Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana In der Musikgeschichte Mitteleuropas stellt das organisierte Musikleben in Ljubljana (Laibach) ein eigenartiges Phänomen dar. Ljubljana war nämlich niemals die Haupstadt eines Staats oder der Sitz eines Fürstenhofes. Es war wohl die Hauptstadt des Herzogtums Krain als Teil der einstigen Österreichischen Monarchie, nun der Kern der heutigen Republik Slowenien. Abhängig von Zeiten größerer oder kleinerer Autonomie fiel ihr zeitweilig eine bedeutendere Rolle zu, die es sich zur Entfaltung von Kunst und Wissenschaft nutzbar zu machen wußte. Das von Slowenen bewohnte Land – es wurde vom Polyhistor Freiherrn Johann Weichard Valvasor vor 300 Jahren in einem vierbändigen Prachtwerk Die Ehre des Herzogtums Krain (1689) ausführlich beschrieben – besaß eine einheimische Intelligenzschicht, die sich – wie damals üblich – neben der slowenischen zumeist der lateinischen und der deutschen Sprache bediente. So entstanden gegen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts in Ljubljana zwei Akademien, die Academia operosorum und die Academia Philharmonicorum. Die Bürger von Ljubljana müssen große Musikfreunde gewesen sein und fanden daher von selbst die Form eines musikalischen Zusammenschlusses, wie man ihn Anfang des 18. Jahrhunderts zwar in Italien und Frankreich schon kannte, im näheren und etwas weiteren Umkreis aber noch nicht. Auch in größeren und bedeutenderen Zentren hatte man derartige Vereinigungen zu jener Zeit noch nicht gegründet. So entstand im Jahre 1701 in Ljubljana die Academia Philharmonicorum. Die Seele dieses Geschehens war Johann Berthold Höffer, Krainer Patrizier und erster Direktor der Vereinigung. Bis zu seinem Tode am 15. Juni 1718 war er der Spiritus agens und der Motor der Vereinigung und ihrer Tätigkeit. Obwohl dieselbe nach seinem Tode nachließ, dürfte die Vorstellung eines organisierten Musiklebens weitergelebt haben. Sie wartete nur auf die richtige Gelegenheit, um neuerdings aufzulodern. In der Zwischenzeit hatte sich in der europäischen Musik so manches abgespielt. Die Zeit des Barock hatte nach ihrem Höhepunkt mit Bach und Händel ihre Lebenskräfte verbraucht und war ausgeklungen. Eine neue Richtung meldete sich an, Europa wurde von den neuen Ideen des Aufklärertums überschwemmt, in Wien entfaltete sich die Blüte der musikalischen Klassik. Die Form, die sich insbesondere auch als Art des Musizierens verbreitete, war das Streichquartett. Der kleine, in sich geschlossene Kreis von Musikern war die geeignete Form für die stets häufigere Gepflogenheit des häuslichen Musizierens. Eben diese Form wirkte in Ljubljana auf die Belebung der organisierten Musiktätigkeit ein. Sie trat allerdings nunmehr unter dem neuen Namen der Philharmonischen Gesellschaft an den Tag. Die Anregung kam im Jahre 1794 von dem Ljubljanaer Bürger, Kaminfegermeister und Liebhaber-Violoncellisten Karl Moos und von dem Arzt Karl B. Kogl. Die beiden Musiker gewannen noch zwei Mitbürger, Jellemitzki und Flikschuh, und gründeten mit ihnen ein Streichquartett. Die ersten Werke, die man übte und ausführte, waren Werke von Pleyel, Haydn, Mozart und anderen damals zeitgenössischen Komponisten. Das Quartett ist aus reiner Begeisterung für Musik, aus Freude am Musizieren ins Leben gerufen worden. Die Quartettform entsprach den damaligen bescheidenen Verhältnissen in Ljubljana. Nach einigen Monaten Arbeit entschlossen sich die vier 49 Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana Enthusiasten, noch weitere Musikliebhaber heranzuziehen. Im Oktober 1794 versandte Kogl ein Rundschreiben, in dem er den Wunsch zum Ausdruck brachte, es mögen der neuen Vereinigung noch andere Mitglieder beitreten, sowohl »Tonkunstkenner«, wie es im Brief heißt, als auch »Tonkunstliebhaber«, die ersteren als Mitwirkende, die letzteren als Zuhörer. Als Mitglieder meldeten sich alsbald Kaufleute, Maler, Lehrer, Geistliche und Gewerbetreibende. Den Kern der Gesellschaft bildeten anfänglich 15 Mitglieder und die vier Mitglieder des Streichquartetts. Begeisterung und Ehrung verhalfen zum baldigen öffentlichen Auftreten. Die Veranstaltungen nannte man bis zum Jahre 1836 Akademien. Das Programm war anfänglich nur vom Streichquartett abhängig. Doch wurde die erste Akademie durch eine »kurze Symphonie«, wie es heißt, eingeleitet. Um welche Symphonie es sich handelte, ist nicht bekannt, allerdings war der Erfolg sehr groß. Später wurden die Programme der Veranstaltung hauptsächlich vom Orchester gestaltet. Die Gesellschaft machte sich unverzüglich an die Anschaffung der notwendigen Musikalien und Instrumente. So wurde Notenmaterial von Werken Pleyels, Haydns, Gyrowetz’, Beethovens, Rossettis und anderer Komponisten angekauft. Die Auswahl der Namen zeigt die Stilrichtung der neuen Gesellschaft an, sie entschied sich für die damals aktuellen zeitgenössischen Künstler. Die Mitgliedschaft mehrte sich. Die Konstituierung der Vereinigung war unerläßlich, die Ausarbeitung von Statuten eine Notwendigkeit. Die einstimmig angenommene erste Fassung mit dem Titel „Statuten der musikalischen Gesellschaft zu Laibach“ wurde im Jahre 1796 gedruckt. Die Statuten sind noch heute ein interessantes Dokument. Aus ihnen gehen die Tätigkeit und die Organisation der Vereinigung, aber auch die Arbeitsweise des Orchesters, das Auftreten und die Veranstaltungen hervor. Die ersten Statuten umfassen 33 Artikel. Die zweite Fassung verminderte die Anzahl der Artikel auf 29 und bestimmte endgültig den Namen der Vereinigung. Der Titel lautete nämlich ganz kurz: „Statuten der Philharmonischen Gesellschaft in Laibach“. Der Zusatz besagt: »Nach den Statuten vom Jahre 1794 umgearbeitet und festgesetzt im Jahre 1801.« Die Entwicklung brachte es mit sich, daß die Statuten später noch umgeändert, revidiert oder ergänzt wurden. Artikel 1 der Statuten aus dem Jahre 1801 bestimmt folgendermaßen den Zweck der Gesellschaft: »Verfeinerung des Gefühles durch die Auswahl vortrefflicher Werke der Tonkunst; und Erhöhung des Genusses durch geschmackvolle Ausführung derselben im gesellschaftlichen Kreise.« Die Leitung der Gesellschaft oblag einer Direktion, sie bestand aus drei Mitgliedern: dem Direktor und zwei sogenannten Repräsentanten der Gesellschaft. Der Direktor wurde aus dem musizierenden Teil der Gesellschaft, der eine Repräsentant aus den zuhörenden, der andere aus den musizierenden Mitgliedern gewählt. Die Direktion wählte aus den Mitgliedern einen Sekretär, die musizierenden Mitglieder einen Orchesterdirektor, die ganze Gesellschaft einen Kassier. Im übrigen regelten die Statuten die Arbeit des Orchesters und die Aufnahme neuer Mitglieder. Die Statuten spiegeln in manchem die Verhältnisse der damaligen bürgerlichen Gesellschaft wider. Heute wirkt zum Beispiel Artikel 20 belustigend: »Die Gesellschaft nimmt jeden, von dem es zu erwarten ist, daß er den Zweck der Gesellschaft befördern, nicht aber stören werde, mit Vergnügen als Mitglied auf. Frauenzimmer jedoch machen hier eine Ausnahme; indem nur Musikdilettantinnen, die den Zweck der Gesellschaft befördern, zu Mitgliedern 50 PRIMO KURET (1935) aufgenommen werden können. Diese haben auch das Recht, ihren Begleiter in die Akademie einzuführen.« Und Artikel 23: »Geschickte Musikdilettanten und Dilettantinnen werden unmittelbar von der Direktion zu Mitgliedern aufgenommen, und als solche der Gesellschaft angezeigt.« Artikel 25: »Auch auswärtige Musikfreunde, die durch ihre ausgezeichneten musikalischen Talente und Verdienste der Gesellschaft nützen können, werden mit Vergnügen zu Ehrenmitgliedern aufgenommen.« Die Tätigkeit der Gesellschaft begrenzte sich anfangs also auf interne Auftritte. Es waren Konzerte für den geschlossenen Kreis der Mitglieder, man nannte sie Akademien. Man war da anspruchsvoll genug, es wurde wöchentlich eine Akademie gegeben. Sie wurden – so Artikel 18 der Statuten – als geschlossene Veranstaltung betrachtet: »Folglich steht der Eintritt nur den Mitgliedern offen. Doch erlaubt die Gesellschaft jedem Mitgliede, ausgezeichnete Fremde, oder durchreisende Musikfreunde, nach den Modifikationen, welche die Direktion für nöthig erachtet, in die Akademie einzuführen.« Allerdings bestimmte Artikel 26: »Alle Vierteljahre wird zum Vergnügen der hiesigen Einwohner eine freye Akademie gegeben, wozu jedes Mitglied eine Manns- oder Frauensperson aufführen kann.« Die Gesellschaft betrachtete demnach ihre Tätigkeit zunächst als Liebhaberei im relativ engen, geschlossenen Kreis. Erst die Statuten aus dem Jahre 1809 öffneten einigermaßen den Zutritt zu den Akademien. Mag sein, daß das kulturelle Niveau in den ersten Dezennien des Wirkens der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana für öffentliche Konzerte noch nicht aufgeschlossen war und sich ihr Orchester nur einem begrenzten Kreis von Zuhörem erschließen konnte. Die Mitglieder der Gesellschaft mußten die materiellen Mittel für ihre Tätigkeit selbst aufbringen. Der monatliche Mitgliederbeitrag von einem Gulden konnte für das sich ausbreitende Wirken nicht genügen. Die Instrumente und Musikalien mußten angeschaft werden: für ein neues Klavier wurden 165 Gulden aufgebracht. Auch die wöchentlichen Akademien waren mit Auslagen verbunden. Schon früh wurden fremde Künstler zu Auftritten verpflichtet und auch honoriert. Alle derartigen Auslagen wurden durch freiwillige Spenden der Mitglieder bestritten. Allerdings erfreute sich die Gesellschaft wachsenden Ansehens in der Stadt und einer wachsenden Zahl von Mitgliedem. Es scheint, es gehörte zum guten Ton, der Gesellschaft als Mitglied beizutreten. Anfang des 19. Jahrhunderts zählte die Gesellschaft 136 Mitglieder, lauter angesehene Bürger, höhere Offiziere, Wissenschaftler, Ätzte, Schriftsteller und Poeten, höhere Beamten und sogar die Geistlichkeit mit dem Bischof an der Spitze. Angesichts dessen darf man sagen, daß sich bei den geschlossenen Akademien eigentlich alles einfand, was im damaligen Ljubljana an Musik Interesse hatte, und so die Exklusivität der Tätigkeit der Gesellschaft rein formell war. Man wollte eben nur unter sich sein! Es mutet merkwürdig an, daß die an sich ernste Gesellschaft auch mit populären Veranstaltungen für ihr Image in Ljubljana sorgte. So rief sie die einst beliebten Vergnügungsfahrten auf dem Ljubljanica-Fluß wieder ins Leben. Die Fahrten wurden auch zu Ehren fremder Gäste, die auf der Durchreise in Ljubljana Halt machten, veranstaltet. Besonders bekannt ist der Besuch Lord Nelsons und der Lady Hamilton im Jahre 1800. Die Philharmoniker brachten ihnen zu Ehren eine Haydn-Symphonie zur Ausführung. 51 Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana Auch bei außerordentlichen Ereignissen wurde die Gesellschaft herangezogen. Im Jahre 1801 weilte in Ljubljana die Fürstin Marie Leopoldine. Ihr zu Ehren wurde am 26. Juli eine Akademie veranstaltet, bei der nebst einer Symphonie und zweier Konzerte für Violine und Klavier unbekannter Autoren auch die Kantate eines einheimischen Komponisten, Janez Krstnik Novak, ausgeführt wurde. Ihr Titel lautete: Krains Empfindungen über den Besuch Ihrer kaiserlichen Hoheit, der verwitweten Churfürstin von Pfalz-Bayern, Marie Leopoldine, und über das Ende des Frankenkrieges, gesungen zu Laibach, im Heumonde 1801. Der außerordentliche Anklang, den das Auftreten der Gesellschaft und ihre Tätigkeit in Ljubljana angetroffen hatten, verhalf zum Selbstvertrauen und veranlaßte, ohne Überheblichkeit, Achtung vor den errungenen Leistungen. So entschloß man sich, den Statuten gemäß, »auswärtige Musikfreunde«, wie es darin heißt, zu Ehrenmitgliedern aufzunehmen. Unter den ersten, die eingeladen wurden, war Joseph Haydn im Jahre 1800, der die Einladung gern annahm. Aus Dankbarkeit hat Haydn nach Ljubljana seine Messe in C-Dur geschickt. Später folgten als Ehrenmitglieder Ludwig van Beethoven (1819), Nicolo Paganini (1824), Johannes Brahms (1885), Eduard Hanslick und viele andere. Es ist interessant, daß der Text des an Beethoven gerichteten Diploms anders lautet als in sonstigen Fälllen, wo er mehr allgemein formuliert war. Dieser Text lautet: »Die hiesige Philharmonische Gesellschaft, deren Zweck Verfeinerung des Gefühls und Bildung des Geschmacks im Gebiete der Tonkunst ist, mußte bei ihrem rastlosem Streben, dem Vereine nach innen und außen durch zweckmäßige Wahl neuer Glieder, immer mehr Gehalt, Solidität und Würde zu geben, allgemein von dem Wunsche durchgedrungen werden, die Zahl ihrer Mitglieder durch Euer Wohlgeboren geziert zu wissen. Das Organ dieser Gesellschaft, die unterzeichnete Direction erfüllt, den allgemeinen Wunsch der Gesellschaft realisirend, diesmal ihre angenehmste Pflicht, in dem sie Eu. Wohlgeboren durch Ernennung zum Ehrenmitgliede den vollsten Beweis ihrer tiefsten Verehrung anzunehmen ersuchet und zugleich ein Exemplar der Statuten und des Verzeichnisses der damaligen Mitglieder hier beischliesst.« Beethoven dankte ihr mit einem Brief vom 4. Mai 1819, der folgenden Text hat: »Den Ehrenvollen Beweis, welchen mir die würdigen Mitglieder der Philharmonischen Gesellschaft als Anerkennung meiner geringen Verdienste in der Tonkunst dadurch gegeben haben, daß sie mich zu ihrem Ehren Mitgliede erwählt haben, und mir das Diplom darüber durch Herr Magistrats Rath Tuscher haben zustellen lassen, weiß ich zu würdigen, und werde zu seiner Zeit als einen Beweis dieser meiner Würdigung ein noch nicht öffentlich erschienenes Werk durch obgedachten Herrn Tuscher an die Gesellschaft die Ehre haben gelangen zu lassen. Wo übrigens die Gesellschaft meiner bedarf, werde ich jederzeit mich dazu bereit finden lassen. Der philharmonischen Gesellschaft ergebenstes Ehrenmitglied Ludwig van Beethoven.« In dem zitierten Brief teilte Beethoven also mit, an die Philharmonische Gesellschaft eins seiner Werke zu senden. Keesbacher – der erste Geschichtsschreiber des Musiklebens in Ljubljana – erwähnt im Jahre 1862, daß Beethoven bei dieser Gelegenheit eine Kopie seiner 6. Symphonie geschickt hat, die sich noch heute in der Nationalbibliothek befindet. Es handelt sich um eine Handschrift, die von einem Kopisten geschrieben wurde. Es gibt aber in der Partitur mit Bleistift eingetragene Korrekturen, von denen vermutlich einige von Beethovens Hand stammen. 52 PRIMO KURET (1935) Allerdings waren die ersten Jahre des Bestehens der Gesellschaft nicht immer von einem Glückstern begleitet. Die Franzosenkriege der neunziger Jahre verschonten auch Ljubljana und die slowenischen Länder nicht. Im Jahr 1799 starb Karl Moos, der sich für die Gründung und den Ausbau der Gesellschaft die meisten Verdienste erworben hatte. Die unruhigen Zeiten nahmen jedoch kein Ende. Ljubljana wurde von Napoleons Truppen mehrmals besetzt (1805-06), im Jahre 1809 schließlich verlor Österreich Teile seines Hoheitsgebiets und Napoleon gründete nun unter anderem die Illyrischen Provinzen. Das Land Krain wurde ihr Kerngebiet und die Stadt Ljubljana wurde zu ihrer Hauptstadt erhoben. Die Illyrischen Provinzen brachten einem Teil der Slowenen eine gewisse Selbstständigkeit und wurden von der slowenischen Intelligenz mit Begeisterung aufgenommen. Es wurden slowenische Schulen eingeführt, die slowenische Sprache kam zu ihren Rechten. Die Mitglieder der Philharmonischen Gesellschaft blieben jedoch kaisertreu. So stellte die Philharmonische Gesellschaft bis zum Ende der Franzosenzeit und der kurzlebigen Illyrischen Provinzen im Jahre 1814 ihre Tätigkeit ein. Nach dem Sieg über Napoleon trafen Europas Herrscher zu vielen Konferenzen zusammen. Eine Konferenz fand auch in Ljubljana 1821 statt und ist als Laibacher Kongreß in die Geschichte eingegangen. Man berichtet von vielen Konzerten, bei denen die Mitwirkung der Philharmonischen Gesellschaft unumgänglich war. In den nun folgenden ruhigeren Zeiten konnte die regelmäßige Tätigkeit der Gesellschaft unter Beobachtung der neuen Statuten fortgesetzt werden. Der Direktion waren die Aufrechterhaltung und das Wohl der Gesellschaft gänzlich anvertraut. Sie konnte sich zu diesem Zweck aller Mittel bedienen, die mit den Statuten nicht im Widerspruch standen. Dem Direktor stand die Oberleitung über das Ganze zu. Doch hatte er ohne Zuziehung und Beistimmung beider Repräsentanten, sowie die Repräsentanten ohne Einwilligung des Direktors, nie etwas vorzunehmen. Das Amt der Direktion dauerte ein Jahr. Die Wahl geschah einen Monat vor dem Ablauf des Jahres. Die Beschlüsse geschahen durch geheime Abstimmung aller Mitglieder und durch Stimmenmehrheit. Für die reibungslose Tätigkeit der Gesellschaft sahen die Statuten besondere Instruktionen für den Direktor, für den Ausschuß und für das Orchester vor. Die Bestimmungen liegen gedruckt vor. Sie sind betitelt „Instruktionen für das Orchester der philharmonischen Gesellschaft zu Laibach. Verfaßt im Jahre 1805.“ Nach den Angaben aus dem Jahre 1802 zählte das Orchester 25 Ausführende und zwar: 4 erste und 4 zweite Violinen, 2 Violen, 2 Celli, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Flöten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 1 Klarine, 1 Pauke und 1 Kontrafagott. Die Konzertsaison war in zwei Teile eingeteilt. Vom 1. Mai bis zum letzten Oktober und vom 1. November bis zum letzten April. Es war also eigentlich keine Pause dazwischen vorgesehen. Die Instruktion umfaßt drei Abschnitte, der erste war dem Orchesterdirektor, der zweite den musizierenden Mitgliedem überhaupt und der dritte der ordentlichen und richtigen Ausführung der Musikwerke gewidmet. Die Pflichten und Aufgaben des Orchesterdirekteurs, wie man ihn nannte, waren in der Instruktion detalliert angeführt. So hatte er bei seinem Antritt die Musikalien und Instrumente zu übernehmen, sie zu verwahren und für sie zu haften. Allein die Aufsicht, Sorge und Disposition des Klaviers war dem musikalischen Repräsentanten überlassen. Der Orchesterdirekteur hatte von jedem Mitgliede, welches Musikalien oder ein 53 Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana Instrument zu gebrauchen wünschte, einen Empfangsschein zu verlangen. Er hatte auch das Verzeichnis der Musikalien und Instrumente zu führen, sie in Ordnung zu erhalten, sie bei Bedarf duplieren zu lassen und für die Brauchbarkeit der Instrumente Sorge zu tragen. Er mußte mit der zeitgenössischen Literatur auf dem laufenden sein und die Anschaffung neuer Musikalien der Direktion vorschlagen. Seine Sorge war die Zusammenstellung der jeweiligen Akademie-Programme oder, wie es in der Instruktion heißt, »die Auswahl und Anordnung der aufzuführenden Sinfonien und Ouvertüren«. Die Gesang- und Instrumenten-Konzertstücke mit Klavierbegleitung aber gehörten unmittelbar unter die Leitung der Direktion. Die Instruktion bestimmt ausdrücklich: Dem Orchesterdirekteur »wird die jedesmalige frühere und fleißige Durchsicht der Musikwerke empfohlen, um den Karakter und die Bewegung derselben desto richtiger zu beurtheilen und angeben zu können«. Für die Ausführung hatte er die Proben und ihre Anzahl zu bestimmen. Die Instruktion besagt ausdrücklich, er habe »dabei jederzeit selbst, so wie bei den Akademien, zu erscheinen, und alle Mittel – jedoch mit Klugheit und Anstand – für die Vervollkommnung des Orchesters anzuwenden. Desswegen hat er das Recht, die musizierenden Mitglieder nach seiner Einsicht bei Ausführung der Musikstücke zu verwenden«. Die Anweisungen, die die Instruktion an die »musizierenden Mitglieder« richtete, sind zunächst von der damals üblichen Aufführungspraxis zu verstehen. Jedes musizierende Mitglied, heißt es, wird es nicht unterlassen, dem Orchesterdirekteur jederzeit mit Achtung entgegen zu kommen, und sich seinen Anordnungen mit Bereitwilligkeit zu unterziehen. Es hat nach Möglichkeit bei jeder Probe, wenn sie ihm angesagt wird, genau um die bestimmte Zeit zu erscheinen. Die Erfahrung lehrt, heißt es weiter, daß nur von häufigen Proben die Vervollkommnung des Orchesters und der vorteilhafteste Eindruck auf die Zuhörer abhängen. Umfangreicher sind in der Instruktion die Anweisungen für die ordentliche und richtige Ausführung der Musikwerke. Sie sind sowohl für den Orchesterdirektor als auch für Mitglieder des Orchesters bestimmt. Sonderbar mutet Punkt 3 an: »Um den unangenehmen Eindruck des Stimmens der Instrumente so viel wie möglich zu vermindern, ist es eine unerläßliche Vorschrift, daß der Orchesterdirektor zuerst und allein mit einem Hauptinstrumente zusammenstimme, dann zu jedem einzelnen hingehe und es einstimme. Nach geendigter einzelner Einstimmung geht der Orchesterdirektor noch einmal seine Seite durch, und dann folgt der Direkteur der zweiten Violin mit seiner Seite. Sowohl während dieser Einstimmung, als hernach, soll jedes Mitglied alles Fürsichspielen und das unnütze immerwährende Ertönen der Instrumente gänzlich unterlassen.« Die Instruktion enthält Anweisungen für sonst übliche Usancen: »Bei Akademien ist das vom Orchesterdirektor mit dem Bogen gegebene Zeichen eine Einladung für das ganze Orchester zur Produktion zu erscheinen.« Weitere Anweisungen für das Verhalten bei den Darbietungen waren offenbar Musikern zugedacht, die nicht von Beruf Musiker waren. Sie wurden folgendermaßen ermahnt (Punkt 4): »Um den Eindruck der Musik gleich im Anfang so wirksam als möglich zu machen, ist es eine unerläßliche Vorschrift, daß auf das erste gegebene Zeichen des Orchesterdirektors das ganze Orchester eine Pause von einigen Minuten beobachte und bei dem zweiten Zeichen sogleich das Stück, seiner Anleitung gemäß, mit Aufmerksamkeit und Kraft anfange.« Noch detaillierter waren die 54 PRIMO KURET (1935) Anweisungen in Punkt 5: »Bei Orchesterstücken, wo mehrere Personen eine Stimme spielen, ist es ein Hauptgrundsatz, sie so einfach als möglich vorzutragen. Deswegen hat jedes Mitglied sich genau an die angegebenen musikalischen Zeichen zu halten; keine Note länger oder kürzer auszuhalten, als vorgeschrieben ist; keine vorgeschriebenen Ligaturen oder Abstössungen zu unterlassen oder andere vorzutragen; keine Nachdrucke oder Verzierungen dahinein zu legen, wo sie nicht stehen; bei dem Anfang der Musikstücke und nach Fermaten dem Orchesterdirektor nicht vorzueilen, sondern vielmehr die Augen gegen ihn zu wenden, um die genaueste Gleichheit in der Fortschreitung des Stückes hervorzubringen. Die Vernachlässigung dieser Vorschrift stört die Einheit und Gleichheit der Produktion bis zum Unangenehmen; und das ästhetische Ganze erscheint als eine Masse von Tönen in Gärung, welche den Zuhörer oft in die peinlichste Lage versetzen.« Und weiter Punkt 6: »Um diese Einheit in der Produktion zu bewirken, ist der Orchesterdirektor da. Jedes Mitglied lasse sich daher die Befolgung seiner Erinnerung (gemeint sind offenbar Anweisungen, Anm. d. Verf.) angelegen sein, ohne sich gekränkt zu fühlen, weil es hier nicht auf die Geschicklichkeit des Einzelnen, sondem des Ganzen ankömmt. Es sehe den Orchesterdirektor lieber als den Mann an, der durch unablässiges Streben nach Vollkommenheit der Produktion den Ruhm des Orchesters und der Gesellschaft nach Kräften zu vermehren trachtet.« Und schließlich Punkt 7: »Deswegen ist es nothwendig, daß außer dem Orchesterdirektor kein Mitglied während der Produktion Erinnerungen (das heißt offenbar Anweisungen oder Bemerkungen, Anm. d. Verf.) an das Orchester mache, denn es stört den Orchesterdirektor, es stört die übrigen Mitglieder und erregt Mißgunst. Man eröffne vielmehr seine Meinung vor oder nach der Produktion dem Orchesterdirektor selbst.« Ein derartiger demokratischer Zug, könnte man sagen, kommt letztlich in der Bestimmung zum Ausdruck, daß sich – laut Punkt 10 – einige Mitglieder von dem Orchesterdirektor wählen lassen, um ihn in seinen Verrichtungen zu unterstützen. Die Instruktion hatte vielleicht ähnliche Bestimmungen von anderswo zum Vorbild. Allerdings entsprach sie den Bedürfnissen der Laibacher Verhältnisse. Viel später, im Jahr 1849, als neue Umstände das Wirken der Gesellschaft bestimmten, diente die Instruktion aus dem Jahre 1805 als Grundlage für neue Vorschriften und Regeln. Immerwährende Gültigkeit behielt und behält der Schlußsatz der alten Instruktion: »Mehr noch als diese Instruktionen werden wechselseitige Bereitwilligkeit, zuvorkommendes Betragen und Einigkeit aller musizierenden Mitglieder überhaupt zur Erreichung des gesellschaftlichen Zwecks beitragen.« Eine wichtige Ergänzung zu unserer Vorstellung der Tätigkeit der Laibacher Philharmonischen Gesellschaft im ersten Dezennium ihres Bestehens ist der erhaltene „Musicalien-Katalog der Philharmonischen Gesellschaft in Laibach zum Gebrauche für auswärtige Herren Mitglieder dieser Gesellschaft No. 1 seit November 1794 bis letzten Juni 1804.“ Der Katalog bietet einen interessanten Einblick in die Programmrichtung der damaligen Gesellschafts-Direktion. Er ist in drei Teile eingeteilt und systematisch geordnet. Der erste Teil umfaßt zunächst Kammermusik, aber auch Symphonien, Ouvertüren usw., der zweite Teil Kirchenmusik und der dritte Klavierwerke. Im Ganzen sind es 239 Nummern. Jeder Teil ist in Unterkapitel eingeteilt. 55 Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana Im ersten Unterkapitel des ersten Teils sind 82 Symphonien eingetragen. Darunter befinden sich Werke von Haydn, Beethoven (die erste und die zweite Symphonie), Gyrowetz, Pleyel, Paul Vranitzky, Mozart und anderen. Es folgen 40 Ouvertüren von Beethoven, Cannabich, Capuzzi, Cherubini, Cimarosa, Gluck, Haydn, Kunzen, Mayr, Marinelli, Mozart, Nasolini, Paisiello, Paer u.a. Das Subkapitel „Symphonische Concerte“ enthält Konzerte, Serenaden, Quintette, Quartette und Werke für Blasinskrumente. Der zweite Teil ist weniger umfangreich. Er enthält Arien, Duette, Oratorien, Kantaten, Messen, Offertorien usw. Die im dritten Teil enthaltenen Stücke sind auch nicht sehr zahlreich. Es befinden sich darin Werke von Mozart, Beethoven, Koeluh, Hummel und anderer weniger bekannter Meister jener Zeit. Wie schon erwähnt, war es Pflicht des Musikdirektors, die Musikalien zu beschaffen. Die Auswahl bezeugt eine umfassende Kenntnis der damaligen musikalischen Literatur. Die Laibacher Philharmonische Gesellschaft war deshalb weit entfernt von jedem Provinzialismus. Bedenkt man, daß jede Woche im Jahr eine Akademie veranstaltet wurde und daß Wiederholungen im Programm bestimmt nicht oft vorkamen, so muß man nicht nur den aufopfernden Fleiß des Orchesters bewundern, sondern sich auch den großen Bedarf an Notenmaterial vorstellen. Es wurde aus den Spenden der Mitglieder käutlich erworben, vieles auch als Geschenk erhalten. Der Katalog vermittelt also einen richtigen Einblick in die Musiktätigkeit der Gesellschaft. Die Mitglieder waren stets auf dem laufenden über die zeitgenössische deutsche und italienische Musik. Dank der Philharmonischen Gesellschaft hatte Ljubljana auf musikalischem Gebiet an die europäische musikalische Tradition Anschluß gefunden und war ein Teil derselben geworden. Darin fanden auch einheimische Komponisten den nötigen Ansporn und die Richtung, die sie einschlagen sollten. Die Ehrenmitgliedschaft bedeutender, bekannter und beliebter ausländischer Komponisten jener Zeit war ihrerseits eine Bestätigung des Ranges, den die Gesellschaft auch außerhalb der engen Grenzen der Stadt Ljubljana und Krains errungen hatte. Dieser Erfolg gelang ihr in den ersten Dezennien ihres Bestehens. Sie konnte in Ljubljana und im weiteren Umkreis des Landes Krain festen Fuß fassen und ließ die Stadt Ljubljana im österreichischen Kaiserreich zu einem der bedeutenderen Musikzentren werden. Leider aber nahm die Intensität ihrer Tätigkeit in den folgenden Zeiten zunächst ab, und erst später festigte sich ihre Stellung wieder. Die neue Zeit brachte allerdings neue Probleme, die durch die aufgekommenen nationalen Gegensätze gekennzeichnet waren. Bessere Zeiten traten erst mit dem Eintreffen Anton Nedvfds (1829-1896) aus Hoøvice in Böhmen auf. Nach Ljubljana kam er im Jahre 1856. Er gründete einen gemischten und einen Männerchor und verschaffte sich Geltung als erfolgreicher Pädagoge und Dirigent. Bei Konzerten wurden große Vokal- und Instrumentalwerke ausgeführt. Mit Nedvfd erlebte die Philharmonische Gesellschaft eine Wiedergeburt. So wurde das 100jährige Geburtstagsjubiläum Beethovens mit zwei Festkonzerten gefeiert. Es kamen fremde Künstler nach Ljubljana, so der Violinvirtuose Pablo de Sarasate u.a. Nedvfd leitete die Philharmonische Gesellschaft durch 26 Jahre. Er machte sich auch als Gründer des Lesevereins (Èitalnica) von Ljubljana (1861) und der Glasbena Matica (1872) verdient. Als Komponist gesellte er sich zur slowenischen nationalen Musikbewegung. 56 PRIMO KURET (1935) Unter seiner Führung gedieh merklich auch die Musikschule (gegründet schon im Jahre 1815). Als Pädagoge verschafften sich neben ihm rasch Anerkennung zwei junge, fähige Musiker: der Wiener Josef Zöhrer und Hans Gerstner aus Luditz. Nach Nedvfds Rücktritt im Jahre 1883 wurde Zöhrer der neue Musikdirektor der Gesellschaft. Als Dirigent der meisten Konzerte brachte er in Ljubljana eine Reihe zeitgenössischer Werke zum ersten Mal zur Ausführung. Darunter waren Symphonien von Johannes Brahms, Anton Bruckner, Antonin Dvoøák und P. I. Tschaikowsky. Schon im Jahre 1885 gab er die Anregung, Johannes Brahms, den er überaus schätzte, zum Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft zu ernennen. Bei seiner langjährigen Tätigkeit als Lehrer und Musikdirektor hatte Zöhrer eine der führenden Rollen im Musikleben Ljubljanas eingenommen. Er war auch als Komponist tätig. Eine Reihe seiner Werke erschien im Leipziger Musikverlag Kistner. Die Leitung der Philharmonischen Gesellschaft behielt er bis zum Jahre 1912, als er in den Ruhestand trat. Zöhrer wirkte auch als Pianist. Er war aus Wien gebürtig (geb. 1841), wo er Musik bei E. Pirkhardt, Jul. Epstein und S. Sechter studiert hatte. Er starb in Ljubljana im Jahre 1916. Die Philharmonische Gesellschaft brachte regelmäßig große vokal-instrumentale Werke zur Ausfühnmg und sorgte für eine regelmäßige symphonische und kammermusikalische Saison. Besonders feierlich wurden die Geburts- und Sterbetage großer Meister (Weber, Mozart, Schubert u.a.) begangen. In der Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft wirkten im 19. Jahrhundert sowohl Slowenen als Deutsche mit. Als jedoch im Jahre 1872 die Glasbena Matica gegrundet wurde, entstand eine Spaltung der Kräfte und die Philharmonische Gesellschaft wurde immer mehr zu einer deutschen Musikvereinigung, die zunächst in einem Teil der deutschen Einwohnerschaft in Ljubljana Stütze und Beistand suchte. Die Glasbena Matica bemühte sich bewußt um den Aufbau einer nationalen Musikkultur. Zu diesem Zwecke organisierte sie ihre eigene Musikschule, gab musikalische Publikationen heraus und veranstaltete Konzerte. Ihre Tätigkeit reichte in alle slowenischen Länder der damaligen Monarchie. Einen großen Erfolg erreichte sie mit ihrem Chor, der die gesamte klassische Chorliteratur zur Aufführung brachte, und widmete einen großen Teil ihres Wirkens besonders der zeitgenössischen slowenischen Musik. Als im Jahre 1908 noch die Slowenische Philharmonie gegründet wurde, vermehrte sich die Anzahl der Konzerte. Zwischen der Philharmonischen Gesellschaft und der Glasbena Matica entstanden oft scharfe Gegensätze, die nationale Vorzeichen trugen, doch entwickelten schließlich beide in Ljubljana eine lebendige musikalische Tätigkeit und verliehen damit der Stadt – zumindest in musikalischer Hinsicht – eine außerordentliche Stellung unter den damaligen Hauptstädten der Monarchie. Unter den bedeutenderen fremden Gästen soll des Gastbesuchs der Berliner Philharmonie unter dem Dirigenten Hans Richter im Jahre 1900 gedacht werden; es gastierte Richard Strauß mit dem Berliner Tonkünstlerorchester im Jahre 1903, und es folgten zahlreiche Gastkonzerte der Wiener und Münchner Orchester in den folgenden Jahren. Besonders feierlich hatte die Philharmonische Gesellschaft die Saison 1901/02 vorbereitet, als das zweihundertjährige Bestehen der Gesellschaft gefeiert wurde. Die Feierlichkeiten im Mai 1902 hatten einen breiten Widerhall im musikalischen Leben der Monarchie gefunden, es berichteten davon alle bedeutenderen einheimischen und fremden Zeitungen. 57 Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana Unter den Komponisten, die schon früh auf den Konzertprogrammen der Gesellschaft aufscheinen, waren auch Hugo Wolf, aus Slovenj Gradec (Windischgraz) gebürtig, Richard Strauß und Gustav Mahler. Den Hauptteil der Programme aber bildeten die Werke der Wiener Klassiker, weiters Johannes Brahms’, Anton Bruckners, Antonin Dvoøáks und Tschaikowskys. Im Jahre 1908 rief die Gründung der Slowenischen Philharmonie einen neuen Aufschwung im Musikleben von Ljubljana hervor. Die Leitung hatte der junge tschechische Dirigent Vaclav Talich, der in Ljubljana praktisch seine große Karriere begann, ebenso wie ein anderer namhafter Meister, Fritz Reiner, der eine Saison (1910/11) Dirigent der slowenischen Oper war. Der große Aufschwung erlahmte mit dem ersten Weltkrieg. In den schwierigen Kriegszeiten leitete die Philharmonische Gesellschaft und ihre Musikschule der Konzertmeister Hans Gerstner und bereitete auch Konzerte vor. Trotz der schweren Kriegszeiten gelang es Gerstner jedoch, fremde Meister nach Ljubljana einzuladen (Adolf Busch, Paul Grümmer, Willy Burmeister, Jul. Schuh, Paul Weingarten, Wilhelm Backhaus, Alfred Hoehn u.a.). Im Oktober 1918 endete das Jahrhunderte währende Zusammenleben und die Verbundenheit mit dem deutschen Kulturraum, in welchem sich das slowenische Volk mühevoll Geltung verschaffen wollte und um sein nationales Überleben ringen mußte. Die alte Philharmonische Gesellschaft, die auch während des Krieges mit allen Kräften die Tradition erhalten wollte, verlor wegen ihrer deutschen Orientierung jenen Boden, den sie vorher besaß. Doch behielt sie noch nach dem Jahre 1918 unter dem Namen „Filharmonièna druba“ im Rahmen der Glasbena Matica eine partielle Selbständigkeit. Die neuen Formen erwiesen sich aber als nicht so günstig, wie es die alte Philharmonische Gesellschaft war. So muß man in den ersten Nachkriegsjahren in Ljubljana eine Stagnierung der musikalischen Reproduktionstätigkeit bzw. der Veranstaltung regelmäßiger symphonischer und kammermusikalischer Konzerte feststellen. Es dauerte eine lange Zeit, bis sich die reichhaltige Überlieferung des Wirkens der Philharmonischen Gesellschaft in neuem Rahmen und unter neuen Formen wieder fortsetzen konnte. Literatur Emil Bock, Die Philharmonische Gesellschaft in Laibach 1702-1902, Laibach 1902. Dragotin Cvetko, Zgodovina glasbene umetnosti na Slovenskem II, Ljubljana 1959. Dragotin Cvetko, „Beethovens Beziehungen zu der Laibacher Philharmonischen Gesellschaft“, in: Gesellschaft für Musikforschung, Bericht über den Internationalen musikwissenschaftlichen Kongress, Bonn 1970. Dragotin Cvetko, „Instruktionen für das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft in Laibach (1805)“, in: Symbolae Historiae Musicae – Helmut Federhofer zum 60. Geburtstag, hg. v. F. W Riedel und H. Unverricht, Mainz 1971. Friedrich Keesbacher, Die Philharmonische Gesellschaft in Laibach seit dem Jahre ihrer Gründung 1701 bis zu ihrer letzten Umgestaltung 1862, Laibach 1862. Primo Kuret, Glasbena Ljubljana 1899-1919, Ljubljana 1985. Peter Radics, Die Geschichte der philharmonischen Gesellschaft in Laibach, Manuskript in der Nationalbibliothek Ljubljana. 58 PRIMO KURET (1935) Objavljeno v: Festschrift Rudolf Bockholdt zum 60. Geburtstag. Herausgegeben von Norbert Dubowy und Sören Meyer–Eller. [Pfaffenhofen], Ludwig, 1990. Str. 367–377. Povzetek Delovanje in vloga Filharmoniène drube v Ljubljani Filharmonièna druba, ustanovljena leta 1794 v Ljubljani, je bilo zdruenje ljubiteljev in poklicnih glasbenikov, ki jih je povezovalo negovanje glasbene umetnosti. Njene korenine so povezane z godalnim kvartetom glasbenih zanesenjakov, vendar je druba kmalu ustanovila orkester, pridobila pevce ter zaèela prirejati interne in javne koncerte. Iz statuta izvemo, da je z izbiro dobrih skladb in preprièljivo izvedbo plemenitila èustva in oblikovala glasbeni okus. Èeprav je bila ob ustanovitvi izkljuèno mešèanska, se ji je pozneje pridruilo tudi plemstvo. V prvih letih delovanja je bila programsko usmerjena v klasicizem, kar izprièuje ohranjen katalog izvajanih kompozicij za leta 1794–1804, med katerimi so imela pomembno mesto dela Mozarta, Haydna in Beethovna. Haydn in Beethoven sta bila leta 1801 oziroma 1819 izvoljena za èastna èlana drube. Za potrebe svoje poustvarjalnosti je Filharmonicna druba leta 1820 osnovala lastno glasbeno šolo, najprej za petje, nato za godala in pihala ter tako skrbela za podmladek. Okoli leta 1830 je doivljala krizo, povezano s slogovnim preusmerjanjem repertoarja iz klasicizma v romantiko, kar je bilo zares preseeno šele z letom 1858, ko je drubo prevzel Anton Nedvfd. Po letu 1860, ko so se nacionalna trenja stopnjevala, je ljubljanska Filharmonièna druba postajala vse bolj nemška, po èlanstvu in repertoarju. Kot njena protiute je bila leta 1872 na pobudo slovenskih rodoljubov ustanovljena Glasbena matica kot osrednja slovenska glasbena ustanova. Tudi Nedvfd je zaradi svojega narodnega preprièanja leta 1883 prepustil mesto direktorja Filharmoniène drube Dunajèanu J. Zöhrerju. Filharmonièna druba je uspešno delovala do leta 1919 in je bila pomemben dejavnik v glasbenem ivljenju Ljubljane. (Edo Škulj) 59 Die Rolle und die Tätigkeit der Philharmonischen Gesellschaft in Ljubljana