M"Z tnr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordefch. ^ K. Montag am ^ . Jänner ^844. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, ,edes Mal ein halber Bogen. Der Preis des Blattes ist in Laibach ganzjährig s, halbjährig 3 fl. Durch die f. k. Post unter Couuert mit portofreier Zusendung ganzjährig 8. halbjährig 4 fl, C. M., und wird halbjährig vorausbezahlt. Ale t. l Postamter nehmen Pränumeration »n. In Laibach pranumerirt man beim Verleger »m Ra«n, Nr. ,90, im ersten Stocke. I m Winter. Oi n junges Bäumchen, dicht beschneit. Warb seiner Bürde bald befreit; Es hat den Äst so lang gerüttelt. Bis ei den Schnee herabgeschüttelt. Ein alter Baum »m gleichen Qrt Träzt doch die Last geduldig fort; Sein Stamm ist matt, und steif die Glieder, Wie brächt' er d» die Bürde nieder? — Die Jugend wirft mit leichtem Sinn Des Dasein« Müh'n und Lasten hin; Das Alter muß des Lebens Plagen Mi t ruhiger Ergebung tragen. V. Zuiner. Der St. Barbara-Schacht zu Idria. Vaterländische Sage aus dem achtzehnten Jahrhunderte. Von Josef Vuchenhain. ;un, was stehst und gaffst du so müssig und .träumend da? Mach hurtig! tummle dich! die Sonne sinkt schon hinab, und im Hause ist noch nichts geschehen. So belferte Dorfsuppans Haus­frau, Röschens Stiefmutter. Das gute Kind, welches sich zufällig etwas länger als sonst am Dorfbrunnen ver­spätet hatte, woran das langsame Gerinnen des Berg-' quelles, welcher zu dieser Zeit sehr wasserarm war, die meiste Schuld trug, mußte wie gewöhnlich zur Ziel­scheibe der stiefmütterlichen bösen Laune wie nicht selten ihrer rohen Mißhandlung dienen. Röschen, im Nonnen­kloster erzogen, eine aufgeblühte Jungfrau von 18 Jahren, vom schlanken Wüchse, rosigen Antlitze, mit rabenschwarzen Haaren, rechtfertigte ihren Namen vollkommen. Wenn sie Sonntags in ihrem gewählter« Anzüge, bescheiden und sitt­sam, aus der Pfarrkirche ging, blieben wohl manche Bursche betroffen stehen und schielten ihr nach. Es gab auch Einige, welche sich ihr zu nähern wagten, doch außer den gewöhn­lichen Gegengrüßen konnte sich Niemand eines Vorzuges der besondern Gunst bei ihr erfreuen. Daran war jedoch nicht eine angeborne Abneigung sondern nur die Furcht vor' der Stiefmutter Schuld, welche selbst geachtet sein, und auf jeden Vorzug vor ihrer Tochter den Anspruch machen' wollte. Der Vater liebte Röschen, den einzigen Sprößling seiner hingeschiedenen Ehegattin. I n dem Grade, als sich jedoch die Liebe des Vaters zu seinem einzigen Kinde mehrte, stieg auch der Haß der Stiefmutter gegen dasselbe. So kam es, daß Röschen nur wenig frohe, doch unzählig viele bittere Augenblicke im Leben zählen mußte. Eine ein­zige Zeit im Jahre war für sie von Ausnahme, die Zeit, als sie mit einigen Dienstleuten ihres Vaters auf die Berg­matten gehen, und dort bei den weidenden Lämmern ver­weilen durfte. Die Sennerhütte, auf der einsamen Berg­fiäche, war ihr ein Pallast, das grüne Laubdach der Wäl­der, ein heiliger Dom, und das Murmeln der Waldbäche Himmelsgesang. Sie in der Mitte ihrer Heerdestehend zu sehen, glaubte man eine überirdische Gestalt zu erblicken. Dieser glücklichen Zeit wegen trug auch die Arme alle Verfolgungen, und allen Haß ihrer Stiefmutter mit der größten Geduld. Eben war wieder der selige Moment ge­kommen. Mi t einigen nothwendigen Lebensmitteln beladen, betrat sie eines Morgens den steilen Pfad, und hatte das Ziel ihrer Wanderung noch vor dem Sonnenuntergänge erreicht. Sie fand bereits ihre Schlafstätte von getrockne­tem Laube in der einsamen Kammer der Sennerhütte zu­recht gemacht; das Nachtmahl, aus Milch und Butter be­stehend, wurde mit der größten Zufriedenheit verzehrt, das Nachtgebet unter dem gestirnten Himmel andachtsvoll ver­richtet, und balsamträufelnd schloß die nächtliche Ruhe das müde Augenpaar der Glücklichen zu. Mi t dem anbrechen­den Morgen war auch schon Röschen wach, und weit hin über die Schluchten verbreitete sich ihr hellklingender Mor­gengesang; der Inhalt desselben waren theils Klagen über ein verlorenes Lamm, Aufmunterung zur Weide, Lob der weiten Natur; alles so einfach und schlicht, wie es dem Alpler die Natur lehrt, auf den schön besonnten Hohen de^ heimathlichen Berge. 2 Eines Morgens bauchte es ihr, von der nachbarlichen Hohe einen Gegengesang zu vernehmen, und als ihr Auge neugierig herumschweifte, gewahrte sie einen Menschen, welcher behende die höchsten Bäume auf- und abkletterte, bald auf diesem bald auf jenem Aste verwegen hängen blieb, und mit Heller Stimme Antworten auf einige ihrer Lieder sang. Wer muß der verwegene Baumkletterer sein, und was für Interesse an meinen Liedern haben? dachte sie still­sinnend, die Finger ihrer Linken an die Stirne des gesenk­ten Köpfchens legend, und neugierig lauschend. — Eine Goldamsel ließ sich in den Zweigen .eines Baumes, von dem sinnend stehenden Mädchen nur wenig entfernt, hören. Röschen warf einen Blick nach oben. Um des Himmels willen! schrie sie auf, denn eben hatte der Wagehals einen Sprung von einem Baume auf den nebenstehenden, mit einer solchen Behendigkeit gethcm, daß 'es ihr vor den Au­gen zu schwimmen begann. Ach der Verwegene! lispelte sie leise, die Händchen an das pochende Herz legend, als wollte sie damit die unermeßliche Angst erdrücken, und starrte ängstlich nach dem Baume, in dessen Zweigen es noch immer rauschte. Ihre Angst war jedoch unnütz, denn ehe sie noch recht Athen holen konnte, saß schon der Kühne wohlerhalten in dem Gipfel, und sang mit lauter Stimme, wie ein Vogel, den die junge Brut wißbegierig belauscht. Die blökende Heerde, welche sich um Röschen drängte, mahnte daß es Mittag sei. Einen Blick noch warf sie noch dem Kühnen zu, und lief dann gegen einen Bergabhang in dessen Tiefe die klare Silberquelle rauschte. Ih r nach hüpfte lustigen Schrittes das blökende Heer. Mehrere Tage waren seit dem schon verstrichen. Der Unbekannte ließ sich weder hören noch sehen. Alle Fragen, welche Röschen rücksichtlich dieses Menschen an die ihr zunächst herum wohnenden Hirten that, wurden mit Achsel­zucken beantwortet. Ihre Neugierde war um so größer, als sie alle Morgen einen schönen Blumenstrauß auf dem Fenster ihres Schlafgemaches fand, ohne je den Geber zu bemerken. Da sich ihr Weidrecht auch über den jenseitigen Berg erstreckte, so trieb sie eines Morgens ihre Heerde da­hin. Der Waldweg lief an einer Bergabdachung zwischen jungen Kastanien, Buchen und Föhren an einer steilen hohen Felsenwand vorbei. Zwei Ulmen beschatteten die senkrecht himmelan strebende Fläche derselben. I n der Mitte war eine Oeffnung ausgehöhlt, und aus dem Innern derselben ein rings herum mit frischen Blumen bekränztes Bildniß zu schauen. Wunderbar! die Blumen ähnelten ganz jenen, die Röschen alle Morgen an ihrem Fenster zu finden pflegte. Mi t frohem Schreck warf sie unter sichtbarem Erröthen den scheuen Blick nach allen Gegenden hin, nicht ohne Furcht und doch heimlich wünschend, den Gegenstand ihrer stillen Neugierde zu erblicken; vergebens! regungslos blieb alles rings umher. Jetzt hatte sie Zeit das Bild zu betrachten. Es war so schön! I n stiller Glorie^ stand die Jungfrau. , Ihre blonden, an der Scheitel abgeheilten Haare flössen dicht über den Nacken herab. Das blaue Augenpaar lächelte ^.lebendig und zuversichtlich auf den heiligen Kelch hin, den sie Himmlische in der Hand hielt, das himmelblaue Ober­ gewand, unter welchem ein Mieder von Goldstoff sichtbar, schien in künstlichen Falten durch leise Winde von dem ver­klärten Antlitze zurückgehalten zu sein, um nicht die Selige in ihrer Andacht zu stören, und blondgelockte Engelsköpfchen, die mit ihren runden Händchen die Wolken, aufweichen die Heilige kniete, liebend und zart umfaßt hielten, lächelten so einladend entgegen, daß man nicht umhin konnte von heili­ger Rührung erfaßt vor der Hehrn nieder zu sinken. Auch Röschen sank stumm vor dem Bilde der heiligen Bar­bara nieder. Ih r schien es, daß sich das Roth auf den Wangen der Heiligen höher färbe, das Augenpaar beredeter werde, und daß sie immer milder und liebreicher ihr entge-, gen lächle. Röschen fühlte sich so leicht, so wohl, und doch kam es ihr vor, als läge eine ganze Welt auf ihren Schultern. Wie lange sie in diesem seligen Zustande ver­weilt haben mochte, wußte sie selbst nicht, nur so viel merkte Röschen, als sie von ihrer stillen Andacht aufgestanden war, daß die Sonne schon tief in Westen schwamm, es so­mit nahe an dem Abend sei. Ihre ganze Heerde aber lag in einem Kreise um sie versammelt und blickte so liebevoll und stumm beredet zu ihrer Führerin herauf, als nehme sie den innigsten Antheil an den heiligen Empfindungen derselben. (Fortsetzung folgt.) Das Benefice-Gntree. Wahres Lebensbild von Leopold Kordesch. Es war im Jahre 483s, tief in den Herbst hinein, als in einer Provinzhauptstadt Deutschlands die dort anwe­sende Schauspielergesellschaft eines Tages Halms „Grisel­dis" anoncirte und zwar zum Vortheile der Directrice selbst, die als eine talentvolle, beliebte Schauspielerin galt. Der Director hatte sich das Stück, welches gerade um jene Zeir die brillantesten Successe auf den bedeutendsten deutschen Bühnen feierte, nicht ohne ein empfindliches Opfer kommen lassen, und glaubte um so mehr damit zu reussiren, als er von mehreren seiner Theaterfreunde eigens darauf aufmerksam gemacht worden war. Die fleißigen Proben machten, daß Alles herrlich zusammen ging, und das im Stücke beschaff tigte Personale freute sich im Voraus auf die gerundete Vorstellung. Mi t einem Worte: Alles war bereit, es fehlte nichts, als — das Publikum. Leider aber schien es, daß es dabei auch richtig sein Bewenden haben werde, denn trotz der zollgroßen Lettern, womit „Griseldis " auf den Anschlagezetteln ausgezeichnet wurde und einladend auf die Vorübergehenden heruntersah, trotz des trüben, hängenden Nebelwetters war das Zuströmen der Theaterbesucher nach Eröffnung der Kasse so spärlich, so gemäßigt, daß dieses Wort eigentlich ganz seine Bedeutung verlor. Die eigentliche Ursache war indeß eine ganz unschuldige. Der thätige Theaterdirektor, erst zu dieser Stelle gelangt, beabsichtigte auch eine kleine Operngesellschaft zu engagiren, war dabei etwas zu vorschnell, hatte sich verrechnet und sah, daß ihm die Kosten bei den niedrigen Preisen der Plätze, die er nicht erhöhen durfte, ganz unerschwinglich wären. So unterblieb ein Plan, der einmal schon im Publikum zirkulirte. Genug für dasselbe, dem Direktor trotz 3 seines recht anständigen Schauspiels dies auf allen Seiten empfinden zu lassen; denn bei der jetzigen Opern-Manie will ja schon jedes Landstädtchen seine Oper haben, trotz der Hauptstadt, sei sie übrigens noch so sehr unter der Mittel­mäßigkeit. -— Doch — um auf unsere Venefice-Vorstellung zurück zu kommen — es schlug bereits 6 Uhr, es schlug ein Viertel —' die Orchestermitglieder tauchten einzeln unter dem Podi­um empor, hie und da stimmten sie schon und scharrten — umsonst! das Theater wollte sich nicht füllen — Logen leer, Parterre kahl — ein wahrer Jammer. — - Ich weiß nicht was ich denken soll! So ein Publikum ist, wie gar keines! eiferte in seiner Unthätigkeit der Kas­sier halblaut und sah mit Theilnahme auf die schöne Frau neben sich, die das Köpfchen traurig gesenkt auf ihre Hand stützte. Der Regisseur trat heran. < , Sotten wir aufziehen? Was ist zu thun? Die Zeit ist um. I n Gottes Namen! lispelte die Directrice leise, ohne aufzublicken. Gut! ich eile, die Musik soll beginnen. I n dem Augenblicke schlug es draußen halb Sieben und das Orchester schnurrte die Ouvertüre aus,„Zampa" herunter, daß die halbleeren Räume wie im Echo wieder­hallten. Daß euch die Pest! brummte unser Alte in den Bart. Brrr! fuhr ein Wagen vor. Ein feiner Herr, ele­gant costumirt, trat an die Kassenloge. Kann ich noch einen Sperrsitz erhalten? Jawohl —, befehlen vielleicht eine Loge? I n welchem Range? Gleich im ersten noch, z. B. Nro. ts. Desto besser! Hier das Enträe für heute! sprach der Fremde freundlich, nahm dem Kassier schnell Bittet und Schlüssel ab und schlüpfte über die Stiege. Kassier und Beneficiantin aber blieben sprachlos vor Erstaunen und freu­digem Schreck, denn vor ihnen lag ein Bankbillet von ZOO st. Das ist ein Engländer, oder ein Narr — oder — ich weiß nicht, was ich denk' und rede, erpektorirte sich endlich, der Kassier mit leuchtenden Augen. Verklärten Gesichtes, eine himmlische Gestalt, aus deren Blicken das belohnte Vertrauen strahlet, saß die Frau da; denn auf die Ein­nahme hatte sie mit ihrem Manne gerechnet und mußte sie auch rechnen, doch diese Ueberraschung war zu groß und unerwartet; aus den schönen Augen schoßen plötzlich Thrä­nen: Edler Mann, rief sie, dich hat Gott gesandt! Nu, nu! sind ja des Glückes wohl auch werth, das beHaupt' ich, sagte der alte Einnehmer und sah weg, um selbst Thränen zu verbergen. Die Direktrice war indessen aufgesprungen und auf die Bühne geeilt. Das Stück sollte eben beginnen. Ein Zeichen, und der Souffleur zog die Hand von der Glocke weg. Alles stürzte herbei, das Unverhoffte zu vernehmen, wozu wenige Worte, genügten. Der Direktor schloß seine Frau bewegt an's Herz. I n welcher Loge sagen Sie? scholl es von allen Sei­ten, denn die ganze Gesellschaft ehrte und liebte die junge, sanfte, anspruchlose Frau ihres Principals und gönnte das Glück ihr herzlich. I m ersten Range Nro. 18. — Ist die dritte Loge links, replizirte der heran getretene Zettelträger, denn warum? ich muß das wissen. Man drängte sich an den Vorhang, um durch die an­gebrachte Lücke hinaufzusehen. Ich sehe nichts. Ich auch nichts. Zettelträger, Sie werden,irren. (Ge­polter im Theater). Nein, Herr Direktor! aber die Loge ist wirklich leer, denn warum? sonst müßte ich doch was sehen. Wie sieht er denn aus? ging das Fragen von neuem an, Ein noch junger Mann, etwas über Dreißig — schwar­zes Haar, gutgefärbtes Gesicht — Rock und Paletot, — dunkles Gillet — Brustnadel — Uhrkette — Nichts dergleichen im ganzen Range, sprach Königin Ginevra, von der Lücke tretend. Das Toben im Parterre wurde stärker, ungestümer. , Kinder, lasset das jetzt — wir müssen anfangen, ällon» liono! auf eure Plätze — Griseldis an die Toilette, schnell! kommandirte der Direktor, seine Frau in die Garderobethür drückend, und der Souffleur klingelte. Der Vorhang nach dem ersten Akte war gefallen. Ei, das Theater sieht sich wohl an, der Kassier macht Geschäfte — brav so — Logen, Parterre — Alles passabel und wäh­rend des ersten Aktes! — Das geht ja unerwartet —, der Fremde wirkt gleichsam als Magnet! rief fröhlich die Hände reibend der Direktor. (Fortsetzung folgt.) klassischer Trost für eine eitle Häßliche. Deiner Schönheit drohet nie das Alter, Wie selbst Schiller sagt; denn sieh: ' »Was sich nie und nirgends hat begeben. Das allein veraltet nie! Moschus. Chinesische Sprichwörter. Wie das Geschrei eines Adlers, wenn er vorüber stiegt, ge, Hort wird, so bleibt der Name des Menschen nach dem Tode. Wenn auch ein Baum zehntausend Ellen hoch wäre, seine Blätter müssen dennoch fallen und zu seiner Wurzel zurückkehren. Der Tugend zu folgen, gleicht dem Erklimmen einer Höhe; dem Laster zu folgen, dem Herabstürzen in einen Abgrund. Indem wir ein Licht anzünden, suchen wir Helle, indem wir ein Buch lesen, suchen wir Vernunft; Licht, damit es erleuchte ein dunkles Zimmer; Vernunft, damit sie erleuchte das Herz des Menschen. Historische Niiekolieke. (Netteste Menagerie.) Die erste königl. Menagerie fin­det man unter Heinrich dem Ersten in England, der von 1100 bis 1135 regierte. Er hatte einen Park in Woodstok mit einer Mauer umgeben lassen, worin wilde Thiere, als Löwen, Leoparden, Luchse gehalten wurden- »Auch ein Stachelschwein war daselbst, daß auf die es vcrfolgenVtzn Hunde seine Stacheln abschoß.« So berichtet ein alter Chronist aus jener Zeit. (Erste Qper.) Die erste deutsche Oper, mit Musik von einem Deutschen, scheint in Dresden aufgeführt worden zu sein. Im Jahre 1627 wurde des Kurfürsten Georgs des Ersten 4 Schwester mit dem Landgrafen zu Hessen daselbst vermählt, und Opitzens Daphne, mit Musik vom Kapellmeister Schütze, auf­geführt. Auch Ballet e von einer regierenden Familie selbst aufge­führt , scheinen in Dresden zuerst in Aufnahme gekommen zu sein. I m Jahre 1655 wurde die Rückkehr des Kurfürsten Johan n Georgs des Ersten und sein 71. Geburtstag durch ein Ballet der Glückseligkeit gefeiert, »das von der Kurprinzessin und andern hochfürstlichen Frauen und Fräulein im steinernen Saale« vorgestellt wurde. (Erste Schauspielerin in Kupfer.) Die erste Schau­spielerin, welche die, jetzt ziemlich alltägliche Ehre hatte, von einem guten Künstler gemalt, und in Kupfer gestochen zu werden, war Chr. Henriette Koch. Als Pelopia in Atreus von Weiße wurde sie von Graf gemalt, von Bause 1770 gestochen. Die­selbe Ehre wiederfuhr ihrem Manne und Eckhof, jedoch nicht im Costum einer Rolle. (Der englische Gesandte in Marokko.) Der Kaiser von Marokko nöthigte einst den englischen Gesandten, bei einer Audienz barfuß zu stehen. Karl der Zweite, König von England, beschloß, wegen dieser Beschimpfung sich zu rächen, und übte das Nergeltungsrecht an den Gesandten von Marokko in der Art aus, daß er ihn bei einer Audienz ebenfalls barfuß empfing, und zwar auf einem marmornen Steinpflaster und an einem so außerordent­lich kalten Tage, daß der Gesandte am ganzen Leibe vor Frost zitterte, und gleich einem Kranich bald das eine, bald das andere Bein in die Höhe zog. (Gaspar Barläus), ein guter lateinischer Dichter des 16. Jahrhunderts, hatte, wie er in seinen Briefen erzählt, von seinem Vater gehört, daß Karl der Fünfte bei seinem Einzüge in Antwerpen die Rathsherren und das Volk sehr höflich gegrüßt habe, während sein Sohn Philipp, der damals ein Knabe von 10—12 Jahren war, vor Niemanden den Hut abzog. Da der Kaiser dieses bemerkte, geriet!) er so darüber in Zorn, daß er ihm in Aller Gegenwart eine Ohrfeige mit den Worten gab: »Ist das die Lebensart, die du von deinem Hofmeister lernst?« (Die wünschenden Unterthanen.) Unter den Zueig­nungen, welche König Jakob der Erste, der britische Salomo genannt, bei seiner Thronbesteigung, aus allen Provinzen seines Reichs erhielt, schloß die von Schrewbur« mit dem Wunsche: »daß Se. Majestät so lange über das Land hcerschen mögen, als Sonne, Mond und Sterne leuchten.» — »Wahrlich, sagte der Monarch zu den Deputirten, da muß ja mein Sohn einst beim Kerzcnscheine regieren.« 5 5 5 Einladung zur Pränumeration. Mit dem Jahre 1844 beginnt der 6. Jahrgang des von Hrn. Carl von Frankenstein zu Gratz, mit aller Umsicht und Sorgfalt redigirten I. Oe. Industrie- und Gewerbblattes. Da sich dieses Blatt einer ganz besondern Theilnahme, in dem Gesammt­gebicte des österr. Kaiserstaates verbreiteten zahlreichen Abonnen­tenkreise erfreut, dasselbe auch keine Kosten scheut, es immer gehaltreicher seinen Verehrern vorzuführen; so bedarf es kaum einer Erinnerung, sich zahlreich dieses Blattes versichern zu wollen, welches wöchentlich zweimal erscheint, und mit portofreier Zusen­dung halbjährig auf 3 fl. 30 kr. und ganzjährig 7 fl. C.-M. zu stehen kommt. CHarade. Meine ersten beiden klingen Oft gar hell und zaubervoll. Wenn das Lied auf Aetherschwingen Sich zum Himmel heben soll. Meine dritte bei dem Kinde Ist so reich an froher Lust, Wird so leicht zur schwarzen Sünde, Wo zu herrschen sie gewußt. Könnt das Ganze ihr nicht deuten? Sagt, was Orpheus einst erfand! Um selbst Stein und Wald zu leiten. Wo es meistert seine Hand. Dr. Rudolf Puff. Erklärung der heutigen Vilderbeigabe. (Für Jänner.) Indem wir mit den, heutigen Bilde eine Gollcrie von Landestrachten, IUyriens eroffnen, wobei wir, wie natürlich, unser Vaterland Krain zuerst berücksichtigen, glauben wir nicht nur jeden Krainer und Illyrier, sondern^ überhaupt jeden Slauenfrcund angenehm zu überraschen. Es gibt in unserm! ganzen Kaiserreiche lein Land, das in Bezug der überraschendsten Varietät der Trachten so überreich wäre, als Illyrien, und wir wagen die Behauptung aufzustellen, daß es im Durchschnitt lein Land in Europa gebe, dessen Troch» tcn auf so kleine Strecken so verschieden und voneinander abweichend, zugleich »ber auch so malerisch und einzig in ihrer Art wären, als in dem schon be» zeichneten Königreiche. Ein reicher Schatz de» köstlichsten Bilder bietet sich da dem aufmerksamen Äuge de« Forschers dar, zum Theile noch in seiner u»»l« ten, unverletzten Treue der Eostume, wie sie vor vielen Jahrhunderten be» standen und von dem verweichlichten Neucrungigeiste des Luxus noch nicht an» getastet, modernisirt und verunstaltet worden sind, welches Letztere freilich in Bezug «uf Kroin und Kärnten nicht so allgemein zu gelten hat, als in Bezug der südlicher« Küstenländer, z. B. des Karstes, Istnens und Dalmotien«. Daß «ber die verschiedenen Trachten in ihrer natürlichen Treue und G?> nauigkeit bildlich zu veranschaulichen, eine der schwierigste« und größten Aufgaben sei: daß fcrner ein solches Unternehmen die namhaftesten be» deutendsten Opfer erfordere, sieht Jedermann ein, und nur echter Vater» landssinw, fester, beharrliche» Muth, und ein ««bedingtes Vertrauen »uf thätige, gewisse Theilnahme und Unterstützung von Seite» der Vaterlands» freunde sind unsere Giundstützen bei de» Herausgabe diese» Costumebilde», die ohne Zweifel gerechte Würdigung finden werden. Eine der Hauptursachen, die eine Sammlung unserer Landestrachten erschwert, ist schon an und für sich hie und d» der Aberglaube des Volkes selbst, welchen bisher die Aufklärung, wie weit sie auch immerhin vorgcsch»itten sein mag, noch au« keinem Lande ganz zu verbannen vermochte. Offen gestanden, w»re auch jetzt zu Anfange dieser Unternehmung, wo nach bereits vorhandenen Bildern die Besorgung de» Kupferstiche und ihre Kolorirung schon jährlich sehr hoch zu stehe» kommt, dieser Plan wegen seiner zu großen Kostspieligkeit gar nicht ausführbar gewesen, wenn uns hier nicht der Hof» und Gerichtsadvokat, Her» Doktor Crobath mit der edelsten Uneigennützigkeit und echtem Vaterlandssinne entgegen gekommen wäre, der die schöne mühsam zusammengebrachte Trachten-Sammlung (über 8N ^Bilder) des verstorbenen Herrn Emil Korytko , käuflich an sich brachte, und"sie un« jetzt zu unserm Bchufe auf die'ynnnimste Art anbot, wodurch er auf unser», al« auch «uf den Dank aller biedern Krainer den gerechtestcn Anspruch hat. So sind wir nun auf längere Zeit geborgen, und bei einer zu hoffenden, guten Aufnahme diese» Bilder werden wir gewiß im Stande sein, eine der schön» sien Sammlungen von Trachten zu vervollständigen, die je irgendwo heraus gekommen sein mögen: denn keine Mühe, kein Opfer erscheint zu groß, wenn man nur Aufmunterung und Theilnahme findet. Mögen daher unsere Costumcbilder, über deren Treue und Genauigkeit wir sorgfältigst wache» wollen, bald die Zimmerzierde eine« jeden Slo» ucnfreundcs werden, dann sind alle unsere Wunsche erfüllt! Wir beginnen hier mit einem Bauer und einer Bäuerin »»« der Umge» gcnd von Laibach (sehe da« heutige Bild Tab, I.). Der Mann trägt, der Jahreszeit angemessen, einen Pelzrock (KozKuK) »u« Schaffellen, deren innere rauhe Seite hier schwarz ist; man trifft jedoch Pelze mit weißer rauhe» Seite viel häufiger als die schwarzen, die auch theu» rer sind. Die Nähte am Pelze sind mit feinem, weißen Ziegenleder besetzt, mit rothcr Wolle aufgenäht und verziert. Am Rücken sieht man oft ganze Blumenstücke verschiedenfarbig mit Wolle eingenäht, desgleichen unten an den Veiten des Schlitzes. Die 3 Z°pfknöi,fe am Pelze sind ebenfalls von Wolle. Die Weste (piuNitnk! bestehet sammt dem Hintcrtheile ganz aus rothem Tuche, mit weißer .yauslcinwand gefüttert, und mit dicken weißen Knöpfen oft so dicht besetzt, daß Knopf «n Knopf anliegt. Das Beinkleid (KI«lde^ besteht «us Bocks- oder auch Hundshaut (irk») gewöhnlich aber auch au« schwarzge» färbter, grober Hausleinwand. Um die Lenden trägt er eine blaue Schürze (piepÄl). Die Stiefel (lKKureme) aus Kuh- oder Kalbleder sind meist unter den Knieen in Kappen zusammengeschlagen, die sich über die Kniee zie» hen lassen, wenn er etwa durch'« Wasser zu watcn hat. Um den Hals trägt er ein buntes, großgeblümte«, baumwollenes Tuch, (»ut«) oft auch ein sei» dene«. Die Mütze (K»p») besteht aus grünem, gepreßten WoUsammt ode» Manchester, mit Leinwand gefüttert. Die Tabackspfcife ist »u« Büchsbaum» holz, inwendig mit Kupfer beschlagen, mit einem Drahtthürmchen, und einem einfachen Röhrchen (««uk») von oft kaum 2 Zoll Länge versehen. Das Weib, in der Tracht der Wascherinnen aus der Umgegend der Hauptstadt, trägt einen Tuchrock, (jnr><>) meist von braunem groben Tuch, mit rothem Wollenzcug ausgeschlagen und »m Rücken zugeheftet, Ih r Rock (Kriln) besteht aus einer eigenen Art Wollcnzeug (inezlnii) der in Oberkrain verfertig« wird; die Schürze ist blaugefärbte, geglättete Leinwand mit ged»uck> ten weißen Pünktchen. Die tüchene «der zeugcne Haube (»üb») ist mit Pelz besetzt, über welche sie das Kpoftuch speili») au« weißem feinen Per»­toil geschlungen hat. Da« Brusttuch, meist gelb, ist baumwollen, selten seiden. Die Stiefel verdienen eine besondere Aufmerksamkeit. Sie sind von Kalb­leder: doch ist nur der eigentliche Schuh schwarz, die Röhren aber vom natür« lichen ungefärbten Leder, und ober den Knöcheln mit einem grünen Saffian­streifen besetzt. Diese Art Stiefel trifft man ausschließlich bloß in Oberkrain »n. Die Tracht der Pelze, ist überhaupt in ganz Oberkrain und bi« gegen Littay bei den Saveanwohnern verbreitet, so wie die »othe Weste als seine Lieblingsfarbe seit alter Zeit in Ober» und Unterkrain besonder« bei jünger» Leuten, sich erhalten hat. Leopold Kordesch. Laibach. Druck und Nerlag des Josef Vlasnik.