113112 an die akademischen Jünglinge, jiehaüen in der Hir elLS ÄQ8 «KeR»l8Ol»Sir LZittSL zum 1843. -»G Von am k. k. Lyceum in Laibach. 8« ii>«, » «Ixiiiix 8eN»»k«!»»» «ii»»» I»I>ri1 >»i», »i >I< i^ I l^kx «« »>««>»< » In Druck dckärderl »an den Hörern dos iweilen philosapdischrn Jahrganges. It I' n c Ir V <» u .1. lk I a 8 II i Iv. »Wer ist'6, dcr die Welt besiegt, wenn nickt derjcinac welcher glaubt, daß Jesus ist dcr Sohn Gottes?« I. Joh. 5, 5. ^E-naufhaltsam in seinem Laufe ist der Zcitcnstrom; wie in flüchtigem Wellcnsp-cl versinke ein Jahr in den Ocean dcr Ewigkeit. Ehe sich's dcr Mensch versteht, ist er schon wieder am Ende eines wichtigen Lebensabschnittes ange¬ langt, wo er sich selbst Halt gebietet, um, in sein Inneres einkehrcnd, manche ernste Frage an sein eigenes Herz zu richten. So stehen auch wir, meine Vielgeliebten! jetzt schon nahezu am Ziele unserer dicßjährigcn Studieulaufbahn, und cS ist heute schon der letzte Tag, an dem wir in diesem Gotteshausc zur gemeinsamen Andacht uns versammelten, nnd dem Spender alles Segens unser Dankcsopfcr am Altäre niederlcgten. s In lebhafter Erinnerung steht noch vor meinem Geistesaugc der feierliche Augenblick, wo ich das erste Mal vor Ihnen und für Sie hier im Angesichte der seligsten Jungfrau das Mysterium der Liebe feierte, und von dieser heiligen Stätte die Herrlichkeit der katholischen Kirche und ihre glänzenden Triumphe pries. Und seitdem geschah cs öfters, daß ich die Geheimnisse des Reiches Gottes Ihnen verkündigte; aber nachdem ich kaum die Hauptzügc davon verzeichnet, stehe ich schon heute da, um Ihnen meinen Scgcnsgruß zum Abschied zu entbieten. Nun ist es wohl auch geziemend, daß ich an mich sselbst in allem Ernste die Frage richte: Was hast du in deiner Stellung als Seclenhirt dieser jugendlich aufblühcnden Gemeinde im Verlaufe des scheidenden Studienjahrs geleistet! — Herr! dcr du die Abgründe durchschauest, und Herzen und Nieren prüfest, Lu weißt, wie mein Herz in glühender Liebe für das Heil der studirendcn Jugend sich verzehrt; du weißt, wie schmerzlich cs oft blutete, wenn meine Augen das betrübende Schauspiel sehen mußten, wie hochbegabte Jünglinge, von deiner Liebe sich abwendcnd, sittlich verkümmern, und zu Grunde gehen. Dir, dcr Lu die Sterne mit Namen nennst, ist cs auch nicht unbekannt, wie oft ich alle mir Anvcrtrauten deiner väterlichen Sorgfalt im Gebete ancmpfohlcn; wie ich täglich, am Altäre stehend, ihre Herzen dir aufgcopfcrt, damit sie, entzündet von dem Feuer deines Geistes, in unauslöschlichen Licbes- flammcn als ein beständiges Opfer loderten. Wohl wissend, daß es kein Heil für die armen Adamskinder gibt, außer welches dein Eingeborncr in die Wüste dieser Welt gepflanzt, war es stets mein glühendstes Bestreben, die Wunder dcr Liebe Christi und die Schönheit seiner erhabenen Braut — dcr Kirche — in ihren Versammlungen zu preisen, damit sie, in liebendem Gehorsam gegen diese Kirche sich selbst bindend, deinem Sohne ganz zu eigen würden. Wie viel aber von dem Samen meines Wortes auf fruchtbaren Boden gefallen, das liegt außerhalb der Gränzen meines Bcwußtseyns. Es ist daher auch an Ihnen, meine akademischen Jünglinge! daß heute Jeder an sich iclbst die Frage stelle: Habe ich in dem abgcwichencn Jahre zugcnommcn an der Erkcnntniß und Liebe Christi? ist mein Herz dcr Kirche, zu dcr ich mich bekenne, mit größerer Liebe zügewcndet? — Die Antwort auf diese Frage wird Ihnen Ihr eigenes Bcwußtseyn geben, wenn Sie einen unbefangenen Blick in Ihre Seele werfen. Um Ihnen jedoch diese Erforschung zu erleichtern, will ich heute in wenigen Zügen eine Schilderung davon machen, wie das Leben des srudirenden Jünglings sich verläuft, der auf der Hohe des lebendigen Glaubens steht, und wie, wenn er von derselben herabgesunkcn ist. O Herr! erleuchte ihre Herzen, damit sie die Liebenswürdigkeit eines Gottergebenen Wandels klar erkennen, und mit Abscheu vor dem schrecklichen Zustande der Gottvcrgessenheit erfüllt werden. I Unter dem Schatten der schirmenden Umarmung Gottes und dem Segenseinfluß des Gewissens wächst das ncugebvrne Kindlein auf, und es ist die Pflicht der Eltern und Erzieher, dafür zu sorgen. Laß alle Anlagen in dem Knaben, sowohl von seiner geistigen als leiblichen Lebensstile, sich naturgemäß entfalten. Wohl ihm, wenn diese ihm von Gott bestellten Wächter in jenem wichtigen Momente seines Lebens, wo ein Dämmerlicht der Erkcnntniß ihm aufging, und das Gefühl der Freiheit ihn durchzuckte, die Pflicht des Gehorsams und der Ehrfurcht gegen die Kirche und Vorgesetzten mit Flammcnzügen in sein Herz gegraben, und die Uebcrzeugung ihm bcigcbracht, daß schön und edel das Gehorchen für den scy, der cs mit Freiheit und Liebe thut. Belebt von solchem Lichtgedanken hat er der Gottgesctzten Ordnung des Lebens in kindlich ergebenem Sinne sich gefügt, und so das kostbare Kleinod seines Glaubens treu bewahrt. Wie herrlich steht er da, nachdem er nun zu lcbcnsfrischcm Jünglinge erblüht! Er trägt in sich das strahlende Fcucrsicgel der Erlösung, das die Kirche im Bade der Wiedergeburt ihm aufgcdrückt, wo sic sühnend die Schuld auslöschte, die vom Vaterherzen ihn entfernt hielt; es schmückt ihn noch jenes hehre Gewand der Gnade, das der Vater ihm gleich nach der irdischen Geburt umgeben, indem er Lurch den Lcbenshauch des Heu ligen Geistes ihn mit sich vereinte, welche Ehrcnbekleidung der Seher in den festlichen Worten feiert: »Immerdar werde ich im Herrn mich erfreuen, und frohlocken wird in meinem Gotte meine Seele, denn er hat mich angcthan mit Len Gewänden des Heils, mit dem Kleide der Gerechtigkeit mich umgeben.« Jesai. 61. Das Licht des Glaubens, das die erbarmende Gotteshuld in ihm angezündct, beleuchtet alle seine Pfade. Er birgt in seinem Busen einen überreichen Schatz heiliger Wissenschaft und eine Gewißheit der Erkenntniß, die, auf dem Felsen göttlicher Erleuchtung aufgebaut, durch keine Künste verführerischer Sophiftik erschüttert werden kann. Er kennt einen Gott der Liebe, der von sich selber sagt, daß er die Seinen nie verläßt, indem er in seine Hände sie geschrieben. Auf ihn gründet er seine Zuversicht, aus seiner Vaterhand nimmt er in demuthsvoller Ergebung ohne Unterschied Alles hin, was er zur Prüfung und Läuterung ihm sendet; er küsset auch seine Hand, selbst wo sie ihn schlägt und niederbeugt, indem das Wort des Apostels ihm die tröstende Kunde bringt, daß der Vater Jeden züchtiget, den er in seine Kindschaft aufzunehmcn sich gewürdigct. Im Besitze des Glaubens, der sein ganzes Denken und Streben durchdringt und ausfüllt, hat er den Frieden seiner Seele und jene stille Heiterkeit des Herzens, die ihm durch jede Noth des Lebens eine lichte Straße bahnt. — Er ist so zukunftssichcr, so freudiger Hoffnung voll, daß, ungeachtet ein dichter Schleier den Ausblick in die Zukunft ihm verhüllt, und gar oft ein düsteres, drohendes Ge¬ wölbe über seinem Haupte sich zusammenzieht, doch sein Herz in tiefem Frieden ist. Er weiß ja, daß ein liebender Vater über ihm waltet, der nach unerforschlichem Rathschluß seiner Weisheit die Geschicke der Sterblichen überwacht, und ihre Herzen lenkt wie Wasserbäche, so daß denen, die Gott lieben. Alles zum Besten gereichen muß, und kein Leid denjenigen je treffen kann, der unter dem Schutze des Allerhöchsten wohnt. Er kennt auch einen Mittler, der zwischen ihm und dem Vater steht, durch dessen überschwengliches Ver¬ dienst er jeden Augenblick dem Gnadenthron sich nähern darf. Und welch eine selige Erquickung für sein innerstes Bewußtseyn in dieser Alles übertreffenden Erkcnntniß Christi (Phil. 3.), in der kindlichen Hingabe an ihn, im Vcr trauen auf die Macht, welche die Welt überwunden, und den Stachel des Todes getilgt hat! — Er kennt auch einen heiligen Geist, der, als die Frucht des erlösenden Werkes Christi, die Fülle seiner Gaben in sein Herz ansgießcnd, mit unaussprechlichen Seufzern in ihm zum Himmel fleht. In Vereinigung mit ihm hat er jenen Herzensfrieden, wo statt der gebieterisch richtenden Gewissensstimme die sanfte Macht der ewigen Liebe vorherrscht, und damit erfreut er sich schon eines Anthcils am himmlischen Mahle der Seligkeit, wie er im irdischen Leben erreicht werden kann. Denn wohl himmlische Wonnen durchströmen sein Inneres, wenn er, also in Liebe vereint mit Gott, aus den Flügeln des Gebetes und heiliger Betrachtung sich cmporschwingt zu jenen Lichtrcgioucn, wo die Klarheit Gottes in wunderbarem Glanze leuchtet. Es ist daher sein seligstes Vergnügen, öfters im Gebete zu verweilen, und an den Quellen der Gnade sich öfters zu erquicken. Wie ist ihm in seiner Brust so wohl, wenn er am frühen Morgen wie am Abend sich selbst mit allen seinen Kräften und seiner ganzen Freiheit dem Vater im Himmel zum Opfer bringt, *) und, seines gnädigen Schutzes sich versichernd, sein licbcglühcnkcs Herz in heißen Dankesgcfühlen vor ihm ausgießt. Durchdrungen von heiliger Licbesreue erscheint er alle Tage im Hause seines Gottes, um theilhaftig zu werden des unermeßlichen Segens, der dem hochheiligen Opfer im reichsten Uebermaß entströmt; und wie ist er versenkt in namen¬ loses Entzücken, wenn er im Mysterium des Altars mit dem Meister der Liebe sich vermählt, und, gleichwie die zarte Schlingpflanze mit dem stämmigen Baume, so mit ihm zu einem Leben verwachsen, das Licht des Himmels trinkt. Eingedenk der Worte Gottes: »Ich will sie in die Wüste führen, und dort zu ihrem Herzen reden,« läßt er sich vom Strome der Welt nicht fortreißcn, sondern zieht sich von Zeit zu Zeit in die Einsamkeit zurück, nm die Stimme des Herrn zu vernehmen, die erleuchtend und ermunternd zu seinem treuen Herzen redet. Mitten im Zuge der dringendsten Geschäfte sendet er bisweilen einen Licbcsscufzer zu Jesu und Maria, seiner hochgebcncdeiten Schutzfrau, empor, und indem er allen seinen Werken durch solche Ergießungen der Liebe eine höhere Weihe gibt, begleitet der Segen des Himmels alle seine Schritte, ihm Muth uud Kraft zur Uebcrwindung aller Hindernisse ver¬ leihend, die der Ausführung seiner edelsinnigen Entschlüsse sich entgegenstellen möchten. Und damit der Geist der Gnade in seinem Herzen nicht erlösche, macht er es sich zur unverbrüchlichen Aufgabe seines Lebens, täglich etwas aus einem geistlichen Buche andachtsvoll zu lesen, in welchem irgend ein hochbegabter Meister christlicher Frömmigkeit seine Er fahrungcn im innerlichen zu Gott strebenden Leben niederlcgtc. Aus dem nämlichen Grunde blickt er oft mit inniger Liebe und Verehrung zu den vollendeten Helden christlicher Vollkommenheit empor, die nun nach ausgerungcnem Kampfe in der Anschauung Gottes die Krone der Seligkeit genießen. Und wie ist er alsdann, wenn er sein Herz an dem heili¬ gen Feuer, das in diesen Liebcsheroen brannte, erwärmt hat, so stark, so todesmuthig, so durchglüht von heiliger Begeisterung, daß er, gleich ihnen für seinen Heiland Alles hinzuvpfern bereit ist, und es auch nicht verschmähen würde, das Martyrium des Hohnes, der Schmach uud der bittcrn Verachtung zu ertragen, wenn er auf solche Weise Gott zu verherrlichen berufen seyn sollte. Wie schön ist dann der ganze Wandel eines solchen Jünglings! Wie ist er so rein, so schamhaft, so auf¬ richtig und bescheiden, so unschuldig froh und heiter, so harmlos und vergnügt! Wie ist er überhaupt so fest und klar in seinem Denken, so konsequent und beständig in seinem Handeln, so treu in seinen Berufsgeschäftcn! Die Leuchte des Glaubens und der Gottesfurcht in der Hand durchwandert er die verschiedenen Gebiete der Wissenschaft, und, so aufgeklärt über die vielen dunklen Räthsel icines Daseyns, wandelt er in der Tageshelle des geistigen Bewußtseyns durchs Leben, des Friedens mit Gott und der Ruhe des Gewissens sich erfreuend; und indem so alle Saiten seines Herzens in harmonischer Erregung stets ertönen, hat er im Besitze dieses unschätzbaren Gutes unendlich mehr, als das hoheitdurstigc Herz des Menschen zu ahnen nur vermag. n Lassen Sie uns nun noch die Kehrseite des Bildes kurz betrachten, wie nämlich das Leben des ftudirenden Jünglings sich gestalten müsse, der von der Höhe des Glaubens hcrabgesunkcn ist, der sein großes Erbe, die in Christo wicdcrgewouuene Freiheit'und alle Güter der Gnade verschwendet hat. Ganz vorzüglich ist cs der nach Außen gewendete eitle Wcltgun und die zügellosen Naturtriebe, die denjenigen zum Argen dahinrcißen, der des Gebetes und der Wachsamkeit vergißt. Wie manchen blühenden Jüngling schmükte noch vor Kurzem die Reinheit des Herzens, hohe Gesinnungen lebten in seinem Geiste, er wollte nur das Gute und sittlich Schöne; alles Unedle und Schlechte „8uselpe, Uonsine, unlveesam Ilbertetem meam, tzuläquill bubeo et xassiäeo, et milil luexltus es, nunllum. Zmorem tui sulum euin xrutia tue. lullü aeelpe memorlam, intelleetum et vvluntstem meem onmem. >ll tutuui tilg restltuo, et tuae voluntnti penrsiis teullü K-ubee- llones, et llives sum satis, negue sllu«! ulte» pasco." kl. kxnutius von Uo.vulu. hat er bis jetzt mit Abscheu von sich gewiesen. Aber einige kecken Schritte nur, zu denen er verlockt wird, oder die er in unbewachten Augenblicken sich selbst erlaubt, und schon ist er kein Tempel des heiligen Geistes mehr; das Para¬ dies der Unschuld mit seiner Seligkeit ist verloren. Nimmer von der göttlichen Liebe auf der rechten Höhe deS Lebens erkalten, ist er nun in jenen Zustand geistiger Noth zurückgeworfcn, der schon vor Jahrtausenden einem Scher die Worte tiefgefühlter Sehnsucht ausgcprcßt: »Wer gibt mir, daß ich wiederum wäre wie in den frühesten Tagen, da Gott mich beschirmte, da seine Leuchte über meinem Haupte schimmerte, da ich bei seinem Lichte wandelte in der Dunkelheit? Wie ich in de» Tagen meiner Jugend war, als Gott noch nnsichtbar in meiner Hütte weilte? Mit Gerechtigkeit war ich damals noch bekleidet; und wie mit Gewand und Diadcnz, umgab mich mein Recht.« Mit dem Bewußtseyn der Gottgcfälligkcit ist auch die Heiterkeit des Goltesfricdens gewichen. Sucht nach Zerstreuung, Leicht¬ sinn und Hochmuth sind in diesen inner» Himmel cingcdrungcn, um das Licht von oben mehr und mehr zu bewölken und fern zu halten. Zwar setzt das Gewissen auch jetzt seine Mahnungen noch fort; klar und einfach, drohend und warnend tönt es bisweilen in seine Finsternisse und Blendlichter aus einer dunklen unbekannten Region herein, und er kann sich in gewissen Augenblicken des stillen Wortes der Wahrheit nicht erwehren. Und wenn er auch diese Stimme, die ihn aus der Gottesferne in die Heimat des Friedens zurückruft, im Sinucnrausche zu unterdrücken strebt und hämisch oft verachtet, so tauchen dennoch wieder, sobald er nur etwas nüchtern ist, die Warnungen desselben in seinem Bc- wußlscyn empor, so daß er von ihrer drohenden Macht in seinem Innern sich zermalmt fühlen, oder in der furcht¬ baren Sonnenhelle seines Geistes den ganzen Gräuel seiner sittlichen Verwüstung sehen muß. Hat er jedoch mehrere solche Heimsuchungen schnöde von sich gewiesen, so wird die Macht seiner gei¬ stigen Freiheit immer mehr nnd mehr gelähmt, und durch beharrlichen Widerspruch gegen den weckenden Gnadcnruf bringt er es mit der Zeit so weit, daß er, immer tiefer unter die Herrschaft der Naturtriebe hinabsinkend, ein Sclavc der Sinnlichkeit und ihrer Gelüste wird, daß er das Wort von der Freiheit nicht mehr zu verstehen, und den Le¬ benshauch der Gnade nicht mehr einzualhmen im Stande ist. So dorren bei ihm alsbald mit der Wurzel des Glaubens auch Hoffnung und Liebe aus; und sind einmal auf der Tafel seines Geistes alle Züge christlicher Erinnerung bis zur Unlc>erlichkcit hcrabgcichmolzcu, so stellt er in seiner sittlichen Vcrödnung das trostlose Bild eines verlornen Sohnes dar, der in unwirthliche Fernen vom Vater¬ hause sich verirrt. Welch eine geistige Verkommenheit, welch ein Anblick für die Irdischen und Himmlischen, den ein solcher Jüngling in seinem Gemüthc darbeut! Wie ist er jetzt so launenhaft und störrisch und veränderlich, wie frei und doch so furchtsam, wie unruhig und zerrissen in seinem Gemüthc! In sich gespalten ist er ein unzufriedener Mensch bei allem scheinbaren Glück von Außen, um das ihn vielleicht Jemand beneiden möchte, so lange er noch keinen Blick durch den zerrissenen Tcmpcl- «orhang seines entweihten Innern gethan hat. Die Sicherheit der Erkenntniß und die Zuversicht der Hoffnung ist aus seiner Brust verschwunden, und anstatt dieser holdseligen Gefährtinnen des Lebens ist der gespenstische Zweifel mit banger Furcht in sein Inneres eingedrungcn. Des Aufblicks zur ewigen Liebe verlustig geworden hat er keinen Sinn mehr für die Tröstungen des Gebetes, keinen Geschmack für die Erquickungen der in den Sakramenten darge- botcncn Gnadenschätze. Mit Abscheu und Widerwillen von seinen Studien und jeder ernsten Beschäftigung sich ab- wendend, hascht er nur nach leichter sinnverwirrender und herzentnervender Lectüre, und jagt nur Zerstreuungen und lärmenden Ergötzlichkeitcn nach, um im rauschenden Gewühl der Unterhaltung jede Regung des Gewissens sogleich zu ersticken und so sich selber zu entrinnen, und den schauerlichen Abgrund des Verderbens sich zu bergen, der ihm mit unheimlicher Gcbcrde entgegen klafft. — Es mag ihm kein Gespräch gefallen, das nicht sinnliche Lust und Gotteslä¬ sterung zum Gegenstände hat, er hat ein Behagen daran, in allen Verhältnissen des Lebens nur Bösartiges und Niedriges zu entdecken, eine Wonne an den thörichten Versuchen, alles Ucbernacürliche und Wunderhafte in die nie¬ dere Region des Wahns hinabzuziehcn, eine Abneigung gegen alles Heilige, einen Haß gegen das positive Christcnthum und die Kirche und alle diejenigen, die mit unwandelbarer Treue liebenden Gehorsams ihr «»hängen. Weil er ein Kind der Finsternisse ist, und diese mehr liebt, als das Licht, wird er von dem Lichte, das aus dem reinen Wandel Gott¬ ergebener Christen strahlt, in seinem Innern nicht erleuchtet, sondern nur unangenehm geblendet, so daß er seine Augen der lästigen Einwirkung desselben zu verschließen sucht, oder in feindlichem Trohe sich wegwendet; denn eben durch solche Veranlassung wird seine geistige Dürftigkeit zum Bewußtseyn ihm gebracht, und der Unwille ob Les Auf- deckens seiner schmählichen innern Zerrüttung angeregt. Daher auch der lachende Ucbcrmuth und der bittere Hohn, in den ein solcher Entarteter sich zu ergießen pflegt, wenn er bei was immer für einer Gelegenheit ernstlicher an seine jämmerliche Knechtschaft erinnert wird. Unscligkeit ist mithin sein Antheil, wo er geht und steht, kurz—er bewohnt eine öde, düstere Region, in der kein Segen und kein Friede und keine echte ungetrübte Freude heimisch ist, sondern nur Noth und Kümmcrniß des Geistes, weil dem unzcrstörlichen Drange nach Seligkeit und Lebensfülle dort keine Befriedigung werden kann, wo man von der einzigen echten Quelle derselben sich gesondert hat. Die duftigen Blüthcn irdischer Schcinglückscligkeit welken gar schnell dahin; schnell und unerwartet, mitten in Ucppigkeit und Lust, mitten in scelcntödtcudcr Ergötzung ereilt diese Glücklichen der Sturm, das Verderben. Hier, mein geliebter Jüngling! hast du den Spiegel, in dem du dein eigenes Herz beschauen mögest, um dir selbst eine Antwort zu geben auf die Frage: Habe ich im Verlaufe des scheidenden Studienjahrs zugenommcn an der Erkcnntniß und Liebe Christi und seiner Kirche? — Wohl dir, wenn dein Bewnßtscyn dir ein gutes Zcugniß gibt, wenn die Sonne der Gottcshuld in deinem Geiste leuchtet, und dein Herz in der Heiterkeit des Got- tesfricdcns wohnt! — Erhebe dich, der du jetzt am Scheidewege stehst, und durch die Standeswahl über deine ganze Zukunft das Loos zu werfen hast, erhebe dich mit inniger Zuversicht zu Gott im heiligen Gebete, daß er dir kund thuc den Beruf, für den er in seiner Weisheit dich auserkoren. Einen Strahl seines Lichtes wird er in dein kindlich ergebenes Herz dir senden, und der Weg, auf dem allein du segensreich durchs Leben wandeln kannst, wird dir so gewiß nicht verborgen bleiben, als es ja seiner liebenden Vorsehung ganz entsprechend ist, den studirenden Jüngling, der auf der Spitze der Entscheidung steht, zu rechter Wahl und That zu lenken. Sie aber. Vielgeliebte! denen noch ein Jahr bis zu jenem wichtigen Momente des Lebens verstreichen soll, mögen Ihre Herzen stets bewahren in Edelsinn und Dcmuth, und sic reinigen mehr und mehr, damit daS Auge des göttlichen Wohlgefallens immerdar auf Ihnen ruhe, und Sic, des himmlischen Schutzes würdig, in freudiger Zuversicht dec Zukunft entgcgcnblickcn können. Meinen Abschied von Ihnen Allen lege ich aber als Flammcngebct vor den Thron des Ewigen: Herr! blicke herab in gnädiger Erbarmung auf das theucrste Kleinod meiner Liebe, auf diese Jünglinge, die du meiner Obhut anvcr- traut, damit ich keinen von ihnen verliere, sondern sie rein und gcheiliget durch deinen Geist deinem Baterhcrzen wieder übergebe. Breite heute segnend deine Hand über sie Alle, daß der Same, den ich in ihre Herzen auszu- strcuen bemühet war, hundertfältige Frucht bringe, und ihre Brust stets in heiliger Liebe zu deinem Gesalbten glühe, und aus Aller Kehlen Ein Wonne- und Jubclgcsang ertöne zum Preise desjenigen, der aus der Finsterniß sie berufen in sein wunderbares Licht. Amen.