Karl Linhari: Der Rbwehrkrieg des unterländischen Deutschtums pcttou 1910 Ber „Södmark (gegründet im Jahre 1889) Sitz in Graz bat der? die t-Ooblfab1** d«5 deut- schen Jolke5 io deo ¡JülWseb bedrohten Cjpterleirjdeo wirtschaftlich 30 hebep u. %u). dureh L)erleibt!r>g Lior? ^arlebcr? tir>d (Jr>ter-SitStgtirjgep er? ^atien1? urjd Geschäftsleute, durch f^orderupg des GepossepscbeiftSiUcSCDS, der ^ebtilcrj ti. 5. u)., dtircb $esiedlur>g L>öi-hiscb bedrohter (segepder). Der Jahresbeitrag beträgt mindestens 2 K, der Gründerbeitrag mindestens 50 K. Deutsche! Liasset beioe Gelegenheit L>orübergebep, obn® der y;5t5dn)eirl*" 30 gederjher)! 5«n)rr)dt (seid, nierbet rT)itglieder, häuft „5üdn)«rh "-Gegenstände i —..... ir?di5eber? politik tir>d des südlicher) ^aoslauJisiDtis. Es würde den Rahmen dieses Büchleins überschreiten, wenn 1 wir die obigem Titel entsprechende Abhandlung mit wissenschaftlicher Gründlichkeit durcharbeiten und mit allen Einzelheiten vorlegen wollten. Wir wollen deshalb nur jene Punkte herausheben, die nach unserer Ansicht einerseits kennzeichnend für die Entwicklung der Wendenpolitik, sowie für das immer entschiedenere Hervortreten des Allslawentums im Süden sind, andererseits aber Berührungspunkte mit den Interessen des unterländischen Deutschtums darstellen. Man wird uns umsoweniger der Übertreibung zeihen, als wir zu unseren Behauptungen neben eigenen Studien aus der windischen Presse nur ausschließlich windische Quellen selbst benützten.*) Wir wollen mit diesem Büchlein eben keine Schmähschrift, sondern eine Sammlung von Tatsachen, von geschichtlichen Erscheinungen und deren Folgen geben. Denn Schmähschriften können nie dauernde Wirkungen haben und müssen in dem Augenblicke außer Betracht kommen, als man etwas Ernstes, Ständiges schaffen will. Die moralische Kraft liegt ja auch auf politischem Felde nur in der Wahrheit... Ein Blick zurück! Stellen wir uns die Zeit eines „deutschen Laibach“ vor. Sie liegt gar nicht ferne**) und es ist keine Völkerwanderung seit jenen Tagen vor sich gegangen. Keine Staatsumwälzungen sind geschehen, höchstens daß man ein paar Jahre österreichischer Regierungskunst vorübergleiten lassen mußte. Die Spuren jener Zeiten sind noch sehr deutlich zu sehen. Ich erinnere da nur an das herrliche Oberkrain, worüber einer unserer besten Unterlandskämpen schrieb***): „Wer die oberkrainischen Bauerntrachten sah und die Goldhauben der hübschen Krainermädeln, ihre Röcke und Sammtmieder —und vollends ihre Gesichter, *) Wir haben die Jahrgänge des „Slovenski Narod“, des „Delavec“ mit seiner Beilage „Svoboda“ und später den „Rdeči Prapor“ sowie die Revue „Naši Zapiski“ benützt. Ganz besonders aber lehnten wir uns an die historisch so ziemlich einwandfreien Abhandlungen des Dr. Drag. Lončar „Politično življenje Slovencev“ (Das politische Leben der Slowenen) Laibach 1906. **) Im Jahre. 1882 wurden die Deutschen aus dem Laibacher Gemeinderate gedrängt. Bemerkenswert ist es, daß die slow. Klerikalen gerade jetzt eine Wahlreform (Proportionalsystem) planen, die den Deutschen wieder eine Vertretung sichern muß. Man will (aus verständlichen Gründen) die steuerkräitigen Deutschen zur verfahrenen Wirtschaft zulassen. ***) „Südösterreichische Korrespondenz“, J. I, Z. 6 (12.) 1908. der glaubte sich mitten nach Bayern hineinversetzt; unwillkürlich drängte sich ein „Grüaß God“ auf die Lippen, da schreien sie einem ihr živio entgegen und man war starr. Das sind also die Nachkommen der einstigen bayrischen Ansiedler und Kulturträger in Krain. Noch tragen die Enkel die deutschen Züge im Gesichte, noch bewahren sie die alte Tracht, ja selbst die altgermanische Frühlingsfeier, wie sie in Bayern heute noch begangen wird (Pfingstvogel) führen sie uns als „grünen Georg“ (natürlich slowenisiert „zeleni Jurij“) vor. Aber das einstige Kleinod ihrer deutschen Muttersprache haben sie verloren, nein, nein, man hat es ihnen gestohlen und geraubt. In systematischer Arbeit hat insbesonders der Klerus vom Ende des 18. Jahrhundertes an und gar das ganze 19. Jahrhundert hindurch an der Ausrottung des deutschen Bewußtseins und der deutschen Sprache gearbeitet, so daß heute die Tausende von Bauern mit ihren ehrlichen deutschen Namen, ihren deutschen Gesichtern, ihren deutschen Trachten und Sitten nur mehr slowenisch ratschen können. Und alles das vollzog sich, ohne daß man im Herzen des Reiches sich nur im geringsten darum gekümmert hätte.“ Ja, gekümmert hätte . . . Krain ist so verloren gegangen, — weil man sich nicht gekümmert hat. Und — sagen wir es nur gleich heraus! — das Schicksal der anderen Unterländer kann dem Krainer Schicksale ähnlich werden, wenn — man sich wieder nicht kümmmern wird. Das Einschmeichelnde, Kriecherische, das ja in der Natur der Südslawen so wie in jener des russichen „Muschik“ liegt, war bisher immer für unsere maßgebenden Kreise eine Art von betäubendem Schlafmittel, — und man „kümmerte sich nicht“ .. . Vom 'Krainer klerikalen Abgeordneten Klun wird erzählt, daß er sehr oft die Abendmahlzeiten bei Minister Taaffe einnahm. Dort mußte er den Gästen zur Unterhaltung seine Reifnitzer windischen Volkslieder singen — und man lachte, aber man — „kümmerte sich nicht“ weiter drum. Die Lieder waren ja doch so lustig! Mein hochverehrter Lehrer erzählte mir einmal, ein ehrlicher windischer Professor habe ihm seinerzeit gesagt: „Wenn man uns Slowenen vor einigen Jahrzehnten germanisiert hätte, es wäre leicht gegangen und es wäre besser für uns. Heute wehren wir uns, weil man uns einige Kraft gegeben hat“ ... Alle diese Bemerkungen sollen uns die eine Behauptung festigen,, daß nur das ewige „Nichtkümmern“ — die Kärntner würden sagen: das politische „Lei, lei lassen“ — zuerst eine nationale, dann eine chauvinistische und zuletzt eine panslawistische Bewegung ermöglichten, welch’ letztere ja nicht nur uns Unterlandsdeutschen, sondern, wie alle Verhältnisse zeigen, auch dem österreichischen Minister des Äußern zu schaffen gibt und noch geben wird. Der leuchtende Gedanke des 48er Sturmes wurde mit deutschem Blute bestätigt. Die Südslawen können für das Jahr 1848 nur den Namen Jelačič anführen und dieser Name riecht nicht nach Freiheit. Und doch, — während die Deutschen dem 48er Frühlinge die Anfänge eines gekräftigten Bürgertums und den Stolz eines freiheitlichen, wenn auch oft nur liberalen Bewußtseins verdankten,, können verschiedene andere Völker, in erster Linie die Slowenen, in dieses Jahr das Datum des Beginnes ihrer völkischen Arbeit setzen. Die Slowenen haben als solche vom Jahre 1848 nur den Ansporn zu nationaler Arbeit und die Freiheit zu panslawistischer Wühlerei erhalten. Im Jahre 1848 entstand auch das erste völkische Programm der Slowenen. Selbstredend waren die Gemüter damals noch nicht geklärt. Der windische „Klassiker“ Janez Terdina stellte im Jahre 1848 in seinem Blatte „Novice“ sein völkisches Glaubensbekenntnis folgendermaßen zusammen: „Ein kräftiges, unabhängiges Österreich unter der Regierung unseres guten, verfassungsmäßigen Kaisers, Unantastbarkeit unserer katholischen Religion und Schutz unserer Nationalität.“ Diesem Terdina’schen Grundsätze entspringt das alte Pervaken-programm, welches von „Vater Bleiweiß“ bis in die letzten Jahre der Parteienzersplitterung gegolten hat, wenigstens aber zu Paradezwecken verwendet worden ist, nämlich das Programm „Vse za vero, dom, cesarja!“ (Alles für Glaube, Heim und 'Kaiser). Es ist selbstredend ein gewöhnlicher Abklatsch des preußischen: „Für Gott, König und Vaterland.“ Dieses loyale Terdina’sche Programm kann nun aber nicht die geistigen Richtungen des damaligen Slowenentums darstellen. So loyal waren die Herren schon damals nicht. Das wirkliche erste völkische Programm der Slowenen ist in der Adresse zu suchen, welche im Jahre 1848 von 44 in Wien (!) lebenden Slowenen den Krainer Ständen übermittelt wurde, ln dieser bedeutenden Adresse lesen wir: „Unser Volk ist ein slawisches Volk . . . Mail möge in Hinkunft nimmermehr die Vereinigung mit den slawischen Brüdern verhindern und dies sowohl in Schrift als Sprache . . . Man möge das slowenische Volkstum schützen und dies in Krain, Steiermark, Kärnten und Küstenland und man möge das Slowenische in Schule und Amt einführen.“ Zugleich betonte in der Sitzung des Hilfsausschusses der Landesstände Krains einer der slowenischen Führer schon die neu aufgetauchte Hauptforderung der Wenden: „Die Vereinigung der slowenischen Lande in ein Kronland unter dem Namen Slowenien.“ Es wird sogar behauptet, Dr. Bleiweiß habe diese Forderung dem Erzherzoge Johann vorgetragen, welcher sich damit unter der Bedingung einverstanden erklärt haben soll, daß auch die nichtkrainischen Slowenen dafür wären. Aus dieser Nährflüssigkeit krystallisierte sich das große erste windische Programm, welches für die damaligen Verhältnisse an Entschiedenheit gewiß nichts zu wünschen übrig ließ. Es umfing folgende Punkte: „1. Das vereinigte Slowenien als eine administrative Gruppe mit einer gesetzgebenden Körperschaft in Laibach für alle das nationale Leben der Slowenen betreffenden Angelegenheiten. — 2. Gleichberechtigung der slowenischen Sprache in Schule und Amt und Errichtung einer slowenischen Universität. — 3. Die Unabhängigkeit Österreichs vom Frankfurter Parlamente“. Wir sehen also, daß schon aus diesem ersten windisch-völki-schen Programme ganz unverhohlen der Geist des Panslawismus weht. Dabei muß bedacht werden, daß dies Programm nicht der radikalste Ausdruck des damaligen windischen Geisteslebens war. Nachdem nämlich unser genialer Anastasius Grün mit deutscher Deutlichkeit für Frankfurt eingetreten war und dabei selbstredend die Masse der damaligen Bevölkerung auf seiner Seite hatte, gab es auch unter den Wenden vorsichtigere Männer. Der damalige Bischof von Lavant — es war dies Slomšek — erklärte sich auf das entschiedenste für die historischen Kronländer*). Aber — die Gegensätze berühren sich. Einer großen An- *) Übrigens sei auch an dieser Stelle erwähnt, daß Bischof Slomsek-auch für die utraquistischen Schulen eingetreten war. zahl von Leuten war das Programm noch zu milde. „Man wollte etwas tun“! Nachdem die Führer gezwungen waren, sich bei allen Verhandlungen zur Verständigung des Deutschen zu bedienen, stellte der Radikale Macuñ den Antrag, die kroatische (!) Sprache in Schule und Amt einzuführen. Bekanntlich ist dieser so unsagbar lächerliche Gedanke noch nicht gestorben. Hat ja doch erst vor zwei Jahren (1908) Dr. Korošec eine „slowenische Universität“ in Laibach mit kroatischer Unterrichtssprache verlangt*) ... Mit dem ersten Programme trat aber damals überhaupt die „illyrische“ Idee der Vereinigung mit den Kroaten auf. Sie wurde von den Kroaten, welche ja die Slowenen als „nördliche Kroaten“ betrachteten, gefördert. Jelačič berief sogar die slawischen Führer in den Landtag. In dieser Sitzung traf vielleicht den panslawisti-schen Ton am besten der Vertreter der steirischen Slowenen Dr. Kočevar. Aber den radikalsten panslawistischen Mut hatte ein — Deutscher. Es war dies Peter Kosler, Staatsanwalt-Stellvertreter (oder Notar) in Görz. Aus vollkommen deutscher Familie stammend, verlangte er sogar für das nebelhafte „Slowenien“ die Vereinigung mit den Slowenen in Ungarn und im venetianischen Gebiete. Er und seine Gesinnungsgenossen tauften ihr landesverräterisches Traumbild schon damals „Königreich Slowenien.“** ***)) Peter Kosler wurde übrigens später wegen Hochverrat angeklagt. Er hatte eine Landkarte mit der ahslawischen Bezeichnung ausgearbeitet und wurde dienstlich geringfügig bestraft. Sonst ist ihm trotz der Strenge der damaligen Zeit nichts geschehen ... Das 1848er Programm ist ganz entschieden der Ausgangspunkt für die gesamte panslawistische Tätigkeit des österreichischen Südens. Es war der erste Pfeiler in dem Gebäude! Dichterischen Schwung verlieh diesem Gedanken ja Anastasius Grün’s Lehrer Prešeren, als er in seinem „Krst pri Savici“ schrieb: „Največ sveta otrokom sliši Slave!“ („Die meiste Welt gehört den Kindern Slawas!“)... In derselben Zeit verschwanden auch die heraldisch höher stehenden Farben des XV. Jahrhunderts gelb-blau-rot. Die Slowenen bettelten der gefälligen Regierung „provisorisch“ das Dreifarb rot-blauweiß ab, welches heute (nicht mehr als Krainer Landesfarbe) das Zeichen des südlichen Panslawismus geworden ist.”*) Man gestatte uns aber, die Entwicklung dieses Allslawentums bis zur modernen Parteienbildung sprungweise noch weiter zu verfolgen! Die erste Folge des 1848er Programmes war eine starke Organisationsarbeit. Für uns ist es wichtig, daß schon im Revolutionsjahre in Graz unter Leitung des Dr. Muršec ein Verein „Slovenija“ entstand. Sein satzungsgemäßer Zweck war: „Die Hebung des völkischen Bewußtseins auf Grundlage der Ausbildung der slowenischen Sprache und des Erkennens der verwandten Mundarten zwecks innigerer Verbindung mit den anderen slawischen Ästen.“ Ähnliche Vereine entstanden allüberall. Für Steiermark arbeitete Professor Konšek in Cilli mit seinem sehr radikalen Blatte „Celjske novine.“ („Cillier Neuigkeiten.“) In Laibach war die Zentrale all’ dieser Körperschaften der Bleiweis’sche Verein „Slovenija“, mit welchem alle anderen in innigster Fühlung standen. *) Siehe Agramer Tagblatt“ 1909. **) Dr. Lončar behauptet zwar, der Ausdruck hätte nichts „Staatsrechtliches“ an sich; er vergißt aber eine andere Erklärung zu geben. ***) Siehe „Südösterr. Korrespondenz,“ 26. Juni 1908, 6 (12) Bl. Und oben — „kümmerte man sich nicht“ .. . Man hatte genug damit zu tun, dem deutschen Michel den Revolutionsteufel aus dem Schädel zu prügeln, man schlug den unglückseligen Weg ein, der heute zur systematischen Verslawisierung führt, wie wir ja noch später hören werden. Man wird sagen: Ja, alles dies waren eben nationale Regungen,, es war ein völkisches Erwachen ... Ja, ja, aber für das offizielle Österreich muß es einen Unterschied geben zwischen Nationalismus im Rahmen des Staates und Panslawismus. Denn bei den Deutschen hat man einen ähnlichen Unterschied oft recht grausam hergestellt . . . Einige Streiflichter noch ! War es einfaches „nationales Erwachen“, als Dr. Kavčič im ersten Wiener Reichsrate kategorisch erklärte: Die geschichtlichen Kronländer müssen fallen ! ? Und war es einfach „völkisches Bewußtsein“, als schon damals Černe erklärte: Alle deutschen Beamten müssen aus den slowenischen Gebieten verjagt werden ? ! . . . In dieser Hinsicht ist ja auch ganz interessant der individuelle Panslawismus, wie ihn der Schriftsteller Podgornik in seinem Blatte „Slovanski svet“ („Slowenische Welt“) propagierte. Dieser Panslawismus hatte zwei Programmpunkte: „1. Das Russische sei die gemeinsame Sprache aller Slawen. — 2. Die „Kiryll-Methodius-Kirche“ (griechisch-römisch) sei die gemeinsame Religion aller Slawen“. Dieser Podgornik bewies nämlich haargenau, daß die Zukunft der Slowenen im kroatischen Staatsrechte liege. Mit dem kroatischen Staatsrechte — so-behauptete dieser Phantast — bekommen auch die Slowenen ihre staatsrechtliche Unabhängigkeit. Denn schon die pragmatische Sanktion bestimme, daß in Kroatien und Slawonien jene Nachkommen der Habsburger herrschen sollen, welche auch Herrscher der slowenischen Lande sein werden . . .*) Übrigens war dieser Panslawismus ja nicht gar so bescheiden.. Der windische Geistliche und Abgeordnete Raič erklärte z. B. seinerzeit unumwunden, man solle der (gewiß unglaublich slowenenfreundlichen) Regierung Taaffe keine Rekruten und keine Steuern geben, bis „Slowenien“ errichtet werde. Das bezeichnende Wort aber — bezeichnend insbesonders angesichts der heute bestehenden Verhältnisse, bezeichnend für unseren heutigen Kampf, bezeichnend für die Richtung, welche die windische Politik angenommen hat und annehmen mußte, — dieses Wort sprach das radikale Blatt „Slovan,“ („Der Slawe,“) welches zuerst Organ des Dr. Zarnik war, später aber des Dr. Tavčar und des heutigen Bürgermeisters von Laibach Ivan Hribar wurde. Diese Zeitschrift sagte es unumwunden heraus: „Wer Slowene und Slawe ist, darf in der Politik dieses und jenes treiben, niemals aber darf er mit den Deutschen *) Übrigens ist diese Behauptung Podgorniks, der sich ja scheinbar sogar ein Dr. Loniar anschließt, vollkommen falsch. Die pragmatische Sanktion kennt überhaupt keine „Slowenen.“ 1712 erklärten die kroatischen Stände, im Falle des Aussterbens der männlichen Linie jene Prinzessin als erbberechtigt anzusehen, der Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain gehöre, weil diese ihnen immer in den Türkenkriegen geholfen hätten. Mittlerweile war aber die schon 1703 gemachte Erbordnung 1713 den Geheimräten mitgeteilt und 1720—-25 von allen Landtagen angenommen worden. Von „Slowenen“ ist nirgends die Rede und die Erklärung der Kroaten gegenstandslos. paktieren. Die Deutschen müssen verschwinden aus dem slowenischen politischen Leben, dies aber nicht nur als Faktor, sondern auch als Begriff!“ . . . Was sind die Deutschen für diesen Staat? Oder: Was ist das Blut für den Körper? Was sind die Deutschen für die Unterlande samt dem Ländchen Krain ? Der Steuerzahler! Aberdas vorher erwähnte Wort ist ein Signal des Deutschenhasses und der Deutschenhaß, er ist die Seele der windischen Politik. Das Deutschtum der Unterlande ist dem südlichen Panslawismus der Hemmschuh, ist die Mauer, die seinem Siegesläufe eine Wehr darstellt. Also — Deutschenhaß, um vorwärts zu kommen, um der „Kultur“ des Balkans Ellbogenfreiheit zu schaffen, — Deutschenhaß, damit der südliche Panslawismus lebe ... Im Jahre 1868 wurde in Marburg an der Drau das Blättchen .„Slovenski Narod“ (Slowenisches Volk“) gegründet . . . Wir müssen diese Gründung besonders betonen, denn mit diesem Blatte trat der chauvinistische Fanatismus der Slowenen in die Blüte. Außerdem ist die Gründung des „Slov. narod“ sozusagen der Ausgangspunkt für das Entstehen moderner windischer Parteien. Bemerkenswert ist es, daß dieses Blatt in Marburg gegründet worden ist. Unter den untersteirischen Wenden der damaligen Jahre hat also ein radikalerer Wind geweht als in Laibach des Bleiweiß. Ebenso bemerkenswert ist es, daß unter den Gründern sehr viele Geistliche zu finden sind; — heute ist das Blatt bekanntlich Organ des „Ketzers“ und „Freimaurers“ Dr. Tavčar. Die Richtung des neugegründeten Blattes war in dem bekannten Wunsche der Vereinigung aller Slowenen in eine administrative Gruppe gegeben. Und der erste Schriftleiter war der unter dem Namen „windischer Heiland“ bekannte A. Tomšič. Einige Monate nach der Gründung des „Slovenski Narod“ sind auch schon die ersten Anfänge der später so tief gehenden „illyrischen Bewegung“ zu verzeichnen. Die Anhänger des „Slovenski Narod“ wurden „Jungslowenen“ genannt, nachdem Muster der Jungtschechen. Sie hielten es als ihre Hauptaufgabe, den chauvinistischen Radikalismus zu verbreiten und es kam da oft zu ganz erbitterten Zusammenstößen mit den Bleiweiß’schen Politikern selbst. Letztere hatten nämlich noch nicht den Mut, gegen die Deutschen aufzutreten, welche sich mit ihrem „konstitutionellen Vereine“ um das „Laibacher Tagblatt“ scharten und deren Führer insbesonders Deschmann*), Dr. Schaffer, Dr. R. Schrey und Dr. Keesbacher waren. Slowenen, wie Svetec, Toman u. a. hielten sogar die alte Forderung nach Vereinigung aller Slowenen als „minder wichtig.“ Empört warf der „Slov. Narod“ (1869, Z. 12) dem Dr. Bleiweiß, Dr. Costa und Dr. Toman „bodenlose Feigheit“ (der Ausdruck „bodenlose Feigheit“ wurde übrigens in diesem verbissenen slowenischen Blatte *) Dr. Lončar und alle slow. Literaten nennen Deschmann einen Überläufer oder „nemcur“ (Deutschtümler.) Zur geschichtlichen Richtigstellung diene, daß Deschmann, wie viele Oberkrainer, ein slawisierter Deutscher war, der im Jahre 1848 den ganzen Slawenrummel mitmachte, aber schon damals die Hohlheit und das Phrasentum seiner Mitstreiter erkannte. Er selbst erklärte wiederholt, daß ihn schon als Studenten die „niedrigen Instinkte“ dieser Leute abgestoßen hätten, die sich zudem mit einem ans lächerliche grenzenden Größenwahn verbanden. Als er ins politische Leben als Mann eintrat, war er schon deutschliberal. (Mitgeteilt von Dr. N.) deutsch gebraucht) vor, weil sie nicht die windische Amtierung im Landesausschusse eingeführt hatten. — Die Jahre 1868—1871 halten wir für äußerst wichtig. Sie verwirklichten nämlich eine ziemlich strenge Scheidung unter den Slowenen. Dr. Toman deklamierte wieder dem Grafen Taaffe aus dem Prešeren — Taaffe scheint besonderen Geschmack an den windischen Kunstfrüchten gefunden zu haben — die um den „Narod“ gescharten meist jungen Leute aber drängten hinaus, — es kam die Zeit der „illyrischen Bewegung.“ Man lebte wie in einer revolutionären Sturmund Drangperiode. „Narod“*) schrieb: „Die Gründung lllyriens wäre für uns der erste Schritt zur Vereinigung der Slowenen.“ Das Programm der „illyrischen Bewegung“ dürfte bis auf wenige Punkte jenes gewesen sein, welches von der Zeitschrift „Der Osten“**) abgedruckt wurde. Der erste Punkt lautete: „I. Das ehemalige Königreich Illyrien umfaßt nach der Nationalität begrenzt unter dem Namen „Königreich Slowenien“ folgende Landstriche: 1. Untersteier- mark, begonnen mit Spielfeld. 2. Unterkärnten, nämlich das rechte Ufer der Drau, begonnen mit dem Gailtal. 3. Krain. 4. Görz und Gradiška. 5. Istrien. 6. Die Umgebung Triests, also mit der gesamten Einwohnerzahl‘von U/s Millionen.“ Die übrigen Programmpunkte betrafen die Organisation dieses „Königreiches“ (an der Spitze ein Hofkanzler, ein Ausgleich, 6 Landtage, ein gemeinsamer Landtag usw.) Dieses Programm dürfte so ziemlich die Stimmung der „illyrischen Bewegung“ kennzeichnen. Der allgemeine Grundgedanke aber war dieser: Die illyrische Bewegung ist der erste Schritt zur Vereinigung aller Slowenen und diese der erste Schritt zur Vereinigung aller Südslawen! Es ist eine eigentümliche geschichtliche Ironie, daß man gegenüber all diesen Erscheinungen so väterlich ein und auch beide Augen zudrückte. War denn der Liberalismus wirklich so „liberal“? Für die Deutschen entschieden nicht, wohl aber für die Slawen. Da war alles erlaubt! Alles, selbst Dinge, die man uns heute nicht erlauben würde! Würde man heute denn deutsche Versammlungen mit einer ausgesprochen hochverräterischen, verfassungswidrigen Tagesordnung erlauben? Sagen wir, Versammlungen mit der Tagesordnung: „Die politischen Aussichten Alldeutschlands ?“ . . Damals, vor vier Jahrzehnten, hat man den Slowenen mehr erlaubt! Man betrachte nur die Veranstaltungen der „Tabors“ (Tabor — große Versammlung), wie man sie in den Jahren 1868 bis 1871 erlebt hatte. Keine einzige dieser Versammlungen wurde verboten oder gestört. Der damalige Minister des Innern Dr. Giskra gab den Slowenen eine vollkommene politische Freiheit.***) Als bei Veranstaltung des ersten „Tabors“ in Luttenberg der Bezirkshauptmann Bedenken hatte und nach Wien um Rat fragte, kam Dr. Giskras kategorische Antwort: „Unbe- dingt bewilligen! Dies Wort sollte bleiben, — ja, es war und ist maßgebend für die ganze südslawische Politik, — von oben dröhnt es immer: Unbedingt bewilligen . . . Von diesen einem „heiligen Kriege“ ähnelnden „Tabors“ fanden statt: Im J. 1868 in Luttenberg und Markt Tüffer. Im J. 1869 in Brdo *) Nr. 4, J. 1869. **) Feber 1869. ***)■ Siehe Dr. Lončars zit. Schrift, welche diese Tatsache offen anerkennt. bei Görz, Lichtenwald, Kalec in Innerkrain, St. Veit bei Laibach und Friedau. Im J. 1870 in Tolmain, Sessana, Zirknitz, Kapellen bei Radkers-burg, Feistritz bei Bleiburg und Wippach. Die Tagesordnung dieser „Tabors“ war immer ein Gemisch von politisch-panslawistischen und lokalen Angelegenheiten. Der St. Veiter „Tabor“ (17. Mai 1869) verlangte auch schon eine windische Hochschule und die Gründung windischer Geldinstitute. Aber nicht nur in papierenen Entschließungen versuchte man die Zerreißung der historischen Kronländer zu erzwingen. Im August 1869 hetzte man die Gemeinden auf, die dann dem Reichsrate Petitionen „für die Vereinigung Sloweniens“ zusendeten. Am 8. Oktober interpellierte Dr. Vosnjak im steirischen Landtage wegen dieser Vereinigung, ebenso am 11. Oktober Dr. Bleiweiß. Letzterer verlangte sogar einen besonderen Landtagsausschuß zur Regelung dieser Angelegenheit. Freilich war die allgemeine Stimmung noch nicht so weit gediehen und begnügte sich mit einer Entschließung, daß die Grundverfassung vom Jahre 1867 „revidiert“ werden solle. Dr. Bleiweiß war eben nie der Stürmer; darum warf „Slov. Narod“ auch seinem Blatte vor, es habe gegen Bezahlung die Herbst-Giskra’schen Broschüren verbreitet. All’ diese unsere Bemerkungen aus dem Ende der 60er Jahre sollen beweisen, daß der im Jahre 1848 erwachte panslawistische Gedanke nicht gestorben war. .Aber — wenn dieser panslawistische Gedanke zur Zeit der Franzosen den Laibacher Wenden die Melodien der Marseilleise aufdrang, im Jahre 1848 ihre kroatischen Sympathien zu hellen Flammen auflodern ließ, so zeigte er am Ende der 60er und am Anfänge der 70er Jahre schon ausgesprochen die fanatische deutschfeindliche Richtung. Entstand doch damals schon das beißende Witzblatt „Brencelj“ (die Bremse), dessen unglücklicher Herausgeber Alesovec freilich nach Jahrzehnten blind und von den eigenen Stammesgenossen verlassen in der Gosse enden mußte . . .*) Man lasse diesem Alesovec was ihm gebührt: er war ein Talent und empfand instinktiv, daß die jungslowenische Bewegung auf den illyrischen Traum verzichten müssen wird und darum als neuen Nährstoff den fanatischen Deutschenhaß bedarf. So ward der „Brencelj“ neben dem „Narod“ der erste Rufer im Streite gegen unser unterländisches Deutschtum! Und — der chauvinistische Same fiel auf fruchtbaren Boden. Schon begannen die Ausschreitungen, die Überfälle, die terroristischen Angriffe gegen die Deutschen. Der Kürze halber erwähnen wir nur die deutsch-slowenische „Schlacht“ in Jeschitza bei Laibach, welche im Jahre 1868 geschah. Am 23. Mai 1869 aber geschah der brutale Überfall auf deutsche Turner in Josefstal bei Laibach. Die Sachlage war so ernst, daß die Artillerie und zwei Eskadronen Husaren die ganze Nacht Bereitschaft halten mußten - ein Vorbild für die letzten Laibacher Heldentaten . . . Doch zurück zu unseren Streiflichtern! Der Erfolg der „Tabors“ war vorübergehend und die „illyrische Bewegung“ erstarb in wehmütigen Redensarten. Nur der Grundgedanke eines „Sloweniens“ starb nicht. Im Jahre 1870 verlangte sogar eine Adresse des Krainer *) Die Wenden ließen diesen antiklerikalen Deutschenieind Alesovec blind verhungern. Heute geben die Klerikalen seine Schriften heraus . . . Landtages „die Vereinigung aller Gebiete, in denen das slowenische Volk wohnt, in ein administratives und soviel wie möglich staatsrechtliches (!) Ganzes“. Also tritt in diesem Wunsche auch schon das staatsrechtliche Moment auf. Erst dieses Wort schien auf den Minister Dr. Giskra so einzuwirken, daß er die ganze Sache „eine Träumerei“ nannte. Und doch machte diese Träumerei gar vielen Köpfen noch unangenehme Nächte! Entstand doch im selben Jahre 1870 schon ein gemeinsames „südslawisches Programm“, ausgearbeitet und anerkannt von den slowenischen sowie serbo-kroatischen Politikern, welches auch schon „der Brüder jenseits der Grenzen“ gedachte ... Das offizielle Österreich tat nichts gegen die Entwicklung dieser Gedankenverbindungen! ln Wien fühlte man es ja nicht! Und wenn man es fühlte, machte man sich darum keine Sorgen. Denn eine ernste Gefahr für das Habsburgerreich war es ja noch nicht. Es war nur eine Gefahr für das südliche Deutschtum und wegen dieses Deutschtumes wuchsen weder Taaffe noch Giskra graue Haare . . . Hatte man schon damals eine Ahnung, daß in Österreich einmal Verslawisierungs-politik ganz ungescheut und von sehr hoher Seite aus getrieben werden wird? Oder waren diese Zeiten schon der Anfang dieser Verslawisierung ? ... Möge dies dahingestellt sein. Jedenfalls ist es geschichtliche Tatsache, dass jenes bezeichnende Wort „Unbedingt bewilligen“ und der ganze politische Gedankengang, dem es entsprang, die Verslawisierung gezeitigt hatte. Vielleicht wird das verslawisierte Kram für alle Zeiten ein trauriges Denkmal Taaffe’scher Regierungskunst darstellen. In diesen Jahren wurde das Krainer Deutschtum aus seinem Besitzstände hinausgezerrt, seiner Führerrolle, ja der letzten Spuren seines Einflusses beraubt . . . Dieses Niederringen des Krainer Deutschtums ist eines der traurigsten Blätter in der Geschichte der Umänderung Österreichs in einen Slawenstaat. Und man könnte ein Buch darüber schreiben . . . Leider müssen wir uns auf einige kurze Angaben beschränken,*) welche die Niederdrückung des Krainer Deutschtums kennzeichnen dürften. Zuerst die sogenannte „slowenische Schriftsprache“, deren Verwirklichung bekanntlich auf den „Protestantenführer“ Primus Trubar und den „Klassiker“ Dalmatin zurückgeführt wird. Diese „windische Sprach’“ — wie sie Trubar selbst nennt,**) — war dem wackeren Bischöfe entschieden nur ein Mittel zum Zweck. Mit ihr wollte er seine an’tirömischen und bauern-revolutionären Ansichten verbreiten. Als diese besiegt wurden, begann auch die Zeit der Vernachlässigung des windischen Idioms, welche durch Jahrhunderte dauerte und erst mit der Gründung des Blattes „Novice“ (Bleiweiß) aufhörte. Als die panslawistischen Gedanken der 1848er Jahre entstanden, hätte eine gesunde Politik des österreichischen Staatsgedankens gewiß kein Interesse an der Entwicklung des windischen Idioms gehabt. Und doch kann man die heutige windische „Schriftsprache“ eine Frucht österreichischer Regierungskunst nennen. *) Den größten Teil stellte uns Herr Dr. N. zur Verfügung, den wir hiemit so wie allen anderen Mitarbeitern herzlich danken. •*) Womit auch die kindische Behauptung hinfällig wird, daß der Ausdruck „Wende“, „Windischer“, „windisch“ beleidigend sei. Ganz besonders wurde der Pflege dieser sogenannten Sprache von Seite der Regierung seit dem Jahre 1879 Aufmerksamkeit geschenkt. Ihr wichtigster Förderer war entschieden der Krainer Landespräsident Winkler. In Winklers 12jähriger Landpflegerei erfreute sich das windische Idiom einer solchen Pflege, daß das Verhalten gegenüber den Deutschen wohl dem Aschenbrödelmärchen entsprach. Wurden doch windische Professoren beurlaubt und reich bezahlt, damit sie in gemütlicher Muße windische Wörterbücher und Grammatiken schaffen konnten. Für die Juristen wurde ein eigenes Blatt gegründet und dies mehr oder weniger „von Regierungs wegen“, um das Idiom „gerichtsbräuchlich“ zu machen. Die Regierungssonne erstrahlte über der „Tatsache“, daß eine „slowenische Sprache“ existiere, weil sie vom Standpunkte der Deutschenfresserei existieren mußte . . . Wenn wir heute dies erkünstelte Machwerk betrachten, so sehen wir einen armseligen, von Studenten der ersten Semester zusammengeflickten Apparat! Wie komisch wirken gewiße Übersetzungen (man nennt sie „Sprachbildungen“) des akademischen Kneip-Komments, die ohrenzerreißenden Kommandoworte der windischen Veteranen- und Feuerwehrvereine. Dann die technischen und Industrie-Bezeichnungen (besonders im Bergbaue) usw. Und doch hat man mit dem Apparate dieser unvollkommenen, zusammengekünstelten „Sprache“ das Deutsche insbesonders in Schule und Amt zu verdrängen gesucht und heute auch schon vollkommen verdrängt. Es wäre interessant, sich einmal über alte und neue Verordnungen zu machen und dabei insbesonders die unglaubliche Schnelligkeit der Verslawisierung der Ämter zu beleuchten. Jedenfalls kann man sagen, daß auch hier die Ära Winkler das Meiste tat und Winklers Nachfolger Hein und Schwarz in dem schon entfesselten Strome mitschwimmen mußten.- Dasselbe ist auf dem Gebiete des Schulwesens zu bemerken. Die utraquistischen Volksschulen verschwanden und es traten rein slowenische an ihre Stelle. Infolgedessen mußten deutsche Privatvolksschulen errichtet werden. An der Realschule in Laibach wurde der slowenische Sprachunterricht für die Slowenen obligat; ebenso begann man den Religionsunterricht in den slowenischen Parallelklassen (I, II) slowenisch zu erteilen. Am Gymnasium vollzog sich die vollständige Slowenisierung des Unter- und die teilweise des Obergymnasiums. Desgleichen geschah an der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Laibach. Bef Gericht wurde das Slowenische fast zur inneren Amtssprache neben dem Deutschen. Die Bezirkshauptleute förderten systematisch innen und außen die Slowenisierung. Beamte und Lehrer, welche den Mut hatten, sich der alten historischen Rechte der Deutschen anzunehmen, wurden verfolgt und in Disziplinaruntersuchung gebracht . . . Und — o bittere Ironie! — die entscheidendsten diesbezüglichen Erlässe fallen gerade 100 Jahre nach dem Regierungsantritte Kaiser Josef II. . . . Der 1. Landtag in Krain tagte nach dem Februar-Patente 1861—66. Landeshauptmann war Wurzbach, sein Stellvertreter Dr. Josef Suppan (deutsch). Städte und Märkte sowie der Großgrundbesitz waren durch Deutsche vertreten. Während die Vertretung der Handels- und Gewerbekammern schwankte, waren die Vertreter der Landgemeinden Slowenen. Die „Deutschliberalen“ scheinen die Mehrheit gehabt zu haben. — In der 2. Periode (1867) siegten die Slowenisch-Nationalen auf der ganzen Linie; alle Körper bis auf den Großbesitz waren durch Wenden vertreten. Die Herrlichkeit dauerte aber nur vom 2. Jänner bis auf den 3. März. - ln der 3. Periode (1867—70) waren der Großgrundbesitz, dann die Städte und Märkte (Laibach, Adelsberg, Rudolfswert und Gottschee) deutschfortschrittlich, Handelskammern und Landgemeinden slowenisch-national. — In der 4. Periode (1870—71) war schon der Einfluß Hohenwarts sehr bemerkbar und schwankte das Verhältnis zu Ungunsten der Deutschen. ln der 5. Periode (1871—77) war Landeshauptmann Kaltenegger, sein Stellvertreter aber der panslawistische Peter Kosler. Der Großgrundbesitz sowie die Städte Laibach, Idria und Gottschee waren deutschfortschrittlich, die Handelskammer sowie die Landgemeinden windisch-national. — Was die 6. Periode (1877—1883) anbelangt, so war Kaltenegger Landeshauptmann (wurde aber 1881 enthoben und durch Grafen Thurn ersetzt). Der Großgrundbesitz sowie die Städte Laibach, Idria, Neumarktl, Adelsberg, Gurkfeld und Gottschee als auch die Handelskammer waren deutschfreiheitlich; die Landgemeinden slowenisch, ln den folgenden Perioden ist den Deutschen Dank der Mitwirkung der Regierung die Mehrheit für alle Zeiten entrissen worden und nur der Großgrundbesitz sowie die Stadt Gottschee sind deutsch geblieben. In der Periode 1895 — 1902 standen sich schon liberale und klerikale Slowenen gegenüber. Es war diese Gründung eine Tat Winklers, der dadurch die deutsche Macht in der Öffentlichkeit brach. Das Rezept der Regierung war: ein „Liberalismus“ ist notwendig ; bisher nannten sich aber nur die Deutschen „deutsch und liberal“, also muß eine slowenisch-liberale Richtung entstehen, um die Deutschen niederzuringen. Wir sehen, daß die Landesvertretung zuerst eine slawische Mehrheit hatte, welche in den Jahren 1871 — 1883 in die Hände der Deutschen kam, welchen sie aber von der für das unterländische Deutschtum so schicksalsvollen Regierung Taaffe entrissen wurde. Es lag einfach im Regierungsprogramme, den Slowenen auf Kosten der Krainer Deutschen mehr zu geben, als diese in ihren kühnsten Träumen erhofften. Mit dem Falle der Landesvertretung war eine breite Bresche in den Besitzstand des Krainer Deutschtums geschossen, ln der Zeit von 1882 bis 1885 fielen dann auch langsam die Landstädtchen in slawische Hände. Dies sind einige Punkte aus der Geschichte der Verslawisierung Krains. Freilich geht diese Verslawisierung schon auf den Anfang des XIX. Jahrhundertes zurück. Sie wurde in den letzten Jahren mit großen völkischen Opfern etwas eingedämmt, nimmt aber infolge der Mitwirkung der Regierungen doch stetig zu. Dabei ist eines bemerkenswert: Man darf das Krainer Deutschtum trotzdem nicht zum Tode verurteilen, denn das Zahlenverhältnis zwischen Deutschen und Slowenen hat sich nicht ungünstig für die Deutschen gestaltet. Nur einiges sei diesbezüglich erwähnt. Statistische Aufzeichnungen vor dem J. 1850 sind nicht zu haben und wenn sckon, so gewiß ganz unverläßliche. Bezeichnend ist eine Schulstatistik vom Jahre 1852, wo in ganz Krain 513 Gymnasiasten waren, unter denen nur 36 Deutsche gezählt wurden. Alten Geographiebüchern (also ziemlich „offiziellen“ Quellen) entnehmen wir, daß die deutsche Bevölkerung in Krain im Jahre 1859 von 36—40.000 zählte. Im Jahre 1863 zählte man 25.000 Deutsche, im Jahre 1894 aber 28.000 Deutsche. Ohne auf die neueren Zählungen einzugehen, können wir doch mitteilen, daß die letzten Resultate ein Aufsteigen der deutschen Bevölkerung von 5'4% auf 5'7°/o verzeichnen. Betont muß dabei werden, daß gar viele aus Furcht und Borniertheit, weil sie glauben, jeder in Krain geborene Mensch müsse ein „Slowene“ sein, ihre deutsche Stammeszugehörigkeit verleugnen. Also: das Krainer Deutschtum ist nicht wegzufegen, in dem Zahlenverhältnisse gegen die Wenden geht es sogar vorwärts, in seiner wirtschaftlichen Kraft ist es bedeutend für den Wohlstand des Landes. Aber jeder Einfluß auf die Vertretung in den öffentlichen Körperschaften ist ihm genommen worden, Schule und Amt sind ihm entrissen und verslawisiert worden und die letzten Barbareien haben die letzte deutsche öffentliche Aufschrift beseitigt So kam der Anfang vom Ende — der Anfang der windischen Gewaltherrschaft, das Ende der zu rechtlosen Steuerträgern niedergedrückten Deutschen Krains! Schritt für Schritt ging diese Nieder-drückung vor sich, der letzte Laibacher deutsche Bürgermeister fiel, — der österreichische Süden drängte die Deutschen aus ihren geschichtlichen Stellungen und zwang sie in die Rolle der Abwehr, in welcher sie ja noch heute sind . Und gleichsam als Triumph dieses sla- wischen Sieges trat im Jahre 1890 eine Versammlung der slowenischen und kroatischen Abgeordneten Istriens zusammen. Sie bekannte es laut: Das politische Ideal der Südslawen ist ihre Vereinigung und der erste Schritt dazu die Vereinigung der Slowenen! — „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan“, — der Schweiß des Deutschtums klebt an der blühenden Krainer Scholle, die man eben diesem Deutschtume entrissen hatte . . Und mein Vers ist traurige Tatsache geworden: „Zuviel des Schmerzes ist’s, zuviel! Wir deutsche Krainer, einsam wandelnd. Wir leben immer im — Exil!“ . . -In den Slowenen aber begannen sich naturgemäß moderne politische Gruppen und Parteien zu bilden, — das Einigkeitsidol des alten Bleiweiß stürzte wie eine zerbrochene Statue vom Piedestal . . . Moderne Politik! Was die österreichischen Deutschen schon vor 40 Jahren ihr Eigen nannten, begann sich in der nachhumpelnden windischen Nation erst nach dem Jahre 1892 zu regen. Wir erwähnten schon, daß der „Slov. narod“ von slowenischen Geistlichen gegründet und zu chauvinistischen Zwecken erhalten worden ist. Im Jahre 1869 erwärmte sich dies Blatt noch leidenschaftlich für die Gründung „katholisch-politischer Vereine.“ Später, viel später, begann es zu „liberalisieren.“*) Aber trotzdem es schon in heftigster Fehde mit dem windisch-klerikalen „Slovenec“ (Der „Slowene“) stand, war seine freiheitliche Gesinnung ’) Politik des Landesverwesers Winkler! doch noch auf sehr schwachen Füßen. Die Druckerei dieses Blattes, („narodna tiskarna“) warf z. B. im Jahre 1893 das Arbeilerblatt „Delavec“ auf die Straße, weil dasselbe einen Artikel über den politischen Einfluß des Papsttums gebracht hatte Ein Jahr darauf, 1894, wurde die fortschrittlich sein wollende, gegen die Klerikalen ins Leben gerufene „narodno-napredna stranka“ (national-fortschrittliche Partei) gegründet. Und wir betonen, daß an dem Programme dieser Partei, die „liberal“ sein wollte, zwei katholische Geistliche, Koblar und Dr. Gregorčič, die Hauptarbeit leisteten . . . So war denn in Krain der Parteienzwist geboren. Im Anfänge war er nur in den Preßkämpfen zu bemerken. Ja, es kamen wieder Jahre, wo eine Partei der anderen süßen Einigkeitshonig ums Maul schmierte. So im Erdbebenjahre 1895, als ja schon der berühmte, in „allen slawischen Sprachen redende“ ehemalige Agent Ivan Hribar dem früheren Leiter der „Banka Slavija“ K. in Laibach — sagen wir — „folgte“ und Bürgermeister, nein, „župan bele Ljubljane“ geworden war und sogar Wohltäter der schwer getroffenen Laibacher Bevölkerung ward, wenn auch dies letztere hauptsächlich mit deutschen Geldern . . . Herr Hribar lud im J. 1895 die klerikalen Führer zu sich und schlug ihnen einen „Waffenstillstand“ vor. Und die Klerikalen verlangten sofort dafür 3 Gemeinderatsmandate. Aber als den Klerikalen diese ihre Wünsche erfüllt wurden, vergaßen sie auf ihr Versprechen und Herr Hribar mußte „entrüstet“ sein, fast so entrüstet, als damals, wo ihn die Witwe des unglücklichen Bankbeamten und Schriftstellers J. hilfeheischend besuchte. Es war also eine fortschrittliche Partei entstanden. Sie hatte alle Erbfehler des jüdisch-deutschen Liberalismus. Sie hatte kein ernstes — eigentlich überhaupt kein — Programm. Sie war zuerst angebliche Vertreterin aller Klassen und Stände und Berufe. Nach einigen Jahren war sie Vertreterin des kleinen Bauern und der Städtebevölkerung. Dann machte sie einen Abstecher ins soziale Gebiet und wollte die Arbeiter vertreten. Nach etlichen Jahren erklärte sie endlich, sie sei nur die Vertreterin des aus schlechten Bauern zulackierten windischen Bürgertums und des Großgrundbesitzes . . . Eine lächerliche liberale Fratze! Kein Wunder, — denn die ganze Geschichte des windischen „Liberalismus“ hat nur den brutalen Pfaffenfresser Dr. Tavčar zu verzeichnen. Tavčar und windischer „Liberalismus“ sind gleichwertige Begriffe. Die Klerikalen hatten bessere Köpfe. Ihre Politik beginnt mit der Tätigkeit des Dr. Mahnič Und es war eine starke Persönlichkeit, dieser Priester! Er war der Pionier der windisch-klerikalen Bewegung. Der befruchtende Sämann aber war der Fürstbischof von Laibach und spätere Kardinal in Görz, Dr. Missia. Er schuf mit einer in ihrer Rücksichtslosigkeit geradezu terroristischen Kraft das, was man den windi-dischen „Klerikalismus“ nennt und was heute gewiß der maßgebendste Faktor des österreichischen Südens ist. Die Erbschaft des Kardinals Missia und des Dr. Mahnič übernahm dann Dr. Šušteršič, der die windische Politik noch heute leitet. Mit starken rednerischen Mitteln (Dr. Krek) und einer skrupellosen Demagogenpresse wurden eine sogenannte „christlich-soziale“ Bewegung für die Industrie und eine Agrarpartei für das Land geschaffen. Hand in Hand damit ging eine freilich katastrophale wirtschaftliche Organisation, über die wir ja noch später reden werden. In Krain wurde der „Liberalismus“ gar bald vom flachen Lande vertrieben und auch in seine städtischen Schanzen sind schon breite Breschen geschossen worden. Viel später vollzog sich diese naturgemäße Parteiverschiebung in den Grenzländern. In Untersteiermark ist sie nach der Reichsratswahl 1906 gekommen. Es wurde eine lächerliche, überzeugungs- und programmlose „narodna stranka“ (Nationalpartei) von einem arbeitslosen Journalisten hervorgezaubert, die nur infolge der demagogischen Ausbeutung der 7jährigen Erziehungsarbeit der deutschfreundlichen „Štajerc-“Bewegung zu einigen vorübergehenden politischen Erfolgen gelangte, dann aber sofort alle Windelbegeisterung über Bord warf und die wüsteste Deutschenhetze zu verbreiten begann. Es ist ganz bestimmt, daß die nächsten Wahlen diese krankhafte Gruppe vom Erdboden wegfegen werden. Die Landtagswahlen (Mai 1909) haben dies schon sehr deutlich gezeigt (es wurde nur 1 Abgeordneter der Liberalen gewählt). Die windischen Klerikalen haben ihren Führer in dem Kaplane Dr. Korošec gefunden. Die Art seines Kampfes werden wir im nächsten Abschnitte dieses Büchleins beleuchten. Was Kärnten anbelangt, so schuf dort eine national-slowenische Bewegung erst der aus Krain eingewanderte Dr. Brejc. Die „Erfolge“ derselben sind aus der Tagespresse zu ersehen. Vor rund 2 Jahren wurde ein liberalisierendes Blättchen „Korošec“ („Der Kärntner“) gegründet. Doch scheint es gar nichts machen zu können. Um noch Triest mit dem Küstenlande zu erwähnen, so sei gesagt, daß wohl schon Jahre her eine „liberale“ Partei besteht, deren Führer Dr. Tuma aber ihre Aussichtslosigkeit dadurch bewies, daß er mit Pauken und Trompeten ins sozialdemokratische Lager überging. Die Triester Slowenen selbst leiden an einem bis an den Wahnsinn grenzenden allslawischen „Idealismus.“ — Dies ist in kurzen Strichen die Geschichte der Entwicklung des windischen modernen Parteilebens. Die Folgen dieser Entwicklung werden wir noch später beleuchten. . Während dieser ganzen Entwicklung schlief natürlich der pan-slawistische Gedanke nicht. Als ein Kuriosum wäre anzuführen, daß der Taumel sogar die „internationale“ Sozialdemokratie erfaßte. Im soz. „Delavec“ (1896, Nr. 32) erschien ein Artikel „Südslawische Schwierigkeiten,“ dem wir folgende Sätze entnehmen : „Ist es nicht wahr, daß der Sozialismus eine größere Idee ist wie jene des Luther? Und wenn Luther die deutschen Dialekte vereinigen konnte, könnte der Sozialismus nicht die Südslawen in der Sprache näher bringen? Es möge ein südslawisches belletristisches Blatt gegründet werden, in welchem in allen 4 Sprachen geschrieben wird . . . “ \ Also der Sozialismus als Retter des südlichen Panslawismus! 10 Jahre nach diesem Ausdrucke utopischer Weltauffassung erschien in Cilli das anonyme Büchlein „Der Panslawismus.“ Es verbreitete den Standpunkt, daß die zu errichtende Autonomie Polens (!) der erste Schritt für die Fleischwerdung des Panslawismus bedeute ... Man kann all’ diesen Tatsachen viel Humor abgewinnen^ Aber ernster ist der sich entwickelnde Deutschenhaß. Denn dieser ist sozusagen der rote Faden, der sich durch die ganze politische Entwicklung des Wendentums zieht. Die genaue Forme] der südösterreichischen Politik lautet heute einfach: Panslawismus durch Deutschenhaß oder. Errichtung der panslawistischen Südstaaten durch Vernichtung des unterländischen Deutschtums. Wohl lassen sich — den österreichischen Regierungen sei es hinter die Ohren geschrieben — aus dem windischen Lager selbst warnende Stimmen vernehmen. So schrieb „Abditus“ („Nasi Zapiski“, 1., 3) wörtlich: „Besonders die Südslawen sind berufen, daß sie einmal mit ihrer Kultur den Balkan beherrschen und so ein starker Ast am Weltstamme werden. Dies ist aber nur möglich, wenn sie sich kulturell vervollkommenen, nicht wegen des Hasses zu anderen Völkern, sondern wegen sich selbst. Die Mehrheit (der Südslawen) versteht aber die slawische Gemeinbürgschaft als einen organisierten Angriff auf andere Völker (!!!)“ . . . Und ein Schüler Prof. Masaryks, Dr. A. Dermota, schrieb („Nasi Zapiski“ I., 3): „Ist vielleicht dies ein Kampf für unser Heim, wenn man dem Volke den Chauvinismus gegen die Nachbarn einflößen will? Heißt es nicht, unserem Heime am ärgsten schaden, wenn man das Volk zum Kampfe bis aufs Messer gegen den hundert- und hundertmal stärkeren Gegner und Nachbar ruft? Nur ihre Faust heben diese Mächtigen und — wir sind nicht mehr!“ Diese ehrlich-warnenden Stimmen hatten keinen Erfolg. Nirgends! Und man möchte fragen: Warum nicht? Vielleicht, — wir schließen diesen Abschnitt mit dieser gewiß zu bejahenden Frage, — vielleicht ist es auch der Wettlauf der so unnatürlichen windischen Parteien, der den Deutschenhaß zeitigt. Ein Agitationsmittel verwerflichster Art ist der Deutschenhaß! Die „Kultur“ des Wenden verträgt keine Gegensätze von Weltanschauungen, — darum ist der Deutschenhaß der Boden für die windische Parteienkonkurrenz. „Verrat an die Deutschen“ ist heute das Losungswort, mit welchen die Massen gewonnen werden sollen. Eine Partei wirft der anderen diesen „Verrat“ vor. Die ganze politische Tätigkeit lebt von diesem „Verrate“ . . . Eine lächerliche Fratze ist dieses windische Parteigetriebe! Ehrliche Politik saugt ihre Kraft aus dem eigenen Volke, nicht aber aus dem Verhältnisse zu andern Völkern! Und doch ist diese windische unehrliche Politik eine Gefahr, ln einem Heuschober kann ja auch das unbedeutende Zündhölzchen zur Gefahr werden . . . Der Deutschenhaß ist die politische Betätigung des allslawischen Idealismus. Wir unterländische Deutsche hoffen damit — für uns! — fertig zu werden. Wird es der Staat auch ? ^riegsj^bre. Wir haben uns redlich Mühe genommen, im letzten Abschnitte die Entwicklungsfäden' der windischen Politik bloßzulegen, ln dieser Zeit hatte man die unterländischen Deutschen wohl vollkommen im Stiche gelassen und dies von allen Seiten. So lag denn die Sache auf einmal derart, daß dieses allslawische Slowenentum zum Sturme blies und das Deutschtum der Unterlande sich plötzlich auf allen Gebieten in der verzweifeltsten Abwehr befand. In Krain war das Spiel ja sozusagen schon vollendet. Seit alle maßgebenden Körperschaften in windische Hände übergegangen waren, spielte das Krainer Deutschtum die Rolle des — ergebenen Steuerzahlers. Wirtschaftlich genommen war es ja immer eine bedeutende Kraft — und wenn die Wenden wirtschaftlich nur einen Teil dessen leisten würden, was die Krainer Deutschen leisten — nun, dann hätte man in Krain nicht die bankerotte Lage des Landes wie heute.*) Politisch genommen aber spielten die Krainer Deutschen nicht mehr die erste Geige; wohl aber waren sie sehr oft das Zünglein an der Wage. Im Landtage zwang der deutsche Großgrundbesitz die windischen Parteien gar oft zu Kompromissen. Bei Gemeindewahlen mußten die nationalen Gegner mit den deutschen Stimmen rechnen, ln einigen Gemeinden (z. B. Aßling usw.) bemerkte man sogar wieder ein Vorwärtskommen des Deutschtums. Im großen ganzen aber kann man sagen: Das Krainer Deutschtum, betrogen und beraubt um die ihm gebührende Macht in der Öffentlichkeit, wahrte in den letzten Jahren in zäher Ausdauer den ihm gebliebenen Besitzstand. „Festhalten, was unser ist“ war die Parole. Freilich, gar oft erlitt das Krainer Deutschtum Wunden und Beulen, mehr noch durch die „hohe“ Zentralpolitik als durch den Ansturm des Gegners. Wir erwähnen da nur die Kämpfe auf dem Gebiete der Schule, den rücksichtslosen, wütenden Kampf um jede Lehrer- oder Professorenstelle, die letzten Mittelschulzugeständnisse an die Wenden, die Beamtenanstellungen bei Staats- und Privatunternehmen. Wir erwähnen den Kampf um das Laibacher Gaswerk, um die Laibacher zweisprachigen Straßenbezeich- *) Wenn wir nur die Krainische Industriegesellschaft einerseits und die Krai-nische Sparkasse andererseits nehmen, so haben wir damit schon zwei für die wirtschaftliche Lage des Landes entscheidende Faktoren genannt. nungen. Wir erwähnen die jährlich regelmäßig wie Sonne und Regen wiederkehrenden „Demonstrationen“ vor dem deutschen „Kasino“ in Laibach, den Einbruch des Bürgermeisters Hribar in den „Kasino“-Garten, das Herunterreißen der deutschen Fahne, die niedrigen Mißhandlungen der strammen Mitglieder der akad. Verbindung „Karniola“, die völkischen Kämpfe in Aßling und Neumarktl usw. Alle diese Fälle, über die man des Langen und Breiten reden könnte, zeigen gar deutlich, daß der Abwehrkampf des Deutschtums in Krain gar oft ein Verzweiflungs-kampf war. Und doch können wir mit tiefer Genugtuung sagen: Sie hielten sich, unsere Brüder in Krain, ein Sinnbild wahrer Nibelungentreue . . . Heil ihnen! Auch das küstenländische Deutschtum hatte im letzten Jahrzehnte seinen bescheidenen Besitzstand zu erhalten. Der „Weg zur Adria“, — eine kulturell-politische Selbstverständlichkeit! — wie bescheiden zeigt er sich in seinen heutigen Spuren! Die wackeren Volksgenossen taten ja gewiß in einem Meere von Feinden ihre Pflicht, oft mehr als ihre Pflicht; aber sie blieben doch wie Korallenklippen in sturmzerwühlter See. Sie hielten, was zu halten war, mußten aber gar oft müßige Zuschauer der Kämpfe zwischen romanischen und slawischen Gegnern sein. Bewundern muß man die innere Begeisterung, durch die es möglich war, daß diese küstenländischen Deutschen — deutsch geblieben sind. Denn es ist ja Triest, die Hafenstadt, der Mittelpunkt, Triest, das mit seinem durch den „Piccolo“ so fein verschleierten, durch den „L’Inde-pendente“ so grob hinausgeschrieenen Irredentismus, durch seine gassenbübisch frechen Mazzarini-Leute und anarchistischen „libertari“, durch seine jeden Augenblick mit dem Generalstreik drohende, unzufriedene Arbeiterschaft, durch seine Slowenen, denen die Feldwebelweisheit der Schriftleitung der „Edinost“ („Einigkeit“) stets emsiger das Gift allslawischer Denkungsweise einträufelt,*) — immer ein Hexenkessel ist und wohl noch infolge jener „gewissen“ Halbheit und Schwachheit bleiben wird. Und in diesem Hexenkessel müssen sich die Deutschen halten. Sie halten sich auch und es ist wohl eine der bemerkenswertesten, schönsten Tatsachen, daß sie sich insbesonders an den völkischen Schutzvereinsgedanken klammern, aus ihm Kraft und Hoffnung saugen, daß sie die Macht und die Begeisterung anerkennen, welche aus dem völkisch geopferten Heller fließen kann . . . Und in all’ diesen Kämpfen hatten die Triester Deutschen stets das große Ziel vor Augen: Triest wird und muß einmal geschichtliche Bedeutung für das gesamte Deutschtum erhalten; — große germanische Aufgaben werden dort vollzogen werden . . . Ganz anders sind die Verhältnisse der letzten Jahre für die win-dischen Teile Kärntens verflossen. Von den Wenden wurde dies wunderschöne Ländchen immer „Tuzni Korotan“ („das traurige Gorotan“) genannt. Warum? Kärnten ist in seiner windisch-nationalen Entwicklung gegenüber den anderen Ländern weit zurückgeblieben. Während in Krain das ehemals herrschende Deutschtum schon in die engsten Grenzen gezwängt war, während in Untersteier schon der chauvinistische Kampf bis aufs Messer tobte, war hier noch alles ruhig. In Kärnten *) und in deren Schriftleitung im J. 1902 oder 3 der heule in serbischen Preßdiensten stehende Plut war, welcher im Wiener Friedjung-Prozesse genannt wurde. hätten die Deutschen nach Herzenslust „germanisieren“ können, wenn das unterländische Deutschtum tatsächlich an einem „Ausdehnungswahne“ leiden würde. Der windische Bauer in Kärnten brauchte eigentlich kaum noch eine Generation, um „deutsch“ zu werden. Die Deutschen haben keine Entnationalisierung betrieben. Sie haben nichts getan, um das Aussterben dieser Landsleute, die man in keiner Hinsicht „Slowenen“ nennen kann, deren Idiom neun Zehntel Germanismen enthält und die niemals die slowenische „Schriftsprache“ verstehen werden,*) zu beschleunigen. Jedes andere Volk hätte sich der Wenden in Unterkärnten vollkommen bemächtigt,**) hätte seit den 60er Jahren jede Spur ihres selbständigen Volkstums einfach verwischt. Und vom Standpunkte des gesunden völkischen Egoismus wäre dies ja selbstverständlich! ln Kärnten aber ließ man utraquistische Schulen bauen, gleichsam als Triumph österreichischer Regierungskunst. Man zwang die mit den deutschen Schulen so zufriedene Bevölkerung zum Besuche dieser Kauderwelsch-Anstalten. Der Orgelbauer und Abgeordnete Grafenauer mag ja über höheren Auftrag dies alles leugnen, obwohl es ihm wenig ziemt.***) Aber für jedermann, der nicht vom Parteifanatismus befangen ist, muß die Tatsache gelten: alles in Kärnten für die slowenische Bewegung Erreichte ist eigentlich ein gnädiges, nobles Geschenk der Regierung, die an dem Krainer Verslawisierungsbeispiel sehr wenig gelernt hat . . . Und die Deutschen waren vielleicht oft sehr sorglos.****) Auf der durch die utraquistischen Schulen, welche die für Kärnten einzig notwendige deutsche Schule verdrängten, gebauten Grundlage entstanden dann die Früchte des lächerlich übertriebenen „Gleichberechtigungs“-Gefühles: es kamen „die Krainer“ . . . Krainer, — ein Dr. Brejc! Krainer — das heißt, die Hetze des allslawischen Chauvins! Und heute schreibt die pansla-wische Presse, Kärnten sei „eine Ehrenangelegenheit der Slowenen“, heute ist dies schöne Ländchen ein Versuchsobjekt allslawischer Demonstrationen. Es bereiten sich die wilden Kämpfe vor, die der Steirer schon über ein Jahrzehnt her kennt! Ein Wendenpriester in Unterkärnten ließ im blinden Haße dreimal das katholische Kreuz aus dem Grabe einer Arbeitersfrau reißen, weil es — eine deutsche Inschrift hatte . . . Wir mußten diese Bemerkungen, teilweise vorausgreifend, machen. Mit ein paar einfachen Strichen wollten wir die für uns Deutsche der Unterländer maßgebenden Erscheinungen zeichnen. Dieser Einleitung *) Eine Stichprobe aus dem Kärntner „Windischen“: „rajtat“ (rechnen, Vorschlägen), „hemajnda“ (Gemeinde) usw. Herr Hauptschriftleiter Lackner (Klagenfurt) teilte mir übrigens mit, daß es dort zwei Arten Slowenen gibt: die ersten, von Krain verhetzten nennen sich selbst „Slovenci“ (Slowenen); die echten Kärntner aber nennen sich selbst „Windische,“ welcher Ausdruck die volle Deutschfreundlichkeit beinhaltet; diese (und es ist die große Mehrheit) sind beleidigt, wenn man sie „Slowenen“ nennt. ■**) Man denke nur, wie es die Italiener im Friauler Lande mit den Wenden machten! Eine Entnationalisierung der Slowenen ist schon infolge ihres starken Sprachentalentes nicht schwer. ***) Grafenauer soll der Abkömmling einer bayrischen Einwandererfamilie sein. Heute ist er ein windischer Führer. Seinen deutschen Namen hat er noch nicht abgelegt. Er war seinerzeit wegen Hochverrat in Untersuchung. *4**) Diese der früheren Politik geltende Bemerkung soll kein Vorwurf sein, umsomehr nicht, als heute die völkische Abwehr in Kärnten durch Männer wie Do-bernig, Dr. Angerer, R. v. Mettnitz usw. herrlich organisiert ist! folgt aber die Behauptung, welche keinem Kenner bewiesen werden' braucht: daß sich nämlich der eigentliche nationale Kampf des unterländischen Deutschtums in den letzten 8—10 Jahren in Untersteiermark (in allerletzter Zeit auch schon in Unterkärnten) abgespielt hat. Dieser Kampf kann die Art der Taktik unseres win-dischen Gegners kennzeichnen. Wir müssen ihm also breiteren Raum lassen. ❖ * * Das gesamte Vordringen und der ganze „rot-blau-weiße Terror“ in den unteren Teilen der Steiermark und Kärntens gehört infolge seiner brutalen Rücksichtslosigkeit in die Bücher geschichtlicher Absonderlichkeiten. Bevor wir auf den gewaltigen Kampf der deutschen Städte und Märkte kommen, müßen wir eine wichtige Erscheinung kennzeichnen. Im Mittelpunkte dieser ganzen 8—10jährigen Ereignisse steht nämlich das deutschfreundliche, fortschrittliche Blatt „Štajerc.“) Wenn wir also den Angriff des Wendentums in den letzten 10 Jahren kennzeichnen wollen, so müssen wir auch einen Blick auf die Geschichte der „Stajerc“-Bewegung werfen.**) Und da lesen wir in der Schrift „Sieben Jahre Kampf“ wörtlich: „ln den Herzen Einzelner in Steiermark entstand eine große Unzufriedenheit, eine große Entrüstung über das brutale, rohe Vorgehen der klerikalen Pervaken.***} Sie entrüsteten sich über den Mißbrauch der Religion, über die grenzenlose Hetze gegen den deutschen Machbar, mit welchen man immer in freundschaftlichem Verhältnisse gelebt hatte, — und sie entrüsteten sich über den letzten, unendlich niedrigen und gewissenlosen Angriff, durch welchen die Pervaken Hunderte von Handelsleuten und Gewerbetreibenden aushungern und unzählige Familien dem Elende preisgeben wollten . . . “ Der durch diese Worte gekennzeichneten Sachlage entsproß der „Štajerc.“ Aus den politischen Entwicklungsphasen, welche wir im letzten Abschnitte dieses Schriftchens zu zeichnen versuchten, entsprang für alle mit der Sprachgrenze irgendwie in Verbindung stehenden Länderstriche das sogenannte „Pervakentum“. Es war eine politische Klique, deren verstarrter Konservatismus keine Entwicklung kannte. Eine Art von karrikiertem Heroentum war dieses Pervakentum, eine Gruppe von Leuten, die sich sozusagen von „Gottes Gnaden“ als geborene Führer des windischen Volkes betrachteten. Programme, Ziele, Absichten, Richtungen kannte das Pervakentum nicht. Es war einfach eingewachsen in den Boden. Jeder Fortschritt, ja, auch jeder Rückschrilt war ihm ein Greuel. Die bedeutendsten Namen dieser Gruppe sind: Dr. Dečko, Dr. Žičkar und der in letzter Zeit freilich mehr „opportunistisch“, veranlagte Hofrat Dr. Ploj. Dr. Žičkar starb eines natürlichen Todes und wurde mit ihm ein gut Stück des alten Pervakentums begraben. Dr. Dečko wurde *) „Štajerc“ = der „Steirer“, von Deutschen verwirklicht, in windischem Idiom geschrieben, begegnet er kräftig dem Angriffe des Panslawismus. Sein Programm ist: Wirtschaftlicher Fortschritt und volle Deutschfreundlichkeit (deutsche Schulen usw.) **) Diese Geschichte ist als Beilage der 1. und 2. Nummer des „Štajerc1“ 1907 unter dem Titel „Sieben Jahre Kampf“ erschienen. Ich halte mich als Verfasser dieser und jener Schrift an diese Beilage. Selbstredend entsprechen die angeführten Einzelfälle, die wir zur Illustration brauchen, in jeder Hinsicht den Tatsachen. Wo nicht Namen angeführt sind, stehen diese auch zur Verfügung. ***) Pervaken sind unserem landläufigen Begriffe nach die gewissenlosen Führer besser Verführer des windischen Volkes (prvak = der Erste, der Leitende). laut einstimmigen Aussagen der Wenden selbst von den wühlenden, mit der alten Richtung unzufriedenen Jungklerikalen durch persönliche Angriffe verbittert und schließlich in die Nacht des Wahnsinnes getrieben, aus welcher ihn der Tod vor einigen Jahren erlöste. Über Dr. Ploj werden wir leider noch reden müssen; jetzt sei damit genug gesagt, daß diesen mit einer so unglaublich glücklichen Karriere bedachten Mann*) das allgemeine und gleiche Wahlrecht wie einen Brotteig umgeknetet und durchgearbeitet, aber auch dem politischen Tode ausgeliefert hat. Mit diesen drei Namen stirbt das alte Pervakentum. Und die Ursache? Die „S L S“ („slovenska ljudska stranka“ = Slow. Volkspartei, der neue Name der Klerikalen) in Krain hatte den Beweis erbracht, daß sich der sogenannte windische „Liberalismus“ wie ein Kartenhaus mit dem erstbesten .Windstoße umwerfen läßt. Von dieser Überzeugung durchdrungen, wuchs in den Unterlanden eine blutjunge fanatische Ka-planokratie heran, die der ureingesessenen Einigkeitskrämerei des Per-vakentums ein Ende machen wollte und auch machte. Für uns Deutsche war nun die einzige Frage wichtig, wie sich diese Entwicklungserfolge zum deutschen Besitzstände stellen werden. Und die Beantwortung dieser wichtigen Frage fiel in einem Sinne aus, welcher die Gründung des „Stajerc“ zu einer Notwendigkeit machte. Bekanntlich fußt das Deutschtum der Unterlande wohl in erster Linie im Mittelstände. Der Handelsmann und der Gewerbetreibende sind das Bleibende, während jeder deutsche Beamte trotz seiner aufopfernden Schutz- und Trutzarbeit stets das Wechselnde darstellt.**) Dieser offenkundigen Tatsache konnte sich auch der junge windische Gegner nicht verschließen. Er setzte also mit seiner Arbeit dort ein, wo er das Wirtschaftsleben des Mittelständlers zu unterbinden hoffte. Mit der Vernichtung des Mittelstandes wäre auch das Deutschtum der Unterlande erstickt. Also — Kampf bis aufs Messer diesem Mittelstände! Das beste Mittel in diesem Kampfe war für den Gegner die Verwirklichung sogenannter „Konsumvereine“. Damit wollte man den Lebensfaden des mittelständischen Deutschtums abschneiden. Wer die Kultur,.höhe“ des windischen Bauern kennt, der wird auch verstehen, daß wir die Propaganda für diese „Konsumvereins“-Gründungen als einen Funken ins Pulverfaß auffassen müssen. Dies war wohl die letzte, die bedeutendste Ursache der Gründung des „Stajerc“. Von irgendwo war der Gedanke gekommen und eine Reihe von deutschen Männern machten sich an dessen Ausführung. Wir nennen darunter nur den starken, mit einem so herrlichen deutschen Trutz- und Unternehmungskopfe begabten Bürgermeister Josef Ornig, den Rechtsanwalt Dr. Edw. Ambrositsch (jetzt in Laibach), die Kaufleute V. Schulfink (gestorben Jänner 1910) und Leop. Slawitsch, den Buchdruckereibesitzer Wilhelm Blanke, den verstorbenen Kommissär Josef Skubitz usw. Und am 1. Juli 1900 erschien die erste Nummer des Blattes in einer Auflage von 12.000 Exemplaren. *) Ploj wurde ganz jung Hofrat (weil man einen windischen Hofrat haben wollte). **) Es ist ja oft empörend, wie Beamte zum Spielballe politischer Intriguen werden. Ein Großteil der Beamtenversetzungen in den Unterlanden ist die Folge politischer Ränke. Dei deutsche Beamte ist sehr oft vogelfrei. Das Erscheinen des „Stajerc“ löste eine ungeheure Begeisterung aus. Man sah, daß diese Tat dem jahrelangen Wunsch? Tausender still leidender Bauern entsprach. Denn das Blut dieser windischen, windisch gemachten und manchmal windisch verhetzten Bauern schrie laut nach ireundschaftlicher Nachbarschait mit den Deutschen. Sie fühlten es ja,, daß ihre ganze wirtschaftliche und kulturelle Existenz von den Deutschen begründet und abhängig war und ist. Selbstredend begann darum das Pervakentum einen Kampf, für welchen wir kein bezeichnendes Wort finden, der wohl nirgends was ähnliches hat. Es entstand ein wahres Delirium der Wut. Eine „Politik des Prügels und der Verleumdung!“ Buchdrucker W. Blanke wurde natürlich sofort boykottiert, weil er den „Stajerc“ druckte.*) Man boykottierte strengstens die Gasthäuser, wo das Blatt auflag. Zu gleicher Zeit predigte man von der Kanzel, daß alle Leser des „Stajerc“ „verdammt“ seien. Der Pfarrer von Hl. G. schämte sich nicht, seinen eigenen geistlichen Vorgesetzten (den Pröpsten Hrn. F.) in der pervakischen „Domo-vina“ auf das unflätigste zu beschimpfen, weil er ihn im Verdacht hatte,, er sei ein Leser des „Stajerc.“ Der windische Bürgermeister von K. verbrannte öffentlich und amtlich das Blatt. Dieses ging auf die rohe Brutalität nicht ein. Es verschmähte den persönlichen Ton, den sich leider gerade die windische Geistlichkeit erlaubte. Das junge Blatt begann lieber eine positive Politik und dies in erster Linie gegen die gewissenlos gegründeten „Konsumvereine“. Diese positive Arbeit schien dem windischen Gegner die größte Gefahr und er begann darum mit Volldampf den Kampf gegen den „Stajerc,“ welcher von der „Domovina“ schon im ersten Jahre der Gründung als „giftna krota“ („giftige Kröte“) getauft wurde. So wurde auch in der untersteirischen Presse der brüske, ungehobelte Ton eingeführt.. Und wenn im Reichsrate vor einigen Jahren ein (windischer) Abgeordneter Dr. Benkovic über den „rohen“ Ton des „Stajerc“ interpellierte,, so ist dies ein unglaublich lächerlich-freches Beginnen. Denn aus tausenden Quellen läßt sich beweisen, daß dieser Ton gerade von der windischen Presse eingeführt und großgezogen worden ist.**) Mit diesem rohen Tone ließ sich freilich nicht vieles erreichen. Man fanatisierte wohl Einzelne, aber die große Masse des windischen. Volkes stand der neuslowenischen politischen Agitation ebenso verständnislos gegenüber wie der neuslowenischen Kunstsprache. Verständnisvoller stand die Masse dem gewaltigen Krache gegenüber, welcher die in so unsinniger Weise aus den Boden hervorgezauberten „Konsumvereine“ hinwegfegte. Jedes Volk hatte und hat seine Sünden, jede starke Politik erfordert Opfer. Auch die Ausnützung wirtschaftlicher Interessen zu politischen, oft kleinlichen Zwecken ist nicht unverständlich,, denn die Politik ist eben eine Machtfrage. Aber selten wo findet man *) Man entschuldige uns diese aphoristischen Kriegsbildchen, die freilich keinen Zusammenhang haben. Wir wollen nur den allgemeinen Eindruck hervorrufen, den jeder Kenner unserer Verhältnisse von dieser windischen „Politik“ hat. **) Nur ein Beispiel sei erwähnt! In der einzigen Nummer des Dezembers 1900 häufte das pervakische Blatt „Slov. Gospodar“ an die Adresse der Deutschen folgende Beschimpfungen: „Schädel, geistige Arme, stinkende Kloake, Lumpenartikel, wälzt sich im Kote, Lüge und Verleumdung, wilder Eber (!), blöde, Judenbuben, Renegatenseele, schmutziger Mund, unmenschliche Stimmen, Lumpenschreiberei, befrackter Friseur, ver-wildeter Derwisch“ usw. Und so gingen alle Blattfolgen dahin . . . eine solche Gewissenlosigkeit im Vergeuden fremder Gelder, vertrauensvoll geliehener, fremder, blutig ersparter Gelder von armen Teufeln, als man sie in der windischen Konsumvereinsbewegung der Unterlande erlebt hatte. Da gründete einfach jeder politisierende Kaplan seine Genossenschaft, ohne Kapital, ohne Kredit, ohne Fachkenntnisse, ohne auf irgend eine wirtschaftliche Notwendigkeit irgend eine Rücksicht zu nehmen. Die ganze „Buchführung“ solcher „Konsumvereine“ bestand meistens in Notizbüchel-Anmerkungen der gründenden und leitenden Kapläne oder Meßner. Kein Wunder, wenn es dann zum Krache kommen mußte. Und wir können sagen, daß von den in dieser Zeit gegründeten pervakischen Konsumvereinen kein einziger lebensfähig war und auch kein einziger bestehen blieb. Die „Stajerc“-Leute begannen aber auch in der Öffentlichkeit aufzutre'ten. Außer kleinen Wahlsiegen (z. B. der erste Sieg bei den Gemeinderatswahlen in Leskowetz im Juli 1900) ist da in erster Linie die Kraftprobe der Reichsratswahlen (1901)” zu erwähnen. Diese Kraftprobe ergab den wichtigen Beweis, daß es einfach ungerecht Ist, wenn man das flache Land Untersteiermarks bedingungslos zum windischen „Besitzstand“ zählt. Die Deutschen gingen zusammen mit den „Stajercianern“ und stellten ihre eigenen Kandidaten auf. Schon diese Tatsache ist für unsere früheren Behauptungen von beweiskräftiger Art. Wäre es nicht Wahnsinn, z. B. in rein tschechischen Wahlkreisen deutsche Kandidaten aufzustellen? Nun, bei uns geschah es! Und die Erfolge waren schön, trotz einer wahren Erpressertaktik des Gegners. Windische Gemeindeämter verbaten den Besuch der deutschfreundlichen Versammlungen, von der schrecklichen Tätigkeit der Kanzeln gar nicht zu reden. Und auch zum Blutvergießen kam es. So wie das rohe Wort in Untersteiermark von den Pervaken eingebürgert wurde, so wurde auch von ihnen mit der rohen Tat begonnen. Dieses Schandmal wischt kein Beschönigungsversuch ab! Bei den Wahlen zeigte es sich, daß die Deutschen und Deutschfreundlichen am flachen Lande eine Minderheit sind, die sich sehen lassen kann. In einer als „rein slowenisch“ gerechneten Wählerschaft wurden nachstehende Erfolge erzielt: Wahlkreis Pervaken Deutschfreundliche Stimmen Cilli St. Kurie . . . 396 Marburg St. Kurie . 418 Pettau, L. G. ... 290 Marburg L. G. . . 193 47 175 62 105 Erwähnenswert ist da in erster Linie der Landgemeinden-Wahl-kreis Marburg, wo den deutschen Kandidaten vom pervakischen nur eine Mehrheit von 88 Stimmen trennte. Mehr wie ein Drittel Stimmen waren für die deutschfreundlichen Kandidaten abgegeben worden. Solche Erfolge nahmen dem panslawistischen Gegner auch den Mut, der ihn im Anfänge beseelte. Und alle die eklen Naturen, die um fünf Groschen mitlaufenden sauberen Herrschaften begannen sich zu zeigen. Interessant ist in dieser Beziehung ganz besonders das Vorgehen des Herrn Augustin Janša, Schriftleiters des windischen „Slov. Gospodar.“ Am 26. November 1900 schickte dieser Herr an den „Štajerc“ einen Brief; er wollte sich um 120 Gulden verkaufen und versprach dafür das Blaue vom Himmel herunter. Der „Štajerc“ schätzte diesen Mann für die Summe nicht ein und veröffentlichte lieber seinen Judasbrief. Und es ist charakteristisch für die windischeMoral, daß der pervakische „Slov. Gospodar“ den Augustin Janša wegen „dieser Kleinigkeit“ nicht verabschiedete, sondern weiter als „Schriftleiter“ behielt. — Im Juni 1900 brannte in der Umgebung Pettaus das Gregorec’sche Gaswirtsgebäude ab. Einige Tage darauf stand schon im „Slov. Gospodar“ die Verleumdung, das Gebäude hätten die Pettauer Deutschen aus politischen Gründen (!) angezündet. Es kam zum Schwurgerichtsprozesse’ und der famose Schriftleiter Janša wurde in März 1901 zu 14 Tagen Arrest verurteilt. Nun ist dabei eines bemerkenswert. Es ist klar, daß Janša nur ein Strohredakteur war. Im Verlaufe des Prozesses sagte er auch selbst aus, daß nicht er, sondern der Kaplan Dr. Korošec — der heutige Führer der windischen Klerikalen und Abgeordnete — der Autor des betreffenden Artikels sei. Herr Korošec schwieg dazu. Aber am 12. September 1901 ereilte auch diesen Herrn das Schicksal und er wurde wegen Hetzerei und Verleumdung in seinem Blatte „Slov. Gospodar“ zu 6 Wochen Arrest verurteilt, ln dieser Art vollzog sich die Hetze gegen den „Štajerc“, in dieser Art offenbarte sich der untersteirische Deutschenhaß. Leider, daß dieser Deutschenhaß bis auf die letzte Zeit vornehmlich von der windischen Geistlichkeit getragen wurde; gerade Prediger der christlichen Nächstenliebe waren unter einem Propagandisten der fanatischen Deutschenfresserei. Bezeichnend ist in dieser Beziehung für den Anfang das Vorgehen des ehemaligen Kaplans von Benedikten M. Der Mann nützte in seiner Leidenschaft alle Mittel gegen die Deutschen aus. Darum zahlte er selbstredend sehr oft darauf. Im Jänner 1901 klagte er den verantwortlicheu Schriftleiter des „Štajerc“ wegen Ehrenbeleidigung; zur Verhandlung aber kam weder der Kaplan noch sein Vertreter, da sie den Wahrheitsbeweis fürchteten. So mußte Kaplan M. alle Kosten zahlen. Im April 1901 wurde derselbe Herr Kaplan zu 100 K Strafe verurteilt, weil er den deutschen Abgeordneten Pommer beleidigt hatte. Einige Tage darauf wurde er wieder wegen Beleidigung des H. v. Kalchberg zu 100 K Strafe verurteilt. Im Juni desselben Jahres klagte der Kaplan die „Marburger Zeitung“, mußte aber wieder die Kosten zahlen, da der Schriftleiter freigesprochen wurde. Im Oktober 1901 warf der hochwürdige Herr einige die fortschrittliche Versammlung in St. Benedikten besuchende Bauern eigenhändig aus dem Saale. Denselben Monat klagte er den Besitzer Schütz, zahlte aber wieder alle Kosten, da Schütz freigesprochen wurde. Bei dieser Verhandlung sagten zwei Zeugen aus, daß der Kaplan bei der Vorbereitungsstunde für die Beichte den Kindern befohlen habe, den „Štajerc“ zu zerreißen, wenn sie ihn bei ihren Eltern finden sollten; würden die Kinder dann von den Eltern um das Blatt gefragt werden, so sollten sie dieselben anlügen (!), sie hätten es nicht gesehen. Auch wurde bei der Gerichtsverhandlung bewiesen, daß dieser Lüge lehrende Kaplan die Kinder der „Stajerc“-Anhänger prügelte. In einem einzigen Jahre hatte also dieser pervakische Kaplan 8 Gerichtsverhandlungen wegen seines fanatischen Deutschenhasses. ln dieser Art ging der Kampf gegen das unterländische Deutschtum weiter. Im März 1901 schon klagten die Pettauer Kaufleute den klerikalen „Slov. Gospodar“ wegen seiner infamen Verleumdungen. Der verantwortliche Schriftleiter des Blattes, ein gewisser Jonas, mußte eine weh- und demütige Ehrenerklärung abgeben und außerdem als Sühne 100 K für den — „Štajerc“ zahlen. Der Administrator des „Štajerc“ war gezwungen, die deutsch geschriebene windisch-klerikale „Südsteirische Presse“ zu klagen und wurde deren Schriftleiter im April 1901 wieder zu 100 K Strafe verurteilt. Zu gleicher Zeit wurde der Pettauer Pervaken-häuptling Dr. Br. (auch wegen der so erbärmlichen Hetze des Brandes bei Gregorec) zu 300 K Geldstrafe verurteilt . . . Diese Gerichtsverhandlungen sind sozusagen Symptome der damaligen Verhältnisse. Den Gegnern kam alles zurecht. Ein Ortsschulrat in St. A. aber agitierte z. B. mit der Neuigkeit (es ist Tatsache und kein Witz!) daß jeder Abnehmer des „Stajerc“ mehr Steuer zahlen werde müssen. Der Kaplan S. griff fanatisch den deutschen Lehrer Wankmüller in Hl. Dreifaltigkeit in der Kollos an und wurde dafür im Juni 1901 zu 150 K Strafe verurteilt. Die Pervaken hatten in der Zeit eigene bezahlte Personen aufgenommen, die am Lande herumgingen und gegen den „Stajerc“ agitierten. Allgemein und systematisch wurde die Hetze gegen das neugeborene Blättchen, eigentlich aber damit nur gegen das unterländische Deutschtum gezüchtet. Als im Jahre 1901 die ersten Kärntner Abnehmer des „Stajerc“ sich meldeten, begann auch das von allen Zeitungsgründungen des für Kärnten so traurig bekannten windischen A. Einspieler (!) einzig noch bestehende Blättchen „Mir“*) den Kampf, eigentlich die Hetze gegen den „Stajerc“. Denn damals waren schon die ersten panslawistischen Zuckungen auch in Kärnten zu verspüren. Während dessen aber begannen die damals maßgebendsten „Pervaken“ in Untersteier (Professor Robid, Hofrat Ploj, Dr. Jurtela usw.) den Kampfruf „Fort von Graz!“ ertönen zu lassen. Es war sozusagen eine Rückerinnerung an die „schönen“ Zeiten der „Illyrischen Bewegung“, es war ein Aufwachen des alten Gedankens. „Fort von Graz“, — das heißt: „Fort von den historischen Kronländern!“ Das weder vom nationalen, noch vom politischen oder kulturellen oder sonst irgendeinem Verlangen ausgesprochene Wort „Fort von Graz!“ sollte einfach eine neue Phrase für den Kampf sein, der dem armen windischen Volke von seinen eigenen Stammesangehörigen aufgezwungen wurde und mit jedem Tage aufgezwungen wird. Dieses „Fort von Graz!“ hieß nicht nur „Fort von den Deutschen der Steiermark“, — nein, es hieß zugleich: „Fort von den Deutschen überhaupt und fort von Österreich, das deutsch geblieben ist“ ... So wie das 1848er und die späteren Programme des Wendentums immer und durchwegs pan-slawistisch waren, so war auch der fanatische Ruf „Fort von Graz!“ nur ein Aufflackern des bisher ungedämpften Allslawentums im österreichischen Süden!**) Unterdessen begann sich das Schicksal der gegen die Deutschen gegründeten Konsumvereine zu erfüllen. Im Verlaufe von kaum 2 Jahren kamen 13 wirtschaftliche Zusammenbrüche! Und alle diese wirtschaftlichen Organisationen waren eine Frucht des so künstlich hervorgerufenen Deutschenhasses. Nichf uninteressant ist es, wie von den Pervaken in *) Der „Friede“ heißt dies in bitterer Ironie; das Blatt hatte seinerzeit trotz dem friedlichen Titel das Motto: „Slowenen, in den Kampf, ergeben wir uns nicht!“ Es war gar ergötzlich, dieser den Krieg predigende „Friede“ . . . '**) Gerade jetzt, wo dies in Druck geht, ertönt der Ruf „Weg von Graz“ aufs neue; er soll das politische Verbrechen der windischen Obstruktion im steirischen Landtage beschönigen. den früher erwähnten und wahrscheinlich in allen pervakischen Genossenschaften „gewirkt“ wurde. Also einige Beispiele: Der Bauernverein in Poljane hatte in den letzten 9 Monaten vor dem Zusammenbruche 4500 K Verlust. Der Vertreter der windischen „Gospodarska zveza“ (wirtschaftlicher Verband) verlangte vom Ausschüsse einen Schuldbiief. Er bekam ihn aber nicht, denn die betreffenden Bauern hatten schon im dortigen „Konsumvereine“ für 24.000 K unterschrieben. Die noble Wirtschaft ist auch aus der Tatsache ersichtlich, daß z. B. darüber der Pfarrer Z. aus R. vor dem k. k. Gerichte offen erklärte: „Alles hat gestohlen, was bei dem Konsumvereine war.“ Und als man in derselben Angelegenheit einen Bauer einsperrte, rief er unzweideutig ernst: „Jetzt soll man aber auch noch jenen „Teufel“ (Kaplan S.) einsperren, welcher uns den „Konsum“ gegründet hat.“ Dieser gewaltige wirtschaftliche Zusammenbruch zwang den windischen Gegner, wieder mit dem „moralischen Terror“ — leider meistens mit der kirchlichen, religiösen Hetze zu beginnen. Als z. B. im Anfänge des Jahres 1902 der Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe erschien, wurde derselbe kaltblütig zu einer rücksichtslosen Agitation gegen die Deutschen ausgebeutet. Zu dieser Zeit war der Pfarrer von Kerschbach*) S. auf der Kanzel ganz wild. Eben dieser Pfarrer wurde heuer wegen Verleitung zu falscher Zeugenaussage zu 4 Monaten Kerker verurteilt. (Er ist aber noch nicht abgesetzt.) Der Kaplan von Kleinsonntag gab prinzipiell keinem den „Stajerc“ lesenden Beichtkinde die Absolution. Kaplan S., damals in R., versuchte mit seinem Bruder einen Bauernburschen aufzuhetzen, er möge einen Anhänger des „Stajerc“ gehörig durchprügeln. Sie versprachen dem Burschen dafür 10 K. Aber die beiden Brüder wurden dafür vom Gerichte auf 2 und 5 Tage Arrest verurteilt. Im Beichtstühle nannte der Pfarrer von M. den Deutschen R. einen „Antichrist“; da er dies zu laut herausschrie, wurde er zu 10 Tagen verschärften Arrestes verurteilt. Der Pfarrer Sk. in Mahrenberg wieder verprügelte aus politischen Gründen den Häusler H. Der schon früher erwähnte Kaplan S. riß den Schulkindern aus fanatischem Deutschenhaß Strohhüte vom Kopfe, weil dieselben die deutsche Inschrift „Behüt' dich Gott" trugen. In St. T. mußte sich beim Verteilen der Beichtzettel jedermann dem Pfarrer oder dem Kaplane verpflichten, nie mehr den „Stajerc“ zu lesen. Der Kaplan K. in St. U. wurde im August 1902 zu 48 Stunden Arrest verurteilt, weil er unbarmherzig das-Kind einer Zeitungsausträgerin des „Stajerc“ geprügelt hatte u. s. W. Der pervakischen Presse diente natürlich jede solche Erscheinung zu immer neuer Hetze. Sie hatte sich sozusagen ein System der persönlichen Angriffe zurecht gelegt. Sehr oft zahlten die windischen Führer natürlich darauf. So wurde der Pfarrer und Schriftleiter der pervakischen „Südsteirischen Post“ am 17. März 1902 wegen seiner Hetze zu 2 Monaten Arrest verurteilt. In dieser Hetze wirkten selbstredend auch die pervakisch angehauchten Postmeister mit. Es war dies umso leichter, als in vielen Orten windische Geistliche (!) den Postdienst versahen.**) Die windische Geistlichkeit selbst begann auch mit allen möglichen Repressalien das Volk zu beunruhigen. Eines komischen Beigeschmackes entbehrte es z. B. nicht, daß u. a. in St. T. allgemein ge- *) Die Namen aller dieser Leute, sowie alle Beweise für ihre Taten stehen uns selbstredend zur Verfügung. Es ist also alles — wahr! **) Windische Geistliche haben übrigens auch. Gasthäuser und versehen Schankdienste! sprochen wurde, der Pfarrer werde immer einen Fasttag dekretieren, wann er im „Stajerc“ abfällig kritisiert werde. Eine ganz besonders hetzerische Tätigkeit entfaltete die windische Geistlichkeit aber bei den sogenannten „Missionen.“ Es würde uns gar zu weit führen, dieselben zu beschreiben. Genügen dürfte es, wenn man die Tatsache feststellt, daß ein katholischer Priester (der Mann lebt, weshalb wir seinen Namen verschweigen müssen!) im Oktober 1902 der Schriftleitung des „Stajerc“ einen Brief übersendete, in welchem der ehrliche Mann gegen die klerikalen Panslawisten auftrat und insbesonders die Unsitte rügte, daß man bei den Wahlen das Allerheiligste „für eine glückliche Wahl“ ausstellte. Auch mit Versammlungen arbeiteten die wütenden Pervaken immer schärfer. So hielten sie im September 1902 eine Versammlung in Polstrau ab, auf welcher auch der kroatische Abgeordnete Spinüic (sehr bezeichnend!) sprach. Dabei beuteten die Pervaken immer den starken Katholizismus der Leute aus. Am 5. Oktober fand z. B. in St. B. in der Kolos eine Versammlung statt, auf welcher insbesonders Dr. Jurtela gegen die Deutschen auftrat und — um die religiös-fanatischen Instinkte zu erwecken, — den „Stajerc“ ein „Organ der Protestanten“ nannte. Da sich diese Behauptung in der pervakischen Presse noch heute gar oft wiederholt, ist es nicht uninteressant, ihren Urheber im früheren Stellvertreter des steirischen Landeshauptmannes Dr. Jurtela zu finden. Währenddessen kam für Untersteiermark die Zeit der (1902) Landtagswahlen. Die Deutschen stellten auch in den windischen Wahlkreisen ihre eigenen Kandidaten auf. An einen Sieg war selbstredend nicht zu denken. Aber die erzielten Stimmen-Minderheiten gaben Zeugnis dafür, daß die Deutschen auch am Lande ein Faktor sind, den man nicht übersehen darf, ohne nackte Vergewaltigung zu üben. Um einigen Führern der Wenden den leicht nachweisbaren Stimmenfang und Wahlschwindel nicht ins Grab nachzuschleudern, wollen wir von der Kritik dieser Landtagswahlen absehen. Zu gleicher Zeit fanden die Kärntner Landtagswahlen statt, bei welchen deutschfreundliche „$tajerc“-Leute mitwirkten. Als das neue Jahr 1903 anbrach, begann es in den pervakischen wirtschaftlichen Organisationen wieder lauter zu krachen. Schon im Jänner 1903 kam die von den pervakischen Abgeordneten Dr- Jankovic") und Dr. Zickar gegründete Genossenschaft in Weitenstein in den Konkurs. Die Verhandlung vor dem Cillier Strafgerichte brachte die Manipulation der pervakischen Wirtschaftsorganisation ans Tageslicht. Und so wie bei dieser Genossenschaft hatte man ja überall gewirtschaftet. Erwähnen wir es also etwas breiter: Der faktische Verlust betrug 17.309 Kronen! Diesen ganzen Betrag mußten die verführten Bauern mit ihren blutigen Hellern bezahlen. Außerdem wurden 7 dieser Bauern eingesperrt. Die eigentlichen Urheber gingen natürlich frei aus. Darum hörte man bei der Verhandlung aus dem Munde der yerführten pervakischen Bauern auch seltsame Worte. In erster Linie wurde erwiesen, daß die den Namen hergebenden formellen „Leiter“ — Analphabeten waren. Das Ausschußmitglied B. war jede Woche einmal in die Schule gegangen und dies durch 2 Jahre. Die Ausschüsse J. und G. hatten eine Schule überhaupt von innen nicht gesehen und ihr Genosse St. war in seinem Leben 6mal in der Schule gewesen. Diese Analphabeten waren die „Leiter“ der Genossenschaft. Der Obmann Br. erklärte selbst vor Gericht, daß von den Satzungen niemand etwas gewußt hatte. Die Geschäftsleiter waren immer *) *) heute Stellvertreter des steirischen Landeshauptmannes (!) den ganzen Tag — betrunken. Das Ausschußmitglied Br. sagte vor Gericht: „Ich glaube, daß ich der Obmann-Stellvertreter bin; der Herr Pfarrer hat uns gesagt, daß nichts Böses geschehen kann.“ Das Ausschußmitglied J. sprach : „Der Pfarrer ist schuld, daß wir den gar nicht notwendigen Verein gegründet haben. Ich selbst kaufte wo anders, weil ich es billiger und ehrlicher bekam“ . ! . Es sind dies keine Ausnahmen, sondern typische Erscheinungen. Wir könnten ja weiter erzählen, ln P. katte der pervakische Kaufmann K. den „Konsumverein“ übernommen. Aber schon im Juli 1903 kam er in den Konkurs . . . Weiter: In Markt T. gründete der Kaplan Z. einen „Konsumverein“. Geschäftführer war ein Müllergehilfe. Die Einkaufsbücher wurden von alten Weibern im Markte verloren,Schülerinnen kassierten ein (!) usw. Am 13. September 1903 war er verkracht . . . Am 15. November darauf kam der pervakische „Konsumverein“ in W.-G. in den Konkurs; und so ging es weiter . . . Eines wäre hier noch zu erwähnen: die sogenannten „Jünglingsversammlungen“ und „Jünglingsorganisationen.“ Der Grundgedanke dieser ganzen Sache war ja einfach: Man nahm die lebenslustige Jugend mittels Unterhaltungen, Tänzen, Reisen, bei den Ohren, um sie als Dekoration für den künstlich aufgepäppelten panslawischen Chauvinismus zu mißbrauchen. Man rede da ja nicht von Moral und Religion. Jeder wahre Priester und jeder seine Moral nicht schon längst über Bord geworfene Mensch wird sich solcher Veranstaltungen — schämen. Slomšek verbarg nicht seine gegen den Panslawismus gerichtete Überzeugung, — was würde dieser als „nationaler windischer Heros“ gefeierte Bischof zu den eben erwähnten Veranstaltungen sagen ? Wir glauben, er drehte sich im Grabe um . . . Die geistigen Urheber dieser Jünglingsbewegung waren der heutige Abgeordnete Dr. Korošec und der heutige Pfarrer Gomilšek. Die Verantwortung tragen nicht nur diese zwei Herren. Die Verantwortung tragen alle jene, die den Katholizismus für panslawistische Zwecke ausbeuteten. Man schacherte einfach mit der römisch-katholischen Religion, beiläufig so wie mit politischen Programmen ! Man gestatte uns einige Beispiele anzuführen! Die erste dieser „Jünglingsversammlungen“ war versuchsweise noch ziemlich bescheiden. Die zweite hätte im Juli 1903 in Hl. Dreifaltigkeit (W.-B.) stattfinden sollen. Aber der Wirt (notabene ein hartgesottener Wende!) wollte die Herrschaften nicht übernehmen. (!) Darum fand die Versammlung in St. Leonhard statt. Aus 15 Pfarren kamen die „Jünglinge“ zusammen, immer unter Anführung per-vakischer Kapläne. Und — die Gendarmerie hatte viel zu tun. Es gibt genügend Beweise, daß das allgemeine Losungswort „prokleti nemčurji“ .{verfluchte Deutschtümler) war. Genügend Beweise gibt es auch, daß diese edlen „Jünglinge“ aßen, tranken, Schnaps verschlangen, Ohrfeigen austeilten, sich mit Messern bearbeiteten, um dann fromm-lächelnd zur hl. Kommunion zu gehen . . . Diese Versammlungen junger Leute waren überhaupt eine Erscheinung des terroristischen panslawischen Willens. Man benutzte als Agitationsstoff die damals gerade geschehenen blutigen Ereignisse in Kroatien. Als der deutsche St. Leonharder Bürgermeister Sedminek gegen die Herausforderungen der Buben Stellung nahm und die Feuerwehr ausrücken ließ, hatte der pervakische Abg. Roškar*) die Frechheit, zu sagen: „Weg mit der Feuerwehr oder es wird so zugehen *) *) Er ist heute Obmann der steirischen Klerikalen. In seiner Jugend hat er als Knecht seine Hausfrau erschossen. wie in Kroatien“... Wenn wir dabei noch die bei gleicher Gelegenheit vor sich gegangenen blutigen Raufereien in allen angrenzenden Gemeinden berücksichtigen, so haben wir wohl so ziemlich den ganzen „Erfolg“ dieser „Kreuzzüge“ der windischen „Jünglingsorganisationen.“ Einzelne pervakische Geistliche, (wie z. B. der Pfarrer P. in St. Rupert) prügelten selber Bauern, die als deutschfreundlich galten. Alle diese Tatsachen bekräftigen wohl den Satz, daß es in der politischen Geschichte aller österreichischen Völker wenig Augenblicke gibt, die wie diese Zeit der Brutalität, dem Prügelargumente, den Roheitsausschreitungen systematisch die Pforten öffneten. Es war, als ob das Pervakentum einfach eine Schreckensherrschaft zu verwirklichen beabsichtigte .. . * * * Wir kommen nun zu einem Kapitel unserer geschichtlichen Streiflichter, welches die größte Beachtung verdient und den hauptsächlichen Inhalt unseres Abwehrkampfes darstellt. Kein Moment ist so wichtig wie dieses! Wir meinen nämlich — den wirtschaftlichen Boykott. Das österreichische Strafgesetz verfolgt ausdrücklich mit Rücksicht auf den Boykott die Aufhetzung nach § 300-ff. Von den k. k. Ausübern dieses lieblichen Gesetzes hört man dies nicht . . . Wir begreifen dies! Aus -politischen „Erwägungen“ hat man k. k. Richtern schon von Seite ihrer eigenen Vorgesetzten zu Blamagen verholfen. Die deutschen Richter werden uns stillschweigend aber verständnisvoll die Hand drücken. Wir aber kennen keine politisierende Justiz und wollen Objektivität im wahren Sinne dieses Wortes! Ohne Rücksicht auf die tatsächliche Lage in den Unterlanden, wonach ja das Wendentum verhungern müßte, wenn die Deutschen als Antwort eine gleich rücksichtslose Boykottbewegung verwirklichen würden, ohne Rücksicht auf das „Unchristliche“, man kann sagen „Unmoralische“ des Aushungerns einzelner Deutscher, ja ohne Rücksicht auf die früher erwähnten Stellen des derzeitig noch geltenden österreichischen Strafgesetzes, begann schon damals das Pervakentum mit seiner rücksichtslosen Boykotthetze. Es bediente sich dabei damals schon des Leitspruches „Svoji k svojim 1“ Bekanntlich ist dieses Wort, welches man sinngemäß mit „Jeder zu den Seinen!“ übersetzen kann, tschechischen Ursprungs. Palacky selbst hat es geprägt. Weniger bekannt aber dürfte es sein, daß Palacky dem Worte einen Nachsatz anhängte, so daß es lautete: „Jeder zu den Seinen, aber immer ehrlich!“ Unser Pervakentum hat diesen freilich ein bißchen skrupelhaften Nachsatz einfach abgeschnitten. Warum, — wird jedermann verstehen, der die Katastrophen der windischen „Konsumvereine“, der „narodne stacune“ (nationalen Geschäfte) und der „narodne posojilnice“ (nationalen Vorschußkassen) kennt . . . Also Boykott! Schon im April 1903 schrieb der pervakische „Slov. Gospodar“ wörtlich: „Wenn aber der Bauer etwas in der Stadt kauft, dann möge er zusehen, daß der (selbstredend: deutsche) Städter den Bauer nicht betrüge. Unser Ruf istr Bauern, Achtung, wenn ihr mit den (deutschen) Städtern handelt!“ Wohl ziemlich deutlich! Aber dieser Boykott wurde noch verschärft. Die Pervaken begannen ihn nunmehr nominativ auszuüben. Im vollkom- menen Gegensätze zu den strafgesetzlichen Bestimmungen verbreiteten die pervakischen Blätter einfach die Namen jener deutschen oder deutschfreundlichen Geschäftsleute, welche zu boykottieren waren. Es hieß da ganz einfach: Welcher Slowene zu diesem oder jenem Kaufmanne geht, ist ein Verräter! Oder: dreh’ das Geld dreimal in der Hand um, bevor du zu diesem oder jenem Kaufmanne gehst — usw. Und müssen wir es unerwähnt lassen, daß die Behörden, die „berufenen Faktoren“, diesem Vorgehen ziemlich müßig zusahen? Der Boykottparagraph existierte ja. aber, — hm, hin, man ist doch „tolerant“ . . . Wohl aber wurde der „Štajerc“, (Nummer 9, 1903 J.,) als er sich entschieden gegen diese ungesetzliche Boykottbewegung aussprach, — beschlagnahmt . .. Im Pettauer Bezirke trugen zu dieser Zeit die Fahne der pervakischen Hetze der Rechtsanwalt Dr. Br. und der Pfarrer M. von St. B. i. d. Kollos. Im März 1903 sendete M. dem „Štajerc“ einen Brief so beschimpfenden Inhaltes, daß er zu 30 K Geldstrafe verurteilt werden mußte. Dieser Pfarrer war überhaupt ein Sonderling. Deutschfreundliche Eltern unehelicher Kinder „bestrafte“ er für ihre „Sünde“ aus eigener Machtvollkommenheit mit 10 Gulden Strafe. Im November 1903 wurde M. wegen Beleidigung eines Deutschfreundlichen zu 100 K Strafe verurteilt. Noch größeres Pech hatte der pervakische Rechtsanwalt Dr. B. Dieser typische Herr klagte im Juni 1900 den Schriftleiter der damaligen „Pettauer Zeitung“, weil derselbe behauptet hatte, B. denunziere. Der Schriftleiter wurde freigesprochen und dieser Führer des Pettauer Per-vakentums trug von nun an den Namen eines „gerichtsmäßig stigmatisierten Denunzianten.“ Charakteristisch war ja das Vorgehen dieses Dr. Br. im Prozesse Bratuša. Man höre, denn dies ist ein Kapitel aus der Leidensgeschichte deutscher Richter: Dieser windische Bauer hatte in einer psychologisch nicht,enträtselbaren Verkommenheit bei Gericht gestanden, er habe sein verschwundenes Kind ermordet, gebraten und gegessen. Ebenso sagte seine Frau aus. (!) Die deutschen Ärzte sagten aus, die gefundenen Knochen wären keine menschlichen. Unter dem Vorsitze eines slowenischen Präsidenten wurde der Verkommene zum Tode verurteilt, das Urteil aber nicht vollzogen. Später kam man darauf, daß das betreffende Kind noch lebe, daß also die Verurteilung infolge des seltsamen „Geständnisses“ ein Justizirrtum gewesen war. Aber dieser Fall wurde gerade von Dr. B. zu einer unerhörten politischen Hetze ausgebeutet. Ja, Dr. B. berief (und sprach) am 13. Oktober 1903 sogar eine Versammlung über die „Affaire Bratuša“ in Maria-Neustift ein. Der eigentliche Zweck war natürlich, diesen Fall gegen die deutsche Beamtenschaft auszuschroten. Ein Redner (Dr. K.), rief in dieser Zeit auf einer windischen Versammlung pathetisch aus: „Fort mit dem deutschen Unterrichte in slowenischen Schulen, fort mit den Deutschtümlern (nemčurji); aus jedem Kinde, welches die deutsche Schule besucht, wird ein Falot, Faulenzer, Lump!“ . . . Eine wahnwitzige Hetze! Sie blieb nicht ohne Folgen. Einige ergriff der terroristische Gedanke der Verhetzung und es begannen Überfälle auf einzelne Deutsche. So z. B. wurde im September 1903 ein deutschfreundlicher Lehrer von 12 Luttenberger „Sokolisten“ überfallen usw. Eine äußerst wichtige Phase in den nationalen Kämpfen der steirischen Unterlande bildeten die Wahlen in die Bezirksvertretung. Wir erwähnen da die Wahl der Bezirksvertretung in Oberradkersburg (1903). Die Vertretung dieses Bezirkes hatte der deutsche Besitzer Franz Wratschko geleitet, welcher seit dem Entstehen des „Štajerc“ in dessen Lager gewesen war. Und darum stürmte das Pervakentum gegen ihn mit einer Wut, wie sie eben in kulturell zurückgebliebenen Kreisen üblich ist. Aber trotzdem brachte der 10. und 11. September 1903 wiederum den vollkommenen Sieg der Deutschfreundlichen. Es war der letzte Sieg in dieser Bezirksvertretung; denn bei den letzten Wahlen (1907) fiel sie. Es erübrigt uns noch, die Kämpfe für die Cillier und Pettauer Bezirksvertretung zu kennzeichnen. Die ersteren standen im Zeichen der großen Veruntreuung des Kozem. Dieser Wende hatte durch 10 (!) Jahre rund 43.000 K gestohlen, ohne daß die windi-schen gewählten Machthaber nur einmal kontrolliert hätten. Kozem verbrauchte sein Geld eben im „Narodni dom“, die windische Vorschußkasse gab ihm „Kredit“, so viel er wollte. Ein echtes Beispiel gewissenloser windischer Wirtschaft! Im Mai 1904 fanden die Wahlen statt. Das Ringen war ein so heißes, daß z. B. bei der Wahl der Wahlkommission Stimmengleichheit (29) erzielt wurde. Es mußte das Los entscheiden und es entschied für die Wenden. Infolge dieser Entscheidung gewannen die Pervaken, wenn auch nicht mit besonders einwandfreien Mitteln die Bezirksvertretung, welche heute bekanntlich nicht mehr funktioniert, sondern von einem Regierungskommissär verwaltet wird. Hochbedeutend war die Wahl in die Pettauer Bezirksvertretung, welche im März 1904 stattfand. Diese Körperschaft war seit 19 Jahren in den Händen der Pervaken gewesen. Die Vernachlässigung der wirtschaftlichen Interessen im Bezirke war eine grenzenlose. Die ganze Vertretung stand eigentlich nur unter dem Einflüsse der Familie Brenčič. M. Brenčič war der Entscheidende und zugleich der Holzlieferant der Vertretung. Diese unhaltbaren Verhältnisse enthüllte z. B. der Prozeß betreffs des Schulhausbaues für die Pettauer Umgebung. Unter diesen Verhältnissen war eine wirtschaftliche Gesundung zur Unmöglichkeit geworden und die Unzufriedenheit wuchs. Im heißen Wahlkampfe siegten die Deutschen, welche den Bezirk noch heute in ihren Händen haben. Welcher Unterschied in den volkswirtschaftlichen Erfolgen! Die alte Bezirksvertretung hatte unter der Leitung unfähiger, von Familieninteressen beeinflußter Leute in 19 Jahren eigentlich nichts getan. Die deutsche Vertretung aber verwirklichte sofort eine wirtschaftliche Arbeit, welche dem Talente des Obmannes Ornig zuzuschreiben ist; diese Arbeit ist so kräftig wirkend, daß ein windischer Sieg hier nicht mehr zu erwarten ist. Dieser Wahlsieg war in wirtschaftlicher Hinsicht ein wahres Glück für die Bevölkerung des Pettauer Bezirkes. In völkischer Hinsicht aber darf er ruhig in die Reihe der bedeutendsten nationalen Erfolge des kämpfenden untersteirischen Deutschtumes gestellt werden. Die Wut des Gegners war natürlich eine grenzenlose.*) *) Man nannte die Deutschen z. B. in der „Domovina“ (das Wort ist in seiner Blödheit bezeichnend für die windische Kulturhöhe!): „jüdisch-protestantische Antichristen“ (März 1904). In ihrer Hetze verrannte sich die „Domovina“ auch öfters. So wurde sie zu selber Zeit vom Cillier Bürgermeister Dr. Jabornegg geklagt und mußte dehmütig Abbitte leisten . . In dieser Zeit versuchte man auch, dem so gefährlichen „Stajerc' ein Gegenunternehmen entgegenzusetzen. Es war dies das Blättchen „Slovenski Stajerc,“ welcher Gründung später eine ganze Reihe ähnlicher, ebenso ergebnisloser, aber durchwegs korrupter folgte. Unter den „Machern“ dieser Blätter zeichnete sich der damalige Stellvertreter des steirischen Landeshauptmannes aus! Am kennzeichnendsten für die Brutalität der Wenden aber sind vielleicht die Verfolgungen, die von der pervakischen Geistlichkeit dem deutschen' Grundbesitzer D. in K. (Bezirk Rohitsch) zuteil wurden. Der Mann ist ein idealer deutscher Agrarier. Dabei war er immer ein guter Katholik, ja sein Pfarrer lobte ihn sogar öffentlich von der Kanzel als solchen. Anders wurde die Sache, als D. von diesem Pfarrer ein Paar Ochsen kaufte, welche er ihm wegen „Gewährsmängel“ zurückstellen wollte. Es kam zum Prozesse und in zwei Instanzen wurde der Pfarrer verurteilt. Von diesem Zeitpunkte an datiert sein Haß, den er allüberall gegen den ,,nem£ur“'(Deutschtümler), der nicht kranke Ochsen für gesunde kaufen wollte, offenbarte. Und da geschah ein Akt des Hasses, wie ihn nur die bizarre Phantasie eines Verbrecherromanciers erfinden könnte. D’s Gattin war im 4. Monate in anderen Umständen. Ohne jede Ursache verbreitete nun der Pfarrer das Gerücht, sie habe schon geboren und sei zur — Kindesmörderin geworden. Ja, an einem Tage, wo D. nicht zuhause war, sendete der Pfarrer den Totengräber mit einem Spaten (P zu D’s Heim, um nach dem „umgebrachten, lebend geborenen Kinde“ zu suchen. Der besoffene Mann entledigte sich dieser seiner Aufgabe auch in der brüskesten Form. Er kam und verlangte im Tone eines Inquisitors zu wissen, wo das ermordete Kind begraben worden sei. Ein Blick auf die arme Frau, die schon mehrere Kinder geboren und erhalten hatte, hätte dem Trunkenbolde beweisen müssen, daß sie noch guter Hoffnung war. Aber er schrie und — grub nach dem „ermordeten Kinde“ . . Diese schamlose Infamie empörte nun freilich auch den D. und er ging klagen. Infolge des Schreckens hatte dann seine Gemahlin frühzeitig entbunden und das Kind war logischer Weise zeitlebens kränklich. D. klagte also den Pfarrer. Und nun kam der Mann und winselte und bettelte um Verzeihung, die ihm von den wirklich christlichen Leuten auch zuteil wurde. Unter Tränen versprach der Pfarrer, zeitlebens bei jeder Messe für die Familie D. zu beten. Und im „Stajerc“ veröffentlichte er eine de- und wehmütige Ehrenerklärung. Als ihm aber alles verziehen wurde, — warf er dem D. den Kirchenstuhl aus der Kirche. Der Priester, welcher solches Vorgehen unterschreibt, möge Sich melden! Das panslawistische Pervakentum schuf auch solche „Priester“! Und dieses Pervakentum schuf auch Priester, welche die Unwissenheit der Leute besteuerten. Wir erwähnen nur den Prozeß, welchen unser Dr. v. Plachki in Pettau in derselben Zeit wegen Rückgabe von Überzahlungen der Stolataxen für 17 Parteien gegen den Pfarrer M. von St. B. gewann. Erwähnenswert ist in dieser Zeit noch die Landtagswahl im Marburger Bezirke (glänzender Sieg des Deutschen A. Stiger.) Dieser Sieg ist schon darum hochbedeutend, weil da ein wirklicher, voller Deutscher zur Vertretung eines windischen Wahlkreises kam. In den Jahren 1905—1910 spielten sich die Ereignisse in den Unterlanden auf gleiche Art ab. Einige Bemerkungen erlaube man uns noch! Am 1. Mai 1905 fanden die Bezirksvertretungswahlen in Rohitsch statt. Nach erbittertem Kampfe siegten die Deutschen mit 13 gegen 11 pervakische Vertreter. Selbstredend arbeitete man immer noch mit der Ausnützung der Religion zu politischen Zwecken.*) Und diese niedrige, demoralisierende Vorgangsweise ging so weit, daß den Hetzgeistlichen nicht einmal das Totenbett mehr heilig war. Ein Beweis dafür: Im September 1905 wollte der Kaplan M. in St. Th. einem 76jährigen Veteranen nicht die Absolution geben, bevor derselbe verspreche, im Falle der Gesundung den „Stajerc“ nicht mehr zu lesen. Solche Fälle, die dem Begriffe der christlichen Nächstenliebe so sehr zuwiderlaufen, kamen und kommen noch sehr oft vor. Die Folgen einer solchen „Erziehungs“weise blieben natürlich auch nicht aus. Sie zeigten sich in besonders roher Form, als z. B. die deutschen freiwilligen Feuerwehrmänner des öfteren von fanatischen Bauernburschen für ihre Hilfeleistung mit — Steinen belohnt wurden, ihnen die Schläuche zerschnitten wurden usw. Während dieser Zeit wurde auch der damalige Führer der Pettauer Pervaken Dr. B. wegen Beleidigung unseres Dr. von Plachki zu 4 Wochen Arrest verurteilt. Im Verlaufe von 5 Jahren ward dieser Herr neunmal wegen Ehrenbeleidigung (die Wenden nennen es „castikraja,“ d. h. Diebstahl der Ehre!) verurteilt. Im J. 1905 wäre noch der Kampf um den'Kärntner Reichsratswahlkreis Klagenfurt-Völkermarkt-Bleiburg-Eisenkappel zu erwähnen. Die Pervaken kandidierten Grafenauer. Trotzdem siegte damals noch der wirtschaftlich so hoch talentierte Deutsche Fr. Seifritz mit rund 85 Stimmen . . .**) Das Jahr 1906 stand in erster Linie im Zeichen der aus dem windischen Volke selbst geborenen Bewegung um die deutsche Schule. Man hört in der windischen Presse niemals den Ausdruck „unterländischer Deutscher“, sondern immer nur „nemcur“***) (Deutschtümler) . . . Die Beschimpfung soll die Behauptung einer gewaltsamen Germanisation in den Unterlanden rechtfertigen. Man hat ja schon windische Zeitungsartikel gelesen, in welchem das Deutschtum derart gezeichnet wurde, als ob die russischen Machthaber in Finnland dagegen reine Engel wären, ln Wahrheit ist diese „gewaltsame Germanisation“ einfach eine unverschämte Lüge. Die Wahrheit kennt nur eine gewaltsame Einengung des deutschen Einflusses. Wenn aber das windische Volk****) instinktiv die Notwendigkeit fühlt, deutsch zu können, so ist dies nur ein Beweis seines Anpassungsvermögens. Wir sind daran nicht schuld! Aber wahr ist es, daß es in ganz Untersteiermark keine größere Gemeinde gibt, deren Bewohner nicht ihrer Mehrzahl nach mündlich und schriftlich um die Errichtung einer deutschen Schule gebeten hätten. Mit nassen Augen kamen die Leute in die Schriftleitung des „Stajerc“ und baten, man möge ihnen ein diesbezügliches Gesuch machen. Seitenlang *) Man frage in dieser Beziehung den gewiß nicht „glaubenslosen“ oder „unchristlichen“ Herausgeber des Wiener „Kikeriki“, der in der Nähe Marburgs einen Besitz hat und die pervakische Hetze kennen lernen mußte. **) Bei den letzten Reichsratswahlen siegte Grafenauer über Seifritz, woraus das Vorwärtsschreiten der Wenden in Kärnten ersichtlich ist. ***) Dieses Wort ist eigentlich eine schwache, nur annähernde Übersetzung; denn „nemiur“ ist eine blutige Beleidigung und dürfte sich in seiner Schärfe nur mit dem Ausdrucke „Janitschare“ decken ! . ****) Die natürliche Erziehung in der Lehre, auf der „Walze“, beim Militär, im Handel, im Geschäfte, ja selbst bei der Erlernung rationeller Landwirtschaft bringt es mit sich — könnten wir über diese unleugbaren Tatsachen sprechen. Die windische Presse weiß es sehr gut und sie hat darum nur die billige Taktik gewählt, alle diese deutschfreundlichen Bauern persönlich zu besudeln. Was in dieser Hinsicht geschah, würde wieder ein Buch ausfüllen. Der Kampf um die deutschen Schulen dauert immer fort . . . Weiter! Im J. 1906 wurde der windische Dr. Großmann (!) in Luttenberg wegen Beleidigung des deutschen Bürgermeisters Thurn zu 300 K Geldstrafe verurteilt. Auch mußte der damalige Schriftleiter der „Domovina“ V. Spindler erklären, sein Artikel gegen den Deutschen D. sei „böswillig ausgedacht und verdreht.“ Am 17. Jänner verfluchte der Pfarrer V. von D. von der Kanzel die Deutschen. Dieser V. wurde vom „Stajerc“ verschiedener Sünden beschuldigt, klagte das Blatt, zog aber die Klage bedingungslos zurück und zahlte 1500 K Kosten. Einen bösen Kampf führten die Deutschen in dieser Zeit auch gegen den durch die Deutschen wohlhabend gewordenen Trifailer Bürgermeister Ros. Diesem Manne wurden unglaubliche Dinge mit den besten Beweisen vorgeworfen.*) Der Mann hat bis heute seine Ehre nicht reingewaschen und blieb politischer Führer der Wenden. Der Pfarrer V. in P. verprügelte zu gleicher Zeit einen deutschfreundlichen Greis und zerriß ihm das Hemd; der „Stajerc“ kaufte dem alten Manne ein neues Hemd, stellte aber das zerrissene aus . . . Das bedeutendste Ereignis des Jahres 1906 aber war die Reichsratswahl aus der V. Kurie am 29. Mai. Die Deutschen kandidierten den Großgrundbesitzer Franz Wratschko gegen den klerikalen Führer Kaplan Dr. Korosec. Selbstredend war der ganze pervakische Heerbann aufgeboten. Und doch bekam der deutsche Wahlwerber über 7000 Stimmen. Wir müssen es uns leider versagen, auch nur die wichtigsten Ereignisse der letzten 3 Jahre zu erwähnen. Die Kämpfe spielten sich selbstredend in denselben Formen ab. Ein pervakischer Geistlicher schlug an seine Türe die bezeichnende Inschrift: „Hunden und Deutschen ist der Eintritt verboten.“ Zu der mit deutschem Gelde verwirklichten Viehausstellung der „Grazer Herbstmesse“ schickten die Wenden von St. Georgen a. d. S. B. einen Stier mit dem Namenstäfelchen „Nemec“ (= der Deutsche) usw. Gewaltig entwickelt sich jetzt auch die Hetze in Kärnten. Wir betonen da nur die Kämpfe um Unterloibl, Zell, Fürnitz usw. Deutschen Lehrern verkaufte man keine Speisen, deutsche Kinder wollte man nicht taufen, nichtpolitisierende Priester will man mit Gendarmerie aus der Kirche treiben, die Bahnhöfe der deutschen Städte sind Tummelplätze der wüstesten Agitation, jeden Sonntag stürmen Scharen krainischer Hetzer über die Karawanken usw. Wir müssen auf die Tagesblätter verweisen! Zusammenfassend erwähnen wir nur, daß in den 7 Jahren (bis Ende 1906) nur in Untersteiermark 12 windische Blätter fürdenKampf bis aufsMesser gegen die Deutschen gegründet wurden. Freilich sind 10 von diesen Kloakenblättern eingegangen, aber in den letzten Jahren entstanden wieder neue. Vor den Gerichtsschranken stand der „Stajerc“ zweimal (Berichtigungsklagen); diewindischen Gegner aber wurden in 20 Fällen wegen politischer Ehrenbeleidigungen insgesamt zu 10 Monaten 9 Tagen Arrest, 1800 K Geldstrafe und gewaltigen Kosten verurteilt, ln den letzten 3. Jahren aber hatte der Schriftleiter *) Siehe „Stajerc“ J. 1907-1908-1909. des „Stajerc“ schon über 20 Prozesse, in denen er durchwegs freigesprochen werden mußte. Ein grelles Bild unserer politischen Verhältnisse! Von den gegen die Deutschen gegründeten Boykott-Genossenschaften aber krachten in den erwähnten 7 Jahren 19 zusammen. Eine kolossale Geldvergeudung! . In letzter Zeit kam noch dazu der Krach der wind. Vorschußkasse in Schönstein (eine Folge des Konkurses Vosnjak mit Vs Million Kronen Passiven) usw. . . . So kämpft unser Unterland!*) Um jede Spanne Erde, um jeden Bissen Brot, um jedes Fünkchen Recht und Einfluß muß gekämpft und gerungen werden, ln alle Phasen des gesellschaftlichen, persönlichen und wirtschaftlichen Lebens ist der politische Haß eingedrungen . . . *) Über den gewaltigen Abwehrkampf der deutschen Städte und Märkte als solche sprechen wir im folgenden Abschnitte. ^olittecb-i^irtsehaftlicbc ^¡Idcr. Gewaltiger, wenn auch vielleicht verborgener als der Kampf auf dem flachen Lande ist das Ringen um die deutschen Städte und Märkte selbst. Wir werden versuchen, dieses beispiellose Ringen in einigen losen Bildern darzustellen. Wir fragen da: Gibt es eine Ursache, auf deren Grundlage man das Deutschtum der Unterlande dem Schicksale völkischer Vergewaltigung überlassen könnte? Hat es vielleicht keine wirtschaftliche Bedeutung und ist es mithin nur ein Bettler im fremden Gebiete? Wer das politische Vordringen des panslawischen Gegners beobachtet, ohne die tatsächlichen Verhältnisse zu kennen, der könnte vielleicht zu diesem Schlüsse kommen. Wir aber wissen, daß dieses unterländische Deutschtum nicht nur an und für sich wirtschaftlich gesund ist, sondern daß es auch den kräftigsten wirtschaftlichen Faktor in Untersteier, Kärnten und Krain, ja im gesamten österreichischen Süden darstellt. Die Wenden haben weder eine Großindustrie noch einen großen Handelsstand. Die gesamte Industrie in diesen Gebieten ist deutsch. Größere windische Geldinstitute halten wohl einige Firmen. Aber diese meist nicht lebensfähigen Firmen kann man kaum in ernstere Erwägung bringen. Andererseits" möge erwähnt werden die deutsche Trifailer Kohlenwerksgesellschaft, die in Hrastnig 800, in Trifail 4000, in Sagor 800 und in Gottschee eine ähnliche Anzahl von Bergarbeitern beschäftigt. Weiters die „Krainische Industriegesellschaft“, welche in Aßling-Hütte, Jauerburg, Servola bei Triest und Feistritz im Rosental 3.110 Arbeiter (Stand 1908) beschäftigt u. zw.-' Wenden Deutsche Zusammen Aßling.............................1700 100 1800 Jauerburg ...................... 400 10 410 Servola............................ * ? 700 Feistritz.......................... ? ? ____________200 zusammen . 3.110 Das Aktienkapital dieser Gesellschaft beträgt 14 Millionen Kronen. Eine „Germanisation“ ist aus der Statistik der Arbeiterschaft wohl nicht zu ersehen. Wir könnten da noch eine ganze Reihe von deutschen Mittelpunkten des wirtschaftlichen Lebens anführen. Ebenso ist es mit dem größeren Handelsstande, welcher durchwegs in deutschen Händen ruht, •da die Wenden es bis heute nur bis zu Krämern und zu den verbrecherischen, durchwegs verkrachten klerikalen Konsumvereinen gebracht haben. Man wird da vielleicht den Einwurf erheben: Ja, die in Betracht kommenden Unterlande haben durchwegs einen bäuerlichen Charakter, der Wende ist Agrarier. Aber auch hier kann das Deutschtum auf den Plan treten und sein bodenständiges Recht behaupten. Ich meine da nicht nur den „Großgrundbesitz“, denn von einem solchen kann in diesen Gegenden fast gar nicht gesprochen werden; einen wirklichem Großgrundbesitz mit Latifundienwirtschaft, mit landwirtschaftlichem Proletariate haben wir hier nicht. Aber das Deutschtum kann auch behaupten, daß es im bäuerlichen Besitze sein Heimatsrecht erworben hat. Außer kleineren Orten (wie z. B. das liebliche Besiedlungsnest der „Südmark“ St. Egydi W.-B.*) haben wir allüberall zerstreuten deutschen Besitz, der zusammengenommen eine bedeutende wirtschaftliche Macht darstellt. Die Bewohner der deutschen Städte und Märkte haben fast durchwegs außerhalb derselben Grundbesitz. Ganz besonders tritt dies in weinbautreibenden Gegenden zutage. Das große Weingebiet der Kollos z. B. nimmt der windische Politiker immer vollkommen für sich in Anspruch als unantastbares, reines „slowenisches Gebiet“. Tatsache aber ist es, daß von diesen Weinbergen wenigstens die Hälfte den Deutschen gehört. Die berühmte „Kollos“ ist also, wirtschaftlich genommen, zur Hälfte deutsches Land. In den anderen Gebieten wird es nicht viel anders séin. Diese gewiß bedeutenden Tatsachen werden von den windischen Politikern niemals in Rechnung gestellt, wenn es sich um die Festsetzung des „Besitzstandes“ handelt. Man geht da einfach von der Kopfzahl aus — und dann ist alles „rein windisches Gebiet“ . . . Die deutsche Minderheit (der Kopfzahl nach Minderheit, der Bodenausdehnung und Steuerkraft nach aber Mehrheit oder wenigstens maßgebender, gleichwerter Bruchteil!) wird da einfach verleugnet . . . Ganz anders aber ist die Polemik des windischen Gegners in den deutschen Städten und Märkten des Unterlandes. Es findet sich da eine in jeder Hinsicht, ganz besonders aber wirtschaftlich bedeutungslose slawische Minderheit, für welche ein Krieg bis aufs Messer geführt wird. Man spricht in einzelnen Vertretungskörpern, als wenn die unterländischen Städte und Märkte, diese herrlichen Trutzburgen deutscher Arbeit und deutschen Geistes, wirtschaftlich abhängig wären von den Wenden. Wie ist es aber tatsächlich? Für Unterkärnten können wir frohen Mutes behaupten, daß deutsches Geld die Grundlage aller größeren Orte darstellt. Wer könnte dies leugnen ? Industrie, Handel, Gewerbestand, Fremdenverkehr, alles hat deutsche Grundlage. Eine Untersuchung der diesbezüglichen Zahlenverhältnisse würde geradezu verblüffende Erfolge zeitigen. Ja au?h in Krain braucht sich das deutsche *) St. Egydi ist ein Beweis der gewaltigen Arbeit, die in der Erhaltung einzelner deutscher Gebiete steckt. Unsere unermüdliche „Südmark“ verwendete schon eine halbe Million Kronen für die Besiedlung dieses Ortes. Nur dadurch ist es möglich, daß das Deutschtum aus diesem höchst wichtigen Punkte der Sprachgrenze nicht ausgemerzt wurde, ja daß bei den letzten Gemeinderatswahlen ein deutscher Sieg zu verzeichnen war (1910, Jänner). Unermüdliche Arbeit und riesige Geldsummen brauchen wir, um unsere Scholle zu erhalten! Geld nicht zu schämen. Wenn wir das Verhältnis der deutschen Steuer-kraft zur windischen mit jenem der deutschen und windischen politischen Rechte in eine Reihe stellen, nun, dann wird das Bild zur krassen Fratze einer rücksichtslosen Vergewaltigung der bodensässigen, niedergedrückten Deutschen . . . Höchst interessant ist aber das wirtschaftliche Bild der südlichen Steiermark. Wir haben uns da die Mühe genommen, einige diesbezügliche Daten zu sammeln. Als krassestes Beispiel nehmen wir das liebliche Schönstein im Sanntale. Laut der letzten Volkszählung hatte Schönstein 1200 Einwohner u. zw. 1000 Wenden (!) und 200 Deutsche.*) Die Gemeinde zahlt nun jährlich rund 25000 K Staatssteuern, wovon die Deutschen 18000 K (!) und die Wenden 7000 K bezahlen. Nach dieser Statistik zahlt also jeder Schönsteiner Deutsche jährlich 90 K Staatssteuer, jeder Wende aber nur 7 K (Md). Dieses unglaubliche Mißverhältnis entsteht aber durch den gewaltigen windischen Volkszählungsschwindel. Die letzte Volkszählung wurde nämlich noch von der windischen Gemeindevertretung durchgeführt, welche einfach alle Bewohner (bis auf 200 der bekanntesten Deutschen) als „Slowenen“ eintrug. Die heuer (1910) stattfindende neuerliche Volkszählung wird den Tatsachen entsprechend ein Bild von 800 Deutschen und 400 Wenden zeigen. Nichtsdestoweniger wird aber auch- dann noch das Verhältnis der Steuerkraft bei den Deutschen 22‘/a, bei den Wenden aber nur 17l/a K jährlich darstellen. Dieses Schönstein ist ein Schulbeispiel für unsere Verhältnisse. Es dauerte nämlich drei Jahre, bevor die Gemeinde in deutsche Hände kam. Bei der ersten Wahl (1905) waren die Deutschen in allen drei Wahlkörpern in der Mehrheit. Als dies die windische Wahlkommission bemerkte, lehnte sie bei der Wahl einfach beinahe jeden dritten deutschen Wähler ab. Man protestierte gegen diesen Vorgang und die Bezirks-hauptmannschaft hob die Wahl auf. Während dieser Zeit aber hatten die Wenden 180 Wahlstimmen „gemacht.“ Sie kauften sich nämlich eine größere Wiesenparzelle und teilten sie auf 180 slow. Stimmen auf. Das damals auch windische Bezirksgericht machte die grundbücherliche Durchführung noch am 31. Dezember 1905. Am 2. Jänner 1906 bestimmte die windische Wahlkommission eigenmächtig und willkürlich die Steuern für diese 180 neuen Stimmen und am 3. Jänner standen schon die 180 neuen Wähler in der Wahlliste. Man protestierte gegen diesen unglaublichen. Schwindel, fuhr zum Statthalter, erklärte überall, daß dieser Vorgang ungesetzlich sei**) — aber es half alles nichts. Die „Stimmen“ wählten ... So ging bei dieser zweiten Wahl (Jänner 1906) der 3. Wahlkörper natürlich verloren. Die Deutschen befanden sich im zweiten Wahlkörper in großer Mehrheit. Die windische Wahlkommission lehnte nun einfach wieder die Hälfte der deutschen Wähler ab. Selbstredend protestierte man dagegen wieder und die Wahl wurde nicht anerkannt. So kam es zur dritten Wahl! Kaltlächelnd lehnten die windischen Wahlkommissäre wieder einen Großteil der deutschen Stimmen ab. Über diese grenzenlose Frechheit empört, fuhr nun eine deutsche Deputation zum Statthalter und verlangte die Auflösung dieser ungesetzlichen Gemeindevertretung. Endlich geschah es und es kam zur vierten Wahl, *) Diese Zahlen sind windisch gemeindeämtlich! **) Weil die Steuer für die 180 Stimmen noch gar nicht vorgeschrieben wart welche ein k. k. Regierungskommissär durchiührte und die mit einem Siege der Deutschen im I. und II. Wahlkörper endete. Welche Riesenarbeit und welchen völkischen Geldaufwand dieser jahrelange Kampf mit seiner selten dagewesenen Agitation kostete, das können nur wir Unterländler beurteilen. Jedermann aber wird es verstehen, daß es keine Kleinigkeit ist, die Leute viermal zur Wahl zu bringen. Die Schönsteiner Deutschen mit ihrem unermüdlichen Führer Hans Woschnagg sind ein leuchtendes Beispiel völkischer Treue! Jetzt ist Schönstein vollkommen deutsch. Bei den letzten Gemeindewahlen (Februar 1910) siegten die Deutschen in allen drei Wahlkörpern. In Pettau ist das Verhältnis zwischen deutscher und windischer Steuerleistung (nach der letzten Wählerliste) folgendes: Steuerzahlung Deutsche Windische I. Wahlkörper .... 26.777'06 1.782-15 II. „ .... . . . • 21.843'02 4.298-61 III. „ .... . . 22.138-85 3.249-14 zusammen . 70.758’93 9.329-90 Die Wenden in Pettau, welches sie immer „halbslawisch“ nennen, zahlen im I. Wahlkörper 6°/0, im II. 18%, im III. 14 70 der gesamten Steuern, also durchschnittlich etwas über 12J/0. Dabei muß aber noch bemerkt werden — und dies gilt auch für die anderen Städte und Märkte, — daß unter diesen 12% windischer Steuerleistung meistens nur Personaleinkommensteuern enthalten sind, also umlagenfreie Steuern, von denen die Gemeinde keinen Heller hat... Und doch ward Pettau in den letzten Jahren zu einem Mittelpunkte nationaler Leidenschaft. Gewaltige Opfer mußte dies Städtchen seinem Deutschtume bringen und wird es auch in Zukunft tun müssen!*) Das hart umdrohte St. Leonhard (Windische Büheln) zeigt folgendes Bild: Gesamteinwohner 602. Davon sind 59 deutsche Marktwähler mit einer Steuerleistung von K 3.16371 und 45 windische mit einer Steuerleistung von K 2.345'12. In diesem Orte ist also das Verhältnis kein besonders krasses. Auf jeden Wenden entfällt eine jährliche Steuerleistung von etwas „über 52 K, auf jeden Deutschen aber eine solche von über 537a K. Übrigens müssen wir hier erwähnen, daß die bisher allein herrschende utraquistische Schule hier sehr viel slawisiert hat. Kinder konnten nicht mehr mit ihren deutschen Eltern sprechen, da sie nur windisch brodelten. In einigen Jahren wäre dieser Markt vollkommen verslawisiert worden, wenn nicht der deutsche Schulverein mit einer bedeutenden Geldausgabe in zwölfter Stunde eine deutsche Schule verwirklicht hätte. So ist die Hoffnung vorhanden, daß der Markt uns nicht verloren geht.**) Was die letzte größere deutsche Stadt im steirischen Süden anbelangt, — ich meine Cilli — so hatte dieselbe bei der letzten Volkszählung (1900) eine Einwohnerzahl von 6.713. Davon waren 4.940 Deutsche und 1450 Wenden. Also bilden die Wenden einen Prozentsatz der *) Übrigens ist Pettau auch der Ausgangspunkt der Ereignisse des J. 1908, über welche wir noch später reden werden. **) Dank auch der wackeren Arbeit des Bürgermeisters Sedminek und des Dr. Zirngast! Bevölkerung von 21'6°/0. An Steuern zahlen sie aber nur 18°/0. Auch hier eine hinter der Kopfzahl zurückstehende Steuerzahlung! Es leisten die Wenden nicht einmal ein Fünftel der Steuern! Cilli gehört aber zu den heiß umstrittensten Städten. Wir erwähnen da nur die Reihe von Sokol-Einfällen, die stets mit blutigen Herausforderungen verbunden waren. Mit Revolverschüssen erwarben sich die „Sokolisten“ das „Recht der Straße.“ Und jedes Jahr folgen gewalttätige Ausschreitungen. Weiters soll der Kampf um das windische Gymnasium, der große parlamentarische Wogen aufwarf, nicht vergessen werden. Der slow.-klerikale Führer Dr. Šušteršič erklärte damals selbst, Cilli sei für die Wenden „fremdes Gebiet“ und doch will man aus dem deutschen Cilli ein „Celje“ der Wenden machen. Die völkischen Kämpfe dieser braven Stadt (Wahlen, wobei es zu Stichwahlen kam, Besitzankäufe u. s. w.) würden ein Buch füllen. Leider müssen wir uns mit dibsen Andeutungen begnügen. Von dem uns benachbarten Friedau bekamen wir auf unsere Anfrage die Antwort, daß nach der vorletzten Gemeindeausschußwahl die Deutschen der Stadt 9.903'42 K und die Wenden 3.690‘56 K Steuer zahlten. Also ein Verhältnis in der Steuerkraft von 73'34% gegen 26'16°/o (bei den Windischen). Und doch versuchen es die Wenden, die Gemeinde in ihre Hände zu bekommen, wobei sie nach dem Muster der Schönsteiner Wahlschwindler vorgehen. Bei der letzten Wahl (Ende 1909) siegten aber die Deutschen noch mit großer Mehrheit. Dennoch heißt es auch in Friedau immer wachen! Unser Windisch-Feistritz zählt (samt Militär) zusammen 1.350 Einwohner u. zw. 1276 Deutsche und 74 Wenden. Die Deutschen zahlen zusammen 14.294'20 K, die Wenden aber 2.496'32 K Steuer. Die windische Steuerkraft beträgt hier also rund 1/6 der ganzen. In unserem hart an der kroatischen Grenze gelegenen und doch fest gehaltenem Rann a. d. Save zählt die Bevölkerung zusammen 1.164 Einwohner, wovon 724 Deutsche. Von der Gesamtleistungan direkten Steuern von 15.074’94 K zahlen die Deutschen 9.27274 K. Selbst hier, wo auch ein nicht zu unterschätzender Bruchteil von Fremdländlern ist, sind die Zahlen für uns günstig. Ganz besonderes .Interesse dürfte auch die Statistik des Marktes Oberradkersburg erregen. Der Markt zählt 778 Einwohner u. zw. 404 Deutsche, 192 Wenden und 182 Personen anderer Nationalität. Die Deutschen zahlen nun aber an Steuer K 7.150 53, die Wenden dagegen 79874 K. Mithin bilden die Wenden in Oberradkersburg ein Viertel der Einwohner, zahlen aber kaum V» der Steuern. Und so ähnlich ist es in allen unterländischen Städten und Märkten! Überall werden alle Kräfte zur Verteidigung der Scholle verbraucht. Alle Kräfte — und der Arbeiter, Gewerbsmann, der Akademiker, alle halten mit, alle zahlen mit! Denn nur die geringste Oberflächlichkeit und Faulheit bringt jede unserer Städte und jeden Markt in Gefahr. Abgesehen von der bekannten öffentlichen Arbeit wird da noch eine stille, unerbittliche Tätigkeit entfaltet. Und gerade in dieser stillen Arbeit hilft keine Phrase, sondern nur — Geld. Wir meinen die Besitzankäufe. Wie viele einzelne Deutsche müssen oft ein Vermögen riskieren, um einen Besitz dem Deutschtume -zu erhalten. Denn die Wenden kaufen alles an und überzahlen alles. Und wenn es an Einzelnen fehlt, dann müssen die Gemeinden herhalten. So kommt es, daß unsere deutschen Gemeinden zu den größten Steuerzahlern gehören, weil sie den meisten Besitz aus völkischen Gründen kaufen müssen. Wie dankbar wäre die freilich mühselige Arbeit, diese von uns nur kurz angedeuteten Erscheinungen bis in ihre Einzelheiten zu untersuchen! Trotz des in dieser Arbeit liegenden völkischen Reizes — denn es ist etwas Herrliches, die immer in der tatkräftigen Wirtschaft fußende Gesundheit unseres Volkstumes darzustellen! — müssen wir uns dies mit Rücksicht auf Raum und Zeit versagen. Aber aus den Tatsachen schöpfen wir immer wieder das sonnenhelle Bewußtsein, daß wir Deutsche der österreichischen Unterlande nicht fremd, nicht Bettler und nicht Gäste sind ... Die Geschichte lehrt uns: Diese Scholle ist deutsches Eigen! Und die Gegenwart der Tatsachen sagt es mit eiserner Ruhe: In den Unterlanden ißt man deutsches Brot! . . . * * * Die Tagespresse hat sich mit den Ereignissen der letzten drei Jahre genugsam befaßt, in den Vertretungskörpern wurden sie reichlich erörtert und es hieße Eulen nach Athen tragen, wenn man darüber noch viele Worte verlieren würde. Die Einzelheiten geben der Sache ja nicht die Bedeutung. Aber auch der leiseste politische Instinkt wird gewiß einen Zusammenhang zwischen der Reise des Laibacher Bürgermeisters Ivan Hribar nach Petersburg, der Schreckensherrschaft in Laibach, der großserbischen Propaganda im Okkupationsgebiete und der Kriegsstimmung im Königreiche Serbien usw. usw. erkennen. Es sind all’ dies keine einfachen, von plötzlicher politischer Leidenschaft diktierten Kundgebungen, wie es die österreichische Regierung in einer überraschenden Kurzsichtigkeit aufzufassen scheint. Es ist dies im Gegenteile der erste Schlag, welchen sich der südliche Panslawismus zu führen erlaubte. Infolge dessen sind diese Ereignisse der Anfang ganz neuer historischer Kämpfe, deren Ziel eben in der Zerbröckelung des südöstereichischen Deutschtums und der Errichtung eines südslawischen gemeinsamen Staatengebietes zu suchen ist. Der erste panslawistische Putschversuch im österreichischen Süden! Freilich, ein kulturell entwickelteres Volk hätte sich bei den bestehenden Verhältnissen eine so anmaßende Kraftprobe nicht erlaubt. Aber wir haben es eben mit einem künstlich sozusagen aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen geschossenen Völkchen zu tun. Vielleicht darf man schon die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes zu den Ursachen der letzten Ereignisse zählen. Das allgemeine Wahlrecht fordert eben eine gewisse Stufe der politischen und auch überhaupt kulturellen Reife. Diese war bei den Wenden nicht gegeben. In die politisch schlafende Masse wurde urplötzlich die rücksichtsloseste Agitation und mit ihr die skrupelloseste Demagogie geworfen. Die politische Impotenz sollte nun plötzlich politische Entscheidungen treffen. Kein Wunder, daß dadurch nur die Leidenschaft der Phrase, der oft gegenstandslose Haß geweckt wurden, nicht aber das politische Urteil. Darum hat im Süden des Reiches seit der Einführung des allgemeinen Wahlrechtes nicht der Stimmzettel sondern die Straße gesprochen.*) Es *) Schon die Einführung der 5. Reichsratskurie hat diese windische Unreife bewiesen. Wir erinnern nur an die Versammlungsprügeleien des Jahres 1897. sei also wiederholt: Die Slowenen sind nicht reif für die Demo- kratie und darum mußten sie zum Terror greifen! Es war ja geradezu erschreckend, wie tief der Ton der Wendenpresse mit der Einführung des demokratischen Wahlrechtes fiel. Gewiß kämpfte diese windische Presse niemals mit elegantem Rapiere. Sie hatte ja nur ein paar begabtere Journalisten, die aber ihre Begabung nicht gerade charaktervoll anwendeten.*) Alles andere sind Z.ufallsschriftieiter, die nach „liberaler“ oder „klerikaler“ Orthographie schreiben können. Aber in einem solchen Pfuhle persönlicher Angriffsweise, in einem solchen Moraste giftiger Verleumdungen wälzt sich keine Presse der Welt mehr als die windische. Man begann „poljudnc pisati“ (volkstümlich schreiben). Von den Deutschen wird in all' diesen großen und kleinen Winkelblättern ausschließlich als von den „Verdeutschten“ (nemcurji) gesprochen. Man nennt sie fast durchwegs „Straßenräuber,“ „Janit-scharen“ (!) usw.**) Diese Art der Schreibweise stachelte die unzufriedene Masse zu Gewalttaten auf. Und bald kamen auch ganz klar ausgesprochene Drohungen. ln den letzten Monaten vor den 1908er Demonstrationen wiederholte sich in windischen Blättern und auch auf windischen Versammlungen der Ausdruck, man werde mit den Deutschen „tschechisch sprechen.“ Mit Rücksicht auf die ewig sich wiederholenden Prager Gewalttaten hatte dieser Ausdruck dieselbe Bedeutung wie das Wort „belgisch reden“ für den „roi des cartes.“ Es heißt ganz offen herausgesagt, man wolle politische Argumente durch die Brutalität der Straße ersetzen. Ebenso kennzeichnend sind die versuchten Störungen der deutschfreundlichen Versammlungen. Man hat ja den Versuch gemacht, jede dieser Versammlungen mit der Faust (und dem Messer) unmöglich zu machen. Diese Gewaltpolitik war umso gefährlicher, als z. B. in der Umgebung Pettaus ein sehr messerfrohes Völkchen lebt.***) Kein Wunder! Das Programm dieser windischen Parteien war einfach Gewaltpolitik, sowie das Programm der tschechischen Kloufac-Leute „Skandal“ heißt . . . Die neue klerikal-panslawistische Organisation „kmetska zveza“ (Bauernbund) hatte sogar als Motto den Kehrvers des revolutionären Liedes aus der Zeit der Bauernkriege im 16. Jahrhunderte ,,Le vkup vboga gmajna“ („Nur zusammen, arme Gemeinde“) freilich mit entsprechender „Nutzanwendung“ betreffs der Deutschen angenommen . . . *) Der Hauptschriitleiter des erzliberalen „Slov. Narod“ M. erklärte seinerzeit offen, er werde auch klerikal schreiben, wenn sein Konsortium dies wünsche. Der Journalist P. schrieb in liberale Blätter ellenlange Artikel, in klerikale ellenlange Entgegnungen und strich von beiden Seiten das Honorar ein . . . **) Die übrigens beschlagnahmte Nummer 39 (1908) des Cillier „Narodni list“ z. B. enthält folgende Schimpfwörter über die Deutschen: „Straßenbüberei“, „Straßenräuberei,“ „deutsche Räuber, ' „besoffene Bande,“ „Fakinage,“ „deutschnationale Diebe,“ „Führer der deutschen Taschendiebe.“ Diese Beschimpfungen wiederholen sich aber in dieser einen Blattfolge 150mal-, Und dabei sind sie nicht neu, sondern bilden schon jahrelange den Hauptinhalt der windischen Presse. ***) Am sog. Pettauer Drauielde leben noch sehr echte Nachkommen der Türken, wie einerseits die drastische Physiognomie, andererseits die freilich „slowenisch“ gemachten Namen „Mustafa,“ „Hassan-Ali,“ „Heiduck,“ „Sagadin“ usw. beweisen. Was nun die Ereignisse vom September 1908 an selbst anbelangt — sie sind trotz der Opfer erfreulich, weil sie die deutsche Öffentlichkeit auf unsere Verzweiflungskämpfe aufmerksam machten, — so kann es wohl nicht Aufgabe dieses Büchleins sein, die genauen Berichte nochmals aufzurollen. Wir wollen hier nur einige Feststellungen machen, welche jeden falschen Eindruck verwischen müssen. Zuerst Pettau! Dies kleine Draustädtchen ist vollkommen deutsch. Die winzige Bedeutung der Wenden in diesem Städtchen folgert schon aus der Tatsache, (die wir früher erwähnten) daß dieselben nur 127, der Gesamtsteuern aufbringen. Auch der Bezirk mit seinen 50.000 Seelen ist nicht deutschfeindlich, was schon aus der Tatsache hervorgeht, daß er eine deutsche Bezirksvertretung besitzt. Gerade in dieses Städtchen berief man die sonst immer in großen windischen Mittelpunkten abgehaltene Hauptversammlung des dem Deutschtume völkisch am gefährlichsten „Kyrill- und Methodius“-Vereines. Daß dies eine grobe chauvinistische Herausforderung war, wird jedermann begreifen, der diesen erbarmungslosen Kampf um jedes Stückchen Besitzstand in den Unterlanden kennt. Die windische Presse gab diese Herausforderung teilweise selbst zu. So schrieb z. B. der Laibacher „Rdeči Prapor“ ausdrücklich: Der Zweck der Veranstaltung dieser Versammlung in Pettau war eine politische Demonstration, von der jeder voraussehen mußte, . sie werde zu Gewalttaten treiben; aber die slow. Chauvinisten brauchten den „Märtyrerkranz“ dieser Gewalttaten für ihre agitatorischen Zwecke! Und das Hauptorgan der Slowenisch-Klerikalen „Slovenec“ (Laibach) erklärte des öfteren diese Einberufung als eine Dummheit. Dies sei ins-besonders darum angenagelt, weil man später die ganze Veranstaltung als eine Harmlosigkeit darzustellen bemüht war. Was geschah nun? Es kam zu echt kleinstädtischen Auftritten, wobei es einige Hiebe gab und eine (!) ganze Scheibe eingeschlagen wurde. Und es wäre nicht einmal dazu gekommen, wenn die Wenden nicht provoziert hätten. Ein pansla-wistischer „Priester“ beschimpfte z. B. die Deutschen mit dem Ausdrucke „Vieh“ und „deutsche Hure“ (!) usw. Wo übrigens die Hauptschuldigen waren, zeigen die für die Deutschen gewiß sehr „objektiv“ (bitte den Ausdruck „österreichisch“ zu nehmen) geführten Gerichtsverhandlungen, in denen man den Deutschen nur Übertretungen, den Wenden aber Vergehen und Verbrechen nachweisen konnte. Dies ist so ziemlich die ganze „Angelegenheit Pettau“. Die Vorfälle geschahen am 13. September 1908. Wäre nun am nächsten oder zweitnächstenTage in Laibach eine Demonstration vorgekommen, so könnte man an eine natürlicherweise aufgetretene Erbitterung glauben. Aber Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag geschah nichts. Erst am Freitag kam die „spontane“ windische Entrüstung zu Tage und es wurde nun freilich' so lange „tschechisch gesprochen“ bis zwei junge Menschenleben den Militärgewehren zum Opfer fielen . . . Gerade diese fünftägige brutale Verhetzung ist das Kennzeichnendste an all diesen Ereignissen. Es gibt ja Augenblicke stürmischer Aufwallungen der Volksseele, die sich in einer unbezähmbaren Zerstörungswut Luft machen wollen. Aber wenn nach 5 Tagen plötzlich der „spontane“ Zorn erwacht, so ist er einfach bezahlt und gemacht. Daß diese unsere Behauptung zutrifft, könnten wir mit einer unglaublich langen Sammlung von Hetzreden und Hetz- artikeln, welche jn der kritischen Zeit vom 13. bis zum 18. September 1908 die Laibacher Gewalttaten herauskünstelten, beweisen. Schade um den Raum! Jedenialls wußten in Laibach die Wenden wie die Deutschen schon vorher, daß es am Freitag nach dem Pettauer Sonntage zu Krawallen kommen werde. Der Laibacher Pöbel braucht 3—5 Tage zur „Aufpulverung,“ er hat ein zu „morastiges“ Temperament, um gleich zu rebellieren, er kann dies erst tun, wenn der „Slov. Narod“ ihm die Notwendigkeit dieser Rebellion eine Woche läng beweist . . . Und nun kam es in Laibach zu den bekannten Ereignissen. Man höre: Tagelang vernichtete man in wahrer Berserkerwut deutsches Eigentum: die Fensterscheiben des deutschen Kasinos, der deutschen Geschäfte und Privathäuser, ja der deutschen Schulen (!) wurden alle zerschlagen, die deutschen Schilder bei hellem Tage unter den Augen der.städtischen Polizei heruntergeholt und in den Fluß geworfen, das deutsche Militär angespien und mit Steinen beworfen (was von den slow. Richtern mit 14 Tagen Arrest „bestraft“ wurde) und so mußte zum Schlüsse das Militär die Waffe gebrauchen. Diese Laibacher Tage stehen den Prager Gewalttaten in keiner Hinsicht nach! So entstehen im „romantischen slawischen Süden“ die berühmten für die Verbreitung des Panslawismus gar so notwendigen „Entrüstungskundgebungen.“ Nach den in Laibach so blutig abgeschlossenen Geschehnissen war der panslawistische Wende natürlich zuerst „Märtyrer“ und dann wieder das ruhige loyale Lämmchen . . . Dabei müssen wir eines erwähnen — ohne alle Bemerkungen — was so recht deutlich die wütenden Deutschenhasser zeichnet: Zu den blutüberströmten Leichen der beiden verführten und erschossenen Jungen führten windische Eltern ihre kleinen Kinder, pflanzten in ihr Herz den wahnsinnigen Haß, indem sie ihrem eigenen Fleisch und Blute erzählten: „Diese zwei Märtyrer sind von den Deutschen erschossen worden“ . . . * * * * Es erübrigt uns nun, einige Folgen dieses panslawistischen Angriffes zu erörtern. Zuerst hat natürlich die nolitische Hetze auf allen Gebieten mit ihrer Tätigkeit begonnen, ln welchen Formen sich dieselbe abspielte, beweisen schon die sofort veranstalteten windischen Hetzversammlungen in Untersteiermak. Teilweise wurden dieselben — den bestehenden Verhältnissen entsprechend — behördlich untersagt. Teilweise wurden sie von windischen, aber deutschfreundlichen Bauern zerschlagen (!) — teilweise aber fanden sie trotz des behördlichen Verbotes statt (!)... Ja, es geschah, daß österreichische Bezirkshauptleute entgegen den Bestimmungen des Versammlungsgesetzes und entgegen ihrem eigenen Verbote (!) trotz ihrer eigenen Anwesenheit (!) solche Versammlungen duldeten . .. Die ganze politische Hetze warf man nun in die windische Umgebung der deutschen Städte und Märkte. Man versuchte es zuerst mit einem Einfälle in Pettau. Es wurden da verschiedene Hetzplakate mit unglaublich aufreizendem Inhalte gefunden. Daß dies kein Bubenstückchen war, beweisen die zahlreichen, fast systematisch vollzogenen Überfälle von Deutschen in Pettaus Umgebung. Wochenlang konnte man sich nur mit dem Revolver in der Hand in die nächste Umgebung trauen. Sehr böse war auch der geplante Überfall auf Rann an der Save; böse schon darum, weil Rann an der Grenze von Krain und Kroatien liegt und man die Bevölkerung dieser beiden Länder zu einem Einbrüche verleiten wollte. Wie ernst diese Absicht war, beweist der diesbezügliche schon mehrmals zitierte Aufruf. Derselbe hatte oben zwei Kreuze (wie sie auf Totenanzeigen gebräuchlich sind!) und einen Inhalt, der geradezu zu Mord und Raub an den Deutschen aufstachelte. Jedes zweite Wort war „Blut“ . .. Diese ganze Hetze hatte nun für die Panslawisten nicht den erwarteten Erfolg. Darum sammelten sie sich in dem Rufe des wirtschaftlichen Boykottes. Man wollte es auf den Versuch ankommen kssen, ob diese völkisch so zähen, politisch überzeugungstreuen und kulturell so hoch stehenden Deutschen des Unterlandes nicht vielleicht ausgehungert werden könnten. Dieser Boykott — gewiß die rücksichtsloseste Formel des politischen Krieges — machte sich insbesonders in Krain und in Untersteiermark fühlbar. In Krain begann er zuerst gegen die wohl ziemlich widerstandsfähigen deutschen Firmen aufzutreten. Er wurde trotz des humorvollen Boykottparagraphen des österr. Strafgesetzes öffentlich und namentlich erklärt, seine Verhängung in der windischen Tagespresse der breiten Öffentlichkeit.mitgeteilt und ein genauer Überwachungsdienst eingeleitet. Ja, sogar Namen slowenischer Käufer bei deutschen boykottierten Firmen wurden in den windischen Zeitungen abgedruckt und die Betreffenden dadurch dem öffentlichen Hasse preisgegeben. Die bedeutendste Phase des Boykottes gegen die Krainer Deutschen ist aber in dem Kriege gegen die „krainische Sparkasse“ in Laibach zu suchen. Dieses größte Geldinstitut in Krain ist einerseits ein Beweis deutschen wirtschaftlichen Fleißes und deutscher Tüchtigkeit, andererseits aber eine wahre Wohltat für die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied der Nation. Mit welcher Wut) mit welcher Verleumdungssucht sich die Wenden gerade auf dieses Institut warfen, ist wirklich unglaublich. Die Behörde war wieder „objektiv.“ Das auf ehrlichster Grundlage verwirklichte und auf sichersten Füßen stehende Unternehmen wurde dadurch freilich nicht erschüttert, aber ein gewissenloser Run wurde erzielt, demzufolge in 3 Monaten zusammen 20 Millionen Kronen aus der Sparkasse behoben wurden. Man zwang die Leute gegen ihr eigenes Wissen und Wollen, die Einlagen zu beheben und in die unsicheren, ohne behördliche Aufsicht vegetierenden windischen Winkelkassen zu legen. Wer es nicht tat, der war dem Hasse des Pöbels ausgeliefert.*) ln Untersteiermark war und ist die Hetze in den Boykott ganz anderer, oft viel tragischerer Natur. Denn hier kämpfte die panslawistische Wut nicht gegen mächtige deutsche Unternehmen, sondern gegen kleine, *) Heute haben die Leute freilich das Geld schon wieder zurückgebracht und in die sichere deutsche Anstalt gelegt. schwache Existenzen. Der Kampf ging hier gegen einzelne mitten unter der windischen Bevölkerung lebende deutsche (oder auch nur deutschfreundliche) Handelsleute und Gewerbetreibende. Diese mit wenigen Kronen rechnenden Leute wollte man aushungern, gegen sie richtet sich heute 'noch die fanatische windische Agitation. Und in der Wahl der Mittel waren die Leiter der magyarischen Tulpenbewegung oder des großpolnischen Boykottes wahre Waisenknaben gegenüber den Wenden. Dutzendweise könnten wir Fälle anführen, wo von der Kanzel herab oder in den Beichtstühlen der Boykott geradezu als „heiliger Krieg“ verkündet wurde. Die Rüchsichtslosigkeit der windischen Presse und der Gossenliteratur, welche in gemeinen Flugblättern verbreitet wurde, wollen wir gar nicht mehr erwähnen. Boykotthetzer kamen sogar in die deutchen Geschäfte in Pettau und versuchten, windische Kunden mit dem Stocke in der Hand zu vertreiben . . . Obwohl sich kein einziger Pettauer Kaufmann persönlich an den Kundgebungen beteiligt hatte, behauptete man mündlich und in gemeinen Flugblättern von jedem dieser schwer kämpfenden Kaufleute, sie hätten „slowenische Bauern mit Prü-< geln empfangen“ und sie „seien Protestanten geworden“ . . . Man log das Blaue vom Himmel herunter und erzählte Schauermärchen von „angespuckten und zerschlagenen Pilgerkreuzen“ usw. — nur um dem Boykotte Brennstoff zu liefern. Wer die Erbärmlichkeit dieser Kampfesweise verstehen will, der bedenke insbesonders, daß sehr viele deutsche und auch nur deutschfreundliche Kaufleute und Gewerbetreibende mitten in der windischen Bevölkerung vereinzelt leben und mit ihrem Leibe den ganzen Anprall des gegnerischen Fanatismus aushalten müssen. Man bedenke andererseits, daß die Städte und Märkte des Unterlandes wirtschaftlich kleine isolierte Posten darstellen. Es ging in diesem Kampfe also um die wirtschaftliche Existenz Hunderter von deutschen Gewerbsleuten, die im großen Maße berufen sind, die Arbeiten des unterländischen Deutschtums vom völkischen Standpunkte aus zu leisten, besonders aber die Spuren des deutschen Charakters dieser Lande nicht verwischen zu lassen. Dieser Kampf kann mit der Behauptung des deutschen Einflusses enden oder er muß zu dem in Krain erlebten Ziele führen. Wenn die windische Boykotthetze derzeit zurückgedrängt wurde, so haben wir dies zwei Momenten zu verdanken: erstens der Tatsache, daß man im wichtigem Augenblicke den Spieß umzudrehen verstand und einige deutsche Gemeindevertretungen (Graz und Leoben) gleichfalls den Boykott gegen den boykottierenden windischen Gegner erklärten. Diese Entschließungen der erwähnten Gemeindevertretungen hatten einen gewaltigen moralischen Wert und veränderten mit einem’ Schlage die ganze Sachlage. Andererseits liegen die Schwierigkeiten, welche sich den Wenden in ihrer Boykotthetze bieten, in der Natur und in den wirtschaftlichen Verhältnissen der betreffenden windischen Bevölkerungsschichten selbst. Der heute im Mannesalter stehenden windischen Generation kann niemand den Deutschenhaß aus politischen Gründen einpeitschen. Diese Generation hat schon mit der Muttermilch eine gewaltige Achtung und eine tiefe Dankbarkeit für das deutsche Nachbarvolk eingesogen. Unsere Überzeugung ist es auch, daß der Endkampf des ringenden Unterlands-Deutschtums erst durch die kommende Generation ausgefochten werden wird. Die jetzt lebenden erwachsenen Wenden fühlen, daß ihnen das „Neu- slowenische“ fremder als die deutsche Sprache ist, sie erinnern sich aller jener Widerwärtigkeiten, die jenen begegneten, welche das Deutsche nicht konnten, sie spüren in ihren Adern noch das alte steirische oder kärntnerische Blut. An diesen nicht wegzuleugnenden Tatsachen ist der letzte Sturmangriff des windischan Boykottes gescheitert! Gescheitert — für den Augenblick. Ob auch für die Zukunft? Wir können die Erzählungen von den tschechischen Geldunterstützungen und dem russischen Rubel leider nicht mehr als Ammenmärchen belächeln. Nein, wir müssen daran glauben. Denn wir sehen eine wirtschaftliche Politik, einen wirtschaftlichen Kraftverbrauch und eine wirtschaftliche Organisation des Wendentums, welche wohl Wahnsinn oder Verbrechen wären, beständen sie aus eigener Kraft und ohne fremde Mithilfe. Es ist nicht möglich, daß z. B. für kleine (bis 1000 Einwohner zählende) Krähwinkel 2 bis 4 windische Geldunternehmen bestehen könnten. Es ist nicht möglich, daß ein so kleines Völkchen so viele Geldinstitute erhalten und benötigen könnte. Es ist nicht möglich, daß windische Vorschußkassen „rentabel“ sein könnten, wenn sie z. B. einen Reservefond von 10.000 K haben, eine Realität um 40.000 K (3mal zu teuer) ankaufen, welche sich absolut nicht verzinst oder wenn sie windische Realitäten um das Doppelte ihres Schätzwertes belehnen. Es ist nicht möglich — und dieser ganze Wahnsinn oder dieses ganze Verbrechen läßt nur die eine Schlußfolgerung zu: hier arbeitet fremdes Geld. Welchen reifen Politiker müßte da nicht der Gedanke kommen, daß dies „fremde Geld“ einzig zu panslawistischen Zwecken verausgabt wird . . . Die Zukunft des unterländischen Deutschtums ist ein Kampf ums Stückchen Brot. Alle Phasen dieses Kampfes lehren uns, daß er von Seite des slawischen Gegners mit fremden Mitteln durchge-fochten wird. Der Panslawismus arbeitet systematisch. Er wirft alle seine Kräfte, seine unzersplitterten Kräfte, auf eine Gegend, um sie unerbittlich zu umschlingen und zu erdrosseln . . . Möge aber auch das idealisierte „Alldeutschland“ schon heute praktische Werte schaffen! Möge die große deutsche Familie nicht des schwachen, bedrängten Bruders im Unterlande vergessen . . . 15ie Gefal^rer) dcç südlicher) ^arjçlawJiçrotiç. Wir haben wenig Talent und wenig Ursache, im „österreichischen Patriotismus“ zu schwelgen und sind seit jeher keine schwarz-gelben Fanatiker. Ebenso haben wir uns in den schärfsten nationalen Kämpfen das Empfinden bewahrt, daß jedem Volke das Recht nationaler Betätigung gewahrt bleiben muß. Indem wir dies vorausschicken, möchten wir aber doch eine sozusagen geschichtliche Tatsache festnageln. Und diese ist: die nationale Betätigung der Slowenen hatte immer eine antiösterreichische Richtung. Immer — und so ist es heute noch trotz allen Verschleierungsversuchen der windischen Führer. Unsere Leser haben diese Tendenz gewiß aus den früheren Abschnitten dieser Schrift geschält. Das erste nationale Programm der Slowenen war schon eine Kriegserklärung der kaum geborenen Verfassung. Und dieser rote Faden geht durch die ganze nationale Geschichte dieses Volkes. Von den Programmen des Jahres 1848 bis zur großen illyrischen Bewegung und von da bis zu den modernen panslawischen Bestrebungen kann man , diese Tatsache verfolgen. Und es ist nicht nur die utopistische Träumerei einzelner Wirrköpfe! Denn es liegt schon ein gewisses System in der auffallenden Erscheinung, daß in Zeiten der großen österreichischen Gefahr der südliche Panslawismus am heftigsten emporflammt. Man kann da von keinem Zufalle reden ! Die junge Rebellion in den Köpfen der Tschechen vor einem halben Jahrhunderte, die den Ausgangspunkt für die wirklich fast „unsterbliche“ böhmische Frage bildet, war auch das Vorbild der ersten nationalen Slowenen. Man ist in jeder Hinsicht stark bei den Tschechen in die Schule gegangen. Und jeder Sturmlauf des jungen Tschechentums- hatte sein Echo in den windischen Gegenden. Als dann der deutsche Liberalismus in Österreich ans Ruder kam, der keinen Funken völkischen Verständnisses hatte, der mit der damai? so modernen Losung „Freiheit“ nur den Erwecker zu künstlicher Existenz aufgepäppelter slawischer Nationen darstellte, — da kam die „illyrische Idee,“ der schon einmal der größte Habsburgerfeind Napoleon I. mit eiserner Faust Ausdruck verliehen hatte.*) Diese „illyrische *) Das Ammenmärchen des „Patriotismus“ der Slowenen hat eigentlich schon die Napoleon'sche Zeit zerstreut. Die „grande armée“ war kaum in Laibach einmarschiert, als die „patriotischen“ Bürger schon von den Fenstern ihr „Vive la republique“ riefen. Der letzte österr. Soldat nahm auch den letzten Rest des österr. Patriotismus mit sich ! Bewegung“ schlief ein, — beileibe nicht wegen der „vernünftigen“ Politik der Staatsregierung, sondern nur an dem Analphabetismus des windischen Volkes scheiternd. Aber kaum kam die für unsere Monarchie ernste Zeit der Okkupation .Bosnien-Herzegowina, als die illyrische Idee schon wieder von neuem aufflackerte. Man sprach damals von einer großen Vereinigung aller Südlawen in unserem Staate, welche man mit den gemeinsamen Namen „Slovinac1^ bezeichnen und deren Schriftsprache das Kroatisch-Serbische sein sollte. Wir überspringen alle kleineren Geschehnisse, die unsere Behauptung beweisen können. Denn für die breite Öffentlichkeit schlief dieser illyrische Panslawismus mit der europäischen Lösung des Jahres 1878 wieder ein. jede Erscheinung aber (wie z. B. die dalmatinischen Aufstände im j. 1882/3) zeigte, daß der Gedanke unter einer regierungsfrommen Schlacke weiter glimmt. Als dann die serbische Kriegsgefahr des Jahres 1909 alle Gemüter in fiebernde Aufregung peitschte, da trat dieser allslawische Gedanke wieder ans Tageslicht, — zuerst schüchtern als „wohlmeinende Erwägung“ der politischen Lage, dann aber brutal und rücksichtslos, wie ihn „Austriacus“ in seiner fleißigen Schrift „Von Laibach nach Belgrad“*) an der Hand von nicht wegzuleugnenden Ziffern bewiesen hat. Mitten in der Kriegsgefahr warf man am Jubiläumstage des greisen Monarchen Franz Josef I. in Laibach dessen Bild aus der Auslage, und gab an seine Stelle das Bild des heute schon verabschiedeten serbischen Thronfolgers Georg ... Und als der deutsche Faustschlag aus dem Reiche mitten auf das Schachbrett des serbisch-österreichischen Konfliktes fiel, — als alles, was sich noch einen Rest von „Österreichertum“ bewahrt hat, dem diesen schmählichen Krieg verhindernden Deutschen Reiche seinen ehrlichen Dank abstattete, — da weinte die slowenische Presse und klagte : Österreich ist wieder fester mit Deutschland verbunden ... 0, man wollte in den slowenischen Führerkreisen einen serbischen Krieg, weil man sich einfach der törichten Hoffnung hingab, dieser Krieg werde „die Südslawen erlösen“ und werde das mitteleuropäische Deutschtum isolieren.**) Die slow. Führer wünschten diesen Krieg und unsere volle Überzeugung ist es, daß derselbe viele slawische Deserteure, Meuterer, Überläufer und Splone'gebracht hätte . . . Daß die Bedeutung der slowenischen Politik gerade heute unerwartet groß ist, braucht niemandem erzählt zu werden, der nur halbwegs die politische Entwicklung der letzten Monate beobachtete. Der Landeshauptmann von Krain, Franz Suklje, sagte erst dieser Tage:***) „Meiner Meinung nach steht heute das slowenische Volk vor seiner Wiedergeburt. Wenigstens Gelegenheit dazu ist ihm gegeben. Die Weltwoge der großen äußeren Politik hob mit der Annexion von Bosnien und ihrem Einflüsse auf das *) „Von Laibach nach Belgrad“ von Austriacus. Cilli 1909. Verlag Buchhandlung „Celeja“. **) Wir — möge unserer unmaßgeblichen Meinung dies Wort erlaubt sein! — wir glauben zwar, dieser Krieg hätte das hochverräterische Südslawentum auf einen Schlag vielleicht um Jahrhunderte zurück geworfen. Ja, er hätte den südlichen Panslawismus vielleicht vernichtet. Und der Krieg ist nicht verhindert, sondern nur verschoben, der Aufschub aber bedeutet Jahre der Stärkung des Südslawentums . . . ***) „Slovenec“ Nr. 5, 1910. gegenseitige Verhältnis der Großmächte, unser bisher uubekanntes und vergessenes slowenisches Volk im Augenblicke zu einer hochbedeutenden Position. Wir stehen an der Schwelle einer politischen Renaissance“ ... Nun, diese „Renaissance“ hat sich bisher zwar nur in den wüstesten deutschfeindlichen Exzessen gezeigt. Aber die eine Tatsache bleibt, daß äußere und innere östereichische Politik die Slowenen in den Vordergrund des öffentlichen Interesses zerrte. Die Annexion von Bosnien und der Herzegowina hat dem windischen Chauvinismus einen mächtigen Hinterhalt geschaffen, hat aber andererseits auch die bisher nicht pan-slawistischen Kreise der Slawen in diese Bewegung hineingezögen. Die S. L. S. (Slow. Volkspartei = klerikal) hatte bisher im biederen Patriotismus nach Lueger-Manier gearbeitet. Nun warf sie dies Mäntelchen ab und erklärte z. B. im steirischeu Landtage klipp und klar, sie wolle das Kronland zerreißen und ein modernes „lllyrien“ schaffen. Und möge man •es glauben: der panslawistische Liberalismus war bedeutend weniger gefährlich als das klerikale Allslawentum! Der windische Liberalismus liegt in Agonie und aus seinem Kadaver kriechen wie Würmer neue, kleine, immer radikalere Gruppen und Parteien. Aber selbst in seinen besten Tagen hatte dieser Liberalismus nie die breiten Volksmassen in seinem Lager. Darum hatte der Panslawismus dieser Liberalen immer nur die Bedeutung politischer Geheimbündelei, ähnlich wie jene der „unerlösten Irredenta.“ Durch die1 sieghafte, in ihrer Kraftentfaltung gewiß bewundernswerte Herrschaft des slowenischen Klerikalismus einerseits, als auch durch die schon früher erwähnte äußere Politik, die uns so und so viele Millionen neuer Südslawen an den Hals hängte, die uns zwingt, diesen Millionen Südslawen mit unserem Steuergelde eine künstliche Kultur zu schaffen, ihnen die Waffen in die Hand zu drücken für den Krieg gegen das deutsche Österreich und gegen das österreichische Deutschtum, — durch diese Tatsachen also wurde dem südlichen Panslawismus die demokratisch breite Grundlage geschaffen. Und wir haben es nicht mehr mit einzelnen hochverräterischen Phantasten zu tun, sondern mit einem Volke, das im ernsten Verlangen nach Lostrennung von Österreich erzittert ... Ein Wiedererwachen der kühnsten illyrischen Träume auf breitester Grundlage, — das ist die „Renaissance“, von der Hofrat Suklje gesprochen hat! Waren seinerzeit nur die fanatischen „Jungslowenen“ Stürmer und Dränger dieser Bewegung, so gibt es heute keine Partei unter den Wenden, welche nicht als einziges großes Ziel den Panslawismus auf den Schild gehoben hätte. Neben dem Krainer Standpunkte steht der Rybar’sche Panslawismus in Triest, welcher in Istrien schon durch die dortigen Verhältnisse (insbesonders durch das Ineinanderfließen der Slowenen und Kroaten, das ein Mischvolk gezeitigt hat) begünstigt wird.*) Diesem Lande schließt sich wieder die Gegend des Supilo’schen Gebietes an; die „Fiumaner Resolution“ kann auch nur als Schritt im südlichen Allslawentum aufgefaßt werden. Das „Jedinstvo“ in Spalato spinnt den Gedanken fort und leitet ihn bis ins südlichste Dalmatien und bis an die Grenzen Montenegros, wo wahrlich von einem „österreichischen Geiste“ noch sehr wenig zu *1 Übrigens zeigt uns hier der Krieg um die slawische Liturgie die Tatsache, daß der Panslawismus auch auf dem kirchlichen Gebiete vorwärtsschreiten will (St. Giuseppe-Ricmanje). spüren war . . . Allüberall also wo der Einfluß des unterländischen Deutschtums eingedämmt oder verschwunden ist, schreitet mit erschreckender Heftigkeit der Panslawismus seinen geschichtlichen Weg vorwärts! Er hat sein Geheimnis selbst gelüftet und posaunt es mit schmetternder Stimme in die weite Welt, als wüßte er, daß ihn das, offizielle Österreich nicht mehr besiegen könnte . . . Die neuesten Ereignisse im österreichischen Abgeordnetenhause haben dem seit der Annexion Bosniens prasselnden panslawischen Feuer neue Nahrung gegeben. Man möge die Sachlage vom Standpunkte des politischen Fachmannes beurteilen wie immer man wolle. Tatsache aber ist es, daß unser Reichsrat zum erstenmale eine in ihrem Wesen slowenische Obstruktion erlebt hat. Den ersten Reichsrat versuchten die „Illyrier“ zu boykottieren, mit wenig Erfolg, denn die windischen Abgeordneten gingen doch in Hohenwarts Lager über. Sonst waren die Wenden in der ganzen parlamentarischen Geschichte Österreichs eine „mitlaufende Partei“ ohne eigene Initiative. Und jetzt auf einmal — mit Dr. Šušteršič — konnte diese „mitlaufende Partei“ aus rein slawischen Gründen die Arbeit des Reichsrates hemmen, die brutalste Obstruktion dieses Parlamentes verwirklichen und mit dem Versuche einer Knebelung der deutschen Vertretung in der Pose des Siegers vom Schauplatze abtreten. In dieser Erscheinung schon — ohne die Frage der Geschäftsordnungsreform nur zu berühren — liegt ein unerwarteter, tief eingreifender Erfolg für die Wenden. Die windische Presse war und ist sich dieses Erfolges schon bewußt. Hat doch im steirischen Landtage der politische Kaplan Dr. Korošec schon auf diesen Erfolg gepocht und es unumwunden heraus gesagt: Die Zeiten der Vorherr- schaft des Deutschtums- in Österreich sind nun vorüber und was gestern im Reichsrate geschah, wollen wir morgen auch schon im steirischen Landtage erleben . . . Und der „Slovenec,“ das Organ des Dr. Šušteršič, schrieb in hellem Freudentaumel, daß nun eine neue Epoche für die Wenden gekommen sei, daß in Österreich die Umbildung in einen Slawenstaat begonnen habe. Ja, man schrie es ganz offen heraus: Österreich wird ein Slawenstaat sein oder es wird überhaupt nicht mehr sein! . . . Die Wenden sind also für den österreichischen Staatsgedanken, solange derselbe ihren Zwecken gefügig ist. Aber sie gehen über diesen Staatsgedanken zur Tagesordnung, wenn er den Sturmlauf des Panslawismus aufzuhalten versucht! Die Stärkung, welche das Slawentum aus den letzten Ereignissen im Reichsrate sog, blähte die windische Delegation im steirischen Landtage ungeheuer auf. ln der letzten Session führte man zuerst die windischen Reden ein. Dann begann man trotz aller wirtschaftlichen Zugeständnisse die Zweiteilung Steiermarks, die Zerreißung dieses Kronlandes zu fordern. Und der Priester (!) Dr. Korošec rief den Deutschen zu: Bisher haben Sie nur um Ihre Privilegien gefürchtet, nun aber werden Sie auch um ihren Privatbesitz (!) zittern . . . Bald darauf brach urplötzlich, ohne jeden sichtbaren Grund*) die gewissen- *) Nachdem der windische Abg. Dr. Benkovič aus Prag ein Telegramm erhalten hat . . . loseste windische Obstruktion aus, die den Landtag auch glücklich in' die Vertagung riß . . . Und jetzt macht man in hunderten von Versammlungen für den Ruf „Los von Graz“ Propaganda, jetzt hetzt man die unwissende Bauernschaft in die Forderung nach der „Selbstverwaltung Üniersteiers“ und jetzt tönt wie ein Sturmgesang der Ruf nach dem TriaHsmus ... Trialismus ... Es ist traurig, daß dieser Gedanke auch schon in gewissen deutschen Kreisen viele Anhänger gewonnen hat. Wir haben schon bei deutschen Verlagsfirmen erschienene trialistische Landkarten gesehen, in denen einfach mit einem Grenzstriche deutscher Besitzstand einem gefährlichen slawischen Phantome geopfert wird. Und wir begegnen in den windischen Kreisen der heute schon „selbstverständlichen“ Meinung, die Verwirklichung dieses Trialismus sei eine Frage der kürzesten Zeit. Allgemein sagt man, der eifrigste Förderer des Trialismus sei die deutsche christlichsoziale Partei. Wir wissen natürlich nicht, ob und wie weit ein gewisser „Pakt“ zwischen Christlichsozialen und Südslawen geschlossen worden ist. Aber das eine wissen wir: Wenn die Christlichsozialen den Trialismus verwirklichen — denn nur mit ihrer Hilfe kann dies geschehen! — so verüben sie den scheußlichsten Verrat an der deutschen Sache! Der Trialismus müßte das unterländische Deutschtum in seinen letzten Spuren ersticken. Es handelt sich hier um einen historisch und wirtschaftlich begründeten Besitzstand, dem der Trialismus alle völkischen Lebensadern unterbinden würde. Der Trialismus wäre aber auch eine gewaltige Stärkung der orthodoxen Religionsrichtung und infolge dessen eine tiefe Schädigung des Katholizismus. Man glaube nicht der Maske des „Klerikalismus,“ welche die windischen Panslawisten aufgesetzt haben. Wenn ihr politisch-chauvinistisches Ziel es verlangt, beginnen diese „Klerikalen“ auch den Krieg gegen den Katholizismus*) . . . Und was die Hauptsache ist: nur seichte Beobachter können glauben, der Trialismus wäre Selbstzweck und Endziel. Nein, im - Gegenteile: der Trialismus schüfe erst die Grundlage für die schrittweise Verwirklichung panslawischer Endziele. Die Vereinigung der österreichischen Südslawen muß den Gedanken der Vereinigung aller Südslawen gebären, wenn er nicht schon geboren worden wäre. Und so führen all’ diese Wege mit eiserner Konsequenz — zum unabhängigen, selbständigen Südslawenstaate. Die kulturellen, geographischen und nationalen Verhältnisse begünstigen dieses Ziel.**) Wer also für den Trialismus ist, der arbeitet nolens volens an der Verwirklichung des selbständigen Staates der Südslawen. Wie sich das „Großösterreichertum“ der deutschen Christlichsozialen mit dieser Tatsache deckt, das begreifen wir einfach nicht. Größer und dringender sind die Gefahren des südlichen Panslawismus als man dies heute noch in der großen Öffentlichkeit annimmt. Der Kramar’sche „Neoslawismus“ zerschellt immer wieder an dem russisch-polnischen Rassenhasse. Aber der südliche Panslawismus entwickelt sich ohne jede Hindernisse zu einer gewaltigen *) Boykottierten sie doch aus purem Deutschenhaße „Katholikentage“ und kämpften sie doch für die slawische Liturgie gegen die römische Kurie! **) Die Sprache der Serben und Kroaten zeigt z. B. ganz kleine, eigentlich nur in der Schrift bestehende Unterschiede. Pestbeule, die jeden Augenblick zu bersten und mit ihrem giftigen Eiter den Staatskörper anzustecken droht . . . Wir sagen es frei heraus: Der Panslawismus im Süden ist die größte Gefahr, die Österreich droht . . . Aber wir wenden uns mit diesem Worte nicht an die „Offiziellen“, denen ja Gott mit ihrem Amte auch den Verstand gegeben hat. Der Staat soll sich selbst wehren! Wir haben nur das Ziel vor Augen: unser Deutschtum der Unterlande im Angesichte dieser Gefahr zu stärken und zu einigen! Clrjsere uJc^r. „Der stärkste Mann ist, der allein steht.“ Björnstjerne Björnson. Und nun zum Schlüße! Mit heimlichem Grauen sieht der genaue Beobachter all’ der in diesem Büchlein kurz beschriebenen Verhältnisse das Deutschtum der Unterlande, ringend im Chaos großer Leidenschaften, einem noch unbekannten, starken Gegner gegenübergestellt, allein . . . wird es sich erhalten können? Wird das unterländische Deutschtum siegen? Oder wird seine grüne Scholle in fremden Besitz übergehen, wird es zum Fremdling im eigenen Lande werden ? . . . Uns Unterländlern kommt es vor, als wäre dieser Krieg für uns ein Stahlbad. Die herrliche Waffe, die schon in der völkischen Überzeugung an und für sich liegt, der Lichtgedanke nationalen Bewußtseins ist vielleicht nirgends so kräftig entwickelt als in diesen kampfdurchwühlten Gegenden. Wir sind immer da — und möge einzelne Gruppen noch so vieles scheiden, die völkische Notwendigkeit eint uns immer wieder. Keine Einigkeit der schönen Phrase ist dies, sondern die Einigkeit des Selbsterhaltungstriebes, des eisernen Muß! Wir sind immer da — und unsere Wahlen*), unsere wirtschaftlichen Arbeiten**), unsere gesamten völkischen Kämpfe beweisen es. Darum können wir aber auch ruhig sagen: Wenn die Unterlande fallen, die Deutschen der Unterlande sind daran nicht schuld! Das Grabmal der Deutschen im Unterlande — wir erinnern uns an das Wort des windischen katholischen Priesters Dr. Krek: „Auf unserer Erde *) Eine Beteiligung von 85—98, ja 99l/a°/0 der Wähler ist bei unseren Wahlen nichts Neues. **) Ober die wirtschaftlichen Opfer unseres Mittelstandes ließe sich ein Buch schreiben. Den Boykott aushalten ist mehr als eine Festrede halten! Als Beamter ewig vor einer Versetzung stehend, dazu gehört Opfermut! Dazu kommen noch riesige Ankäufe, die einfach gemacht werden müssen, um nicht deutschen Besitz in windische Hände übergehen zu lassen. Ohne Namen zu nennen, kann man behaupten, daß diese Ankäufe nur in Untersteier jährlich in die Millionen gehen. Und wenn sich keine Einzelpersonen finden, müssen die Städte und Märkte selbst Käufer sein. Um gewaltige Summen handelt es sich da! ist noch genug Raum für die Gräber unserer Feinde!“ — wird unter allen Umständen immer ein Ehrendenkmal sein . . . Und noch eines: Mit der Vernichtung des unterländischen Deutschtums wäre die österreichische Grenze bis gegen Spielfeld hinaufgeschoben. Der Höllenkessel des kulturell so verwilderten Balkans würde diese Lande verschlingen. Und nicht die Umwandlung Österreichs in einen Slawenstaat, wohl aber die Zersetzung und Zer-ietzung dieses Staates müßte die Folge sein. Noch ein Drittes: Deutschland, der Träger des in seiner prächtigen Schöne so sieghaft dastehenden Deutschtums, wäre abgesondert. Die Balkanfrage würde zum politischen Probleme Deutschlands . . . Doch nein, es darf nicht so weit kommen! ln zwei Formen spielt sich unsere völkische Betätigung ab: in der politischen Arbeit und in der völkischen Selbsthilfe, in der Abwehr- und Schutzbewegung. Es wäre verfehlt, wenn dieses Büchlein vielleicht in eine Kritik des bisherigen Vorgehens der deutsch-österreichischen Politik ausklingen würde. Es hätte dann nur partei-agitatorischen Wert und wir glauben, diese Schrift soll mehr sein. Es wäre ebenso verfehlt, wenn wir Unterländler urplötzlich die Richtung der deutschen Politik in Österreich vorzeichnen würden. Eine Einigung aller Deutschen in einer Partei ist efhüjihe'rit:1chbar'es Träumerziel und —1 vielleicht ist der Wettlauf unserer P'ärfefen gesund . . . Wir wollen darüber nicht richten. Wenn es unseren tatkräftigen alpenländischen Abgeordneten im Reichsrate gelingt, die deutsche Öffentlichkeit auf unsere Lande aufmerksam zu machen, — dann haben sie viel getan. Denn man hat bisher unseren Gegenden höchstens einen Reiz der Romantik, nie aber den blutigen Ernst des völkischen Existenzkampfes abgewonnen. Im Herzen des Reiches und allüberall wo Deutsche wohnen, muß man es wissen, daß hier unten im panslawistisch verhetzten Süden ein großer Krieg begannen hat, gegen den die böhmische Frage unserer Meinung nach ein reines Kinderspiel bedeutet. Wenn unsere Reichsboten die Öffentlichkeit zwingen, die Wahrheit über die Unterlande zu hören, so haben sie ihrer Pflicht genügt. Denn dann müssen alle deutschen Volksvertreter nicht nur mit dem Worte, sondern auch mit der Tat auf unserer Seite stehen. Und wenn die alpenländischen Abgeordneten dann die heimische Abwehr in Wien unterstützen und fortsetzen, so ernten sie gewiß den schönsten, den stillen, unbewußten Dank . . . Mehr verlangen können wir in völkischer Hinsicht von unseren Reichsboten nicht. Was aber unsere Politik zuhause anbelangt, so haben wir schon früher von der einigenden völkischen Tat gesprochen. Ohne daß einzelne von uns, denen eine Parteizugehörigkeit Bedürfnis ist, dem nicht entsprechen könnten, stehen wir doch im völkischen Kriege immer in einer Reihe. Im Unterlande lebt eben das instinktive Gefühl, daß jedes Zerbröckeln unserer Kräfte nur dem nationalen Feinde nützt. Und in diesem Sinne ist vielleicht der Gedanke des deutschen Volksrates am fruchtbringendsten. Welche Fülle von Arbeit konnte da schon der in den Alpenländern älteste deutsche Volksrat für Untersteiermark vollbringen! Seine Berichte sind ein Stück des dornenvollen Kreuzganges der deut- sehen Sprachgrenzler, ein Blatt Geschichte des deutschen Volkes, das kein ernster Forscher übersehen darf und das jedem wahren Deutschen das Herz höher schlagen läßt. Man verlange keinen offenen, mit Zahlen und Phrasen prunkenden Tätigkeitsbericht des Volksrates; denn in der Natur der Sache liegt es, daß diese größte völkisch-politische Arbeit im Stillen geleistet werden muß. Man frage den wackeren, unermüdlichen Obmann des Volksrates Dr. Delpin (Friedau), welche Summe von gewaltiger verborgener völkischer Arbeit da geleistet wird, welche Kraftentfaltung oft für die kleinsten deutschen Forderungen verbraucht werden - muß. Ein stiller, tödlich ernster Kampf ist dies und nur die Eingeweihten können dem Volksrate dankende Bewunderung zollen. Der Vollzugsausschuß des unterländischen Deutschtums ist unser Volksrat. Mögen seichte Schreier Beifallssalven ernten und in der breiten Öffentlichkeit für Augenblicke in wahren Messiasrollen prunken — der deutsche Volksrat als einigender Mittelpunkt aller unterländischen Deutschen braucht keinen Dank; der völkische Erfolg muß ihm Dank genug sein . .. Ohne augenblicklich nähere Berichte in der Hand zu haben, können wir doch mit voller Bestimmtheit sagen, daß sowohl der Krainer als der Kärntner deutsche Volksrat denselben Zielen folgen.*) Nur ein Volksrat kann ein planloses Arbeiten, das oft mehr Schaden als Nutzen bringt, verhindern. Nur ein Volksrat kann die gar nicht so zahlreichen völkischen Kräfte sammeln. Nur ein Volksrat kann die Unmöglichkeit der idealen Parteieinigkeit ersetzen. Vielleicht das glänzendste Bild der Reife der unterländischen völkischen Politik ist die Verwirklichung der Volksräte. Aber wir haben noch ein anderes Feld für den völkischen Kraftverbrauch. Wir haben arme, gute Deutsche, Gewerbsmänner, Handelsleute, denen die idealste Politik nicht den Weg aus dem wirtschaftlichen Elende zeigen kann. Wir haben deutsche Gegenden, die sprungweise in ein paar Jahren von Slawen gekauft und zu slawischem Lande gestempelt werden können. Wir haben Schulverhältnisse, deren Betrachtung das Herz bluten läßt: die deutsche Mutter versteht ihr im windischen Idiome plapperndes Kind nicht mehr . . . Bände füllen könnte die Schilderung dieser Tatsachen, von denen sich unsere Brüder in den rein deutschen Gegenden keine Vorstellung machen können. Da tritt nun der deutsche Schutzverein an die Arbeit und füllt die klaffende Bresche aus und rührt sich und schafft — mit Geld, ja mit Geld, mit wirtschaftlicher Hilfe und Schulenbau. Und wieder ist ein einigender Turnierplatz geschaffen für alle, die gut deutsch sind . . . Was der deutsche Volksrat auf dem Felde der Politik ist, das ist der deutsche Schutzverein auf dem Gebiete völkischer Selbsthilfe. Und seine Erfolge bleiben nicht still und verborgen, sie leben, sie geben uns den völkisch sicheren und wirtschaftlich kräftigen deutschen Mittelmann, sie lächeln uns entgegen aus den blauen, in herrlicher Bluttreue erzogenen Augen unserer Kinder . . . Wohl hat auch der Wende seine nationalen Trutzvereinigungen und bewundernd betrachten wir oft seine Opferwilligkeit. Man lächle *) Sofort nach der.Gründung des deutschen Volksrates f. U. St. gründeten auch die Wenden ihren (narodni svet). Wenn die Klerikalen denselben auch verließen, so zeigt doch diese Tatsache, daß die Gegner oft einen schärferen Blick für die Wichtigkeit des V. R. haben als wir Deutsche selbst . . . nicht darüber! Erwähnen wir nur einen Stand-' die. slowenische Geistlichkeit. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß 99 v. H. der windi-schen Geistlichkeit regelmäßige Spenden für die Verslawisierung der deutschen Unterlande hergibt. Wie eine vorgeschriebene Steuer entrichten sie ihre völkische Abgabe. Es gibt einfach keinen windischen Priester, der nicht für die panslawistisch verhetzende „Mohorjeva družba" (Hermagoras-Gesellschaft) tätig wäre. Kein Wunder, daß dieser für das Deutschtum so gefährliche Verein an 80.000 Mitglieder zählt und jährlich eine halbe Million seiner „Bücher“ herausgibt. Wohl aber ist es ein Wunder, daß ein deutscher Bischof der Protektor dieses Vereines ist . . . Wir haben dann weiter den windischen „Kyrill-Methodius-Verein“ („Ciril-Metodova družba"), dem einfach jeder völkische Wende angehört und für den alles sammelt. In Kärnten wurde weiters voriges Jahr der „Slowenische Schulverein für Kärnten“ (Slovensko šolsko društvo za Koroško) gegründet. Dazu kommen noch die Sammlungen fast aller windischen politischen Organisationen „za obmejne Slovence“ (für die Grenzslowenen.) Es folgt eine sehr ertragreiche Nachäffung der Rosegger-Schulvereinsspende (mit 200 anstatt mit 2.000 K) u. s. w. O, die Slowenen haben den Gedanken des Nationalschutzes erfaßt und sammeln und sammeln, — Krone um Krone, Heller um Heller für den panslawischen Angriff . . . Aber — wenn wir Deutsche wollen, dann verlieren die Wenden diese aufregende völkische Wette! Wenn wir wollen, ja wollen . . . Wir werden nicht sterben, — wir deutsche Unterländler von Steiermark, Kärnten, Krain und Küstenland! Aber ihr draußen, ihr Glücklichen, die ihr nur einen deutschen Nachbar, eine deutsche Behörde und eine deutsche Schule kennt — vergeßt uns nicht! Vergebt uns nicht, damit euch ein trauriges Schicksal der deutschen Unterlande nicht zum Fluche werde . . . Wir werfen euch, allen euch deutschen Brüdern, dies Buch auf den Tisch. Möge es schreien von der Not der Unterlande, möge es alle aufmuntern, die ihr deutsches Blut einlullen ließen in traumseliger Nichtstuerei ... Möge es rufen, dies Büchlein! . . . Müde von völkischer Arbeit schrieb ich einmal die Verse auf einen Fetzen Papier, die ich hier als Schlußstein meiner kleinen Arbeit einfügen möchte, die aus Versen zu Gefühlen und Taten werden sollen: „Germania, — du bist die Peitsche, „die uns weckt, „die uns schlägt, „die uns hetzt in den Krieg, „die uns hoffen läßt „auf den endlichen Sieg . . .“ Der „Deutsche Schulverein“ (gegründet im Jahre 1880) ¡ÄSisSB Sitz in Wien hat den Zweck, an den deutschen Sprachgrenzen und in den deutschen Sprachinseln die Gründung und Erhaltung deutscher Schulen zu unterstützen. fOfUfllfTM ^er Mitglieder beträgt mindestens 2 K. IbdilblllOy Ebenso erwirbt man die Mitgliedschaft durch einen einmaligen Beitrag von mindestens 50 K. Deutsche! 15er?l*et ar? dieser? 5chtit3ü»ereir?! WJcrbet rT)itglieder! 5«>T>rT>«lt (Beider! ;,5cbtilUereii?sf-(9«g®05t«r?de! Deutsche! Uergesst r?icbt der ^osegger-5ati>n?lür?g rT?it ¡b^er? $ 2000-$äti5teir?er?! Heil der völkischen Pflichterfüllung!