Die Adelsberger Grotte unweit Triest an der Sudbahnstation Adelsberg gelegen. Im Verlage der Grotteri-Verwaltung. Druck von Ig. v. Kleinmayr & Fed. Bamberg in Laibach. 1882 . idelsberg liegt, auf einer Hochebene der kraini- [schen Kalkalpen, 550 Meter ilber dem Meere, -ll Kilometer von der SiAd-Eisenbahnstation gleichen Namens und von Triest 7 Meilen weit enl- fernt. Ringsherum breitet sich ein Kranz von schon- geformten Bergen, unter denen der Nanos und der Schlossberg mit den Burgruinen besonders malerisch hervorlreten. Die weltberuhmte Grotte ist. 15 Minuten von der Bahnstation entfernt; eine schone, mit Allee- baumen bepflanzte Chausseestrasse ftihrt dorthin. Knapp neben dem Eingange ergiesst sich auch der Poikfluss in die Hohle, um nach einem unterirdi- schen Laufe von 7 Kilometern als Dnzfluss wieder ans Tageslicht. zu kornmen. Nach einer halben Stunde Weges verliert er sich abermals im Boden, tritt dann bei dem 19 Kilometer entfernten Markte Ober- laibach als Laibachlluss zutage und vereinigt sich nach einem drei Stunden langen oberirdischen Laufe mit der Save. Der nicht wenig imposante Eingang in die Hohle verengert sich anfangs, jedoch bald hebt sich die Dečke, der Gang wird zur weiten Halle und man 4 steht im Dome. Unten braust das Wasser der Poik, welche hoch oben auf einer natiirlichen Felsbriicke iiberschritten wird; Stufen fiihren hinunter ans Was- ser, das, die Form eines lateiniscben S beschreibend, mehrmals miter natiirlichen oder kiinstlichen Briicken durchlauft, Es ist ein Stiick aus der Marchenwelt, von Tau- send und eine Nacbt, dessen Anblick sich hier er- offnet: die glitzernden Tropfsteine strahlen im Glanze der reichen Beleuchtung, hoch wolbt sich die Dečke iiber dem in verschiedenen Stufen aufgebauten weilen Raum. Eine angenehmer nnd genussreicher zu be- suchende Hohle wird sich nicht wohl wieder fmden. Sonst weisen die meisten schmutzige und schliipfrige Wege, steinige, ja gefahrliche Pfade bergauf, bergab, das Wasser stromt von der Dečke, Suchen des Weges und Beschauen muss Hand in Hand gehen. Ganz anders hier in Adelsberg: die Giinge sind alle geebnet, ganz glatt, mit Sand best.reut; wo Abgriinde heran- treten, schiitzen Schranken, der Weg ist trocken, und nur an wenigen Stellen tropft es erst nach starkem Regen. Es ist ein Spaziergang, als hatte ihn am Waldhang hin ein Verscbonerungsverein angelegt. Und nun gar noch die Eisenhahn, die am Ende der ersten Halle beginnt! Sie ist. 1534 Meter lang, natiirlich ganz schmalspurig; ein kleiner Wagen mit vier Sitzen wird von einem der beiden Fiihrer ge- schoben, und mit Behagen kann man sich dem Genusse des Schauens voli hingeben. Bald hat. der 5 Rollwagen den Tanzsaal erreicht: ein recht statt- licher Saal breitet sich aus, oben bildet ein Absatz des Gesteins ein naturliches Orchester, ringsum strah- len die Lichter, ja um die Illusion zu vollenden, von der Dečke hangt ein Kronleuchter. In der That dient jtihrlich am Pfmgstmontag dieser Raum als Tanzsaal. Wohl 5000 Personen sammeln sich da in der Hohle, die Releuchtung ist eine grossartige mit 10,000 Flam- men, der Tanzsaal ist der Mittelpunkt, auf dem naturlichen Orchester spielt die Musik und d’rin tief im Innern der Hohle jubeln und tanzen die Men- schen! Unsere Eisenbahnfahrt geht noch eine gute Strecke weit die Ferdinands-Grotte entlang durch die bald engeren Gange, bald weiteren Hallen. Die Schonheit dieser Raume besteht vor allem in der Jungfraulichkeit der herrlichen Tropfstein- formen. Die Mannigfaltigkeit der Bildungen ist eine wunderbare; in Millionen von Jahren wachst Tropfen an Tropfen an, Stalaktiten, wenn sie von oben her sich ansetzen, Stalagmiten, wenn sie von unten aus anschiessen, und es bilden sich Bauten, Figuren, Gestaltungen, wie sie die kiihnste Phantasie nicht besser und reicher schaffen kbnnte. Auch die Farbe spielt ihre Rolle, nicht bloss felsgrau und krystallen glitzernd sind diese Naturgebilde, oft strahlt lebhaft rothe, braune oder milchweisse Farbe aus den ge- wundenen Formen der grossen Bildnerin Natur. Begreiflicherweise haben die schonsten oder auf- fallendsten Gebilde ihre Namen erhalten; die Fiihrer 6 — sind nicht miide, alle zu nennen und zn zeigen, sie sind in Beleuchtnng gesetzt. oder es halt der Fuhrer die an einer langen Stange befestigten Lichter an die Gruppen, so dass sie in ihrer vollen Schon- heit hervortreten. Man sieht Pfeiler und Saulen aller Art, glatte und cannelierte, Stiimpfe und hohe schlanke Saulen, die das Gewolbe tragen, und freie. Da steht der schiefe Thurm von Piša, dort, der Mai- lander Dom, der Triester Leuchtthurm. Ein Tropf- steinstock hat, die auffallendste Aehnlichkeit mit, dem Wiener Stock-im-Eisen am Graben. Eine Orgel weist ihre Pfeifenreihe auf. Sarkophage liegen am Wege, egypt.isehe Mumien sind aufgefunden; ein Thron und Petri Stuhl, ein Altar und Marienbildnisse werden gezeigt,; eine Wachskammer, ein Kohlenmeiler sind zu schauen. Dort sieht sich ein entferntes Geschiebe wie ein Wasserf'all an und ein anderes erglanzt in der matten Beleuchtung als ein Nordlicht,. Das Damoklesschwert hangt, von der Dečke, ein Tiirken- sabel erinnert, auch bier unten an die Kampfe im Osten. Auch das Pflanzen- und Thierreich sind stark vertreten: Cypressen, Palmen und andere Baume; dann ein Elefant,, ein Eisbar, ein Lowenhaupt, ein Affe, ein Papagei in hochst, zierlicher Gestalt,. Es ist ganz merkwiirdig, welche Bildungskraft diesen Tropf- steinen innewohnt., welche Weichheit, Duftigkeit der Formen; so werden z. B. Draperien gezeigt und Fal- temviirfe, deren sich wahrlich kein Meister der Bild- hauerei schamen diirfte. 7 Alle diese Herrlichkeiten ziehen, wahrend wir miihelos die Gange entlang fahren, an unserem stau- nenden Auge voriiber. Nun ist, eine Stelle erreicht, welche das Grab heisst: hier theilt sich die Hohle. Im Gange rechts, der Fortsetzung der Ferdinands- Grotte, Cii hrt die Eisenbahn weiter, links ofTnet sich die Franz-Josefs- und Elisabeth-Grotte; beide zu- sammen beschreihen einen Bogen, der sich an dem bis jet,zt, gangbaren Ende der Hohle schliesst, Die Franz-Josefs-Grotte senkt und hebt, sich stark, so dass in ihr von einer Rollbahn keine Rede ist; man verlasst daher hier die Wagen und tritt eine etwa halbstiindige Fusswanderung an, iiberall aut' trefflichem Wege, manchmal von St.ufen unter- brochen. An der Seit.enwand stellen hier feine Kalk- spathrohrchen einen versteinerten Regen vor; in einer Nische ruht, eine Gruppe von zwei schlafenden Miidchen, Kopf weiss, die Gewander rothbraun. Einer der schonsten Punkte der Hohle ist das Belvedere, eine Anhohe in der Form eines abgestumpften Kegels mit Aussicht uber verschiedene Gange, die sich hier abzweigen. Der Loiblberg heisst die hochste Hbhe eines dieser Gange; dann geht es in starken Win- dungen bergab, die Fiihrer benannten diese Stiege als Semmering; unten ist der Stefan, da einStalagmit die Biiste dieses Heiligen darstellt. Hier ofTnet sich eine neue Grotte, die Maria- Anna-Grotte, mit dem Diamanten, Zelt, Papagei etc. Ihr Glanzpunkt ist der Calvarienberg, der am weite- 8 — sten voin Eingang vorgeschobene und nordlichste Punkt der HOhle; er ist ein von drei Seiten frei auf- steigender Hiigel von 41 Meter Hohe, weit iiber- dacht von dem iiber ihm noch 17 Meter hoher sich spannenden Gewolbe, besetzt mit Hunderten von Saulen. Die Zickzackwindungen bilden die Stalionen des Berges. Ein Todtenacker liegt ausgebreitet., von Tropfstein - Grabmonumenten gebildet. Bald ist nun am Fusse dieses Htigels die Stelle erreichl , bis wohin von dem Hauptgange aus die Eisenbahn fortgesetzt worden: wir besteigen den Wagen wieder und treten die Riickfahrt an, die volle 25 Minuten bis zum Endpunkt der Bahn dauert: 2268 Meter werden auf ihr unterirdisch zuriickgelegt. Mehrere, zum Theil noch wenig erforschte Grotten offnen sich zur Seite und geben fiir kiinftige Ent- deckungen Aussicht. Hier fiihrt der Weg unter der umgestiirzten Siiule, eines der grossartigsten Objecte der Grotte, weil sie einigermassen auf das Alter derselben ein Streiflicht zu werfen imstande ist. Nach der Be- hauptung der Gelehrten bildet sich namlich in zehn •lahren erst fiir die Dicke eines Blatt Fapieres Tropf¬ stein; diese Siiule aber hat einen Durchmesser von 4*/ s Meter, und auf ihr hat sich, nachdem sie mit diesen Dimensionen vvahrscheinlich infolge Unter- waschung gesttirzt ist, \vieder eine andere Saule von 2 Meter Durchmesser gebildet! Welche ungeheuere Zeitraume kommen hier in Betracht! — 9 Noch eine andere hervorragende Merkwiirdig- keit sieht man auf diesem Gange: den sogenannten «Vorhang», ein Stalaktitengebilde, welcb.es einem grossartigen, in herrlichen Falten herabhangenden Vorhange ganz gleich sieht; ist durchsichtig und rein und entbehrt. sogar nicht einer rothlichen Saum- einfassung. Die Besucher konnen sich vor Staunen von demselben gar nicht trennen. Unweit davon, beim sogenannten «Grabe*, ver- einigt sich wieder der Gang mit jenem, den wir friiher bei der Betretung der Franz-Josefs-Grotte verliessen, um in einem grossen Bogen wieder zu ihm zuriickzukehren. Rasch geht es nun dem Aus- gange zu. Ueber zwei Stunden hat die Besichtigung in Anspruch genoinmen. An Grossartigkeit im ganzen, an Schonheit im einzelnen steht diese Grotte ganz unerreicht da, und keine Vorstellung, zum voraus gefasst, wird das treffen, vvas das Auge hier zu schauen bekommt. Deshalb hat es aber auch noch nie jemanden gereut, die kurze Unterbrechung seiner Reise, von einem Eisenbahnzug zum andern, zum Besuche der Grotte eintreten gelassen zu haben. Normativ fur den Grottenbesuch. 1. ) Die Adelsberger Grotte kann zu allen Jahreszeiten und zu jeder Tages- oder Nachtstunde besehen werden. 2. ) Die Anmeldung geschieht beim Grotten-Tagescassier, welcher alles Erforderliche zurn Grottenbesuche besorgt und die Gebur in Empfang nimmt. Die hieriiber ausgefolgte Rech- nung ist aufVerlangen den Groltenfiihrern zur Eiiisicht vor- zuweisen. 3. ) Die p. t. Grottengaste sind ersucht, ihre Namen in das beim Cassier aufliegende Stammbuch einzuschreiben oder eintragen zu lassen. 4. ) Bei Begehung der Grotte in Gesellschaft ist es ge- boten, derselben nicht voraus zu eilen oder gar zuriick- zubleiben , sondern sich in leicht geschlossenen Reihen an einander zu balten, weil sonst die ordnungsmassige Ausfiih- rung der Beleuchtung zum Nachtheile der Besucher gestort wird. 5. ) Die Besichtigung der Grotte nimmt 2 bis 2‘/ 2 Stunden in Anspruch. Ein langeres Verweilen in der Grotte miisste vorher dem Cassier gemeldet vverden, damit fur den Mehr- bedarf der Beleuchtung gesorgt wird. 6. ) Fackeln, bengalisches Feuer und alles raucherzeu- gende Beleuchtungsmateriale anzuziinden ist nicht gestattet. 7. ) Das Abschlagen der Steine in der Grotte ist strenge untersagt und wird nach dem Strafgesetze geahndet. 11 8. ) Die Grotte wird taglich um 2 Uhr naohmittags bei entsprechender Beleuchtung ohne jedwede andere Auslage um den fixen Preis von 3 Gulden per Person iiber vorherige Meldung beim Grotten-Cassier fiir jedermann geoffnet. 9. ) Ausserdem kann sie wann immer bei beliebig zu wahlender Beleuchtungsart begangen vverden. Deren gibt es fiir kleinere Gesellschaften vier Gradationen, namlich: Nr. 1 mit 160, Nr. 2 mit 256, Nr. 3 mit 640 und Nr. 4 mit 2000 Flammen. 10. ) Beim Grottenbesuche en masse kommen folgende Illuminationen in Anwendung, und zwar bei einer Anzahl von: 20— 60 Pers. die Beleuchtung Nr. 4 mit 2000 Flammen, 60 — 120 » » » » 6 » 2400 120 — 200 » » » » 6 » 3520 » 200 — 500 » » » » 7 » 5000 11. ) Die Beleuchtung Nr. 1, 2, 3 konnen sogleich nach der Besuchsanmeldung effectuiert werden, dagegen aber muss man jene suh 4 und 5 wenigstens 2 Stunden und jene snb 6 und 7 mindestens 6 Stunden friiher bestellen. 12. ) Die Lange der in der Grotte zuriickzulegenden Strecke betragt 4061 Meter, von denen 2561 Meter in Wagen auf der Rollbahn zuriickgelegt werden konnen; fiir eine solche Fahrt zabit die Person 1 Gulden als Extragebiir. 13. ) Fiir das Tragen einer Person durch die ganze Grotte in einem Tragsessel besteht die iixe Taxe von 6 Gulden. 14. ) Was die mit dem Besuche der Grotte verbundenen Kosten fiir Entree, Fiihrer und Beleuchtung anbelangt, so sind solche je nach der Anzahl der Gesellschafts-Mitglieder aus der nachfolgenden tabellarischen Debersicht zu entnehmen. Ausser denselben ist niemandem etwas zu entrichten. Insbesondere aber ist es den Grottendienern strenge ver- boten, durch Worte, Mienen oder Aufstellungen Geschenke in Anspruch zu nehmen. 12 Anmerkung. Nachdem Militarpersonen die Begiinsti- gung des lialben Entrees zukommt, so verraindern sich diese Gesammtkosten fiir jede mitgehende Militarperson um 50 kr. Situations-PIan. Otts Zr.lt Brillant\ U loibl Jlfr '' X ''N Krf mit/' /• Basi n Tropfbnmtn • j Rtgtngufs. §1 Ihirchschlag Die schltftndmMddchem//0£'-^r ■(aloarienbtir/ Msiiulr JA hisrhpInlsSl , x J/ifier Grolleiiimihhf /iritrn (Irollr Miptuth« Mumien jt>) D er Kbhlen meiUr V, JkrSprinrjbrutun ^ / MltrfHgd\ DieGlodcr ■ Tamsiuil Das Gffangnits. Hrr Petri St uh!. yn„x.\onlUdil irofsOttoh- .SV'*/ - im Ep Knturbriiiii< M V ! ?'/•rr _ 'Tliroli.