lnr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordesch. ^7 ^O. Freitag am 3V. August Ä844. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Bügen, und aNmonallich ein in Wien «on Meisterhand in Kupfer gestochenes kolorirtei Costumebild, illyrische Volkstrachten in Boppelfigur enthaltend, in Großquart. Der Preis des Blattes ist in Laibach ganz» > jährig 6, halbjährig 3 fl. Durch die k. k. Post unter Couoert portofrei ganzjährig 8, halbjährig 4 fl. C. M., und wird halbjährig «»rausbezahlt. Alle k. t. Postämter nehmen Pränumeration gn. In Laibach pränumerirt man in der Buchhandlung des Herrn Georg Lercher am Hauptploye. Die Harfenistin. Ich sah ein bleiche« Madchen, Die Harfe in der Hand, Die thrinenfeuchten Augen De« Himmel zugewandt. — Sie hatte langst uerloren. Was Menschenherz beglückt; Die Rosen dieses Leben« Hat ihr ein Sturm geknickt. — Sie sang mit wundem Herzen Der heitern Lieder viel; Und zu den frohen Weisen Erklang da« Saitenspiel. Die Gäste in der Schenke, Sie ahnte» es wohl nicht. Daß «us dem heitern Liede Ein tiefes Leiden spricht, — Daß jeder Ton der Freude, Der sich der Brust entrang. Mit grellen Dissonanzen In ihre Seele drang. — Und als sie d'rauf im Kreise Den bittern Lohn sich holt. Da wird sie von den Gästen Gehöhnt und ausgeschmollt. — Wohl färben rohe Scherze Die bleichen Wangen roth. Doch keiner von de« Gästen Denkt an des Mädchens Roth, Mit schmerzgetrübtem Auge Und bebend stand sie d», — Ich fühlte mit ihr Leiden, Als i« die Arme sah. Nie sie so arm an Liebe, An jedem Freudcngruß — Für dieses Dorncnleben Ihr Herzblut opfern muß. — Wer kennt wohl ihre Tugend? Die Menge täuscht der Schein! D'rum, Mädchen mit der Harfe, Laß' du dein Singen sein! Sitten der krainischen Gulp-Bewohner Von Leopold Kordesch. (Beschluß.) Moriz Siegerist. enn ein Witwer zum dritten Male heirathet, "geht die Braut nicht beim Hausthore, son­ dern durch das Fenster in's Haus. Es herrscht der Aberglaube, daß sie sonst vor Ablauf eines Jahres sterben müßte. Eine Witwe hingegen darf nicht hoffen, daß ein Bursche um sie werben werde; sie muß einem Ledigen immer selbst ihre Hand antragen. Gewöhn« lich haben alle Hochzeiten ihre Musik, die M einigen Gei­ gern besteht und sehr miserabel ist. Gegen Ende des Hoch­ zeitsschmauses, bei dem neben verschiedenen Fleischspeisen und Gestügelarten aller Art, besonders dem Weine sehr fleißig zugesprochen wird und für jeden Gast mehrere Trink­ strophen (8är3,vil5e) ausgebracht und abgesungen werden, kömmt der Pfiffigste der Musikanten, zugleich der Lustig­ macher der Gesellschaft, mit einem Glase Wein, kündigt sich als Weinhändler an und bietet dem 8tllralliiu», den Wein zum Kosten und zum Kaufe an. Dieser findet den Wein schlecht, tadelt ihn und lehnt den Kauf ab; der Be­ schimpfte ruft nun alle Gäste als unparteiische Richter in dieser Sache auf, die den Wein kosten und sich dann dar­ über aussprechen, was gewöhnlich eine höchst komische Scene veranlaßt. Der Btarallüna, bestimmt nun einen Preis, mit dem der PseudoNegoziant sich zufrieden stellen muß. Dieser Preis ist nämlich der Betrag, den jeder Gast den Musikanten erlegen muß, ohne der Großmuth Schranken zu setzen. Die Sammlung geschieht mittelst eines Tellers. Eine andere Sammlung, jedoch ghne Ceremonie, wird für die Köchin, und eine dritte für die Braut selbst veran­ staltet. Jeder Gast übergibt der Neuvermählten ein belie­ biges Geldstück von 10 bis 40 Kreuzern, auch i bis 2 Gul­ den, darf sie aber auch dafür küssen. Nachdem die Hoch- 278 zeitgäste spät in der Nacht aufgebrochen und an der Woh­ nung des Bräutigams angelangt sind, wird vor dem Hause Halt gemacht. Die Eltern des Bräutigams kommen den Neuvermählten mit einem Glase Wein entgegen, empfangen und küssen die Braut als Tochter und halten ihr eine Rede, wie sie sich als Hausfrau betragen solle. Diese trinkt den Wein zum Wohlsein der Eltern aus und betritt mit den übrigen Gästen die Stube. Diesen wird nun Wein nebst weißem Brot und kaltem Braten vorgesetzt. Bald entfer­ nen sich die Gäste und ziehen heim; des andern Tages ver­ sammeln sie sich jedoch wieder und' nun wird erst im Hause des Bräutigams Hochzeit gehalten, so daß oft die Schmau­ sereien drei Tage dauern. So weit die Hochzeitgebräuche. Bei Begräbnissen hat man noch Klageweiber. Die Leiche wird mit großem Geleite zum Grabe gebracht und man gibt dem Tobten, besonders einem Ledigen, immer sein bestes Gewand mit in die Grube. Die Todtenmahle sind abgekommen, nur am Armenseelen-Tage wird am Friedhofe Brot unter die Armen ausgetheilt. Bei Taufen herrscht die sonderbare Sitte, daß die Pathin ein weißes Brot mitnimmt, und zwar für Kinder, die ihr am Wege begegnen, welche ihr im Falle, daß sie ihnen nichts gäbe, „Volk ti posliri äöte« (.der Wolf fresse dir das Kind auf!") nachschreien würden. Zu Weihnachten, im Fasching, wie am Ostertage, sind Tänze mit Begleitung des Dudelsacks und eigener Pfeifen, die sich das Landvolk selbst verfertigt, im Gebrauche. Den Hexen- und Aberglauben läßt sich das Volk nicht ganz benehmen, weil es hie und da noch immer Gaukler (veäezlu) gibt, die es zum eigenen Vortheile in den Meinungen bestärken. Auch der Glaube an das Wie­ dererscheinen der Tobten erhält sich. Unter andern glaubt man in diesen Gegenden, daß ein am Schlangenbiß Gestorbener oder vom Blitz Erschlagener nicht selig werde, und daß ein am Dienstag oder Freitag Erkrankter nicht aufkomme «. Für Krankheiten hat man sehr viele — auch recht zweckdienliche Hausmittel. Die Männer stricken im Winter, die Weiber spinnen und weben, aber nur für eigenen Hausbedarf, und verfer­ tigen den Hausgenossen Kleidungsstücke. Im Sommer be­ sorgt man gemeinschaftlich die Feldarbeit. Das Hausrecht übt patriarchalisch der Aelteste im Hause und seinen Be­ fehlen wird stets pünktlicher Gehorsam willig geleistet. Die Gastfreundschaft ist hier zu Lande so groß, daß sie oft die Schranken der Klugheit überschreitet, die nachbarliche Eintracht aber wird hingegen oft durch gegenseitige Interessen gestört. Die Tugenden der Culpa-Bewohner sind: Gast­ freundschaft, Leutseligkeit, Genügsamkeit und Gehorsam gegen die Obrigkeit; ihre Fehler: Fluchen, Mißtrauen und Unmäßigkeit. Das Strumpfband. Novellette von Joseph Vuchenhain. (Beschluß.) »Er ist wahnsinnig geworden, rein toll!« raunten einige Zuhörer einander zu. „Man muß ihn zur Raison bringen," meinten Andere, und mit jeder Minute steigerte sich die Besorgniß Aller um seinen Verstand. »Sechszig Tausend!« sprach tief und gedehnt der Rival. Die Saalthüre öffnete sich; des Bürgermeisters Ehe­ hälfte stürmte furienartig herein. . „Das fehlte noch!" rief die aufgeregte Menge, und Mehrere drängten sich heran, um nöthigenfalls Frieden zu vermitteln. „Verschwender, Wahnsinniger, Rasender!« kreischte sie in einem Athem. Die Keiferin wurde jedoch abwehrend bei Seite geschoben und noch fünftausend Thaler mehr bot der Bürgermeister. Der heisere Ausrufer hatte diese Summe kaum wie­ derholt, als die Frau des Oberältesten in Ohnmacht fiel, was jedoch den Fremden keineswegs beirrte, den Meistbot auf siebenzigtausend Thaler zu erhöhen. Die Ohnmächtige war zur Besinnung gekommen. Sie raffte sich auf, sprang auf ihren Gemahl zu und faßte ihn mit beiden Händen so stark beim Mund und Halse, daß er kaum zu athmen vermochte, was den ernsten Akt nicht wenig erheiterte. „Schlag' ab!« jammerte sie, halb zu dem röchelnden Gemahl, halb zum Ausrufer gewendet, „schlag' ab, oder wir sind rein am Bettelstabe.« — Unvermögend, zu gehorchen, deutete der Diener der Gerechtigkeit auf die am Tische liegende Sackuhr, denn die gesetzlichen Pausen waren noch nicht vorüber. Das konnte die arme Frau nicht ertragen; ihren Ehegespons loslassend, war sie wieder­ holt zusammengesunken. „Achtzigtausend:« kreischte der höchst aufgeregte Bürgermeister, als er seines Knebels los­ geworden war, ehe der Diener den Meistbot seines Geg­ ners zugeschlagen hatte. „Mein Auftrag geht nicht über diese Summe!« sprach mit einer tiefen Verbeugung der Fremde und entfernte sich. Man wollte ein sonderbares, höhnisches Lächeln in seinem Antlitze bemerkt haben, als er fortging, und der Diener hatte zum ersten, zweiten und — dritten Male gerufen und abgeschlagen. Das Strumpfband lag in des Bürgermeisters Schooß. Frohlockend "erlegte er binnen wenigen Stunden die Erstehungssumme der Commission und diese folgte den gesammten Erlös einige Tage darauf an die Verwandten des verstorbenen Oberregierungsrathes gehörig aus. Monate waren verflossen, doch weder der Prinz, noch der versprochene Orden wollte anlangen. Dem Bürger­ meister war diese lange Zögerung peinlich, ja sie wurde ihm nachgerade auch etwas bedenklich. Er besuchte jetzt mehr das Gasthaus, erkundigte sich angelegentlich bei Fremden nach Verschiedenem, verschlang in den Journalen die Reisen der Großen und konnte seine bange Erwartung von etwas Außerordentlichem den Postbeamten nicht verhehlen. Diesen war der Fragende schon lange ein Räthsel geworden. „Von Rio-Janeiro an Euer Gestrengen!" rief eines Tages der vom Postamt angekommene Amtsdiener, dem Bürgermeister ein wohlversiegeltes Schreiben überreichend. »Endlich! Gottlob, mein Wohlverdientes wird nun angekommen sein!" sprach zufrieden lächelnd der Amtschef, indem er dem treuen Diener einen blanken Thaler in die