W K. k. Zluöisnbibliotksk l.ribLvk ^6330 Pfingstentsagung. Predigt am 15. Mai 1910 in Laibach. Johannesevangelium K, 63: -Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch ist kein Nütze.» Pfingsten ist ein Fest, wie ihrer tausende waren und tausende wiederkehren werden. Und doch ist der heutige Pfingsttag für mich ein Tag, den ich vielleicht einmal als einen Wendepunkt für mein ganzes Leben betrachten muß. Pfingsten, das liebliche Fest, das, wie kein anderes, die Herrlichkeit der frischerblühten Natur rings um uns ausbreitet, es ist mir geworden zu einem Todesfest. Nicht als ob ich mit so manchen in dem Kometen über unseren Häuptern das Weltende kommen sähe, aber so, daß mir gerade an diesem Pfingsttage das schwermütige Lied Walters von der Vogelweide durch den Sinn zog: -Die Welt ist außen schöne Grün, weiß und rot, Doch innen schwarzer Farbe, Ja, finster wie der Tod.» Wird die Welt immer besser oder wird sie immer schlechter oder bleibt sie sich immer gleich, immer gleich zwecklos und sinnlos? Ich weiß nicht, ob meine Zuhörer über diese Frage schon nachgedacht haben. Und unsere ganze Zeit scheint ja geneigt zu sein, diese Frage, wie überhaupt alle Fragen nach den letzten Rätseln des Daseins, als müßig und zwecklos beiseite zu schieben. Doch gewiß sehr mit Unrecht! Die Frage, ob unsere Welt der Vervollkommnung fähig ist, ist wichtig, vielleicht ist es die wichtigste Frage überhaupt. In unserer Zeit spielt die nationale Frage eine große Rolle. Und ich freue mich dessen, weil ich in der Sorge und Arbeit für das eigene Volk einen der edelsten Beweggründe erblicke, die Menschen 2 dem selbstsüchtigen Sinnendienst zu entreißen. Andere wieder sind im Dienste der sozialen Fürsorge und des Sieges der sozialen Gerechtigkeit tätig. Ja, wie können wir denn alle diese Bestrebungen überhaupt be¬ gründen und lebendig erhalten, wenn wir im Grunde überzeugt sind, daß sie völlig nutzlos sind, weil ja die Welt unverbesserlich ist? Selbst das gewaltige Emporstreben unserer Zeit auf dem Felde der Technik und Naturforschung — wenn wir keinen freudigen Glauben an eine große Zulunft haben —, was hat es denn eigentlich für einen Zweck? Man sagt vielleicht, daß es für jeden verständigen Menschen selbst¬ verständlich ist, daß die Welt fortschreitet! Ich sehe davon ab, daß eine so tiefsinnige Weltreligion wie der Buddhismus und die vielen Denker, die ihm unter uns nachfolgten, aufs entschiedenste eine allmähliche Ver¬ vollkommnung der Welt leugnen! Aber einer der bekanntesten Geschicht¬ schreiber des deutschen Volkes (Johannes Scherr) hat das bezeichnende Bild gebraucht, die Welt gleiche einer schillernden Schlange, die immer wieder die Haut wechsle, dabei aber in ihrem Wesen sich völlig gleich bleibe. So gestalte sich die Welt nach außen hin immer wieder um, bleibe sich aber in ihrem Wesen völlig gleich. Es ist ja so manches, was auf eine solche Betrachtung hinführen könnte! Jene gewaltigen Kulturreiche in Mesopotamien und Ägypten, sie haben schon vor einigen Jahrtausenden eine Blüte des Wissens und der Macht erzeugt, die in vielem ganz modern anmutet. Sie sind aber versunken und an ihrer Stelle breitet sich seit undenklicher Zeit Öde und Armut aus. Die griechischen Weisen und Künstler haben schon Jahr¬ hunderte vor Christus so Hervorragendes geschaffen, daß wir es noch heute kaum erreichen, geschweige denn übertreffen. Und diese ganze Kulturblüte erschloß sich dann im gewaltigen römischen Kaiserreich zu einer Größe und Herrlichkeit fast ohnegleichen. Und dennoch: Das alles verschwand fast spurlos, durch Jahrhunderte breitete sich tiefe Nacht der Barbarei über die einst so blühenden Länder aus, nur wüste Trümmer zeugten von dem Leben, das sich hier entfaltet hatte. Oder um schließlich an die neuere deutsche Geschichte zu erinnern, wie wunderbar reich und edel war das Kulturleben der deutschen Nation im 16. Jahrhundert und wie ist das alles im 17. Jahrhundert durch den dreißigjährigen Krieg fast mit Stumpf und Stiel vertilgt worden, so daß in sehr vielen Dingen fast von vorne angefangen werden mußte. Gewiß, die Menschheit gleicht jenem Sisyphus, der immer von neuem einen Felsen emporrollen muß. Und dennoch, es ist mir immer etwas völlig Unumstößliches gewesen, daß die Menschheit, wenn auch mit Rückschlägen und auf Umwegen, einen majestätischen Triumphzng gehalten 3 hat und auch in Zukunft halten wird. Es geht vorwärts und auf¬ wärts und töricht der, welcher sich durch den Anblick der Ruinen der Vergangenheit über die Tatsache täuschen läßt, daß neues Leben blüht aus den Ruinen. Jenes Frühlingslied: -Die Welt wird schöner mit jedem Tag, wer weiß denn, was noch werden mag, es muß sich alles, alles wenden», jenes Lied, das am strahlenden Pfingsttage wie ein göttlicher Choral erbraust, es ist uns das Lied der Menschheit überhaupt- Die Welt wird besser. Stellen wir uns etwa die beiden Jahres¬ zahlen 1910 und 1810 nebeneinander. Vergleichen wir die Zustände, wie sie heute sind und wie sie vor hundert Jahren waren, welcher vernünftige Mensch kann dann bestreiten, daß es in diesen hundert Jahren unendlich viel besser geworden ist? Vor hundert Jahren ein Eroberer, vom Cäsaren¬ wahnsinn befallen, der seinem Ehrgeiz die Ruhe Europas und das Glück von Millionen sinnlos opfert. Im Innern der europäischen Staaten wie¬ viel Rechtlosigkeit und knechtische Gebundenheit in Leibeigenschaft, ab¬ soluter Beamtenwillkür und erbarmungsloser Unterdrückung. Und heute? Wir würden gar kein Ende finden, wenn wir alles aufzählen wollten, was in dem kurzen Zeiträume von hundert Jahren alles erreicht wurde an Rechtssicherheit, Verbreiterung des Wissens und der Bildung, Hilfs¬ betätigung, sozialer Fürsorge, Annehmlichkeit des Daseins. Und wenn wir nun zurückgehen wollten, tausend, zweitausend, zehntausend Jahre! Ist denn der Fortschritt nicht immer wieder mit Händen zu greifen? Aus 'tierischen Anfängen ringt sich die Menschenwelt hervor zu strahlen¬ der Lebenshöhe. Das alte Schöpferwort: -Es werde Licht!», es erfüllt sich von Jahrtausend zu Jahrtausend mehr. Eine gewaltige Entwicklung vollzieht sich, die aus Kleinstem zu Größtem emporführt. Und es will scheinen, als wenn diese Entwicklung sich immer rascher und unaufhalt¬ samer vollziehen wolle. Die letzten fünfzig Jahre haben eine größere Veränderung auf der Welt hervorgebracht, als vorher ein tausendjähriger Zeitraum. Mit Riesenschritten stürmt die Menschheit ihren erhabenen Zielen zu. Und dennoch! Wie denn, wenn dem Auge, das durch den täuschen¬ den Schein ins Innere hineinschaut, ein Leichentuch sich breitete über dies majestätische Bild menschlichen Fortschrittes? Wenn wir den Todes¬ zug im Antlitz unserer strahlenden Kultur gewahrten, der von herauf¬ ziehender Vernichtung deutlich redet? Kein Tag im Jahre scheint weniger geeignet zu solcher düsteren Betrachtung als der Pfingsttag, das liebliche Fest, der Tag der Früh¬ lingswonne, der mit Feuerzungen predigt vom Sieg des Lichtes, der Liebe, des Lebens! Und dennoch, kein Tag ist geeigneter als der Pfingsttag, t daß wir uns innerlich abwenden von der Überschätzung der Welt und ihrer Herrlichkeit. Pfingsten ist das Fest des heiligen Geistes. Pfingsten predigt uns: «Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch ist kein Nütze.» Nicht auf Äußeres, sondern auf Inneres, nicht auf Sichtbares, sondern auf Unsichtbares, nicht auf Vergängliches, sondern auf Ewiges sollen wir unser Vertrauen setzen. Alles das, worauf unsere Zeit so stolz ist, ist im Sinne der Bibel «Fleisch», Träger des Lebens und Mittel, das Leben zu erhalten, aber doch kein Selbstzweck, wie unsere Zeit wähnt. Und mit Recht wird von dem allen gesagt: «Das Fleisch ist kein Nütze». Wenn mir irgend etwas feststeht, so ist es dies, daß die Völker, welche eine hochgesteigerte Kultur erreicht haben, regelmäßig an ihr zu¬ grunde gingen. Ein solch reich entfaltetes Kulturleben, wie wir es jetzt besitzen, gleicht einer Fackel, zu der sich die Mücken drängen, um sich zu versengen, es gleicht einer Flamme, die zu ihrer Erhaltung sehr viel Öl braucht. Dies Öl aber kann nur von unverbrauchten, mit der Kultur noch nicht in Berührung gekommenen Schichten geliefert werden. Aus dem Landvolke, diesem Jungbrunnen der Volksgesundheit, kam die Kraft des Lebens für unsere Kultur, weil dies Landvolk in der Berührung mit der Natur sich gesund erhalten hatte. Sowie aber ein Volk oder eine Schicht des Volkes in den Bannkreis der entnervenden Kulturein¬ flüsse geriet, verfiel es unweigerlich der Entartung und dem Verderben, die nun einmal mit jeder höheren Kultur notwendig verbunden sind. Warum werden wir denn immer wieder magnetisch hingezogen zur Ge¬ schichte des römischen Kaiserreiches? Weil wir, aller Wahrscheinlichkeit nach, in ihr ein Spiegelbild unserer eigenen Zukunft sehen müssen. Das römische Kaiserreich konnte sich nur deshalb durch Jahrhunderte halten, weil es der Reihe nach die Volkskraft aller ihm angegliederten Länder aussog und verbrauchte, bis es zuletzt völlig entnervt an greisenhafter Schwäche unterging. Da kam die Erneuerung durch die jugendfrischen Germanenvölker. Heute aber sehen wir nirgends mehr die Vorräte jugend¬ licher Volkskraft, die zur Erneuerung unserer greisenhaft werdenden Kultur¬ welt notwendig wären, soll sie nicht genau ebenso, wie einst die Welt des klassischen Kulturreiches, an Blutleere untergehen. Es sind Männer, die keineswegs von engherziger Frömmelei er¬ füllt sind, welche bereits heute den Warnungsruf ertönen lassen: Alle europäischen Völker, ohne Ausnahme, sind dem sicheren Schicksal des allmählichen Aussterbens geweiht, insofern nicht ein völliger Umschwung der Lebensanschauungen eintritt. Ein Umschwung' der aber ganz unmöglich ist. Im Schicksal des edlen, hochbegabten 5 Franzosenvolkes haben wir es schon heute vor uns, was mit Natur¬ notwendigkeit allen Völkern unseres Kulturkreises droht. Auch ich bin ein Bewunderer der verfeinerten Lebenskunst jenes Volkes, aber welcher verständige Beobachter kann leugnen, daß sich in ihm alle Zeichen greisen¬ hafter Blutleere in erschreckendem Maße mehren? Da ist zuletzt das einzige Bestreben darauf gerichtet, das Vorhandene möglichst zu erhalten, einer möglichst kleinen Kinderzahl möglichst ungeschmälert den Besitz zu vererben. Wo ist denn auch unter uns der frohe Tatendrang, der etwas Neues erhofft, von der Zukunft Großes erwartet, Saat für eine einstige Ernte streut, weil man weiß, das Leben ist so viel reicher, als selbst die kühnsten Berechnungen? Gewiß, wir stehen erst in den Anfängen jener Bahn, die zum Tode führt, aber wir stehen in den Anfängen, und es ist nirgends zu erkennen, wo eine Rettung vom unausbleiblichen Ver¬ derben kommen kann. Was wird denn als Heilmittel vorgeschlagen gegen die zweifellose ernste Gefahr, von der wir bedroht sind? Alle Bestrebungen unserer Zeit, um dem Verfall zu steuern, fallen unter das Wort: »Das Fleisch ist kein Nütze». Vom Fleische erhofft man die Rettung, die doch das Fleisch nicht bringen kann. Man erkennt, daß wir mit dem Untergang bedroht sind durch das erschreckende Aussterben der edelrassigen Bevölkernngsteile. Welche Be¬ deutung für Größe und Reichtum des Kulturlebens die feiner veran¬ lagten Menschen allezeit gehabt haben und noch haben, das wird heut¬ zutage mit Eifer erforscht und gepriesen. Aber gerade diese zahlreichen Untersuchungen über die Bedeutung der Rasse machen doch auch unsere vollkommene Ohnmacht offenbar, irgend etwas dagegen auszurichten, daß sich offensichtlich, genau wie im alten Rom, die edleren Rassebestandteile immer mehr vermindern, daß an Stelle der Rasse die Masse tritt, welche zuletzt nur zerstören kann. Und millionenfach tönt aus dieser Masse der Schrei nach den äußeren Gütern unserer Kultur empor, ein Schrei, der allmählich zum Sturme anwächst, zu einem Sturm, der schon heute unsere Staatsgebilde zu verschlingen droht. Seit Jahrzehnten haben bereits die oberen Schichten das Beispiel nacktester Religionslosigkeit gegeben. Ist es denn verwunderlich, wenn die Folgerungen gezogen werden aus den Lehren, die unsere Gebildeten seit lange als völlig selbstverständlich betrachten? Schafft menschen¬ würdige Daseinsbedingungen, gebt jedem gut zu essen, zu wohnen, sich zu kleiden, und wie mit Zauberschlag werden alle Mängel, die heute der Welt anhaften, verschwinden. Gewiß, es gibt keine größere Torheit, als 6 diesen Irrwahn des Sozialismus. Aber das hindert nicht, daß er mit unwiderstehlicher Gewalt um sich greift, daß uns in nicht ferner Zukunft ein ernster Kampf bevorstehen wird zwischen den Anhängern dieses neuen Evangeliums und der bestehenden Gesellschaftsordnung. Nichts aber ist so gewiß als dies, daß, wenn auch alle Ziele des Sozialismus verwirk¬ licht würden, die Welt genau so elend bliebe, wie sie es heute ist. Nicht neue Verhältnisse machen neue Menschen, sondern neue Menschen machen neue Verhältnisse. «Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch ist kein Nütze.» Eine Änderung der Gesinnung allein kann Hilfe bringen, eine Änderung der Wirtschaftsordnung wird die Übel ändern, aber nicht beseitigen. Noch ein drittes Mittel schwebt Unzähligen vor, durch das sie die kranke Zeit heilen möchten. «Bildung macht frei.» Durch den Fort¬ schritt der Technik, durch immer neue Erfindungen erwarten sie eine Umgestaltung unserer Daseinsbedingungen, die allem Übel steuern soll. Gerade hierin glaube ich den eigentlichen Irrwahn unserer Zeit zu sehen. Unsere Zeit scheint mir trunken an ihrer Überschätzung dieser äußeren Erfolge, die uns in so ungeahntem Maße zufielen. Es ist wie ein Rausch, der über die Mehrzahl gekommen ist, daß sie für geistige Dinge tot ge¬ worden sind. Und doch scheint mir das Eine festzustehen, daß wir mit all unseren Erfindungen und Entdeckungen auch nicht ein bißchen glück¬ licher und zufriedener geworden sind ; viel eher das Gegenteil. Mögen die Eroberungen, die Entdeckungen und Erfindungen, die das ganze äußere Leben umgestalten, noch so hoch gepriesen werden, auch sie gehören zum Fleisch, das kein Nütze ist, wo es sich darum handelt, neues Leben zu wecken, sie alle wirken zuletzt lebenverbrauchend, nicht lebenschaffend. Wohl kann man oft hören, daß in unseren Tagen die Sehnsucht nach den wahren Quellen des Lebens sich gewaltig rege, daß die Reli¬ gion wieder eine Macht werde in unserem Volke. Ich aber vermag davon sehr wenig zu entdecken und meine, daß in unseren Tagen dem tiefer denkenden Geiste nur die Wahl bleibt, genau wie in den Tagen des sterbenden Altertums, entweder in müder Verzweiflung die Welt zu fliehen oder aber im Sinnestanmel zu kosten, was sie heute noch bietet: -Lasset uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot!» Oder aber: das Jesuswort behält recht: -Der Geist ist's, der lebendig macht, das Fleisch ist kein Nütze.» Nicht in der äußeren Welt — mag sie auch noch so herrlich prangen in diesen Wonnetagen des Maien —, in der geistigen, inneren Welt liegt unsere Hoffnung. Ich halte es zum mindesten für sehr möglich, daß diese Welt ihren Höhepunkt erstiegen hat, daß wir in kommenden furchtbaren Krisen und 7 Katastrophen mit der allmählichen Vernichtung dieser Welt zu rechnen haben, auf daß die Menschen von ihrem Rausch der Weltvergötterung aufgeschreckt und wieder nüchtern werden. Aber das soll uns dennoch nicht zur Verzweiflung und erst recht nicht zum Sinnestaumel führen. Nein, die Zerstörung unserer irdischen Aussichten soll uns die Türe öffnen zu dem wahren Leben, das aus dem Geist stammt und im Geiste besteht. Wie es vor einem Jahrhundert schon Schiller predigte: »Nicht dem Guten gehöret die Erde: Er ist ein Fremdling, er wandert aus Und suchet ein unvergänglich Haus. Drum, edle Seele, entreiß dich dem Wahn, Und den himmlischen Glauben bewahre! Was kein Ohr vernahm, was die Augen nicht sah'n, Es ist dennoch das Schöne, das Wahre! Es ist nicht draußen — da sucht es der Tor, — Es ist in dir, du bringst es ewig hervor!» Ich kann es ja sehr gut begreifen, daß die Kinder unserer Zeit den Glauben an ein persönliches Fortleben nach dem Tode verloren haben. Nicht aber begreifen kann ich es, daß sie es nicht trotzdem für möglich halten, daß der Mensch, wenn die Leibeshülle sinkt, dennoch ewig lebt. Die tiefsten und reifsten Geister der Menschheit, das halte ich für un¬ umstößlich, haben sich bis auf unsere Tage zuletzt immer wieder zu diesem Glauben durchgerungen, wenn sie sich auch lange sträubten. Wie man das Menschendasein ertragen kann ohne diesen Glauben, wenn man seine Dunkel¬ heiten und Rätsel wirklich kennt, das ist mir vollkommen unbegreiflich. Und ich meine, der Komet, der jetzt allmählich über unseren Häuptern erscheint, er könnte uns eine Lehre geben, nicht vom Weltuntergang, aber darüber, daß etwas nicht Wahrgenomnien werden kann und doch vor¬ handen ist. Keiner von uns hat bis jetzt diesen Kometen gesehen und dennoch war er vorhanden, auch wenn er dem Gesichtskreis unserer Augen entzogen war. Heute meinen sie, nur das könne vorhanden sein, was sie mit Augen sehen, mit Ohren hören, mit Händen greifen können. Und weil die menschliche Seele mit dem leiblichen Tode spurlos verschwindet, deshalb meinen sie, sie sei wirklich erloschen. Sollte aber nicht alles das, was wir von der Menschenseele hier ans Erden wahrnehmen können, vergleichbar sein dem kleinen Bahnausschnitt, den wir zeitweise an einem Himmelskörper wahrnehmen, und sollte nicht auch unsere Seele, wenn sie herausgetreten ist ans dem Blickfelde dieser Welt, in ewiger Bahn ihre Kreise weiterziehen? 8 Wenn wir so starken Glauben gewännen an die Macht des Geistes, der lebendig macht und lebendig erhält auch im Tode, dann könnten wir frohen Mutes hinaufschauen aus dieser fleischlichen Welt in die Geistes- welt. -Alles neu macht der Mai, macht die Seele frisch und frei-, so klingt's an Pfingsten. O daß unserer Seele heute ein solcher Mai beschieden wäre, der sie frisch und frei machte, jener Mai, den wir erflehen vom heiligen Geiste: -O komm, du Geist der Wahrheit Und kehre bei uns ein, Verbreite Licht und Klarheit, Verbanne Trug und Schein, Gieß aus dein heilig Feuer, Rühr Herz und Lippen an, Daß jeglicher getreuer Den Herrn bekennen kann.» Dr. Ottmar Hegrmann. SSSSSSS273S Im Verlage der Evangelischen Kirchengemeinde in Laibach. Druck von Kleinmayr L Bamberg in Laibach.