende Ihrer Majestät der Kaiserin. 1855. 1856. Allerhöchster Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth. erstenmal das Glück genossen, die jugendliche, schöne Kaiserin am Arme des gleichjugendlichen ritterlichen Kaisers zu sehen und zu bejubeln. Hier haben wir des weihevollen Tages des 19. November zu gedenken, der sich auch für die Chronik unserer Anstalt als von doppelter hoher Bedeutung erwiesen. Weilte doch Ihre Majestät die Kaiserin an diesem Tage, Allerhöchst Ihrem Namenstage, in den Mauern unserer Hauptstadt. Und an diesem Tage, den die Kaiserin dem Besuche von Kirche und Schule gewidmet, erschien dieselbe auch in unserer Anstalt. Ihre Majestät fuhren aus dem Kloster der Ursulinen unmittelbar in die Kleinkinderbewahranstalt. Hier waren die Kleinen bereits früh um 8 Uhr, festlich gekleidet, in dem geräumigen, mit Girlanden, Blumen und Fahnen reich geschmückten Schullokale versammelt, wobei jedes Kind der Anstalt eine Fahne oder einen Fichtenzweig in die Hand bekam. Um 10 Uhr erschienen alle 32 Schutzdamen der Anstalt, Ihre Exzellenz Frau Gräfin Chorinsky an der Spitze, im Schulzimmer. Gegen 11 Uhr kündigte das Rollen der Wagen die Ankunft ihrer Majestät an. Ihre Exzellenz Frau Gräfin Chorinsky eilte mit den übrigen Schutzdamen der Anstalt, die hohe Herrscherin vor dem Haupteingange des Gebäudes auf das ehrerbietigste zu empfangen. Als Ihre Majestät mit einer besonders heiteren und liebevollen Miene das Schulzimmer betraten, begrüßten die Kleinen die hohe Frau mit einem herzlichen dreimaligen Vivatrufe. Gleich darauf sangen die Kleinen drei Strophen der Volkshymne; hierauf trat ein weißgekleidetes Mädchen vor und trug einen von Frau Maria von Nagy verfaßten Bewillkommnungsgruß im Namen der Kleinen vor. Ihre Majestät geruhten dann, Sich in das Gedenkbuch einzuzeichnen und erkundigten Sich über die verschiedenen Einrichtungen der Anstalt, äußerten die vollkommene Zu- friedenheit über die Leistung derselben und verließen unter dem Jubel der Kleinen die Anstalt. • Die Geburtstagsfeier Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät Kaiser Franz Josefs I. am 18. August (1857) wurde in unserer Anstalt durch ein Kinderfest feierlich begangen, bei welchem die Laibacher Gesellschaft, die Oberschutz-frau Exzellenz Gräfin Chorinsky an der Spitze, sehr zahlreich erschienen war. Aus diesem feierlichen Anlasse hielt der Direktor Hochwürden Herr Stadtpfarrer Hrovath eine festliche Ansprache, welche ob ihrer ganz vorzüglichen Fassung hier im Wortlaute wiedergegeben sei Dieselbe lautet: «Es sei mir erlaubt, in dieser aus Anlaß des Geburtsfestes Seiner Majestät unseres allergnädigsten Kaisers und Herrn Franz Josef I. hier versammelten hochansehnlichen Gesellschaft die Empfindungen meines Herzens durch einige Worte auszudrücken. Vor allem spreche ich hier vor Ihnen, hochgeborene Frau Gräfin, unsere hochverehrte Statthalterin, im Namen dieser Kleinen den herzlichsten Dank aus für die wohlgeneigte Übernahme des obersten Schutzes an dieser Anstalt und erlaube mir die Bitte, dieselbe Ihrer gnädigsten Berücksichtigung würdigen zu wollen. Sie aber, hochgeborene Frau Gräfin von Stubenberg, und auch Sie, Herr Gubernialrat, empfangen den verbindlichsten Dank dieser unschuldigen Herzen für Ihre tätige Sorgfalt und Bemühung um das Gedeihen dieser Anstalt. Groß sind Ihre aufopfernden Verdienste um dieselbe, der einstige Lohn dafür wird nicht ausbleiben. Auch Ihnen, hochverehrte gnädigste Schutzfrauen, sei hier gewidmet der herzlichste Dank für Ihre diesem Hause bisher geschenkte Liebe und Sorgfalt, und mir bleibt nur noch die Bitte übrig, auch in Zukunft Ihr liebendes Mutterherz diesen Kleinen zuwenden zu wollen. Und nun auch Sie, Herr Samassa! Seine Majestät geruhten Ihre Brust schon zum zweitenmal mit dem Zeichen 1857. Kinderfest am Geburtstage des Kaisers. Ihrer höchsten Wohlgewogenheit auszuschmücken zum Beweise, daß hinter dieser glänzenden Zierde ein warmes Herz für Recht, Pflicht und Ordnung schlägt und in seiner Treue gegen Fürsten und Vaterland auch in den schlimmsten Tagen unerschütterlich geblieben ist. Durch Ihre fernere tätige Sorgfalt und Bemühung um das Gedeihen dieser Anstalt werden Sie sich in diesen zarten Herzen ein bleibendes Denkmal der Dankbarkeit setzen und Ihre Brust mit einem Ehrenzeichen schmücken, das Ihnen bleiben wird, wenn auch das Irdische zerfallen sollte. Dank auch Ihnen! (Lehrer und Wärterin), die Sie Ihre Kräfte zur Wartung dieser Kinder widmen und sie zu rechtschaffenen, gesitteten, brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft vorbereiten. Sie vertreten durch Erfüllung dieser mit vielen Beschwerden verbundenen Gewissenspflicht Vater- und Mutterstelle bei diesen Ihnen anvertrauten Pfleglingen, und derjenige, der Kindern gebietet, Vater und Mutter zu ehren, wird auf der anderen Seite Ihre aufopfernde Liebe und Geduld belohnen. Also Dank! herzlichsten Dank! Ihnen allen für Ihre tätige Liebe und sorgfältige Bemühung, die schweren Verluste jener Verdienstvollen, die bereits aus diesem Wirkungskreise in ein besseres Jenseits abberufen wurden und nun in Frieden ruhen, zu ersetzen. Doch auch Ihnen, hochverehrte hochansehnliche Herren, die Sie uns heute mit Ihrer hohen Gegenwart beehren, um auch in diesem Familienkreise feierlich zu begehen den Tag des Geburtsfestes unseres innigstgeliebten Kaisers Franz Josef I. Wohl edel ist der Zweck Ihres hohen Besuches, denn wer sollte nicht nach dem schönen Vorbilde des göttlichen Kinderfreundes Jesus auf diese zarten Sprossen, deren Herzen ein unentweihtes Heiligtum der Unschuld und des innigsten Dankes sind, voll Liebe herabblicken! Doch drängt mich besonders die heutige Feier, Urnen für Ihre Teilnahme verbindlichst zu danken und Sie Hochansehnliche zu bitten, dieser Anstalt Ihre gnädige Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen, denn es sollte ja der Tag des Geburtsfestes unseres gnädigsten Kaisers, so wie er für jeden Untertan in diesem großen Staate wichtig ist, auch im Andenken dieser Kinder verbleiben und sie einst erinnern an die heilige Gewissenspflicht, ihm mit Liebe und unerschütterlichem Gehorsam stets ergeben zu bleiben und mit treuer Brust und kräftiger Hand seinen Thron gegen jeden zu schützen, der es frevelhaft wagen wollte, daran zu rütteln. Möge der heutige festliche Tag recht oft wiederkehren und die Herzen dieser Kleinen in der einstigen Erfüllung ihrer Pflichten gegen ihren erhabenen Monarchen — und sollten sie auch mit großen Opfern verbunden sein — schon jetzt entflammen und darin bestärken und so diese Anstalt unter Seinem höchsten Schutze und Ihrer gnädigsten Sorgfalt zu Ihrer Freude gedeihen, daß einst recht viele sagen können: Dank unsern großen edlen Wohltätern! und wie am heutigen Kinderfeste so auch stets mit warmen Herzen ausrufen werden: Gott erhalte lange, recht lange das teure Leben unseres Gnädigsten, für das wahre Wohl der Millionen seiner Untertanen so väterlich besorgten Kaisers Franz Josef I.» Leider ist uns über die Details dieses gewiß sehr schön verlaufenen Kinderfestes nichts Näheres erhalten, da die lokalen Zeitungen jener Tage über heimatliche Vorgänge sich totschwiegen und im Vereine selbst keine Chronik geführt wurde. Zur Feier des hochfreudigen Ereignisses der Geburt des Kronprinzen, Seiner k. u. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rudolf, spendete die Krainische Sparkasse’ unserer humanitären Anstalt die ansehnliche 1858. Spende der Krainischen Sparkasse ans Anlaß der Geburt des Kronprinzen. 1860. Tod des Fürstbischofs Anton Alois Wolf und Legat desselben. Franziska Gräfin Stubenberg, oberste Schutzfrau. 1862. Spende des Fürstbischofs Dr. Bartholomaus Widmer. 1863. Legate von I)r. Zwuyer und Domherrn Schlaker. 1865. Niederlegung der Stelle einer obersten Schul/ fiau seitens der Frau Gräfin Stubenberg wegen vorgerückten Alters. Summe von 200 fl., Herr Felix Marquis von Gozani de St. Georges 100 fl. und außerdem erhielt die Anstalt ein Legat von 50 fl. vom verstorbenen Handelsmann Herrn Michael Schusterschitz. Das Jahr 1860 entriß dem Vereine durch den Tod einen unermüdlich tätigen Gönner in der Person des allgemein hochverehrten Fürstbischofs Anton Alois Wolf, Exzellenz, welcher neben seinen die Interessen unserer Anstalt nach jeder Richtung hin fördernden Wohlgeneigtheiten derselben auch alljährlich die ansehnliche materielle Unterstützung von 50 fl. hatte zukommen lassen und nun ein Legat von 210 fl. ö. W. hinterließ. In diesem Jahre schied auch Ihre Exzellenz Frau Gräfin Chorinsky von der Stelle als oberste Schutzfrau unserer Anstalt und übernahm dieses Amt die durch ihre hervorragende humanitäre Betätigung allgemein gefeierte Frau Franziska Gräfin Stubenberg. Der neuernannte Fürstbischof von Laibach, Dr. Bartholomäus Widmer, spendete unserem humanitären Institute die Summe von 100 fl. Später, bis zum Rücktritte des Fürstbischofs, erscheinen die 100 (1. jährlich als «von einem Kinderfreunde * gespendet. Das Verwaltungsjahr 1863 verzeichnet zwei höhere Legate, und zwar das Legat des Advokaten Dr. Zwayer mit 142 fl. 42 kr. und des hochwiirdigen Herrn Domherrn, Direktors der k. k. Normalhauptschule und der Krainischen Sparkasse Joh. Nep. Schlaker im Betrage von 203 fl. 69 kr. Unterm 25. Dezember 1865 richtete die oberste Schutzfrau Frau Franziska Gräfin Stubenberg an den Direktor unseres Institutes, hochwürdigen Stadtpfarrer Herrn Franz Hrovath, ein Schreiben des Inhaltes, daß sie «bei überschrittenem 70. Lebensjahre und oft sich wiederholendem Unwohlsein nicht mehr in der Lage sei, das ihr anvertraute Ehrenamt einer obersten Schutzfrau persönlich weiterhin zu besorgen» und daher diese Stelle in seine Hände zurückzulegen sich gezwungen sehe, ihm sowie allen Schutzfrauen und Wohltätern den innigsten Dank ausdrückend. Daraufhin richteten die Schutzfrauen der Kleinkinderbewahranstalt an die Frau Gräfin Stubenberg das Bittschreiben, das Protektorat der Anstalt gütigst übernehmen zu wollen, mit der Motivierung, daß sie (die Schutzfrauen) sich im Hinblicke auf die Tätigkeit, die edle Fürsorge der Frau Gräfin keineswegs mit dem Gedanken vertraut machen können, diesen Namen nicht mehr zu den ihren nennen zu dürfen. Dieser Bitte der Schutzfrauen willfahrte denn Frau Gräfin Stubenberg. Dieses Jahr (1866) brachte im Status unserer Anstalt zwei wichtige Veränderungen mit sich; einmal schied der vieljährige hochverdiente Kassier und Rechnungsführer Herr Anton Samassa von dieser Stelle und auch die Stelle der Wärterin ging in andere Hände über. Während Herr Anton Samassa, der im Vorstande als Schriftführer, dann Hausadministrator und Ökonom weiter fungierte, von seinem gleichtatkräftigen Sohne Herrn Albert Samassa im mühevollsten Ehrenamte eines Kassiers und Rechnungsführers abgelöst wurde, trat an die Stelle der langjährigen Wärterin Lucia Spänger nun Marie Jane-schitz, die sich dem neuübernommenen Wirkungskreise mit gleicher Liebe wie ihre Vorgängerin fortan gewidmet hat. ln diesem Verwaltungsjahre erhielt die Anstalt zwei ansehnliche Legate ä 100 fl. von den beiden hochwürdigen Herren Domkapitularen Grisoni und Poklukar; «ein ungenannter Kinderfreund» spendete wieder 100 fl. Der am 16. Jänner 1867 in Druck erschienene, vom Kassier und Rechnungsführer Herrn Albert Samassa gezeichnete Jahresbericht konstatiert zunächst, daß die Zahl 1866. Albert Samassa Kassier und Rechnungsfiihrer. Legate der Domherren Grisoni und Poklukar. 1867. 3 Direktor Stadtpfarrer Gustav Köstl. 1868. Die Protektorin Frau Gräfin Stubenberg. Frau Antonie Haronin Codelli Vorsteherin. der die Anstalt besuchenden Kinder immer in Zunahme begriffen sei (1864 mit 134, 1865 mit 143, 1866 mit 154 nachweisbar), der tatsächlichste und erfreulichste Beweis, wie sehr die minder Bemittelten unserer Stadtbevölkerung die Wohltat der Bewahranstalt für ihre kleinen Kinder anerkennen und mit wirklichem Eifer auch benützen. In diesem Jahre war auch an Stelle des verstorbenen Stadtpfarrers Hrovath der neuernannte Stadtpfarrer von St. Jakob, Hochwürden Herr Gustav Köstl, als Direktor an die Spitze der Anstalt getreten. Der für das Jahr 1868 in Druck gegebene Rechnungsbericht konstatiert vor allem die Gemeinnützigkeit unserer Anstalt aus dem Umstande, daß sich in dem abgelaufenen Vereinsjahre 204 Kinder freiwillig angemeldet haben, von denen, wenn auch viele aus entfernteren Stadtteilen, 190 durchschnittlich die Anstalt täglich besuchten. Am 3. März hatte der Verein den schmerzlichen Verlust seiner Protektorin Frau Franziska Gräfin Stubenberg zu beklagen, die seit der Gründung der Anstalt derselben mit besonderer Vorliebe zugetan war und sie wahrhaft mütterlich überwachte, daher ihr Name auch für immer in dankbarster Erinnerung erhalten bleiben wird. An ihre Stelle trat als Vorsteherin Frau Antonie Freiin von Codelli, die in der Gesellschaft sowie bei der Bevölkerung im allgemeinen hochverehrte, geistvolle und kunstsinnige Gemahlin des Landeshauptmannes von Krain Anton Baron Codelli-Fahnenfeld, welche nun auch in der neuen Beziehung zu unserer Anstalt die bereits vorher vielgeübte Sorgfalt für dieselbe in erhöhtem Maße fortwirken ließ. Als Kommittentinnen fungierten jetzt die Damen: v. Konrad-Eybesfeld, Eis!, Janesch, Rosa Karinger, Kordin, Gräfin Leiningen, Laschan, Mahr, Fürstin Metternich, Mühleisen, Piller, Reeller, Schaffer, v. Steinfeld, Gräfin Wurmbrand, v. Wurzbach, M. Krisper. Das Jahr 1869 brachte unserer Anstalt wieder zwei Legate, und zwar von Fräulein Cäcilie Rutter mit 100 fl. und von Frau Franziska Paulitsch mit 21 fl. Der k. k. Landespräsident Freiherr Konrad v. Eybes-feld bedachte unsere Anstalt aus dem Hofrat Pflügelschen Legate für Krain mit 400 fl. und die verwandtschaftslos verstorbene Köchin Balbine Delessa testierte die Summe von 487 fl. 14 kr. Zu diesem Jahre hebt der Jahresbericht hervor, daß die seit der Gründung der Anstalt in derselben besonders tätig gewesenen, nun dahingeschiedenen Schutzfrauen Frau Franziska Laschan und Frau Johanna Galle in ihren letzwilligen Anordnungen ihre hervorragende Teilnahme an unserem humanitären Institute neuerdings bekräftigt haben, indem jede dieser allgemein verehrten Damen die Kleinkinderbewahranstalt mit einem Legate von 100 fl. bedachte. Was den Besuch der Anstalt in diesem Jahre anbelangt, so hebt der Jahresbericht besonders betonend hervor, daß von der Gesamtzahl der 161 Kinder (69 Knaben und 92 Mädchen im Alter von vier bis sechs Jahren) nur 64 Kinder der St. Jakobspfarre angehörten, also zunächst der Anstalt wohnten, und die weit größere Anzahl der Kinder (97) aus weiterer Entfernung dieselbe besuchten, was wohl neuerdings den erfreulichen Beweis erbrachte, daß unsere Bewahranstalt mit der geregelten Beschäftigung und Aufsicht noch nicht schulpflichtiger Kinder sich eben in den niederen Schichten der ganzen Stadtbevöikerung als eine hinlänglich gewürdigte Wohltat eingelebt habe. Dieses Jahr brachte unserer Anstalt wieder zwei größere Legate: der Josefa Ilelwig im Betrage von 100 fl. und der Anna Mulle mit 50 fl. Über Aufforderung der k. k. Landesregierung lieferte Herr Anton Samassä zum Zwecke der Wiener Weltaus- 3* 1869. 1870. Aus dem Pflügelschen Legat der Halbine Delessa. 1871. Legate der Frau Franziska Laschan lind der Frau Johanna Galle. 1873. Legate der Josefa Helwig und Anna Mulle. 1874. Votierung einer höheren Spende der Krainischen Sparkasse. Zuführung einer in Vergessenheit geratenen Widmung durch Anregung des Herrn Anton Samassa. 1875. Änderung des Schulschlusses, doch Beibehaltung der alten Ferienordnung. 1876. 1877. Stellung des Jahres 1873 eine Beschreibung der Kleinkinderbewahranstalt in Laibach. Die Generalversammlung des Vereines der Krainischen Sparkasse votierte am 19. Februar (1874) in der großmütigsten Weise für die Erhaltung der Laibacher Kleinkinderbewahranstalt den weiteren Betrag von 200 fl und außerdem noch 50 fl. für die im Vorjahre stattgefundene Weihnachtsbeteilung. Unterm 8. August (1874) fertigte der Schriftführer Herr Anton Samassa ein «Promemoria» in betreff einer in Vergessenheit geraten gewesenen und von ihm neu angeregten Widmung aus einem Fallimentsprozesse der hiesigen Firma L. C. Luckmann gegen einen gewissen J. Löscher in Linz. Den gefälligen Bemühungen des Herrn Dr. Josef Suppan ist es gelungen, trotz allen Mangels der Behelfe den Anspruch auf Zahlung dieses der Verjährung entgegensehenden Guthabens, und zwar im Vergleichswege der halben Zahlung, durchzusetzen. In diesem Jahre wurde in Übereinstimmung mit dem Schulschlusse der Volksschulen auch die alljährliche Schließung der Kleinkinderbewahranstalt mit Ende Juli durch Direktionsbeschluß festgesetzt, doch wurde abweichend von der Fixierung der Sommerferien an den Volksschulen (15. September) bei der Kleinkinderbewahranstalt die Beibehaltung der alten Ordnung (zwei Monate Ferien) beschlossen. Die Krainische Sparkasse spendete auch in diesem Jahre wieder die erhöhte Summe von 200 fl. und für die Weihnachtsfeier von 1875 nachträglich noch 100 fl. Ein ansehnliches Legat floß unserem Institute von Frau Jeannette Luckmann im Betrage von 200 fl. zu. Der Rechenschaftsbericht für das Jahr 1877 enthält auch diesmal an der Spitze den Dank der Direktion an alle Wohltäter, welche den weiteren Bestand der Bewahr- 1878. 1879. anstatt ermöglicht haben, worunter die namhaften Spenden des nach dem Rücktritte des Fürstbischofs Dr. Widmer neuernannten Fürstbischofs Dr. Johann Chrysostomus Pogaöar mit 100 fl., der Krainischen Sparkasse mit 200 fl. und der von den Erben des verstorbenen Herrn Michael Smolfe gewidmeten 100 fl. gebührend hervorzuheben seien. Auch in diesem Jahre spendete der Herr Fürstbischof Dr. Pogacar die ansehnliche Summe von 100 fl. Der Jahresbericht für dieses Jahr konstatiert den Stand der die Anstalt besuchenden Kinder mit 72 Knaben und 94 Mädchen, zusammen 166 Kinder aus allen Stadtteilen. Nicht unerwähnt kann die Direktion es lassen, daß der Herr Buchdruckereibesitzer Ottomar Bamberg, hier, wie sein Geschäftsvorgänger es gehalten, die Drucklegung für die Jahresrechnungen als auch aller sonstigen Vereinskundmachungen unentgeltlich zu besorgen die Güte hatte. Nachdem schon im Oktober 1879 wegen langwieriger Erkrankung der Lehrerin Maria Janeschitsch als Wärterin probeweise Johanna Hubmayer bestellt worden war und als solche ganz zufriedenstellend gewirkt hatte, so wurde beschlossen, dieselbe auch weiterhin in solcher Stellung zu belassen, da namentlich die Überwachung der Kinder und der Arbeitsunterricht nach den Grundsätzen der Kindergärten auf 20 Kinder schon eine Wärterin vorschreiben. In diesem Jahre verlor die Anstalt ihren Direktor, Stadtpfarrer Gustav Köstel, durch den Tod, was allgemein auf das tiefste betrauert wurde. An dessen Stelle trat der als solcher unermüdlich tätige, in allen Kreisen seiner Pfarr-gemeinde verehrte Herr Kanonikus Stadtpfarrer Johann Johann Rommn. 1881. Direktor Stadtpfarrer Köstl fi an dessen Stelle, tritt Kanonikus Stadtpfarrer Rozman. In der Sitzung der Direktion am 20. September wurde beschlossen, an Stelle der mit Ende des Schuljahres freiwillig resignierten Lehrerin Maria Janeschitsch P’räulein Anna Freiwillige Resignation der kranken Lehrerin Janeschitsch. Ernennung der Lehrerin Fräulein Anna Hermann. Legat des Herrn Josef Häuften. 1882. 1883. Allerhöchster Hesuch Seiner Majestät Kaiser Franz Josefs I. Hermann, welche nicht allein geprüfte Lehrerin für den Elementarunterricht war, sondern sich auch, allseitig bestens empfohlen, durch eine Reihe von Jahren in angesehenen Familien durch Erziehung kleiner Kinder ihre Existenz verschafft hatte, mit dem Schuljahr 1882 zu ernennen. In diesem Jahre floß der Anstalt auch ein Legat vom verstorbenen Herrn Josef Hauffen im Betrage von 100 fl. zu und erhielt weiters vom Landespräsidenten Herrn Andreas Baron Winkler anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers 50 fl. In diesem Jahre besuchten die Anstalt 237 Kinder; der Andrang der Kinder war ein so starker, daß mit der Be-speisung derselben jede Woche gewechselt werden mußte, dadurch wurde es möglich, statt der bisher üblichen Zahl von 60 in diesem Winter 90 Kinder zu verköstigen. Der 14. Juli 1883 wird sowohl dem Vereine selbst als auch den anwesenden Kindern ein unvergeßlicher sein, weil an diesem Tage nachmittags um 4 Uhr Seine Majestät, unser Kaiser Franz Josef I. die Anstalt mit seinem Besuche auszeichnete und nahezu eine halbe Stunde darin verweilte. Die Anstalt hatte schon seit Monaten vorher alle Anstrengungen gemacht, um den geliebten Landesvater würdig empfangen zu können, es wurden Renovierungen nach innen und außen vorgenommen, um nicht hinter anderen zurückzubleiben. Als Beweis besonderer kaiserlicher Gnade darf wohl die Tatsache angesehen werden, daß Seine Majestät der Kleinkindcrbewahranstalt aus seiner Privatkasse den Betrag von 400 fl. anweisen ließen, welche reichliche Spende der Anstalt in diesem Jahre doppelt zugute kam. In diesem Jahre verlor unsere Anstalt die langjährige ausgezeichnete Vorsteherin P'rau Antonie Baronin Codelli durch Rücktritt aus Familienrücksichten; der edlen Dame, welche die Anstalt auf die gegenwärtige Stufe heben half, wurde der gebührende Dank und das lebhafte Bedauern in einer eigenen Adresse zum Ausdrucke gebracht. An ihre Stelle als Vorsteherin trat Frau Marie Baronin Wurzbach, Vorsteherin Frau welche der Anstalt bereits als eine der eifrigsten Schutz- frauen angehört hatte. Durch den Tod verlor unsere Anstalt in diesem Jahre Hcrr , Anton Samassa f. eine ihrer vorzüglichsten Stützen, den ausgezeichneten Ökonomen und Hausinspektor Herrn Anton Samassa, einen der größten Förderer unseres humanitären Institutes. Diesem vortrefflichen Menschenfreunde widmete denn auch der Rechenschaftsbericht nachstehenden schönen Nachruf: «An dieser Stelle halten wir es auch für unsere Ehrenpflicht, der großen Opferwilligkeit zu gedenken, welche der am 23. Jänner 1883 verstorbene Herr Anton Samassa jederzeit dieser Anstalt entgegenbrachte; er war durch mehr als 46 Jahre im Ausschüsse teils als Kassier und Rechnungsführer, teils als Ökonom und Hausinspektor tätig und hat überdies noch in seinem Testamente zugunsten der Kleinkinderbewahranstalt 300 fl. österr. Papierrente legiert, ein Beweis, wie sehr ihm das Wohl und Wehe der Anstalt am Herzen gelegen ist, was unter dem Zeichen größter Dankbarkeit zur Kenntnis gebracht wird.» Sein Sohn, Herr Albert Samassa, trat nun an seine Stelle und das Amt des Kassiers und Rechnungsführers übernahm Herr Richard Seemann, ein Enkel des Verstorbenen. Der Rechenschaftsbericht für dieses Jahr gibt dem innigsten Bedauern Ausdruck ob des schweren Verlustes, den die Anstalt durch den Tod ihres langjährigen Wohltäters, des hochwürdigen Herrn Fürstbischofs Dr. Pogaöar erlitten. Seine fürstliche Gnaden widmeten der Kleinkinderbewahranstalt alljährlich namhafte Beträge sowohl zur Erhaltung derselben als auch zur Veranstaltung der Christbaumfeier und zeigte durch diese großherzigen Spenden seine Mildtätigkeit in wahrhaft munifizenter Weise. 1884. Fürstbischof Dr. Johann Chrysostomus Pogadar f. 1885. Umwandlung in einen Kindergarten. Unifizierung des gesamten Vereinsvermögens zu einer einzigen Obligation. 1886. Neue Statuten, Haus- und Geschäftsordnung. Herr Max Samassa Kassier. Da von seiten der Wohltäter vielfach der Wunsch laut geworden nach Umwandlung in einen Kindergarten, und zwar mit geprüften Lehrkräften, und nachdem der Deutsche Schulverein einen solchen errichtet hatte, so wurde über Antrag des Vorstandes unserer Anstalt Herrn Prälaten Rosman in der Direktionssitzung vom 18. April ein diesbezüglicher Beschluß gefaßt und die Leitung des am l.Mai eröffneten Kindergartens dem in Graz geprüften Fräulein Karoline Witschl übertragen; als Assistentin wurde ihr ein Fräulein zugeteilt. Behufs leichterer Verwaltung des Vereinsvermögens wurde in der Direktionssitzung vom 25. April einstimmig der Beschluß gefaßt, das gesamte in Noten- und Silberrente angelegte Vereinsvermögen der Anstalt zu einer einzigen Obligation zu unifizieren und dieselbe zugunsten der Kinderbewahranstalt zu vinkulieren. Dieses Jahr ward epochemachend für unsere Anstalt, indem in der Direktionssitzung vom 29. März die auf Grundlage von Satzungen verschiedener Schwesterinstitute verfaßten und den hiesigen Verhältnissen angepaßten neuen Statuten einstimmig angenommen sowie auch die Ent-werfung einer in den neuen Statuten berührten Haus- und Geschäftsordnung beschlossen wurde. Nach 51jährigem Bestände unserer Kleinkinderbewahranstalt war hiemit die inzwischen notwendig gewordene, innerhalb zweier Jahre durchgeführte Neugestaltung derselben zu günstigem Abschlüsse gelangt. Aus der Kleinkinderbewahranstalt war jetzt ein Kindergarten geworden mit einem Lehrpersonal von drei geprüften Kindergärtnerinnen, denen alle modernen Anforderungen entsprechenden Einrichtungen und Behelfe zu Gebote stehen. Nachdem der bisherige verdienstvolle Kassier des Vereines, Herr Richard Seemann, diese Ehrenstelle nieder- Wahrung des Charakters der Anstalt als Privatanstalt. 1887. gelegt, erscheint in der Direktionssitzung vom 9 Dezember vorläufig bis zur nächsten Generalversammlung provisorisch als solcher Herr Max Samassa. In derselben Direktionssitzung wird ein namens der Laibacher Gemeindevertretung durch den Herrn Bürgermeister P. Grasselli privatim vorgebrachter Antrag, unserer Anstalt einen jährlichen Beitrag der Stadtgemeinde gegen Einräumung entsprechender Rechte und Befugnisse auf dieselbe zuwenden zu wollen, entschieden abgelehnt mit der durch den Direktor Prälaten Rosman sowie durch die Vorsteherin Baronin Wurzbach wohlmotivierten Entgegnung, daß der Charakter der Anstalt als Privatanstalt, den Intentionen der Gründer entsprechend, entschieden gewahrt bleiben müsse. Am 14. Februar fand die konstituierende Generalversammlung statt, in welcher die von der k. k. Landesregierung genehmigten neuen Statuten sowie die Hausordnung unverändert angenommen wurden. Diese Generalversammlung wählte dann in die Direktion als Vorsteherin wieder Frau Marie Baronin Wurzbach, dann die Schutzdamen Frau Jakobine Kästner und Frau Eugenie Raspi und den Herrn Stadtpfarrer Prälaten Rosman als Direktor, Herrn Albert Samassa als Ökonomen und Herrn Max Samassa als Kassier. Der vermehrte Stand der Schutzdamen in diesem Jahre sowie das tüchtige Lehrpersonal bildeten nun im Zusammenhalte mit der Reorganisation der Anstalt die sichere Gewähr für ein erhöhtes ersprießliches Wirken in derselben. ln der Direktionssitzung vom 25. Februar stellte der Kassier Herr Max Samassa den Antrag auf Anstellung eines Hausarztes, welcher in einer wöchentlichen Visite e!nes Hal,s»rz,es den Gesundheitszustand der Kinder zu untersuchen hätte. Auch Medikamente wären auf Kosten der Anstalt zu verabreichen, ebenso im Winter Lebertran zur Kur für skrofu- 1888. Antrag auf Anstellung 1889. 1890 Legat des Pfarrers J. Skerjanc, iooo fl. Rente. Legat des Herrn Leopold Zhuk, 500 fl. löse Kinder. Der Antrag fand Akklamation und wurde den Herren Albert und Max Samassa zu näherem Studium überwiesen, kam jedoch aus Mangel an entsprechenden Mitteln bis heute nicht zur Ausführung. Nachdem in der Direktionssitzung vom 14. Februar der Direktor die Mitteilung gemacht, daß die mit Direktionsbeschluß vom 9. November 1888 angeordnete Jubiläumsfeier der vierzigjährigen Regierung Kaiser Franz Josefs I. über Verfügung des Stadtmagistrates, respektive über ausdrücklichen Wunsch Seiner Majestät, unterbleiben mußte, wurde der 1. März zur Abhaltung der Generalversammlung des Vereines festgesetzt. In derselben gedachte die Vorsitzende Frau Baronin Wurzbach des Ablebens der ehemaligen Vorsteherin, der um das Institut so hochverdienten Frau Baronin Codelli, welche der Anstalt auch 214 fl. 66 kr. testierte. Die Anstalt besuchten in diesem Jahre 170 Kinder. Mittagsbeköstigung im Winter erhielten 60 Kinder, öfters auch mehr. Daß die Anzahl der die Anstalt besuchenden Kinder in diesem Jahre gegen frühere Jahre zurückgegangen erscheint, ist dem Einflüsse der neuerrichteten Kindergärten in anderen Stadtteilen zuzuschreiben, für unsere Anstalt aber ergab sich daraus ein Gewinn insofern, als bei früherer Überbiirdung der Lehrkräfte nun der Einzelerziehung mehr Sorgfalt gewidmet werden konnte, was dem Gesamterfolge des Erziehungswerkes nur zugute kommt. Dieses Jahr brachte unserer Anstalt, trotzdem ihr im Verlaufe desselben durch Spenden und Legate ansehnliche Summen zukamen — so allein vom hochwürdigen Herrn Pfarrer J. Skerjanc ein Legat von 1000 fl. in Rente und 500 fl. vom verstorbenen Herrn Leopold Zhuk —, doch nicht die Möglichkeit, gewünschte und gehoffte Ersparnisse zu machen, indem sie eben in diesem Jahre eine Reihe von dringendst nötigen Ausgaben daran hinderte. Es mußten 1891. nämlich, da sich eine Hauptmauer des Anstaltsgebäudes gesenkt hatte, umfassende Reparaturen und zudem noch die Installation der Hauswasserleitung vorgenommen werden. Bei der am 17. Februar abgehaltenen Hauptversammlung wurde an Stelle der Frau Jakobine Kästner, welche ihr Ehrenamt als Direktionsmitglied niedergelegt hatte, Frau Luitgarde Zeschko in die Direktion gewählt. Die Finanzlage dieses Jahres in unserer Anstalt war eine minder günstige, namentlich durch einen Rückgang der Sammlungsergebnisse sowie anderseits durch unabweisbare Mehrauslagen. In der Hauptversammlung dieses Jahres wurde dem lebhaften Bedauern über das Scheiden der Gemahlin des Landespräsidenten Frau Emilie Baronin Winkler Ausdruck gegeben, die dem Vereine stets warmes Interesse entgegenbrachte. An ihre Stelle trat als Schutzdame die Gemahlin des neuernannten Landespräsidenten Frau Olga Baronin Hein geborene Gräfin Apraxin. Herr Max Samassa regt die Erweiterung des zweiten Schulzimmers an und Herr Albert Samassa machte auf die Dringlichkeit einer neuen Abortanlage aufmerksam. Bei der Hauptversammlung vom 27. Februar gedachte zunächst der Vorsitzende Herr Direktor Kanonikus Rosman des Verlustes, welchen der Verein im Jahre 1892 durch den Tod der um die Anstalt so hochverdienten vieljährigen Vorsteherin Frau Marie Baronin Wurzbach, welche dem Verein die Summe von 100 fl. legierte, erlitten. In warmen Worten gedachte der Herr Vorsitzende der unermüdlichen Tätigkeit der verewigten Vorsteherin und ersuchte die Versammlung, das Andenken an dieselbe durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Sodann wurde Frau Jeannette Recher jeannetteRecher, als Vorsteherin gewählt. Vorsteherin. In den Sommermonaten wurde über Aufforderung des Vornahme ° der Erweiterung Stadtschulrates die schon vorher über Antrag des Herrn des zweiten Schulzimmers. 1893. Frau 1894. 1895. Das Anstalts* gebäude leidet großen Schaden durch die Erdbebenkatastrophe der Osternacht. Hilfe der k. k. Landesregierung. Legat des Baron Rudolf Apfaltrern. Spende des Herrn Albert Saniassa zum Gedächtnisse an seine verstorbene Gemahlin. Spende der Krainischen Sparkasse bei ihrem 75jährigen Jubiläum. Max Samassa beschlossene Erweiterung des zweiten Schulzimmers mit einem Kostenaufwande von 515 fl. 45 kr. vorgenommen. Im August 1894 erging von seiten des Stadtschulrates die Aufforderung an die Direktion, auch für das zweite Schulzimmer den modernen Anforderungen entsprechende Schulbänke anzuschaffen, worauf die Direktion im Hinweis auf die eben erst gehabten großen Kosten für die Erweiterung dieses Zimmers die Anschaffung der Schulbänke für das nächste Jahr zusicherte. Im Oktober fiel dem Institute ein nicht unerhebliches Legat von seiten des in Sittich verstorbenen pensionierten Steuereinnehmers Herrn Kaspar Peterlin im Betrage von 200 fl. zu. Die schreckliche Erdbebenkatastrophe in der Osternacht hat auch unserem Anstaltsgebäude großen Schaden zugefügt, welcher sich ziffermäßig auf 2280 fl. 49 kr. belief. Der Verein erhielt durch die hiesige k. k< Landesregierung zur Deckung dieses Schadens eine nicht rückzahlbare Unterstützung von 2000 fl.; die Herstellung des Gebäudes dauerte aber bis in den Herbst hinein und es konnte der Kindergarten erst wieder im November 1895 eröffnet werden; kaum eröffnet, mußte derselbe wegen einer Masernepidemie bis 19. Dezember wieder geschlossen bleiben. Im Juli wurde das Legat des im Jahre 1894 verstorbenen Herrn Rudolf Baron Apfaltrern, welcher der Anstalt stets ein aufrichtiger Gönner gewesen, im Betrage von 200 fl. flüssig gemacht, zu gleicher Zeit spendete Herr Albert Samassa zum Andenken an seine im Juni verstorbene Gattin Frau Anna Samassa der Anstalt 100 fl. Anläßlich des Jubiläums ihres 75 jährigen Bestandes spendete die löbliche Krainische Sparkasse unserem humanitären Institute den so ansehnlichen Betrag von 3000 fl. Im November testierte der in Graz verstorbene Kaufmann Herr Anton Spalek der Anstalt 200 fl., welche nach Ableben seiner Gattin zur Auszahlung gelangen. Bei der am 30. Jänner unter Vorsitz der Frau Jeannette Recher abgehaltenen Hauptversammlung wurde nach der Trauerkundgebung über das Ableben der vieljährigen verdienstvollen Schutzdame Frau Anna Samassa an ihre Stelle einstimmig Frau Paula Samassa gewählt. — Zu Anfang des Jahres widmete Frau Jetti Mikusch anläßlich des Ablebens ihres Gatten den Betrag von 50 fl. und die in Graz verstorbene Oberstleutnantswitwe Frau Marie von Sternfeld legierte 400 fl. in Silberrente. Von der k. k. Landesregierung wurde im Nachtrage zur Erdbebenunterstützung noch eine nicht rückzahlbare Unterstützung von 350 fl. gewährt. Einen sehr schweren Verlust erlitt der Verein durch den Tod der Vorsteherin Frau Jeannette Recher, einer wahren «Mutter der Armen» und insbesondere treuen Gönnerin unserer Anstalt, welcher sie noch im Tode gedachte durch die letztwillige Anordnung eines Legates von 200 fl. In der am 22. Februar stattgehabten Hauptversammlung wurde nach der Trauerkundgebung über das Ableben der um das Institut vielverdienten Vorsteherin Frau Jeannette Recher zur Vorsteherin Frau Florentine Rudesch gewählt. Die Firma Gustav Tönnies spendete anläßlich ihres 50 jährigen Bestandes 50 fl. Das 50jährige Regierungsjubiläum Seiner Majestät des Kaisers wurde in der Vollversammlung vom 30. November von seiten unseres Vereines durch den Beschluß der Gründung eines Pensionfonds für die Lehrerinnen unserer Anstalt — im Sinne des gefeierten Monarchen — mit einem Beitrage von 500 fl. gefeiert; demselben Zwecke widmete die Vorsteherin Frau Florentine Rudesch 100 fl. und Herr Ökonom Albert Samassa 50 fl. als Gründungsbeiträge; außerdem wurde durch Beschluß eine Sammlung unter den P. T. Schutzdamen und Gönnern eingeleitet, welche 312 fl. 50 kr. Legat des Herrn Anton Spalek. 1896. Ableben der Vorsteherin Frau Jeannette Recher. 1897. Frau Florentine Rudesch, Vorsteherin. 1898. Zur Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät Gründung des Lehrerinnen-Pensionsfonds. 1899. 1900 1902. 1903 ergab, ferner wurde noch beschlossen, diesem Fonds einen Jahresbeitrag von 60 fl. aus den laufenden Einnahmen zuzuwenden sowie die Gehalte des Lehrpersonals um je 60 fl. jährlich zu erhöhen. Von dem Erträgnis der von der Frau Olga Baronin Mein im Landestheater veranstalteten Wohltätigkeitsvor-stellungen fielen unserem Lehrerinnen-Pensionsfonds 524 fl. 25 kr. zu; für denselben Fonds trat als Gründer der Verein der löblichen Krainischen Sparkasse mit einem Betrage von 200 fl. bei, zu gleichem Zwecke spendete der Amateur-Photographenklub in Laibach 25 fl. Im Dezember hatte der Verein den Verlust der Schutzdame Frau Anna Janesch zu beklagen und ehrte deren Sohn, Herr Johann Janesch, ihr Andenken durch eine Spende von 200 K. Eine weitere außerordentliche Spende von 50 K kam unserer Anstalt von Frau Marie Der-mota zu. In der Direktionssitzung vom 23. Jänner wurden dem Kassier Herrn Max Samassa bezüglich des im Frühjahre 1901 erfolgten Ankaufes von 1000 K Notenrente die nachträgliche Genehmigung sowie zugleich die Ermächtigung erteilt, künftighin eventuelle Ersparnisse dem Pensionsfonds der Lehrerinnen zuzuführen. Die Hauptversammlung vom 30. Jänner war mit der Trauerkundgebung über das Ableben der Schutzdame Frau Sylvine Baronin Apfaltrern und der Vorlage des Rechnungsabschlusses und Voranschlages erschöpft. Die Finanzlage dieses Jahres war keine ungünstige; die k.k. Tabakregie in Wien bewilligte eine Unterstützung von 200 K für jene Kinder, deren Eltern in der hiesigen Tabak-IIauptfabrik beschäftigt sind. Nach der dem Vereine durch ein Menschenalter als Schutzdame angehörig gewesenen Frau Jakobine Supan erhielt derselbe ein Legat von 180 K für den Lehrerinnen-Pensionsfonds. In der Direktionssitzung vom 21. Jänner schlägt Herr Ökonom Albert Samassa vor, das nächste Jubiläum der Anstalt festlich zu begehen, um bei diesem Anlasse namentlich den Pensionsfonds für die Lehrerinnen durch außerordentliche Spenden zu stärken. Herr Kassier Max Samassa berichtet, daß das 75jährige Jubiläum auf das Jahr 1909 falle und erhält die Ermächtigung, mit dem Schriftsteller P. v. Radies behufs Verfassung einer Festschrift in Verbindung zu treten. In der Hauptversammlung vom 28. Jänner beglückwünscht Herr Prälat Rosman namens der Versammlung die Vorsteherin Frau Florentine Rudesch zur Allerhöchsten Auszeichnung mit dem goldenen Verdienstkreuze für ihr 40jähriges verdienstvolles Wirken im Roten-Kreuz-Vereine. Durch den Tod verlor unser Verein die Schutzdamen Fräulein Jenny Recher und Frau Grumnig; letztere testierte 360 K, der verstorbene Privatier Herr Matthäus Treun legierte 180 K, beide Legate kamen in den Pensionsfonds für Lehrerinnen. An Stelle der in Pension getretenen Leiterin des Kindergartens Fräulein Hermann wurde als solche Fräulein Albine Toman angestellt. In der Hauptversammlung dieses Jahres wurde der Legate des Fräuleins Jenny Recher mit 354 K sowie des Regierungsrates a. D. August Wurzbach von Tannenberg dankend Erwähnung getan. Beide Legate wurden dem Lehrerinnen-Pensionsfonds zugeführt. Weiters wurde dem Bedauern über das Scheiden aus Laibach der Schutzdame Frau Olga Baronin Hein, welche alle Wohltätigkeitsbestrebungen so eifrig gefördert, lebhaft Ausdruck gegeben. In der am 26. Jänner stattgehabten Hauptversammlung wurden die Gemahlin des Herrn Landespräsidenten, Frau Karla Schwarz geborene v. Ekhel, und die Gemahlin des 1904. Vorbereitungen für das 75jährige Jubiläum der Anstalt 1909. 1905. 1906. aufgelassen. 1907. Herrn Hofrates Rudolf Chorinsky, Frau Isa Gräfin Chorinsky, zu Schutzdamen gewählt. nie Direktorstelle Über Antrag des hochwürdigen Herrn Prälaten Ros-man wurde die den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr entsprechende Direktorstelle in unserem Vereine aufgelassen, da die Leitung des Vereines ausschließlich in den Händen der Vorsteherin zu liegen habe. Auch wurde der Vorstand mit der Durchführung der Satzungsänderungen betraut. Nachdem zum allgemeinen und lebhaften Bedauern Herr Ökonom Albert Samassa, welcher ununterbrochen durch 45 Jahre in hingebungsvollster, aufopferndster Art eifrigst und erfolgreich in unserem Vereine tätig gewesen, seine Stelle wegen eines Augenleidens niederzulegen sich genötigt sah, so wurde in der Hauptversammlung vom 5. Februar diese Resignation unter dem Ausdrucke des tiefsten Bedauerns und unter beredter Kundgebung des innigsten Dankes zur Kenntnis genommen Das treffliche Wirken des Herrn Albert Samassa bleibt in der Chronik unserer Anstalt für immerwährende Zeiten erhalten. An Stelle des Herrn Albert Samassa wurde der Herr von Hollegha in den Vorstand k. u. k. Oberst des Ruhestandes Karl von Hollegha zum gewählt. Ökonomen gewählt. Die Minderzahl der Kinder in der Anstalt sowie die Teuerung der Lebensmittel veranlaßte die Vorstellung, die Zahl der mit der Winterbeköstigung zu Beteilenden von 60 auf 50 herabzusetzen, wozu die Versammlung genehmigend einstimmte. Das Legat der verstorbenen Fanny Haan mit 180 K kam in den Lehrerinnen-Pensionsfonds. Die k. k.Tabakregie spendete für die Kinder ihrer Arbeiter in der hiesigen Tabak-Hauptfabrik 300 K. Von den bekannten Vorfällen im September blieb auch unsere Anstalt nicht verschont, indem die doppelsprachige Tafel an der Front des Hauses von mutwilliger Hand 1908. Äußerung der September-vorfalle. nächtlicherweile entfernt und in den Laibachfluß geworfen wurde. Dieser Vorgang scheint um so verwerflicher, als die Wohltaten des Vereines doch ausschließlich die Kinder slowenischer Eltern genießen und der Verein sich niemals von anderen als von humanitären Absichten in seinem Wirken leiten ließ. In der Hauptversammlung vom 4 März, in welcher in Stellvertretung der erkrankten Vorsteherin Frau Florentine Rudesch Herr Max Samassa den Vorsitz führte, erstattete letztgenannter den Rechenschaftsbericht für 1908 und den Voranschlag für 1909, die beide ohne Debatte genehmigt werden. Weiters berichtet derselbe über den durch die Septembervorfälle des Vorjahres hervorgerufenen Beschluß der Krainischen Sparkasse, für das laufende Jahr keine Unterstützungen zu verteilen, infolgedessen der Vorstand unseres Vereines genötigt ist, den Antrag zu stellen, vom Beginne des nächsten Schuljahres an die Zahl der aufzunehmenden Kinder auf 60 zu beschränken, die Zahl der zu beköstigenden Kinder ab nächsten 1 Dezember auf 30 herabzusetzen und ebenso bei der Weihnachtsfeier nur mehr 30 Kinder mit Schuhen zu beteilen, durch welche Einschränkungen das Auslangen mit den vorhandenen Mitteln zu erhoffen ist. Der Vorsitzende bringt weiters zur Kenntnis, daß der hochwürdige Herr Prälat Rosman aus Gesundheitsrücksichten auf eine Wiederwahl in den Vorstand verzichtet, was mit Bedauern zur Kenntnis genommen wird, worauf der Beschluß gefaßt wurde, demselben durch ein Schreiben den Dank für seine langjährige Tätigkeit im Vereine auszudrücken. Über Vorschlag des Vorsitzenden wird an seine Stelle der Direktionssekretär der Krainischen Sparkasse Herr Raimund Schischkar in den Vorstand gewählt. Leider folgte dem Rücktritt des Prälaten Rosman sehr bald schon dessen Ableben, das am 20. August 1909 erfolgte. Tief- 1909. Folgen der Septemberereignisse. betrauert von all seinen Pfarrinsassen, denen er ein wahrer Vater war, brachte auch unser Verein seine Trauer durch eine Kranzspende zum Ausdruck. * Die nachstehenden Tabellen sollen, soweit möglich, ein zusammen fassendes Bild der Vereinstätigkeit in den abgelaufenen 75Jahren geben; leider war dies nicht lückenlos durchführbar, da aus früheren Jahren Aufzeichnungen fehlen. Die Leitung der Anstalt 1834 bis 1909. Jahr Oberste Schutzfrau (später Vorsteherin) Direktor (seit 1908 auf-gelassen) Als Direktionsmitglieder wurden außerdem gewählt 1834 Exz. Magdalena Freiin von Schmidburg Stadtpfarrer Johann Chryso-stomus Pochlin Gub.-Rat Wagner Polizcidir. Sicard Bürgerm.Hradetzky Heinrich Hohn 1835 dieselbe derselbe 1836 dieselbe derselbe Anton Samassa 1837 bis 1839 dieselbe derselbe 1840 Bar. Weingartner derselbe Ignaz Bernbacher 1841 bis 1850 dieselbe derselbe 1851 dieselbe Stadtpf. Hrovath 1852 bis 1856 dieselbe derselbe 1857 Gräfin Chorinsky derselbe 1858 bis 1859 dieselbe derselbe 1860 Gräfin Stubenberg derselbe 1861 bis 1865 dieselbe derselbe Jahr Oberste Schutzfrau (später Vorsteherin) Direktor (seit 1908 aufgelassen) Als Dircktions-mitglieder wurden außerdem gewählt 1866 Gräfin Stubenberg Stadtpf. Hrovath Albert Samassa 1867 dieselbe Stadtpfarrer Köstl 1868 Freiin von Codelli derselbe 1869 bis 1880 dieselbe derselbe 1881 dieselbe Stadtpf. Rosman 1882 dieselbe derselbe 1883 Baronin Wurzbach derselbe Richard Seemann 1884 bis 1885 dieselbe derselbe 1886 dieselbe derselbe Max Samassa 1887 dieselbe derselbe F'r. Jak. Kästner Fr. Eug. Raspi 1888 bis 1890 dieselbe derselbe 1891 dieselbe derselbe Fr. Luitg. Zeschko 1892 dieselbe derselbe 1893 Fr. Jeann. Recher derselbe 1894 bis 1895 dieselbe derselbe 1896 Fr. Fl. Rudesch derselbe 1897 bis 1906 dieselbe derselbe 1907 dieselbe derselbe Oberst v. Hollegha 1908 dieselbe — Prälat Joh. Rosman 1909 dieselbe — Raim. Schischkar Besuch der Anstalt. Leider sind die Daten über den Besuch der Anstalt sehr lückenhaft, doch können wir feststellen, daß die Anzahl der Kinder gleich nach Eröffnung der Anstalt im Jahre 1834 schon 116 betrug, in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zwischen 134 bis 204 schwankte, die höchste Anzahl im Jahre 1882 mit 237 Kindern erreicht wurde, über die späteren Jahre gibt aber die nachstehende Tabelle genauen Aufschluß : Jahr Anzahl der Kinder Jahr Anzahl der Kinder Jahr Anzahl der Kinder Jahr Anzahl der Kinder 1884 190 1891 180 1898 151 1905 91 1885 156 1892 199 1899 136 1906 91 1886 159 1893 204 1900 125 1907 72 1887 194 1894 197 1901 128 1908 82 1888 175 1895 166 1902 124 1889 170 1896 168 1903 133 1890 177 1897 130 1904 106 Der auffällige Rückgang in den allerletzten Jahren hat seine Ursache in der Errichtung mehrerer städtischer Kindergärten einerseits, anderseits aber in dem Umstand, daß in unsere Anstalt nur mehr Kinder aus dem St. Jakobsviertel aufgenommen werden. Geldgebarung von 1834 bis 1909. Jahr Einnahmen Ausgaben Jahr Einnahmen Ausgaben fl. kr. fl. kr. 11. kr. fl kr. 1834 1847 16 — — 1842 4021 21 971 21 1835 1901 35 1787 9 1843 2374 26 2296 197. 1836 ? ? ? ? 1844 2673 27, 2465 38 1837 2007 4 561 37 1845 2123 527. 2119 37. 1838 2015 — 679 11 1846 1876 377. 1781 74 1839 2935 4 930 52 1847 1853 2 1737 l 1840 1064 14 974 46 1848 1625 1 1256 23 1841 3620 8 1019 43 1849 2097 57 1961 33 \ Jahr Einnahmen Ausgaben Jahr ; Einnahmen Ausgaben fl. kr. fl. kr. 11. kr. fl. kr. 1850 1429 54 1374 48 1880 2311 56 1947 39 1851 1174 16 1216 38 1881 2393 98 2071 10'/, 1852 ? ? ? 1882 2276 43'/, 1972 27 1853 1458 41’/ 4 1416 34'/, 1883 4496 93'/, 4338 13 1854 1287 37 1410 39 1884 2976 64 2658 17 1855 1364 30 1195 45 1885 6379 37 6092 81 1856 1495 54 1397 15 1886 2537 6 2128 42 1857 1621 54 1338 57 1887 2868 94 2843 63 1858 1728 35 1569 42 1888 2170 14 2166 89 1859 1266 58'n 1004 67*/lt 1889 4227 28 4125 27 1860 1654 58'/,o 1542 46 1890 3282 35 3186 30 1861 1317 36 1236 32 1891 2257 77 2177 60 1862 1286 84 1200 64 1892 2354 41 2261 89 1863 1641 — 1572 707, 1893 2539 26 2355 92 1864 1256 77 1148 42 1894 2008 82 1901 83 1865 1374 5 1267 82 1895 7723 93 7647 90 1866 1597 23 1332 95 1896 3004 89 2881 99 1867 1703 18'/, 1340 23 1897 3430 59 3315 34 1868 1759 37'/, 1661 11 1898 3288 4 3234 37 1869 1666 53'/, 1617 6 1899 3376 40 3017 4 1870 2496 7, 2334 97'/, K h K h 1871 1969 90 1926 54'/, 1900 5019 72 4502 64 1872 1629 87, 1693 49 1901 5947 60 5414 98 1873 2015 73 1969 90 1902 4834 79 4487 21 1874 2137 99 1833 597, 1903 5048 84 4577 84 1875 2208 99'/, 2052 39 1904 6237 — 6059 18 1876 2416 98'/, 2025 64'/, 1905 5858 34 5607 3 1877 2391 50 2181 89 1906 5224 83 5089 16 1878 2112 36 1881 40'/, 1907 4971 52 4827 18 1879 2204 36'/, 2010 78 1908 6561 78 6373 46