S DER BALKANHALBINSEL. UND BEOBACHTUNGEN. GEBEN VON DR. CARL PATSCH, BOSNISCH - HERCEGOVIN. LANDESMUSEUM IN SARAJEVO. --HEFT 5--- SKUTARI UND DIE NORDALBANISCHE KUSTENEBENE VON THEODOR A. IPPEN, K. U. K. ČST.-UNGAR. GENERALKONSUL. MIT 24 ABBILDUNGEN. Heft i: K. STEINMETZ, Eine Reise durch die Hochlander-gaue Oberalbaniens. Heft 2: J. KOETSCHET, Aus Bosniens letzter Ttirkenzeit. Verfiffentlicht von G. Grassl. Heft 3: K. STEINMETZ, Ein Vorstoss in die Nordalbanischen Alpen. Heft 4: A. STRUCK, Makedonische Fahrten. I. Chalkidike. i SKUTARI UND DIE NORDALBANISCHE KUSTENEBENE. ZUR KUNDE DER BALKANHALBINSEL. REISEN UND BEOBACHTUNGEN. HERAUSGEGEBEN VON DR CARL PATSCH, KUSTOS AM BOSN.-HERCEG. LANDESMUSEUM IN SARAJEVO. HEFT 5: THEODOR A. IPPEN, SKUTARI UND DIE NORDALBANISCHE KUSTEN- EBENE. MIT 24 ABBILDUNGEN. SKUTARI UND DIE NORDALBANISCHE KUSTENEBENE VON THEODOR A. IPPEN, K. U. K. OST.-UNGAR. GENERALKONSUL. MIT 24 ABBILDUNGEN. ALLE RECHTE, EINSCHLIESSLICH DES UBERSETZUNGSRECHTES, VORBEHALTEN. k •b 40958 nt 3SM Skutari und die Nordalbanische Ktistenebene haben fiir den Reisenden niclit den starken Anreiz, welchen die sie im Nordosten und Osten abscbliessenden Gebirge durcb ihre schwere Zuganglich-keit und durch die ungetrubte Eigenart ihrer Bewohner auf ihn ausuben. Die Besuche sind also fliichtig und die Schilderungen all-gemein und nicht einwandfrei. Den ersten guten LTberblick danken wir auch hier dem Altmeister albanischer Forschung J. G. von Hahn, der diese Landesteile 1850 und 1863 bereiste. Wenn auch von anderen Zielen geleitet und darnach die Aufenthaltsdauer ktlrzend, bietet er griindlichere( und wichtigere Beobachtungen als spatere Veroffentlicliungen. Und doch lohnen die Stadt und die Niederung eingehenderes Studium, und ist ihre genauere Kenntnis wiehtig, da sie der Schauplatz der Landesgeschichte waren, wahrend die Gebirge nur die Kulissen bildeten, und weil die wirtschaftliche Zukunft Albaniens im Litorale wurzelt. Die nachfolgenden Mitteilungen beruhen auf einem sieben-jfthrigen, von 1897 bis 1903 reichenden Aufenthalte in Skutari und auf haufigen, langer dauerndei), zumeist der Jagd gewidmeten Ausfliigen in das weite Flachland, das sich, die Adria einsaumend, bis zu den Hohenzugen dehnt, als deren letzter Auslaufer das Kap Rodoni in das Meer einschneidet. Bei der Schilderung folge ich dem nattlrlichsten und historischen Einbruchswege nach Skutari und h alte dann die nordstidliche Abfolge ein. Demgemass gliedert sie sich in die Kapitel I. Von Bagusa nach Skutari (S. 1 bis 12), n. Skutari (S. 13 bis 45), III. Durch die Zadrima nach Alessio (S. 46 bis 61) und IV. Von Alessio liber Kroja nach Tirana und Išmi (S. 62 bis 82). Dass auch sie noeh nicht gentigen, verhehle ich mir nicht. Sie hal-tcn bloss die augenfalligsten Erseheiimngen fest. Von der Beigabc einer Karte \vurde abgesehen, da die Blatter „Skutari" und „Durazzo" der vom k. u. k. Militar-Geographischen Institute herausgegebenen Karte von Mitteleuropa nur in Namen Berichtigungcn erfahren. Athon, im Juni 1907. SKUTARI UND DIE NORDALBANISCHE KUSTENEBENE. I. VON RAGUSA NACH SKUTARI. An dem Molo des Porto Cassone, des alten Stadthafens, liegt in Ragusa der kleine Dampfer „Bojana" vertaut. Sein Name deutet das Ziel seiner Fahrten an: alhvochentlich reist er von Ragusa zur Mtlndung der Bojana und diesen Fluss aufwarts bis in die Nahe von Skutari? dem bedeutendsten Handelsplatze Nordalbaniens. Es ist der Riihrigkeit und dem Unternehmungsgeiste einiger Ragusaner, welche die Dampfschiffahrtsunternehmung „Ra-gusea" griindeten, zu danken, dass Ragusa wieder die Wege betreten hat, auf denen die Republik des hI. Blasius einst die Hauptver-mittlerin des Handels in Albanien war. Nach dem Schutzpatron, der im Albanischen Schina Wlasch heisst, benannte Dorfer und Kirchen erinnern in Albanien noch jetzt an die alten kommerziellen Verbindungen. So steht auch in Skutari am Ufer der Bojana ein alter, friiher als tiirkisches Bad und nun als Petroleummagazin verwendeter Bau, der nach der tTberlieferung die St. Blasiuskirche der dort ans&ssigen Ragusaner war. Der Dampfer legt die Fahrt von Ragusa zur Bojanamiindung grosstenteils in der Nacht zuriick. Bei Tagesgrauen befinden wir uns bereits ausserhalb der osterreichischen Territorialgewasser vor der Stadt Dulcigno, welche einen Teil des montenegrinischen Litorales ausmacht. Von Bord gesehen, bietet sie ein Susserst malerisches Bild. Zwei in das Meer vorspringende Hiigel schliessen Ippen, Skutari. 1 eine kleine, wie ein Gartenbassin ruhige Bucht ein, die von einem flachen Strande umrahmt wird. Das nordwestliche Vorgebirge tragt die Altstadt, welche eine starke alte Festungsmauer noch eng umgurtet. Auf die schroff ins Meer abfallenden Felsen sind viel-eckige Bastionen gesetzt und in den sie verbindenden Mauerteilen offnen sich noch die Schiessscharten der Greschiitze. Diese fehlen jedoch und auch die Mauern brockeln ab, ihre Kronen sind wiist und mit Schutt bedeckt. Die eng zusammengedrangten, sich tiberhohenden Hauser uberragt melaucholisch ein verfallendes, dachloses Minarett. Im Hintergrunde erscheint der grosse Bogen des Landtores der Feste. Der iibrige Teil Dulcignos mutet wesentlich heiterer an. Das flache Mittelstiick und das siidostliche Vorgebirge sind tippig iiber-griint und aus Hecken und Baumvvipfeln lugen die weissgetiinchten Mauern orientalischer Hauser und schlanke Minarette hervor. Das Bild storeu nur einige von eingewanderten Montenegrinern neu erbaute Hauser durch ihr banales Aussere. Auf dem Kap steht eine Villa des Fiirsten von Montenegro. Auch die Umgebung von Dulcigno hat die Natur landsehaftlich und klimatisch schon und gut bedacht. so dass sie den Vergleich mit der beruhmten Kiiste der Seealpen, der Riviera, wagen kann. Selbst in den Wintermonaten lacht der wohligste Sonnenschein tiber den wohlgeformten Hiigeln, welche ausgedehnte Olivengarten und eine strotzende Flora bekleiden. Der montenegrinischen Regierung wurde denn auch von einer Gesellschaft das Anerbieten gemacht, hier alle die Etablissements und Anlagen erstehen zu lassen, welche Monte Carlo zu einem irdischen Paradies gemacht haben, falls sie die Errichtung einer Spielbank gestatte. Das arme Gebirgsland hat dieser Verlockung widerstanden. Der grosste Teil der Einwohnerschaft von Dulcigno, die der Nationalitat und Sprache nach weit tiberwiegend albanisch ist und die Stadt Ulkjin nennt, liegt der Schiffahrt ob. Die Albanen ftihlen sich im allgemeinen trotz der lan gen Kiiste ihrer Heimat zum Meere nicht hingezogen und scheuen das Wasser; an dem ganzen Litorale betreibt ausser Dulcigno nur noch die Landschaft C h i m a r a (siidlich von Valona) diesen Erwerbszweig. Die Dulcignoten waren ehedcrn bertichtigte Korsaren, die auch in den Dienst der Barbaresken-Staaten an der afrikanischen Nord-kiiste traten. In den Vertragen von Pas3arowitz und Belgrad, welche die Wiener Regierung mit der Tiirkei 1718 und 1739 schloss, wurde durch einen eigenen Artikel verfugt, dass „die Leute von Dulcigno im Adriatischen Meere zu verhalten seien, sich fortan der Piraterie zu enthalten; es seien ihnen ihre Barken, Fregatten •und sonstigen Schiffe wegzunehmen und sie seien za behindern, andere zu erbauen".1) Der franzosische Reisende M. Pouqueville, welcher sich um die Erforscbung Griechenlands und Siidalbaniens verdient gemacht hat, wurde i. J. 1798 auf der Uberfahrt von Agypten nach Frankreich bei Kreta mit mehreren Gefahrten von einem Korsaren fiihrer aus Dulcigno namens Orudsch gefangen genommen.2) Seit der strengeren Handhabung der Seepolizei im Adriatischen Meere wandten sich die Dulcignoten der Handelsschiffahrt zu. Ihre grosseren Segler gehen bis nach Agypten, Tripolis, Neapel und Marseille. In Triest ist der Dulcignoten-Kapitan in seiner albanischen Tracht eine haufige Figur im Hafenleben. Auf ihren Schiffen wiirde man eine Karte vergebens suchen; es konnte sie ja der Schiffs-ftihrer gar nicht lesen. Eine genaue Kenntnis der Ktisten, eine ausserordentliche Orientierungsgabe auf der See und eine geborige Portion Fatalismus machen die gesamte nautische Befahigung der Kapitane aus. Die Geniigsamkeit und die niedrigen Lohne der Matrosen, die ausnahmslos aus Dulcigno stammen, ermoglichen es der Flottille, sich trotz der fiir die Segelschiffahrt so ungUnstigea Zeit zu halten.3) Seit der Abtretung der Stadt an Montenegro im J. 1881 wanderten sehr viele Dulcignoten, weil sie sich der neuen Herrschaft nicht ftigen wollten, nach Skutari aus, so dass auch jetzt der grossere Teil der Segler unter tiirkischer Flagge fahrt. Bald nachdem der Dampfer Dulcigno verlassen hat, wird der Strand eben; wir ziehen an dem nordlichsten Teile der grossen ') G. Noradounghian, Recueil d' actes internationaux de 1' empire ■Ottoman (Pariš 1897) I 219. 249. *) Pouqueville, Reise durch Morea und Albanien nach Konstan-Ttinopel. Ubersetzt von K. L. M. Muller I 6. ») Vgl. auch J. G. von Hahn, Albanesische Studien I 110 f. albanischen SchwemmlandkUste vorbei. Und auch die Farbung des Meeres hat sich geandert. Das bisher mannigfach blau und grtin nuancierte Wasser wird gelblich und bricbt sich, obvvohl die K tiste-fern ist, an einer Reihe nur seicht iiberdeckter Sandbanke. Wir nahern uns der Bojanamtlndung. Vorsichtig steuert der Dampfer auf die Schaumlinie zu. Der Kapitan, der erste Offizier und der Steuermann stehen am Steuer, das in dem Kampfe der Gewasser, der Brandung des Meeres und der Stromung des Flusses, mit fester Hand gefiihrt werden muss. Vom Lande kommt uns der Pilot ent-gegen und filhrt dann in seinem Bote dem Dampfer voran, mit langer Stange das Fahrwasser sondierend. Die Sedimente, welche die Bojana an ihrer Miindung absetzt, werden von der Stromung und von den Winden unablassig umgelagert, so dass die Tiefen jeden Tag wechseln. Die Schuttfiihrung ist so bedeutend, dass an. der Miindung innerhalb der letzten 25 Jabre eine grossere Insel entstanden ist, welche den Fluss in zvvei Arme teilt. Nach einer spannungsvollen Viertelstunde hat sich der Dampfer durch di& Barre durchgekampft und kann in der Bojana in geniigend tiefem Wasser vor Anker gehen. Wir befinden uns auf der Grenzlinie zweier Staaten. Am linken Ufer weht die rote Flagge mit dem Halbmond und dem Stern, das westlichste Ende des tiirkischen Besitzes in Europa be-zeichnend. Ihr gegeniiber, auf dem recbten Ufer ist die montene-grinische Trikolore gehisst. Nicht der Siegesflug der „Falken der Schwarzen Berge" hat sie auf diesem Strande aufgepflanzt; die Mftnner der Feder, Europas Diplomaten, haben sie nach jahrelangem Verhandeln hierher gebracht. Beide Flaggen flattern tiber einer armseligen Einode. Auf dem montenegrinischen Ufer liegt das Dorf Š e n k o 1, oder jetzt uuch serbisch Sveti Nikola1) genannt, das nach St. Nikolaus von Bari, dem Patron der Seefahrer, heisst, der hier eine stark besuchte Wallfahrtskirche besitzt. Die fiirstliche Staatsge\valt repritsentiert hier ein Hafenkapitan. Die tiirkische Ortschaft heisst Pulaj und ist der Sitz eines- Seesanitats- und Telegraphenamtes sowie eines Zolhvach-. Gendar- • 1 i... / ') Schenkol, SweU Nikola. merie- und Polizeipostens, die sttmtlich in zwei ver\vahrlosten Holz-iiausern ein beschauliches Dasein ftthren. Die katholischen Albanen haben hier eine Kirche. Von dem Htigel oberhalb derselben iiber-blickt man die ganze Niederung Ve lep o j, die sich zwischen dem Meere uad dem Zuge des Mali Renči t1) von der Bojana, an Breite stetig abnehmend, nach SO gegen die Miindung des Dr i n hinzieht. Ein Meer von Baumwipfeln deckt die an vielen Stellen sumpfige Flftche, in dem griine Wiesen und zahlreiche Gehofte Inseln bilden. Der Waldbestand, in dem die Eichen tiber-wiegen, war einst noch bedeutender. Seit etwa 100 Jahren dient die Ebene den Bauern der im Binnenlande gelegenen Gebirge als Winterweide. Sie bezieben sie im Oktober und bleiben hier bis Juni, wo dann der Auftrieb auf die Hochweiden erfolgt. Gegen die Ktiste zu gehen die Walder in Auen iiber, die mit dicbtem Dorngestrtipp durchsetzt sind. Im Siiden zieht sich die grosse Lagune Liže ni Luners2) tief landeinwarts. Jenseits derselben wird der Boden immer sandiger und ernahrt bloss Tama-risken und Eriken. Dann horen auch diese auf; es folgen grosse Sanddunen, bis der Mali Renči t unmittelbar das Gestade erreicht. 0 Welep6j, aus dem serbischen Velepolje. Mali Rentzit. ') Litscheni Luners. Ličeni der See. Vgl. meine Bemerkungen „Ub9r die geographischen Namen in Albanien" in den Mitteilungen der Geogra-phischen Gesellschaft in Wien 1904 2 ff. Im Norden windet sich durch das Flachland in launenhaften? Verschlingungen das breite Band der Bojana. Der S k u t a r i-See, den sie an seinem Stidostende entwassert, ist vom Meere 23 km entfernt, der Fluss braucht aber zur Zuriicklegung der Strecke fast das Doppelte, 44 km. Unablassig weicht er von der Geraden in Bogen und Serpentinen ab, die er in dem lockeren Erdreich zeichnet, einer starken Humusschichte, die durch seine Niederschlage zur Zeit des Hochwassers stetig erhoht wird. Nur einmal muss er sich den Zwang unverrtickbarer Ufer gefallen lassen, in der Enge von B 61 a j - Fr a s kan j 61, wo beiderseits felsige Htigel-ketten steil herantreten. Die starke Stromung zwingt den Kapitan wieder zur grosseren Vorsicht. Jenseits dieses Euripus dehnt sich die Kornkammer Nordalbaniens aus. Am rechten Ufer heisst sie albanisch A na m 4 lit, „Fuss des-Berges"; am linken, wo sie sich bis tiber den Drin hinauserstrecktr fuhrt sie drei Namen: Bregu Buns am Bojanaufer, Br čgu D rinit1) am rechten Drinufer und in der Mitte Bul&ke. Im Sommer wechseln hier in endloser Folge saftiggrline, die Mannes-hohe tiberragende Maispflanzungen mit wogenden, gelben Weizen-feldern ab. Der Ertrag der Ebene wird sich noch bedeutend steigernr sobald man der Uberschwemmungen und der stellenweise umfang-reichen Versumpfung Herr wird. Im Winter und Frtihjahr setzCn 3ie beide Fltisse so unter Wasser, dass der Nachen oft das einzige Verkehrsmittel ist. Ein permanenter Wassergraben durchschneidet ausserdem die Ebene zwischen der Bojana und dem Drin. Er nimmt seinen Anfang bei einem Htigel des Dorfes Melguši, erweitert sich ungefahr in der Mitte der Ebene bei dem Dorfe T r u š i poster zu einem sumpfigen Teiche und endet erst am Fusse des Mali Rencit bei der Kirchenruine Š' Pellegrini. Als seine Fortsetzung konnen die verzweigten Wasseransammlungen ange-sehen werden in der Lticke zwischen dem Mali Rencit und dem> nordlicheren Mali Dšiimtit, welche durch die Rinne Murtebsa oder Via Murtebsa2) mit der Bojana in Verbindung stehen.. Bregu das Ufer. Buna die Bojana, Bun Bojana. Also das Bojana-und Drinufer. 2) Melguschi, Truschi poschter, Sch' Pellegrini, Dschumtit, Murtšbsa-Via der \Vassergraben. Das Dorf Truši besteht aus zwei Teilen, aus Truši čper und T r u ši po š te r, die auch LadžaKondit und L a d ž a Čar me1) heissen. Die Pfarrkirche des gegenwartig ganz mohammedanischen Truši poster war Š' Pellegrini, St. Pellegrin, die um die Mitte des XVII. Jahrhunderts von Franziskanern erbaut wurde. Die alteste Ortschaft ist bis jetzt hier Belaj, wo in der linken Ufer-boschung der Bojana romische Saulenfragmente zutage traten. Von B 61 a j, wo sich im Zuge der direkten Landroute Dul-cigno-Skutari auch eine Fahre befindet, fiihrt uns der Fluss in einer weiten Schleife an Ortschaften vorbei, \velche den Riick-gang des Christentums recht veranschaulichen. Zunachst griisst auf dem rechten Ufer die weithin sichtbare weisse Moschee des Dorfes Št oder, das jetzt ganz mohammeda-nisch ist, dessen Namen aber, aus Š' Toder d. i. St. Theodor entstanden. seinen christlichen Ursprung bezeugt. Dann folgt eben-falls auf dem recbten Ufer die Ruine einer Kirche, deren Langs-mauern bereits feblen. In der Apsis sind noch Bildreste mit den Konturen Heiliger erkennbar. Die Kircbe gehorte frtiber zu dem jetzt mohammedanischen Dorfe Gorica und wird in letzter Zeit von dem katholischen, gegentiber am linken Ufer gelegenen Dorfe Samriš2) in Anspruch genommen. Die Kirche und Štoder sind identisch mit den in mittelalterlichen ragusanischen Urkunden ge-nannten Hafenplatzen S. Maria de Grorig de Ludrino und Sanctus Theodorus in flumine Drini.3) Dass dabei statt der Bojana der Drin genannt wird, spricht nicht gegen die Gleichung, da „man im Mittelalter oft beide Fltisse Drino nannte". Auch das o. S. 4 angefilhrte Še n kol, einst eine Benediktinerabtei, heisst bald S. Ni-colaus de Oldrino, bald in flumine Boyane.*) Von Samriš ist Oboti, der Endpunkt der Dampfschiffahrt auf der Bojana, bald erreicht. Nicbt wenige sind schwer enttauscht, ') Ober- und Unter-Truschi. Ladscha Kčndit, Tscharme. Ž weiches sch. 2) Goritza, Samrisch. So, nicht Samric, wie die Generalkarte notiert. 3) G. Jireček, Das christliche Element in der topographischen Nomenklatur der Balkanlander 19. Den hier ebenfalls envahnten Anlegeplatz Sanctus Petrus in flumine Drini vermochte ich noch nicht aufzulinden. 4) Jireček a. a. O. und Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien wahreid des Mittelalters 65. wenn sie diesen Hafen der Hauptstadt Nordalbaniens erreichen: auf erdigem, abbrockelndem Bruchufer stehen einige elende Baulichkeiten als Amts- und Wohnraume der politischen und der Finanzverwaltung. Dazu gesellen sich noch eine bescheidene katholische Kirche und im Hintergrunde armliche Bauernhtitten. Von O b o t i aus legt mafi den weiteren noch 2 Stunden betragenden Weg nach Skutari gewohnlich zu Pferde oder zu Wagen auf einem schlechten Reitpfade zurtlck. Die Stromfahrt beansprucht natiirlich mehr Zeit, doch hat sie ihre Reize. Schon die Flussfahrzeuge, auf welche die Waren der Dampfer infolge Londra auf der Bojana. der stark verminderten Wassertiefe in O b o t i umgeladen werden mussen, verdienen wegen ihrer Altertumlichkeit Interesse. Der Haupttypus ist ein langes, schmales Plankenboot, an dem ins-besondere der in einem sehr stumpfen Winkel an den Rumpf angefugte, lang und spitz schrag nach oben hinausragende Bug charakteristisch ist. Das Heck ist etwas steiler und abgerundet. Jedes Boot hat einen Steuermann und mehrere Ruderer, welche stehend arbeiten. Es kann auch ein kleiner Mast eingesetzt werden, der ein dreieckiges Segel tragt. Die Tragfahigkeit betragt bis 5000 hj. Diese auf der Bojana und dem Skutari-See gebrauch- lichste Bootsgattung heisst albanisch Ljunr (bestimmt Ljunra1), italienisch Londra. Ausserdem kommen noch zwei kleinere Fahr-zeuge vor, Take und Sule, die sich von einander nur durch die Grosse, vou der Londra aber dadurch unterscheiden, dass ihnen der lange Schnabel am Vorderteile fehlt.2) Erzeugt werden die Boote in den am Skutari-See gelegenen Dorfern Žogaj3) und Skja. Fiir die Planken verwendet man Kastanienholz. Kirchenruine an der Bojana bei Širdž.4) Bei der Weiterfahrt von Oboti bringt uns die Londra zu der am linken Ufer unter alten, prachtigen Zurgelbaumen gelegenen 1) Nach G. Meyer, Etymologisches Wdrterbuch der albanesischen Sprache 251 aus dem lateinischen lunter. 2) Vgl. auch P. Trager, Korrespondenzblatt der Deutschen Gesell-schaft fiir Anthropologie 1904 36 ff. 3) Sogaj. Z weiches s. Far die Uberlassung dieses Klischees sowie mehrerer der fol-genden, die bereits meine fruheren Sonderpublikationen illustrierten, sei Herrn Sektionschef K. Hormann auch hier gedankt. Kisa Širdžit, der Ruine der Kirche der bertihmten Benedikti-nerabtei der heiligen Sergius und Bacchus,1) die manchmal auch Šne Prenna (St. Veneranda) genannt wird,2) weil hier am Tage dieser Heiligen, der mit dem Annentage zusammenfallt, das Kirchen-fest gefeiert wird. Ihre linke Langmauer und ein Teil der Altar-seite sind von der Bojana unterwaschen worden und in den Fluss bereits abgestttrzt. Das Innere dient als Friedhof der Katholiken des wenige Minuten entfernten Dorfes Š ir d ž, das den Namen eines der beiden Heiligen bewahrt hat. Das Innere der Kirchenruine bei Širdž. Die einst mit Ziegeln gedeckte Kirche, eine Basilika, ist aussen in byzantinischer Weise im Rohbau ausgefuhrt: Quaderschichten wechseln mit Ziegelscharen ab. Sie zerfallt in drei sehr hohe, schmale Sehiffe, welche auf quadratischen Pfeilern mit Spitzbogen ») Vgl. Jireček, Das christliche Element 19. 51 f. und Die Romanen. in den Stadten Dalmatiens wahrend des Mittelalters I 54. 2) Kischa Schirdschit, Schne Prčrina. iiberwolbt waren und von denen jedes durcb eine Apsis abge-schlossen war. Das Mittelschiff war etwas hoher. Eechts lasst sich ein spaterer Anbau ausnehmen. Die Fensterčiffnungen haben Spitz-bogenumrabmungen in venezianischem Stile. Das Portal ist ro-maniscb, mit horizontalem Sturz und bogenformigem Tympanon. Am Giebel der Stirnmauer befindet sich rechts ein Glockenaufbau. Die Innenwande waren, wie man an einigen Stellen an der Schich-tenfolge noch erkennen kann, zweimal bemalt gewesen. Den Boden bedeckte ehedem Mosaik, auf das man beim Ausheben der Graber stosst. Aufgefiihrt wurde die Kirche nach zwei beim Haupteingange eingelassenen lateiniscben Inschriften auf der Stelle eines alteren Gotteshauses von der serbischen Konigin Helena, der Tochter des lateinischen Kaisers von Byzanz Balduin II., und ihrem Sohne, dem Konige Stephan Urosch II. Milutin in den Jahren 1290 bis 1293.1) Bei dem Kloster befand sich ein noch im XVI. Jahrhunderte bekannter, aus Magazinen, Kaufladen und Zollamtern bestehender Stapelplatz, in dem „die Waren aus den Seeschiffen auf Packpferde umgeladen wurden, um weiter landeinwarts gebracht zu werden".-') Die Flussfahrt wird infolge der zahlreichen Sandbanke und der ungleichen Stromung immer beschwerlicher. Einzelne Strom-schnellen und Wirbel wechseln mit Strecken ab, auf denen die Bewegung des Wassers kaum merklich ist. Die Bootsleute steigen aus und ziehen, auf einem Treidelsteige schreitend, an einem Tau, wobei sie je nach der Stromrichtung die Ufer wechseln. Wir gleiten an Fischerbooten vorbei. Den Reichtum an Fischen bezeugen auch zahlreiche Pelikane und Reiher aller Art.3) Die Ufer sind mit einer iippigen Strauchvegetation bestanden, aber nur sparlich besiedelt. Das linke wird immer hoher und steiler: wir fahren an dem Abfall des T ar a boš entlang, der den Winkel zwischen dem Skutari-See und der Bojana ausfiillt. Vor uns steigt tiber dem breiten Wasserspiegel immer macbtiger der BurghUgel i) Vgl. meinen Bericht Wissenschaftliche Mitteilungen aus Bosnien VII 231 ff. und VIII 143 f. a) Jireček, Die Handelsstrassen 65 f. und Die Bedeutung von Ragusa in der Handelsgeschichte des Mittelalters 20. s) Vgl. O. Reiser, Materialien zu einer Ornis balcanica. IV Monte-negro 24. von Skutari empor. Aus kahlen, grauen Kalkblocken baut er sich steil auf. Eechts kommen wir, gegen die Stromung stark ankam-pfend, an der Einmiindung der Drinasa1) vorbei, die der Drin in die Bojana entsendet und die hier auf alten Steinpfeilern eine Brucke uberspannt. Die Londra steuert in die Enge zwischen dem Burgfelsen und dem Taraboš und halt an der holzernen Jochbriicke, welche die Bojana beim Basar von Skutari ubersetzt. 0 Tarabčsch, Drinassa. II. SKUTARI. Das Bild, das sich uns von Skutari auf der Bojana bot, war das am wenigsten eindrucksvolle. VieJ fesselnder pr&sentiert sich die Stadt, wenn man sich ihr auf dem nach ihr benannten See oder auf einer Tlberlandtour von S. Giovanni di Medua nahert. Die weite, von schon geformten Bergketten umschlossene Ebene, der tiberaus reiche, von roten Dachern und weissen Mauern, von vielen Minaretten und der hohen katholischen Domkirche durchsetzte Baum-schlag und der Schlossberg, der je nach der Jahreszeit griin, gelb oder rot ersclieint, kommen im erstgenannten Falle voli zur Geltung. Bei einem Bitte aus dem Stiden tritt wieder das Altertumliche starker hervor. Ein Htigelzug versperrt hier wohl den See, umso reizvoller wirkt aber sein letztes Glied, eine abgestutzte Pyramide, welche, von der Drinasa bespiilt, aus einem dichten Baumgehege scharf an-steigt und auf ihrer Platte die aus der venezianischen Zeit stam-mende Zitadelle tragt, deren hohe, noch besttickte Umfassungsmauer sich in Ecken und Windungen dem Felsen anpasst. Die Lage von Skutari ist fur eine Siedlung pradestiniert: ein isolierter, noch dazu auf drei Seiten von Flusslaufen gesicherter Htigelzug in einer fruchtbaren Ebene an einem fischreichen, das Binnenland weit aufschliessenden See und an einem Strome, der den Verkehr mit dem Meere ermoglicht.1) Die Position tritt gleieh bei der ersten ausfuhrlichen Nachricht, die tlber Skutari vorliegt, klar hervor,. namlich im Jahre 168 v. Chr., als es al s Scodra, die Hauptburg des um den See sesshaften illjrischen Stammes der La-beates und die Residenz von dessen Oberherrn, des Konigs Gentius, war: Ad Scodram inde ventum est, quod belli caput erat, non eo Die neuen Stadtteile von Skutari. solum quod Gentius eam sibi ceperat velut regni totius arcem, sed etiam quod Labeatium gentis munitissima longe est et difficilis aditu. duo cingunt eam flumina, Clausala latere urbis, quod in orientem patet, praefluens, Barbanna ab regione occidentis, ex Labeatide palude oriens. hi duo amnes confluentes incidunt Oriundi flumini, quod ortum ex monte Scordo, multis et aliis auctum aquis, mari Hadriatico infertur.2) Clausala ist der aus dem Hochlandergaue der ') Uber diesen alten Siedlungstypus vgl. C. Patsch, Das Sandschak Berat in Albanien 4, von dem wir auch sonst zur Verftiguug gestellte (Beobachtungen hier vervvenden. 2) Livius XLIY 31. Pulti herabkommende, im Flachlande breite, aber im Sommer trockene Torrente Kiri; die Barbanna gleicht sich naturlich mit der Bojana. Beide haben sich damals augenscheinlich mit einem Arme des Drin vereinigt, wie dies nun seit dem im Wint,er 1858/1859 erfolgten Uferbruche wieder der Fall ist, wahrend vor diesem Jahre der Drin Ungeteilt unterhalb Alessio miindete. „Dass der Fluss jetzt keines- Die Sttdseite der Zitadelle von Skutari mit der Drinasabriicke. wegs zum erstenmale die Ebene in nordwestlicher Richtung durch-schneidet, sondern dies nur die Wiederholung eines Hergangs ist, -vrelcher im Laufe der Zeiten mehr als einmal statthatte", erschloss bereits Hahn1) aus der Schichtenfolge in den Uferboschungen. Die Befahrung der Bojana und des Sees bezeugen schon fUr diese Zeit Livius2) und die Mtinzen des Konigs Gentius, sowie der Stadt selbst,3) die zugleich de a Schiffstypus kennen lehren. Dass die *) Reise durch die Gebiete des Drin und Wardar 36. s) XLIV 31: flumine Barbanna navigat (Gentius) in lacum Labeatum. s) I. Brunšmid, Die Inschriften und Miinzen der griec.hischen Stadte Dalmatiens 70 ff. VVasservvege auch spater, in der romischen Kaiserzeit bis tief in das Binnenland ausgenutzt wurden, lasst der Import italischer Dach-ziegel bis nach dem montenegrinischen Podgorica, dem alten Doclea1),. erscliliessen. Die erwahnten Mttnzen zeigen durch ihre Typen, darunter den Kopf des Zeus von Dodona, durch die griechischen Legenden und griechischen Beamtennamen, dass das Griechentum im zweiten Jahrhunderte v. Chr. in Scodra festen Fuss gefasst hat, und bei der gUnstigen kommerziellen Lage des Ortes wird es sich hier wie in anderen Emporien der Adria auch spaterhin erhalten haben, ist doch selbst in dem weit entfernteren Doclea eine griecbische Ko-lonie in der Kaiserzeit nachweisbar.2). Nach dem Zirkulationsgebiete der Mtinzen reichten die Handelsverbindungen des Platzes im Nor-den bis zur Narentamundung und in den Archipel Mitteldalmatiens.3) Im Jahre 168 v. Cbr. ergab sich Gentius nach einer vor den Toren Scodras verlorenen Schlacht den Romern, ohne die Vorteile des „munitum situ naturali oppidum" auszunUtzen.4) Im darauf-folgenden Jahre wurde in der Stadt durch den Sieger, den Praetor L. Auicius, und eine Kommission des romischen Senates auf einer Versammlung der Stammeshauptlinge das Reich des depossedierten Konigs staatsrechtlich neu geordnet. Es zerfiel fortan in drei kleine von Rom naturlich abhangige Republiken, von denen eine aus dem Gebiete der Labeaten samt Scodra bestand. Dieses hatte nun die-Halfte der bisher an den Konig gezahlten Grundsteuer an Rom zu entrichten.5) Von Scodra boren wir erst wieder im Jahre 40 v. Chr., da sein Meridian im Vertrage von Brundisium als Demarkationslinie zwischen den Machtbereichen des Octavian und Marcus Antonius bestimmt wurde.6) In der Kaiserzeit war die Stadt ein „oppidum ') P6dgoritza. GIL. III 232819. 2) CIL. III 12.702 (vgl. 13.822). 12.708 (vgl. p. 2253.) Vgl. Patsch, Zur Geschichte und Topographie vou Narona 111. 3) Vgl. Patsch a. a. O. 100. 4) Livius XLIV 31. 5) Livius XLV 26. Mommsen, Romische Geschichte I8 773; G. Zippelr Die rčimische Herrschaft in Illyrien bis auf Augustus 95 ff. 6) Appian b. c. V 65. Vgl. V. Garrlthausen, Augustus und seine Zeit I 216. civium Romanorum"1) mit dem Range einer Kolonie, an deren Spitze als oberste Behorde Duoviri standen.2) Zu ihrer Prosperitiit wird nun auch beigetragen haben, dass sie der Knotenpunkt zweier ro-mischen Strassen wurde, der langen dalmatinischen Kilstenroute, die in einem Bogen von Ulcinium-Dulcigno iiber Scodra nach Lissus-Alessio und weiter nach Dyrrachium-Durazzo fiihrte, und der Chaussee, die durch Montenegro und langs des Ostufers des Skutari-Sees herabkam.3) Bei der Teilung Dalmatiens vrurde Scodra unter Kaiser Diokletian die Hauptstadt der Provinz Praevalitana oder Praevalis4) und fiel hernach bei der Reichsspaltung mit dieser dem ostromischen Reiche zu. Die rOmische Stadt dehnte sich am Stidfusse des Hiigelzuges, der ihr als Akropole diente, bis zum Kiri und zur Drinasa aus, denn hier wurden in den Uferboschungen der letzteren von mehreren glaubwilrdigen Personen gut gearbeitete Steinmonumente von be-deutenden Dimensionen gesehen, die, ohne dass man ihnen nach-gehen durfte, wieder mit Sedimenten tlberlagert wurden, wie denn die fluvialen Bodenerhohungen und Rinnenanderungen die archao-logische Forschung in und um Skutari sehr erschweren. Im Jahre 1685 war ^nella moschea nova appresso il ponte rotto", womit wohl die Kassim Ali Sultan-Moschee (vgl. u. S. 24) gemeint ist, noch eine von der Stadt dem Kaiser Septimius Severus im Jahre 194 gewidmete Ehreninschrift erhalten.5) In der byzantinischen Zeit gehorte Skutari zu der Provinz, dem Thema, von Dyrrachium und verblieb in diesem Verbande allerdings mit slawischen Unterbrechungen bis auf Kaiser Manuel Komnenos (1143—1180), nach dessen Tode es der Grossschupan J) Plinius n. h. III 144. 2) CIL. III 12.695 (vgl. p. 2119 und 2253). 3) Itinerarium Antonini 339, 4; Tabula Peutingeriana; Geographus Ravennas 379, 10. Vgl. Ptolemaeus II 16, 7. H. Kiepert, Formae orbis antiqui XVII Beiblatt 5 Anm. 49. 4) Vgl. J. Marquardt, Romische Staatsvenvaltung P 300. ") A. Theiner, Vetera monumenta Slavorum meridionalium histo-riam illustrantia II 218; Patsch, Jahreshefte des Osterr. Archaologischen Institutes 1907 Beiblatt. I p p e n, Skutari. 2 Stephan Nemanja mit dem serbischžn Reiche verband.1) Die Er-innerung an die byzantinische Periode bevvahrten in Skutari zwei Lokalnamen, der des Burgfelsens Rosafa2) und der noch heute ge-brauchliche des gegenwartig ausschliesslich von Mohammedanern be-wohnten Stadtviertels Ajasma, welches im Weichbilde des romischen Scodra liegt. Die erstgenannte Benennung wurde hierher mit dem Kulte der Heiligen Sergius und Bacchus, die wir bereits o. S. 10 angetroffen haben, aus Syrien iibertragen, wo die Stadt Rosapha der Schauplatz der Legende war.3) Mit Ajasma werden in griechischen Die Ostseite der Zitadelle von Skutari. Landern wundertatige Quellen bezeichnet. Offenbar befand sich auch hier ein solches heiliges Wasser, das mit einer Kirche oder Kapelle seit der tUrkischeu Besitznahme verschwunden ist. ') Jireček, Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien wahrend des Mittelalters 17 ff. 34 2) Dieser Name wird noch von Reisenden des XIX. Jahrhunderts angefuhrt, doch haben sie ihn nur aus der Literatur. In Skutari selbst ist er seit langem unbekannt. 3) Jireček, Das christliche Element in der topographischen Nomenklatur dar Balkanlander 49 ff. Nach der Auflosung des serbischen Reiches im Jahr 1355 kam Skutari unter die Herrschaft der Balšici, der Flirsten von Zeta im heu-tigen Montenegro, unter denen in der Stadt wieder Miinzen gepragt svurden.1) Der Vorletzte der Dynastie, Georg II. Stracimir, trat unseren Ort, da er in seinem Besitze durch die Tiirken bedroht wurde, 1396 gegen eine Jahresrente an die Venezianer ab,2) die sich hier bis 1479 zu behaupten vermochten, in welchem Jahre die Stadt nach einer denkwtirdigen Belagerung freiwillig an die Tiirken ab-getreten wurde.3) Das Tor der Zitadelle von Skutari. Erst aus der venezianischen Zeit sind bedeutendere Erinnerungen verblieben. Die wichtigste bildet die Zitadelle, welche die Stelle der alten Akropolis auf der westlichsten, hochsten (133 m), nur im >) Balschitschi, Seta. S. Ljubič, Opis jugoslavenskih novaca 171 ff.; Vj. Celestin, Wissenschaftliche Mitteiiungen aus Bosnien VI 538 ff. 2) Ljubič a. a. 0.172; Gelcich, La Zedda e la dinastia dei Balšich 167 IT. ») J. von Hammer, Geschiciite des Osmanischen Reiches I2 535 ff. 2* Osten leichter zuganglichen Felsenerhebung des Htigelzuges von Skutari einnimmt.1) Der Mauerkranz und die Toranlage, die der Bodenbildung entsprechend im Osten angebracht ist, sind im wesent-lichen noch alt. Dagegen ist das Innere teils ganz vernichtet (so durch wiederholte Pulverexplosionen), teils baulich verftndert. Die Umfassungsmauer mit vier Ttirmen im Osten, drei im Norden und nur einer derartigen Verstftrkung im Stlden schliesst einen ovalen Raum ein, der durch starke Mauern mit gewolbten Toren in drei Hofe geteilt wird. Der erste Hof ist vollig wtist. Moschee im zweiten Hofe der Zitadelle von Skutari. Der zweite, ein grosses Rechteck, enthalt mebrere altere und neuere Gebaude und Ruinen sowie Zisternen. Das interessanteste Bauwerk ist rechts vom Wege, der zum dritten Hofe fiihrt, eine Moschee mit abgestlirztem Minarett. Sie wird filr eine alte Kirche gehalten. wofiir der Umstand zeugt, dass zwischen der Moschee und dem Minarett die Reste eines gotischen Kreuzganges erkennbar sind. Vielleicht ist sie die dem hI. Stephan geweihte Domkirche, die sich auf der Burg befand und die, in eine Moschee umgewandelt, noch 1685 eine als Trophae geschonte Orgel enthielt.1) Die Nachpriifung des Inueren ist venvehrt, weil dasGebaude gegenwartig als Munitions-depot dient. Der dritte Hof bildet ein geraumiges Dreieck mit Magazinen, Kasematten und Zisternen. Alte Skutariner wissen noch zu er-zahlen, dass hier der Palast der Familie der Buschati3) stand, der nach deren Depossedierung (im Jahre 1831) bis 1865 von dem Gou-verneur des Wilajets bewohnt wurde. Den Scheitel des Dreiecks bildet eine halbkreisformige Bastion, von der man ebenso wie von dem der Festung im Osten unmittelbar folgenden und von ihr durch eine breite Einsattlung getrennten Hiigel einen umfassenden Rund-blick geniesst. Das ganze Relief Ober-Albaniens pragt sich hier miihelos dem Gedachtnisse ein. tlber dem bald griin bald silberweiss sich weit nach Nordvvest dehnenden Spiegel des Sees und der ihn zur Rechten begleitenden Niederung mit reich wechselnden bewaldeten und kahlen Hiigeln, Feldern, Wiesen und hell schim-mernden Dorfern zeichnen sich vom blauen Himmel die Berge Montenegros ab, unter denen der massige Lov6en, an dessen Fusse Cetinje liegt, und der aus dem Zetatale aufsteigende Gara6 besoDdersmarkant hervortreten.8) Gegen Osten reihcn sichaneinander die Zacken und Schroffen des Porun, die kuhne Pyramide des Maranaj und die kraftige Kuppe des Cukali und dahinter zieht sich in Kam m en und Gipfeln die weite Linie der Nordalbanische n Alpen. Vorihr lugen die hochsten Erhcbungen des Šala-Gebirges4) auf, die Steilpyramide der Agra und die \Viinde der Ndermajna. Bis lange in den Sommer hinein blinken von dort Schneefelder heriiber, von denen sich Buchen- und Eichenwalder dunkel abheben. • !) Theiner, Vetera monumenta II 218; Jireček, Die Handelsstrassen •66 und Die Romanen in den Stadten Dalmatier.s wahrend des Mittel- alters I 53, 8) S. u. S. 25. Auch ihre angeblich prachtige Sommerresidenz in dem Dorfe Kozmači, sudostlich von Skutari, ist verschwunden. Nuf einige Pfeiler des Aquaeduktes, welcher Quellwasser von Jubani herabfuhrte, haben sich in den Feldern erhalten. 3) Lowlschen, Garatsch. 4) Tzukali, Schžla- Bei allmahlicher Wendung nach Siiden breitet sich vor uns der grtine, mit Baumgruppen und Dorfern geschmiickte Teppich der Ebene des Drin aus, der aus dem Felsentore bei V a u Dejns sein Band dem Plane einflicht. Die Bergumrahmung bilden zunachst am Ban de der Z a d r i m a, des Flaehlandes am linken Drinufer,der spitze Doppelgipfel der Šita Hajmelit, derlange Rticken der Krešta, die zwei machtigen, durch eine tiefe Einsattlung ge-trennten Kuppen der Velja und endlich der Mali Šelbuemit tiber Alessiomit dem an ihn sich schmiegenden, viel niedrigeren Zita-dellenberge dieser Stadt.1) Den ersten Kranztiberhohen bis inverdam-mernde Ferne der lange Riicken des Mali Šejnt, oberhalb Oroši im Mirditenlande, der lange in Weiss gekleidete Rticken der Dej a M a cn ki it zwischen den Landschaften Matja und Lurja, der ostlich zum Schwarzen Drin abfallt, und die abgestutzte Pyra-mide oberhalb Kroj a, die das Mausoleum des Sarisaldik tragt.2) Gegen das heraufschimmernde Meer zu verfolgt man die drei parallelen Hiigelztige, welche die Ebene gliedern und den Drin za einem weitem Umwege zwingen, sieht die von ihnen eingeschlossenen Taler ein und folgt dem unheilvollen Winden und Schlingen der Bojana. In der venezianischen Periode hat die Stadt ausser dem bereits in der antiken Zeit besiedelten Siidfusse des Burgberges auch den Mtlndungswinkel der Drinasa und Bojana an dessen Westabfall ein-genommen. Nebst Ruinen und Triimmern befinden sich hier zwei Baulichkeiten, welche der Tradition zufolge einst Kirchen waren. Die eine ist ein rohes Gemauer, das durch Kalkstriche in Kreuzes-form die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Sie wird ftir die Kirche der Madonna del buon consiglio gehalten, deren Bild vor der Be-setzung der Stadt durch die Tiirken das Gotteshaus verlassen und sich in wundersamer Fahrt nach Genazzano (ostlich von Rom) ge-fltichtet habe, wo es in einer reichen Wallfahrtskirche noch heute verehrt wird. Die andere „Kircheu steht am Ufer der Bojana und wird dem hI. Blasius, dem Schutzpatron der hiesigen ragusa-nischen Kolonie zugeschrieben. Wie bereits o. S. 1 ei wahnt wurde, steht sie jetzt als Petroleummagazin in Verwendungund hat frtlher, was auch der mit mehreren Kuppeln iiberdeckte rtickwartige Teil beweist, als ttirkisches Bad gedient. Der Vorderteil des Gebaudes ist jedoch alteren Ursprungs und spricht fiir die Tradition; in seinem Mauerwerk wechselt Bruchsteinmauerung mit Ziegelscharen ab. Als vor Jahren auf diesem ebenfalls von Anschwemmungen iiberdeckten Gelande am Ufer der Bojana nach Sand gegraben vvurde, stiesa man auf Steinplatten und den Unterbau eines Pfeilers sowie auf Bogen, die offenbar von einer alten Bojanabrtlcke her-rilhrten. Sie iibersetzte den Fluss stidlicher als die heutige Brucke. Die vermutliche St. Blasiuskirche in Skutari. Ober die Lage der Kirchen, die der Skutariner Geistliche Marinus Barletius zur Prazisierung der Punkte, auf denen die Belagerungsgeschtitze aufgestellt waren, in seiner Geschichte der Eroberung Skutaris dureh die Tiirken im Jahre 1478 anftlhrt,1) sind zum grossten Teil nur mehr Vermutungen moglich. Er nennt ausser der St. Blasius- und der Marienkirche, die bereits oben er- ') Marini Barletii, Scodrensis sacerdotis, de Scodrensi obsidione et expugnatione libri III bei Ph. Lonicerus Chronicorum turcicorum tomus tertius (Frankfurt 1578) 231 ff. wšihnt wurden, St. Lazarus, St. Veneranda und HI. Kreuz. Die beiden ersteren standen wohl zwischen den gegenvvartigen Stadtvierteln Tabaki und Karahdssaj auf dem der Zitadelle nachsten Hugel der Skutariner Kette, der mit dem oft notierten „mons Bassae, dem Berge des Paschas", identisch ist. Die Kreuzkirche ist am Ufer des Kiri in dem Quartier Tabaki oder Ajasma zu suehen. Die wahrend der Belagerung iiber die Bojana geschlagene hol-zerne Brucke lag natUrlieh ausserhalb der Stadt noch weiter Huss-abwftrts als die oben angeftthrten Brilckenreste, auf der Lokalitat Cathilina, deren Name sich in Blini Katalinit erhalten hat. Die turkische Eroberung hat naturlich der Stadt, die schon durch die vorhergehenden Angriffe gelitten hatte, nicht zum Vorteil gereicht. Die Kontinuitat und die Zugehorigkeit zum Westen wur-den unterbrochen, zumal da der grosste Teil der alten Bevolkerung nach Venedig, Ravenna, Padua und Treviso auswanderte.1) Nuu Iskenderije genannt, wurde sie zum Vororte des nach ihr benannten Sandschaks gemacht, an dessen Spitze der Sandschak Beji mit dem Range eines Paschas mit zwei Rossschweifeu stand, der dem Beylerbey von Rumili, dem Statthalter der ganzen Balkanhalbinsel mit Aus-nahme von Bosnien und Griechenland, unterstellt war. Im Jahre 1614 wird berichtet, „la citta col borgo puo fare čase 400 et gente armata 1000.«2) Wahrend aber die turkische Herrschaft in ihrer kraf-tigen Zeit in anderen Stadten Baudenkmaler aller Art, Moscheen. Ivarawanseraien, Brttcken, Brunnen usw. geschaffen hat, hat sic sich in Skutari in dieser Weise nicht betatigt. Als altestes Zeugnis der Mohammedanisierung der Stadt gilt die kleine Moschee Kassim Ali Sultan mit eingesttirztem Minarett am Ufer der Drinasa gegenuber der Madonna del buon consiglio ge nannten Ruine (o. S. 22). Hier soli zuerst der neue Glaube ver-ktindet worden sein. Sie fiihrt den Namen nach einem Derwisch, der nach der Tradition das Belagerungsheer durch feurige Predigten enthusiasmiert und eine Kapelle in die Moschee umgewandelt hat. Sein Tiirbe (Mausoleum) trennt eine Strasse von dem Gotteshause. ') Farlati-Goleti, Illvricum sacrum VII 316; Hammer a. a. O. 546. 2) Vgl. die Beschreibung des Sandschaks von Skutari von Mariano de Polizza, herausgegeben von S. Ljubič, Starine XII 175. Auch die politische Geschichte hat aus den crsten Jahrhnnderten der turkischen Herrschaft keine Erinnerungen hinterlassen. Erst beilaufig seit dem Beginne des XVIII. Jahrhunterts, als die Autoch-tbonen gegen das Stambuler Regiment und die fremden Beamten zu frondieren begannen, lichtet sich allmahlich das Dunkel. Nach der ftltesten mttndlichen tTberlieferung zerfiel die Stadt in zwei feindliche Teile. Der eine bestand aus Tabaki, dem Viertel der Gerber am Siidfusse des Schlossberges, der andere umfasste die ubrigen Quartiere und Handwerke, welche den gegenwartigen Basar am Nordwestfusse der Zitadelle einnahmen. Den Innungs- und Lokalhader beuteten einige machtige Familien, welche den Titel Bey fuhrten, far sieh, gegeneinander und wider die Pforte aus. Zu den cinflussreiehsten gehčjrten die Sippen der Tschauschogli, welche die Nordquartiere fuhrten, und der Madschar, nach denen noch jetzt eine von ihnen gestiftete Moschee und eine Brucke tiber einen vom Kiri kommenden Mublgraben, die Ura Madsch&rit, heissen. Den Preis erlangte jedoch eine aus dem siidlich von Skutari, am Drin gelegenem Dorfe Bušat zugezogene Familie, deren Cbef Mehmed Bey Buschati (tiirk. Buschatli) sich in Tabaki niederliess und bald die Fiihrung des Viertels iibernahm. Diesein gelang es, die "VViirde des Paschas von Skutari an sich zu bringen. Er sicherte sich seine Stellung durch die Ausrottung des aristokratischen Elements in der Stadt und auf dem flachen Lande und erweiterte sein Paschalik iiber Dulcigno, Alessio, Tirana, Elbasan, Mati, Dibra und Dukadschin. Die Wtirde vererbte sich in der Familie. Noch bedeutender als Mehmed war sein Sohn Kara Mahmud Pascha, der 1779—1796 Nordalbanien beherrschte. Seine Zeit ist mit unablassigcn Fehden und Kriegen mit den Nachbarn ausgefiillt, die ihn auch mit der Pforte in Konflikt brachten. Dieše sandte im Jahre 1787 ein Heer vor Skutari. Bei einem Ausfalle aus der Zitadelle wurden jedoch die Belagerer geschlagen und die Tiirkei hatte, seit Sommsr 1787 mit Russland und seit Anfang 1788 mit Osterreich im Kriege, keine Zeit, die Niederlage an dem Unbot-massigen zu rachen. Mahmud trat nun sogar mit Osterreich in Unterhandlungen ein, wobei er versprach, fur Geld und Munition die Krafte seines Oliorherrn durch eine Erhebung in Albanien zu schwachen. Auf der Riickreise von Skutari wurden aber die kai serlichen Abgesandten am 21. Juni 1788 auf seinen Befehl bei dem am Westufer des Sees gelegenen Dorfe M uri 6 i ermordet.1) Fiir die abgeschnittenen Kopfe erhielt Mahmud von der Pforte volle Verzeihung uud im Jahre 1790 sogar die Wiirde eines Wesiers. Am 22. September 1796 fiel er in einem neuerlichen Kriege mit Montenegro in dem Treffen bei Kruse (westlich von Podgorica2). Der letzte erbliche Statthalter aus der Familie Buscbati war der Wesier Mustafa Pascha, ein Zeitgenosse Ali Pascbas von Janina. In den Kriegen gegen die aufstandischen Griechen und gegen Russ-land (1829) erwies er sicb als eine schwache Sttitze des Reicbes. Er war die Hoffnungder mit den Reformen Sultans Mahmud II. unzufriedenen Elemente auf der Halbinsel. Im Jahre 1831 zog er gegen die gross-herrlichen Truppen zu Felde; er wurde jedoch bei Prilip (nord-lich von Monastir) geschlagen und in der Zitadelle von Skutari ein-geschlossen. Er ergab sich und musste nach ftinfzehnjahriger fiirst-licher Herrschaft seinen standigen Aufenthalt in Konstantinopel nehmen.3) Die bedeutenden Besitzungen, welche seine Familie mit allen Mitteln zu erwerben gewusst hatte, wurden ihm jedoch nach einigen Jahren wiedergegeben nnd verblieben seinen Nachkommen, die noch jetzt in Konstantinopel wohnen. Die Zeit dieser autochthonen Statthalter bedeutete die Bltite Skutaris in der turkischen Periode. Alles was in der Stadt halbwegs erwahuenswert ist, datiert aus ihr. Allen Stolz und alle heimatliche Freude verbindet der Skutariner mit „n' wakt wesirit", wie ja auch in Sfidalbanien der dem nationalen Boden entsprossene Ali Pascha eine volkstumliche Gestalt bis auf den heutigen Tag verblieben ist. Mit dem Sturze der Buschati erlosch aber nicht die Wider-spenstigkeit Oberalbaniens. Die Bestrebungen, auch hier Reformen einzufilhren, riefen blutige Aufstande hervor. 1833 wurde der Gou- ») Muritschi. Vgl. die aktenmassige Darstellung dieser Begebenheit in der Osterr. militarischen Zeilschrift 1828 II 170 ff. 263 ff. !) P6dgoritza. Dariiber geben zwei im k. u. k.Haus-,Hof-und Staats-archiv in Wien aufbewahrte Relationen des Wladika Peter von Montenegro nahere Auskunft. Sonst vgl. I. G. Wilkinson, Dalmatien und Montenegro (bearbeitet von W. A. Lindau) I 293 ff; A. Bou<5, Die europaische Turkei II 454 f. 3) D. Urquhart, Der Geist des Orientes. Ubersetzt von F. G. Buck II 220 ff; Bou6 a. a. O. 439 f. 466 ff; Hahn, Albanesische Studien I 97 ff. verneur Namik Pascha iu der Zitadelle von Skutari belagert und 1835 liess Hafis Pascha den im Bereiche der Festungsgeschtitze lie-genden Stadtteil bombardieren, wobei 960 H&user eingeaschert vnirden.1) Die Stadt hatte mittlervveile allmahlich eine starke lokale Ver-anderung erfahren: die Quartiere am Nordwestfusse des Schloss-berges wurden ausschliesslieh zum Basar und eine immer mehr in die Ebene wachsende Neustadt okkupierte nordostlich von ihnen frtihere Jagdgriinde im Norden der Skutariner Httgelkette. Hier dtirfte es kein Haus geben, das alter ware als 150 Jahre. Gegenwartig ist die Trennung zwischen dem Geschaftsviertel und den Wohnquartieren so streng durchgefuhrt wie vielleicht in keiner anderen orientalischen Stadt. Beide sind durch unverbautes Gelande, durch Felder und Olivenhaine getrennt. Des Morgens ziehen in langen Ztlgen fast samtliche mannlichen Bewohner Sku-taris aus der Neustadt in den Basar und verbleiben hier den ganzen Tag. Vor ISonnenuntergang kehren sie wieder zu den Familien zurtick, die kleineren Leute zu Fuss, in kleinen Rucksacken einge-kaufte Lebensmittel heimtragend, die vermogenden Kaufherren zu Pferde oder seit jiingster Zeit zu Wagen, einem fruher hier unbe-kannten BefGrderungsmittel. Der Basar schmiegt sich schmal, aber lang, von der Brucke iiber die Bojana ausgehend, dem Schlossberge an. Er bildet eine lange Hauptstrasse mit zahlreichen Seitengassen, die sich wieder in ein Nelz vou Gasschen und kleinen Platzen verasteln. Dem Frem-den erscheint er als ein Wirrsal, in dem die Orientierung und das Gehen durch schlechtes, glatt getretenes Pflaster, durch Gossen, vor-stehende Pfosten und durch die Gleichformigkeit der Bauten er-schwert werden. Diese bestehen aus vielen Hunderten aus Stein aufgefilhrter Hauschen und sind teils ein-, teils zweigeschossig. Die Vorderseite des Erdgeschosses ist tagsUber ihrer ganzen Ausdehnung nach offen und wird nach Geschaftsschluss durch eine Anzahl auf-einander gelegter Holzbohlen verschlossen. In diesem als Laden, vielfach gleichzeitig auch als Werkstatte dienenden Raume hockt der Handwerker oder Kaufmann und harrt gelassen der Kunden. Diese- ') Bou6 a. a. O. 469; Hahn a. a. O. 103; J. Muller, Albanien. Rumelien und die osterreichisch-montenegrinische Granze (Prag 1844) 48- treten seltener bei ihmein; in der Regel bleiben sie auf der Strasse vor dem Budenrande steben. An grosseren Gebauden besitzt der Skutariner Basar aus der Zeit der Buschati einen Besestan, eine der im Oriente iiblichen Markthallen ftir besonders kostbare Waren. Um ihn gruppieren sicb die L&den und Bureaux der Grosskaufleute. Ferner liegt im Basar auch eine theologische Lehranstalt, Medresse, die aus einem grossen Hauptgebftude. mebreren zierlichen, aber vernachlassigten Bibliothek in Skutari. Kiosken und einem abgesonderten Bibliotbeksbau besteht. Von den sieben hier hefindlichen bescheidenen Moscheen fiihrt eine nach einer alten, wipfellosen Zypresse in ihrem Hofe den merkwtirdigen Namen „Tu selwia e hunkjarit Zur Zypresse des Sultana". Uber dem Basar erhebt sich das kuppelgeschmtickte Tilrbe (Mausoleum) des Baba Mustafa, eines Lokalheiligen, das ebenfalls einen ungewohnlichen Namen hat, Es heisst im Volksmunde „Zoja pazarit Die Herrin des Basars".1) Da Zoja bei den Katholiken Madonna bedeutet, kann man vermuten, dass hier ebedem eine Marienkirclic stand, deren Name auf das Grabmal iibergieng. Die Sonderung der verschiedenen Gewerbe nach Gassen oder Strassenteilen ist wie in anderen orientalischen Basaren auch in Skutari, wenn auch nicht in der fruheren Strerge, durchgefiihrt. So reihen sich aneinander die Tiipfer, Tischler, "VVaffenschmiede, Sattler und die Mantelschneider. In eigenen Seitengassen sind wie-derum die Kupferschmiede, Schneider, Goldsticker, Silberarbeiter usw. vereinigt. Es herrscht bier aber lange nicht mehr die bis gegen 1860 geriihmte emsige Tatigkeit. Skutaris Wohlstand ist mit seiner Bedeutung als einer der Haupthandelsplatze der Balkanhalb-insel untergegangen. In der erstcn Halfte des 10. Jahrhunderts vermittelte die Stadt fiir den ganzen Westen der Halbinsel den Bezug vieler europaischen Waren. Ihre Kaufleute hatten Warenlager in Prizren, Usktib und Monastir und besuchten die grossen Messen in Seres und Philippopel. Fast die gesamte Seidenausfuhr von Rumelien war in Skutari konzentriert und umgekehrt giengen Skutariner Seidenfabrikate nach Rumelien, Serbien, Bosnien und Dalmatien. Doch darf man daraus sowie aus dem ganz bedeutenden Vermogen, das mehrere katholische Kaufleute damals erwarben — die Mohamme-daner befassten sich nur ganz vereinzelt mit Handel— nicht schliessen, dass dem Skutariner ein grosser kaufmannischer Geist und Zug eigen sind, die sich in kiihnen Operationen und gross angelegten Ge-schiiften aussern. Er ist vielmehr ein kleinlicher Handler, dcrjeden kleinen Profit achtsam verfolgt und seine Bediirfnisse angstlich ein-schrankt. Der Aufschwungvon Adrianopelund Salonik,dieEinfiihrung der Dampfschiffahrt auf der Donau bis Belgrad und spater die Bahn Salonik — Mitrovica schrankten den Handelsrayon immermehr ein.2) Zu dem Niedergange trugen aber auch ortliche und administrative Ursachen bei. Die Armut der Bevolkerung war schon vor dem unlieilvollen Erdbeben des Jahres 1905 so gross, dass viele Katholiken die Stadt »). Soja pasarit. • 2) Uher die fruhere Handelstatigkeit vgl. Hahn, Albanesische Studien I 105 ff. verliessen. Sie wandten sich nach Montenegro, Siiddalmatien, in die Hercegovina und nach Bosnien, wo sie sich als Kriimer und Wirte fortbringen. In Virpasar, Rijeka und Cetinje sind alle Laden und Schankwirtschaften in ihren Handen. Die Mohammedaner wenden sich dieser Erwerbstatigkeit nicht zu, unter ihnen ist des-halb das Elend daheim noch grosser. Bei den wenigen Sehenswtirdigkeiten, welche Skutari bietet, ist der Basar immerhin ein Schauobjekt. Vor allem ist ein Gang durch die Gasse der Silberschmiede anziehend. Mit ganz primitiven Werkzeugen werden hier zumeist in Filigran Tabakdosen, Knopfe, Broschen, Ohrgehange, Armbander usw. mit geschmack-voller Musterung erzeugt. Getrieben werden Griffschalen und Scheiden ftir Messer und Jatagane. Friiher erfreuten sich die mit Silber be-schlagenen Pistolen und schon getriebenen Patronenbiichsen aus Skutari eines grossen Rufes auf der ganzen Balkanhalbinsel. Seit dem tfberhandnehmen der neuen Waffen begniigt man sich, die Schafte der Revolver mitsilbernem Filigrangeflecht zu verzieren, in das Korallen und farbige Steine eingesetzt werden. OfFenkundiger zeigt sich der Niedergang des Kunsthandvverks in der Gasse der Gold- und Silbersticker, die ehedem sehr beschaftigt waren, da das Kostum der reichen mohammedanischen Frau und auch die Westen und Jacken der Manner so mit Goldstickerei be-deckt zu sein pflegten, dass das Tuch bloss an wenigen Stellen sicht-bar war. Jetzt arbeiten nur noch einige Meister. In mehreren Werkstatten werden Giirtel ftir die Gebirgs-bauerinnen hergestellt. Es gibt deren zwei Sorten. Die eine ist ein mit glanzenden Stahlstiftchen ganz bedeckter Ledergiirtel, die andere besteht aus aneinander gereihten Messingplatten und Orna-menten sowie einer Anzahl vou Anhangseln, die der Form nach in den prahistorisehen Grabern des Landes Analogien haben. Eine Eigentttmlichkeit des Zunft- und Gewerbewesens in Al-banien ist, dass manche Handwerke nur von bestimmten Landschaften, Orten und Konfessionen ausgeiibt werden. So sind die Silberarbeiter ausschliesslich Katholiken aus Djakova. Die Topfer stammen hin-wiederum aus Kavaja.1) Die Backer sind zumeist Bulgaren aus Struga am Ochrida-See; keinem Skutariner wiirde es beifallen, ihnen Konkurrenz zu machen. Die Kupferschmiede sowie die Zinn-arbeiter, welche das Kupfergeschirr verzinnen, sind eingewanderte Serben und Walachen. Das Sattler- und Fleischerhandwerk wird nur von Mohammedanern betrieben. Ebenso sind die meisten Gold-und Silbersticker dieses Glaubens. Sein Monopol waren auch die Seidenfabrikation und die Gerberei, die nun ganz herabgekommen sind. Nach letzterer heisst das alteste Stadtviertel am Sttdfusse der Zitadelle Tabaki. Hier reihte sich „n' wakt wesirit" eine Gerberei an die andere, wo ein geschatztes und gut bezahltes Saffian- und Maroquiu-Leder erzeugt wurde. Gegenwartig sind davon in den Garten von Tabaki nur die gewaltigen, zum Teil gebrochenen Stein-troge, in denen die Felle gegerbt wurden, verblieben. Wie der Stambuler Basar hat auch der Skutariner seinen Bit-pasar. Trodel- oder (wortlich) Lausemarkt. Er entbehrt auch des-wegen nicht des Interesses, weil hier Frauen selbstgearbeitete Ge-webe. Kleidungsstiicke und Stickereien feilbieten. Auch noch auf einem zweiten kleinen, dreieckigen Platze hocken, dichtgedrangt und weiss verschleiert, Frauen und halten mit nach allgemein mohammedanischer Sitte mit Henna rot gefarbten Fingerspitsen den Passanten die Erzeugnisse ihres Hausfleisses entgegen. Am lehrreichsten ist der Besuch des Basars am Mittvvoch, dem Tage des Wochenmarktes. Aus den Dorfern der Ebene nnd vom Hochlande strumen Manner und Frauen zusammen zum Ein- und Ver k auf, aber auch bloss zur Unterhaltung, um Freunde zu sehen und Neuigkeiten zu erfahren. Die Hauptstrasse ftillt eine dicht gedrangte, sich langsam schiebende Menge von Menschen und Tragtieren. Die Manner bieten in ihrer weissen, mit schwarzen Borten mehr oder weniger reich benahten Lodenkleidung keine besondere Abwechslung, da die kleinen Verschiedenheiten, welche in Schnitt und Verzierung jedes Gebiet aufvveist, nur bei naherem Studium hervortreten. Am auffalligsten sind die Mirditen durch ihren langen, bis auf die Knochel herabfallenden, faltigen Leibrock, wahrend die iibrigen Manner einen kurzen Spenser tragen. Dagegen zeichnet das Frauenkosttim eine bunte Mannigfaltigkeit aus.1) In schwarz ') Mehrere Photographien bei A. Degrand, Souvenirs de la Haute-Albanie 64 ff. und rot gemusterten, glockenformigen Rocken, die kaum bis zu den Knocheln reichen, mit Silberketten reich behangen, den Kopf mit farbigen Seidentuchern und weissen Sehleiern umhttllt, geht selbst-bewusst die Bauerin aus dem Gebirge ostlich des Skutari-Sees daher. Viel weniger reich gekleidet, aber gefallig prasentiert sich ihre Ge-nossin aus den Talern von Šala und Pulti in ihrem geteilten Rocker dessen riickwartiger Teil in einem Metallgtlrtel kokett aufgesteckt ist. Ein kurzer, plissierter schwarzer Ročk kennzeichnet die Bauerin aus der Ebene. Die Frauen der Mirdita sind dagegen arme, abge-arbeitete, in weite Leinengewander gekleidete Geschopfe. Mit der Verhiillung nehmen es nicht alle umliegenden mohammedanischen Dorfer gleich streng. Manche lassen ihre Frauen ganz unverschleiert zu Markte gehen; dagegen sind die Bauerinnen aus Anamalit und vom Drin mit weissen Tuchern so dicht vermummt, dass nur die Augen herauslugen ; ausserdem ist die ganze Gestalt noch mit einem grossen weissen Laken bedeckt. An den anderen Tagen der Woche ist der Basar recht stili und einsam. Die Kramer und Handwerker machen sich gegenseitig Besuche, trinken Kaffee, rauchen Zigaretten und machen sehr viel in Politik. Behagt ihnen etwas nicht, so werden Elle und Wage beiseite gelegt und Gewehre und Revolver hervorgeholt. Die Fiihrer geben den Befehl aus, die Laden zu schliessen, und niemand wagt sich zu widersetzen. Es dies immer ein Vorakt zu turbulenten Ereignissen. „Den Basar sperren" ist auch eine beliebte Demon-stration der Skutariner gegen die Regierung, eine Art Generalstreik, durch welchen man ausdrUcken will, dass die Bevolkerung die Situation als nicht geniigend sicher erachte, um friedlicher Arbeit nachgehen zu konnen. Auch die Neustadt, die Wohnstadt, weist ausserlich wie innerlich alle Eigentiimlichkeiten orientalischer Stadte auf. Von weitem reizvoll, drinnen voli Enttauschungen. Eine europaische Strasse, eine Grande rue de Scutari zu sein, erhebt die Haupt-strasse die Pratension. Sie ist die Fortsetzung der vom Basar her kommenden Strasse, fiihrt vom Regierungsplatze, an dem das Gerichtsgebaude, das Provinzialgefangnis und eine weitlaufige Ka-serne mit den Regierungsbureaux liegen, in 15 Minuten an die Peripherie der Stadt und bildet die Grenzlinie zvvischen den mo- hammedanischen Stadtteilen im Westen und den christlichen im Osten. Sie schliessen nach europaischer Art gebaute einstockige Hauser, darunter das gemietete Wohnhaus des Gouverneurs, zwei Hotels und einige Kaufladon. aber auch auf dem Dugajt t' rea (tlirk. Jeni Tscharschi Neumarkt) genannten Teile unappetitliche Fleischerbuden ein. Sie dient als Promenade. Bewohnt wird sie, da sie eine abgeschlossene Hauslichkeit nicht ermoglicht, nur von Fremden, von tiirkischen Beamten und Offizieren sowie von einigen Europaern. Die Konsulate befinden sich in den von ihr ausgehenden Seitengassen. Als den Mittelpunkt der Stadt kann man den kleinen Platz Parutza bezeichnen, auf den man von dem oben erwahnten Regie-rungsplatze auf dem Wege zum Basar gelangt. Hier befindet sich die Hauptmoschee und hier pulsiert echtes orientalisches Leben von Friih bis in die Nacht. In den zahlreichen Kaffeeschenken hocken Offiziere und Soldaten, Regierungsbeamte in nicht allzu korrekter frftnkischer Tracht, beturbante Chodscha und mohamme-danische Stadter in weissen, umfangreichen Fustanellen. In mehreren Garktlchen brodeln die verschiedenen Ragouts der turkischen Speise-karte auf der Kohlenglut und glotzen gebratene Hammelkopfe, eine albanische Delikatesse, die Vorubergehenden an, wahrend sich die Gaste in der zugleich alsSpeisezimmerdienendenKucheaus verzinnten Kupferscbalen gtttlich tun. Flir gar viele Einheimische besteht aber eine Mahlzeit bloss aus einigen Melonenschnitten und Zigaretten, die nebst Gemttse in kleinen holzernen Buden auf dem Platze erhaltlich sind. Die Christen weilen hier nicht gerne: der Platz ist eine Domiine des Islams und der Politik. Es wird hier nicht nur Kalfee getrunken, geraucht und gegessen, es wird hier auch im Fltlstertone jede Verfugung des kaiserlichen Statthalters kritisiert und gegen sie, wenn es gut diinkt, agitiert. Kleine Verschworungen werden hier angezettelt, um einen missliebigen Wali durch Bescluverde-lelegramme an den Sultan oder durch Demonstrationen und Unruhen zu entfernen. Die tibrige Stadt zeichnet sich durch Ruhe und ode Gleich-formigkeit aus. Die 4—9 Meter breiten Gassen und Strassen, deren Hauptziige gegen den Basar konvergieren, laufen, da der Skuta- Ippen, Skutari. 3 riner ohne Unterschied des Glaubens sein Haus gegen die Aussen-welt vollig abschliesst, zwischen liohen, aus dem Geroll des Kiri aufgefiihrten, zumeist unverputzten Mauern, deren Flucht nur dareh die grossen, um 1*5 bis 2 m vertieften und tiberdachten Tore unterbrochen wird, deren Flilgel schwer und stark beschlagen sind und in deren Nische sich zumeist eine Steinbank fiir die Wartenden befindet. Die Strassenbahn zerfallt in eine erhohte, gepflasterte Halfte, welche als Gangsteig dient, und iu einen oft einen halben Strasse in Skutari. Meter tiefen Graben, in dem in Ermanglung der Kanalisierung das Regen- und Inundationswasser abfliest und der sonst von den Trag-tieren und Karren benUtzt wird. An Pompeji eiinnern die dadurch notwendigen StrassenUbergžlnge. Sie bestelien aus 3 bis 5 in den Boden tief eingerammten Steinblocken, dereu Oberflache im Niveau des Gangsteiges liegt. Die Monotonie der Gassen findet ab nnd zu durch Platze eine Abvvcclislung. Eine jede Moschee ist von einem Platze umgeben, ■der zugleich als Friedhof dient. Der Skutariner ist jedoch an diese Begrabnisstatten nicht gehalten: man darf die Toten tlberall mitten in der Stadt auf offentlichen Platzen wie auf Privatgrundstilcken beerdigen. Es gibt mohammedanische Familien, welche ihre Ange-lorigen unmittelbar vor den Fenstern ihres Hauses begraben. Die alteren mohammedanischen Nekropolen befinden sich auf dem Hugel-zuge slldlich der Neustadt und enthalten aus der Zeit, da noch in Skutari Wohlstand herrschte, einige bessere Grabmonumente, kleine viereckige oder polygonale Kioske, aus deren hiibsch geschwungenen Dschamia plumit in Skutari. Arkaden man reizende Ausblicke auf den See und die Ebene des Drin geniesst. Die Friedhofe sind nicht eingefriedet; die Graber verfallen ungepflegt, Tiere und Menschen schreiten iiber sie hinweg. Bei der Frommigkeit und dem Fanatismus der Skutariner nimmt es wunder, dass die Stadt nur eine einzige bemerkens\verte Moschee besitzt. Diese liegt in der Altstadt im Viertel Tabaki und st eine sehr verkleinerte Nachalmiung der Sultan s-Moscheen in Konstantinopel. Da ihre Kuppeln mit Blei gedeckt sind, heisst sie Dscihamia plumit oder turkisch Kurschum Dschamissi. Sie ist eine Stiftung der Familie Buschati und befindet sich, wiewohl sie-nicht viel tiber 100 Jahre alt ist, in einem so desolaten Z u stan de, dass sie nicht mehr beniltzt \verden kann. Auf ihrem Friedhofe interessieren einige halb im Sande vergrabene GrabsRulen durch ihre grossen, aus Stein modellierten Turbane von jetzt nur sehr selten bemerkbarer Form. Es sind wohl Familienangehorige und Zeitgenossen der Stifter, denen die Ehre dieser Begrabnisatatte-zuteil wurde. Die tibrigen 25 Moscheen der Stadt sind schmucklose steinerne Bauten, die wie Speicher aussehen und sich mit einem einzigen miissig hohen Minarett begntigen. Sie heissen entweder nach der Familie, die sie erbaut hat, oder dem Stadtviertel oder der Strasse, in der sie steheu. So sind nach ihren Stiftern benannt Madscharr Karabtlssaj, Koplikaj, B6gos und Wischo Bey, die letztgenannte nach Dčrwisch Bey Buschati. An sonstigen sakralen Bauten besitzt das islamitische Skutari noch 8 Tiirbe, Mausoleen, von Ortsheiligen, von denen wir bereits zwei o. S. 24 und 28 erwahnt haben. An die G-itter dieser Grab-statten pilegen die Mohammedaner, wenn ein Familienglied krank ist, kleine Fetzen seiner Kleidung zu binden, damit der Heilige sich des Leidenden annehme. So sind die Fenstergitter des Tiirbe Kassim Ali Sultan (o. S. 24) mit solchen Stoffteilchen ganz bedeckt. Unter den Heiligen befinden sich wohl auch einige Angehorige der Bektaschi. einer Sekte,1) die friiher auch in Skutari vertreten war, die aber Mustafa Pascha Buschati zu Begiun des 19. Jahrhunderts vertrieb, weil er den Verdacht hegte, dass sie gegen ihn fiir seinen Widersacber Ali Pascha von Janina t&tig sei. Gegenwartig befindet sich iiberhaupt kein Derwischkloster in Skutari. Ihre einstige Existenz erweist aber auch der Name Teke (Kloster) des Viehmarktes im Basar, an dem auch ein Tiirbe des Konjali Scheich Mehmed Efendi liegt. der wobl den Mewlewi-Dervvischen angehort hat, deren Heimat Konia ist. In die Anlage und Architektur der Privathiiuser kann man von der Strasse aus keinen Einblick bekommen, da insbesondere die Hauser der vornehmeren Klasse von der Strasse abgeriickt, frei in einem hoch ummauerten Hofe oder Garten stehen, der sich trotz geringer Pflege durch eine ausserordentliche Uppigkeit der meditorranen Flora auszeichnet. Man findet hier sehr schone alte Weinstocke, riesige Feigenbaume, Pfirsiche, Oleanderbaume bis 8 m Hohe, Granatapfel, Zypressen, Lorbeer, Agaven und eine prachtvolle Art blauer und roter Glyzinien. Das Skutariner Haus weist einen feststehenden Typus auf: es bildet ein zweigeschossiges Rechteck aus Stein mit recht Eachem Ziegeldache, das die eine Schmalseite dem Eingange zukehrt. Der Unterstock wird nicht bewohnt, sondern dient als Stali, Speicher und Keller. Die Mitte des Oberstockes nimmt auf der Vorderseite eine nichtvorsprin-gende, ziemlich tief ins Innere reichende, deckenlose Holzloggia zwischen je einem- Eckzimmer ein, zu der eine (oft doppelte) steinerne Freitreppe ernporfiihrt. Die iibrigen Stuben sowie die Kiiche liegen hinter dieser Veranda. Sehr mannigfaltig und originell sind die Schornsteine gestaltet. Bald rund, bald mehreckig, mit Miitzchen oder Kuppelu versehen, hier Minaretten, dort Pagoden gleichend, oft mit dem Halbmond oder dem Kreuze geschmiickt, bilden sie einen abwechslungsreichen Schmuck der Hauser. Den Hausbau besorgen wie in einem grossen Teile der Balkanhalbinsel so auch in Albanien Baumeister und Arbeiter aus der Landschaft Dibra am Schwarzen Drin, wo in bestimmten Dorfern seit Menschengedenken alle Manner Maurer, Steinmetzen, Zimmerleute oder Tischler sind. Bei einem Baue ziehen sie von Ortseingesessenen nur die Zigeuner heran, die in Albanien aus-schliesslich Schmiede sind und nebst anderem auch ganz kunstvolle Gitter herstellen. Die Baumeister, tiirkisch Usta, sind naturlich Empiriker und bauen noch nach demselben Plane wie zu Skander-begs Zeiten; intelligentere vermogen sich aber auch in europaischen Zeiehnungen auszukennen und nach ihnen zu arbeiten. In der „guten, alten Zeit, n' wakt wesirit" wurden die Hauser der Wohlhabenden innen htibsch und wohnlich ausgestattet. In den Raumen, in welchen der Hausherr Gaste empfieng, wurden ■an den Wanden geschmackvoll geschnitzte Holzverkleidungen oder Schranke angebracht und die Decken waren zumeist in Nussholz ausgeftihrt und wiesen gefallige geschnitzte' Blumen- und Blatter-oder Linienornamente auf. Jetzt ist dieses Kunsthandwerk erloschen. Ein anderer Dekorationsgegenstand war ausser kleinen bunt-farbigen Fensterchen tiber den Zimmerfenstern der grosse offene-Kamin, der leider nur aus Gips ausgefiihrt wurde, so dasa sich von ihm nicht viele Beispiele erhalten haben.1) Sie bilden ttber einer niedrigen viereckigen Feuerstelle eine Sttule von nahezu einem Meter Durchmesser, reichen bis zur Dečke — manchmal setzen sie sich noch auf ihr fort — und sind mit einer sehr kunstsinnig zusammengestellten Folge von Ornamenten verziert. Skutari zahlt schatzungsweise 35.000 Einwohner; davon sind etwa 22.000 Mohammedaner und 13.000 Christen (12.000 Katholiken und 1000 Orthodoxe), wozu noch eine Anzahl Zigeuner kommt die in Nr Madschiib, einer Gruppe kleiner, diehtgedrftngter Htttten an dem der Stadt zugewandten Ende des Basars, sowie auf dem rechten Bojanaufer gegenuber dem Basar nachst der Brucke auf einem felsigen Htigel wohnen.2) Die Stadt wird gemass dem tiber die Organisation der Stedt-gemeinden des turkischen Reiches i. J. 1877 erlasaenen Gesetze von einem ernannten Bttrgermeister, dem Beledije Reissi, verwaltetr dem ein gewahlter Gemeinderat, Beledije Medschlissi, zur Seite steht, in dem alle drei Konfessionen vertreten sind. Die Stadt zerfallt ohne den Basar in 12Bezirke, Mahalla, 9 mohammedanische-und 3 katholische, die gegenw3rtig nur eine administrative Bedeu-tung haben und von den en jeder von zwei Vorstanden, Muchtaren und dem Priester, Imam, der Hauptmoachee des Viertels geleitet wird. Friiher diente diese Einteilung der kriegeriBchen Organisation der Stadtbevolkerung; jede Mahalla hatte einen Bajraktar, der die Fahne dea Aufgebotes trug. Die orthodoxen Christen haben, da sie nicht zur ursprllnglichen Stadtbevolkerung gehoren, sondern erst in neuerer Zeit zugewandert sind und ihre Zahl gering ist, kein eigenes Viertel. Sie vrohnen zumeist in einigen Gassen an der Grenze zwischen den katholischen und mohammedanischen Bezirken. Der Nationalitat nach zerfallen sie in Serben und Mazedorumanen, welche letztere aua Elbasan,. *) Eins bei Degrand, Souvenirs de la Haute-Albanie 25. 2) Bemerkenswert ist, dass sich Juden in Skutari nie niedergelassen.-. haben. Die tiber die ganze Balkanhalbinsel verbreiteten Spaniolen haben Nordalbanien stets gemieden. Tirana und Durazzo eingewandert sind. Ein Teil derselhen hat noch seine Sprache bewahrt, wahrcnd sonst das Albanische stark eingedrungen ist. Die Scheidung zwischen den mohammedanischen Vierteln und der Christenstadt ist in Skutari besonders scliarf. Diese, Mah&ll Kaurwet das Viertel der Unglaubigen geheissen, nahm frtiher faat die Stellung eines Gettos ein. Wenn nun auch die Demiitigungen und Erniedrigungen an Scharfe verloren haben, so kommt doch noch oft genug die Superioritat des herrschenden Glaubens namentlich durch die Jeunesse doree zum Ausdruck. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Stadt nur die unmittelbar um die Zita-delle liegenden Viertel umfasste, wohnten die Katholiken gesondert nordlich der Zitadelle ostlich vom Basar in dem Viertel Tophane bei der gegenwartigen Hadschi Bajram-Moschee. Bei der Stadt-ervveiterung sind sie von hier an die ostliche Peripherie der neuen Stadt verdriingt worden. Noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts durfte sich kein katholischer Geistlicher im Priesterkleide offentlich zeigen. Die Priester trugen die Tracht der katholischen Kaufleute und waren genotigt, zu ihrer Sicherheit zwei Pistolen in einem ledernen Waffengurte stets bei sich zu haben. Bis zu dieser Zeit besass Skutari keine katholische Kirche, sondern nur die Kapelle der hI. Maria Magdalena ausserhalb der Stadt auf dem jenaeitigen Ufer der Bojana. Hierher, zu dem jetzt noch bestehenden Kirchlein, auf. eine Hohe gegeniiber dem Basar in der Nachbarschaft des Zigeunerviertels mussten auch die Toten geschafft werden. Hier ruhen auch einige Bischofe und der erste osterreichische Konsul von Skutari, Johann Vinzenz Ballerin (gest. 1836). Dem Bischof von Skutari war es bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verwehrt, in der Stadt zu wohnen; er musste seinen Aufenthalt in dem etwa zwei Stunden sttdostlich gelegenen katholischen Dorfe Jub&ni nehmen. Nach der i. J. 1878 erfolgten Abtretung Antivaris, des bisherigen Erzbistums von Nordalbanien, an Montenegro wurde Skutari zur Erzdiozese und zur kirchlichen Metropole dieses Landes-teiles erhoben. Gegenwartig verfiigen die Katholiken in der Stadt tiber eine stattliche Kathedrale, eine dreischiffige Basilika mit angebautem Glockenturme, deren Bau 1856 begann und die, infolge ihrer grossen Dimensionen baufallig geworden, 1898 durch Baurat K. Parik au9 Sarajevo restauriert wurde. Sie liegt auf einem grossen ummauerten Platze, an dem sich auch die Residenz des Erzbischofs befindet und auf dem an Feiertagen bis 15.000 Persouen zusammenkommen. Ferner bestehen in Skutari ein Kollegium der venezianischen Provinz der Gesellschaft Jesu mit einem Priesterseminar, einer Biirgerschule und wissenschaftliehen Sammlungen, ein Franziskanerkloster mit einer Knabenvolksschule, eine Niederlassung der Schwestern vom dritten Orden des hI. Franziskus mit einer Madchenvolksschule, ein Kinder-garten flir Knaben und Madchen, der von Schwestern des Serviten-ordens unterhalten wird, und ein kleines Spital mit etwa 40 Betten, das Barmherzige Schwestern des hI. Vinzenz de Paula der Agramer Provinz besorgen.1) Die Orthodoxen haben zwei Kirchen, St. Nikolaus ausserhalb der Stadt rechts vom Austritte der Bojana aus dem See, wo sich bis vor 4 Jahren auch der einzige Friedhof dieser Konfession befand, und die zu Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahr-hunderts erbaute kleine St. Alexander Newski-Kirche in der Stadt. Katholiken wie Orthodoxe bilden konfessionelle Gemeinden, in deren Verwaltung sich die Regierung nie eingemengt hat. Scharfe und streng beobachtete Standesunterschiede zwischen den als Patrizier anerkannten Familien und dem iibrigen Volke sind auch Skutari eigen. Die hobere soziale Stellung kommt aber bei den Katholiken in keinem Pradikate zum Ausdruck. Die Adelsbezeichnung Bey (albanisch Beg) findet sich ausschliesslich bei den Mohammedanern, wo sie nicht selten ohne Berechtigung usur-piert wird. Es nehmen sie auch solche Personen an, bei denen lediglich die Mutter einer Bey-Familie entstammt. Im Gegensatze zu anderen Stadten und Landschaften Albaniens, die wie Europa einen Hochadel, machtige, reiche Feudalherren, die ihre Abstammung auf edle Familien der vortiirkischen Zeit oder auf militarische Lehens-manner in der ersten ttirkischen Zeit zuruckfdhren, und einen oft verarmten kleinen Landadel besitzen, gibt es in Skutari keine alten Adelsgeschlechter. Die beutigen Skutariner haben, schon nach ihren Familiennamen zu urteilen, tiberwiegend bauerliche Vorfahren; ') Vgl. auch L. Freiherr von Chlumecky, Oslerreich-Ungarn und Italien 164 ff. beinahe alle Mohammedaner und Katholiken heissen nach Gebirgs-stammen oder nach Dorfern in der Ebene, von denen sie in die Stadt gezogen sind. Die Bevolkerung der Stadt muss sich seit der ttirkischen Invasion sehr erneuert haben. So sind die Buschati, die noch jetzt in einer Nebenlinie die vornehmste Familie sind, wie o. S. 25 erwahnt wurde, aus dem Dorfe Bušat eingewandert, wohin sie wiederum aus dem katholischen Gebirgsdorfe Goj&ni in der Mirdita herabgestiegen und wo sie nach dem Glaubenswechsel zu Bey Buschati geworden waren. Es wurde auch bereits angeftihrt, dass diese Familie die in der Stadt bereits vorhandenen Geschlechter, deren Nebenbuhlerschaft sie fiirchtete, ausrottete. Daneben scheinen aber auch Angehorige angesehener serbischer Familien aus dem heutigen Montenegro durch Ehrgeiz und die Hoffnung auf materielle Vorteile nach Skutari gelockt worden zu sein und hier den mo-hammedanischen Glauben angenommen zu haben, da einzelne Skutariner Familien wie die Derwischaj ihre Abstammung von denselben Ahnherrn ableiten wie die fiihrenden Familien montenegrinischer Stamme (Pleme). Wahrend nun Skutari immer mehr verarmt und hier ein altes Familienerbstilck nach dem anderen veraussert wird, steigt zusehends der Wohlstand einer Landschaft unmittelbar bei der Stadt, die wir ebenso wie die angrenzende Ebene Ana mdlit noch besuchen wollen, bevor wir uns siidwarts wenden. Es ist dies die Kraja (slawisch Kraj in a) auf dem terrassierten Seeabfall des Siidostauslaufers des Kustengebirges, der in der Pyramide des Taraboš an der Bojana endet. Im Berliner Vertrage wurde sie zwischen der Tiirkei und Montenegro geteilt. Ihre Terrassen sind steinig und ihre Hohen kahl; sie prosperiert aber auf dem ttirkischen Anteile, wohin auch die montenegrinisch gewordenen Dorfer viele Emigranten abgegeben haben, durch reichen Verdienst in der Fremde, zumal in Konstantinopel, wo ihre Angehorigen als Gartner, aber auch im Hofdienst sehr bekannt sind. Den letzteren Erwerbs-zweig verdanken sie Krdnjali Tahir Pascha aus dem Dorfe Drago vid in der montenegrinischen Krajina, der sich vom Taglohner zum Divisionsgeneral (Ferik) und Kommandanten der Tilfenkdschi, der Schlossgardekompagnie, emporgeschwungen hat und der seine Landsleute tiberall forderte. Gegenwartig befinden sich etwa 60 Kr&njali, die als arme Bauern die Heimat verlassen hatten, in wohlbezahlten und einflussreichen Stellungen im kaiserlichen Palais. So ist Kiitschiik Tahir Bey aus dem Dorfe Kštenja Oberat und Kommandeur der Chademe, der Palastgendarmen, Chalil Bey Skeja aus Žogaj1) bei derselben TruppeOberst und Osman Pascha aus Dodaj Brigadegeneral und Kommandant des albanischen Zuaven-Bataillons. Sie alle nehmen sich wieder anderer Konnatio-nalen an. Aus der Krajina und zwar aus den Dorfern Brisku und Šestani im montenegrinischen Anteile stammen auch die Albanen, welche der venezianische Statthalter von Dalmatien Nicolo Erizzo im Jahre 1726 in Borgo Erizzo bei Zara angesiedelt hat. Diese sind Katholiken, sonst ist die Beviilkerung der Landschaft zum grosseren Teile mohammedaniscb. Den Niedergang des Christentums bezeugen auch hier Kirehenruinen, eine in den Dorfe O s t r o š2) hoch iiber dem Skutari-See und eine zweite knapp am G-estade nachst der Ortschaft Skja. Beide bieten nichts von Interresse.3) In die Zeit, da diese Gotteshauser entstanden, versetzt uns ein Besuch der Ruinenstatte bei dem Dorf Šas. Diese liegt am Siidwestrande der fruchtbareu, von mehreren Wasserlaufen zur Bojana hin durchschnittenen, dichtbesiedelten Ebene Anamalit, die durch den Hohenzug der Kraja vom See geschieden wird. Doch bevor wir die mittelalterlichen Reste erreichen, passieren wir bei Ridjigač und Katrkol4) an dem Wege, der von Skutari durch die Ebene nach Antivari flihrt, die jiingste historische Stiitte der Landschaft. Hier fand i. J. 1878 der letzte Kampf zwischen den Ttirken und Montenegrinern statt. Die letzteren rilcktea nach der Einnahme von Antivari gegen Skutari vor; da warfen sich ihnen, um ihnen den Eintritt in die Ebene zu vervrehren, die kaiserlichen Truppen, hauptsachlich Milizen aus Skutari und dessen Umgebung, stUrmisch entgegen und trieben sie zurilck. Trotz diesem Erfolge wurde der Befehl zum Ruckzuge erteilt. Die erbitterten l) Dragovitsch, Kschtenja, Sogaj. 8) Schestani, Ostrosch. s) Vgl. Wissenschaftliche Mitteilungen VIII 137 ff. und Glasnik 1900-S. 517 f. 4) Schass, Ridjigatsch, Katrkol. Albanen glaubten sich verraten und verdachtigten den Komman-danten der Irregularen, Hodo Bey aus Skutari, eines honorierten Einverstandnisses mit Montenegro. Die Montenegriner gelangten dann bis an die Bojana; zu' einer Aktion gegen Skutari kam es aber nicht, da der Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Die Ruinen von Šas, vom Volke „Kischat Kirchen" genannt, liegen auf dem kahlen felsigen Hiigelzuge, der Anamalit von dem kleinen Becken des der Bojana tributaren Sees Liceni Kirchenrest in der Ruinenstadt bei Šas. Šas i t im Siidwesten scheidet, oberhalb des kleinen mohammeda-nischen Dorfes Šas, das im letzten Kriege von den Montenc-grinern niedergebrannt wurde. Von unten gesehen, priisentieren sie sich recht wirkungsvoll. Man sieht auf einer Terrasse des Httgelhanges eine Gruppe von Gebauderesten, von denen einer hoher aufragt, und darilber die Konturen einer befestigten kleinen Stadt. Beim Naherkommen wird man aber stark enttauscht: die Mauer-trtimmer sind doch zu schlecht erhalten und gehen in den anste- henden Fels zu monochrom und unscharf tiber, als dass man einen klareren Einblick in die Stadtanlage gewinnen konnte. Die Umfassungsmauer der Stadt, welche in der Richtung des Riickens ein schmales, langes Rechteck gebildet zu haben scheint und beide Hangseiteu einnahm, ist nur stellenweise hijher, an der Nordostecke bis zur doppelten Manneshohe erhalten. Man erkennt in ihr noch zwei Tore, eines, das hochstens die Grosse eines Haustores hatte. liber Sas, durch das wir eintreten, und ein zvveites Kirchenrest bei der Ruinenstadt niichst Šas. auf dem steilen Seehange. Am markantesten ist im Stadtinneren die Ruine einer Kirche, welche in der Nahe des erstgenannten Tores in einer Einsattlung des Riickens liegt. Sie bildet ein langes Rechteck mit einer Apsis, iiber der sich hier ganz singular der Turm erhob. Das Innere ist mit Schutt und Gestriipp erfiillt, doch erkennt man, dass es in zwei Raume, Narthex und SchifF, ge-±eilt war. Von der Hohe bei der Kirche erfreut ein iiberraschend schoner Blick auf den griinen, mit grossen blauen Flecken besetzten Spiegel des Sees von Sas, den im Stiden der lange, bis zum Fusse wald-bedeckte Hilgelzug Mali Brin j s, im Wasser sich spiegelnd, freundlich einhegt. Dieser diente friiher den Hochlandern des Stammes Škreli, im Norden von Skutari,1) als Winterweide; jetzt gehort er zu Montenegro. Das We.stende des Sees geht in eine kleine sumpfige, sehr ungesunde Ebene tiber, an deren Rande das Dorf Brija oder Brinje liegt. In der Ruinengruppe auf der Terrasse oberhalb Šas, also fuori le mura lassen sich drei Kirehen unterscheiden. Eine von ihnen ist bis auf eine eingesttirzte Langseite noch recht gut erhalten. Von rechteckigem Grundrisse hat sie eine rechteckige, mit einer Halbkugel uber\volbte Apsis, deren Hinterwand durch ein hohes, schmales Fenstcr durchbrocben ist und mit Fresken geschmiickt war. In der Vorderseite der Kirche sind die Tiir mit einem halb-kreisformigen Tympanon und iiber ihr ein hohes gotisierendes Fenster erhalten. Links von der ersteren sind drei kleine schwer lesba e Grabinschriften eingemauert, von denen eine aus dem Jahre 1262 stummt und einen Bischof namens Markus nennt.2) Die Stadt war im Mittelalter unter dem Namen Suacia, Soacia, slawisch Swatsch, der als Šas dem benachbarten Dorfe verblieben ist, wohlbekannt. Sie war der Sitz eines katholischen Bischofs8), priigte eigene Kupfermtinzen4) und noch in Jahre 1332 werden ihre Bewohner ebenso wie die von Antivari, Dulcigno, Skutari und Drivasto (jetzt Drišti am Kiri, nordustlich von Skutari) Lateiner genannt,5) wie sich denn das romanische Element in der topographischen Nomenklatur Oberalbaniens bis auf den heutigen Tag behauptet hat. Noch 1413 war die Stadt. allerdings bereits verfallen, bewohnt.6) ») Vgl. uberibn K.Steinmelz, EinVorstoss in die Nordalbanischen Alpen 3f. 2) Vgl. meine Ausfulirungen VVissenscliaftliche Mitteilungen Vil 235 (T und Glasnik 1902 552 ff. s) Farlati-Coleti, lllyricnm sacrum VII 291 ff. 4) Ippen. Wiener Numismatische Zeitschrift 1900 197 ff. 5) liieček, Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien walii'end des Mittelalters 15. 65. 6) Deiselbe, Die Romanen in den Stadten Dalmatiens wahrend des Millelalters I 58 f. III. Durch die Zadrima nach Alessio. Der Seehafen von Skutari ist S. Giovanni di Medua oder, wie er im Lande genannt wird, Sin G j in,1) ein armseliger Weiler an einer Einbuchtung des Drin-Golfes am Fusse des oden Mali Renči t, dessen St. Johanneskirche noch in Ruinen vorhanden ist. Hier gehen, wegen des seichten Wassers aller-dings weit vom Ufer, die LloydschifFe vor Anker. Trotz dieser Bedeutung verbindet ihn aber, von der kurzen teils versumpften, teils versandeten Strecke Šin Gjin—Alessio abgesehen, keine Strasse mit Skutari. Seit 35 Jahren werden tiber die Verbindung Projekte gemacht. Jetzt hort man auch von einer Eisenbahn, die in hoch-fliegendem Plane von der Rhede durch das Tal des Drin und tiber Djakova bis nach Negotin an der Donau bei Vidin fiihren soli. Einstweilen muss sich der Reisende zu einem achtsttindigen Ritte bequemen, um von Skutari nach Šin Gjin zu gelangen. Nur in der trockensten Jahreszeit wagt ein Wagen von Skutari die Fahrt, wobei er nicht selten den Pfad verlasst und tiber die Felder holpert. Der Weg bleibt stets auf dem rechten Ufer des Drin und ftihrt durch ein weite Niederung, die ein strotzendes Fruchtland von mehr als lokaler Bedeutung sein konnte, jetzt aber nur im April und Mai in frischem Blatter- und Bliitenschmucke, sowie im September und Oktober freundlich anmutet, wenn die ersten Regen •die durch die Sommerhitze verbrannten Wiesen und Weiden neu begriinen. Einen grossen Teil des Jahres ist die Ebene durch die Uberschwemmungen des Drin und seiner Zuflilsse und durch Moraste unwegsam, die auch dann zuruckbleiben, wenn der Wasser-stand der Fliisse gesunken ist. Dadurch und durch die bereits friih eintretende Hitze leiden in hohem Masse auch die sanitaren Verhaltnisse. Insbesondere in den Sommermonaten ist hier das Reisen uicht ratsam: untertags lastet eine bleierne Hitze auf den leblosen Fluren und in den Abend- und Nachtstunden drohen Miicken und Malaria. Grosse Strecken liegen brach oder sind mit undurchdring-lichen Dickichten bedeckt. Angebaut wird nur wenig und dies mit geringem Ertrage.1) Die Besiedlung ist sparlich und die Bewohner leiden an Malaria. Im Winter steigt die Bevrohnerzahl, indem die felsige, mit dornigem Gebtisch und Steineichen bestockte Htigel-kette des Mali Renči t von Bauern der Gebirgsstamme Klment (Elementi), Skreli, Reči und Rioli als Winterweide aufgesucht wird. Auf diese Weidenutzung erheben auch die Mirditen Anspruch mit der Begrilndung, dass sie ihrer erst vor etwa 100 Jahren durch die Wesiere Buschati verlustig gegangen seien. Dies hat haufige Kampfe zwischen den rechtenden Parteien zur Folge. Die wirtschaftlich desolatesten Teile der Ebene sind die Miindungsregion des Drin und der lange Streifen zwischen dem Mali Rencit und dem im Osten parallel streichenden HUgelzuge. Der Streifen wird von dem grossen Sumpfe Kneta Baldr^ns eingenommen, der im Nordwesten von der Bojana und im Sildosten vom Drin gespeist wird. Das weit ins Meer vorgeschobene Delta des Drin ist ein Wirrsal von Wasser, Land und Stimpfen, von Nehrungen, Haffen und stagnierenden Flussbetten, das durch Baum-gruppen und hohes, dichtes Buschwerk landschaftlich verschont wird und vielartigem Wassergefltigel, darunter wilden Schwanen, eine selten gestorte Heimstatte gewahrt.2) Als der fruchtbarste Teil der Ebene und des ganzen Wilajets (iberhaupt gilt die Zadrima, das Gebiet zwischen dem linken 1) Vgl. auch K. Hassert, Mitteilungen der Geographischen Gesell-schaft in Wien 1898 353. 2) Friiher kamen hier auch wilde Fasanen vor. Vgl. Lord Lilford, Ibis 1860 237. Ufer des Dr in und den Bergen der Mirdita. Den slawischen Namen, der „hinter dem Drin oder Drini" bedeutet, hat es aus der Zeit bewahrt, da Skutari unter serbiseher Herrschaft stand, wie denn auch von diesem Orte aus Dulcigno mit seinem Bezirke Zaboj an a benannt wurde.') Und auch sonst finden sich als Zeugen ethnischer Verschiebungen in der topischen Namengebung des ebenen Nordalbaniens wie auch selbst Mittelalbaniens2) zahlreiche slawische Bezeichnungen, die zum guten Teil auf friihe Zeiten zuriickgehen werden. Man beachte beispielsweise im Norden von Skutari die Dorfnamen Dobrač, Golem, Dragoč, Koplik, Jubica, Kamnica, Gradišcije, Za-gora, Gradec und im Stiden Brdica, Kozmač, Roboštje, Mrkinje (bei Kalmeti) usw. Die Zadrima hat fruher trotz der iiberaus primitiven Feld-bestellung ganz bedeutende Mengen von Mais, Weizen und Gerste produziert. Jetzt ist auch sie der im ganzen Lande herrscbenden Verarmung verfallen. Als Hauptgriinde derselben konnen die Ver-wtlstungen des Gjadri, der aus der Mirdita durch die Zadrima links dem Drin zugeht, und die steten Heimsuchungen aus der Mirdita angesehen werden. In der armen Gebirgsland-schaft gibt es Familien, welche die Pliinderung der Ebene gewerbs-massig betreiben. Ihre Angehorigen, selbst halbwiichsige Jungen, schwarmen in der Nacht insbesondere auf Vieh- und Pferderaub aus, liefern den ihr Hab und Gut verteidigenden Bauern zumeist siegreiche Scharmiitzel und finden auf ihren Hohen fiir sich und die Beute vollige Sicherheit und Straflosigkeit, da sich weder die Be-raubten noch die Hiiter des Gesetzes hinauf trauen.3) Gegen ent-sprechendes Losegeld vermag man wieder zu seinem Eingentum zu gelangen. Von solchen Schlagen konnen sich aber die ohnehin nicht wohlhabenden Wirtschaften nur schwer erholen. Die Erinnerung an eine bessere Vergangenheit bewahren auch in dieser Ebene fast ausschliesslich nur Kirchen. Die schonste be-findet sich in dem zuin Strassenttbergange pradestinierten Orte Vau Dejns dort, wo der Drin aus seiner bisherigen nur schwer ') Sadrima, Sabojana. 2) Vgl. Patscli, Das Sandschak Berat in Albanien Sp. 25. 3) Vgl. auch Steinmetz, Eine Reise durch die Hochlandergaue Oberalbaniens 41. zu kreuzenden Felsenenge in die Ebene hinaustritt und bevor er sich in die Drinasa und den alten Drinlauf gabelt. Auch jetzt besteht hier eine stark frequentierte Fahre im Zuge der wohl schon im Altertum benutzten Handelsroute S k u t a r i—P r izr en und zur Verbindung des Mirditenlandes mit der Wilajetshauptstadt. Der Ort liegt am linken Ufer unter einem steilen Felshiigel, der die Ruinen einer Zitadelle sowie eine Kirche tragt und Kodra Š' Das Felsentor des Drin bei Vau Dejns. Mirku t (St. Markushtlgel) heisst, und wird aus einigen Einkehr-hausern, Laden und einem Militarposten gebildet. Etwa 400 Schritte vom Ufer steht die oben erwahnte Kirche, die jetzt als Pfarrkirche des Nachbardorfes Lači1) dient. Sie ist ein kleiner, recht gefalliger Bau mit einer leicht vortretenden bogenformigen Apsis, die durch den in unverstandiger Weise ausgefUhrten neuen Altar zum Teil *) Latscbi. Ippen, Skutari. vermauert wurde. Das Innere ist tonnenformig ttbervvolbt und zerfallt durcli einen Rundbogen, der auf zwei aus der Mitte der Langseiten vorspringenden Pfeilern ruht, in zwei Teile. Es war samt der Apsis ganz bemalt und zwar, wie die aufeinander folgenden Schichten dartun, in zwei Perioden; doch sind von den Malereien infolge der argen Verwahrlosung nur einige Heiligenfiguren und Bei-sehriftenreste erhalten.1) Aussen gliedern die Langseiten zwei auf Kircbe in Vau Dejns. Pilastern rubende Spitzbogen und ein unter dem Dacbe laufender Bogenfries. Die Kircbe stammt etwa aus dem 13. Jabrbunderte, also aus einer Periode, da dem Orte eine nocb grossere Bedeutung als beute zukam. In der Burg von Dan j2) residierten in milder Winterzeit serbiscbe Konige und die Balšici hatten hier nebst einer Fahrc eine Zollstatte, die noch in der venezianischen Zeit Skutaris bestand.3) ') Vgl. Ippen, Wissenschafiliche Mitteilungen VII 241 f. 2) Italienisch Dagno. Daher der jetzige Name »Furt von Dejna.« 3) Jireček, Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Rosnien wahrend des Mittelalters 66. Drei alte, etwa um 1300 erbaute Kirchen liegen auch fluss-abwarts unmittelbar am Dr in und zwar zwei am rechten Ufer in den Dorfern Kakariči1) und Baldrčni und eine am linken west-lich vom Dorfe Bliništi2). Diese, dem hI. Stephan geweiht, ist ein kleiner schmuckloser Bau mit runder Apsis und einem Glocken-tiirmchen auf dem Vordergiebel in einem Haine alter Ziirgelbaume und diirfte bald ganz zur Ruine werden, da ihr seit Jahren das Dach fehlt. Neueren Ursprungs sind die Kirchen in den beiden Bischof-sitzen, welche die Zadrima aufweist. Der Bischof von Sappa wohnt in dem Pfarrdorfe Nenšati3). Die Ruinen der Stadt, deren Namen er tiberkommen hat, waren noch im 17. Jahrhundert „alla costa del monte detto S. Angelo"4) zu sehen, womit offenbar der langgestreckte Bergriicken iiber Nenšati gemeint ist, auf dem sich die Uberreste einer Kirche des Erzengels Michael, des Patrons der Diozese, befinden. Nur drei Stunden von Nenšati residiert bei dem Dorfe Kalmčti in einem gut bewasserten und mit reichem Baumwuchs geschmlickten Tale, das sich von der Maja Vel s5) gegen die Ebene offnet, der Bischof von Leš (Alessio), dessen Vor-gftnger nach der tiirkiscben Invasion die alte Bischofstadt6) hatten verlassen milssen und bei den dem katholischen Grlauben treu ge-bliebenen Gebirgsbauern in Velja Zufluclit faoden, wo sie bis zum Beginne des 19. .Jahrhunderts verblieben. Erst als die Zeiten milder wurden, stiegen sie von den unwirtlichen Hohen nach Kalmeti herab. Die historisch bedeutsamste Statte in diesem Abschnitte der Nordalbanischen Ebene ist Leš, wie es die Einheimischen nennen, das Alessio der Karten. Die Praponderanz dankt es seiner Lage> ') Kakaritschi. In dem venezianischen Kataster von Skutari aus dem Jahre 1416 als San Nicolo de Chacharichi- ouero Blinisti erwahnt. Vgl. Jireeek, Das christliche Element in der topographischen Nomenklatur der Balkanlander 20. 2) Blinischti. s) Nenschati. 4) A. Theiner, Vetera monumenta Slavorum meridionalium historiam illustrantia II 219; Farlati-Goleti, Illyricum sacrum VII 271 ff; A- Hoffer, Zeitschrift fur katholische Theologie 1895 S.360 und 1896 S. 164; Hahn, Reise durch die Gebiete des Drin und Wardar 328. 6) Maja Wels. 6) Hierokles 656, 5 Farlati-Coleti a. a. O. 384 ff. die der Skutaris gleicht, insoferne aber militarisch noch wirksamer ist, als hier das Hinterland fester versperrt wird. Auch bei Les treten beiderseits Hohenziige bis an die Rinne eines Flusses, des Drin, heran, der hier seine in der Ebene zerteilten Wasser zu stattlichem Laufe sammeln muss. Von Nordwesten her endet hier der Hiigelzug Mali Rencit mit der Hohe D o m 1 e š und ihr gegentiber streicht am linken Dfer ein Riicken aus, cler im Gegen-satze zu der Kiripforte in der Htlgelreihe von Skutari im Kalmeti. Osten durch den ihn tiberhohenden Mali Šelbuemit1) mit den Randhohen verbunden ist. Wie Skutari ist auch Leš ein Fluss-hafen. Der Drin wurde schon im Altertume befahren, doch be-ruht die Nachricht Strabos VII 316, dass man auf ihm „ostwarts bis Dardanien" kommen konne, auf Unkenntnis der Stromverhalt-nisse: Hahn vermochte i. J. 1863 auf einer leichten Fischerbarke des Skutari-Sees von kaum einem Fuss Tauchung infolge der Strom- schnellen nur mit grosser Anstrengung und wiederholter volliger Ausladung des Bootes in der Drinenge bloss bis westlich der Kirche von Topla na zu gelangen und sah sich zu seiner nicht geringen Enftauschung zu der Erkeontnis genotigt, dass der Drin im Mittel-laufe „kein schiffbarer Fluss" sei, „wenn es auch unter giinstigen Umstanden einem kiihnen Schiffer gelingen mochte, denselben auf einer leichten Barke sfromabwarts zu fahren".1) Die Nachricht bezieht sich also nur auf den Unterlauf, der bei Vau Dejns bei dem Austritte des Flusses aus der Felsenge, beginnt. Nach Hahn2) Leš (Alessio). gelangten Schiffe von 40 bis 50 Tonnen noch 3 Stunden strom-aufwarts von Leš. Durch die seit dem Winter 1858/59 erfolgte Oabelung und den dadurch bedingten Wasserverlust hat der Drin fur den Verkehr an Bedeutung verloren. Fiir tiefgehende Schiffe ist wie fiir Skutari San Giovanni di Medua der Hafen des Stadtchens. Dieses besteht aus drei gesonderteu Teileu und zahlt etwa 2000 Bewohner, wovon kaum 50 katholisch sind. Unmittelbar am linken Ufer spiegelt sich mit seinen Baumen im Drin malerisch das Basarviertel. Es wird von einer den Fluss entlang laufenden und einer darauf senkrecht gerichteten Gasse aus Holz gezimmerter Marktbuden und einigen Seitengasschen mit den Wohnungen der zumeist katholischen Kramer, Handwerker und Schankwirte gebildet. Gross ist die Zahl der hier erhaltlichen Artikel nicht: Kaffee, Zucker, Petroleum, weisse und farbige Baumwollgewebe, Hufeisen, Weiss-blechgeschirr und wenig mehr fiir die Bauern der Umgebung. In diesem Viertel liegen auch die dem hI. Nikolaus geweihte katholische Pfarrkirche, eine Moschee und das Amtsgebaude des Kaimakams von Leš. Das zweite Viertel, Varoš1) genannt, liegt auf einem luftigen Hange im Norden des Stadtriiekens und wird ausschliesslich von Mohammedanern bewohnt, welche vor der Hitze und dom Fieber des Flussufers hierher entwichen. Uuter ihnen nehmen die Bey Leschi, die feudalen Herren von Leš, eine hervorragende Stelle ein, Sie sind vor etwa 150 Jahren aus der siidostlich gelegenen Land-schaft Mdtja in das Stadtchen gezogen und haben sich nach und nach eine den ganzen Bezirk von Leš dominierende Stellung erworben. Den dritten Teil von Leš bildet die kleine jetzt unbesetzte Zitadelle auf einer etwa 200 m hohen Kuppe des Stadtriiekens, die aber von dem oben erwahnten Mali Šelbuemit, dem „Himmel-fahrtsberge", eingesehen werden kann. Auf diesem leuchtet weithin das Ttirbe eines unbekannten Heiligen, den das Volk „Dschumerd kassab den freigebigen Fleischer" genannt hat, wohl deswegen, weil er Arme mit Fleisch zu besehenken pflegte. Zur Zitadelle gelangt man vom Basar in etwa drei Viertelstunden. Ein gepflasterter Serpen-tinenweg fiihrt, den Berg einkreisend, zum ostlichen Tore. Vor ihm. liegt eine stimmungsvolle Begrabnisstatte, gemauerte Sarkophage mit grossen Stelen, wohl der Bey Leschi. Die Zitadelle ist ein Mauerrechteck mit gegen Norden und Siiden orientierten Langseiten und je einem gewolbtcn Tore auf dea Schmalseiten im Osten und Westen, das im Osten noch durch eine zvveite Mauer mit Kasematten, im Norden und Siiden durch je eine Battorie und an der Siidvvestecke durcli eine Bastion verstarkt ist. Im Inneren nimint dic Siidhalfte eine schijne Esplanade ein, gegen Norden stehen die Ruinen einer mit einer Vorhalle und einem Mi-narett ausgestatteten Moschee und des Palastes der Bey Leschi. Zwischen den beiden Baulichkeiten befinden sich zwei Zisternen auf einer von Arkaden eingefassten Terrasse. Der Palast bestand aus drei Gebauden, denen gegen das Burginnere ein hochummauerter Hof vorgelegt \var, und ist vor etwa 60 Jahren offenbar infolge einer Feuersbrunst aufgegeben worden. Er stammt augenscheinlich aus neuerer Zeit her. Alteren Datums diirfte die Moschee sein ; chronologische Anhaltspunkte bietet sie aber weder in einer Inschrift noch in irgendeinem Ornament1). Ich mijchte ihre Auffiihrang in die Zeit verlegen, da die Zitadelle restauriert \vurde. Dies fand nach einer tiber dem Osttore versetzten tiirkischen Inschriftplatte unter Sultan Selim I (1512 — 1520) statt. Der Grundriss und die Fundamente der Burg sind iilteren Ursprungs, denn Leš hat eine weitreiehende Vergangenheit. Die treffliche Lage, zu deren oben genannten Vorteilen sich noch der fruchtbare Boden des Umlandes gesellt, musste zu einer frlihen Besiedlung einladen. Die ersten Siedler waren, nach dem antiken Namen des Ortes, Lissus, zu urteilen, hier wie auch in Sk u t a r i-S c od r a und uberhaupt in Nordalbanien Thraker2). Zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr., kurz vor 385/4, legte hier der Herrscher von Syrakus Dionysios I. als Stiitzpunkt seiner Unter-nehmungen in Nordgriechenland und in der Adria einen Kriegs-hafen an, von wo aus syrakusanische Kriegsschiffe auch die grie-chische Besiedlung der dalmatinischen Inselflur untersiitzten3). Umso-mehr werden sich hier auf einem ftir den Handel mit dem Binnen-lande so giinstig gelegenen Punkte unter dem unmittelbaren mili- ') Die von H. Hecquard, Histoire et description de la Haute Albanie nu Guegarie 56 bei der Moschee erwahnten drei Marmorreliefs (ein Man-ner- und Frauenbildnis mit Heiligenscheinen und einem Doppelkreuze zwischen ihnen, eir. steliender Lowe und ein Adler mit einer Schlange in den Fangen) sind jetzt verschwunden. 2) Patsch, Jahreshefte des Osterreich. archaolog. Instilutes 1907 S. 169. 3) Diodor XV 13.14. A. Bauer, Archaolog.-epigraphische Mitteilungen XVIII 130. 133 ff. tarischen Schutze hellenische Kaufleute bald eingefunden haben. Sp&ter gehorte der Ork zu dem kraftigen, selbst die Westkiiste Griechenlands befehdenden Reiche der illyrischen Ardiaer und blieb bei ihm als dessen siidlichste Stadt auch in dem Friedensschlusse. der den ersten illyrischen Krieg der Romer mit der Konigin Teuta i. J. 228 v. Chr. beendete Im Jahre '213 eroberte Lissus Konig Philipp V. von Makedonien 3). Die Erzahlung dieser Eroberung bei Polybius VIII 13.14 enthalt die eingehendsten Nachrichten des Alter-tums tiber die Topographie der Stadt. Damals zerfiel sie in zwei Teile, die Stadt Lissus und die „danebenliegende': Burg Acrolissus, die durch einen grosseren nichtbefestigten Zvvischenraum getrennt waren, tiber dem sich bc-vvaldete Schluchten befanden, in die Philipp bei seinem Angriffe auf die Stadt einen Hinterhalt so legen konnte, dass diese Vor-bereitung vou der Burg aus nicht bemerkt wurde. Die Stadt be-fand sich unfern des Meeres auf einer iiber ebenem Gelande an-steigenden Hohe und war mit einer Ringmauer ausgezeichnet bc-festigt, bei deren Auffiihrung die natiirlichen Vorteile der Ortlich-keit ausgeniitzt worden waren. Acrolissus, „Hohenlissus", war durch die Hohe und die Unwegsamkeit seiner Lage so sturmfrei, dass zu seiner Verteidigung eine kleine Besatzung gentigte. Philipp fiel die Burg dadurch in die Hand, dass sich die Besatzung in die Ebene herablocken liess und ihr der Riickzug in die verlassene Feste abgeschnitten \vurde. Die Stadt wurde am nachsten Tage durch Sturm genommen. Die Identitat von Acrolissus mit der heutigen Zitadelle von Les unterliegt keinem Zweifel, zumal da schon Hahn 3) unter der Umfassungsmauer der letzteren alte Substruktionen festgestellt hat, die aus polygonalem Mauerwerk bestehend „besonders schon rechts vom ostlichen Tore" hervortreten. ') Polybius II 12, 3. III 16, 3. IV 16, 6; Appian 111. 7. Zippel, Die ro-misehe Ilerrschaft in Illyrien bis auf Augustus 53. '') B. Niese, Geschichte der griechischen und makedonisehen Stai-ten II 474. ") Albanesische Studien I 121. Seine Annahme, dass die Akropoli* „zwei Schenkelmauern bis znm PMussufer herabgesandt habe", wider-streitet aber den Angaben des Polybius. Auch aus Strabo VII 316 (vgl. Stephanus Bvzantius u. Lissos) kann man die Getrenntheit von beiden Ortslngen ersehliessen. Ausserdem ist auch die Distanz zu gross. Das Lissus des Jahres 213 v. Ghr. lag tiber dem heutigen Basarviertel, muss sich aber spater auch in die Ebene ausgedehnt haben, denn hier haben sich noch heute ansehnliche Reste einer sehr mas-siven uad sehr sorgfaltig gebauten Stadtmauer erhalten, welche auch vom Drin besptilt werden. Deutlich erkennt man die Nordwestecke. Die Kirche des hI. Nikolaus und ihr Vorhof ruhen auf der alten Befestigung. Blickt man von der erwahnten Stadtmauerecke berg-warts, so kann man die Linie einer den Abhang hinansteigenden Mauer erkennen. An Ort und Stelle lassen sich die in Fundamen-ten und einzelnen losgelosten Blocken bestehenden Spuren etwa 100 Schritte von dem nordlichen Ausgange des Basars verfolgen. Noch im Jahre 1436, als Cyriacus von Ancona Leš besuchte, waren die Stadtmauer reste von imponierender Hohe. Er sah ,,ingentia moenia magnis condita lapidibus et diversa architectorum arte conspicua" und fand auf ihnen die jetzt verschwundene Bauinschrift: Lucius Gavius Arn(ensis?) augur, duovir quinquennalis decuriouum de-creto murum reficiendum coeravit idemque probavit 1j. Die hier aus der romischen Kaiserzeit gemeldete Wiederherstellung betraf aber bereits eine romische Stadtmauer, denn auch Julius Caesar liess, wie wir sehen werden, die Stadt neubefestigen, wobei wohl der alte griechische Mauerring erweitert wurde. Unter Konig Philipp scheint in Lissus mit der Pragung griechischer Kupfermunzen begonnen worden zu sein, die dann nach Ausweia der sehr seltenen Stiicke bis in die erste Zeit der romischen Herrschaft anhielt2). Wie bei Skutari-Scodra war das hiesige Geld im Norden bis zur Insel Lissa im Umlauf. Nach dem Frieden von Tempe, welcher den zweiten makedo-nischen Krieg der Romer abschloss, kam Lissus i. J. 196 mit dem nordillyrischen Besitz Philipps wieder unter die Herrschaft der Ardi-aerkonige3). Im Jahre 169 wird es als zeitweilige Residenz des Konigs Gentius erwahnt, wo dieser die Gesandten des makedoni-schen Konigs Perseus empfieng4), die mit ihm ein Btindnis gegen ») Mommsen, CIL III n. 1704 (vgl. p. 2119) und p. 271; J. W. Kubit-schek, Imperium Romanum tributim discriptum 235. 2) BrunSmid, Die Inschriften und Munzen der griechischen Stadte Dal-•matiens 73 f. 3) Zippel a. a. O. 79. 4) Polybius XXVIII 8, 4; Livius XLIII 20. J. Kromayer, Antike Schlacht-rfelder in Griechenland II 257 ff. Rom schliessen sollten. In dem im folgenden Jahre ausgebrochenea Kriege bildete Lissus den Konzentrationspunkt des koniglichen Heeres1). Die Entscheidung erfolgte aber, wie oben S. 16 bereits angeftthrt wurde, bei Sco Ira, wodurcli auch Lissus von Rom abhftngig wurde. Etwas friiher als Skutari kommt Leš wieder in Sicht. Schon Julius Caesar hat sich namlich, als Illyricum seit 59 v. Chr. zu seinem Amtsbezirke gehorte, der nach Lissus zu Handelszwecken gezogenen und hier einen festen Verband, einen conventus civium Romanorum, bildenden romischen Kaufleute angenommen, indem er ihnen die Stadt uberliess und ftir deren Neubefestigung Sorge trug2). Es geschah dies wohl i. J. 54, als die Einfalle der im Hinterlande von Lissus, in der heutigen Mirdita, sesshaften Pirustae in das benachbarte romische Gebiet Caesar veranlassten, iiber die Adria selbst heriiberzukommen3). Lissus erwies sich dafiir dankbar, als der Diktator in schwerer Bedrangnis war. Zu dem grossen Waffen-gange mit Pompejus auf unserer Halbinsel i. J. 48 v. Chr. hatte Caesar nur einen Teil seines Heeres aus Apulien nach Mittelalbamen hertiberbringen konnen; der Rest stand in Brindisi. Seine Lage am Flusse Apsus-Sem&ni wurde immer gefahrdrohender. Da be-fahl er Marcus Antonius die winterliche Uberfahrt zu wagen und an der Mundung des Aous, der Vjossa, bei Apollonia-Po-j a n i zu ihm zu stossen. Der Befehl wurde befolgt, aber widriger Sildwind und die feindliche Flotte zvvangen Antonius, die albanische Kiiste nordwarts bis in den Hafen Nymphaeum, d. i. nach un-serem S. Giovanni di Medna,4) zu fltichten, vor dessen Einfahrt- ') Livius XLIV 30. 2) Caesar, beli. civ. III 29. E. Kornemann, Pauly-Wissowa u. conventus 1180. , . 3) Bell. Gall.-V 1. 2. Patsch, Wissenschaftliche Mitteilungen VI 2fao und Zur Geschichte und Topographie von Narona 24. 4) Caesar beli. civ. III 26: Nacti portum, qui appelatur Nymphaeum, ultra Lissum milia passuum III, eo naves introduxerunt (qui portus ab >frico tegebatur, ab austro non erat tutus); Appian, beli. civ. II 59. Uie Identitat der Orte hat schon Hahn, Albanesische tetudien I 93 erkannt. Vgl. jetzt auch Baron Stoffel, Histoire de Jules Cesar, guerre civile I d4b; 0. Veith, Geschichte der Feldztlge C. Julius Caesars 313 (Beilage 28);^ Drumann-Groebe, Geschichte Boms III 441. Nach dem Namen und der Abfolge der Ortlichkeilen bei Plinius n. h. III 144 ist hier und zwar an der den Hafen im Westen abschliessenuen Punta S. Giovanni aucli das Nymphaeum promunturium anzusetzen, das II. Kiepert, Formae orbis an-tiqui XVII mit dem Kap Rodoni geglichen hat. die nacheilende aus 16 Schiffen besteheude pompejanische Flotte da-durch, dass der Wind umsprang, scheiterte. Zwei seiner Fahrzeuge verirrten sich in der Nach t nach L i s s u s. Die Rekruten des einen wurden von der pompejanischen Kustenwache, welche die Stadt besetzt hielt, niedergemetzelt; die Veteranen des anderen schlugen sich nach Nymphaeum durch. Am nachsten Tage erklarte sich Lissus fiir Caesar, zwang den feindlichen Kommandanten zur Flucht, nahm Antonius in seine Mauern auf und untersttitzte ihn in jeder Weise. Dieser sandte von hier Boten an Caesar, um ibm den Ort der Landung bekannt zu geben und die Vereinigung her-beizuftthren. Diese gelang dank den Kundschafterdiensten griechi-scher Landesbewohner, wiewohl Pompejus zvvischen beiden Heeres-teilen operierte, so dass Caesar nun beiDyrrachium-Durazzo zur Offensive iibergehen konnte1). In Lissus verblieben 30 Transportschiffe und eine von Caesar gesandte Besatzung. Kurze Zeit darauf griff es Gnaeus Pompejus, ein Sohn des Triumvirs, mit einem Geschwader an. Die Besatzung schlug mit Hilfe der Biirger-schaft einen dreitagigen Angriff ab, die Transportschiffe wurden aber im Hafen samtlich zerstort. Wahrend der Kampfe bei Durazzo steuerte auch Lissus zur Verproviantierung Getreide bei und behielt selbst nach der Niederlage Caesars und seinem Abmarschc nach Thessalien im Juli 48 eine Cohorte als Garnison2). In der Kaiserzeit und zwar wohl schon unter Augustus wurde Lissus auch rechtlich zur Stadt erhoben3), deren oberste Behorde, wie die o. S. 57 angefuhrte Inschrift zeigt, Duoviri bildeten. Von den stadtischen Priesterkollegien lernen wir aus derselben Quelle die Auguren kennen. Als slidlichste bedeutendere Stadt der Provinz Dalmatien teilte Lissus hernach bis in die byzantinische Zeit die politischeu Geschicke mit Scodra4). Wirtschaftlich kam der Stadt zugute, dass sie nicht bloss eine Station der dalmatinisch-makedo-nischen Route war5), sondern auch die Kopfstation bildete der grossen ») Caesar, beli. civ. III 26-30; Plutarch Antonius 7; Appian belL civ. II 59. ») Caesar 40. 42. 78. 8) Plinius HI. 144. 145, Ptolemaeus. II 16, 3. *) Vgl. o. S. 17 f. 6) Tabula Peutingeriana; Geographus Ravennas 206, 17. 397, 9. Vgl. o. S. 17. durch das Mirditeuland, tiber Ulp i a na - Lipi j an (auf dem Amsel-felde), Naissus-Niš und durcb das Tal des Timacus-Timok zur Donau fiihrenden Diagonalroute1), wie sie jetzt wieder ange-strebt wird 2), und die, wahrscheinlich schon unter Kaiser Augustus als Kunststrasse ausgebaut und noch im Mittelalter frequentiert, schon einer vorromischen Handelsstrasse folgte, auf der das viele Silbergeld der Stadte Dy rrachium und Apollonia nach Nord-ostalbanien, Serbien und Siebenburgen gelangte3). Von Bedeutung war fiir die Stadt auch, dass sich in ihrem Hinterlande bis jetzt nicht wiedergefundene Silbergruben befanden. Sie werden „nel paese de' Ducagini a Fanda, Bulgari e sopra Ales-sio" wohl erst i. J. 1595 erwahnt«), dass sie aber schon im Alter-tume ausgebeutet \vurden, kann man daraus schliessen, dass Ange-horige des Stammes der Pirustae, die in dem Minendistrikte sassen, vom Kaiser Trajan als kundige Bergleute in Siebenburgen angesie-delt wurden5). Im Mittelalter gehorte Leš eine Zeitlang der einheimischen Familie Dukadschin, die es 1393 an Venedig abtrat. Unter St. Markus blieb es bis 1478, in welchem Jahre die Tttrken die Stadt besetzten. In dieser Periode spielte Les, wiewohl unter fremder Herrschaft stebend, eine Rolle in der nationalen Geschichte Alba-niens. 1443 wurde hier Skanderbeg auf einer Versammlung alba-nischer Fursten und Herren zum Oberfeldherrn gegen die TUrken gewahlt; an der Stadt suchte er Rflckhalt in der schweren Be-drangnis, als sein Neffe mit den Tiirken im Bunde gegen ihn zog, hier starb er 1466 und wurde hier in der dem hI. Nikolaus ge-weihten Kathedralkirche bestattet6). ') Tab. Peuting.; Geograph. Ravenn. 206, 8. 2) Vgl. o. S. 46. 3) Patscb, Wissenschaftliche Mitteillungen VI 262, Glasnik 1902 402 f. und Das Sandschak-Berat in Albanien 8. *) S. Ljubič,Rad jugoslavenske akademije XXXIV 100 Anm. 1- Jireček Die Handelsstrassen und Bergwerke von Serbien und Bosnien wahrend des Mittelalters 42 f. 5) Patsch, Wissenschaftliche Mitteilungen VI 265. 6) Marini Barletii, Scodrensis sacerdotis, de vita et gestis Scander-begi, Epirotaruin principis lib. II. 22 fT. IX 160. XIII 227 ff. (Frankfurt 1578). Hammer, Geschichte des Osmanischen Reiches I2 370 f. 460. 493- Hahn Albanesische Studien I 88 f. Die Frage nach der Lage der Ruhestiitte des grossen Krie-gers ist noch ungelost1), da die Stadt arm an alten Resten und Funden ist. Einige altere Monumente besitzt nur das Franziskaner-kloster von Leš, das am rechten Ufer des Drin auf dem Htigel Domleš liegt und einen reizvollen Blick auf das Stadtchen und die Burg gewahrt. Die Klosterkirche, Maria Verkundigung geweiht, vom Volke aber wegen einer sehr verehrten Statue St. Antonius-kirche genannt, stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Nach der Tradition soli aber auf ihrer Stelle, worauf auch eine moderne Inschrift verweist, schon i. J. 1240 eine Kirche gestanden haben. Daftlr spricht der Umstand, dass in und bei der Kirche altere Denkmale wieder verwendet wurden. Im linken Tiirgewande der Kirche befand sich, zum Teil in die Erde eingesenkt, der Kalk-steinbalken, den ich tiber der siidlichen Seitenttir versetzen liess. Er bildet augenseheinlich die rechte Halfte einer Bauinschrift, die, auf zwei gleiche aneinander stossende Werkstticke verteilt, ttber der Haupttiir der einstigen Kirche eingelassen war. Nach dem Charakter der Schrift stammt der Stein wohl aus dem 15. Jahrhundert und diirfte in der 1. Zeile MCCCC]XXXXXVI zu erganzen sein. Es ware dies also ein Monument aus der Zeit des Skanderbeg. Aus dem Pflaster vor der Kirche rettete ich die hubsche Grabplatte, die jetzt in die Kirchenmauer eingelassen ist und die wohl einem venezianischen Edelmanne galt. Ein kleines Fragment eines analogen Grabsteines ist ausserdem beim Hauptaltare ver-mauert2). Im Kloster selbst wird ein kleines Bruchstttck einer Ehren-inschrift der Kaiser Septimius Severus und Caracalla aufbewahrt, dessen Provenieuz nicht bekannt ist3). IV. Von Alessio uber Kroja nach Tirana und Išmi. Von dem Stidwestabfalle des Mali Ren »it und den Bergen von Leš, der Malcija Lešit, dehnt sich die Nordalbanische Ebene nunmehr vollig flach, auch durch Hiigel nicht gegliedert, liings des Seegestades bis zu dem niedrigen Hohenzuge, der in dem weit in die Adria vorgeschobenen Kap Rodoni endet, aus und schliesst ausserdem im Sudosten durch die breite Einbuclitung von Tirana den Hohenkranz tief auf. Noch uneingeschrankter als im Norden steht sie hier unter der Herrschaft des Wassers, das teils in langen Laufen aus dem Hochlande komnit, teils die Niederung in Rand-quellen und Regenbachen der Gehftnge, in Graben, Siimpfen und Strandseen durchfeuchtet. Ihre Mitte durchwuhlt in Windungen und Kehrungen der M&ti, der Ardaxanus der Alten, an dem Philipp V. von Makedonien auf seinem Marsche gegen Lissus i. J. 213 lagerte *). Ein stattlicher insbesondere durch den Fani rechts verstarkter Fluss, der beinahe alljahrlich das Umland durch LTber-schwemmungen verheert. Sein Wasserschwall kommt oft ganz un-versehens, wie ich am eigenen Leibe erfuhr. An einem schonen Februartage 1901 jagte ich von Leš aus etwa eine Stunde von ') Vgl. o. S. 56. Polybius VIII 18, 2. Kiepert, Formae orbis antiqui XVII. Die Gleichung Ardaxanus Arsen W. Tomascheks, Pauly-Wissowa s. v. widerspricht der Angabe des Polybius iiber die Entfernung des Flusses von Leš. seinem rechten Ufer entfernt, da quoll uns ohne jedwede Vorboten •eine weite Wassermasse entgegen: der Fluss hatte, durch plotzlich aus dem Gebirge kommende Niederschlagwasser gespeist, seinč Uferdamme iiberflutet, und in kurzester Zeit standen die tiefer lie-genden Walder, Wiesen und Wege einen Meter unter Wasser. Nur mit Muhe trugen uns die Pferde bald watend, bald schwimmend auf einem Wege, zu dem man sonst nur l1/« Stunden benotigt, in 3 Stunden zu einem Gehofte, das durch zwei Tage vom Wasser ein-gekreist blieb. Dann verlief sich die Flut von den Wegen; in den Waldern blieben aber Sumpflachen zurtick, die auch die Sonnenglut, die im Sommer ilber der Ebene brlltet, nicht trockenzulegen ver-mochte. Dem Drin im Norden entspricht am Siidsaume ein Fluss, dem durch reiches Geader die Sudostbucht tributar ist. Er heisst an seiner Mtlndung unterhalb des Stadtchens iSmi D sap si;1) im Mittel- und Oberlaufe wird er streckenweise nach den anliegenden Orten L j u m i Išmit, Blaj und T i r a n s genannt. Eine Gesamt-bezeichnung fuhrt er ausser den gewohnlich gebrauchten ,,Ljumi Fluss" nicht. Zwischen ihm und dem M a t i verliert sich die D r o j a im Sumpfe. An den Mtinduugen der Fltisse wachst die Ebene in-folge der Gerollmassen stetig in die See; zwischen ihnen beschreibt die Kiistenlinie eingezogene Bogen, an denen sich gute Rheden finden. Die okonomisclien und sanitaren Verbaltnisse der Ebene ergeben sich aus den hydrographischen von selbst. Sie entsprechen denen des Bojana-Dringebietes, doch herrscht hier trotz ganz unrationeller Abholzung in der letzten Zeit der Wald noch bei weitem vor, der auch die einschlies-senden Hohen schmuckt. Weite Strecken sind mit schonen Bestanden alter Eichen, Eschen und Ulmen bestockt. Ein ausgesprochenes Waldland zieht sich vom linken Ufer des Mati, die ganze Breitenausdehnung der Ebene einnehmend, siidwarts. Gleich am Flussufer liegt das Waldgut Tschiftlik Gurs, das, friiher der Familie Toptan in Tirana gehorig, sich jetzt im Privat-besitze des Sultans befindet. An dasselbe schliessen sich langs der Bucht von Šlinza die Walder Gora und Fuša Kuče an, die binnenwarts bis izu den Dorfern La6i und Džonem reichen. Weiter stidlich folgen bis zum Išmiflusse die Waldkomplexe Žeja und B u š n e š1). Mit Behagen wandert man, trotz Sumpf und schlech-ten Pfaden, insbesondere als Weidmann durch die stundenweiten Walder und Auen. VVenn der Tag noch so greli und heiss ist, unter dem Laubdache ist es kuhi und dammerig; selten stiehlt sich ein Sonnenstrahl durch das Geast Besonders reizend ist es am Meeres-rande, der, ganz tlach, italienisch Spiaggia genannt vvird: die grttnen Baumkronen, das blaue Meer und der gelbe Kiistensand vereinigen sich zu einer erquickenden Farbensymphonie. Von Anfang Dezember bis gegen Mitte Marz iiberwintert hier, wie ubrigens langs der ganzen nordalbanischen Ktlste, in sehr bedeutender Menge die Waldschnepfe, doch schwankt ihre Zahl in den einzelnen Jagd-revieren von Jahr zu Jahr, je nachdem dem fein begabten Vogel die Existenzbedingungen hier oder dort mehr zusagen. Die Siimpfe bevolkern Wildenten. Hasen sind selten, dafur hort man allabend-lich das Heulen der Schakale, die hier recht zahlreich vorkommen. Leider geht man jetzt mit dem Walde allzu roh und unbe-dacht um. Jeden Winter ziehen in die Dome Holzfaller ein, und die schonen Stamme gehen zumeist als Brennholz nach Tripolis und Alexandrien. Die Lichtungen in den Waldern nehmen VViesen und Acker ein. Die Hauptfrucht ist der Mais, der besonders gut und reich in dem Abschnitte Brdgu Mats nordlich des Mati und in dem Bezirke von Tirana gedeiht. Seine Grosse, wie tiberhaupt die Uppigkeit der Vegetation zeugen von dem Segen, der in dem jung-fraulichen Boden noch schlummert. Zur Hebung der landwirtschaft-lichen Produktion sind aber kostspielige Meliorationsarbeiten, Ent-wasserungen und Uferversicherungen, sowie die Anlage von Kom-munikationen unerlasslich. Die Besiedlung der Ebene ist natUrlich sehr gering und be-steht tiherwiegend aus nur temporar bewohnten Einschichten. Die Gehofte liegen vereinzelt in der Mitte der Lichtungen. Die der Armen bestehen aus strohgedeckten Lehm- und Flechtwerkhutten ohne Rauchfang und Fenster, in deren einzigem, ungedieltem Raume die ganze, oft aus 10 — 12 Personen bestehende Familie haust. Die *) Schlinsa, Fuscha Kutsche, Latschi, Dschonem, Seja (vgl. o. S. 7 Amn. i), Buschnesch. wohlhabenderen Wohnhšiuser sind aus mftchtigen, gut behauenen Stammen zusammengefugt und werden oft von einem ein bis zwei Stockwerke hohen Holzturme iiberragt. Er wird aufgefiihrt teils aus Freude am stattlichen Wohnen, teils als Refugium in Zeiten der Blutfehde oder sonstiger Bedrangnis, denn wie die Zadrima hat auch dieser Ktistenteil unter den Raubztigen der Hochlander zu leiden. In M a t j a, S e lita, B šk k š i und K s 61 a lebt eine ganze Reihe profes-sioneller Viehrauber, die ihre verwegenen nachtlichen Streifziige bis in die Nahe von Durazzo ausdehnen, wobei sie allerdings in der Ebene selbst zahlreiche Helfer besitzen. Steinhauser kommen in der Ebene fast gar nicht vor, da das Baumaterial von dem fernen G-ebirge weit geholt werden miisste. In den Sommermonaten stehen die Gehofte von Bregu Mat s leer, da sie Wanderhirten der Stamme Skreli und K Imen t (beson-ders dem Bajrak Nikši) und einigen wenigen Familien aus L 6 h j ax) gehoren. Diese kommen Anfang Oktober von ihren an der montenegrinischen Grenze gelegenen Hochweiden und verlassen die Kliste wieder im Juni, wobei sie auch ihren ganzen Hausrat mitnehmen. Die Bearbeitung der Maisfelder wird den Bauern aus den Dorfern am Ostrande der Ebene iiberlassen. Mitten durch Bregu Mats fuhrt von L e š die D s c h d d e Mrčtit, die Sultan strasse, welche Skutari mit Monastir ver-bindet. Auf ihr wird die Post auf Tragtieren befordert und auf ihr bewegen sich auch alle Truppentransporte nach der vom Zentrum entferntesten europaischen Wilajetshauptstadt. Wagen konnen auf ihr aber nicht verkehren, da sie lediglich ein alter elender ttirki-scher Pflasterweg, Kaldirim, ist, voli tiefer Locher. Auch fiir ihre Kreuzung des Mati besteht keine Brucke; die Ubersetzung iiber den im Winter recht breiten und stark stromenden Fluss vermit-telt bloss eine Fahre, ein Kahn mit nur notdiirftig verstopften Lochern und zerbrochenen Rudern. Im Sommer durchfurten die Reisenden lieber den Fluss als sich diesem Vehikel anzuvertrauen. Die Route durch Bregu Mats entspricht augenscheinlich derromischen Strasse, welche Lissus mit Dyrrachium verband,2) I p p e n, Skutai i. und H. Kiepert1) setzt an ihr bei der Matilibersetzung die Stadt Bas-sania an, die nach Livius XLIV 30 i. J. 168 vom Kijnig Grentius von Lissus aus angegriffen und belagert, von dem Praetor L. Anicius aber entsetzt wurde. Diese Lokalisierung an dem von Leš 12 km entfernten Mati widerstreitet der Distanzangabe des Livius: ipse ad Bassaniam urbem quinque milia (= 7'4 km) ab Lisso ducit. Nach den bis jetzt bekannten aus der vorromischen Zeit stammenden Ortslagen moehte ich die Stadt, zumal da sie eine Belagerung aus-halten konnte, mit Patsch siidostlich von Leš auf der Bergum-randung der Ebene suehen. Doch vermoehte ich hier nur kirch-liche Altertumer aufzufinden. Solclie Zeugeu einer besseren Zeit besitzen die durch ein Engtal getrennten Dorfer Zojmeni und Plana2), die auf dem Abhange des Riickens Bokjani liegen. In der alten Kirche des erstgenannten Ortes konnte ich im Mai 1900 durch behutsame Entfernung des rezenten Verputzes fest-stellen, dass die linke Seitenwand bemalt war. Die Madonna, auf einem breiten Throne sitzend und Jesus auf dem Schosse baltend, kam in reeht frisehen Farben und gar nicht schlecht ausgeftilirt zum Vorschein. Die Malerei schien mir aus dem Ende des 14. oder dem Anfange des 15. Jahrhunderts zu stammen3). Ob der Schmuck das ganze Kircheninnere umfasste, konnte ich selbst aus Zeitman-gel nicht ermitteln und dem Pfarrer vermoehte ich kein antiqua-risehes Interesse beizubringen, da er gerade mit dem Baue eirier neuen Kirche und eines Pfarrhauses besehaftigt war. Die Vorderseite der Kirche von Plana weisst Bilder des hI. Michael und des hI. Georg auf, unter denen altere, wertvollere Malereien zum Vorschein kommen. Das jetzt arme, kleine Dorf war ehemals ein bedeutender Marktflecken von fast stadtisehem Charakter, dem das ganze Waldgebiet von Bregu Mats gehorte, wie denn der ganze Bokjani-Riicken mit seiner Umgebung friiher viel starker beviilkert war. Auf ihm liegt auch ein altes Franziskaner-kloster, das im Anfange des 19. Jahrhunderts aus Mangel an Mon-chen aufgelassen wurde, und auf der Kulminationshohe befindet sich die stark besuehte Wallfahrtskirche Š' Leš i (hI. Alexander). ') Formae orbis antiqui XVII. 2) Sojmčni, Plana. Letzteres von Hahn a. a. U. 28 f. 331 irrtiirr.-lich Pedana genannt. s) Ippen, Glasnik 1900 521. Jenseits des Mati schliesst die Ebene im Osten eine nie-drige, wenige Kilometer breite Bergkette ab, die im Osten von dem Tale Kur bi n und im Sttden von dem Flusse D roj a sowie von der Schlucht Grtika Škozbegrenzt wird, durch welche ein kleiner Bach zur Droja fliesst. Die Kette hat keinen einheitlichen Namen. Der nordliche Teil heisst Mali bar z;1) die fiir den Sudteil auf der Karte verzeichnete Benennung Mali Pulga ist im Lande unbekannt. Die Poststrasse biegt nach CTberschreitung des Mati vor den Sumpfstrecken aus und verlauft langs des Fusses der Kette. Die Fltisschen und Bache, welche aus ihren Falten herabkommen werden hier noch von festen Ufern gebandigt. An der Strasse liegen beinahe von Stunde zu Stunde primitive Einkehrhauser, die nur einen, ftir Reittiere und Menschen gemeinsamen Raum enthalten und bloss Heu, schwarzen Kaffee und Branntwein zu bieten ver-mogen. Mehr wird auch nicht verlangt, da Brot und Kase jeder-mann mitfuhrt. Eines dieser Einkehrhauser, das zum Dorfe Mami r a s gehort, ladet durch seine anheimelnde Lage zum Verweilen ein. Das klare Droja-FHisschen spielt hier, in mehrere Arme zerteilt, zwischen Platanen und Hecken; iiber verfallende, mit Turbanen geschmuckte Grabmale steigt das Minarett einer alten Moschee auf und den Hintergrund schliessen griine, waldreiche Hange ab. Oberhalb der Strasse liegen mehrere Dorfer,"deren weisse Hauser tiber die durchaus gut bewaldeten Hange zerstreut sind oder sich in Falten lialb verborgen eingenistet haben. In dem Dorfchen Del-beništi residiert in einem geraumigen Wohnhause neben der Kirche der Erzbischof von Durazzo, da auch dieser Pralat unter dem Drucke der tiirkischen Herrschaft seinen ursprunglichen Wohnsitz hatte auf-geben mtissen. Wann dies erfolgte, ist unbekannt, wahrscheinlich aber erst im 17. Jahrhundert. Seine erste Zufluchtstatte war das abo-e- _ O schiedene katholisch gebliebene Tal K ur b in, wo die Kirche Šne P r 6 n 11 a (St. Veneranda) zur „Kathedrale" wurde. Hier waren die Erzliischofe wohl ihres Lebens sicher und konnten auch ihre Funk-tionen ausuben, hatten aber unter den Belastigungen der mohamme-danischen Gewalthaber in Kroja und Tirdna zu leiden. Insbe-sondere wurden sie mit Geldforderungen behelligt. Um die Milte des 19. Jahrhunderts verlegte der Erzbischof Rafaele d' Ambrosio1) die Residenz nach dem zuganglicheren Delbeništi, wo er die Kirche und das Wohnhaus erbaute. Die Erzdiozese reicht vom Mati bis zum Golf von Ar t a, hat aber keine Suffragane mehr. Auch bei Delbeništi liegen einige sakrale Baudenkmale. Nordlich vom Dorfe befinden sich an dem Wege nach Milo t i einsam, mitten im Walde die Uberreste der bescheidenen Kirche Še Mhil (St. Michael), die nur dadurch bemerkenswert sind, dass der Turm etwa 10 Schritte von der Kirche entfernt ist2). Beilaufig eine Stunde siidlich von Delbeništi erhebt sich in einem hiibschen Engtale auf steil abfallendem Felsen eine auch von den Mohammedanern geschatzte sehr geraumige Wallfahrtskirche mit den Resten eines seit dem Anfange des 19. Jahrhunderts auf-gelassenen Franziskanerklosters. Nach einer in der Vorderseite an-gebrachten Inschrift i. J. 1457 eingeweiht, wird sie von den Fran-ziskanern Sebaste genannt. wahrend sie beim Volke Šna Noj (St. Anton) heisst, da am Tage dieses Heiligen das Fest hier statt-findet. In dem Kirchenfelsen offnet sich eine Hohle, die von deu Wallfahrern ebenfalls besucht wird.3) Bei dem von der Kirche nordwestlich gelegenen Pfarrdorfe L a č i schloss der altertums-freundliche Pfarrer Geciov auf der Lokalitat Koder Bogz auch einige antike Graber auf, die WafFen, Helme und Schmuckgegen-stande enthielten. Eine dritte alte kirchliche Statte befindet sich bereits in der Nahe der Schlucht Gr iik a Škoz (vgl. o. S. 67). Ich habe diese S' Nj in Vilza*) genannte und im Walde versteckte Ruine nicht aufge-gesucht, da meine Zeit von dem etwa eine Stunde siidlich in einem dichten Zypressenhaine gelegenen Kirchenreste bei dem kleinen nur 10' mohammedanische Hauser zahlenden Dorfe Še Mri (St. Maria) in Anspruch genommen wurde. Diese Kirche iibertrifft durch ihre Dimen -sionen und ihre Ausstattung so alle analogen Bauten derUmgebung, dass man sie weit eher fiir den Rest einer Abtei als fiireine Dorfkirche zu halten befugt ist. Insgesamt 25 Schritte lang und 18 Schritte ') Uber ihn vgl. Hahn, Reise durch die Gebiete des Drin und War-dar 30. 2) Ippen, Glasnik 1900 521. 3) Ippen a. a. O. 520 f. 4) Sch' Njin Wilsa. breit, bestand sie aus drei mit je einer Apsis abgescblossenen und durch je vier Pfeiler getrennten Schiffen, von den en das mittlere 10, die Seitenschiffe je 4 Schritte in der Breite massen. Das ganze Innere war mit Fresken geschmiickt. Deutbar ist jedoch nur ein Teil der Bemalung der mittleren Apsis, die allein iiber die Mauer-flucht vorspringt. Die Rundung zerfiel in vier Felder Ubereinander. Die beiden oberen sind unkenntlich. Das dritte wird von einem Fries eingenommen, der aus sieben Medaillons mit den Brustbildern von sieben Heiligen (Prophetcn?) besteht. Im vierten Felde stehen in Vordersicht acht heilige Bisehofe mit Casula, Alba und Pallium, welche die Rechte segnend erheben und in der Linken das Evan-gelium halten. Sie waren durch Beischriften gekennzeichnet, von denen jedoch nur S. Ambrosius sicher ist1). Einige Schritte vor dem Kircheneingange steht isoliert der Glockenturm, der auf Felsen fundiert und aus Ziegeln aufgefiihrt ist. Schliesslich stehen noch eine Stunde westlich von kŠe Mri auf der Passhohe im Eichendickicht die Fundamente der kleinen einsamen Kirche Š e n L i (St. Elias). Wir betreten hier den schlech-ten Reitweg, der von der Poststrasse in der Ebene bei der Schwefel-therme Ujbarz nach Kroja abzweigt und durch den schonen, ausgedehnten, hochstammigen Eichenwald Šperdet2) herauffiihrt. Von der Passhohe senkt er sich in Serpentinen in das Engtal der Dr o j a, die er auf einer alten ttirkischen Brucke (vgl. S. 70) in einem einzigen Bogen kiilin ttbersetzt. Oberhalb der Briicke ist der Fluss in die lauge und sehr enge Schlucht Grtika D roj s so ein-gezwRngt, dass bloss am linken j ah abstiirzenden Felsenhange ein Steig fiihrt, welchen nur die Bauern aus dem jenseits der Enge lie-genden Dorfe Škre ta8) zu passieren wagen. Von der D roj a fiihrt der Weg in steilem, durch Windungen wenig gemildertem Anstiege zu dem Berge K r dan a empor, auf dessen abfallendem Planum unter dem langen Steilabsturze des durch seine markante Form schon in Skutari4) auffallenden Kalk-plateausMali Krus oder Sarisaldik Kroja liegt5). Auch hier ') Vgl. Ippen, Glasnik 1900 518 ff. Fig. 12-14. 2) Ujbarth (vgl. o. S. 67 Anm. 1), Schperdet. 8) Schkreta. 4) Vgl. o. S. 22. 6) Vgl. Ami Boue, Die europaische Turkei I 48. bot den Anreiz zur Niederlassung der Sehutz einer naturlicheir Feste, des isolierten, allseits steil, stellenweise senkrecbt aufsteigen-den Felsens, der die Altstadt von Kroja tragt. Das Stadtbild nimmt uns durcb seine Eigenart ganz gefangen. Aus einem grossen Walde alter Oliven, deren lichtes Grtin dunkle Zypressengruppen wirkungs-voll durcbsetzen, taucben Mausoleenkuppeln, in malerischer Archi-tektur sičb tiberbietende Hauser und die von hohen Mauern umgur- Brtlcke iiber die Droja. tete Akropole empor, auf der ein massiger Ubrturm und ein sehlankes-Minarett in freundlicbem Kontraste steben. Die Reiben kleiner steinerner Basarbuden am Fusse der Burg: bieten nichts Individuelles, man verliert sich bald gerne in dem Park der Oliven, der durch wechselnde Aus- und Durchblicke, na-mentlich aber durch seine Grabstatten immer weiter lockt. Die Zahl der Tiirbe in Kroja wird in lokalpatriotischer Obertreibung mit 366 angegeben. Gleich unweit des Basars stebt, von einem kleinen Friedhofe umgeben, das Mausoleum des Hadschi Hamsa Baba. Der mit einer Kuppel iibervvolbte Raum umschliesst den holzernen, mit seidenfin Decken umhiillten Sarkopbag mit den Resten des i. J. 940 der Hedschra verstorbenen Heiligen. Der Ban wurde aber erst am Ende des 18. Jahrhunderts von Kaplan Pascha Toptan zur Erinne-rung an den Sieg erbaut, -welchen er tiber die ihn bedrangenden Truppen des grossherrlichen Seraskiers und des Wesiers von Skutari Kara Mahmud Pascha Buschati errang. Die Neustadt von Kroja. Das Ttirbe Bali Sultan ist dadurch bedeutungsvoll, dass besonders feierliche Eide an dem Sarge seines Heiligen ge-schworen werden. Einem kleinen Wohnhause gleicht die Ruhestatte des Schemsi Baba, die friedvoll ein stiller Hof umhegt. Das grosste sepulkrale Heiligtum der Stadt liegt aber hoch oben am Rande des Plateaus des Mali Krus in einer Felsspalte, zu dem ein mit Geroll bedeckter Steig in zahllosen Windungen die Bergwand miihsam emporklimmt. Es gehort Baba Sarisaldik, dem „blonden Apostel". Auf einigen Stufen steigt man zu einem Gitter hinab, vor dem man sich des Schuhsverks entledigen muss. Durch einen Vorraum mit den Sarkophagen einiger Jiinger des Heiligen gelangt man in die tiberaus pietatvoll gepflegte Grab-kapelle. Der Begleiter verrichtet ein Gebet, der Fremde lasst in einen Opferstock eine Spende gleiten. Alle diese Tiirbe machen auf den Besucher einen starken Ein-druck. Sie atmen Frieden und Weltabgeschlossenheit. Das wurdige Innere erfilllt mit Sammlung; ein siisses Hindammern beschleicht das Gemilt, dessen Banne man sich fast mit Anstrengung entwinden muss. Der Reiz der heiligen Raume wird noch erhoht, wenn ein Derwisch oder Baba den Heiligen betreut. Mit der liebenswlirdigsten Freundlichkeit empfangen sie den Fremdling; er hort von ihnen, die der Welt entsagt haben, philosophische Reden und Betrach-tungen frei von ali dem Fanatismus, der den ganzen Orient zerwiihlt und spaltet. Die Tiirbe gehoren der mohammedanischeu Sekte der Bek-taschi. Diese waren urspriinglich nur ein Dervvisch-(Monchs-) Orden, der von Hadschi Weli Bektasch im Anfange des 14. Jahr-hunderts in der kleinasiatischen Provinz Siwas gestiftet wurde. Die Begriindung des Ordens fallt in die Zeit der Entstehung der Janitscharen, und zwischen beiden wurde eine enge Beziehung dadurch geschaften, dass Hadschi Weli Bektasch den ersten Janitscharen den Segen erteilte. Auf diesen Akt fiihrt man den nach ruckwarts fal-lenden Zipfel der Kopfbedeckung der Krieger zuriick: er soli die Erinnerung bewahren an das weite Armelende, das von dem seg-nenden Arme des Bektasch auf den Nacken eines der Glaubens-streiter fiel. Die Verbindung blieb eine dauernde, und ihr ist auch die Verpflanzung des Ordens nach Albanien zuzuschreiben. Die Janitscharen wurden hierher erst nur zur Niederhaltung des kriegerischen Landes entsendet; allmahlich fanden sie in ihm aber ein ausgezeich-netes Reservoir zur Fiillung ihrer Reihen, wodurch sie an der Adria recht heimisch wurden. Und mit ihnen fand sich auch der verbrtiderte Orden ein, der immer weitere Kreise auf dem Lande wie in den Stadteu, unter dem Adel und den Bauern zum An-schlusse bewog. Trotz der Vernichtung seiner bewaffneten Freunde i. J. 1826 und trotz seiner eigenen blutigen Verfolgung unter Sultan Mahmud hangen ihm ausser dem Gebiete von Kroja noch heute an die Landschaft Cermenika und die Taler Bulčise und Ok-štun, die ihren Mittelpunkt in Martaneš (unweit der Matiquelle) haben1). In Mittelalbanien bekennt sich zu ihm die Landschaft Malakdstra2); in Siidalbanien ist er in den Bezirken Korča, Kolonia, Leskovik, Premeti und Ginokastra vertreten. In Nordostalbanien, in Prizren, tTsktib, Kalkandele und Krčovo, ist seine Zahl geringer. Aus Skutari wurden die Bektaschi, wie o. S. 36 vermerkt wurde, zu Beginn des 19. Jahrhunderts vertrieben. Von Albanien aus wird auch der zusammengeschrumpfte Rest der Diaspora in Bosnien visitiert und gehalten, der dort, vom Volke stark, angefeindet, seit dem 1903 in Sarajevo erfolgten Tode des Hadschi Mustafa Užičanin keine eigene Leitung und kein Teke (Kloster) besitzt. Der Orden hat im Laufe der Zeit eine starke innere Wand-lung durchgemacht: aus der Stiftung eines streng orthodoxen Mo-hammedaners ist er ein grimmiger Gegner und Hasser des offiziel-len Islams gevrorden. der die Abneigung mit gleicher Intensitat er-widert. Friedlich ist dagegen sein Verhaltnis zu den Christen, deren alte Kirchenreste von den Bauem, welche der Lehre des Ordens folgen, sorgsam behiitet werden. Die orthodoxen Mohammedaner verbreiten tiber die Bektaschi alles erdenkliche Schlechte. Insbeson-dere wird deren Ethik in den schwarzesten Farben geschildert. Sie sollen an eine Vergeltung nach dem Tode nicht glauben, Gutes und Boses vermochten sie gar nicht zu scheiden, die Befriedigung aller Wiinsche und Begierden auf Erden sei einer ihrer Haupt-grundsatze. Eine Priifung dieser zum mindesten sehr iibertriebenen und gehassigen Angaben tiber die wohl im allgemeinen liberalen An-schauungen der Bektaschi ist deswegen nicht moglich, weil ihre Lehre geheimgehalten wird und man lediglich auf Schliisse aus Ausserlichkeiten angewiesen ist. Die Bektaschi haben keine Moscheen, beobachten nicht die funf Gebetzeiten und nehmen auch nicht die rituellen Waschungen vor. Die Andacht wird stili auf den Grabern von Heiligen ver-richtet. In allen Gegenden, wo Bektascbi wohnen, finden sich dem-nach zahlreiche, gut gehaltene Mausoleen, die oft schon von weitem an Zypressen kenntlich sind, die um sie gepflanzt werden. Fiir die Erhaltung der Tiirbe wird Geld gespendet. Zu Grabstatten beson-ders verebrter Heiliger pilgert man von weither. Das Grab des Sarisaldik in Kroja strebt jeder wenigstens einmal zu basuchen. Aus diesem Kultus verstorbener Klostervorstande erklaren sich die Ehrfurcht und der oft staunenswerte Gehorsam der Bektaschi ihren lebenden Ftihrern gegentiber. Die Bektaschi halten auch den Ramasao, den Fastenmonat der Mohammedaner, nicht ein. Sie haben hingegen im arabischen Monat Muharrem elf Busstage, an denen sie fasten, sich abschliessen und auf jede Weise kasteien. Sie begeben damit gleicb den Schiiten die Erinnerung an die Martyrer Hassan und Hussein, die Sohne des Kalifen Ali, welche auf Befehl des Kalifen Muawija ia Kerbela bei Bagdad getotet wurden. Ein eingehenderes Studium dieser fttr Albanien nicht be-deutungslosen Sekte') ist noch notwendig, erfordert aber weit mehr Zeit als ich ihm zuwenden konnte2). tfbcr die Besichtigung eines Klosters der Bektaschi, die ich auf der Reise eriibrigen konnte, wird weiter unten berichtet werden. In Kroja absorbierte einen gut en Teil des Aufenthaltes der Besuch der Zitadelle, die mit der einheimischen Fiirstenfamilie Thopia, den Kampfen Skanderbegs und mit der venezianischen Herrschaft in Albanien so innig ver-bunden ist. Die Platte des Burgfelsens bildet ein nach Westen sich ab-dachendes Dreieck mit der Basis im Osten und dem Scheitel im Westen. Die Mauern und Bastionen sind trotz der i. J. 1832 zum Teil vollfiihrten Schleifung noch recht gut erhalten. Beson-ders imposant sind die Befestigungen des Tores au der Nordseite und die Bastei am Westscheitel, auf der jetzt das Tiirbe des Bek-taschiheiligen Baba Mustafa Dolma steht. Der hohere Teil des Burginneren ist mit verfallenen und uberdeckten Mauern angefiillt- ') Vpl. Chlumecky, Osterreich-Ungam und Italien 171. 2) Vgl die Ausfuhrungen, von Degrand Souvenirs de la Haute-Albanie 228 ff., welche manches bieten. Altere Bauten sind nur der in der neueren Zeit als Uhrturm ver-wendete Glockenturm in de Nordostecke und wohl auch das Haus links vom Tore auf der Burgmauer. In dem niedrigeren Teile der Burg hausen etwa 20 Familien in armlichen interesselo3en modernen Hausern. Ein schones Beispiel alterer albanischer Architektur ist aber hier das ttlrkische Amtsgebiiude, das ehemals der Familie Toptan gehort hat und geschenkweise in den Staatsbesitz ubergegangen ist. Die Mitte des Oberstockes bildet eine breite, von Saulen getragene Die Nordseite der Burg von Kroja. Loggia, die beiderseits von je einem vortretenden Eckfltigel fian-kiert wird. Sie ist mit originellen, naiven Fresken geschmtickt, die eine orientalisehe, am Meere gelegene Stadt, offenbar Stambul, mit breitem, von Schiffen undRiesenfischen belebtem Gestade darstellen. Der linke Eckflilgel enthalt den Prunksaal des Hauses, einen schonen, getafelten, mit Sehnitzereien und Malereien gezierten Raum, von dessen Erker eine prachtige Aussicht ilber die ganze Ebene bis- nach Durazzo und zur Adria erfreut. Ihr Genuss wird nur dadurch gestort, dass sich unten, im Hofe das Bezirksgefangnis befindet, ein grosser, aus Holzbalken gezimmerter Kafig, den zahlreiche Arre-stanten wie Tiere einer Menagerie beleben. An Altertiimern vermochte ich nur noch tiber einem Lauf-brunnen an der Aussenseite der Burgmauer beim Aufstiege zum Haupttore ausser einem ornamentalen Stern zwei Fragmente eines rohen Reliefs mit zwei im Gegensinne anspringenden Tieren, wohl Die Torbefestigung der Burg von Kroja. Lo\ven, und zwei turkische Inschriften zu finden. Von den letzteren meldet die eine von der im Jahre 850 der Hedschra erfolgten Fassung des Wasserlaufs durch den Grosswesier Gasi E\vrenos; die zweite bezieht sich auf die Restaurierung des Brunnens i. J. 12151). In die Befestigungen der Burg \var, wie Mauerreste und ein ■Gang erkennen lassen, auch die starke, gleich einen Bach bildende Quelle Tasl6ja einbezogen, die unter ibrer "VVestspitze zutage tritt. Nach der Quelle ist die Stadt beuannt worden, da Kru Quelle. Kroje Quellen heisst. Bei den Tiirken filhrt sie den Namen Akdsche Hissar, Weissenburg. Von Kroja dauert der Abstieg zu dem oben S. 74 bertihr-ten Kloster der Bektaschi etwa lLh Stunden. Unterwegs passiert man eine kleine Kapelle, welche Dšurmi Šejntitdie Fussspur des Heiligen, d. i. des Baba Sarisaldik, heisst. Das Kloster Teke Das Amtsgebaude in der Burg von Kroja. Fuš Kru s liegt unweit der Poststrasse am Fusse der RandhOhen in dem zu Kroja gehorigen Teile der Ebene, in der Fu š Kru s,1) die der Anlage deu Namen gab. Von saftig grtinen Wiesen um-geben, bietet sie ein liebliches, aber anspruchsloses Bild, das in keiner Weise, auch nicht durch ein Minarett ihre Bestimmung ver-rat. Man glaubt sich dem Landsitze eines reichen Grundherrn zu Ljubljana t nahern. Das Kloster ist ein vveitlftufiger Komplex einfacher, schmuck-loser Gebaude mit unregelrniissigen, mangelhaft getiinchten Fassaden und zahlreichen ungleich grossen Fenstern. Auch das Innere gleicht durchaus einem weltlichen AVohnhause. Wir wurden iiber eine wacklige Holztreppe in das Empfangszimmer geleitet, das mit Tep-pichen und Diwanen einfach ausgestattet ist. Auf den Wiinden hangen Bilder mit kalligraphischen religiosen Spriichen, aber auch mit figiir-lichen Darstellungen. Die Monche, Derwische, zeigen in der Tracht keine Unifor-mitiit. Jeder wablt sich fiir seine Klcidung die Farbe, die ihm ge-fallt oder die gerade im Basar zu haben ist. Kur die Kopfbe-deckung ist bei allen gleich, ein hoher weisser Filzzylinder ohne Krempe, denn durch die Form der Ivopfbedeckung unterseheiden sich ausserlich die zahlreichen mohammedanisehen Orden vonein-ander. Jeder Derwisch tragt um den Hals an einer dicken Schnur einen talergrossen vielstrahligen Stern aus Karneol, den Tesslim Tasch, der ihm nach Vollendung des Noviziats tibergeben wurde. Bei einzelnen sind auf die Schnur noch mehrere olivenformige, weisslichgraue, opake Steine aufgereiht, die in Mesopotamien ge-funden werden und Durri Nedsclicf Perle von Nedschef, einem Wallfahrtsorte der Schiiten in der Nlho von Bagdad, heissen. Die anwesenden Dcrvvische waren zumeist jiingere Manner; die iilteren weilten ausvvarts teils zum Besuche anderer Kloster ihres Ordens, teils auf Wallfahrten, deren vorzuglichstes Ziel die Graber des Kalifen Ali und seiner Sohne Hassan und Hussein in Mesopotamien, aber auch, wie bereits S. 74 erwahnt wurde, die Graber heilig verehrter Klostervorstande und grosser Lehrer des Ordens sind. Die Klostervorsteher heissen Baba Vater (Pater), doch wird dieser Titel auch Kustoden von Mausoleen beigelegt. Als Abzeichen seiner Wiirde tragt der Baba im linken Ohr einen Ring in der Form einer eigenartigen Arabeske aus dickem Silberdraht. Za den hoheren Graden des Ordens ist Zolibat Bedingung. In Fuš Krus wohnen einige verheiratete Derwische ausserhalb des Klosters. Nachdem uns Erfrischungen gereicht worden waren, wurden wir zur Besichtigung der Heiligtumer des Klosters eingeladen. Auf einer grossen blumigen Wiese hinter den Wohngebauden stehen in hohem Grase eine ungeheure malerisehe Zypresse und zwei bliiten- weiss [getiinchte Mausoleen, das des Griinders des Klosters Baba Ali und das des i. J. 1890 verstorbenen Baba Hussein. Auch der letztere wird als Heiliger verehrt; seine Autoritat tibertraf schon zu seinen Lebzeiten das ohnebin nicht geringe Ansehen des jewei-ligen Vorstandes des Teke Fuš Krus bedeutend; willig beugte sich vor ihm die ganze Landschaft. Die Kapellen werden zum gross-ten Teile von den Sarkophagen eingenommen, die, von fiinfeckigem Querschnitte, auf den Steinplatten des Fussbodens ruhen und ganz mit Decken aus Samt und Seide belegt sind, in die Sprtiche und Gebete gestickt und eingewebt sind. Die Beriihrung der Sarge wirkt Wunder. In jedem Raume steht auch eine Opfertruhe. Von der Riesenzyprese erzahlen die begleitenden Derwiscbe, dass sie nach dem Tode des Baba Ali aus den Brettern enstanden sei, aus denen er sich auf der Wiese seine Hiitte selbst gezimmert hatte. Den Anlass zu der Legende gab die absonderliche Gestalt der Aste des Baumes, einer Cupressus horizontalis: sie sind sehr gross und so platt, dass sie Planken oder Brettern gleichen. Der Weg nach Tirana kreuzt der Reihe nach alle drei Bache, welche sich zu dem Flusse von I š mi vereinigen. Ostlicb vom Wege liegen zwei von Hahn erwahnte Ruinenstatten: naher an Kroja bei Zgorzeš1) die anscheinend antiken geringen „Stadt-mauerreste von Skurtesche" 2) und gegen Tiran a zu in dem Dorfe Brare die Uberbleibsel einer Kirche3). Ich babe sie nicht besucben konnen. Von den letzteren wurde mir erzahlt, dass sie nur mehr Substruktionen und einen etwa 3 m hohen Pfeiler aufvveisen. Tir An a liegt in der Ebene. Hinter der Stadt erheben sich im Suden niedrige HUgel, wahrend im Osten eine Reihe schon geform-ter Berge einen prachtigen Hintergrund bildet, der zu der Malcija Tirans, dem Hochlande von Tirana, gehort. Die Stadt macht durch die vielen grossen Garten und Platze mit reichem Baumschlag, die zumeist breiten, von kleinen Wasserlaufen durchrieselten Strassen und die netten Hauser einen gewinnenden Eindruck und dient ') Sgorthesch (vgl. o. S. 9 Anm. 3 und S. 67 Anm. 1). 2) Albanesische Studien 1 120 f. s) Reise durch die Gebiete des Drin und Wardar 7. Die hier 20 Minuten nordlich von Tirana envahnte Ortlichkeit Sin Inga heisst richtig Š' Njinia (St. Johann) Larafe. Sie wurde von der katholischen Gemeinde in Tirana iiir einem Friedhof angekauft,- wegen ihrer gesunden Lage vorn ehmlich dem von Malaria stets be-drohten Durazzo als Sommerfrische. Besonders gefallig ist der Teil, in dem die verzweigte Familie Toptan in weitlaufigen, im leiehten tiirkischen Stile zvrischen Baumanlagen und grossen Rasen-platzen aufgefiihrten Gebauden wobnt. Die Moscbeen der Stadt sind neueren Ursprungs, wirken aber durcb ihre mit ansprecbenden Ma-lereien geschmtiekten Saulenballen. Eine eigenartige Kultstatte ist der schone, von bohen Zypressen umscblossene Rasenplatz Namas-giah, auf dem sich die Mohammedaner insbesondere am Bairamfeste unter freiem Himmel zum gemeinsamen Gebete versammeln. Eine Sehenswtirdigkeit ist auch eine Riesenplatane, von deren machtigem Stamme ein ausnehmend langer Ast ganz wagreeht absteht. Ti r a n a zabit 15.000 Einwohner, tiber 12.000 Mohammedaner, gegen 1300 Orthodoxe (darunter eine starkere mazedorumanische Kolonie1) und nur wenige Katholiken, die aber seit 1856 eine Kirche samt Pfarrhaus und Schule besitzen. Unter den lokalen Erzeugnissen verdienen die schonen Seidengewebe, welche von Frauen zu Hause angefertigt werden, riihmend hervorgehoben zu werden. Die Stadt ist erst eine tUrkische Grttndung aus dem 17. Jahr-hundert und ist auf Kosten der umliegenden Stadte, insbesondere Krojas durch die Familie Toptan2), welche sich hier zu Ende des 18. Jahrhunderts von Kroja aus einheiratete, emporgekommen. Die Toptan, eine der angesehensten Familien Albaniens, leiten ihre Ab-stammung von dem Dynastengeschlechte Thopia, welches in diesem Teile Albaniens die Fuhrerschaft innehatte, ab ohne jedoch dafur einen urkundlichen Nachweis erbringen zu konnen. Der bertihm-teste Toptan war Kaplan Ahmed Pascha um 1800, ein Zeitgenosse des Kara Mahmud Pascha Buschati von Skutari (o. S. 25.) und des Ali Pascha von Janina. Auch er suchte sich zunachst von der Stam-buler Regierung moglichst unabhangig zu machen; da er aber bei seinem Streben nach Machterweiterung mit Mahmud Pascha in kriegerischen Konflikt geriet, wurde er ein Parteiganger des Sul-tans. Als Dank dafur behielt seine Familie, als die Regierung in ') G. Weigand, Die Aromunen I 291; C. Burileanu, Dela Romanii din Albania (Bukarest 1906) 204 ff. 2) Vgl. tiber sie Degrand, Souvenirs de la Haute-Albanie 197 ff. den Jahren 1830—1835 ein strenges Gericht iiber die unbotmassigen Bey in Albanien hielt, ihre Gliter. Diese erstreckten sich einst langs der Ktiste bis zum Flasse Mati. Doch auch jetzt noch gehort bei-nahe die ganze Ebene von Tirana der Familie. Insbesondere dehnt sich nordlich der Stadt eine Kette von Meierhofen (Tschiftlik) aus, die den verschiedenen Bey Toptan gehoren. Die Landereien werden zumeist durch Kolonen gegen Ablieferung eines Teiles des Ertrag-nisses bewirtschaftet; nur wenig befindet sich in eigener Regie. Die Agrikultur ist daher eine sehr ruckstandige; der Anbau beschrankt sich auf Mais. Von Tirana fiihrt ein im Sommer fahrbarer Weg die Ebene abwarts, um nach etwa 14 km iiber den Hiigelzug, der die Ebene am Unterlaufe des Arzen1) umschliesst, sudwestlich, nach Durazzo abzuschwenken. Wir verlassen ihn schon friiher, um die Periegese der Nordalbanischen Ebene zu vollenden, und gelangen an dem alten, hoch tiber dem Rande der Niederung gelegenen Stadtchen Prčza1) vorbei nach Blaj, einem katholischen Pfarrdorfe, oberhalb dessen sich die vielen Rinnsale der Bucht von Tirana zu dem Ljumi Išmit oder, wie er hier genannt wird, dem Ljumi Blaj vereinigen. Der Ort war, da mir der Pfarrer von der Auffindung eines romi-schen Grabsteines erzahlte, schon in antiker Zeit besiedelt; wahr-scheinlich tibersetzte hier die von Lissus kommende romische Kustenroute2) den Fluss, um von hier tiber Preža nach Dyrra-chium weiterzufilhren. Gegen iiber von Blaj liegt am rechten Fluss-ufer in fruchtbarer Umgebung das Dorf Luži a mit dem Herrer;-hause des Essad Pascha Toptan. Wir wenden uns von Blaj iiber das Dorf Malkoč3) nach der zwischen diesem Orte und dem Dorfe Kula, auf einem Riicken der Randhiihen gelegenen Ruine der Kirche Sen L i (St. Elias), welche bei Katholiken und Mohammedanern im hohen Ansehen steht und am 20. Juli, dem Tage des Patrons, von zahlreichen Wallfali-rern besucht wird. Sie ist im allgemeinen ein kleineres und ein-facheres Abbild von Še Mri (nordlich von Kroja, o. S. 68 f.), nur trennt das linke Seitenschiff vom mittleren nicht eine Pfeilerstcl- lung, sondern eine Mauer so, dass es ganz separiert ist. In der mittleren Apsis ist im untersten Felde eine im roten Sgraffito aus-gefiihrte Reihe von zehn langbartigen Bischofen erkennbar, die in der Tracht und Haltuug denen auf dem analogen Bilde von Se Mri entsprechen. Bei einem steht noch die Beischrift S(an)c(tu)s Niceph(orus). Die Ruine ist mit Schutt und iippigem Geholz aus-gefullt, wodurch eine eingehendere Untersuchung sehr erschwert wird1). Von Sen L i fulirt der Steig auf einem langen Hiigelrucken vorbei an machtigen Eichenwaldern, welche im Westen die Hohen bedecken und bis unmittelbar zum Kap Rodoni reichen, in P/ž Stunden nach dem Stadtchen Išmi, das, wo moglich noch kleiner und biiuerischer als Leš, tiber der Ebene liegt. Es hat ein verfal-lenes Kastell, das neuere ttirkische Bauten ohne Interesse enthalt. Aus bessertr Zeit stammen die Pfeiler einer Brucke tiber den Ljumilšmit unterhalb des Ortes. Die Furt, die der Reisende gegen-wartig bentitzt, muss mit Vorsicht gesucht werden, da das Wasser stellenweise tief und wegen des schlammigen Orundes nicht unge-fahrlicli ist. Den Besuch des Stadtchens lohnt der weite, instruk-tive Blick tiber die \valdbedeckte Ebene und die stille, in sie bogenformig einschneidende Bai von Šlinza. In der Mitte des Segmentes liegt der Ort Slinza: einige Gendarmen- und Zollwachter-htitten am leblosen Strande; vor ihm ein guter Ankerplatz, hinter ihm strotzender Fruchtboden in schier untibersehbarer Weite. Es fehlt nicht an Projekten, welche Slinza zum Hafenplatze von Kroja und selbst ftir ein ausgedehnteres Absatzgebiet machen wollen. Ge-genwartig legen aber nur hie und da Dampfer und Dulcignoten-segler an, um das Holz der Kiistenwiilder auszufiihren. Hier schlaft der Reichtum, wiihrend an fernen tropischen Sandbairen das Leben in engem Wettbevverbe braust. ') Vgl. Ippen, Glasnik 190 L 582 fT. Verzeichnis der Illustrationen. Seite 1. Pulaj an der Bojanamiindung..............5 2. Londra auf der Bojana....... .........8 3. Kirchenruine an der Bojana bei Širdž...........9 4. Das Innere der Kirchenruine bei Širdž...........10 5. Di3 neuen Stadtteile von Skutari.............14 6. Die Sudseite der Zitadelle von Skutari...........15 7. Die Ostseite der Zitadelle von Skutari ..........18 8. Das Tor der Zitadelle von Skutari..........19 9. Moschee im zweiten Hofe der Zitadelle von Skutari......20 10. Die vermutliche St. Blasiuskirche in Skutari .........23 11. Bibliothek in Skutari.................28 12. Strasse in Skutari...................34 13. bie Dschamia plumit in Skutari . ...... .... 35 14. Kirchenrest in der Ruinenstadt von Šas..........43 15. Kirchenrest bei der Ruinenstadt nachst Šas.........44 16. Das Felsentor des Drin bei Vau Dejns...........49 17. Kirche in Vau Dejns..................50 18. Kalmeti......................52 19. Leš (Alessio).........................53 20. Brucke liber die Droja.................70 21. Die Neustadt von Kroja .................71 22. Die Nordseite von Kroja................75 23. Die Torbefestigung der Burg von Kroja..........76 24. Das Amtsgebaude in der Burg von Kroja..........77 Verlag von Daniel A. Kajon, Sarajevo. ANTON HANGI: DIE MOSLIM'S in Bosnien-Hercegovina. Ihre Lebenswoise, Sitten und Gebrauche. Autorisierte Ubersetzung von HERMANN TAUSK. MIT ZAHLREICHEN ILLUSTRATIONEN. Preis geheftet M 4.— (K 4.80). Gebunden ll« Leinwand mit Dreifarbendruck-Titel M 4.50 (K 5.40). Gebunden Vi Leinwand M 4.80 (K 5.80). Von M itarbeitern dieser Sammlungsindu.a. erschienen: V. Apfelbeck, Die Kaferfauna der Balkanhalbinsel mit BeriicksichtigungKlein-asiens 11. der Insel Kreta. I. Band. Berlin. R. Friedlander u. Sohn. 1904. A. Baldaccl, Die westliche Akrokeraunische Gebirgskette. Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Wien. 1896. R. Lechner. J. Cvijio, Das Karstphanomen. Versuch einer morphologiscben Monographie (A. Penck, Geogrnphische Abhandlungen V 3). Wien. E. Holzel. 1893. J. Cvijic, Morphologische und glaziale Studien aus Bosnien, der Hercegovina und Montenegro (Abhandlungen der Geographischen Gesellschaft in Wien. II 6 und III 2). Wien. R. Lechner. 1900 and 1901. G. V. Daneš, Bevolkerungsdichtigkeit der Hercegovina (Travaux geogra-phiques tch6ques 3). Prag. Selbstverlag. 1903. E. Gerland, Geschichte des lateinischen Kaiserreiches von Konstantinopel. I. Teil. Homburg v. d. Hohe. Selbtsverlag. 1905. H. Grothe, Auf turkischer Erde. Reisebilder und Studien Berlin. Allgemeiner Verein fur Deutsche Literatur. 1903. K. Hassert, Reise durch Montenegro nebst Bemerkungen iiber Land und Leute. Wien, Pest, Leipzig. A Hartlebens Verlag. 1893. K. Hassert, Beitrage zur pbysischen Geographie von Montenegro mit be-sonderer Beriicksichtigung des Karstes. Gotha. Justus Perthes. 1895. Th. Ippen, Novipazar und Kossovo (das alte Rascien). Wien. A. Holder. 1892. F. Katzer, Geologischer Fuhrer durch Bosnien und die Hercegovina- Sarajevo. Landesdruckerei 1S03. F. Katzer, Geologische Ubersichtskarte von Bosnien-IIercegovina in 6 Blat-tern i. M. 1: 2U0.000 I. Blatt. K. Maly, Beitrage zur Kenntnis der Flora Bosniens und der Hercegovina. Wien. K. K. Zoologisch-botanische Gesellschaft. 1904. K. Oestreich, Beitrage zur Geomorphologie Makedoniens (Abhandlungen der Geographischen Gesellschaft in Wien IV 1). Wien. R. Lechner. 1902. C. Patsch, Archaologisch-epigraphische Unlersuchungen zur Geschichte der romischen Provinz Dalmatien. Teil I—VI Wien. Kari Gerolds Sohn. 1896. 1897. 1899. 1900. 1901. 1905. C. Fatsch, Die Lika in romischer Zeit. Kaiserliche Akademie der Wissen-schaften. Schriften der Balkankommission. Antiquarische Abteilung. Heft I. Wien. A. Holder. 1900. C. Patsch, Das Sandschak Berat in Albanien. Ebenda. Heft III. 1904. C. Patsch, Zur Geschichte und Topographie von Narona. Ebenda. Heft V. 1907. O. Reiser, Materialien zu einer Ornis balcanica. II. Bulgarien einschliess-lich Ostrumeliens und der Dobrudscha III. Griechenland und die grie-chischen lnseln. IV. Montenegro. Wien. Kari Gerolds Sohn. 1894. 1896. 1905. G. Weigand, Vlacho-Meglen. Eine ethnographisch-philologische Unter-suchung. Leipzig. J. A. Barth. 1892. G. Weigand, Die Aromunen. Ethnographisch-philologisch-historische Unter-suchungen. Band I. II. Ebenda. 1895. 1894. G. VVelgand, Linguistischer Atlas des daco-rumanischen Sprachgebietes. 9 Lieferungen. Ebenda 1898—1908. G. VVelgand, Rumanen und Aromunen in Pulgarien. Ebenda. 1907.