101893 " Karl Linhart: Der Rbwehrkrleg des unteriandischen Deutschtums PETTRU 1910 13 er Uerein „$tidmarlr (gegriindet im Jahre 1889) Sitz in G raz bat deo ^\e HJobifabrt de? detit- ?cbep Dolbe? io deo Uoi^iscb bcdrobteo CJoterlarjdeo uJirt?eboo 'Bariebeo tiod Clotcr- SttjtjuogeD «0 B« ltl<2rr > tiod ( 5 e?cbaft?letitc ; durcb 'Pordcroog de? < 5 eoo??eo?ebaft?n>e?eo?, der 5cb. ; darcb $e?iedltiog L>ol- bkeb bedrobter (segcodeo. Stte3 93ud) ift (£igenf um Bež 'lerrincs Siibmnrk. 1; ihresbeitrag Grilnderbeitrag mindestens 50 K. tsche! >b«it L>ortibergebeo, oboe 30 gedeokeof jrbet rT)itglieder ; batifl -Gegeo?taode! č)rt?grtippeo ? n=z iher flbwehrarbeit! 101893 „Hatt’ ich ein Horn, ein Horn wie Olifant! Ich mochte weithin iibers deutsche Land Metall’ne Hilferufe schmetternd senden“ ... Dr. Franz Goltsch, 'k • I ' £ir)leiter)de$- . . . Ein eigentiimlicher Boden, dieses gute, alte Osterrejch, — das Land des Verkehrten, des Absonderlichen, der ewigen Uberraschun- gen, der schreienden kleinen Gernegrosse, ein Land, das seinem Griinder, Erbauer, Erhalter zur Stiefmutter werden will! Eine ungluckselige Schlaf- mutzenpolitik, getragen von einem lauwarmen Nachgiebigkeitsprogramme und einer jedem berechtigten Selbstschutze hohnsprechenden Gerechtig- keitsduselei, hat den Karren glucklich verfahren. Ja, sie hat aus diesem Staate eine Vereinigung von Elementen gemacht, deren heifiester Wunsch es ist, hinaus zu kommen aus dem Kahmen des Staates selbst . . . Ein eigentiimlicher Boden! Und aut diesem Boden konnte auch ein Volkersplitterchen mit einer Zwergen-Entwicklung auf allen Gebieten, ein aus den fiir den Nichtkenner geradezu unglaublich verschiedenen Einfliissen zusammengeschweibtes „interessantes Nationchen" zu einer gewissen Bedeutung kommen. Fiir die grobe Gesamtheit des deutschen Volkes ist diese Be¬ deutung keine schicksalsvolle; — Osterreich zwingt uns in den Pessi- mismus, aber so tief ist dieser noch nicht gedrungen, dab wir an die Moglichkeit einer Niederringung des gesamten Deutschtums glauben konnten. Ali’ das Feuer unseres volkischen Fanatismus — ich gebrauche es bewubt, dies Fremdwort! — entspringt der tiefen Religion des un- sterblichen Deutschtumes. Die Gesamtheit unseres deutschen Volkes kann nicht zerriittet werden. Aber Hunderttausende wahrer, aufopfer- ungsfahiger, treuer deutscher Blutbriider an den Sprachgren- zen, in den Sprachinseln, — Tausende von Deutschen, die sich nicht verkaufen, obgleich sie allein in der slawischen Hochflut leben, sie spiiren diese kiinstlich auferzogene, sinnlosen Diplomatenkniffen entspringende „Bedeutung“ eines vom Terror lebenden Gegners. Diese Hunderttausende Deutscher mit dem Mantel der „Gemutlichkeit“ zu bedecken, iiber ihr Wollen und Schaffen einfach zur Tagesordnung zu schreiten, — das ware fiir euch Deutsche draufien eine Schande, ein volkisches Verbrechen ! Wir sind was ihr seid!*) Und wenn es auch leider noch Millionen Deutscher gibt, die *) In Obersteier sagt man ims Unterliindlern garoft: ,,Ach was, von Spielfeld hinunter seid ihr ja lauter Windische“. Deutscher Leichtsinn und deutscbe Oberflach- lichkeit spiegeln sich in diesen Worten! Die Unterlande gerade haben stets ihre vol- kische und ireiheitliche Pflicht getan. 6 einem „internationalen“ leeren Worte nachjagen, obwohl es fur jeden mit Vernunft begabten Menschen nur ein Volksbewufitsein oder eine kosmopolitische Verneinung gibt, — wenn es noch Millionen Deutscher gibt, die spieBerhaft jammern: „Ich hab’ kein Kleingeld", wenn die vol- kische Sammelbuchse herumgeht, die sogar uns volkisch Ktimpfende belacheln, so wie man narrische Waghalse belachelt, — so ist es unsere Uberzeugung, daB diese Bedauernswerten geistig verkruppelt sind; etwas fremd wurde man sagen: sie haben einen moralischen Defekt, denn — der Gesunde ist volkisch, — sein Blut ist sein Fiihrer! Darum, ihr volkisch Gesunden, vergefit nicht uns, vergefit nicht der Hundert- tausende Ringenden . . . Schon von diesem Standpunkte aus zeigt sich die Gefahr der wachge\vordenen windischen „Bedeutung“. Und nun — vielleicht taten es die Sturme der vergangenen zwei Jahre und die letzte politische Entwicklung — wurde die OffentlTchkeit, ins- besonders die deutsche Offentlichkeit gezwungen, deri Kampfen des gahren- den osterreichischen Sudens Ernst abzugewinnen. Wir konnen es ja offen sagen: die deutsche Presse und damit die deutsche Offentlichkeit wurde bis- her fast ausschliefilich von einer platten Berichterstattung bedient, die ent- schieden judenliberal war und infolge dessen fur die volkischen Kampfe kein Empfinden, kein Verstandnis hatte. So hatte man denn uberhaupt keinen Begriff, dali hier unten ein Abwehrkampf tobt wie vielleicht nir- gendwo anders, ein Abwehrkampf, dessen barbarische Formen durch die Laibacher Ereignisse des Jahres 1908 greli beleuchtet worden sind. Es geht also nicht an, mit freundlichem Achselzucken zu mei- nen: O, die Deutschen der Unterlande vverden mit ihrem Gegner schon fertig werden. Wir oben in den national nicht gefahrdeten Gegenden haben Parteien, Gruppen, Fraktionen, Sonderinteressen zu vertreten. Ja- wohl, wir werden „fertig werden“, aber — wie? Wir Unterlandler ergreifen deshalb mit einer gevvissen Freude die durch die aufgewirbelten Leiden- schaften gezeitigte Sachlage, diese so lange erwartete Gelegenheit, um es euch allen dort draufien zu sagen: wenn ihr in volkischer Nach- lSssigkeit unsere bluternsten Kampfe als Scheinturniere auffafit, wenn ihr unsere Mahnungen leichtsinnig belachelt, so verkauft ihr eben die erwahnten Hunderttausende, so seid ihr schuld an ali’ dem, was geschehen wird und geschehen mufi! Ernst, bitterer Ernst ist es gevvorden hier unten im Suden! Logischer Weise wird man uns nun fragen, worin eigentlich die „Bedeutung“ und die „Gefahr“ der Wenden besteht.'Soli man denn wirklich an die selbst schon nach Hochschulen lechzende „Kultur“ die- ser Leutchen glauben? Oder hat sich dieses l‘/ 2 Millionen-Včlkchen plotzlich verzehnfacht? Oder sind die Deutschen der Unterlande wirt- schaftliche Bettler, die von den vvindischen Almosen leben? Nein, nein, ali' dies nicht! Im Gegenteile, es wird uns mogiich sein, im Verlaufe dieses Buchleins die wirtschaftliche Kraft der unter- landischen Deutschen zu kennzeichnen. Man ist ja da zu unglaublichen, fiir uns Deutsche ehrenden Schlussen gekommen. Man kann ja heute sagen, daB die Unterlande ohne die wirtschaftliche Kraft der Deutschen verhungern muBten. Auch eine Verzehnfachung der Anzahl windischer Landsleute ist nicht eingetreten, weder absolut noch relativ. Dinge, wie 7 z. B. die verhaltnismafiig gevvaltige Anzahl des kiinstlich auferzogenen win- dischen Intelligenzproletariates*) — auf 10.000 windische Einwohnerkommen bekanntlich uber 400 Gymnasiasten — liefien ja in dieser Hinsicht sorgen- volle Gedanken auftauchen. Aber — alles dies scheint uns nicht die wahre Ursache der Bedeutung, welche die windische Frage angenommen hat. Am allerwenigsten liegt diese Bedeutung in der sogenannten windischen „Kultur“. Denn diese „Kultur“ wird ja — wie dies der Slo- wene Dr. Dermota sagte — „von jenen unseren (windischen) Redakteuren gemacht, welche den Gipfel ihrer Bildung als k. k. Feldwebel erreichten". Noch treifender bespricht diese windische „Kultur“ der ganz entschieden bedeutendste windische Schriftsteller Ivan Cankar. Derselbe schrieb z. B. in der einzig nennenswerten Zeitschrilt „Naši zapiski" (IV. 5, 1906) wortlich: „Ach, hatten wir vvenigstens eine Kulturluge! Aber hier gibt es keine Kultur- j liige, sondern mir eine Luge von der Kultur und nicht einmal ein Satyriker vveiB, •' was er mit dieser Liige anfangen soli. Die Kultur ist die Mutter tausendiacher Liigen und der Satyriker, der sie haBt, ist ihrer froh, vvie der Hammer des ' Ambosses. Wo aber keine Mutter, dort gibt es keine Tochter. Jemand hatte ge- logen, daB wir eine Kultur besitzen und jetzt zieht sich diese Liige ohne Ende dahin und ist die Gluelle grofier Fehler, Ungliicke und Ungerechtigkeiten . . . Ich glaube, sie sollen am Anfange anfangen! Schauen wir uns an, begriiBen wir uns ohne Zorn, jenen Burschen aber, der von unserer Kultur gelogen hatte, lassen vvir wo er ist; er soli es selbst mit seinem Gewissen abmachen. Und sagen wir: Eine Kultur haben wir nicht, wie wir keine gehabt haben, also haben wir auch keine Kulturinstitute und brauchen sie nicht, auch keine Liige gibt es nicht mehr und frei konnen vvir uns ins Antlitz lachen. Was unser Theater anbelangt, so kdnnten vvir es in einen Zirkus umvvandeln . . . “ Wir konnten noch andere, ahnliche, ja noch viel scharfere Zitate erwahnen. Spater! Ftir uns genugt es jetzt, den ganzen Spektakel der ‘j windischen „Kultur“ als das hinzustellen, was er ist, beziehungweise, was die beste windische Feder daruber schreibt. Darum: auch die „KuItur“ gibt den Slowenen nicht jene Bedeu¬ tung, von der wir anfangs dieser Zeilen gesprochen haben. Also wo, worin liegt diese Bedeutung? In ihrem Eingangs-Auf- rufe schrieb die „Stid6sterreichische Korrespondenz" im Mai 1908: „Mit nicht zu unterschatzenden neuen Kraiten beginnt die allslavvische Bevve- gung im Osterreichischen Siiden die Aufmerksamkeit aller ernsten Politiker auf sich zu ziehen. In den Programmen aller slovvenischen und aller serbo-kroatischen Par- teien taucht der allslavvische Gedanke immer ausgesprochener, nachdriicklicher auf — die Verbriiderungsfahrten nach Serbien, Kroatien und Bulgarien, die siidslavvi- schen Studenten-, Journalisten- und Kiinstlerkongresse, sovvie Ausstellungen nahren ihn, — die vorjahrige (1907) panslavvistische Budgetrede des Abgeordneten Dr. Krek, die letzten Artikel und Kriegserklarungen des Professors Mandič, des Abgeordneten Dr. Korošec und ihrer Gefahrten, als auch Biicher, vvie die „Sud- slawische Idee und die Slowenen“ von H. Tuma sind das leidenschaftliche fana- tische Bekenntnis zu diesem Gedanken. Die schonsten Tage der illyrischen Bevve- gung der 60er Jahre leben sozusagen vviederauf, die ZerreiBung der historischen Kronlander vvird als selbstverstandliche Forderung betrachtet, slovvenische Abgeord- nete vverden in Agram auf Schultern herumgetragen, — das Allslavventum unseres Stidens lebt! Die geographjschen, kulturellen und sozialen Verhaltnisse im Norden unserer Monarchie nehmen dem dortigen Panslavvismus viel von seiner Gefahrlich- keit. Im osterreichischen Siiden liegt dies gerade umgekehrt, da alle Verhalt¬ nisse geradezu begiinstigend auf die Entvvicklung der allslavvischen Bestrebungen vvirken. Und dafi darin eine grofie Gefahr ftir den Staat und das Deutschtum im groOen ganzen, sovvie ftir die bedrohten Unterlander und Grenzfesten im beson- dern liegt, braucht vvohl nicht eigens betont zu vverden. Man denke an den *) Siehe den Artikel in der Nummer 10 der „Stidosterr. Korrespondenz." — 8 - ztihen Kampf bis aufs Messer, in \velchem die deutsche Beamtenschaft den deutschen Besitzstand wahren muli Man denke an den vvirt- schaftlichen Boykott, der dem deutschen Gevverbe- und Handelsstande droht, an die Verslavvisierung deutscher Industriellen, an ali’ die Erscheinungen, die in den Unterlandern tagtiiglich erlebt \verden . . Wenn heute die bohmische Sprachen- frage den ganzen Staat im Atem halt, so hort rrtan doch auch schon Stimmen, \velche dem tisterreichischen Siiden dieselbe Zukunit voraussagen. Seien wir also nicht einseitig und schmieden wir uns Waften zu diesem uns aufgedrungenen Kampfe !“ So schricb das erwahnte Blatt — und mit welchem Rechte, das bewiesen die Ereignisse der letzten Jahre. Es ist also klar: Weder Kultur, noch Industrie, noch wirtschaitliche Kraft im allgeineinen, noch Zahl oder Starke berechtigen die Slowenen zu irgend einer Bedeutung. Einzig die um so unerbittlicher aufgetauchte siidslawische Frage, einzig der zum ersten Schlage ausholende siidliche Panslawis- mus hat aus den Slowenen eine kleine Macht gemacht. Im ali- slawischen Strome schwimmen sie mit, — werden dabei grofi und frech — und wenn die Bandenpolitik des balkanischen Hexenkessels die europaische Aufmerksamkeit auf sich ziehen mufite, so mufi die deutsch-čsterreichische und auch uberhaupt die deutsche Offentlichkeit verstehen lernen, dafi hier unten ein Feind die \Vindeln verlafit, dafi ein in ollener Feldschlacht leicht zu schlagender Gegner unsere deutschen Vorposten niedermetzeln wi!l Die siidslawische Frage hat sich gemeldet. Fiir das Deutsch- tum ist sie in erster Linie eine slcmenische Frage. Denn mit den Slowenen stofien unsere deutschen Unterlandler zusammen. Fiir die Slo- wenen ist sie historisch. Denn durch den sudlichen Panslawismus sind sie etwas geworden. Wenn die Slowenen unseren deutschen Vorposten gefahrlich sind — und dies Biichlein wird diese Frage bejahen, — dann bekampfen wir sie! Der Slowene ist in seiner heutigen Bedeutung die Frucht des sudlichen Panslawismus, ein Begriff ist vorn anderen un- trennbar, — und wir denken an den Weg zur Adria, wir glauben an unsere manchmal verrostet scheinenden Idole, — wir wollen wachen, wenn der siidliche Panslawismus ruft . . . Jkj5 der £r?tn>iddtir?g der nJiodischjer? "politi^ tir?d de$ 5tidlid , 5«n ^<*ir?5leiuJi5iT)ti$. Es wurde den Rahmen dieses Buchleins iiberschreiten, wenn wir die obigem Titel entsprechende Abhandlung mit wissenschaftlicher Grundlichkeit durcharbeiten und mit allen Einzelheiten vorlegen wollten. Wir wollen deshalb nur jene Punkte herausheben, die nach unserer An- sicht einerseits kennzeichnend fur die Entvvicklung der Wendenpolitik, sowie fur das immer entschiedenere Hervortreten des Allslawentums im Siiden sind, anderersei.ts aber Beruhrungspunkte mit den Interessen des unterlandischen Deutschtums darstellen. Man wird uns umsoweniger der Obertreibung zeihen, als wir zu unseren Behauptungen neben eige- nen Studien aus der windischen Presse nur ausschlieBlich windische Quellen selbst beniitzten.*) Wir wollen mit diesem Bucblein eben keine Schmahschrift, sondern eine Sammlung von Tatsachen, von geschichtlichen Erscheinungen und deren Folgen geben. Denn Schmahschriften konnen nie dauernde Wirkungen haben und miissen in dem Augenblicke aufier Betracht kommen, als man etwas Ernstes, Standiges schaffen will. Die moralische Kraft liegt ja auch auf politischem Felde nur in der Wahrheit... Ein Blick zuriick! Stellen wir uns die Zeit eines „deutschen Laibach“ vor. Sie liegt gar nicht ierne**) und es ist keine Volker- wanderung seit jenen Tagen vor sich gegangen. Keine Staatsumvvalzun- gen sind geschehen, hochstens dafi man ein paar Jahre osterreichischer Regierungskunst vortibergleiten lassen muBte. Die Spuren jener Zeiten sind noch sehr deutlich zu sehen. Ich erinnere da nur an das herrliche Oberkrain, woriiber einer unserer besten Unterlandskampen schrieb***): „Wer die oberkrainischen Bauerntrachten sah und die Goldhauben der hub- schen Krainermadeln, ihre Rčcke und Sammtmieder — und vollends ihre Gesichter, *) Wir haben die JahrgSnge des „Slovenski Narod 11 , des „Delavec“ mit seiner Beilage „Svoboda“ und spatgr den „Rdeči Prapor" sowie die Revue „Naši Za¬ piski" beniitzt. Ganz besonders aber lehnten wir uns an die historisch so ziemlich ein- wandfreien Abhandlungen des Dr. Drag. Lončar ,,Politično življenje Slovencev" (Das politische Leben der Slovvenen) Laibach 1906. **) Im Jahre 1882 wurden die Deutschen aus dem Laibacher Gemeinderate gedrangt. Bemerkenswert ist es, dafi die slow. Klerikalen gerade jetzt eine Wahlreform (Proportion:ilsystem) planen, die derf Deutschen wieder eine Vertretung sichern mufi. Man will (aus verstandlichen Griinden) die steuerkraftigen Deutschen zur verlahrenen Wirtschaft zulassen. ***) „Sudosterreichische Korrespondenz", J. I, Z. 6 (12.) 1908. 10 der glaubte sich mitten nach Bayern bineinversetzt; unwillkurlich drangte sich ein „GriiaI3 God“ auf die Lippen, da schreien sie einem ihr živio entgegen und man war starr. Das sind also die Nachkommen dereinstigen bayrischen Ansiedler und Kultur- trSger in Krain. Noch tragen die Enkel die deutschen Ztige im Gesichte, noch bewahren sie die alte Tracht, ja selbst die altgermanische Friihlingsfeier, wie sie in Bavern heute noch begangen wird (Pfingstvogel) fuhren sie uns als „grtinen Georg" (naturlich slowenisiert „zeleni Jurij") vor. Aber das einstige Kleinod ihrer deutschen Muttersprache haben sie verloren, nein, nein, man hat es ihnen gestohlen und geraubt. In systematischer Arbeit hat insbesonders der Klerus vom Ende des 18. Jahrhundertes an und gar das ganze 19. Jahrhundert hindurch an der Ausrottung des deutschen Bewu8tseins und der deutschen Sprache gearbeitet, so dafi heute die Tausende von Bauern mit ihren ehrlichen deutschen Namen, ihren deutschen Ge- sichtern, ihren deutschen Trachten und Sitten nur mehr slovvenisch ratschen konnen. Und alles das vollzog sich, ohne dafi man im Herzen des Relches sich nur .im geringsten darum gekummert hatte.“ Ja, gekummert hatte . . . Krain ist so verloren gegangen, — weil man sich nicht gekummert hat. Und — sagen wir es nur gleich heraus! das Schicksal der anderen Unterlander kann dem Krainer Schicksale ahnlich werden, wenn — man sich wieder nicht kummmern wird. Das Einschmeichelnde, Kriecherische, das ja in der Natur der Siidsla- wen so wie in jener des russichen „Muschik“ liegt, war bisher immer fur unsere mafigebenden Kreise eine Art von betaubendem Schlafmittel, — und man „kummerte sich nicht“ .. . Vom Krainer klerikalen Abge- ordneten Klun wird erzahlt, dafi er sehr oft die Abendmahlzeiten bei Minister Taalfe einnahm. Dort mufite er den Gasten ‘zur Unterhaltung seine Reifnitzer windischen Volkslieder singen — und man lachte, aber man — „kummerte sich nicht“ weiter drum. Die Lieder waren ja doch so lustig! Mein hochverehrter Lehrer erzahlte mir einmal, ein ehrlicher windischer Professor habe ihm seinerzeit gesagt: „\Venn man uns Slo- wenen vor einigen Jahrzehnten germanisiert hatte, es ware leicht gegan- gen und es ware besser fur uns. Heute wehren wir uns, weil man uns einige Kraft gegeben hat“ ... Alle diese Bemerkungen sollen uns die eine Behauptung festigen, dafi nur das ewige „Nichtkummern“ — die Karntner vvurden sagen : das politische „Lei, lei lassen“ — zuerst eine nationale, dann eine chauvinistische und zuletzt eine panslawistische Bewegung er- moglichten, welch’ letztere ja nicht nur uns Unterlandsdeutschen, sondern, wie alle Verhaltnisse zeigen, auch dem osterreichischen Minister des Aufiern zu schaffen gibt und noch geben wird. Der leuchtende Gedanke des 48er Sturmes wurde mit deutschem Blute bestatigt. Die Siidslawen konnen fur das Jahr 1848 nur den Namen Jelačič anfiihren und dieser Name riecht nicht nach Freiheit. Und doch, — wahrend die Deutschen dem 48er Fruhlinge die Anfange eines gekraftigten Burgertums und den Stolz eines freiheitlichen, wenn auch oft nur libe¬ ralen Bewufitseins verdankten, konnen verschiedene andere Volker, in erster Linie die Slowenen, in dieses Jahr das Datum des Beginnes ihrer volkischen Arbeit setzen. Die Slovvenen haben als solche vom Jahrc 1848 nur den Ansporn zu nationaler Arbeit und die Freiheit zu panslawistischer Wiihlerei erhalten. Im Jahre 1848 entstand auch das erste volkische Programm der Slowenen. Selbstredend waren die Gemiiter damals noch nicht geklart. Der windische „Klassiker“ Janez Terdina stellte im Jahre 1848 in seinem Blatte „Novice“ sein volkisches Glaubensbekenntnis folgendermafien zusammen: „Ein. kraftiges, unabhangiges Osterreich unter der Regierung unseres guten verfassungsmafiigen Kaisers, Unantasfbarkeit unserer katholischen Religion und Schutz unserer Nationalitat." Diesem Terdina’schen Grundsatze entspringt das alte Pervaken- programm, welches von „Vater Bleiweifi“ bis in die letzten Jahre der Parteienzersplitterung gegolten hat, wenigstens aber zu Paradezwecken verwendet worden ist, namlich das Programm „Vse za vero, dom, cesarjaD (Alles fur Glaube, Heim und Kaiser). Es ist selbstredend ein gewohn- licher Abklatsch des preufiischen: „Fur Gott, Konig und VaterlandA Dieses loyale Terdina’sche Programm kann nun aber nicht die geistigen Richtungen des damaligen Slowenentums darstellen. So loyal waren die Herren schon damals nicht. Das wirkliche erste volkische Programm der Slowenen ist in der Adresse zu suchen, welche im Jahre 1848 von 44 in Wien (!) lebenden Slovvenen den Krainer Stiinden tiber- mittelt wurde. In dieser bedeutenden Adresse lesen wir: ,,Unser Volk ist ein slavvisches Volk . . . Man moge in Hinkunft nimmer- mehr die Vereinigung mit den slawischen Briidern verhindern und dies sowohl in Schrift als Sprache . . Man moge das slovvenische Volkstum schtitzen und dies in Krain, Steiermark, Karnten und Kiistenland und man moge das Slowenische in Schule und Amt einftihren." Zugleich betome in der Sitzung des Hilfsausschusses der Lan- desstande Krains einer der slovvenischen Fiihrer schon die neu auf- getauchte Hauptforderung derWenden: „Die Vereinigung der slowe- nischen Lande in ein Kronland unter dem Namen Slowenien.“ Es wird sogar behauptet, Dr. Bleivveifi habe diese Forderung dem Erz- herzoge Johann vorgetragen, welcher sich damit unter der Bedingung einverstanden erklart haben soli, dafi auch die nichtkrainischen Slovvenen dafiir waren. Aus dieser Nahrfliissigkeit krystallisierte sich das grofie erste windische Programm, welches iur die damaligen Verhaltnisse an Entschiedenheit gewib nichts zu wiinschen tibrig liefi. Es umiing iol- gende Punkte: „1. Das vereinigte Slowenien als eine administrative Oruppe mit einer gesetzgebenden Korperschaft in Laibach fur alle das nationale Leben der Slowenen betreffenden Angelegenheiten. — 2. Gleichberechtigung der slowenischen Sprache in Schule und Amt und Errichtung einer slowenischen Universitat. — 3. Die Un- abhangigkeit Osterreichs vom Frankfurter Parlamente 11 . Wir sehen also, dafi schon aus diesem ersten windisch-volki- schen Programme ganz unverhohlen der Geist des Panslavvismus weht. Dabei muB bedacht vverden, dafi dies Programm nicht der radikalste Ausdruck des damaligen vvindischen Geisteslebens war. Nachdem nam¬ lich unser genialer Anastasius Griin mit deutscher Deutlichkeit iur Frank¬ furt eingetreten war und dab.ei selbstredend die Masse der damaligen Bevolkerung auf seiner Seite hatte, gab es auch unter den Wenden vor- sichtigere Manner. Der damalige Bischof von Lavant — es war dies Slomšek erklarte sich aui das entschiedenste iiir die historischen Kronlander*). Aber — die Gegensatze beriihren sich. Einer grofien An- *) Obrigens sei auch an dieser Stelle erwahnt, dafi Bischof Slomšek auch fur die Utraquistiscben Schulen eingetreten war. 12 — zahl von Leuten war das Programm noch zu milde. »Man wollte etwas tun“! Nachdem die Fuhrer gezwungen waren, sich bei allen Verhand- lungen zur Verstandigung des Deutschen zu bedienen, stellte der Radi¬ kale Macun den Antrag, die kroatische (!) Spracbe in Schule und Amt einzufilhren. Bekanntlich ist dieser so unsagbar lacherliche Gedanke no.ch nicht gestorben. Hat ja doch erst vor zwei Jahren (1908) Dr. Korošec eine „slowenische Universitat" in Laibach mil kroatischer Unterrichts- sprache verlangt*) . . Mit dem ersten Programme trat aber damals iiberhaupt die „il1yrische“ Idee der Vereinigung mit den Kroaten auf. Sie wurde von den Kroaten, welche ja die Slowenen als »nordliche Kroaten" betrachteten, gelordert. Jelačič berief sogar die slawischen Fuhrer in den Landtag. In dieser Sitzung trat vielleicht den panslavvisti- schen Ton am besten der Vertrefer der steirischen Slowenen Dr. Ko¬ čevar. Aber den radikalsten panslawistischen Mut hatte ein — Deutscher. Es war dies Peter Kosler, Staatsanvvalt-Stellvertreter (oder Notar) in Gorz. Aus vollkommen'deutscher Familie stammend, verlangte er sogar itir das nebelhafte „Slowenien“ die Vereinigung mit den Slowenen in Ungarn und im venetianischen Gebiete. Er und seine Gesinnungsgenossen tauf- ten ihr landesverraterisches Traumbild schon damals »Konigreich Slovvenien."**) Peter Kosler wurde iibrigens spater wegen Hochverrat an- geklagt. Er hatte eine Landkarte mit der allslawischen Bezeichnung aus- gearbeitet und wurde dienstlich geringfugig bestrait. Sonst ist ihm trotz der Strenge der damaligen Zeit nichts geschehen ... Das 1848er Programm ist ganz entschieden der Ausgangspunkt fur die gesamte panslawistische Tiitigkeit des osterreichischen Siidens. Es war der erste Pfeiler in dem Gebaude! Dichterischen Schwung verlieh diesem Gedanken ja Anastasius Grun’s Lehrer Prešeren, als er in seinem „Krst pri Savici" schrieb: »Največ sveta otrokom sliši Slave!" („Die meiste Welt gehort den Kindern Slavvas!“)... In derselben Zeit verschvvanden auch die heraldisch hoher stehenden Farben des XV. Jahrhunderts gelb-blau-rot. Die Slowenen bettelten der gefalligen Regierung »provisorisch" das Dreifarb rot-blau- weifi ab, welches heute (nicht mehr als Krainer Landesfarbe) das Zeichen des sudlichen Panslawismus geworden ist.***) Man gestatte uns aber, die Enlwicklung dieses Allslawentums bis zur modernen Parteienbildung sprungweise noch weiter zu vertolgen! Die erste Folge des 1848er Programmes war eine starke Orga- nisationsarbeit. Fiir uns ist es wichtig, dafi schon im Revolutionsjahre in Graz unter Leitung des Dr. Muršec ein Verein »Slovenija" entstand. Sein satzungsgemafier Zweck war: »Die Hebung des volkischen Be- wufitseins auf Grundlage der Ausbildung der slovvenischen Sprache und des Erkennens der verwandten Mundarten zwecks innigerer Verbindung mit den anderen slawischen Asten." Ahnliche Vereine entstanden alluber- all. Fiir Steiermark arbeitete Professor Konšek in Cilli mit seinem sehr radikalen Blatte »Celjske novine." (»Cillier Neuigkeiten.") In Laibach war die Zentrale ali’ dieser Korperschaften der Bleiweis’sche Verein »Slove¬ nija", mit welchem alle anderen in innigster Fuhlung standen. *) Siebe Agramer Tagblatt" 1909. **) Dr. Lončar behauptet 7.war, der Ausdruck hatte nichts »Staatsrechtliches" an sich; er vergifit aber eine andere Erkiarung zu geben. ***) Siehe »Sudosterr. Korres pondenz," 26. Juni 1908, 6 (12) BI. 13 Und oben — »kummerte man sich nicht“ .. . Man hatte genug damit zu tun, dem deutschen Michel den Revolufionsteufel aus dem Schadel zu priigeln, man schlug den ungluckseligen Weg ein, der heute zur systematischen Verslawisierung fiihrt, wie wir ja noch spater hčren werden. Man wird sagen: Ja, alles dies waren eben nationale Regungen, es war ein volkisches Erwachen ... Ja, ja, aber fur das offizielle Osterreich muB es einen Unterschied geben zwischen Nationalismus im Rahmen des Staates und Panslavvismus. Denn bei den Deutschen hat man einen ahnlichen Unterschied oft recht grausam hergestellt . . . Einige Streiflichter noch ! War es einfaches »nationales Erwachen“, als Dr. Kavčič im ersten Wiener Reichsrate kategorisch erklarte: Die geschichtlichen Kronlander miissen fallen ! ? Und war es einfach ,/volkisches Bewu6tsein“, als schon damals Černe erklarte: Alle deut¬ schen Beamten miissen aus den slowenischen Gebieten verjagt werden ?! . . . in dieser Hinsicht ist ja auch ganz interessant der individuelle Panslavvismus, wie ihn der Schriftsteller Podgornik in seinem Blatte »Slovanski svet“ („Slowenische Welt“) propagierte. Dieser Panslawismus hatte zwei Programmpunkte: „1. Das Russische sei die gemeinsame Sprache aller Slawen. — 2. Die „Kiryll-Methodius-Kirche“ (griechisch- romisch) sei die gemeinsame Religion aller Slawen“. Dieser Podgornik bewies namlich haargenau, dafi die Zukunft der Slowenen im kroa- tischen Staatsrechte liege. Mit dem kroatischen Staatsrechte — so behauptete dieser Phantast — bekommen auch die Slovvenen ihre staats- rechtliche Unabhangigkeit. Denn schon die pragmatische Sanktion be- stimrne, daB in Kroatien und Slavvonien jene Nachkommen der Habs- burger herrschen sollen, welche auch Herrscher der slowenischen Lande sein vverden . . .*) Ubrigens war dieser Panslawismus ja nicht gar so bescheiden. Der vvindische Geistliche und Abgeordnete Raič erklarte z. B. seinerzeit unumvvunden, man solle der (gevviB unglaublich slovvenenireundlichen) Regierung Taaffe keine Rekruten und keine Steuern geben, bis „Slo- wenien“ errichtet werde. Das bezeichnende Wort aber — bezeichnend insbesonders an- gesichts der heute bestehenden Verhaltnisse, bezeichnend fur unseren heutigen Kampf, bezeichnend fur die Richtung, welche die vvindische Politik angenommen hat und annehmen muBte, — dieses Wort sprach das radikale Blatt »Slovan,“ („Der Slawe,“) vvelches zuerst Organ des Dr. Zarnik war, spater aber des Dr. Tavčar und des heutigen Biirger- meisters von Laibach Ivan Hribar wurde. Diese Zeitschrift sagte es un¬ umvvunden heraus: „Wer Slowene und Slawe ist, darf in der Politik dieses und jenes treiben, niemals aber darf er mit den Deutschen *) Obrigens ist diese Behauptung Podgorniks, der sich ja scheinbar sogar ein Dr. Lončar anschliefit, vollkommen falsch. Die pragmatische Sanktion kennt iiber- haupt keine „Sldwenen.“ 1712 erkliirten die kroatischen Stande, im Falle des Ausster- bens der miinnlichen Linie jene Prinzessin als erbberechtigt anzusehen, der Osterreich, Steiermark, Kitrnten und Krain gehiire, weil diese ihnen immer in den Ttirkenkriegen geholfen hatten. Mittlerweile war aber die schon 1703 gemachte Erbordnung 1713 den Geheimritten mitgeteilt und 1720—25 von allen Landtagen angenommen worden. Von ,,Slowenen“ ist nirgends die Rede und die Erklarung der Kroaten gegenstandslos. 14 - paktiercn. Dic Deutschen miissen verschwinden aus dem slo- wenischen politischen Leben, dies aber nicht nur als Faktor, sondern auch als Begriff!“ . . . Was sind die Deutschen fiir diesen Staat? Oder: Was ist das Blut fiir den KOrper? Was sind die Deutschen fiir die Unterlande samt dem Landchen Krain ? Der Steuerzahler! Aber das vorher erwahnte Wort ist ein Signal des Deutschenhasses und der Deutschenhafi, er ist die Seele der windischen Politik. Das Deutschtum der Unterlande ist dem sudlichen Panslawismus der Hemmschuh, ist die Mauer, die seinem Siegeslaufe eine Wehr darstellt. Also — Deutschenhafi, um vorwarts zu kommen, um der „Kultur“ des Balkans Ellbogen- freiheit zu schaffen, — Deutschenhafi, damit der sudliche Pan- slawismus lebe . . . Im Jahre 1868 wurde in Marburg an der Drau das Blattchen ^Slovenski Narod" (Slowenisches Volk“) gegriindet . . . Wir miissen diese Grundung besonders betonen, denn mit diesem Blatte trat der chauvi- nistische Fanatismus der Slowenen in die Bliite. Aufierdem ist die Grun¬ dung des „Slov. narod" sozusagen der Ausgangspunkt fiir das Entstehen moderner windischer Parteien. Bemerkenswert ist es, dafi dieses Blatt in Marburg gegriindet worden ist. Unter den untersteirischen Wenden der damaligen Jahre hat also ein radikalerer Wind geweht als in Laibach des Bleiweifi. Ebenso bemerkenswert ist es, dafi unter den Griindern sehr viele Geistliche zu finden sind; — heute ist das Blatt bekanntlich Organ des „Ketzers“ und „Freimaurers" Dr. Tavčar. Die Richtung des neugegrundeten Blattes war in dem bekannten Wunsche der Vereinigung aller Slowenen in eine .administrative Gruppe gegeben. Und der erste Schriftleiter war der unter dem Namen „windischer Heiland" bekannte A. Tomšič. Einige Monate nach der Griindung des »Slovenski Narod" sind auch schon die ersten Anfange der spater so tief gehenden „illyrischen Bewegung“ zu verzeichnen. Die Anhanger des „Slovenski Narod" wurden „Jungslowenen“ genannt, nach dem Muster der Jungtschechen. Sie hielten es als ihre Hauptaufgabe, den chauvinistischen Radikalismus zu ver- breiten und es kam da oft zu ganz erbitterten Zusammenstofien mit den Bleiweifi’schen Politikern selbst. Letztere hatten namlich noch nicht den Mut, gegen die Deutschen aufzutreten, welche sich mit ihrem »konsti- tutionellen Vereine" um das »Laibacher Tagblatt" scharten und deren Fiihrer insbesonders Deschmann*), Dr. Schalfer, Dr. R. Schrey und Dr. Keesbacher waren. Slowenen, wie Svetec, Toman u. a. hielten sogar die alte Forderung nach Vereinigung aller Slowenen als „minder wichtig.“ EmpOrt warf der „Slov. Narod" (1869, Z. 12) dem Dr. Bleivveifi, Dr. Costa und Dr. Toman „bodenlose Feigheit" (der Ausdruck „bodenlose Feigheit" wurde ubrigens in diesem verbissenen slowenischen Blatte *) Dr. Lončar und alte slow. Literaten nennen Deschmann einen Oberlaufer oder „nemčur" (Deutschtiimler.) Zur geschichtlichen Richtigstellung diene, dafi Desch¬ mann, vvie viele Oberkrainer, ein slawisierter Deutscher war, der im Jahre 1848 den ganzen Slawenrummel mitmachte, aber schon damals die Hohlheit und das Phrasentum seiner Mitstreiter erkannte. Er selbst erklarte vviederholt, dafi ihn schon als Studenten die ,,niedrigen Instinkte" dieser Leute. abgestofien hatten, die sich zudem mit einem .ans' lticherliche grenzenden Orofienwahn verbanden. Als er ins polilische Leben als Mann eintrat, war er schon deutschliberal. (Mitgeteilt von Dr. N.) deutsch gebraucht) vor, weil sie nicht die windische Amtierung im Landesausschusse eingeiiihrt hatten. — Die Jahre 1868— 1871 haiten wir fur aufierst wichtig. Sie ver- wirklichten namlich eine ziemlich strenge Scbeidung unter deti Slo- wenen. Dr. Toman deklamierte wieder dem Grafen Taaffe aus dem Prešeren — Taaffe scheint besonderen Geschmack an den windischem Kunstfriichten gefunden zu haben — die um den „Narod“ gescharten meist jungen Leute aber drangten hinaus, — es kam die Zeit der „illyrischen Bewegung.“ Man lebte wie in einer revolutionaren Sturm- und Drangperiode. „Narod“*) schrieb: „Die Grundung illyriens ware ftir uns der erste Schritt zur Vereinigung der Slowenen.“ Das Programm der „illyrischen Bewegung“ durfte bis auf wenige Punkte jenes gewesen sein, vvelches von der Zeitschrift „Der Osten 1 '**) ab- gedruckt wurde. Der erste Punkt lautete: „1. Das ehemalige Konigreich Ulyrien umfafit nach der Nationalitat begrenzt unter dem Namen „Konigreich Slowenien“ folgende Landstriche: 1. Untersteier- mark, begonnen mit Spielfeld. 2. Unterkarnten, namlich das rechte Ufer der Drau, begonnen mit dem Gailtal. 3. Krain. 4. Gorz und Gradiška. 5. Istrien. 6. Die Um- gebung Triests, also mit der gesamten Einwohnerzahl von l 1 /, Millionen." Die ubrigen Programmpunkte betrafen die Organisation dieses „Kčnigreiches“ (an der Spitze ein Hofkanzler, ein Ausgleich, 6 Landtage, ein gemeinsamer Landtag usw.) Dieses Programm durfte so ziemlich die Stimmung der „illyri- schen Bewegung“. kennzeichnen. Der allgemeine Grundgedanke aber war dieser: Die illyrische Bewegung ist der erste Schritt zur Verei¬ nigung aller Slowenen und diese der erste Schritt zur Verei¬ nigung aller Siidslawen! Es ist eine eigenttimliche geschichtliche Ironie, dafi man gegeniiber ali diesen Erscheinungen so vaterlich ein und auch beide Augen zudriickte. War denn der Liberalismus wirklich so „liberal“? Fur die Deutschen entschieden nicht, wohl aber fur die Slawen. Da war alles erlaubt! Alles, selbst Dinge, die man uns heute nicht er- lauben wurde! Wtirde man heute denn deutsche Versammlungen mit einer ausgesprochen hochverraterischen, verfassungswidrigen Tagesord- nung erlauben? Sagen wir, Versammlungen mit der Tagesordnung: „Die politischen Aussichten Alldeutschlands ?“ . . Damals, vor vier Jahrzehnten, hat man den Slowenen mehr er¬ laubt! Man betrachte nur die Veranstaltungen der „Tabors“ (Tabor — grobe Versammlung), wie man sie in den Jahren 1868 bis 1871 erlebt hatte. Keine einzige dieser Versammlungen wurde verboten oder ge- stort. Der damalige Minister des Innern Dr. Giskra gab den Slowenen eine vollkommene politische Freiheit.***) Als bei Veranstaltung des ersten „Tabors“ in Luttenberg der Bezirkshauptmann Bedenken hatte und nach Wien um Rat fragte, kam Dr. Giskras kategorische Antwort: „Unhe- dingt bewilligen! Dies Wort solite bleiben, ja, es war und ist mafigebend fur die ganze siidslawische Politik, — von oben drohnt es immer: Unbedingt bewilligen . . . Von diesen einem „heiligen Kriege“ ahnelnden „Tabors“ fanden statt: Im J. 1868 in Luttenberg und Markt Tflffer. Im J. 1869 in Brdo *) Nr. 4, J. 1869. **) Feber 1869. *“*) Siehe Dr. Lončars zit. Schritt, welche diese Talsache often anerkennt. 16 — bei GOrz, Lichtenwald, Kaleč in Innerkrain, St. Veit bei Laibach und Friedau. Im J. 1870 in Tolmain, Sessana, Zirknitz, Kapellen bei Radkers- burg, Feistritz bei Bleiburg und Wippach. Die Tagesordnung dieser „Tabors“ war immer ein Gemisch von politisch-panslavvistischen und lokalen Angelegenheiten. Der St. Veiter „Tabor“ (17. Mai 1869) verlangte auch schon eine windische Hochschule und die Grundung windischer Geldinstitute. Aber nicht nur in papierenen Entschliefiungen versuchte man die Zerreifiung der historischen Kronlander zu erzwingen. Im August 1869 hetzte man die Gemeinden auf, die dann dem Reichsrate Petitionen „fur die Vereinigung Sloweniens“ zusendeten. Am 8. Oktober interpel- lierte Dr. Vošnjak im steirischen Landtage wegen dieser Vereinigung, ebenso am 11. Oktober Dr. Bleiweifi. Letzterer verlangte sogar einen besonderen Landtagsausschufi zur Regelung dieser Angelegenheit. Frei- lich war die allgemeine Stimmung noch nicht so weit gediehen und begnugte sich mit einer Entschliefiung, dafi die Grundverfassung vom Jahre 1867 „revidiert“ werden solle. Dr. Bleiweifi war eben nie der Stiirmer; darum warf „Slov. Narod“ auch seinem Blatte vor, es habe gegen Bezahlung die Herbst-Giskraschen Broschuren verbreitet. AH’ diese unsere Bemerkungen aus dem Ende der 60er Jahre sollen beweisen, dafi der im Jahre 1848 erwachte panslawistische Gedanke nicht gestorben war. Aber — wenn dieser panslawistische Gedanke zur Zeit der Franzosen den Laibacher Wenden die Melodien der Marseilleise auldrang, im Jahre 1848 ihre kroatischen Sympathien zu hellen Flammen aullodern liefi, so zeigte er am Ende der 60er und am Anlange der 70er Jahre schon ausgesprochen die fanatische deutsch- feindliche Richtung. Entstand doch damals schon das beifiende Witz- blatt „Brencel]“ (die Bremse), dessen unglucklicher Herausgeber Alešovec Ireilich nach Jahrzehnten blind und von den eigenen Stammesgenossen verlassen in der Gosse enden mufite . . .*) Man lasse diesem Alešovec was ihm gebiihrt: er war ein Talent und empland instinktiv, dafi die jungslowenische Bewegung aul den illyrischen Traum verzichten mussen wird und darum als neuen Nahrstoff den lanatischen Deutschenhafi be- darf. So ward der ,.Brencelj" neben dem „Narod“ der erste Ruler im Streite gegen unser unterlandisches Deutschtum! Und — der chauvini- stische Same fiel auf fruchtbaren Boden. Schon begannen die Aus- schreitungen, die Uberfalle, die terroristischen Angriffe gegen die Deutschen. Der Kurze halber erwahnen wir nur die deutsch-slo- wenische „Schlacht“ in Jeschitza bei Laibach, welche im Jahre 1868 geschah. Am 23. Mai 1869 aber geschah der brutale Uberfall auf deutsche Turner in Josefstal bei Laibach. Die Sachlage war so ernst, dafi die Artillerie und zwei Eskadronen Husaren die ganze Nacht Bereitschaft halten mufiten - ein Vorbild fiir die letzten Laibacher Heldentaten . . . Doch zuriick zu unseren Streiflichtern! Der Erfolg der „Tabors“ war vorubergehend und die „illyrische Bewegung“ erstarb in wehmii- tigen Redensarten. Nur der Grundgedanke eines „Sloweniens“ starb nicht. Im Jahre 1870 verlangte sogar eine Adresse des Krainer *) Die Wenden lieflen diesen antiklerikalen Deutschenfeind Alešovec blind ver- hungern. Heute geben die Klerikalen seine Schrilten heraus . . . 17 — Landtages „die Vereinigung aller Gebiete, in denen das s!owenische Volk wohnt, in ein administratives und soviel wie moglich staats- rechtliches (!) Ganzes". Also tritt in diesem Wunsche auch schon das staatsrechtliche Moment aui. Erst dieses Wort schien auf den Minister Dr. Giskra so einzuwirken, dafi er die ganze Sache „eine Traumerei" nannte. Und doch machte diese Traumerei gar vielen Kopfen noch un- angenehme Nachte! Entstand doch im selben Jahre 1870 schon ein ge- meinsames „siidslawisches Programm“, ausgearbeitet und anerkannt von den slowenischen sowie serbo-kroatischen Politikern, welches auch schon „der Bruder jenseits der Grenzen“ gedachtc . . . Das olfizielle Osterreich tat nichts gegen die Entwicklung dieser Gedankenverbindungen ! In Wien fuhlte man es ja nicht! Und wenn man es fuhlte, machte man sich darum keine Sorgen. Denn eine ernste Ge- lahr fiir das Habsburgerreich war es ja noch nicht. Es war nur eine Gelahr fiir das siidliche Deutschtum und wegen dieses Deutschtumes wuchsen weder Taaffe noch Giskra graue Haare . . . Hatte man schon damals eine Ahnung, dafi in Osterreich einmal Verslawisierungs- politik ganz ungescheut und von sehr hoher Seite aus getrie- ben werden wird? Oder waren diese Zeiten schon der Anfang dieser Verslawisierung ? . . . Moge dies dahingestellt sein. Jedenlalls ist es geschichtliche Tatsache, dass jenes bezeichnende Wort „Unbedingt bewilligen“ und der ganze politische Gedankengang, dem es entsprang, die Verslawisierung gezeitigt hat(e. Vielleicht wird das verslawisierte Krain fiir alle Zeiten ein trauriges laifoal Taaffe’scher Regierungskunst darstellen. In diesen Jahren wurde dw tVainer Deutsch¬ tum aus seinem Besitzstande hinausgezerrt, seiner Fuhrerrolle, ja der letzten Spuren seines Einflusses beraubt . . . Dieses Niederringen des Krainer Deutschtums ist eines der traurigsten Blatter in der Geschichte der Umanderung Osterreichs in einen Slawenstaat. Und man konnte ein Buch daruber schreiben . . . Leider miissen wir uns auf einige kurze Angaben beschranken,*) wel'che die Niederdruckung des Krainer Deutschtums kennzeichnen duriten. Zuerst die sogenannte „slowenische Schriftsprache“, deren Ver- wirklichung bekanntlich auf den „Protestantenfuhrer“ Primus Trubar und den „Klassiker“ Dalmatin zuriickgefuhrt wird. Diese „windische Sprach’“ — wie sie Trubar selbst nennt,**) — war dem wackeren Bischofe ent- schieden nur ein Mittel zum Zweck. Mit ihr wollte er seine antiromischen und bauern-revolutionaren Ansichten verbreiten. Als diese besiegt wurden, begann auch die Zeit der Vernachlassigung des windischen Idioms, welche durch Jahrhunderte dauerte und erst mit der Grundung des Blattes „Novice“ (Bleiweifi) aufhorte. Als die panslawistischen Gedanken der 1848er Jahre entstanden, hatte eine gesunde Politik des osterreichischen Staatsgedankens gewifi kein Interesse an der Entwicklung des windischen Idioms gehabt. Und doch kann man die heutige windische „Schrift- sprache“ cine Frucht osterrcichischer Regierungskunst nennen. *) Den gr6fiten Teil stellte uns Herr Dr. N. zur Verfiigung, den wir hiemit so wie allen anderen Mitarbeitem herzlich danken. **) Womit auch die kindische Behauptung hinfallig wird, daB der Ausdruck „Wende“, „Windischer“, „windisch“ beleidigend sei. 2 18 — Ganz besonders wurde der Pflege dieser sogenannten Sprache von Seite der Regierung seit dem Jahre 1879 Aufmerksamkeit geschenkt. Ihr wich- tigster Forderer war entschieden der Krainer Landesprasident Winkler. In Winklers 12jahriger Landpllegerei erfreute sich das windische Idiom einer solchen Pllege, dafi das Verhalten gegenuber den Deulschen wohl dem Aschenbrodelmarchen entsprach. Wurden doch windische Professoren beurlaubt und reich bezahlt, damit sie in gemutlicher Mufie windische Worterbiicher und Grammatiken schaffen konnten. Fur die Juristen wurde ein eigenes Blatt gegriindet und dies mehr oder weniger „von Regier- ungs wegen“, um das Idiom „gerichtsbrauchlich“ zu machen. Die Regier- ungssonne erstrahlte uber der „Tatsache“, dafi eine „slowenische Sprache" existiere, weil sie vom Standpunkte der Deutschenfresserei existieren mufile . . . Wenn wir heule dies erkiinstelte Machwerk betrachten, so sehen wir einen armseligen, von Studenten der ersten Semester zusam- mengellickten Apparat! Wie komisch wirken gevvifie Ubersetzungen (man nennt sie „Sprachbildungen“) des akademischen Kneip-Komments, die ohrenzerreifienden Kommandoworte der windischen Veteranen- und Feuerwehrvereine. Dann die technischen und Industrie-Bezeichnungen (besonders im Bergbaue) usw. Und doch hat man mit dem Apparate dieser unvollkommenen, zusammengekunstelten „Sprache“ das Deutsche insbesonders in Schule und Amt zu verdrangen gesucht und heute auch schon vollkommen verdrangt. Es ware interessant, sich einmal tiber alte und neue Verordnungen zu machen und dabei insbesonders die unglaubliche Schnelligkeit der Verslawisierung der Amter zu beleuchten. Jedenfalls kann man sagen, dafi auch hier die Ara Winkler das Meiste tat und \Vinklers Nachfolger Hein und Schvvarz in dem schon entfesselten Strome mitschvvimmen mufiten. Dasselbe ist auf dem Gebiete des Schulwesens zu bemerken. Die utraquistischen Volksschulen verschwanden und es traten rein slovvenische an ihre Stelle. Infolgedes- sen mufiten deutsche Privatvolksschulen errichtet werden. An der Real- schule in Laibach wurde der slowenische Sprachunterricht fur die Slo- wenen obligat; ebenso begann man den Religionsunterricht in den slowenischen Parallelklassen (I, II) slowenisch zu erteilen. Am Gymnasium vollzog sich die vollstandige Slowenisierung des Unter- und die teil- weise des Obergymnasiums. Desgleichen geschah an der k. k. Lehrer- bildungsanstalt in Laibach. Bei Gericht wurde das Slowenische last zur inneren Amts- sprache neben dem Deutschen. Die Bezirkshauptleute forderten syste- matisch innen und aufien die Slowenisierung. Beamte und Lehrer, welche den Mut hatten, sich der alten historischen Rechte der Deutschen an- zunehmen, wurden verlolgt und in Disziplinaruntersuchung gebracht . . . Und — o bittere lronie! — die entscheidendsten diesbeziiglichen Erlasse fallen gerade 100 Jahre nach dem Regierungsantritte Kaiser Josef H. . . . Der 1. Landtag in Krain tagte nach dem Februar-Patente 1861 — 66. Landeshauptmann war Wurzbach, sein Stellvertreter Dr. Josef Suppan (deutsch). Stadte und Markte sowie der Grofigrundbesitz waren durch Deutsche vertreten. \Vahrend die Vertretung der Handels- und Gewerbe- kammern schwankte, waren die Vertreter der Landgemeinden Slowenen. Die „Deutschliberalen“ scheinen die Mehrheit gehabt zu haben. — In — 19 — der 2. Periode (1867) siegten die Slowenisch-Nationalen auf der gan- zen Linie; alle Korper bis auf den Grofibesitz waren durch Wenden vertreten. Die Herrlichkeit dauerte aber nur vom 2. Janner bis auf den 3. Marž. - In der 3. Periode (1867—70) waren der Grofigrundbesitz, dann die Stadte und Markte (Laibach, Adelsberg, Rudolfswert und Gott- schee) deutschfortschrittlich, Handelskammern und Landgemeinden slo- wenisch-national. — In der 4. Periode (1870- 71) w'ar schon der Einflufi Hohenwarts sehr bemerkbar und schwankte das Verhaltnis zu Ungunsten der Deutschen. In der 5. Periode (1871—77) ,war Landeshauptmann Kaltenegger, sein Stellvertreter aber der panslawistische Peter Kosler. Der Grofigrundbesitz sowie die Stadte Laibach, Idria und Gottschee waren deutschfortschrittlich, die Handelskammer sowie die Landgemeinden windisch-national. — Was die 6. Periode (1877 — 1883) anbelangt, so war Kaltenegger Landeshauptmann (wurde aber 1881 enthoben und durch Grafen Thurn ersetzt). Der Grofigrundbesitz sowie die Stadte Laibach, Idria, Neumarktl, Adelsberg, Gurkfeld und Gottschee als auch die Han¬ delskammer waren deutschfreiheitlich; die Landgemeinden slovvenisch. In den folgenden Perioden ist den Deutschen Dank der Mitwirkung der Regierung die Mehrheit fiir alle Zeiten entrissen worden und nur der Grofigrundbesitz sowie die Stadt Gottschee sind deutsch geblieben. In der Periode 1895 — 1902 standen sich schon liberale und klerikale Slowenen gegenuber. Es war diese Grundung eine Tat Winklers, der dadurch die deutsche Macht in der Offentlichkeit brach. Das Rezept der Regierung war: ein „Liberalismus“ ist notvven- dig; bisher nannten sich aber nur die Deutschen „deutsch und liberal", also mufi. eine slowenisch-liberale Richtung entstehen, um die Deutschen niederzuringen. Wir sehen, dafi die Landesvertretung zuerst eine slavvi- sche Mehrheit hatte, welche in den Jahren 1871 — 1883 in die Hande der Deutschen kam, welchen sie aber von der fiir das unterlan- dische Deutschtum so schicksalsvollen Regierung Taaffe entrissen wurde. Es lag einfach im Regicrungsprogrammc, den SIowenen auf Kosten der Krainer Deutschen mehr zu geben, als diese in ihren kiihnsten Traumen erhofften. Mit dem Falle der Landesvertretung war eine breite Bresche in den Besitzstand des Krainer Deutschtums geschossen. In der Zeit von 1882 bis 1885 fielen dann auch langsam die Landstadtchen in slawische Hande. Dies sind einige Punkte aus der Geschichte der Verslawisierung Krains. Freilich ■ geht diese Verslawisierung schon auf den Anfang des XIX. Jahrhundertes zuriick. Sie wurde in den letzten Jahren mit grofien vol- kischen Opfern etwas eingedammt, nimmt aber infolge der Mitvvirkung der Regierungen doch stetig zu. Dabei ist eines bemerkensvvert: Man darf das Krainer Deutschtum- trotzdem nicht zum Tode verurteilen, denn das Zahlenverhaltnis zwischen Deutschen und Slowenen hat sich nicht ungunstig fiir die Deutschen gestaltet. Nur einiges sei diesbeztiglich er- wahnt. Statistische Aufzeichnungen vor dem J. 1850 sind nicht zu haben und wenn sckon, so gevvifi ganz unverlafiliche. Bezeichnend ist eine Schulstatistik vom Jahre 1852, wo in ganz Krain 513 Gymnasiasten waren, unter denen nur 36 Deutsche gezahlt wurden. Alten Geographie- buchern (also ziemlich „offiziellen“ Quellen) entnehmen wir, dafi die 2 * — 20 — deutsche Bevčlkerung in Krain im Jahre 1859 von 36 -40.000 zahlte. Im Jahre 1863 zahlte man 25.000 Deutsche, im Jahre 1894 aber 28.000 Deutsche. Ohne auf die neueren Zahlungen einzugehen, kOnnen wir doch mitteilen, dafi die letzten Resultate ein Aulsteigen der deutschen Bevol- kerung von 5'4°/ 0 auf 5'7°/o verzeichnen. Betont mufi dabei werden, dafi gar viele aus Furcht und Borniertheit, weil sie glauben, jeder in Krain geborene Mensch musse ein „Slowene“ sein, ihre deutsche Stam- meszugehorigkeit verleugnen. Also: das Krainer Deutschtum ist nicht wegzufegen, in dem Zahlenverhaltnisse gegen die Wenden geht es sogar vorwarts, in seiner wirtschaftlichen Kraft ist es bedeutend fur den \Vohlstand des Landes.' Aber jeder Einflufi auf die Vertfetung in den offentlichen Kor- perschaften ist ihm genommen worden, Schule und Amt sind ihm ent- rissen und verslawisiert worden und die letzten Barbareien haben die letzte deutsche čffentliche Aufschrift beseitigt So.kam der Anfang vom Ende — der Anfang der windischen Gewaltherrschaft, das Ende der zu rechtlosen Steuertragern nieder- gedriickten Deutschen Krains! Schritt fur Schritt ging diese Nieder- driickung vor sich, der letzte Laibacher deutsche Burgermeister fiel, — der osterreichische Siiden drangte die Deutschen aus ihren geschicht- lichen Stellungen und zwang sie in die Rolle der Abwehr, in vvelcher sie ja noch heute sind . Und gleichsam als Triumph dieses sla- wischen Sieges trat im Jahre 1890 eine Versammlung der slowenischen und kroatischen Abgeordneten Istriens zusammen. Sie bekannte es laut: Das politische Ideal der Siidslawen ist ihre Vereinigung und der erste Schritt dazu die Vereinigung der Slowenen! — „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan", — der Schweifi des Deutschtums klebt an der bluhenden Krainer Scholle, die man eben diesem Deutschtume ent.rissen hatte . . . Und mein Vers ist traurige Tat- sache geworden: „Zuviel des Schmerzes ist’s, zuviel! Wir deutsche Krainer, einsam wandelnd. Wir leben immer im — Exil!“ . . . In den Slcwenen aber begannen sich naturgemafi moderne po¬ litische Gruppen und Parteien zu bilden, — das Einigkeitsidol des alten Blehveifi stiirzte wie eine zerbrochene Statue vom Piedestal . . . Moderne Politik! \Vas die Osterreichischen Deutschen schon vor 40 Jahren ihr Eigen nannten, begann sich in der nachhumpelnden win- dischen Nation erst nach dem Jahre 1892 zu regen. Wir ervvahnten schon, dafi der „Slov. narod“ von slovvenischen Geistlichen gegrtindet und zu chauvinistischen Zwecken erhalten worden ist. Im Jahre 1869 ervvarmte sich dies Blatt noch leidenschaftlich fur die Grundung„katho- lisch-politischer Vereine." Spater, viel spater, begann es zu „liberalisieren.“*) Aber trotzdem es schon in heftigster Fehde mit dem windisch-klerikalen „Slovenec“ (Der „Slowene“) stand, war seine freiheitliche Gesinnung 0 Politik des Landesvervvesers Winkler! — 21 doch noch aui sehr schwachen Fiiften. Die Druckerei dieses Blattes, (»narodna tiskarna") warf z. B. im Jahre 1893 das Arbeiterblatt »Delavec" aui 'die StraBe, weil dasselbe einen Artikel uber den politischen EinfluB des Papsttums gebracht hatte Ein Jahr darauf, 1894, wurde die fo.rtschrittlich sein wollende, gegen die Klerikalen ins Leben gerufene »narodno-napredna stranka" (national-fortschrittliche Partei) gegrundet. Und wir betonen, daB an dem Programme. dieser Partei, die »liberal" sein wollte, zwei katholische Geistlicbe, Koblar und Dr. Gregorčič, die Hauptarbeit leisteten . . . So war denn in Krain der Parteienzwist geboren. Im Anfange war er nur in den PreBkampfen zu bemerken. Ja, es kamen vvieder Jahre, wo eine Partei der anderen siilten Einigkeitshonig ums Maul schmierte. So im Erdbebenjahre 1895, als ja schon der beruhmte, in »allen slawischen Sprachen redende" ehemalige Agent Ivan Hribar dem fruheren Leiter der „Banka Slavija" K. in Laibach — sagen wir — »iolgte" und Biirgermeister, nein, „župan bele Ljubljane" geworden war und so- gar Wohltater der schwer getroifenen Laibacher Bevolkerung ward, wenn auch dies letztere bauptsachlich mit deutschen Geldern . . . Herr Hribar lud im J. 1895 die klerikalen Fuhrer zu sich und schlug ihnen einen »Waffenstillstand“ vor. Und die Klerikalen verlangten soiort dafiir 3 Ge- meinderatsmandate. Aber als den Klerikalen diese ihre Wunsche erfullt wurden, vergaBen sie auf ihr Versprechen und Herr Hribar mufite »ent- riistet" sein, last so entrustet, als damals, wo ihn die Witwe des un- glucklichen Bankbeamten und Schriftstellers J. hilfeheischend besuchte. Es war also eine fortschrittliche Partei entstanden. Sie hatte alle Erbfehler des jiidisch-deutschen Liberalismus. Sie hatte kein ernstes — eigentlich uberhaupt kein — Programm. Sie war zuerst angebliche Vertreterin aller Klassen und Stlinde und Berufe. Nach einigen Jahren war sie Vertreterin des kleinen Bauern und der Stadtebevčlkerung. Dann nrachte sie einen Abstecher ins soziale Gebiet und wollte die Arbeiter vertreten. Nach etlichen Jahren erklarte sie endlich, sie sei nur die Ver¬ treterin des aus schlechten Bauern zulackierten windischen Burgertums und des Grofigrundbesitzes . . . Eine lacherliche liberale Fratze! Kein Wunder, — denn die ganze Geschichte des windischen »Liberalismus" hat nur den brutalen Pfaffenfresser Dr. Tavčar zu verzeichnen. Tavčar und windischer „Liberalismus“ sind gleichvvertige Begrilie. Die Klerikalen hatten bessere Kopfe. Ihre Politik beginnt mit der Tatigkeit des Dr. Mahnič, Und es war eine starke Personlichkeit, dieser Priester! Er war der Pionier der windisch-klerikalen Bewegung. Der befruchtende Samann aber war der Fiirstbischof von Laibadh und spatere Kardinal in Gorz, Dr. Missia. Er schuf mit einer in ihrer Riick- sichtslosigkeit geradezu terroristischen Kraft das, was man den windi- dischen »Klerikalismus" nennt und was heute gewiB der mafigebend- ste Faktor des osterreichischen Siidens ist. Die Erbschaft des Kardinals Missia und des Dr. Mahnič tibernahm dann Dr. Šušteršič, der die vvindische Politik noch heute leitet. Mit starken rednerischen Mitteln (Dr. Krek) und einer skrupellosen Demagogenpresse wurden eine soge- nannte »christlich-soziale" Bewegung fur die Industrie und eine Agrar- partei fur das Land geschaffen. Hand in Hand damit ging eine freilich katastrophale wirtschaft!iche Organisation, iiber die wir ja noch spater reden werden. 22 — In Krain wurde der „Liberalismus“ gar bald vom Ilachen Lande vertrieben und auch in seine stadtischen Schanzen sind schon breite Breschen geschossen worden. Viel spater vollzog sich diese naturgemafie Parteiverschiebung in den Grenzlandern. In Untersteiermark ist sie nach der Reichsraiswahl 1906 ge- kommen, Es wurde eine lacherliche, uberzeugungs- und programmlose „narodna stranka" (Nationalpartei) von einem arbeitslosen Journalisten hervorgezaubert, die nur inlolge der demagogischen Ausbeutung der 7jahrigen Erziehungsarbeit der deutschfreundlichen „Štajerc-“Bewegung zu einigen vorubergehenden politischen Erlolgen gelangte, dann aber sofort alle Windelbegeisterung uber Bord warf und die wusteste Deutschenhetze zu verbreiten begann. Es ist ganz bestimmt, daB die nachsten Wahlen diese krankhafte Gruppe vom Erdboden wegfegen werden. Die Landtagswahlen (Mai 1909) haben dies schon sehr deut- lich gezeigt (es wurde nur 1 Abgeordneter der Liberalen gewahlt). Die windischen Klerikalen haben ihren Fiihrer in dem Kaplane Dr. Korošec gefunden. Die Art seines Kampies werden wir im nachsten Abschnitte dieses Buchleins beleuchten. Was Karnten anbelangt, so schuf dort eine national-slowenische Bewegung erst der aus Krain eingewanderte Dr. Brejc. Die „Erfolge“ derselben sind aus der Tagespresse zu ersehen. Vor rund 2 Jahren wurde ein liberalisierendes Blattchen „Korošec“ („Der Karntner") ge- grundet. Doch scheint es gar nichts machen zu konnen. Um noch Triest mit dem Kustenlande zu erwahnen, so sei ge- sagt, daB wohl schon Jahre her eine „liberale" Partei besteht, deren Fiihrer Dr. Tuma aber ihre Aussichtslosigkeit dadurch bewies, daB er mit Pauken und Trompeten ins sozialdemokratische Lager uberging. Die Triester Slowenen selbst leiden an einem bis an den Wahnsinn grenzenden allslavvischen „Idealismus.“ — Dies ist in kurzen Strichen die Geschichte der Entwicklung des windischen modernen Parteilebens. Die Folgen dieser Entwicklung werden wir noch spater beleuchten. Wahrend dieser ganzen Entvvicklung schlief naturlich der pan- slawistische Gedanke nicht. Als ein Kuriosum ware anzultihren, daB der Taumel sogar die „internationale“ Sozialdemokratie erfafite. Im soz. „Delavec“ (1896, Nr. 32) erschien ein Artikel „Sudslawische Schwierig- keiten," dem wir folgende Satze entnehmen: „Ist es nicht wahr, dafi der Sozialismus eine grofiere Idee ist vvie jene des Luther? Und wenn Luther die deutschen Dialekte vereinigen konnte, kbnnte der Sožialismus nicht die Stidsl,awen in der Sprache naher bringen? Es moge ein sud- slawisches belletristisches Blatt gegrundet werden, in welchem in allen 4 Sprachen geschrieben wird . . . “ Also der Sozialismus als Retter des siidlichen Panslawis- mus! 10 Jahre nach diesem Ausdrucke utopischer Weltaulfassung er¬ schien in Cilli das anonyme Biichlein „Der Panslawismus.“ Es verbrei- tete den Standpunkt, daB die zu errichtende Autonomie Polens (!) der erste Schritt fiir die Fleischwerdung des Panslawismus be- deute . . . Man kann ali’ diesen Tatsachen viel Humor abgewinnen. Aber ernster ist der sich entwickelnde Deutschenhafi. Denn dieser ist so- zusagen der rote Faden, der sich durch die ganze politische — 23 — Entwicklung des Wendentums zicht. Die genaue Formel der siid- osterreichischen Politik lautet heute einfach: Panslawismus durch Deutschenhafi oder: Errichtung der panslawistischen Siidstaaten durch Vernichtung des unterlandischen Deutschtums. Wohl lassen sich - den osterreichischen Regierungen sei es hinter die Ohren geschrieben — aus dem windischen Lager selbst war- nende Stimmen vernehmen. So schrieb „Abditus“ (»Naši Zapiski", L, 3) Wortlich: »Besonders die Siids!awen sind berufen, da(3 sie einmal mit ihrer Kultur den Balkan beherrschen und so ein starker Ast am Weltstamme werden. Dies ist aber nur moglich, wenn sie sich kulturell vervollkommenen, nicht wegen des Hasses zu anderen Volkern, sondern wegen sich selbst. Die Mehrheit (der Siids!awen) versteht aber die slawische OemeinbUrgschatt als einen organisierten Angriff auf andere Volker (!!!)“ . . . Und ein Schiller Prof. Masaryks, Dr. A. Dermota, schrieb (»Naši Zapiski" 1 ., 3): > »Ist vielleicht dies ein Kampf ftir unser Heim, wenn man dem Volke den Chauvinismus gegen die Nachbarn einfloBen will? Heifit es nicht, unserem Heime am argsten schaden, wenn man das Volk zum Kampie bis aufs Messer gegen den hundert- und hundertmal starkeren Gegner und Nachbar ruft? Nur ihre Faust heben diese Machtigen und — wir sind nicht mehrl" Diese ehrlich-warnenden Stimmen hatten keinen Erfolg. Nirgends! Und man mochte fragen: Warum nicht? Vielleicht, — wir schliefien diesen Abschnitt mit dieser gewifi zu bejahenden Frage, — vielleicht •st es auch der Wettlauf der so unnatiirlichen windischen Par- teien, der den Deutschenhafi zeitigt. Ein Agitationsmittel verwerf- lichster Art ist der Deutschenhafi! Die »Kultur" des Wenden vertragt keine Gegensžttze von \Veltanschauungen, — darum ist der Deutschen- hati der Boden ftir die windische Parteienkonkurrenz. »Verrat an die Deutschen" ist heute das Losungswort, mit welchen die Massen ge- Wonnen werden sollen. Eine Partei wirft der anderen diesen »Verrat" vor. Die ganze politische Tatigkeit lebt von diesem „Verrate“ . . . Eine lacherliche Fratze ist dieses windische Parteigetriebe! Ehrliche Politik saugt ihre Kraft aus dem eigenen Volke, nicht aber aus dem Verhalt- nisse zu andern Volkern! Und doch ist diese windische unehrliche Po¬ litik eine Gefahr. In einem Heuschober kann ja auch das unbedeutende Ziindholzchen zur Gefahr vverden . . . Der Deutschenhafi ist die politische Betatigung des all- slawischen Idealismus. Wir unterlandische Deutsche hoffen damit — ftir uns! — fertig zu werden. Wird es der Staat auch ? I^riegrjeib ra. Wir haben uns redlich Muhe genommen, im letzten Abschnitte die Entwicklungsfaden der windischen Politik blofizulegen. In dieser Zeit hatte man die unterlandischen Deutschen wohl vollkomrnen im Stiche gelassen und dies von allen Seiten. So lag denn die Sache auf einmal derart, dafi dieses allslawische Slowenentum zum Sturme blies und das Deutschtum der Unterlande sich plotzlich auf allen Gebieten in der verzweifeltsten Abwehr befand. In Krain war das Spiel ja sozusagen schon vollendet. Seit alle mafigebenden Korperschaften in windische Hande tibergegangen waren, spielte das Krainer Deutschtum die Rolle des — ergebenen Steuerzahlers. \Virtschaftlich genommen war es ja immer eine bedeutende Kraft — und wenn die Wenden wirtschaftlich nur einen Teil dessen leisten wurden, was die Krainer Deutschen leisten — nun, dann hatte man in Krain nicht die bankerotte Lage des Landes wie heute.*) Polilisch ge¬ nommen aber spielten die Krainer Deutschen nicht mehr die erste Geige; wohl aber waren sie sehr oft das Zunglein an der Wage. Im Landtage zwang der deutsche Grofigrundbesitz die windischen Parteien gar oft zu Kompromissen. Bei Gemeindewahlen mubten die nationalen Gegner mit den deutschen Stimmen rechnen. In einigen Gemeinden (z. B. Abling usw.) bemerkte man sogar wieder ein Vorwartskommen des Deutschtums. Im groben ganzen aber kann man sagen: Das Krainer Deutschtum, betro- gen und beraubt um die ihm gebuhrende Macht in der Offentlichkeit, wahrte in den letzten Jahren in zaher Ausdauer den ihm gebliebenen Besitzstand. „Festhalten, was unser ist“ war die Parole. Freilich, gar oft erlitt das Krainer Deutschtum Wunden und Beulen, mehr noch durch die „hohe“ Zentralpolitik als durch den Ansturm des Gegners. Wir er- wahnen da nur die Kampfe auf dem Gebiete der Schule, den rucksichts- losen, wutenden Kampf um jede Lehrer- oder Professorenstelle, die letzten Mittelschulzugestandnisse an die Wenden, die Beamtenanstellungen bei Staats- und Privatunternehmen. \Vir erwahnen den Kampf um das Laibacher Gaswerk, um die Laibacher zweisprachigen Strabenbezeich- *) Wenn wir mir die Krainische Industriegesellschaft einerseits und die Krai- nische Sparkasse andererseits nehmen, so haben wir damit schon zwei fur die wirtschaftliche Lage des Landes 'entscheidende Faktoren genannt. 25 - nungen. Wir erwahnen die jahrlich regelmafiig wie Sonne und Regen wiederkehrenden „Demonstrationen“ vor dem deutschen „Kasino“ in Laibach, den Einbruch des Biirgermeisters Hribar in den „Kasino“-Garten, das Herunterreifien der deutschen Fahne, die niedrigen Mifihandlungen der strammen Mitglieder der akad. Verbindung „KarnioIa“ die volkischen Kžimpfe in Afiling und Neumarktl usw. Alle diese Falle, uber die man des Langen und Breiten reden konnte, zeigen gar deutlich, dah der Abwehrkampf des Deutschtums in Krain gar oit ein Verzweiflungs- kampf war. Und doch konnen wir mit tiefer Genugtuung sagen: Sie hielten sich, unsere Briider in Krain, ein Sinnbild wahrer Nibelungen- treue . . . Heil ihnen! Auch das kustenlandische Deutschtum hatte im letzten Jahrzehnte seinen bescheidenen Besitzstand zu erhalten. Der „Weg zur Adria“, — eine kulturell-politische Selbstverstandlichkeit! — wie bescheiden zeigt er sich in seinen heutigen Spuren! Die wackeren Volksgenossen taten ja gewifi in einem Meere von Feinden ihre Pflicht, oft mehr als ihre Pflicht; aber sie blieben doch wie Korallenklippen in sturmzerwuhlter See. Sie hielten, was zu halten war, mufiten aber gar oft mufiige Zu- schauer der Kampfe zwischen romanischen und slawischen Gegnern sein. BevVunderri muh mam die innere Begeisterung, durch die es moglich War, dah diese kiistenlandischen Deutschen deutsch geblieben sind. Denn es ist ja Triest, die Hafenstadt, der Mittelpunkt, Triest, das mit seinem durch den „Piccolo“ so fein verschlcierten, durch den „L’lnde- pendente" so grob hinausgeschrieenen Irredentismus, durch seine gassen- bubisch frechen Mazzarini-Leute und anarchistischen „libertari“, durch seine jeden Augenbiick mit dem Generalstreik drohende, unzufriedene Arbeiterschaft, durch seine Slowenen, denen die Feldwebelweisheit der Schriftleitung der „Edinost“ („Einigkeit“) stets emsiger das Gift alls!awi- scher Denkungsweise eintraufelt,*) immer ein Hexenkessel ist und wohl noch infolge jener „gewissen“ Haibheit und Schwachheit bleiben wird. Und in diesem Hexenkessel mussen sich die Deutschen halten. Sie halten sich auch und es ist wohl eine der bemerkenswertesten, schonsten Tatsachen, dah sie sich insbesonders an den volkischen Schutz- vereinsgedanken klammern, aus ihm Kraft und Hoffnung saugen, dafi sie die Macht und die Begeisterung anerkennen, welche aus dem volkisch geopferten Heller fliefien kann . . . Und in ali’ diesen Kampfen hatten die Triester Deutschen stets das grobe Ziel vor Augen: Triest wird und mufi einmal geschichtliche Bedeutung fiir das gesamte Deutschtum erhalten ; — grofie germanische Aufgaben vverden dort vollzogen werden . . . Ganz anders sind die Verhaltnisse dertetzten Jahre fiir die win- dischen Teile Karntens verflossen. Von den Wenden wurde dies wun- derschone Landchen immer „Tužni Korotan' 1 („das traurige Gorotan") genannt. Warum? Kiirnten ist in seiner windisch-nationalen Entwicklung gegenuber den anderen Landern weit zuruckgeblieben. Wahrend in Krain das ehemals herrschende Deutschtum schon in die engsten Gren- zen gezvvangt war, wahrend in Untersteier schon der chauvinistische Kampi bis aufs Messer tobte, war hier noch alles ruhig. In Karnten *) und in deren Schriftleitung im J. 1902 oder 3 der heule in serbischen PreGdiensten stehende Plut war, welcher im Wiener Priedjung-Prozesse genannt wurde. 26 hatten die Deutschen nach Herzensjust „germanisieren“ konnen, wenn das unterlandische Deutschtum tatsachlich an einem „Ausdehnungswahne“ leiden wurde. Der windische Bauer in Karnten brauchte eigentlich kaum noch eine Generation, um „deutsch“ zu werden. Die Deutschen haben keine Entnationalisierung betrieben. Sie haben nichts getan, um das Aus- sterben dieser Landsleute, die man in keiner Hinsicht „Slowenen“ nennen kann, deren Idiom neun Zehntel Germanismen enthalt und die niemals die slowenische „Schriftsprache“ verstehen werden,*) zu beschleunigen. Jedes andere Volk hatte sich der Wenden in Unterkarnten voJlkommen bemachtigt,**) hatte seit den 60er Jahren jede Špur ihres selbstandigen Volkstums einfach verwischt. Und vom Standpunkte des gesunden vol- kischen Egoismus ware dies ja selbstverstandlich! In Karnten aber liefi man utraquistische Schulen bauen, gleichsam als Triumph osterreichischer Regierungskunst. Man zwang die mit den deutschen Schulen so zufrie- dene BevOlkerung zum Besuche dieser Kauderwelsch-Anstalten. Der Orgelbauer und Abgeordnete Grafenauer mag ja uber hoheren Auftrag dies alles leugnen, obwohl es ihm wenig ziemt .***) Aber fur jedermann, der nicht vom Parteifanatismus befangen ist, mufi die Tatsache gelten: alles in Karnten fur die slowenische Bewegung Erreichte ist eigentlich ein gnadiges, nobles Geschenk der Regierung, die an dem Krainer Verslawisierungsbeispiel sehr wenig gelernt hat Und die Deutschen waren vielleicht oft sehr sorglos.****) Auf der durch die utraquistischen Schulen, welche die fur Karnten einzig notwendige deutsche Schule verdrangten, gebauten Grundlage entstanden dann die Fruchte des lacherlich ubertriebenen „Gleichberechtigungs“-Gefuhles: es kamen „die Krainer 1 ' . . . Krainer, — ein Dr. Brejc! Krainer — das heifit, die Hetze des allslawischen Chauvins! Und heute schreibt die pansla- wische Presse, Karnten sei „eine Ehrenangelegenheit der Slowenen“, heute ist dies schčne Landchen ein Versuchsobjekt allslawischer Demonstrationen. Es bereiten sich die wilden Kampfe vor, die der Steirer schon uber ein Jahrzehnt her kennt! Ein Wendenpriester in Un¬ terkarnten liefi im blinden Hafie dreimal das katholische Kreuz aus dem Grabe einer Arbeitersfrau reifien, weil es — eine deutsche Inschrift hatte . . . Wir mufiten diese Bemerkungen, teilvveise vorausgreifend, machen. Mit ein paar einfachen Strichen wollten wir die fur uns Deutsche der Unterlander mafigebenden Erscheinungen zeichnen. Dieser Einleitung *) Eine Stichprobe aus dem Karntner „Windischen“: „rajtat“ (rechnen, vorschlagen), „hemajnda“ (Gemeindel usw. Herr Hauptschrittleiter Lackner (Klagenfurt) teilte mir iibrigens mit, da!3 es dort zwei Arten Slowenen gibt: die ersten, von Krain verhetzten nennen sich selbst ,,Slovenci" (Slovvenen); die echten Karntner aber nennen sich selbst „Windische,“ welcher Ausdruck die volle Deutschfreundlichkeit beinhaltet; diese (und es ist die groBe Mehrheit) sind beleidigt, wenn man sie „Slowenen“ nennt. **) Man denke nur, wie es die Italiener im Friauler Lande mit den Wenden machten! Eine Entnationalisierung der Slowenen ist schon iniolge ihres starken Spra- chentalentes nicht schwer. ***) Grafenauer soli der Abkommling einer bayrischen Einwandererfamilie sein. Heute ist er ein windischer Fiihrer. Seinen deutschen Namen hat er nocli nicht abge- legt. Er war seinerzeit wegen Hochverrat in Untersuchung. »*»*) [)i ese dej- frtiheren Politik geltende Bemerkung soli kein Vorwurf sein, umsomehr nicht, als heute die volkische Abwehr in Karnten durch Manner wie Do- bernig, Dr. Angerer, R. v. Mettnitz usw. herrlich organisiert ist! — 27 — folgt aber die Behauptung, welche keinem Kenner bevviesen werden' braucht: dafi sich namlich der eigentliche nationale Kampf des unterlandischen Deutschtums in den letzten 8—10 Jahren in Untcrsteiermark (in allerletzter Zeit auch schon in Unterkarnten) abgespiclt hat. Dieser Kampf kann die Art der Taktik unseres win- dischen Gegners kennzeichnen. Wir mussen ihm also breiteren Raum. lassen. * Das gesamte Vordringen und der ganze „rot-bIau-weifie Terror" in den unteren Teilen der Steiermark und Karntens gehčrt infolge seiner brutalen Rucksichtslosigkeit in die Biicher geschichtlicher Absonder- lichkeiten. Bevor wir auf den gewaltigen Kampf der deutschen Stadte und Markte kommen, muben wir eine vvichtige Erscheinung kennzeichnen. Im Mittelpunkte dieser ganzen 8—lOjahrigen Ereignisse steht namlich das deutschfreundliche, fortschrittliche Blatt „Štajerc.“ :i ) Wenn wir also den Angriff des Wendentums in den letzten 10 Jahren kennzeichnen wollen, so mussen wir auch einen Blick auf die Geschichte der „Štajerc“-Bewegung vverfen.*) **) Und da lesen wir in der Schrift „Sieben Jahre Kampf" vvčrtlich:: „In den Herzen Einzelner in Steiermark entstand eine grofie Unzufriedenheit, eine grofie Entrtlstung iiber das brutale, roiie Vorgehen der klerikalen Pervaken.***) Sie entrUsteten sich iiber den MiBbrauch der Religion, uber die grenzenlose Hetze gegen den deutschen Nachbar, mit welchen man immer in freundschaftlichem Ver- haltnisse gelebt hatte, — und sie entriisteten sich Uber den letzten, unendlich niedrigen und gewissenlosen Angriff, durch welchen die Pervaken Hunderte von Handelsleuten und Gewerbetreibenden aushungern und unzahlige Familien dem Elende preisgeben vvollten ..." Der durch diese Worte gekennzeichneten Sachlage entsprofi der „Štajerc.“ Aus den politischen Entwicklungsphasen, welche wir im letzten Abschnitte dieses Schriftchens zu zeichnen versuchten, entsprang fur alle mit der Sprachgrenze irgendwie in Verbindung stehenden Lander- striche das sogenannte „Pervakentum“. Es war eine politische Klique, deren verstarrter Konservatismus keine Entwicklung kannte. Eine Art von karrikiertem Heroentum war dieses Pervakentum, eine Gruppe von Leuten, die sich sozusagen von „Gottes Gnaden" als geborene Ftihrer des vvindischen Volkes betrachteten. Programme, Ziele, Absichten,. Richtungen kannte das Pervakentum nicht. Es war einfach eingewachsen in den Boden. Jeder Fortschritt, ja, auch jeder Ruckschritt war ihm ein Greuel. Die bedeutendsten Namen dieser Gruppe sind: Dr. Dečko, Dr. Žičkar und der in letzter Zeit freilich mehr „opportunistisch“ veranlagte Hofrat Dr. Ploj. Dr. Žičkar starb eines naturlichen Todes und wurde mit ihm ein gut Stiick des alten Pervakentums begraben. Dr. Dečko wurde *) „Štajerc“ — der „Sleiner“, von Deutschen verwirklicht, in windischem Idiom geschrieben, begegnet er kraftig dem Angriffe des Panslawismus. Sein Programm ist: Wirtschaftlicher Fortschritt und volle Deutschfreundlichkeit (deutsche Schulen usw.) **) Diese Geschichte ist als Beilage der 1. und 2. Nummer des „Štajerc‘" 1907 unter dem Titel ,,Sieben Jahre Kampf 11 erschienen. Ich halte mich als Verfasser dieser und jener Schrift an diese Beilage. Selbstredend entsprechen die angefuhrten Einzelfalle, die wir zur lllustration brauchen, in jeder Hinsicht den Tatsachen. Wo nicht Namen angefUhrt sind, stehen diese auch zur VerfUgung. ***) Pervaken sind unserem landlaufigen Begriffe nach die gevvissefllosen Fuhrer besser Verfiihrer des, windischen Volkes (prvak = der Erste, der Leitende). — 28 — laut einstimmigen Aussageti der Wenden selbst von den wiihlenden, mit der alten Richtung unzufriedenen Jungklerikalen durch persčnliche An- griffe verbittert und schliefilich in die Nacht des Wahnsinnes getrieben, aus welcher ihn der Tod vor einigen Jarhren erloste. Ober Dr. Ploj werden wir leider noch reden mussen; jetzt sei damit genug gesagt, dafi diesen mit einer so unglaublich glucklichen Karriere bedachten Mann*) das allgemeine und gleiche Wahlrecht wie einen Brotteig um- geknetet und durchgearbeitet, aber auch dem politischen Tode ausge- liefert hat. Mit diesen drei Namen stirbt das alte Pervakentum. Und die Ursache? Die „S L S“ (»slovenska ljudska stranka" = Slow. Volkspartei, der neue Name der Klerikalen) in Krain hatte den Beweis erbracht, dafi sich der sogenannte windische „Liberalismus“ wie ein Kartenhaus mit dem erstbesten Windstofie umwerien lafit. Von dieser Oberzeugung durchdrungen, wuchs in den Unterlanden eine blutjunge fanatische Ka- planokratie heran, die der ureingesessenen Einigkeitskramerei des Per- vakentums ein Ende machen wollte und auch machte. Fur uns Deutsche war nun die einzige Frage wichtig, wie sich diese Entwicklungserfolge zum deutschen Besitzstande stellen werden. Und die Beantwortung dieser wichtigen Frage fiel in einem Sinne aus, welcher die Grundung des „Štajerc“ zu einer Notvvendigkeit machle. Bekanntlich fufit das Deutschtum der Unterlande wohl in erster Linie im Mittelstande. Der Handelsmann und der Gewer- betreibende sind das Bleibende, wahrend jeder deutsche Beamte trotz .seiner aufopfernden Schutz- und Trutzarbeit stets das Wechselnde dar- siellt.**) Dieser offenkundigen Tatsache konnte sich auch der junge win- dische Gegner nicht verschliefien. Er setzte also mit seiner Arbeit dort ein, wo er das Wirtschaftsleben des Mittelstandlers zu unterbinden hoffte. Mit der Vernichtung des Mittelstandes ware auch das Deutsch¬ tum der Unterlande erstickt. Also — Kampi bis aufs Messer diesem Mittelstande! Das beste Mittel in diesem Kampfe war fur den Gegner die Verwirklichung sogenannter „Konsumvereine“. Damit wollte man den Lebensfaden des mittelstandischen Deutschtums abschneiden. Wer die Kultur„hohe‘' des windischen Bauern kennt, der wird auch verstehen, dafi wir die Propaganda fiir diese „Konsumvereins“-Grundungen als einen Funken ins Pulverlafi auffassen mussen. Dies war wohl die letzte, die bedeutendste Ursache der Grundung des „Štajerc“. Von irgendwo war der Gedanke gekommen und eine Reihe von deutschen Mannern machten sich an dessen Ausfuhrung. Wir nennen darunter nur den starken, mit einem so herrlichen deutschen Trutz- und Unternehmungs- kopfe begabten Biirgermeister Josef Ornig, den Rechtsanwalt Dr. Edw. Ambrositsch (jetzt in Laibach), die Kaulleute V. Schullink (gestorben Janner 1910) und Leop. Slawitsch, den Buchdruckereibesitzer Wilhelm Blanke, den verstorbenen Kommissar Josef Skubitz usw. Und am 1. Juli 1900 erschien die erste Nummer des Blattes in einer Auflage von 12.000 Exemplaren. *) Ploj wurde ganz jung Hofrat (weil man einen windischen Hofrat haben ■wollte). , **) Es ist ja olt emporend, wie Beamte zum Spielballe politischer Intriguen werden. Ein Gro(3teil der Beamtenversetzungen in den Unterlanden ist die Folge poli¬ tischer Ranke. Dei deutsche Beamte ist sehr olt vogelfrei. — 29 - Das Erscheinen des „Štajerc“ lčste eine ungeheure Begeisterung aus. Man sah, dafi diese Tat dem jahrelangen \Vunsche Tausender stili leidender Bauern entsprach. Denn das Blut dieser windischen, windisch gemachten und manchmal windisch verhetzten Bauern schrie Iaut nach freundschaftlicher Nachbarschaft mit den Deutschen. Sie fiihlten es ja, dali ihre ganze wirtschaftliche und kulturelle Existenz von den Deutschen begriindet und abhangig war und ist. Selbstredend begann darum das Pervakentum einen Kampf, fur welchen wir kein bezeichnendes Wort finden, der wohl nirgends was ahnliches hat. Es entstand e in wahres Delirium der Wut. Eine »Politik des Priigels und der Verleumdung!" Buchdrucker W. Blanke wurde na- tiirlich sofort boykottiert, weil er den »Štajerc" druckte.*) Man boykot- tierte strengstens die Gasthduser, wo das Blatt aulla^g. Zu gleicher Zeit. predigte man von der Kanzel, dafi alle Leser des »Štajerc" »verdammt" seien. Der Pfarrer von HI. G. schamte sich nicht, seinen eigenen geist- lichen Vorgesetzten (den Propsten Hrn. F.) in der pervakischen »Domo¬ vina" auf das unfiatigste zu beschimpfen, weil er ihn im Verdacht hatte, er sei ein Leser des »Štajerc." Der windische Biirgermeister von K. ver- brannte čffentlich und amtlich das Blatt. Dieses ging auf die rohe Bru- talitat nicht ein. Es verschmahte den persOnlichen Ton, den sich leider gerade die windische Geistlichkeit erlaubte. Das junge Blatt begann lieber eine positive Politik und dies in erster Linie gegen die gewissen- los gegrundeten »Konsumvereine". Diese positive Arbeit schien dem windischen Gegner die grofite Gefahr und er begann darum mit Volldampf den Kampf gegen den »Štajerc," vvelcher von der »Domovina" schon im ersten jahrc der Griin- dung als »giftna krota" (»giftige Krčte") getauft wurde. So wurde auch in der untersteirischen Presse der bruske, ungehobelte Ton eingefiihrt. Und vvenn im Reichsrate vor einigen Jahren ein (windischer) Abgeord- neter Dr. Benkovič iiber den »rohen" Ton des »Štajerc" interpellierte, so ist dies ein unglaublich lacherlich-freches Beginnen. Denn aus tau- senden Quellen lafit sich beweisen, dafi dieser Ton gerade von der windischen Presse eingefiihrt und grofigezogen worden ist.**) Mit diesem rohen Tone lieB sich freilich nicht vieles erreichen. Man fanatisierte wohl Einzelne, aber die grobe Masse des windischen Volkes stand der neuslowenischen politischen Agitation ebenso verstand- nislos gegeniiber wie der neuslowenischen Kunstsprache. Verstandnis- voller stand die Masse dem gewaltigen Krache gegeniiber, vvelcher die in so unsinniger Weise aus den Boden hervorgezauberten »Konsum¬ vereine" hinwegfegte. Jedes Volk hatte und hat seine Siinden, jede starke Politik erfordert Opfer. Auch die Ausnutzung wirtschaftlicher In- teressen zu politischen, oft kleinlichen Zwecken ist nicht unverstandlich, denn die Politik ist eben eine Machtfrage. Aber selten vvo findet man *) Man entschuldige uns diese aphoristischen Kriegsbildchen, die freilich keinen Zusammenhang haben. Wir \vollen nur den allgemeinen Eindruck hervorrufen, den jeder Kenner unserer Verhaltnisse von dieser \vindischen »Politik" hat. **) Nur ein Beispiel sei envithnt! In der einzigen Nummer des Dezembers 1900 haufte das pervakische Blati »Slov. Gospodar" an die Adresse der Deutschen folgende Beschimpfungen: »Schadel, geistige Arine, stinkende Kloake, Lumpenartikel, vvalzt sich im Kote, Lilge und Verleumdung, wilder Eber (!), blode, Judenbuben, Renegatenseele, schmutziger Mund, unmenschliche Stimmen, Lumpenschreiberei, befrackter Friseur, ver- wildeter Derwisch“ usw. Und so gingen alle Blattfolgen dahin . . . — 30 - •eine solche Gewissenlosigkeit im Vergeuden fremder Geldcr, vertrauensvoll geliehener, fremder, blutig ersparter Gelder von armen Teufeln, als man sie in der windischen Konsumvereinsbevvegung der Unterlande erlebt hatte. Da griindete einfach jeder politisierende Kaplan seine Genossenschaft, ohne Kapital, ohne Kredit, ohne Fachkenntnisse, ohne auf irgend eine wirtschaftliche Notwendigkeit irgend eine Riicksicht zu nehmen. Die ganze „Buchfiihrung“ solcher ,,Konsumvereine“ bestand meistens in Notizbiichel-Anmerkungen der griindenden und leitenden Kaplane oder Mefiner. Kein Wunder, wenn es dann zum Krache kommen mufite. Und wir konnen sagen, dafi von den in dieser Zeit gegrundeten pervakischen Konsumvereinen kein einziger Iebensfahig war und auch kein einziger bestehen blieb* Die „Štajerc“-Leute begannen aber auch in der Offentlichkeit aufzutreten. Aufier kleinen Wahlsiegen (z. B. der erste Sieg bei den Gemeinderatswahlen in Leskowetz im Juli 1900) ist da in erster Linie ■die Kraftprobe der Reichsratswahlen (1901) zu erwahnen. Diese Kraft- probe ergab den wichtigen Beweis, dafi es einfach ungerecht ist, wenn man das flache Land Untersteiermarks bedingungslos zum windischen „Besitzstand“ zahlt. Die Deutschen gingen zusammen mit den „Štajercianern“ und stellten ihre eigenen Kandidaten auf. Schon diese Tatsache ist fur unsere friiheren Behauptungen von beweiskraftiger Art. Ware es nicht Wahnsinn, z. B. in rein tschechischen Wahlkreisen deutsche Kandidaten aufzustellen? Nun, bei uns gescbah es! Und die Erfolge waren schon, trotz einer wahren Erpressertaktik des Gegners. Windische Gemeindeamter verbaten den Besuch der deutschfreundlichen Versammlungen, von der schrecklichen Tatigkeit der Kanzeln gar.nicht zu reden. Und auch zum Blutvergiefien kam es. So wie das rohe Wort in Untersteiermark von den Pervaken ■eingebiirgert wurde, so wurde auch von ihnen mit der rohen Tat be- gonnen. Dieses Schandmal wischt kein Beschonigungsversuch ab! Bei den Wahlen zeigte es sich, dafi die Deutschen und Deutschfreundlichen am flachen Bande eine Minderheit sind, die sich sehen lassen kann. In einer als „rein slowenisch“ gerechneten Wahlerschaft wurden nach- stehende Erfolge erzielt: Erwahnenswert ist da in erster Linie der Landgemeinden-Wahl- kreis Marburg, wo den deutschen Kandidaten vorn pervakischen nur ■eine Mehrheit von 88 Stimmen trennte. Mehr wie ein Drittel Stimnren waren fur die deutschfreundlichen Kandidaten abgegeben worden. Solche Erfolge nahmen dem panslawistischen Gegner auch den Mut, der ihn im Anfange beseeite. Und alle die eklen Naturen, die um fiinf Groschen mitlaufenden sauberen Herrschaften begannen sich zu zeigen. Interessant ist in dieser Beziehung ganz besonders das Vorgehen — 31 des Herrn Augustin Janša, Schriftleiters des windischen „Slov. Gospo¬ dar." Am 26. November 1900 schickte dieser Herr an den „Štajerc“ einen Brief; er wollte sich um 120 Gulden verkaufen und versprach dafiir das Blaue vom Himmel herunter. Der „Štajerc“ schatzte diesen Mann fur die Summe nicht ein und veroffentlichte lieber seinen Judas- brief. Und es ist charakleristisch fiirdie windischeMoral, dab der pervakische „Slov..Gospodar“ den Augustin Janša wegen „dieser Kleinigkeit" nicht verab- schiedete, sondern weiter als „Schriftleiter“ behielt. - Im Juni 1900 brannte in der Umgebung Pettaus das Gregorec’sche Gaswirtsgebaude ab. Einige Tage darauf stand scbon im „Slov. Gospodar" die Verleumdung, das Gebaude hatten die Pettauer Deutschen aus politischen Griinden (!) an- geztindet. Es kam zum Schwurgerichtsprozesse und der iamose Schrift- leiter Janša wurde in Marž 1901 zu 14 Tagen Arrest verurteilt. Nun ist dabei eines bemerkenswert. Es ist klar, dab Janša nur ein Strohredakteur war. Im Verlaute des Prozesses sagte er auch selbst aus, dab nicht er, sondern der Kaplan Dr. Korošec — der heutige Fuhrer der windischen Klerikalen und Abgeordnete — der Autor des betrefienden Artikels sei. Herr Korošec schvvieg dazu. Aber am 12. September 1901 ereilte auch diesen Herrn das Schicksal und er wurde wegen Hetzerei und Verleum¬ dung in seinem Blatte „Slov. Gospodar" zu 6 Wochen Arrest verurteilt. In dieser Art vollzog sich die Hetze gegen den „Štajerc“, in dieser Art offenbarte sich der untersteirische Deutschenhab. Leider, dab dieser Deutschenhab bis auf die letzte Zeit vor- nehmlich von der windischen Geistlichkeit getragen wurde; gerade Pre¬ diger der christlichen Nachstenliebe waren unter einem Propagandisten der fanatischen Deutschenlresserei. Bezeichnend ist in dieser Beziehung fur den Anfang das Vorgehen des ehe- maligen Kaplans von Benedikten M. Der Mann niitzte in seiner Leidenschaft alle Mittel gegen die Deutschen aus, Darum zahlte er selbstredend sehr oft darauf. Im Janner 1901 klagte er den verantwortlicheu Schriftleiter des „Štajerc“ wegen Ehren- beleidigung; zur Verhandlung aber kam weder der Kaplan noch sein Vertreter, da sie den Wahrheitsbeweis furchteten. So muGte Kaplan M. alle Kosten zahlen. Im April 1901 wurde derselbe Herr Kaplan zu 100 K Strafe verurteilt, weil er den deutschen Abgeordneten Pommer beleidigt hatte. Einige Tage darauf wurde er wieder wegen Beleidigung des H. v. Kalchberg zu 100 K Strafe verurteilt. Im Juni desselben jahres klagte der Kaplan die „Marburger Zeitung", mufite aber wieder die Kosten zahlen, da der Schriftleiter freigesprochen wurde. Im Oktober 1901 warf der hochwiirdige Herr einige die fortschrittliche Versammlung in St. Bene¬ dikten besuchende Bauern eigenhandig aus dem Saale. Denselben Monat klagte er den Besitzer Scbiitz, zahlte aber wieder alle Kosten, da Schiitz freigesprochen vvurde. Bei dieser Verhandlung sagten zwei Zeugen aus, da(3 der Kaplan bei der Vorbereitungsstunde fur die Beichte den Kindern beiohlen habe, den „Štajerc“ zu zerreifien, wenn sie ihn bei ihren Eltern finden sollten; wlirden die Kinder dann von den Eltern um das Blatt gefragt vverden, so sollten sie dieselben anliigen (!), sie hatten es nicht gesehen. Auch wurde bei der Gerichtsverhandlung bewiesen, da(3 dieser Liige lehrende Kaplan, die Kinder der „Štajerc“-Anhanger prti grel te. In einem einzigen Jahre hatte also dieser pervakische Kaplan 8 Gerichtsverhandlungen wegen seines fanatischen Deutschenhasses.' In dieser Art ging der Kampi gegen das unterlandische Deutsch- tum weiter. Im Marž 1901 schon klagten die Pettauer Kautleute den klerikalen „Slov. Gospodar" wegen seiner infamen Verleumdungen. Der verantvvortliche Schriftleiter des Blattes, ein geveisser Jonas, mubte eine weh- und demiitige JEhrenerklarung abgeben und auberdem als Stihne 100 K fiir den — „Štajerc“ zahlen. Der Administrator des „Štajerc“ war — 32 — gezwungen, die deutsch geschriebene windisch-klerikale „Siidsteirische Presse“ zu klagen und wurde deren Schriftleiter im April 1901 wieder zu 100 K Strafe verurteilt. Zu gleicher Zeit wurde der Pettauer Pervaken- hauptling Dr. Br. (auch wegen der so erbarmlichen Hetze des Brandes bei Gregorec) zu 300 KGeldstraie verurteilt . . . Diese Gerichtsver- handlungen sind sozusagen Symptome der damaligen Verhaltnisse. Den Gegnern kam alles zurecht. Ein Ortsschulrat in St. A. aber agitierte z. B. mit der Neuigkeit (es ist Tatsache und kein Witz!) dafi jeder Abnehmer des „Štajerc“ mehr Steuer zahlen werde mtissen. Der Kaplan S. griff fanatisch den deutschen Lehrer Wankmiiller in HI. Drei- faltigkeit in der Kollos an und wurde dafiir im Juni 1901 zu 150 K Strate verurteilt. Die Pervaken hatten in der Zeit eigene bezahlte Per- sonen aufgenommen, die am Lande herumgingen und gegen den „Šta- jerc“ agitierten. Allgemein und systematisch wurde die Hetze gegen das neugeborene Blattchen, eigentlich aber damit nur gegen das unterlan- dische Deutschtum geziichtet. Als im Jahre 1901 die ersten Kžirntner Abnehmer des „Štajerc“ sich meldeten, begann auch das von allen Zeitungsgriindungen des fiir Karaten so traurig bekannten windischen A. Einspieler (!) einzig noch bestehende Blattchen ,,Mir“*) den Kampi, eigentlich die Hetze gegen den „Štajerc“. Denn damals waren schon die ersten panslavvistischen Zuckun- gen auch in Karaten zu verspuren. Wahrend dessen aber begannen die "damals mafigebendsten „Pervaken“ in Untersteier (Proiessor Robič, Hofrat Ploj, Dr. Jurtela usw.) den Kampiruf „Fort von Graz !“ ertonen zu lassen. Es war sozusagen eine Ruckerinnerung an die „schonen“ Zeiten der „Illyrischen Bewegung“, es war ein Aufvvachen des alten Gedankens. „Fort von Graz“, — das heifit: »Fort von den historischen KronlandernH Das weder vom nationalen, noch vom politischen oder kulturellen oder sonst irgendeinem Verlangen ausgesprochene Wort „Fort von Graz!“ solite, einfach eine neue Phrase fiir den Kampi sein, der dem armen windischen Volke von seinen eigenen Stammesangehorigen aufgezwun- gen wurde und mit jedem Tage aufgezwungen vvird. Dieses „Fort von Graz!“ hiefi nicht nur „Fort von den Deutschen der Steiermark", — nein, es hiefi zugleich: „Fort von den Deutschen uberhaupt und fort von Osterreich, das deutsch geblieben ist“ ... So wie das 1848er und die spateren Programme des Wendentums immer und durchwegs pan- slawistisch waren, so war auch der fanatische Ruf „Fort von Graz!“ nur ein Aufflackern des bisher ungedampften Allslawentums im osterreichi- schen Siiden!**) Unterdessen begann sich das Schicksal der gegen die Deutschen gegrundeten Konsumvereine zu eriullen. Im Verlauie von kaum 2 Jahren kamen 13 wirtschaitliche Zusammenbruche! Und alle diese wirtschaitlichen Organisationen waren eine Frucht des so kunstlich heri/orgerufenen Deutschenhasses. Nicht uninteressant ist es, wie von den Pervaken in *) Der „Friede“ hei(3t dies in bitterer Ironie; das Blatt hatte seinerzeit trotz dem friedlichen Titel das Motto: „Slowenen, in den Kamp!, ergeben wir uns nicht!“ Es war gar ergotz.lich, dieser den Krieg predigende „Friede“ . . . '**) Gerade jetzt, wo dies in Druckigeht, ertont der Ruf ,,Weg von Graz“ aufs neue; er soli das politische Verbrechen der windischen Obstruktion im steirischen Landtage bescbonigen. — 33 den fruher ervvahnten und wahrscheinlich in allen pervakischen Genos- senschaften „gewirkt“ wurde. Also einige Beispiele: Der Bauernverein in Poljane hatte in den letzten 9 Monaten vor dem Zu- sammenbruche 4500 K Verlust. Der Vertreter der vvindischen „Gospodarska zveza“ (wirtschaftlicher Verband) verlangte vom Ausschusse einen Schuldbiief. Er bekam ihn aber nicht, denn die betreifenden Bauern hatten schon im dortigen „Kon- sumvereine“ fur 24.000 K unferschrieben. Die noble Wirtschaft ist auch aus der Tatsache ersich.tlich, daB z. B. dariiber der Pfarrer Ž. aus R. vor dem k. k. Ge- richte ollen erklarte: „Alles hat gestohlen, was bei dem Konsumvereine war.“ Und als man in derselben Angelegenheit einen Bauer einsperrte, rief er unzweideutig ernst: ,Jetzt soli man aber auch noch jenen „Teufel“ (Kaplan S.) einsperren, vvelcher uns den ,,Konsum“ gegriindet hat/‘ Dieser gewaltige wirtschaftliche Zusammenbruch zwang den windischen Gegner, wieder mit dem „moralischen Terror“ — leider meistens mit der kirchlichen, religiosen Hetze zu beginnen. Als z. B. im Anfange des Jahres 1902 der Hirtenbrief der osterreichischen Bischofe erschien, wurde derselbe kaltblutig zu einer riicksichtslosen Agitation gegen die Deutschen ausgebeutet. Zu dieser Zeit war der Pfarrer von Kerschbach*) S. auf der Kanzel ganz wild. Eben dieser Pfarrer wurde heuer wegen Verleitung zu falscher Zeugenaussage zu 4 Monaten Kerker verurteilt. (Er ist aber noch nicht abgesetzt.) Der Kaplan von Kleinsonn- tag gab prinzipiell keinem den „Stajerc“ lesenden Beichtkinde die Absolution. Kaplan S., damals in R., versuchte mit seinem Bruder einen Bauernburschen aufzuhetzen, er moge einen Anhanger des „Štajerc“ gehorig durchpriigeln. Sie versprachen dem Burschen dafur 10 K. Aber die beiden Bruder wurden dafur vom Gerichte auf 2 und 5 Tage Arrest verurteilt. Im Beichtstuhle nannte der Pfarrer von M. den Deutschen R. einen „Antichrist“; da er dies zu laut heraus- schrie, wurde er zu 10 Tagen verscharften Arrestes verurteilt. Der Pfarrer Šk. in Mahrenberg wieder verprilgelte aus politischen Griinden den Hausler H. Der schon fruher ervvahnte Kaplan S. rifi den Schulkindern aus fanatischem Deutschenhafi Strohhute vom Kopfe, weil dieselben die deutsche Inschrift „Behut’ dich Gott" trugen. In St. T. mufite sich beim Verteilen der Beichtzettel jedermann dem Pfarrer oder dem Kaplane verpflichten, nie mehr den „Štajerc“ zu lesen. Der Kaplan K. in St. U. wurde im August 1902 zu 48 Stunden Arrest verurteilt, weil er unbarm- herzigdas Kind einerZeitungsaustragerin des „Štajerc“geprugelt hatte u.s.w. Der pervakischen Presse diente natiirlich jede solche Erschei- nung zu immer neuer Hetze. Sie hatte sich sozusagen ein System der personlichen Angriffe zurecht gelegt. Sehr oft zahlten die vvindischen Fiihrer natiirlich darauf. So wurde der Pfarrer und Schriftleiter der per¬ vakischen „Sudsteirischen Post“ anr 17. Marž'1902 wegen seiner Hetze zu 2 Monaten Arrest verurteilt. In dieser Hetze vvirkten selbstredend auch die pervakisch angehauchten Postmeister mit. Es war dies umso leichter, als in vielen Orten vvindische Geistliche (!) den Postdienst ver- sahen.**) Die windische Geistlichkeit selbst begann auch mit allen mog- lichen Repressalien das Volk zu beunruhigen. Eines komischen Beige- schmackes entbehrte’ es z. B. nicht, dah u. a. in St. T. allgemein ge- *) Die Namen aller dieser Leute, sowie alle Beweise fflr ihre Taten stehen uns selbstredend zur Veritigung. Es ist also alles —r wahr! **) Windische Geistliche haben ubrigens auch GasthSuser und versehen Schankdienste! 3 34 — sprochen wurde, der Pfarrer werde immer einen Fasttag dekretieren, wann er im „Štajerc“ abfallig kritisiert werde. Eine ganz besonders hetzerische Tatigkeit entfaltete die windische Geistlichkeit aber bei den sogenannten „Missionen.“ Es wurde uns gar zu weit fuhren, dieselben zu beschreiben. Geniigen diirfte es, wenn man die Tatsache feststellt, dab ein katholischer Priester (der Mann lebt, weshalb wir seinen Namen verschweigen mussen!) im Oktober 1902 der Schriftleitung des „Štajerc“ einen Brief ubersendete, in welchem der ehrliche Mann gegen die kle¬ rikalen Panslawisten auftrat und insbesonders die Unsitte riigte, dafi man bei den Wahlen das Allerheiligste „fur eine gluckliche Wahl“ ausstellte. Auch mit Versammlungen arbeiteten die wutenden Pervaken immer scharfer. So hielten sie im September 1902 eine Versammlung in Polstrau ab, auf welcher auch der kroatische Abgeordnete Spinčič (sehr bezeich- nend!) sprach. Dabei beuteten die Pervaken immer den starken Katholi- zismus der Leute aus. Am 5. Oktober fand z. B. in St. B. in der Kolos eine Versammlung statt, auf vvelcher insbesonders Dr. Jurtela gegen die Deutschen auftrat und — um die religios-fanafischen Instinkte zu er- wecken, — den „Štajerc“ ein „Organ der Protestantčn" nannte. Da sich diese Behauptung in der pervakischen Presse noch heute gar oft wiederholt, ist es nicht uninteressant, ihren Urheber im fruheren Stellver- treter des steirischen Landeshauptmannes Dr. Jurtela zu finden. Wahrenddessen kam fiir Untersteiermark die Zeit der (1902) Landtagsvvahlen. Die Deutschen stellten auch in den windischen Wahl- kreisen ihre eigenen Kandidaten auf. An einen Sieg war selbstredend nicht zu denken. Aber die erzielten Stimmen-Minderheiten gaben Zeugnis dafur, dafi die Deutschen auch am Lande ein Faktor sind, den man nicht (ibersehen darf, ohne nackte Vergewaltigung zu iiben. Um einigen Fuh- rern der Wenden den leicht nachweisbaren Stimmenfang und Wahl- schwindel nicht ins Grab nachzuschleudern, wollen wir von der Kritik dieser Landtagsvvahlen absehen. Zu gleicher Zeit fanden die Karntner Landtagsvvahlen statt, bei vvelchen deutschfreundliche „Štajerc“-Leute mit- wirkten. Als das neue Jahr 1903 anbrach, begann es in den pervakischen wirtschaftlichen Organisationen wieder lauter zu krachen. Schon im Janner 1903 kam die' von den pervakischen Abgeordneten Dr. Jankovič*) und Dr. Žičkar gegrundete Genossenschaft in Weitenstein in den Kon- kurs. Die Verhandlung vor dem Cillier Strafgerichte brachte die Mani- pulation der pervakischen Wirtschaftsorganisation ans Tageslicht. Und so wie bei dieser Genossenschaft hatte man ja uberall gewirtschaftet. Ervvahnen wir es also etwas breiter: Der faktische Verlust betrug 17.309 Kronen. Diesen ganzen Betrag mufiten die verfUhrten Bauern mit ihren blutigen Hellern bezahlen. Aufierdem wurden 7 dieser Bauern eingesperrt. Die eigentlichen Urheber gingen nattirlich frei aus. Darum hbrte man bei der Verhandlung aus dem Munde der veriuhrten pervakischen Bauern auch seltsame Worte. In erster Linie wurde erwiesen, dafi die den Namen hergebenden formellen „Leiter“ — Analphabeten waren. Das AusschuGmitglied B. war jede Woche einmal in die Schule gegangen und dies durch 2 Jahre. Die Ausschiisse J. und G. hatten eine Schule tiberhaupt von innen nicht gesehen und ihr Genosse St. war in seinem Leben 6mal in der Schule gewesen. Diese Analphabeten waren die ,,Leiter“ der Genossenschaft. Der Obmann Br. erklilrte selbst vor Gericht, daB von den Satzungen niemand etwas gewufit hatte. Die Geschaftsleiter waren immer *) heute Stellvertreter des steirischen Landeshauptmannes (!) — 35 — den ganzen Tag — betrunken. Das AusschuGmitglied Br. sagte vor Gericht: „Ich glaube, daG ich der Obmann-Stellvertreler bin; der Herr Pfarrer hat uns gesagt, daG nichts Boses geschehen kann.“ Das AusschuGmitglied J. sprach : „Der Pfarrer ist schuld, daG wir den gar nicht notwendigen Verein gegriindet haben. Ich selbst kaufte wo anders, weil ich es billiger und ehrlicher bekam“ . . . Es sind dies keine Ausnahmen, sondern typische Erscheinungen. Wir konnfen ja weiter erzahlen. In P. katte der pervakische Kaufmann K. den „Konsumverein“ iibernommen. Aber schon im Juli 1903 kam er in den Konkurs . . . Weiter: In Markt T. griindete der Kaplan Z. einen „Konsumverein“. Geschaftfiihrer war ein Miillergehilfe. Die Einkaufsbiicher wurdenvon alfen Weibernim Markte verloren,Schiilerinnen kassierten ein (!) usw. Am 13. September 1903 war er verkracht . . . Am 15. November daraul kam der pervakische „Konsumverein“ in W.-G. in den Konkurs; und so ging es weiter . . . Eines ware hier noch zu ervvahnen: die sogenannten „Junglings- versammlungen" und „Junglingsorganisationen.“ Der Grundgedanke dieser ganzen Sache war ja einiach: Man nahm die lebenslustige Jugend mittels Unterhaltungen, Tanzen, Reisen, bei den Ohren, um sie als Dekoration fur den kunstlich aufgepappelten panslawischen Chauvinismus zu mib- brauchen. Man rede da ja nicht von Moral und Religion. jeder wahre Priester und jeder seine Moral nicht schon langst liber Bord gevvorfene Mensch wird sich solcher Veranstaltungen — schamen. Slomšek ver- barg nicht seine gegen den Panslavvismus gerichtete Uberzeugung, — was vvurde dieser als „nationaler windischer Heros“ geleierte Bischof zu den eben ervvahnten Veranstaltungen sagen ? Wir glauben, er drehte sich im Grabe um . . . Die geistigen Urheber dieser Jiinglingsbewegung waren der beutige Abgeordnete Dr. Korošec und der heutige Pfarrer Gomilšek. Die Verantvvortung tragen nicht nur diese zwei Herren. Die Verantvvortung tragen alle jene, die den Katholizismus fur panslavvistische Zvvecke ausbeuteten. Man schacherte einfach mit der romisch-katholischen Religion, beilaufig so wie mit politischen Programmen! Man gestatte uns einige Beispiele anzufiihren! Die erste dieser Junglingsversammlun- gen“ war versuchsweise noch ziemlich bescheiden. Die zweite hatte im Juli 1903 in HI. Dreifaltigkeit (W.-B.) stattfinden sollen. Aber der Wirt (notabene ein hartgesottener Wende!) wollte die Herrschaften nicht iiber- nehmen. (!) Darum fand die Versammlung in St. Leonhard statt. Aus 15 Pfarren kamen die „Jtinglinge“ zusammen, imrner unter Anfiihrung per- vakischer Kaplane. Und — die Gendarmerie hatte viel zu tun. Es gibt genugend Bevveise, dab das allgemeine Losungswort „prokleti nemčurji" (verfluchte Deutschtumler) war. Genugend Bevveise gibt es auch, dab diese edlen „Junglinge“ aben, tranken, Schnaps verschlangen, Ohrfeigen .austeilten, sich mit Messern bearbeiteten, um dann fromm-lachelnd zur hi. Kommunion zu gehen . . . Diese Versammlungen junger Leute waren iiberhaupt eine Erscheinung (Jes terroristischen panslavvischen Willens. Man benutzte als Agitationsstoff die damals gerade geschehenen blutigen Ereignisse in Kroatien. Als der deutsche St. Leonharder Burgermeister Sedminek gegen die Herausforderungen der Buben Stellung nahm und •die Feuervvehr ausrucken lieb, hatte der pervakische Abg. Roškar*) die Frechheit, zu sagen: „Weg mit der Feuervvehr oder es wird so zugehen *) Er ist heute Obmann der steirischen Klerikalen. In seiner Jugend hat er als Knech! seine Hausfrau erschossen. 3 * — 36 wie in Kroatien" . . . Wenn wir dabei noch die bei gleicher Gelegenheit vor sich gegangenen blutigen Raufereien in allen angrenzenden Ge- meinden berucksichtigen, so haben wir wohl so ziemlich den ganzen „Erfolg“ dieser „Kreuzzuge“ der windischen „Jiinglingsorganisationen.“ Einzelne pervakische Geistliche, (wie z. B. der Piarrer P. in St. Rupert) prtigelten selber Bauern, die als deutschfreundlich galten. Alle diese Tatsachen bekraftigen wohl den Satz, dafi es in der politischen Ge- schichte aller osterreichischen Volker wenig Augenblicke gibt, die wie diese Zeit der Brutalitat, dem Priigelargumente, den Roheitsausschreitungen systematisch die Pforten offneten. Es war, als ob das Pervakentum einfach eine Schreckensherrschaft zu ver- wirklichen beabsichtigte . . . * * * Wir kommen nun zu einem Kapitel unserer geschichtlichen Streillichter, welches die grofite Beachtung verdient und den hauptsach- lichen Inhalt unseres Abwehrkamples darstellt. Kein Moment ist so wichtig wie dieses! Wir meinen namlich — den vvirtschaftlichen Boykott. Das čsterreichische Strafgesetz verfolgt ausdrucklich mit Ruck- sicht auf den Boykott die Aufhetzung. nach § 300 ff. Von den k. k. Ausubern dieses lieblichen Gesetzes hort man dies nicht . . . Wir be- greilen dies! Aus politischen „Erwagungen“ hat man k. k. Richtern schon von Seite ihrer eigenen Vorgesetzten zu Blamagen verhollen. Die deutschen Richter werden uns stillschweigend aber verstandnisvoll die Hand drticken. Wir aber kennen keine politisierende Justiz und wollen Objektivitat im wahren Sinne dieses Wortes! Ohne Rucksicht aul die tatsachliche Lage in den Unterlanden, wonach ja das Wendentum verhun- gern mulite, wenn die Deutschen als Antwort eine gleich rucksichtslose Boykottbewegung verwirklichen wurden, ohne Rucksicht auf das „Un- christliche“, man kann sagen „Unmoralische“ des Aushungerns einzelner Deutscher, ja ohne Rucksicht auf die friiher ervvahnten Stellen des der- zeitig noch geltenden osterreichischen Strafgesetzes, begann schon da- mals das Pervakentum mit seiner rucksichtslosen Boykotthetze. Es be- diente sich dabei aamals schon des Leitspruches „Svoji k svojim!" Bekanntlich ist dieses Wort, welches man sinngemafi mit Jeder zu den Seinen!“ ubersetzen kann, tschechischen Ursprungs. Palacky selbst hat es gepragt. Weniger bekannt aber durfte es sein, dafi Palacky dem Worte einen Nachsatz anhangte, so dafi es Iautete: Jeder zu den Sei¬ nen, aber immer ehrlich!" Unser Pervakentum hat diesen freilich ein bifichen skrupelhaften Nachsatz einfach abgeschnitten. Warum, — wird jedermann verstehen, der die Katastrophen der windischen „Konsumver- eine“, der „narodne štacune" (nationalen Geschtifte) und der „narodne posojilnice“,(nationalen Vorschufikassen) kennt . . . Also Boykott! Schon im April 1903 schrieb der pervakische „Slov. Gospodar" wortlich: ,,Wenn aber der Bauer etwas in der Stadt katift, dann mdge er zusehen, daB der (setbstredend: deutsche) Stadter den Bauer nicht betriige. Unser Ruf ist: Bauern, Achtung, wenn ihr mit den (deutschen) Stadtern handelt!“ Wohl ziemlich deutlich ! Aber dieser Boykott wurde noch verscharft. Die Pervaken begannen ihn nunmehr nominativ auszuuben. Im vollkom- — 37 menen Gegensatze zu den strafgesetzlichen Bestimmungen verbreiteten die pervakischen Blalter einfach die Namen jener deutschen oder deutsch- freundlichen Geschaftsleute, welche zu boykottieren waren. Es hiefi da ganz einfach: Welcher Slowene zu diesem oder jenem Kaufmanne geht, ist ein Verrater! Oder: dreh’ das Geld dreimal in der Hand um, bevor du zu diesem oder jenem Kaufmanne gehst — usw. Und miissen wir es unerwahnt lassen, daB die Behorden, die „berufenen Faktoren", die¬ sem Vorgehen ziemlich mufiig zusahen? Der Boykotfparagraph existierte ja. aber, — hm, hm, man ist doch „tolerant“ . . . Wohl aber wurde der „Štajerc“, (Nummer 9, 1903 J.,) als er sich entschieden gegen diese ungesetzliche Boykottbewegung aussprach, — beschlagnahmt . . . Im Pettauer Bezirke trugen zu dieser Zeit die Fahne der per¬ vakischen Hetze der Rechtsanwalt Dr. Br. und der PfarrerM. von St. B. i. d. Kollos. Im Marž 1903 sendete M. dem „Štajerc“ einen Brief so be- schimpfenden Inhaltes, dafi er zu 30 K Geldstrafe verurteilt werden muBte. Dieser Pfarrer war iiberhaupt ein Sonderling. Deutschfreundliche Eltern unehelicher Kinder „bestrafte“ er fiir ihre „Sunde“ aus eigener Machtvollkonimenheit mit 10 Gulden Strafe. Im November 1903 wurde M. wegen Beleidigung eines Deutschfreundlichen zu 100 K Strafe ver¬ urteilt. Noch groBeres Pech hatte der pervakische Rechtsanwalt Dr. B. Dieser typische Herr klagte im Juni 1900 den Schriftleiter der damaligen ,.Pettauer Zeitung“, weil derselbe behauptet hatte, B. denunziere. Der Schriftleiter wurde freigesprochen und dieser Fuhrer des Pettauer Per- vakentums trug von nun an den Namen eines „gerichtsma6ig stigmati- sierten Denunzianten.“ Charakteristisch war ja das Vorgehen dieses Dr. Br. im Prozesse Bratuša. Man h5re, denn dies ist ein Kapitel aus der Leidensgeschichte deutscher Richter: Dieser windische Bauer hatte in einer psychologisch nicht entratselbaren Ver- kommenheit bei Gericht gestanden, er habe sein verschwundenes Kind ermordet, gebraten und gegessen. Ebenso sagte seine Frau aus. (!) Die deutschen Arzte sagten aus, die gefundenen Knochen w3ren keine menschlichen. Unter dem Vor- sitze eines slowenischen Prasidenten wurde der Verkommene zum Tode verurteilt, das Urteil aber nicht vollzogen. Spater kam man darauf, dafi das betreffende Kind noch lebe, dafi also die Verurteilung infolge des seltsameri „Gestandnisses“ ein Justizirrtum gewesen war. Aber dieser Fali wurde gerade von Dr. B. zu einer unerhorten politischen Hetze ausgebeutet. Ja, Dr. B. berief (und sprach) am 13. Ok¬ tober 1903 sogar eine Versammlung iiber die „Affaire Bratuša" in Maria-Neustift ein. Der eigentliche Zweck war naturlich, diesen Fali gegen die deutsche Beamtenschaft auszuschroten. Ein Redner (Dr. K.), rief in dieser Zeit auf einer windischen Versammlung pathetisch aus: „Fort mit dem deutschen Unterrichte in slo- wenischen Schulen, fort mit den Deutschtiimlern (nemčurji); aus jedem Kinde, welches die deutsche Schule besucht, wird ein Falot, Faulenzer, Lump!" . . . Eine wahnwitzige Hetze! Sie blieb nicht ohne Folgen. Einige ergriff der terroristische Gedanke der Verhetzung und es be- gannen Uberfalle auf einzelne Deutsche. So z. B. wurde im September 1903 ein deutschfreundlicher Lehrer von 12 Luttenberger „Sokolisten“ iiberfallen usw. Eine aufierst wichtige Phase in den nationalen KSmpfen der steirischen Unterlande bildeten die Wahlen in die Bezirksvertretung. Wir erwahnen da die Wahl der Bezirksvertretung in Oberradkersburg — 38 - (1903). Die Vertretung dieses Bezirkes hatte der deutsche Besitzer Franz Wratschko geleitet, welcher seit dem Entstehen des „Štajerc“ in dessen Lager gewesen war. Und darum sturmte das Pervakentum gegen ibn mit einer Wut, wie sie eben in kulturell zuruckgebliebenen Kreisen ublich ist. Aber trotzdem brachte der 10. und 11. September 1903 ,wiederum den vollkommenen Sieg der Deutschfreundlichen. Es war der letzte Sieg in dieser Bezirksvertretung; denn bei den letzten Wahlen (1907) fiel sie. Es erubrigt uns noch, die Kampfe Ilir die Cillier und Pettauer Bezirksvertretung zu kennzeichnen. Die ersteren standen im Zeichen der groben Veruntreuung des Kozem. Dieser Wende hatte durch 10 (!) Jahre rund 43.000 K gestohlen, ohne dab die windi- schen gewahlten Machthaber nur einmal kontrolliert hatten. Kozem ver- brauchte sein Geld eben im »Narodni dom“, die windische Vorschub- kasse gab ihm „Kredit“, so viel er wollte. Ein echtes Beispiel gewissen- loser windischer Wirtschaft! im Mai 1904 fanden die Wahlen statt. Das Ringen war ein so heibes, dab z. B. bei der Wahl der Wahlkommission Stimmengleichheit (29) erzielt wurde. Es mubte das Los entscheiden und es entschied Jur die Wenden. Infolge dieser Entscheidung gevvannen die Pervaken, wenn auch nicht mit besonders einwandfreien Mitteln die Bezirksvertretung, welche heute bekanntlich nicht mehr funktioniert, sondern von einem Regierungskommissar verwaltet wird. Hochbedeutend war die Wahl in die Pettauer Bezirksvertretung, welche im Marž 1904 stattfand. Diese Korperschaft war seit 19 Jahren in den Handen der Pervaken gewesen. Die Vernachlassigung der wirt- schaftlichen Interessen im Bezirke war eine grenzenlose. Die ganze Ver¬ tretung stand eigentlich nur unter dem Einflusse der Familie Brenčič. M. Brenčič war der Entscheidende und zugleich der Holzlieferant der Vertretung. Diese unhaltbaren Verhaltnisse enthullte z. B. der Prozeb betreffs des Schulhausbaues fur die Pettauer Umgebung. Unter diesen Verhalfnissen war eine wirtschattliche Gesundung zur Unmoglichkeit gevvorden und die Unzufriedenheit wuchs. Im heiben Wahlkampfe siegten die Deutschen, welche den Bezirk noch heute in ihren Handen haben. Welcher Unterschied in den volksvvirtschaftlichen Erfolgen! Die alte Bezirksvertretung hatte unter der Leitung unfahiger, von Familieninter- essen beeintlubter Leute in 19 Jahren eigentlich nichts getan. Die deutsche Vertretung aber vervvirklichte sofort eine wirt- schaftliche Arbeit, welche dem Talente des Obmannes Ornig zuzu- schreiben ist; diese Arbeit ist so kraftig vvirkend, dab ein vvindischer Sieg hier nicht mehr zu erwarten ist. Dieser Wahlsieg war in vvirtschaftlicher Hinsicht ein wahres Gliick ftir die Bevolkerung des Pettauer Bezirkes. In volkischer Hinsicht aber darf er ruhig in die Reihe der bedeutendsten nationalen Er- folge des kampfenden untersteirischen Deutschtumes ge- stellt werden. Die Wut des Gegners war nattirlich eine grenzenlose.*) *) Man nannte die Deutschen z. B. in der ,,Domovina“ (das Wort ist in seiner Blodheit bezeichnend ftir die windische Kulturhohe!): „jtidisch-protestantische Antichristen" (Marž 1904). In ihrer Hetze verrannte sich die »Domovina" auch ofters. . So wurde sie zu selber Zeit vom Cillier Biirgermeister Dr. Jabornegg geklagt und muGte dehmutig Abbitte leisten . . — 39 In dieser Zeit versuchte man auch, dem so gefahrlichen »Štajerc 1 ein Gegenunternehmen entgegenzusetzen. Es war dies das Blattchen »Slo¬ venski Štajerc," welcher Grundung spater eine ganze Reihe ahnlicher, ebenso ergebnisloser, aber durchwegs korrupter folgte. Unter den „Machern“ dieser Blatter zeichnete sich der damalige Stellvertreter des steirischen Landeshauptmapnes aus! Am kennzeichnendsten fiir die Brutalitat der Wenden aber sind vielleicht die Verfolgungen, die von der pervakischen Geistlichkeit dem deutschen Grundbesitzer D. in K. (Bezirk Rohitsch) zuteil wurden. Der Mann ist ein idealer deutscher Agrarier. Dabei war er immer ein guter Katholik, ja sein Pfarrer lobte ihn sogar Sffentlich von der Kanzel als solchen. Anders vvurde die Sache, als D. von diesem Pfarrer ein Paar Ochsen kaufte, welche er ihm wegen „Gewahrsmangel“ zuruckstellen wollte. Es kam zum Prozesse und in zwei Instanzen wurde der Piarrer verurteilt. Von diesem Zeitpunkte an datiert sein Hat), den er alliiberali gegen den „nem£ur“ (Deutschtiimler), der nicht kranke Ochsen fur gesunde kaufen wollte, oiienbarte. Und da geschah ein Akt des Hasses, wie ihn nur die bizarre Phantasie eines Verbrecherromanciers erfinden komite. D’s Gattin war im 4. Monate in anderen Umstanden. Ohne jede Ursache verbreitete nun der Pfarrer das Geriicht, sie habe schon geboren und sei zur — Kindesmbrderin geworden. Ja, an einem Tage, wo D. nicht zuhause war, sendete der Pfarrer den Totengraber mit einem Spaten (!> zu D’s Heim, um nach dem »umgebrachten, lebend geborenen Kinde“ zu suchen. Der besoffene Mann entledigte sich dieser seiner Aufgabe auch in der briiskesten Form. Er kam und verlangte im Tone eines Inquisitors zu wissen, wo das ermordete Kind begraben worden sei. Ein Blick auf die arme Frau, die schon mehrere Kinder geboren und erhalten hatte, hatte dem Trunkenbolde beweisen mtissen, dafi sie noch guter Hoff- nung war. Aber er schrie und — grub nach dem »ermordeten Kinde“ . . Diese schamlose Infamie emporte nun freilich auch den D. und er ging klagen. Infolge des Schreckens hatte dann seme Gemahiin friihzeitig entbunden und das Kind war logischer Weise zeitlebens kranklich. D. klagte also den Pfarrer. Und nun kam der Mann und winselte und bettelte um Verzeihung, die ihm von den vvirklich christlichen Leuten auch zuteil wurde, Unter Tranen versprach der Pfarrer, zeitlebens bei jeder Messe fur die Familie D. zu beten. Und im ,,Štajerc“ vertiffentlichte er eine de- und wehmiitige Ehrenerklarung. Als ihm aber alles verziehen wurde, — warf er dem D. den Kirchenstuhl aus der Kirche. Der Priester, welcher solches Vorgehen unterschreibt, moge sich melden! Das panslawistische Pervakentum schuf auch solche „Priester“! Und dieses Pervakentum schuf auch Priester, welche die Unwissenheit der Leute besteuerten. Wir erwahnen nur den Prozefi, welchen unser Dr. v. Plachki in Pettau in derselben Zeit wegen Ruckgabe von Ober- zahlungen der Stolataxen fiir 17 Parteien gegen den Pfarrer M. von St. B. gewann. Erwahnenswert ist in dieser Zeit noch die Landtagswahl im Marburger Bezirke (glanzender Sieg des Deutschen A. Stiger.) Dieser Sieg ist schon darum hochbedeutend, weil da ein wirklicher, voller Deutscher zur Vertretung eines windischen Wahlkreiseš kam. In den Jahren 1905—1910 spielten sich die Ereignisse in den Unterlanden auf gleiche Art ab. Einige Bemerkungen erlaube man uns noch! Am 1. Mai 1905 fanden die Bezirksvertretungswahlen in Rohitsch statt. Nach erbittertem Kampfe siegten die Deutschen mit 13 gegen 11 pervakische Vertreter. — 40 — Selbstredend arbeitete man immer noch mit der Ausniitzung der Religion zu politischen Zwecken.*) Und diese niedrige, demoralisierende Vorgangsweise ging so weit, dab den Hetzgeistlichen nicht einmal das Totenbett mehr heilig war. Ein Beweis dafiir: Im September 1905 wollte der Kaplan M. in St. Th. einem 76jahrigen Veteranen nicht die Absolution geben, bevor derselbe verspreche, im Falle der Gesundung den „Štajerc“ nicht mehr zu lesen. Solche Falle, die dem Begriffe der christlichen Nachstenliebe so sehr zuwiderlaufen, kamen und kommen noch sehr oft vor. Die Folgen einer solchen „Erziehungs“weise blieben naturlich auch nicht aus. Sie zeigten sich in besonders roher Form, als z. B. die deutschen frei- willigen Feuerwehrmanner des čfteren von fanatischen Bauernburschen Jur ihre Hilfeleistung mit — Steinen belohnt wurden, ihnen die Schlauche zerschnitten wurden usw. Wahrend dieser Zeit wurde auch der dama- lige Fiihrer der Fettauer Pervaken Dr. B. wegen Beleidigung unseres Dr. von Plachki zu 4 Wochen Arrest verurteilt. Im Verlaufe von 5 Jahren ward dieser Herr neunmal wegen Ehrenbeleidigung (die Wenden nennen es „častikraja,“ d. h. Diebstahl der Ehre!) verurteilt. Im J. 1905 ware noch der Kampi um den Karntner Reichsrats- wahlkreis Klagenfurt-Volkermarkt-Bleiburg-Eisenkappel zu erwahnen. Die Pervaken kandidierten Grafenauer. Trotzdem siegte damals noch der wirtschaftlich so hoch talentierte Deutsche Fr. Seifritz mit rund 85 Stimmen . . Z*) Das Jahr 1906 stand in erster Linie im Zeichen der aus dem windischen Volke selbst geborenen Bewegung um die deutsche Schulc. Man hort in der windischen Presse niemals den Ausdruck „unterlandischer' Deutscher", sondern immer nur „nemčur“*”) (Deutsch- tiimler) . . . Die Beschimpfung soli die Behauptung einer gewaltsamen Germanisation in den Unterlanden rechtfertigen. Man hat ja schon vvindische Zeitungsartikel gelesen, in welchem das Deutschtum derart gezeichnet wurde, als ob die russischen Machthaber in Finnland da- gegen reine Engel waren. In Wahrheit ist diese „gewaltsame Germani¬ sation" einfach eine unverschamte Luge. Die Wahrheit kennt nur eine gewaltsame Einengung des deutschen Einflusses. Wenn aber das win- dische Volk”** ***) ****) ) instinktiv die Notwendigkeit filhlt, deutsch zu kčnnen, so ist dies nur ein Beweisseines Anpassungsvermogens. Wir sind daran nicht schuld! Aber wahr ist es, dab es in ganz Untersteiermark keine grobere Gemeinde gibt, deren Bewohner nicht ihrer Mehrzahl nach miindlich und schriitlich um die Errichtung einer deutschen Schule gebeten hatten. Mit nassen Augen kamen die Leute in die Schriftleitung des „Štajerc“ und baten, man moge ihnen ein diesbezilgliches Gesuch machen. Seitenlang *) Man frage in dieser Beziehung den gewifi nicht ,,glaubens!osen“ oder „unchristlichen“ Herausgeber des Wiener ,,Kikeriki“, der in der Nahe Marburgs einen Besitz hat und die pervakische Hetze kennen lernen mulite. **) Bei den letzten Reichsratswahlen siegte Grafenauer iiber Seifritz, woraus das Vorwartsschreiten der Wenden in Karnten ersichtlich ist. ***) Dieses Wort ist eigentlich eine schwache, nur annahernde Obersetzung; denn ,,nemdur“ ist eine blutige Beleidigung und dtirfte sich in seiner Scharfe nur mit dem Ausdrucke ,,Janitschare“ decken ! ****) Die naturliche Erziehung in der Lehre, auf der „Walze“, beim Militar, im Handel, im Geschafte, ja selbst bei der Erlernung rationeller Landwirtschaft bringt es mit sich — — 41 konnten wir liber diese unleugbaren Tatsachen sprechen. Die windische Presse weifi es sehr gut und sie hat darum nur die billige Taktik ge- wahlt, alle diese deutschfreundlichen Bauern personlich zu besudeln. Was in dieser Hinsicht geschah, wurde wieder ein Buch ausflillen. Der Kampf um die deutschen Schulen dauert immer fort . . . Weiter! Im J. 1906 wurde der' windische Dr. Grofimann (!) in Luttenberg wegen Beleidigung des deutschen Biirgermeisters Thurn zu 300 K Geldstrafe verurteilt. Auch mufite der damalige Schriftleiter der „Domovina“ V. Špindler erklaren, sein Artikel gegen den Deutschen D. sei „bčswillig ausgedacht und verdreht.“ Am 17. Janner verfluchte der Pfarrer V. von D. von der Kanzel die Deutschen. Dieser V. wurde vom „Štajerc“ verschiedener Siinden beschuldigt, klagte das Blatt, zog aber die Klage bedingungslos zuriick und zahlte 1500 K Kosten. Einen bosen Kampf fiihrten die Deutschen in dieser Zeit auch gegen den durch die Deutschen wohlhabend gewordenen Trifailer Blirgermeister Roš. Diesem Manne wurden unglaubliche Dinge mit den besten Bevveisen vorge- worfen.*) Der Mann hat bis heute seine Ehre nicht reingewaschen und blieb politischer Fuhrer der Wenden. Der Pfarrer V. in P. verprugelte zu gleicher Zeit einen deutsch¬ freundlichen Greis und zerrifi ihm das Hemd; der „Štajerc“ kaufte dem alten Manne ein neues Hemd, stellte aber das zerrissene aus . . . Das bedeutendste Ereignis des Jahres 1906 aber war die Reichs- ratswahl aus der V. Kurie am 29. Mai. Die Deutschen kandidierten den Grofigrundbesitzer Franz Wratschko gegen den klerikalen Fuhrer Kaplan Dr. Korošec. Selbstredend war der ganze pervakische Heerbann aufgeboten. Und doch bekam der deutsche Wahlwerber liber 7000 Stimmen. Wir miissen es uns leider versagen, auch nur die wichtigsten Ereignisse der letzten 3 Jahre zu erwahnen. Die Kampfe spielten sich selbstredend in denselben Formen ab. Ein pervakischer Geistlicher schlug an seine Tiire die bezeichnende Inschrift: „Hunden und Deutschen ist der Eintritt verboten." Zu der mit deutschem Gelde verwirklichten Vieh- ausstellung der „Grazer Herbstmesse" schickten die Wenden von St. Georgeu a. d. S. B. einen Stier mit dem Namenstafelchen „Nemec“ (= der Deutsche) usw. Gewaltig entwickelt sich jetzt auch die Hetze in Karaten. Wir betonen da nur die Kampfe um Unterloibl, Zeli, Furnitz usw. Deutschen Lehrern verkaufte man keine Speisen, deutsche Kinder wollte man nicht taufen, nichtpolitisierende Priester will man mit Gen- darmerie aus der Kirche treiben, die Bahnhofe der deutschen Stadte sind Tummelplatze der wlistesten Agitation, jeden Sonntag stiirmen Scharen krainischer Hetzer liber die Karawa,nken usw. Wir miissen auf die Tagesblatter verweisen ! Zusammenfassend erwiihnen wir nur, dafi in den 7 Jahren (bis Ende 1906) nur in Unter- steiermark 12 windischeBlatter fiirden Kampf bis aufsMessergegen die Deut¬ schen gegrundet wurden. Freilich sind 10 von diesen Kloakenblattern einge- gangen, aber in den letzten Jahren entstanden wiederneue. Vor den Gerichts- schranken sfand der „Štajerc“zweimal(Berichtigungsklagen); diewindischen Gegner aber wurden in 20 Fallen wegen politischer Ehrenbeleidigungen insgesamt zu 10 Monaten 9 Tagen Arrest, 1800 K Geldstrafe und gewaltigen Kosten verurteilt. In den letzten 3 Jahren aber hatte der Schriftleiter *) Siehe „Štajerc“ J. 1907—1908 — 1909. — 42 des „Štajerc“ schon uber 20 Prozesse, in denen er durchwegs freige- sprochen werden mufite. Ein grelles Bild unserer politischen Verhaltnisse! Von den gegen die Deutschen gegrundeten Boykott-Genossenschaften aber krachten in den erwahnten 7 Jahren 19 zusammen. Eine kolossale Geldvergeudung! In letzter Zeit kam noch dazu der Krach der wind. Vorschufikasse in Schonstein (eine Folge des Konkurses Vošnjak mit Va Million Kronen Passiven) usw. . . . So kampft unser Unterland!*) Um jede Spanne Erde, um jeden Bissen Brot, um jedes Fiinkchen Recht und Einflufi muB gekampft und gerungen werden. In alle Phasen des gesellschaft- lichen, persOnlichen und wirtschaitlichen Lebens ist der politische Hab eingedrungen . . . *) Uber den > gewaltigen Abwehrkampf der deutschen Stadte und Markte als solche sprechen wir im folgenden Abschnitte. ^oliti^cb-uiirt^cbaftlicbe ^ilder. Gewaltiger, wenn auch vielleicht verborgener als der Kampi aui dem ilachen Lande ist das Ringen um die deutschen Stadte und Markte selbst. Wir werden versuchen, dieses beispiellose Ringen in einigen losen Bildern darzustellen. Wir iragen da: Gibf es eine Ursache, aui deren Grundlage man das Deutschtum der Unterlande dem Schicksale volkischer Vergewalti- gung iiberlassen konnte? Hat es vielleicht keine wirischaftliche Bedeu- tung und ist es mithin nur ein Bettler im fremden Gebiete? Wer das politische Vordringen des panslawischen Gegners beobachtet, ohne die tatsachlichen Verhaltnisse zu kennen, der konnte vielleicht zu diesem Schlusse kommen. Wir aber wissen, dab dieses unterlandische Deutsch¬ tum nicht nur an und iur sich wirtschaftlich gesund ist, sondern dab es auch den kraftigsten wirtschaftlichen Faktor in Untersteier, Karn- ten und Krain, ja im gesamten osterreichischen Siiden darstellt. Die Wenden haben weder eine Grobindustrie noch einen groben Handelsstand. Die gesamte Industrie in diesen Gebieten ist deutsch. Grobere windische Geldinstitute halten wohI einige Firmen. Aber diese meist nicht lebensfahigen Firmen kann man kaum in ernstere Erwagung bringen. Andererseits moge ervvahnt werden die deutsche Tffailer Kohlenwerksgeseilschaft, die in Hrastnig 800, in Trifail 4000, in Sagor 800 und in Gottschee eine ahnliche Anzahl von Bergarbeitern beschaftigt. Weiters die „Krainische Industriegesellschaft“, welche in Abling-Htitte, Jauerburg, Servola bei Triest und Feistritz im Rosental 3.110 Arbeiter (Stand 1908) beschaftigt u. zw.: Wenden Deutsche Zusammen Abling.1700 100 1800 Jauerburg . 400 10 410 Servola.. • ? ? 700 Feistritz. ? ? 200 zusammen . 3.110 Das Aktienkapital dieser Gesellschaft betragt 14 Millionen Kronen. Eine „Germanisation“ ist aus der Statistik der Arbeiterschaft wohl nicht zu ersehen. Wir konnten da noch eine ganze Reihe von deutschen Mittel- punkten des wirtschaftlichen Lebens anfuhren. Ebenso ist es mit dem groberen Handelsstande, welcher durchwegs in deutschen Handen ruht, — 44 da die Wenden es bis heute nur bis zu Kramern und zu den verbre- cherischen, durchwegs verkrachten klerikalen Konsumvereinen gebracht haben. Man wird da vielleicht den Einwurf erheben : Ja, die in Betracht kommenden Unterlande haben durchwegs einen bauerlichen Charakter, der Wende ist Agrarier. Aber auch hier kann das Deutschtum aui den Plan treten und sein bodenstandiges Recht behaupten. Ich meine da nicht nur den „Grofigrundbesitz“, denn 'von einem solchen kann in die- sen Gegenden fast gar nicht gesprochen werden; einen wirklichem Grofi- grundbesitz mit Latifundienwirtschaft, mit landwirtschaftlichem Proletariate haben wir hier nicht. Aber das Deutschtum kann auch behaupten, dafi es im bauerlichen Besitze sein Heimatsrecht erworben hat. Aufier klei- neren Orten (wie z. B. das liebliche Besiedlungsnest der „Sudmark“ St. Egydi W.-B.*) haben wir alltiberall zerstreuten deutschen Besitz, der zu- sammengenommen eine bedeutende wirtschaftliche Macht darstellt. Die Bewohner der deutschen Stadte und Markte haben fast durchwegs aufier- halb derselben Grundbesitz. Ganz besonders tritt dies in weinbau- treibenden Gegenden zutage. Das grobe Weingebiet der Kollos z. B. nimmt der windische Politiker immer vollkommen fur sich in Anspruch als unantastbares, reines „slowenisches Gebiet". Tatsache aber ist es, dafi von diesen Weinbergen wenigstens die Halfte den Deutschen ge- hort. Die beriihmte ,,Kollos" ist also, wirtschaftlich genommen, zur Halfte deutsches Land. in den anderen Gebieten wird es nicht viel anders sein. Diese gewifi bedeutenden Tatsachen werden von den windischen Politikern niemals in Rechnung gestellt, wenn es sich um die Fest- setzung des „Besitzstandes“ handelt. Man geht da einfach von der Kopf- zahl aus — und dann ist alles „rein windisches Gebiet" . . . Die deutsche Minderheit (der Kopfzahl nach Minderheit, der Bodenausdeh- nung und Steuerkraft nach aber Mehrheit oder wenigstens mafigebender, gleichwerter Bruchteil!) wird da einfach verleugnet . . . Ganz anders aber ist die Polemik des windischen Gegners in den deutschen Stadten und Markten des Unterlandes. Es findet sich da eine in jeder Hinsicht, ganz besonders aber wirtschaftlich bedeutungs- lose slawische Minderheit, ftir welche ein Krieg bis aufs Messer gefuhrt wird. Man spricht in einzelnen Vertretungskorpern, als wenn die unter- landischen Stadte und Markte, diese herrlichen Trutzburgen deutscher Arbeit und deutschen Geistes, wirtschaftlich abhangig waren von den Wenden. Wie ist es aber tatsachlich? Ftir Unterkarnten konnen wir frohen Mutes behaupten, dafi deutsches Geld die Grundlage aller gro- fieren Orte darstellt. Wer konnte dies leugnen ? Industrie, Handel, Ge- werbestand, Fremdenverkehr, alles hat deutsche Grundlage. Eine Unter- suchung der diesbeziiglichen Zahlenverhaltnisse wiirde geradezu ver- bltiffende Erfolge zeitigen. Ja auch in Krain braucht sich das deutsche *) St. Egydi ist ein Beweis der gewaltigen Arbeit, die in der Erhaltung ein- zelner deutscher Gebiete steckt. Unsere unermudliche „Siidmark“ verwendete schon eine halbe Million Kroner. fur die Besiedlung dieses Ortes. Nur dadurch ist es moglich, daO das Deutschtum aus diesem hochst wichtigen Punkte der Sprachgrenze nicht ausge- merzt wurde, ja da!3 bei den letzten Gemeinderatswahlen ein deutscher Sieg zu ver- zeichnen war (1910, janner). Unermudliche Arbeit und riesige Geldsumn wir, um unsere Scholle zu erhalten ! — 45 Geld nicht zu schamen. Wenn wir das Verhaltnis der deutschen Steuer- kraft zur windischen mit jenem der deutschen und windischen politischen Rechte in eine Reihe stellen, nun, dann wird das Bild zur krassen Fratze einer rticksichtslosen Vergewaltigung der bodensassigen, nieder- gedruckten Deutschen . . . Hochst interessant ist aber das wirfschaftliche Bild der siidlichen Steiermark. Wir haben uns da die Muhe genommen, einige diesbezugliche Daten zu sammeln. Als krassestes Beispiel nehmen wir das liebliche Schonstein im Sanntale. Laut der letzten Volkszahlung hatte Schonstein 1200 Einwohner u. zw. 1000 Wenden (!) und 200 Deutsche.*) Die Ge- meinde zahlt nun jahrlich rund 25000 K Staatssteuern, wovon die Deutschen 18000 K (!) und die Wenden 7000 K bezahlen. Nach dieser Statistik zahlt also jeder Schonsteiner Deutsche jahrlich 90 K Staats- steuer, jeder Wende aber nur 7 K (!!!). Dieses unglaubliche Miftverhalt- nis entsteht aber durch den gewaltigen vvindischen Volkszahlungs- schvvindel. Die letzte Volkszahlung wurde namlich noch von der win- dischen Gemeindevertretung durchgefiihrt, welche einfach alle Bewohner (bis auf 200 der bekanntesten Deutschen) als „Slowenen“ eintrug. Die heuer (1910) stattfindende neuerliche Volkszahlung wird den Tatsachen entsprechend ein Bild von 800 Deutschen und 400 Wenden zeigen.. Nichtsdestoweniger wird aber auch dann noch das Verhaltnis der Steuer- kraft bei den Deutschen 22y 2 , bei den Wenden aber nur 17 1 / 2 K jahrlich darstellen. Dieses Schonstein ist ein Schulbeispiel fiir unsere Verhaltnisse. Es dauerte namlich drei Jahre, bevor die Gemeinde in deutsche Ffande kam. Bei der ersten Wahl (1905) waren die Deutschen in allen drei Wahlkorpern in der Mehrheit. Als dies die windische Wahlkommission bemerkte, lehnte sie bei der Wahl einfach beinahe jeden dritten deutschen Wahler ab. Man protestierte gegen diesen Vorgang und die Bezirks- hauptmannschaft hob die Wahl auf. Wahrend dieser Zeit aber hatten die Wenden 180 Wahlstimmen „gemacht.“ Sie kauften sich namlich eine grohere Wiesenparzelle und teilten sie auf 180 slow. Stimmen auf. Das damals auch windische Bezirksgericht rnachte die grundbiicherliche Durchfiihrung noch am 31. Dezember 1905. Am 2. Janner 1906 bestimmte die windische Wahlkommission eigenmachtig und willkurlich die Steuern fiir diese 180 neuen Stimmen und am 3. Janner standen schon die 180 neuen Wabler in der Wahlliste. Man protestierte gegen diesen un- glaublichen Schwindel, fuhr zum Statthalter, erklarte uberall, dafi dieser Vorgang ungesetzlich sei**) — aber es half alles' nichts. Die „Stimmen“ Wahlten ... So ging bei dieser zweiten Wahl (Janner 1906) der 3. Wahl- korper natiirlich verloren. Die Deutschen befanden sich im zweiten Wahl- korper in grofier Mehrheit. Die windische Wahlkommission lehnte nun einfach wieder die Halfte der deutschen Wahler ab. Selbstredend prote¬ stierte man dagegen wieder und die Wahl wurde nicht anerkannt. So kam es zur dritten Wahl! Kaltlachelnd lehnten die windischen Wahl- kommissare wieder einen GroBteil der deutschen Stimmen ab. Uber diese grenzenlose Frechheit emport, fuhr nun eine deutsche Deputation zum Statthalter und verlangte die AuflOsung dieser ungesetzlichen Gemeindevertretung. Endlich geschah es und es kam zur vierten Wahl, *) Diese Zahlen sind windisch gemeindeamtlich! **) Weil die Steuer fur die 180 Stimmen noch gar nicht vorgeschrieben war!. — 46 — welche ein k. k. Regierungskommissar durchflihrte und die mit einem Siege der Deutschen im 1. und II. Wahlkorper endete. Welche Riesen- arbeit und vvelchen volkischen Geldaulwand dieser jahrelange Kampf mit seiner selten dagewesenen Agitation kostete, das konnen nur wir Unterlandler beurteilen. Jedermann aber wird es verstehen, dab es keine Kleinigkeit ist, die Leute viermal zur Wahl zu bringen. Die Schonsteiner Deutschen mit ihrem unermiidlichen Ftihrer Hans Woschnagg sind ein leuchtendes Beispiel volkischer Treue! Jetzt ist Schonstein vollkommen deutsch. Bei den letzten Gemeindewahlen (Februar 1910) siegten die Deutschen in allen drei Wahlkorpern. . In Pettau ist das Verhaltnis zwischen deutscher und windischer Steuerleistung (nach der letzten Wahlerliste) lolgendes: Die Wenden in Pettau, welches sie immer „halbslawisch“ nennen, zahlen im I. Wahlkorper 6°/ 0 , im II. 18%, im IH- 14% der gesamten Steuern, also durchschnittlich etwas liber 12 J / 0 . Dabei mub aber noch bemerkt werden — und dies gilt auch Ilir die anderen Stadte und Markte, — dab unter diesen 12% windischer Steuerleistung meistens nur Personaleinkommensteuern enthalten sind, also umlagenfreie Steuern, von denen die Gemeinde keinen Heller hat... Und doch ward Pettau in den letzten Jahren zu einem Mittelpunkte nationaler Leidenschaft. Gewaltige Opfer mubte dies Stadtchen seinem Deutschtume bringen und wird es auch in Zukunft tun miissen!*) Das hart umdrohte St. Leonhard (Windische Biiheln) zeigt folgendes Bild: Gesamteinwohner 602. Davon sind 59 deutsche Markt- vvahler mit einer Steuerleistung von K 3.16371 und 45 windische mit einer Steuerleistung von K 2.345'12. In diesem Orte ist also das Ver¬ haltnis kein besonders krasses. Aul jeden Wenden entfallt eine jahrliche Steuerleistung, von etwas liber 52 K, auf jeden Deutschen aber eine solche von iiber 53 l / 2 K. Ubrigens miissen wir hier erwahnen, dab die bisher allein herrschende utraquistische Schule hier sehr viel slawisiert hat. Kinder konnten nicht mehr mit ihren deutschen Eltern sprechen, da sie nur windisch brodelten. In einigen Jahren ware dieser Markt voll¬ kommen verslavvisiert worden, wenn nicht der deutsche Schulverein mit einer bedeutenden Geldausgabe in zvvoltter Stunde eine deutsche Schule verwirklicht hatte. So ist die Hoffnung vorhanden, dab der Markt uns nicht verloren geht.**) Was die letzte grobere deutsche Stadt im steirischen Siiden anbelangt, — ich meine Čilli — so hatte dieselbe bei der letzten Volks- zahlung (1900) eine Einvvohnerzahl von 6.713. Davon waren 4.940 Deutsche und 1450 Wenden. Also bilden die Wenden einen Prozentsatz der *) Obrigens ist Pettau auch der Ausgangspunkt der Ereignisse des J. 1908, iiber welche wir noch spater reden werden. **) Dank auch der vvackeren Arbeit des Burgermeisters Sedminek und des Dr. Zirngast! 47 — Bevolkerung von 21 '6°/ 0 - An Steuern zahlen sie aber nur 18°/ 0 . Auch hier eine hinter der Kopfzahl zuriickstehende Steuerzahlung! Es leisten die Wenden nicht einmal ein Funftel der Steuern! Cilli gehort aber zu den heifi umstrittensten Stadten. Wir erwahnen da nur die Reihe von Sokol-Einfallen, die stets mit blutigen Herausforderungen verbunden waren. Mit Revolverschussen erwarben sich die „Sokolisten“ das „Recht der Strafie.“ Und jedes Jahr folgen gewalttatige Ausschreitungen. Weiters soli der Kampf um das windische Gymnasium ; der grobe parlamentarische Wogen aufwarf, nicht vergessen werden. Der slow.~klerikale Fiihrer Dr. Šušteršič erklarte damals, selbst, Cilli sei fiir die Wenden „fremdes Gebiet“ und doch will man aus dem deutschen Cilli ein „Celje“ der Wenden machen. Die volkischen Kampfe dieser braven Stadt (Wahlen, wobei es zu Stichwahlen kam, Besitzankaufe u. s. w.) \viirden ein Buch fiillen. Leider mtissen wir uns mit diesen Andeutungen begnugen. Von dem uns benachbarten Friedau bekamen wir aul unsere Anfrage die Antwort, dafi nach der vorletzten Gemeindeausschufiwahl die Deutschen der Stadt 9.903'42 K und die Wenden 3.690'56 K Steuer zahlten. Also ein Verhaltnis in der Steuerkralt von 73'347 0 gegen 26‘ 16% (bei den Windischen). Und doch versuchen es die Wenden, die Gemeinde in ihre Hande zu bekommen, wobei sie nach dem Muster der Schon- steiner Wahlschwindler vorgehen. Bei der letzten Wahl (Ende 1909) siegten aber die Deutschen noch mit grofier Mehrheit. Dennoch heifit es auch in Friedau immer wachen! Unser Windisch-Feistritz zahlt (samt Militar) zusammen 1.350 Ein- wohner u. zw. 1276 Deutsche und 74 Wenden. Die Deutschen zahlen zusammen 14.294'20 K, die Wenden aber 2.496'32 K Steuer. Die vvindische Steuerkraft betragt hier also rund Ve der ganzen. In unserem hart an der kroatischen Grenze gelegenen und doch fest gehaltenem Rann a. d. Save zahlt die Bevolkerung zusammen 1.164 Einwohner, wovon 724 Deutsche. Von der Gesamtleistung an direkten Steuern von 15.074 94 K zahlen die Deutschen 9.2121 A K. Selbst hier, wo auch ein nicht zu unterschatzender Bruchteil von Fremdlandlern ist, sind die Zahlen ftir uns gunstig. Ganz besonderes Interesse durite auch die Statistik des Marktes Oberradkersburg erregen. DerMarkt zahlt 778 Einwohner u. zw. 404 Deutsche, 192 Wenden und 182 Personen anderer Nationa- litat. Die Deutschen zahlen nun aber an Steuer K 7.150'53, die Wenden dagegen 798'14 K. Mithin bilden die Wenden in Oberradkersburg ein Viertel der Einwohner, zahlen aber kaum 7» der Steuern. Und so ahn- lich ist es in allen unterlandischen Stadten und Markten! Uberall werden alle Krafte zur Verteidigung der Scholle verbraucht. Alle Krafte — und der Arbeiter, Gewerbsmann, der Akademiker, alle halten mit, alle zahlen mit! Den.p nur die geringste Oberflachlichkeit und Faulheit bringt jede unserer Stadte und jeden Markt in Gefahr. Abgesehen von der bekannten Offentlichen Arbeit wird da noch eine stille, uner- bittliche Tatigkeit entfaltet. Und gerade in dieser stillen Arbeit hilft keine Phrase, sondern nur — Geld. Wir meinen die Besitzankaufe. Wie viele einzelne Deutsche mussen oft ein Vermogen riskieren, um einen Besitz dem Deutschtume zu erhalten. Denn die Wenden kaufen alles an und tiberzahlen alles. Und wenn es an Einzelnen fehlt, dann mussen die Gemeinden herhalten. So kommt es, dafi unsere deutschen' Gemeinden 48 - zu den grobten Steuerzahlern -gehoren, weil sie den meisten Besitz aus volkischen Griinden kaufen miissen. Wie dankbar ware die freilich muhselige Arbeit, diese von uns nur kurz angedeuteten Erscheinungeri bis in ihre Einzelheiten zu unter- suchen! Trotz des in dieser Arbeit iiegenden volkischen Reizes — denn es ist etwas Herrliches, die immer in der tatkraftigen Wirtschalt fufiende Gesundheit unseres Volkstumes darzustellen! — miissen wir uns dies mit Riicksicht auf Raum und Zeit versagen. Aber aus den Tatsachen schčpfen wir immer wieder das sonnenhelle Bevvufitsein, dab wir Deutsche der osterreichischen Unterlande nicht fremd, nicht Bettler und nicht Gaste sind ... Die Geschichte lehrt uns: Diese SchoIIe ist deutsches Eigen! Und die Gegenwart der Tatsachen sagt es mit eiserner Ruhe: In den Unterlanden iiit man deutsches Brot! . . . Die Tagespresse hat sich mit den Ereignissen der letzten drei Jahre genugsam befabt, in den Vertretungskorpern wurden sie reichlich erortert und es hiebe Eulen nach Athen tragen, wenn man dariiber noch viele Worte verlieren wiirde. Die Einzelheiten geben der Sache ja nicht die Bedeutung. Aber auch der leiseste politische Instinkt wird gewib einen Zusammenhang zwischen der Reise des Laibacher Biirgermeisters Ivan Hribar nach Petersburg, der Schreckensherrschaft in Laibach, der grofiserbischen Propaganda im Okkupationsgebiete und der Kriegsstim- mung im Konigreiche Serbien usw. usw. erkennen. Es sind ali’ dies keine einfachen, von plotzlicher politischer Leidenschait diktierten Kund- gebungen, wie es die osterreichische Regierung in einer iiberraschenden Kurzsichtigkeil aufzufassen scheint. Es ist dies im Gegenteile der erste Schlag, welchen sich der sudliche Panslawismus zu fiihren erlaubte. lnfolge dessen sind diese Ereignisse der Anfang ganz neuer historischer Kampfe, deren Ziel eben in der Zerbrockelung des siidostereichischen Deutschtums und der Errichtung eines siidslavvischen gemeinsamen Staatengebietes zu suchen ist. Der erste panslawistische Putschversuch im osterreichi¬ schen Sudeti! Freilich, ein kulturell entvvickelteres Volk hatte sich bei den bestehenden Verhltltnissen eine so anmafiende Kraitprobe nicht er- laubt. Aber wir haben es eben mit einem kiinstlich sozusagen aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen geschossenen Volkchen zu tun. Vielleicht darf man schon die Einfiihrung des allgemeinen Wahl- rechtes zu den Ursachen der letzten Ereignisse zahlen. Das allgemeine Wahlrecht fordert eben eine gewisse Stufe der politischen und auch liber- haupt kulturellen Reife. Diese war bei den Wenden nicht gegeben. In die politisch schlafende Masse wurde urplotzlich die rucksichtsloseste Agitation und mit ihr die skrupelloseste Demagogie gevvorfen. Die po¬ litische Impotenz solite nun plotzlich politische Entscheidungen treffen. Kein Wunder, dab dadurch nur die Leidenschaft der Phrase, der oft gegenstandslose Hafi geweckt wurden, nicht aber das politische Urteil. Darum hat im Siiden des Reiches seit der Einfiihrung des allgemeinen Wahlrechtes nicht der Stimmzettel sondern die StraBe gesprochen.*) Es *) Schon die Einfiihrung der 5. Reichsratskurie hat diese windische Unreife bewiesen. Wir erinnern nur an die Versammlungsprugeleien des Jahres 1897. — 49 — * sei also wiederholt: Dic Slowenen sind nicht reif fiir die Demo- kratie und darum mufiten sic zum Terror greifen! Es war ja geradezu erschreckend, wie fief der Ton der Wenden- presse mit der Einfiihrung des demokratischen Wahlrechtes fiel. Gewift kampfte diese windische Presse niemals mit elegantem Rapiere. Sie hatte ja nur ein paar begabtere Journalisten, die aber ihre Begabung nicht gerade charaktervoll anwendeten.*) Alles andere sind Zufallsschriftleiter, die nach „liberaler“ oder „klerikaler“ Orthographie schreiben konnen. Aber in einem solchen Pfuhle personlicher Angriffsweise, in einem solchen Moraste giftiger Verleumdungen walzt sich keine Presse der Welt mehr -als die windische. Man begann „poljudnc pisati" (volkstiimlich schreiben). Von den Deutschen wird in ali’ diesen groben und kleinen Winkelblattern ausschlieftlich als von den „Verdeutschten“ (nemčurji) gesprochen. Man nennt sie tast durchvvegs „Stra6enrauber," ,Janit- scharen" (!) usw.**) Diese Art der Schreibweise stachelte die unzufriedene Masse zu Gewalttaten auf. Und bald kamen auch ganz klar ausgesprochene Droh- ungen. In den letzten Monaten vor den 1908er Demonstrationen wieder- holte sich in windischen Blattern und auch auf windischen Versamm- lungen der Ausdruck, man werde mit den Deutschen „tschechisch sprechen." Mit Rucksicht auf die ewig sich wiederholenden Prager Ge- walttaten hatte dieser Ausdruck dieselbe Bedeutung wie das Wort „belgisch reden" fiir den „roi des cartes." Es heifit ganz offen heraus- gesagt, man wolle politische Argumente durch die Brutalitat der Strafie ersetzen. Ebenso kennzeichnend sind die versuchten Storungen der deutschfreundlichen Versammlungen. Man hat ja den Versuch gemacht, jede dieser Versammlungen mit der Faust (und dem Messer) unmoglich zu machen. Diese Gevvaltpolitik war umso gefahrlicher, als z. B. in der Umgebung Pettaus ein sehr messerfrohes Volkchen lebt.***) Kein Wunderl Das Programm dieser windischen Parteien war einfach Gewaltpolitik, sowie das Programm der tschechischen Kloufac- Leute „Skandal" heiftt . . . Die neue klerikal-panslawistische Organisa- tieji kmetska zveza" (Bauernbund) hatte sogar als Motto den Kehrvers des revolutionaren Liedes aus 'der Zeit der Bauernkriege im 16. Jahr- hunderte „Le vkup vboga gmajna" („Nur zusammen, arme Gemeinde") freilich mit entsprechender „Nutzanwendung“ betreffs der Deutschen angenommen . . . *) Der Hauptschriftleiter des. erzliberalen „Slov. Narod" M. erklarte seiner- zeit offen, er werde auch klerikal schreiben, wenn sein Konsortium dies wiinsche. Der Journalist P. schrieb in liberale Blatter ellenlange Artikel, in klerikale ellenlange Ent- gegnungen und strich von beiden Seiten das Honorar ein . . . **■) Die tibrigens beschlagnahmte Nummer 39 (1908) des Cillier „Narodni list" z. B. enthalt folgende Schimpfworter Uber die Deutschen: ,,Stra8enbUberei“, ,,StraGen- rauberei," „deutsche Rauber," „besoffene Bande," ,,Fakinage,“ „deutschnationale Diebe," „Fiihrer der deutschen Taschendiebe." Diese Beschimpfungen wiederholen sich aber in dieser einen Blattfolge 150mal. Und dabei sind sie nicht neu, sondern bilden schon jahrelange den Hauptinhalt der windischen Presse. ***) Am sog. Pettauer Draufelde leben noch sehr echte Nachkommen der Tiirken, wie einerseits die drastische Physiognomie, andererseits die freilich „slowe- nisch" gemachten Namen „Mustafa,“ „Hassan-Ali,“ ,,Heiduck," „Sagadin" usw. beweisen. 4 — 50 Wasnun die Ereignisse vom September 1908 an selbst anbelangt — sie sind trotz der Opfer erfreulich, weil sie die deutsche Offentlichkeit auf unsere Verzweiflungskampfe aufmerksam machten, — so kanti es wohl nicht Aufgabe dieses Buchleins sein, die genauen Berichte noch- mals aufzurollen. Wir wollen hier nur einige Feststellungen machen, welche jeden falschen Eindruck verwischen mtissen. Zuerst Pettau! Dies kleine Draustadtchen ist vollkotnmen deutsch. Die winzige Bedeutung der Wenden in diesem Stadtchen fol- gert schon aus der Tatsache, (die wir fruher erwahnten) dafi dieselben nur 127 0 der Gesamtsteuern aufbringen. Auch der Bezirk mit seinen 50.000 Seelen ist nicht deutschfeindlich, was schon aus der Tatsache hervorgeht, dafi er eine deutsche Bezirksvertretung besitzt. Gerade in dieses Stadtchen berief man die sonst immer in grofien windischen Mittel- punkten abgehaltene Hauptversammlung des dem Deutschtume volkisch am gefahrlichsten „Kyrill- und Methodius‘‘-Vereines. Dafi dies eine grobe chauvinistische Herausforderung war, wird jedermann begreifen, der diesen erbarmungslosen Kampi um jedes Stiickchen Besitzstand in den Unterlanden kennt. Die windische Presse gab diese Herausforderung teilweise selbst zu. So schrieb z. B. der Laibacher „Rdeči Prapor" aus- drucklich: Der Zweck der Veranstaltung dieser Versammlung in Pettau war eine politische Demonstration, von der jeder voraussehen mufite, sie werde zu Gewalttaten treiben; aber die slow. Chauvinisten brauchten den „Martyrerkranz“ dieser Gevvalttaten fiir ihre agitatorischen Zwecke! Und das Hauptorgan der Slowenisch-Klerikalen „Slovenec“ (Laibach) erklarte des ofteren diese Einberufung als eine Dummheit. Dies sei ins- besonders darum angenagelt, weil man spater die ganze Veranstaltung als eine Harmlosigkeit darzustellen bemuht war. Was geschah nun? Es kam zu echt kleinstadtischen Auftritten, wobei es einige Hiebe gab und eine (!) ganze Scheibe eingeschlagen wurde. Und es ware nicht einmal dazu gekommen, wenn die Wenden nicht provoziert hatten. Ein pansla- vvistischer „Priester“ beschimpite z. B. die Deutschen mit dem Ausdrucke „Vieh“ und »deutsche Hure" (!) usw. Wo iibrigens die Hauptschuldigen waren, zeigen die fiir die Deutschen gewifi sehr „objektiv‘‘ (bitte den Ausdruck »dsterreichisch" zu nehmen) geiiihrten Gerichtsverhandlungen, in denen man den Deutschen nur Obertretungen, den Wenden aber Ver- gehen und Verbrechen nachweisen konnte. Dies ist so ziemlich die ganze „Angelegenheit Pettau". Die Vor- ialle geschahen am 13. September 1908. Ware nun am nachsten oder zweitnachstenTage in Laibach eine Demonstration vorgekommen, so konnte man an eine natiirlicherweise aufgetretene Erbitterung glauben. Aber Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag geschah nichts. Erst am Freitag kam die »spontane" windische Entrustung zu Tage und es wurde nun freilich so lange „tschechisch gesprochen" bis zwei junge Menschen- leben den Militargewehren zum Opfer fielen . . . Gerade diese fiinftagige brutale Verhetzung ist das Kennzeichnendste an ali diesen Ereignissen. Es gibt ja Augenblicke sturmischer Aufwallungen der Volksseele, die sich in einer unbezahmbaren Zerstorungswut Luft machen vvollen. Aber wenn nach 5 Tagen plbtzlich der „spontane“ Zorn erwacht, so ist er einfach bezahlt und gemacht. Dafi diese unsere Behauptung zutrifft, konnten wir mit einer unglaublich langen Sammlung von Hetzreden und Hetz- — 51 artikeln, welche in der kritischen Zeit vom 13. bis zum 18. September 1908 die Laibacher Gewalttaten herauskiinstelten, beweisen. Schade um den Raum! Jedenfalls wubten in Laibach die Wenden wie die Deut- schen schon vorher, dab es am Freitag nach dem Pettauer Sonntage zu Krawallen kommen werde. Der Laibacher Pobel braucht 3—5 Tage zur „Aufpulverunger hat ein zu „morastiges“ Temperament, um gleich zu rebellieren, er kann dies erst tun, wenn der „Slov. Narod" ihm die Notwendigkeit dieser Rebellion eine Woche lang beweist. . . Und nun kam es in Laibach zu den bekannten Ereignissen. Man hore: Tagelang vernichtete man in wahrer Berserkerwut deutsches Eigentum: die Fensterscheiben des deutschen Kasinos, der deutschen Geschafte und Privathauser, ja der deutschen Schulen (!) wurden alle zerschlagen, die deutschen Schilder bei hellem Tage unter den Augen der stadtischen Polizei heruntergeholt und in den Flub geworfen, das deutsche Militar angespien und mit Steinen beworfen (was von den slow. Richtern mit 14 Tagen ArreSt „bestraft“ wurde) und so mubte zum Schlusse das Militar die Walfe gebrauchen. Diese Laibacher Tage stehen den Prager Gewalttaten in keiner Hinsicht nach! So entstehen im „romantischen slawischen Suden" die beruhrn- ten fur die Verbreitung des Panslawismus gar so notwendigen „Ent- rtistungskundgebungen." Nach den in Laibach so blutig abgeschlossenen Geschehnissen war der panslawistische Wende naturlich zuerst „Martyrer“ und dann wieder das ruhige loyale Lammchen . . . Dabei miissen wir eines er- wahnen — ohne alle Bemerkungen — was so recht deutlich die wu- tenden Deutschenhasser zeichnet: Zu den blutuberstromten Leichen der beiden verfuhrten und erschossenen Jungen ftihrten windische Eltern ihre kleinen Kinder, pflanzten in ihr Herz den wahnsinnigen Hab, indem sie ihrem eigenen Fleisch und Blute erzahlten: „Diese zwei Martyrer sind von den Deutschen erschossen worden" . . . * * * Es eriibrigt uns nun, einige Folgen dieses panslawistischen An- grilfes zu erortern. Zuerst hat naturlich die nolitische Hetze auf allen Gebieten mit ihrer Tatigkeit begonnen. In welchen Formen sich dieselbe abspielte, beweisen schon die sofort veranstalteten windischen Hetzver- sammlungen in Untersteiermak. Teilweise wurden dieselben den be- stehenden Verhaltnissen entsprechend — behordlich untersagt. Teilweise wurden sie von windischen, aber deutschlreundlichen Bauern zerschla¬ gen (!) — teilweise aber fanden sie trotz des behordlichen Verbotes statt (!)... Ja, es geschah, dab osterreichische Bezirkshauptleute entge- gen den Bestimmungen des Versammlungsgesetzes und entgegen ihrem eigenen Verbote (!) trotz ihrer eigenen Anwesenheit (!) solche Versammlun- gen duldeten . . . Die ganze politische Hetze warf man nun in die windische Umgebung der deutschen Stadte und Markte. Man versuchte es zuerst mit einem Einlalle in Pettau. Es wurden da verschiedene Hetzplakate mit unglaublich aufreizendem Inhalte gefunden. Dab dies kein Buben- stuckchen war, beweisen die zahlreichen, fast systematisch vollzogenen 4 * 52 Uberfalle von Deutschen in Pettaus Umgebung. Wochenlang konnte man sich nur mit dem Revolver in der Hand in die nachste Umgebung trauen. Sehr bose war auch der geplante Oberfall auf Rann an der Save; bose schon darum, weil Rann an der Grenze von Krain und Kroatien liegt und man die Bevolkerung dieser beiden Lander zu einem Ein- bruche verleiten wollte. Wie ernst diese Absicht war, bevveist der dies- beziigliche schon mehrmals zitierte Auiruf. Derselbe hatte oben zwei Kreuze (wie sie auf Totenanzeigen gebrauchlich sind!) und einen Inhalt, der geradezu zu Mord und Raub an den Deutschen aufstachelte. Jedes zvvehe Wort war „Blut“ . . . Diese ganze Hetze hatte nun fur die Panslawisten nicht den erwarteten Erfolg. Darum sammelten sie sich in dem Rufe des wirtschaftlichen Boykottes. Man wollte es auf den Versuch ankommen lassen, ob diese volkisch so zahen, politisch tiberzeugungstreuen und kulturell so hoch stehenden Deutschen des Unterlandes nicht vielleicht ausgehungert wer- den konnten. Dieser Boykott — gewifi die riicksichtsloseste Formel des po- litischen Krieges — machte sich insbesonders in Krain und in Unter- steiermark fuhlbar. In Krain begann er zuerst gegen die wohl ziemlich wider- standsfahigen deutschen- Firmen aufzutreten. Er wurde trotz des humor- vollen Boykottparagraphen„ des osterr. Strafgesetzes čffentlich und namentlich erklart, seine Verhangung in der windischen Tagespresse der breiten Offentlichkeit mitgeteilt und ein genauer Uberwachungsdienst eingeleitet. Ja, sogar Namen slowenischer Kaufer bei deutschen boy- kottierten Firmen wurden in den windischen Zeitungen abgedruckt und die Betreffenden dadurch dem offentlichen Hasse preisgegeben. Die bedeutendste Phase des Boykottes gegen die Krainer Deutschen ist aber in dem Kriege gegen die „krainische Sparkasse“ in Laibach zu suchen. Dieses grofite Geldinstitut in Krain ist einerseits ein Beweis deutschen wirtschaftlichen Fleifies und deutscher Tiichtigkeit, andererseits aber eine wahre Wohltat fiir die gesamte Bevolkerung ohne Unterschied der Nation. Mit welcher Wut, mit welcher Verleumdungssucht sich die Wenden gerade auf dieses Institut warfen, ist wirklich unglaublich. Die Behorde war wieder „objektiv.“ Das auf ehrlichster Grundlage verwirklichte und auf sichersten Fuben stehende Unternehmen wurde dadurch freilich nicht erschuttert, aber ein gewissenloser Run wurde erzielt, demzufolge in 3 Monaten zusammen 20 Millionen Kronen aus der Sparkasse behoben wurden. Man zwang die Leute gegen ihr eigenes Wissen und WolIen, die Ein- lagen zu beheben und in die unsicheren, ohne behordliche Aufsicht vegetierenden windischen Winkelkassen zu legen. Wer es nicht tat, der war dem Hasse des Pobels ausgeliefert.*) In Untersteiermark war und ist die Hetze in den Boykott ganz anderer, oft viel tragischerer Natur. Denn hier kampfte die panslawistische Wut nicht gegen machtige deutsche Unternehmen, sondern gegen kleine, *) Heute haben die Leute freilich das Geld schon vvieder zuriickgebracht und in die sichere deutsche Anstalt gelegt. — 53 schwache Existenzen. Der Kampf ging hier gegen einzelne mitten unter der windischen Bevolkerung lebende deutsche (oder auch nur deutsch- freundliche) Handelsleute und Gewerbetreibende. Diese mit wenigen Kronen rechnenden Leute wollte man aushungern, gegen sie richtet sich heute noch die fanatische windische Agitation. Und in der Wahl der Mittel waren die Leiter der magyarischen Tulpenbewegung oder des grofipolnischen Boykottes wahre Waisenknaben gegeniiber den Wenden. Dutzendweise konnten wir Falle anfuhren, wo von der Kanzel herab oder in den Beichtstuhlen der Boykott geradezu als „heiliger Krieg“ verkundet wurde. Die Riichsichtslosigkeit der windischen Presse und der Gossenliteratur, welche in gemeinen Flugblattern verbreitet wurde, wollen wir gar nicht mehr erwahnen. Boykotthetzer kamen sogar in die deutchen Geschafte in Pettau und versuchten, windische Kunden mit dem Stocke in der Hand zu vertreiben . . . ObwohI sich kein einziger Pettau er Kaufmann persčnlich an den Kundgebungen beteiligt hatte, be- hauptete man mundlich und in gemeinen Flugblattern von jedem dieser schwer kampfenden Kaufleute, sie hatten „slowenische Bauern mit Pru- geln empfangen“ und sie „seien Protestanten geworden“ . . . Man log das Blaue vom Himmel herunter und drzahlte Schauermarchen von „an- gespuckten und zerschlagenen Pilgerkreuzen" usw. — nur um dem Boy- kotte Brennstoft zu liefern. Wer die Erbarmlichkeit dieser Kampfesweise verstehen will, der bedenke insbesonders, dafi sehr viele deutsche und auch nur deutschfreundliche Kaufleute und Gewerbetreibende mitten in der windischen Bevolkerung vereinzelt leben und mit ihrem Leibe den ganzen Anprall des gegnerischen Fanatismus aushalten miissen. Man bedenke andererseits, dafi die Stadte und Markte des Unterlandes wirt- schaftlich kleine isolierte Posten darstellen. Es ging in diesem Kampfe also um die wirtschaftliche Existenz Hunderter von deutschen Gewerbsleuten, die im groben Mafie berufen sind, die Arbeiten des unterlandischen Deutschtums vom volkischen Standpunkte aus zu leisten, besonders aber die Spuren des deutschen Charakters dieser Lande nicht verwischen zu lassen. Dieser Kampf kann mit der Behauptung des deutschen Einflusses enden oder er mufi zu dem in Krain erlebten Ziele fuhren. Wenn die windische Boykotthetze derzeit zuruckgedrangt wurde, so haben wir dies zwei Momenten zu verdanken: erstens der Tatsache, dafi man im wichtigem Augenblicke den Spiefi umzudrehen verstand und einige deutsche Gemeindevertretungen (Graz und Leoben) gleichfalls den Boykott gegen den boykottierenden windischen Gegner erklarten. Diese Entschliefiungen der erwahnten Gemeindevertretungen hatten einen gewaltigen moralischen Wert und veranderten mit einem Schlage die ganze Sachlage. Andegerseits liegen die Schwierigkeiten, welche sich den Wenden in ihrer Boykotthetze bieten, in der Natur und in den wirtschaftlichen Verhaltnissen der be- treffenden windischen Bevolkerungsschichten selbst. Der heute im Mannesalter stehenden vvindischen Generation kann niemand den Deutschen hafi aus politischen Grunden einpeitschen. Diese Generation hat schon mit der Muttermilch eine gewaltige Achtung und eine tiefe Dankbarkeit fiir das deutsche Nachbarvolk eingesogen. Unsere Oberzeu- gung ist es auch, dafi der Endkampf des ringenden Unterlands-Deutsch- tums erst durch die kommende Generation ausgefochten werden wird. Die jetzt lebenden ervvachsenen Wenden fuhlen, dafi ihnen das ,,Neu- — 54 — slowenische“ fremder als die deutsche Sprache ist, sie erinnern sich aller jener Widerwartigkeiien, die jenen begegneten, welche das Deutsche nicht konnten, sie sptiren in ihren Adern noch das alte steirische oder karntnerische Blut. An diesen nicht wegzuleugnenden Tatsachen ist der letzte Sturmangriff des windischan Boykottes gescheitert! Gescheitert — fiir den Augenblick. Ob auch fiir die Zu- kunft? Wir konnen die Erzahlungen von den tschechischen Geldunter- stutzungen und dem russischen Rubel leider nicht mehr als Ammen- marchen belacheln. Nein, wir miissen daran glauben. Denn wir sehen eine wirtschaftliche Politik, einen wirtschaftlichen Kraltverbrauch und eine wirtschaftliche Organisation des Wendentums, welche wohl Wahnsinn oder Verbrechen waren, bestanden sie aus eigener Kraft und ohne fremde Mithilfe. Es ist nicht moglich, dafi z. B. fiir kleine (bis 1000 Einwohner zahlende) Krahwinkel 2 bis 4 windische Geld- unternehmen bestehen konnten. Es ist nicht moglich, dafi eirr so kleines Volkchen so viele Geldinstitute erhalten und beno- tigen konnte. Es ist nicht moglich, dafi windische Vorschufikassen „ren- tabel“ sein konnten, wenn sie z. B. einen Reservefond von 10.000 K haben, eine Realitat um 40.000 K (3mal zu teuer) ankaufen, welche sich absolut nicht verzinst oder wenn sie windische Realitaten um das Doppelte ihres Schatzwertes belehnen. Es ist nicht moglich — und dieser ganze Wahnsinn oder dieses ganze Verbrechen lafit nur die eine Schlufitolgerung zu: hier arbeitet fremdes Geld. Welchen reifen Po- litiker mufite da nicht der Gedanke kommen, dafi dies „tremde Geld“ einzig zu panslawistischen Zwecken verausgabt wird . . . Die Zukunft des unterlandischen Deutschtums ist ein Kampf ums Stiickchen Brot. Alle Phasen dieses Kampfes lehren uns, dafi er von Seite des slavvischen Gegners mit iremden Mitteln durchge- fochten wird. Der Panslawismus arbeitet systematisch. Er wirft alle seine Krafte, seine unzersplitterten Kralte, auf eine Gegend, um sie un- erbittlich zu umschlingen und zu erdrosseln . . . Moge aber auch das idealisierte „Alldeutschland“ schon heute praktische Werte schaffen! Moge die grofie deutsche Familie nicht des schwachen, bedrangten Bruders im Unterlande vergessen . . . V)\ereir> ? lAJer bet rT)itglicder! 5«rr>n>elt (šelder! / ,5 c bttlu>ercir)5"-(9egcr)5taocle! Deutsche! LJergesst rjicbt der ^o?egger-5ltjr>g rr>it ibrer? 1^ 2000-$au$teirjer)! Heil der volkischen Pflichterfullung!