O' <9 1834 - 1909 •o ‘V ^ G) Festschrift zur Feier des 75jahrigen Bestandes der Kleinkinder-Bewahranstalt in Laibach gegriindet am 4. November 1834. Herausgegeben von der Vereinsleitung. VerfaGt von Peter v. Radics. Im Selbstverlage der Kleinkinder-Bevvahranstalt. Druck von Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg in Laibach. Vorwort. Mit stolzer Befriedigung konnen wir anlafilich der Feier des 75jahrigen Bestandes unserer Anstalt auf die abgelaufene Zeit zuriickblicken und tlberreichen unseren Gonnern und Freunden in dieser kleinen Schrift eine ein- gehende Geschichte der Kleinkinder-Bewahranstalt von ihren Anfangen bis zum heutigen Tage, in der getreulich erzahlt ist von den Muhen und Sorgen friiherer Generationen um das Gedeihen des Werkes, das wir fortzufuhren iiber- nommen haben. In deren Namen und in unserem eigenen danken wir allen jenen von Herzen, die es bisher ermog- lichten, die Aufgaben des Vereines durchzufuhren, und wie bei allen Akten der Wohltatigkeit in unserem Heimatlande ist es auch hier die Krainische Sparkasse, der in erster Linie voller Dank gebuhrt, denn oline ihre tatkraftige Unterstutzung ware es nicht moglich gevvesen, den Bestand unserer Anstalt fur alle Zukunft zu sichern, wie dies nun der Fali ist. Aber mit dem Dank mussen wir auch an alle unsere Gonner die Bitte richten, uns fernerhin ihre Unter¬ stutzung nicht versagen zu wollen, denn nicht allein er- halten wollen wir, was dahingegangene Generationen ge- schaffen, sonder-n auch weiter ausbauen im Sinne sozialer Filrsorge, die unsere Zeit immer dringender von uns fordert. So moge denn diese Festschrift unseren Freunden nicht nur ein Ruckblick sein liber bereits Geleistetes, sondern auch eine Anregung, wie das Bestehende weiter auszubauen sein wird, um dem Zeitgeiste jederzeit gerecht zu werden, der Moglichkeiten sind viele, die Grenzen sind lediglich durch die verftigbaren Mittel gezogen. Gerne beniitzen wir diese einleitenden Worte auch dazu, dem Verfasser der Festschrift, Herrn Peter v. Radics, unseren Dank abzustatten fur die sorgfaltige und muhevolle Sammelarbeit, der er sich unterzog, jedoch gestatteten es die Verhaltnisse nicht, die ganze Arbeit ungekiirzt zum Abdruck zu bringen. Wir schliefien mit der neuerlichen Bitte, unserer Anstalt die bisher entgegengebrachten Sympathien, uns aber das ehrende Vertrauen, das uns zur Leitung berufen hat, freund- lichst erhalten zu wollen, damit ware unserer so seltenen Jubelfeier der beste Inhalt gegeben. Laibach, Anfang November 1909. Die Leitung der Kleinkinder-Bewahranstalt: Florentine Rudesch Vorsteherin. Eugenie Raspi. Luitgarde Zeschko. Karl v. Hollegha. Raimund Schischkar. Max Samassa. Die Idee zur Grundung von Kinderbewahranstalten reicht bis in die Zeit des klassischen Altertums zuriick. Die ersten Kindergarten in unseren heutigen Kultur- staaten entstanden im 19. Jahrhundert, und zwar am Be- ginne desselben vorerst in England, dessen Beispiele man dann bald in Deutschland folgte. Vom Jahre 1830 an verbreitete-sich diese so segens- reiche Institution auch in Osterreich mehr und mehr und erfreute sich, wie alles Edle und Gute, vornehmlich der besonderen Begiinstigung seitens des Herrscherhauses als auch des allgemeinen Zutrauens und der Mitwirkung der hoheren Gesellschaft und dann aller Kreise der Bevolkerung. Die erste Warteanstalt in Wien entstand als k. k. Institut durch die Huld der Kaiserin Karolina Augusta mit Unter- sttltzung desVereines der adligen Frauen und vieler anderer Menschenfreunde; sie wurde am 4. Mai 1830 am Rennwege eroffnet. Alsbald danach entstand, um das freudige Ereignis der Geburt des Thronerben Erzherzog Franz Josef wiirdig durch einen Akt der Wohltatigkeit zu feiern, iiber Anregung treuer Wiener Burger im August 1830 noch die zweite Wiener Bewahranstalt in der Vorstadt Margarethen. Rasch folgten diesen ersten Wiener humanitaren An- stalten dieser Art solche in den Provinzen, wo sich gleich- falls edle Menschenfreunde opferwillig zusammenfanden, solche Schopfungen ins Leben zu rufen. 6 Griindung der Laibacher Kinderbewahr- anstalt 1834. Wie man in Laibach bei Griindung der Krainischen Sparkasse, dieser heutigen groGten Wohltaterin des Landes Krain, der zvveitaltesten der Monarchie (gegriindet 1820), dem Vorbilde der Residenz bereits ein Jahr nach der Griindung der Wiener niederosterreichischen Sparkasse auf dem FuGe gefolgt, so wahrte es auch nicht lange, daG man sich hierorts zusammentat, gleich Wien eine Kinderbewahranstalt zu begriinden. Arn 24. Februar 1834 wurde eine gedruckte Einladung an die menschenfreundlichen Bewohner Laibachs hinaus- gegeben, in weicher zunachst darauf hingewiesen wurde, daG schon mehrfallig der Wunsch geauGert worden sei, auch hier nach dem Vorbilde groGerer Stadte der Monarchie eine Kleinkinderbewahranstalt zu schafFen, zu welchem Ende sicli nun hier in moglichst-kurzer Zeit ein Verein bilden solle. Einem handschriftlich vorliegenden Brouillon entnimmt man, daG die Zeichnung der Subskriptionslisten rasch vor sich ging und die Erhaltung der Anstalt auf zwei Jahre bald gedeckt war. Wie rege das Interesse der edelgesinnten Bevvohner Laibachs an dem Zustandekommen unserer Anstalt war, bezeugt eine, wenige VVochen nach dem erfolgten Aufrufe eingeleitete Aktion des Kasinovereines, der zugunsten der Griindung eine mit einem Balle in dem Redoutengebaude verbundene Verlosung zahireich gespendeter Gewinstgegen- stande in Szene setzte. Diese Aktion hatte ein glanzendes Resul- tat, indem sich aus den diesfalligen Einnahmen ein namhafter reiner UberschuG zugunsten der Kinderbewahranstalt ergab. Weiters lieferte eine Subskription den Erfolg, daG an jahrlichen Beitragen 219 fl. und an Beitragen zur Er- richtung der Anstalt 811 fl. gezeichnet wurden. Der Erfolg dieser Bemiihungen war, daG die Leitung des provisorischen Vereines bereits am 20. Oktober dem Publikum mitteilen konnte, daG nun die Errichtung der 7 Anstalt gesichert sei. Es seien 1847 fl. 16 kr. K.-M. zur Ver- fugung und auch ein Lokal sei bereits gemietet, und zwar der erste Stock samt Garten des in der Pfarre St. Jakob gelegenen Hauses Nr. 108 der Rosengasse (jetzt Nr. 21). Nachdem alle Vorbereitungen auf das beste getroffen 4 - N ° vemb =r waren, fand die feierliche Eroffnung der Laibacher Klein- Feierliche Eroff- kinderbewahranstalt am 4. November 1834 zum Namensfeste >'»ng der Anstalt. Ihrer Majestat der Kaiserin statt. Das «Illyrische Blatt* der «Laibacher Zeitung* Nr. 46 vom Samstag den 15. November schreibt liber diese Feierlichkeit wie folgt: