Sonderabdruck aus der Monatsschrift «Die Erdbebenwarte», Nr. 3, 4, 5, III. Jahrg., 1903/04. Nachdem —tiie erdmagnetischen Elemente sich seit September 1898 durch einen auffallig ruhigen Verlauf ausgezeichnet hatten und magnetische Storungen nur selten und von geringer Intensitat vorgekommen waren, wurde am 31. Oktober d. J. im erdmagnetischen Observatorium des k. u. k. Hydrographischen Amtes in Pola ein magnetischer Sturm registriert, wie ein solcher von gleicher Starke hier noch niemals beobachtet worden ist. Aus den photographischen Registrierlinien der magnetischen Deklination (MiGweisung), deren Verlauf trotz der starken Ausschlage vollstandig zur Aufzeichnung gelangte, ergibt sich als Zeitmoment fiir den Beginn der Storung 7 h 2 m a. m. mitteleuropaische Zeit. 1 Um diese Zeit bricht die ziemlich ruhig verlaufende Registrierlinie plotzlich ab, es erfolgt ein Aus- schlag von 5' in steigendem Sinne und setzen nun jene steilen spitzen Zacken und Wellen ein, wie sie sonst nur auf Polarstationen beobachtet werden. Hiebei lassen sich zwei, allerdings durch Interferenzen vielfach gestčrte Wellensysteme unterscheiden, wovon das eine weitaus starkere die Periode (ganze Schwingung) von 20 bis 22 m und das andere schwachere eine solche von 4 bis 6 m zu besitzen scheint. Da die Magnete samtlicher Variationsapparate sehr stark gedampft sind, kamen Eigenschwingungen nicht zur Geltung und sind daher die photographischen Linien sehr deutlich aufgezeichnet. Von 6 bis 8 h p. m. ist in der Registrierlinie eine Reihe von fiinf ziemlich regelmafiigen Schwingungen mit sehr grofien Amplituden und einer inittleren Periode von 20 m zu beobachten. Der Verlauf der Linie ist hiebei nahezu glatt, indem die sekundaren Wellen kurzerer Periode hier nicht ausgepragt sind. VVahrend dieser Zeit weisen samtliche Elemente die starksten Variationen in rascher Folge auf; so anderte sich die Deklination von 7 h 46 ra bis 7 h 58 m p. m. um 59' und wurde um 7 h 58 m p. m. das Minimum der westlichen Deklination, 8° 29' erreicht, wahrend der Maximal- wert um 3 h 23 m p. m. mit 9° 32'3' abgelesen wurde. Die Gesamtschwankung betrug somit bei der Deklination 63’3', ein Betrag, welcher in 24 Stunden 1 Die Genauigkeit der Zeitangaben wird auf + !■ veranschlagt. Erdmagnetische Storung in Von Korvettenkapitan W. Kesslitz. (Hiezu Tafel IV.) bisher hier noch nicht erreicht worden ist, da die Amplituden bei den grofien Storungen vvahrend des Nordlichtes am 17. November 1882 nur 56', bei den Sturmen am 20. August 1894 und 15. Marž 1898 nur 53' und 51' ausgemacht hatten. Kurz nach Mitternacht wurde in der Deklination die letzte steilere Zacke (in abnehmendem Sinne) beobachtet, worauf dann die Wellen eine mehr abgerundete Form erhielten und der Wert der westlichen Deklination wieder zunahm. Noch weitaus grofiere Schwankungen zeigte die Registrierlinie des Variationsapparates der Horizontalkomponente des Erdmagnetismus. Der Beginn der Storung markierte sich bei diesem Element durch einen spon- tanen Ausschlag von 14 mm in steigendem Sinne, was einer Zunahme der Horizontalintensitat von 63 y (y nach Prof. Eschenhagen = 0-00001 C. G. S.) entspricht. Der um 7 h 3 m a. m. erreichte Wert von 0-22311 C. G. S. reprasentiert zugleich das Tagesmaximum. Nach einigen unregelmafiigen Oszillationen von 4 bis 6 Skalenteilen (1 Skalenteil = 0-0000415 C. G. S.) beginnt in der Registrierlinie um 7 h 45 m a. m. die erste starkere Zacke, wobei die Horizontalintensitat ruckweise, aber sehr rasch abnimmt und um 8 h a. m. ihr Betrag schon auf 0-22216 gesunken war. Gegen 8 h 20 m a. m. erfolgte voriibergehend nochmals eine starkere Zunahme, dann sinkt aber die Horizontalintensitat unter raschen und unregelmaiJigen Oszilla¬ tionen derart, dafi der Lichtpunkt des Magnetspiegels um 10 h 24 m a. m. den Rand des photographischen Papieres uberschreitet. Glttcklicherweise erfuhr man von dem Vorhandensein dieses magnetischen Sturmes noch rechtzeitig dadurch, dafi um 11 h 10 ra a. m. eine absolute Inklinations- bestimmung angestellt werden solite, wobei die starken Schvvankungen an den Variationsapparaten aufgefallen waren. Es wurde hierauf sofort ein periodischer Beobachtungsdienst organisiert und samtliche drei Variations- apparate von Minute zu Minute mit Bentitzung eines nach mitteleuropaischer Zeit regulierten Chronometers abgelesen. Hiedurch konnte bei der Horizontal¬ intensitat der groGte Teil des Storungsverlaufes aus den absoluten Ab- lesungen rekonstruiert werden und fehlt nur das Stiick von 10 h 30 nl a. m. bis 11 h 45 m a. m. Wie aus den Ablesungen von ll h 12 m und 11 h 35 m a. m. sowie aus dem sonstigen Verhalten der Kurven zu ersehen ist, scheint jedoch wahrend dieser Zeit noch nicht der kleinste Wert der Horizontal¬ intensitat eingetreten zu sein. Letzterer wurde vielmehr um 3 h 33’5 m p. m. mit 0'21753 notiert, nachdem um 3 h p. m. eine scharfe Zacke in positivem Sinne vorangegangen war und trat das Minimum der Horizontal¬ intensitat etwas friiher ein als das Maximum der westlichen Deklination. Die Gesamtamplitude der Horizontalintensitat betrug somit 558 y, d. i. etwa 2-6°/ 0 des Gesamtbetrages. Wie bei der Deklination traten auch bei diesem Element die starksten Schwankungen zvvischen 6 und 8 h p. m. auf. Von 9 h p. m. an ist ein 3 sukzessives, durch ktirzere Zacken unterbrochenes Zunehmen zu bemerken; um 3 h a. m. erfolgt ein starkeres Wachsen bis 0'22240, dann halt sich aber die Horizontalintensitat noch vvahrend des ganzen 1. November um ungefahr 100 y tiefer als aru Tage vor dem Einsetzen der Storung (Nach- storung). Bei der Vertikalintensitat war die Storung von entgegengesetztem Charakter, indem der erste Ausschlag von vier Skalenteilen, d. i. 8 y, in abnehmendem Sinne erfolgte und dann nach unregelmaGigen Oszillationen geringer Amplitude von 0 h 54 m p. m. an eine anfangs langsame, von 2 h 30 m p. m. an aber auGerst rapide Zunahme des absoluten Wertes der Vertikalintensitat erfolgte. Da der Variationsapparat fur dieses Element mit Rucksicht auf dessen sonst geringere Schwankungen doppelt so empfindlich eingestellt ist wie jener der Horizontalintensitat, so uberschritt um 2 h 12 m p. m. nicht nur der Lichtpunkt das Registrierpapier, sondern es ver- schwand auch um 2 h 30 m p. m. das Skalenbild aus dem Gesichtsfelde des Ablesefernrohres und konnte somit der Maximalwert der Vertikalintensitat nicht ermittelt werden. Da die aufierste Lesung 167 Skalenteile betrug, war bis zum Wiedererscheinen des Skalenbildes, d. i. bis 6 h 18 m p. m., die Vertikalintensitat jedenfalls groGer als 0'38900, daher mit Beriicksichtigung des gleichzeitigen Wertes der Horizontalintensitat die Inklination, deren Betrag gegenvvartig zwischen 60° 9' und 60° 12' schvvankt, groGer als 60° 37' gevvesen ist. Die Gesamtschwankung der Vertikalintensitat laGt sich natiirlich nicht ableiten, betrug aber jedenfalls um ein erhebliches mehr als 200 y. Nach dem Wiedererscheinen der Skala, d. i. 6 h 18 m p. m., sind bis 8 h p. m. wie bei den anderen Elementen starke, regelmaGige Zacken von 70 bis 180 y Amplitude und einer Periode von 20 m zu beobachten; von 8 h p. m. an nimmt die Vertikalintensitat sukzessive ab, wird von 3 bis 6 h a. m. nahezu normal, um sich dann entgegengesetzt der Plorizontalintensitat vvieder uber den Normahvert zu erheben. Wegen trtiben regnerischen Wetters konnte leider nicht konstatiert werden, ob das Nordlicht, welches am 31. Oktober abends in vielen Orten Mittel- und Nordeuropas beobachtet worden war, auch noch in unseren Gegenden sichtbar gevvesen ist. Storungen in den Telegraphenleitungen wurden vvShrend des 31. Oktober hier nicht wahrgenommen. I'\lelnmayr & Bamberg, Lalbach,