A n 1 e i t u n g Landes-Obst- und Weinbauschule in Marburg. PETTAU 1903. von W-ilh. Blanke, Narodna in univerzitetna knjižnica v Liubljani i ‘ O O 'f r h Wanderlehrer an de Weinbauers Berater. w Anleitung zur Neuanlage und Bearbeitung der Weingarten von JOHANN BELLE Wanderlehrer an der Landes-Obst- und Weinbauschule in Marburg. 2 . Auflage. PETTAU 1903. Druck und Verlag von Wilh. Blanke. /'J 3£t, I 113324 TJ.C Jbsu/ . '(c/n. INHALT. Seite Einleitung. 1 I. Vorbereitung des Grundstiickes fiir Neuanlagen.5 1. Ausruhen und Bereichern des Bodens.5 2. Das Rigolen. 6 3. Ableiten des Grundwassers (Drainage).7 4. Oberirdische Ableitung des Niederschlagvvassers.- . . 9 5. Fahrwege.. . ...■ .... 12 6. Anlage von Schutzmauern und Schutzpflanzungen.14 7. Das Planieren.14 II. Das Setzen.15 1. Abzeilen vor dem Setzen.14 2. Wann wird ausgepflanzt.17 3. Was fiir Setzlinge setzen wir.. 17 4. Vorbereitung der Setzreben vor dem Auspflanzen.19 5. Das Setzen . ... i. ..... • .20 III. Arbeiten in den ersten Jahren> nach dem Setzen.21 a) Im ersten Jahre: 1. Aufraumen ... 21 2. Nachsetzen.. . . ..22 3. Bodenbearbeitung.23 4. Ausbrechen und Anbinden der Triebe.23 5. Schutz vor Winterfrost . . . . — -.23 b) Im zweiten Jahre nach dem Setzen: 1. Aufraumen.24 2. Diingung.24 3. Schnitt. 24 4. Bodenbearbeitung. 24 5. Nachsetzen.25 6. Ausbrechen und Anbinden der Sommertriebe.25 7. Schutz vor VVinterfrost.25 8. Weinlese. 26 c) Im dritten Jahre nach dem Setzen: 1. Aufraumen. v .26 2. Diingung. 26 3. Schnitt.26 4. Bodenbearbeitung. 26 5. Ausbrechen und Aufbinden der Sommertriebe.26 6. Schutz vor Frost .27 7. Weinlese.. . 27 Seite IV. Erziehung und Schnitt.27 1. Erziehung.27 2. Wann beginnt man mit der Erziehung.31 3. Wie wird die Form des Rebstockes gezogen.32 4. Die Zeit des Rebschnittes.34 5. Andere Umstande, welche beim Schnitt zu beriicksichtigen sind . 35 6. Anbinden der Tragreben. . . 39 V. Behandlung der Sommertriebe.39 1. Ausbrechen.40 2. Behandlung der Geize.41 3. Einkiirzen der Triebe.42 4. Gipfeln.46 5. Entlauben. 47 6. Binden der Triebe.48 VI. Bodenbearbeitung .49 1. Haue.49 2. Zudecken der Reben.55 VII. Diingung.56 1. Warum soli gediingt werden.56 2. Stoffe, welche wir im Diinger dem Boden zuruckerstatten miissen . 57 3. Zeit tur die Diingung.60 4. Wie wird gediingt.61 5. Verschiedene Diingemittel ..61 6. Anwendung des Diingers im Weingarten.67 VIII. Pflanzliche und tierische Schadlinge und deren Bekampfung . 72 1. Peronospora. 72 2. Schwarzer Brenner..75 3. Oidium ..76 4. VVurzelfaule.80 IX. Tierische Schadlinge..81 1. Traubenwickler.81 2. Eulenraupen (Agrostis).85 X. Ungiinstige Einfliisse des Klimas, Bodens etc.86 1. Hagel.86 2. Frost. 88 3. Bleichsucht (Chlorose).92 XI. Spatere Erhaltung eines liickenlosen Bestandes und Verjungung . 93 A) Durch Vermehrung der Zahl der Reben.94 B) Durch Verlangerung der oberirdischen Achsen, des alten Holzes . 95 Einleitung. Der Weinbau befriedigt mit seinen Ertriignissen nicht so. wie er befriedigen konnte. Derjenige, welcher in die Verhaltnisse gut. ein- geweiht ist, muss einsehen, dass im grossen Ganzen die Hauptur- sache des unliebsamen Ruckganges hauptsachlich der Dmstand bildet, dass derWeinbauer nicht alle Mittel. welche ihm der auf all- gemeine Erfahrungen und die Hilfe der Wissenschaft gestiitzte Fort- sehritt bietet, recht auszuniitzen versteht. Das Lamentieren hilft nichts. Die Verhallnisse werden sich nicht nacli dem Weinbaoer richten, er als der Schwachere moge es verstehen, sich denselben mit Vor- teil anzuschmiegen. Es wird sodann der Gesammtheit gelingen, was gegenvvartig pur Einzelnen, welche durch Zofall oder gestutzt, auf gute Lehren and Erfahrungen die richtige Cultur getroffen, gelingt. Wir haben doch nicht wenige Beispiele der Ertragsfahigkeit der Weingarten in Steiermark, mogen dieselben durch allgemein rationelleres Vorgehen zur Regel vraden. Dass dies mogiich, darin bestarken uns diese Beispiele in unserer (legend, sowie auch viele andere in der weiten Welt. Als Beleg fiir diesen Umstand mbgen die auf eine vollkommen objective Beobachtung gestiitzten und in einer Brochure »Ringen undErfolgedes Landwirtes, namenthch Weinbauers« im Verlage von W. Blanke in Marburg mitgetheilten Erfahrungen dienen. Genannte Reisebeschreibung moge auch als Commentar zu dieser Anleitung zum rationellen Weinbau dienen, indem darin die hier niedergeschriebenen (irundsiitze ihre Bestatigung frnden. Ein so weites Gebiet, wie es in der Reisebeschreibung in den Kreis der Beobachtung gezogen worden ist, muss doch das von den Wein- bauern so oft gehegte und nicht selten ausgesprochene Misslrauen gegen die Bticherweisheit heheben, sie wird daher hoffentlich dem Verfasser dieser Anleitung anderer weitlaufiger Begrundungen ent- heben und Vertrauen erwecken. — 2 - Im grossen Weinbau in verschiedenen Gebieten lindet. man viele besondere mehr oder weniger begrlindete Eigentumlichkeiten. Zweck der vorliegenden Brochure ist es aber nicht, diese alle auf- zunehmen und zu erklaren. Sie beschriinkt sich zumeist. nur auf das, was fiir uns unmittelbar zvveckmassig ist. Der Verfasser hat das Notwendigsle herausgegriffen, um den Weinbauern den ricbtigen Weg zum Ziele zu weisen. Wir beobachten bisher gar zu haufig, dass die Weinbauevs, welche zumeist zu wenig des Guten tun. hie und da doch liber das Ziel schiessen. Wie oft wird bei den notigsten Cullur- massregeln gegeizt, doch haufig kommt es vor, dass \vieder durch nicht nothige Auslagen verschwendet wird. Letzteren Fali knnn man zumeist bei Neuanlagen beobachten. Da werden fiir die Unter- bringung von Reisig beim Rigolen, fiir pedantisches Ausstecken etc. Arbeit. und Geld vergeudet. Bei der Ableitung des Grund- und Niederschlagsvvassers, bei der Anlage von wirklich guten Fahrstrassen, Slulzmauem etc. happert es doch beinahe immer. Wie bei jedem Erwerbszweig, so auch beim Weinbaue, moge der Hauptgrundsaiz gelten, weises Mass zu haiten. Geld und Arbeil, wenn es vorhanden, ist leicht auszugeben, doch nur jener ist ein guler Wirtschafter. der jeden Heller wirklich fruchtbringend anlegt. Es moge nur das Zweckmassige in Vervvendung kommen, damit wird auch dem Schonheitssinne entsprochen, denn das Zweckmiissige ist auch schon. Alles andere macht den Eindruck der Protzerei oder Knickerei, welche beiden Eigenschaften doch als unschon angesehen werden miisserv. Das Zweckmassige kann sich aber auch die Armut leisten, nur muss sie beziiglich der Ausdehnung engere Grenzen ein- halten. Bei der Pflanzenzucht bedenke man, dass man es nicht mit einer tolen Materie zu tun hat, sondern mit Lebevvesen, in deren Seele man sich sozusagen einleben, deren Anforderungen man mit dem Feingefiihle eines guten Erziehers moglichst beriicksichtigen soli, doch moge man eine individuelle Behandlung der schablonenhaften vorziehen. Beim Weinbaue moge man die Erfiillung dieser Anfor- derung durch zweckmassige Einrichlungen, als: sorgfa.lt.ige Auswahl der Eage, gule, zweckmassige Vorbereitung des Bodens, Anlage von Strassen etc. anstreben, beziehungsvveise erleichtern. Der Rahmen vorliegender Anleitung ist eng, umfasst, nur in knapper Form was der practische Weinbauer bei uns unmittelbar braucht, in Wiirdigung des Umstandes, dass der AVeinbauer, welcher 3 ein Buch als Berater heranzieht, selten genug Zeit zum Lesen lan- gerer Abhandlungen haben kann, namentlich zur Zeit der drangenden Arbeiten nieht. Ueber ausfiihrliche Einzelheiten muss er wohl trachten, sich in anderen Werken eingehender zu informieren. Die genaue Kenntnis der Verhaltnisse ermoglicht es dem Ver- fasser, auch besonders dasjenige herauszugreifen. wo es es in unserem Betriebe nicht, recht zugeht, wo noch infolge nieht geniigenden Ver- sliindnisses die grosslen Fehier gemacht werden. Diese Brochure soli den Weinbauern mehr als Repeiitorium der ihnen gelegentlich der haufigen Curse, Vortrage etc. gegebenen Lehren dienen, ihnen die hei solchen Gelegenheilen erhallenen ausfuhrliehen Erlauterungen in knapper Form wieder in Erinnerung bringen. Ueber Erzeugung von veredeltem Setzmaterial, uber Rebsorten wird hier nicht verhandelt, da daruber bereits viele, auch fur unsere Verhaltnisse recht gut passende Biicher exislieren. Hier handelt es sich hauptsachlich darurn, flir den Betrieb des Weinbaues Grundsatze zu vertreten, deren Befolgung dem Weinbauer in unseren Gegenden Vortheile bringen wird. I. Vorbereitung des Grundstiickes fiir Neuanlagen. Ehe dass man zur Neuanlage eines Weingartens schreitet, rnuss das Grundstiick behufs langerer Datier der Anlage, der leich- teren Bearbeitung etc. und der Boden behufs erspriesslichen Ge- deihens der Reben enfsprechend vorbereitet werden. In der Hinsicht. mogen folgende Grundsatze zur Richtschnur dienen. I. Ausruhen und Bereichern des Bodens. Der Ackerbauer bat auf seinen Ackern einen Turnus eingefiihrt in der Erkenntnis der richtigen Tatsache, dass es nicht gut geht, eine und dieselbe Pflanze forbvvahrend auf demselben Grundstiicke zu ziehen. Der rationelle Obstbauer setzt nieht dorlhin, wo friiher ein alter Apfelbaum gestanden, sofort, wieder einen jungen Apfelbaum, vielmehr eine andere Obstart oder lasst den Boden langere Zeit aus¬ ruhen. Dies moge auch der Weinbauer beherzigen, bevor er einen alten Weingarten in eine Neuanlage umvvandelt. Am besten tut er, wenn er fiir die Neuanlagen gule Weingarf.enlagen auswahlt, welche aber schon langere Zeit nicht mit Reben bestanden waren. Hat er aber keine passenden Lagen mit derart ausgeruhtem Boden und ist er gezwungen, moglichst bald einen alten Weingarten in einen neuen utnzuvvandeln, so moge er den betreffenden Boden ein paar Jahre vorher wenigstens ausruhen lassen. Am besten fahrt er, falls er auf der betreffenden Flache Klee, z. B. Luzerne anbaut. Diese muss er mit Thomasschlacke und Kainit oder schwefel- saurem Kali gut diingen. Dadurch sammelt er sich im Boden be- deutende Vorrate an Fflanzennahrstoffen, welche ein uppiges Wachs- tum und grosse Tragbarkeit der Reben zur Folge haben werden. Jeder Ackerbauer weiss, dass der Klee den Boden fruchtbarer macht, er sammelt namlich Luftstickstoff, welcher in den Wurzeln, abge- fallenen Biattern elc. im betreffenden Boden fiir die Rebe aufgespeichert. wird. Voh diesem Schalze wird umsomehr gesammelt, je mehr mit — 6 Phosphat und Kali gediingt, wird. Bei enlsprechender Phosphat- und Kalidiingung wird der Boden aber auch ohne Kleeaussaat bedeutend bereicherf., da nach dieser Diingung, wie man auf Wiesen beobachlen kann, der Klee mit seinen Vervvandten, den Leguminosen besonders iippig emporkommt. Geht es nicht an, der betreffenden Flache eine liingere Ruheperiode za gonnen, so ware es wenigstens angezeigt, die zu rigolende Flache kniftig mit Phosphaten und Kalisalzen zu diingen, Leguminosen, z. B. Wicken. Erbsen, Plerdebohnen etc. an- zubauen und diese, sobald sie in die BliUe kommen, jedentalls aber liingere Zeit vor dem Rigolen, einzuhauen oder einzuptliigen. Bei kalkarmen Boden vviire auch eine tuchtige Behandlung mit Kalk am Plalze. Falls die betreffende Flache im Jahre vor dem Auspflanzen ri- golt wird, ist. es auch angezeigt, wo es angeht, die Oberflache nach dem Rigolen kraftig mit Phosphaten und Kalisalzen zu diingen, Leguminosen anzubauen und diese, sobald sie in Bliite kommen, einzuarbeiten. Diese Massregelnmogen besonders in Gegenden mit mehr feinerdigen, mageren, besonders sandigen Boden, wo es ausserdem auch noch an entspre- chenden Mengen guten Stallmistes mangelt, beherzigt werden. 2 . Das Rigolen. Das Rigolen soli schon geraume Zeit vor dem Ausselzen ge- schehen, der Boden soli sich noch rechtzeitig genugend setzen. Mit dem Rigolen wird vernunftigervveise am Fusse des Berges begonnen und dieses quer iiber die Leline ausgefiihrt. Zweck des Rigolens ist, den Boden moglichst. tief zu lockern. Die fruchtbare Ackerkrutne darf jedoch nicht zu tief untergebracht vverden, sondern nur so tief, dass die unteren, die Fusswurzeln der Setzreben bis in dieselbe reichen konnen. Die Erde wird ca. 70—80 cm tief umgeworfen, geivendet, die Solile der Graben wird aber noch ca. 30 cm tief gelockert, aber dieser gelockerte, tote Boden \vird im Graben liegen gelassen. Je tiefer man lockert, desto besser, desto dauerhafter wird die Anlage. Es geht nicht gut an, beim Rigolen sparen zu wollen. In einem seicht rigolten Boden hat die Rebe eine viel geringere Dauer. Die Tiefe der Grabe wird am besten in deren Mitte gemessen. Die Solile der Graben sei eben. Diese werden daher an Stellen, wo Erhbbungen vorkommen, tiefer, bei Vertiefungen seiehter erscheinen. Dies gleicht sich aber nach dem Planieren aus. War der Boden sehr mager und hat man ihn vorher nicht entsprechend vorbereiten konnen, so kann — 7 — bei geniigender Menge von Ddnger derselbe eingearbeitel werden. Besonders ein nicht vollkommen veiTotteter Diinger moge doeh nicht auf die Sohle des Grabens, sondern auf' den zweiten Stich etvva 30 cm. tief' untergebrachf werden. Das Einarbeiten von Laubbauschen, Reisig etc. beim Rigolen ist ein Luxus, der mitunter sogar nachteilig werden kann. Beim Rigolen soli auch strenge darauf geachtet vverden, dass Engerlinge und iihnliches Gevviirm sorgfaltig zusammengeklaubt wird. 3 . Ableiten des Grundvvassers (Drainage). Die Rebe, namentlich die amerikanische, ist gegen ubermassige Nasse im Roden ausserst. empfindlich. Die gar so haufigen und schad- lichen Erdabrulschungen in den Weingarten werden auch von stauender Nasse verursacht. Um diese argen Ubelsfiinde zu beheben, ist eine zvveckmassig durchgefiihrte Drainage unbedingt notwendig. Wo nur einzelne Quellen im Gelande Nasse verursachen, konnen dieselben ziem- iich einfach und billig zumeist durch kurze Graben abgeleitet vverden. In der Mitte der nassen Stelle wird ein Schacbt ausgegraben, mit einer Trockenmauer von Steinen ausgefuttert und das Wasser durch einen entsprechenden Graben abgeleitet. Mitunter geniigt es auch, eine et- waige undurchlassige Schichte bis zur nachsten durchliissigen z. B. bis zum Schotter etc. zu durchbrechen. Wo aber das ganze Grundstiick nass ist, wie es doch zumeist in Niederungen oder sehr flachem Gelande vorkommt, da soli schon eine regelreehte Drainage ausgefiihrt vverden. Dabei mogen folgende Grund- satze gelten: 1. Je tiefer die Graben angelegt vverden, desto besser vvird der Erfolg sein. Der Grundvvasserspiegel mbge vvenigstens soviel tiefer gelegt vverden, dass die unteren Wurzeln nicht zu bald in eine feuchte Schichte reichen. Die Griiben mogen daher vvenigstens D 5 m tief ausgehoben vverden. 2. Bei nicht zu starken Steigungen, vvelche bei derart zu ent- vvassernden Grundslucken iiberhaupt selten vorkommen, legt man die Graben in das slarkste Gefiille, so dass das Wasser schnell ab- fliessen kann und dasselbe von beiden Seiten gleich vveit angesogen vvird. Bei starkem Gefalle und abschvvemmbaren Boden ist die Gefahr des Ausreissens vorhanden und vvird man die Drainagegraben lieber etvvas schief stellen, z. B. mit einem Gefalle von etvva 4%. - 8 — 3. Die Graben werden so dicht. angelegl, dass dadurch das ganze Grundstiick entwassert wird. Der Zwischenraum derselben richtet. sich, abgesehen vom Zuslande des Bodens, nach deren Tiefe. Sie ziehen das Wasser von beiden Seilen an. Im Durchschnilt gelle der Grundsatz, dass der Zwischenraum gleich der zehnfachen Tiefe sein kann. Je tiefer die Graben, desto weniger braucht man davon Elwa 2 m liefe Graben konnen in Zwischenraumen von circa 20 m angelegl. werden. In imdurchdringlichem Lehmboden odei' Moden aus sehr feinem. gut gesetztem Sande muss der Zwischenraum na- turlich enger werden als in durchliissigen Boden. Wurden derartige Graben offen bleiben, wurde zuviel Boden- flache verloren gehen, z. B. bei 2 m tiefen Graben circa 5 m 2 auf je einen laufenden Meter. Es vverden daher Drainrohren eingelegt. Wenn die Rohren in der Nahe zu haben sind, kommt die Drainage mit diesen am billigsten zu stehen. Doch haben sie den Fehler, dass die Wurzeln zu leicht in dieselben einvvaehsen und sie verstopfen, was durch einen grosseren Durchmesser oder sehr liefes Einlegen und andere Mittel verhindert. wird. Der Weinbauer hilft sich zumeist mit Steindohlen aus Steinen, welche er ohnehin zumeist beim Rigolen gewinnt, oder mit Faschinen. In den ausgehobenen Graben werden dickere Steine langs der Seilen, daruber aber mehr flache Steine so gelegt, dass ein kleinerer Kanal entsteht. Daruber kommen nun, ca. 30 cm dick, kleinere Steine oder Kohlenlosch (wo das zu haben) aufgeschiittet, iiber diese Auf- schiittung legt man Rasenziegel mit dem Rasen nach unten und nun wird der Graben mit Erde zugeschatlet. Hat man keine Steine zur Verfugung, so kann man sich mit Faschinen helfen oder werden in den Graben in Entfernungen von ca. 30 cm starke Holzgabeln auf- gestellt und daruber Gestriipp und ahnliches Material gelegt. Wo Steine bei der Hand sind, kostet der laufende Meter einer solchen Drainage ca. 34—58 Keller. Mit 80—120 K beilaufig lasst sich der- artig ein 1 .Joch grosses Grundstiick entvvassern, eine ganz kleine Ausgabe im Verhiiltnis zu den erreichten Vorteilen, namentlich dem besseren Gedeihen der Reben und der Sicherheit vor Abrutschungen. Und gerade die let.zt.eren machen in frisch rigolten Weingarten am meisten Schaden, sei es infolge unvernunftigen, seltsamer Weise noch immer zu haufigen Rigolens langs dem Gefiille, oder infolge grosserer Ansammlung von Wasser im Untergrund durch den aufnahms- fahigeren gelockerten Boden. - 9 Die Drainage wird am besten schon vor dem Higolen durch- gefuhrt, and beim spateren Rigolen werden die Sob len der einzelnen Rigolgraben gegen die Drainagegriiben zu einigermassen geneigt ge- machL Dies fijrdert den, besonders bei nndurchlassigen Boden ge- vvichtigen Umsland, dass sich eher Kanalchen gegen die Draingriiben bil den, durch welche das Wasser bestiindig gegen dieselben abge- zogen wird. 4 . Oberirdische Ableitung des Niederschlagswassers. Grosse Bodennasse ist aus vorangefuhrten Griinden den Wein- garten sehr schadlich. Das Niedersch!agswasser, welches oberirdisch abfliesst, ist aber auch nicht gar unschuldig. Es scnadet namenilich bei starken tiiissen durch Absclnvemmungen und zwar desto mehr, je feinerdiger der muss unbedingt behoben werden, sonst werden die veredeiten Amerikaner bald nur mit den untersten Wurzeln noch daran hangen. Beim Ableiten des Niederschlagswassers beberzige man folgende Grundsatze ; 1. Man verhindere unbedingt, dass sich viel Wasser ansammeln kann, durch entsprechend dicht angelegte Quergriiben. 2. Das in den Quergraben gesammelte Wasser mussj unschad- lich aus dem Weingarten abgeleitet werden in grbssere Ablaufgriiben, welche am besten mit grosstem Gefalle vom Fusse gegen den Scheitel des Berges zu angelegt werden. 3. Die Erde, welche das Wasser den noch abgeschvvemmt hat, muss zuriickgehalten vverden. Dies geschielit, wenn die Quergriiben beinahe horizontal angelegt werden oder mit Hilfe von Fanggruben. je alter die An- lage wird und Boden ist, je mehr er sich gesetzt hat, je weniger Wasser er aufnehmen kann. DieserUbel- stand aussert sich in rigolten Boden immer araer. ie Fig. 1. — 10 — Kleine Ouergraben, etwa vvie Furchen, konnen audi noch nadiher, wo clie Reben schon ausgesetzt sind, angelegt werden und zvvar je mehr desto besser. Mil diesen verhinderl man, dass zn viel Wasser zusammenkommt, vvelches, je mehr gegen den Fuss, durch deslo grossere Masse immer mehr Erde mitreissen vviirde. Unbedingt. vor dem Setzen werden, doch je nach dem Gefalle und der Feinerdigkeit des Bodens, in Zvvischenraumen von je 20 bis 50 m ordentliche Quergraben angelegt, welclie audi grossere Mengen Wasser fassen und langsam, nachdem sich die angeschwemmte Erde gesetzt bat, in die Abzugsgraben ableiten konnen. Am regelmilssigsten werden sie angelegt. falls man sie in einer gewissen Hohendifferenz, z. B. je 5 m, anord- net und dann in den beziiglichen Schich- tenlinien aussteekt. Diese Graben leisten auch gute Dienste als Communications- mittel und dienen als Wege. Sie sollen ge- raumig sein, dass d as Wasser audi bei starken Giissen nicht iiberlaufen kann. Sie sollen aber audi ein genugen 5 — 10 cm Gefalle. Bei diesem geringen Falle beruhigt sich das zustromende Wasser in diesen Graben und lasst. die angeschwemmte Erde zu- rilck. Bei starkem Gefalle wiirde die angeschwemmte Erde mit- gerissen, vvie auch die Sohle der Griiben ausgerissen vverden. Gleich- mitssiges Gefalle kann aber nur mittelst. einer Abvvaglatte oder irgend einem einfachen Gerate zum Nivellieren eingehalten vverden. Einfach nach dem Auge lasst sich dies nicht leicht machen. Wo Steine zur Verfugung stehen, vverden diese Graben an der unteren Seile mit Sliitzmauern befestigt (Fig. 1). Wo keine Steine vorhanden, vvird die Boschung unter denselben mit Rasen befestigt. Stutzmauern haben den mit bedeutenden Vorteilen verbundenen Zvveck, das Ge¬ falle zu verflachen, Figur 2. ganz geringes Gefalle haben, auf 10 m Lange 11 Werden Stutzmauern angelegt, so steckl, man die Sohle der- selben vollkommen wagrecht ab. Das Gefalle wird in der Maner selber hergestellt, indem man dieselbe von der Mitte aus nach beiden Seiten etvva 1 / 2 °/ 0 abfallend macht. Die Mauern mussen ordentliche Fundamenle haben, daher wird die Erde bis zum festen, gewach- senen Boden ausgehoben und nach der oberen Seite geworfen, so dass sie hinfer die Maner zu liegen kommt. In Weingarten werden zu- meist Trockenmauern wegen ihrer grosseren Billigkeit und Wasser- durchlassigkeit aufgefuhrt. Mortelmauern in Weisskalk oder hydrau- lischem Kalk werden bei weniger dauerhaften Steinen am Platze sein. Bei den Mortelmauern mussen doch auf je 1'5 m 2 Flache Wasser- abziige, am besten durch eingemauerte Tonrohren, belassen werden. Zum Mauern der Fundamente nehme man die grossten und schvversten Steine. Auf' der Bergseite wird die Mauer senkrecht auf- gefuhrt und wird nur auf der Luftseite scarpiert (geneigt gemacht). Diese Neigung ergibt sieh durch die Versehiedenheit in der Dicke am Fusse und am Scheitel der Mauer. Am Fusse soli dieselbe doppelt so dick sein als am Scheitel. Je hoher die Mauer wird, desto dicker muss sie sein. Am besten ist tur Trockenmauern das Verhiiltnis, dass die Slarke an der Sohle die Halfte der Hohe ausmacht. Wo es etwa wegen Mangel an Material nicht angeht, durchaus dicke Mauern zu machen, werden wohl auch schwachere aufge¬ fuhrt und in gewissen Abstanden mit Strebepfeilern verstarkt. Eine 2 m hohe Mauer wird unten beispielsweise 70 cm, oben 35 cm dick gemacht. Nach oben wird die Mauer mit Erde oder Rasen oder grossen Decksteinen, die man mit Hilfe von Erde unter denselben auf der Mauer ausgleicht, abgeschlossen. Die Mauern ragen iiber das obere Erdreich empor, um das Gefalle zu verflachen und werden hinter demselben die Wassergr;'iben angelegt, indem man etwas Erde an die Mauer anzieht. Die Ablaufgraben werden ca. 50—100 m weit auseinander an¬ gelegt. Bei unregelmassigem Terrain kommen sie in die Mulden, in welchen ohnehin schon von Natur aus das Wasser zusammenfliesst. Sie werden geradeaus vom Fusse des Berges zum Scheitel ausge- fuhrt. Solche Graben mussen naturlich geniigend geraumig sein, dass sie das ganze Wasser fassen konnen. Im oberen Teile, in welchem sich noch wenig Wasser ansammelt, konnen sie mehi' seicht, sein. Man mache sie ca. 30 cm tief und 1 m breit, da konnen sie, be- 12 — sonders weim das Geliinde nicht sehr steil ist, einfach mil einer Rasennarbe bedeckt sein. Im unteren r L’eile jedoch, wo schon viel Wasser zusammenkommt, soilen solche Graben doch geraumiger, tieler und deren Wandungen wie auch die Solile, besonders in steileren Gelanden mit Steinen befestigt. sein. Wo keine Sleine zur Verfugung sind, konnen in solchen Graben auch gut. impragnierle Holzbalken, ahnlich wie Stufen, quer gelegt werden, iiber welche sodann das Wasser ohne Schaden cascadenartig fliesst. Solche Graben dienen auch zur Communication als Wege, eine betjueme Anordnung von Stufen in denselben ist also uberhaupt sehr zvveckdienlich. Da sie ziemlich Flat.z einnehmen, \vodurch eine Reihe Reben ausfallt, kann der Raum dadurch ausgenutzt werden, dass er mit. Dachlauben iiberdeckt wird (Fig. 2). Bei starken Gussen, namentlich vvenn die Horizonlalgriiben etwas zu sleii sind, konnte doch immerhin etwas Erde abgeschwemmt werden, es ist daher angezeigt, an passenden Stellen, so z R. an den Enden der Horizontalgraben, Fanggruben anzulegen. 5. Fahrvvege. In kleineren Weingarten oder kleinen Abteilungen, namenllich in solchen, \velche an der Strasse liegen, geniigen die als Wege be- niitzten Griiben vollkommen. Aber auch an solche muss man bequem und billig verschiedene Materialien auf Fahrwegen oder mit anderen Mitteln zubringen konnen. Bei grossen Gomplexen wird aber ein ra- tioneller Weinbauer dafiir sorgen, dass er innerhalb des \Veingartens selber grdssere Lasten bequem und billig transportieren kann. Dazu — 13 — leisten bequeme Fahrwege vorziigliche Dienste. Sie verbilligen den Betrieb ausserordenllich, da sie das Zufiihren des Dungers und an- derer schwerer Materialien ermoglichen. In abschiissigen Lagen vverden die Fahrwege in Serpentinen so angelegt, dass sie auf 10 m Lange hochstens 1 m fallen. Man wird wohl besser tnn, geringere Steigungen zu wahlen, da bei einer 10% Steigung bei normaler Leistung leichfes Zugvieh seine normale Zugkraft beinabe fur den leeren Wagen aufbraucht und sich fur die aufgeladene Last abnormal anstrengen muss. Es ware besser, eine hochstens 8% Steigung ein- zuhalten. In den Kriimmungen aa und in gewissen Zwischenraumen bb miissen wagrechte Streeken, Ruheplalze angelegt werden, damit das Zugvieh dort ausschnaufen kann. Haben die Wege nur eine Fahr- babnbreite von 2'5—3 m, wie sie fur Weingartenwege geniigt. so miissen in gewissen Dislanzen bei 4'5 m breite Ausvveichplatze b, Fig. 4 und an passenden Stellen Abladeplatze fur Diinger, Stecken et.c., wie in Fig. 4, e, angeordnet werden. Die Fahrbahn sei gegen die Bergseite zu geneigt und an dieser Seite wird das Regenvvasser mittelst Grabens abgeleitet. Damit die Fahrstrasse mogliehst billig wird, soli sie sich eng dem Terrain anschliessen, um zu viele Erdarbeiten, Mauern etc. an derselben zu ersparen. Man arbeite daher sorgfaltig mit dem Ni- vellierinstrument oder der Wasserwage und den Absehkreuzen. Wo es nicht angeht, Fahrwege anzulegen, hilft man sich mit Auf- ziigen. Die einfachsten wiiren solche auf Drahlseil. J 6. Anlage von Schutzmauern und Schutzpflanzungen. Eme wenn auch sonnige Gage ist nicht immer die beste, \venn Winde, namentlich kalte Winde, iiber dieselbe hinstreichen konnen. Wo viel Steine beim Rigolen herausgebrocheii werden, wurde sich auch sehr empfehlen, falls diese gegen die Windseite in Form von Trockenmauern aufgeschichlet. werden mbchten. Die Warmeverhalt- nisse, daher die Giite de? Weines wiirde sieh viel besser ge- stalten. Ahnliches kann man auch durch Schutzpflanzungen erzielen. Es best.eht die Erfahrung, dass durch Anpflanzungen geschutzte Lagcn bedeutend besser sein konnen, als solche, welche frei vom Winde beslrichen werden. 7. Das Planieren. Der rigolte • Roden wird vor dem Auspflanzen der Reben sehon geebnet. Dabei achtet man darauf, dass der gelockerte Boden iiberall gleich tief bleibt und dass Bodensenkungen mbglichst gut, ausgefiillt. werden. Wird im Herbste rigolt, liisst man die beim Rigolen ent- slandenen Kamme iiber Winter. damit der Frost auf eine grossere Erdoberfliiche einwirken kann. Planieri. \vird erst im Friihjahre. % II. Das Setzen. 1. Abzeilen vor dem Setzen. Vor dem Abzeilen wird man wohl iiberlegen, wieviel Raum man jedem Stccke anweisen soli. Dies riehtel sich je nach den Ver- hrdtnissen. Die Reihenentfernung gehe nie unter 1 m. fn der Reihe sollen namentlich auf amerikanische Unterlngen veredelte Reben auch nicht. unter ein Meter kommen. Wo infolge der Giite des Itodens eine starkere Entwicklung des Stockes zu gewartigen ist, gehe man lieber mit den Reihen 120 — 1 30 m auseinander. Sollen da die Reben nur auf Zapfen geschnitten werden, kann man eine Stockweite von beilšiufig 1 m beibehalten. Beabsichtigt man eine liingere Erziehungsart oder Schnit I metli ode, riicke man auch mit der St.ockweile auseinander. In irockeuen, heissen Lagen, bei schvviicher- \viichsigen Sorten, niederer, mehr kurzer Erziehung, wo zur rechlen 15 — '/eit. durch zvveckmassige Laubarbeiten der Weingarten mehr lieht gehalten \vird, konnte so eine Stock- aber auch Reihenweite eine Platzverschwendung sein, die sich darin mit der Zeit ungiinstig iiussern miisste, dass bei der Bearbeitnng einer grdsseren Flache die- selbe auf weniger Stocken doch \veniger Ertrag abgeben wiirde- Strebt man bessere Qualitalen an, wird man wohl auch jedem Stocke mehr Platz gonnen. Beabsichtigt man, den Weingarten mitGespann- geriiten zu bearbeiten, gehe man mit den Reihen auch nicht unter 1 30. m. Diese Bestimmung des Raumes fur die Stocke verlangt daher ein bedachtiges Uberlegen fur jeden speziellen Fali und soli nicht nach einem Schema geschehen. Bei amerikanischen Unterlags-Reben mbge man wobl auf deren slarkere Wurzeln auch Rucksicht. nehmen. Reim Abzeilen wird zu allererst die Reihenrichtung bestimmt. In ebenem Geliinde oder bei reinen Sudlagen halte man die Miltags- linie, die Linien des Meridians, die Richtung vom Norden gegen Stiden ein. Die Mittagslinie wird mittels Compasses gefunden, oder nach dem Schatfen, den ein senkrecht aufgestellter Plahi gennu zu Mittag fallt. Der Vorteil dieser Mittagslinie ist der, dass sich die Stocke wiihrend der heissesten Miltagszeit beschatten, der Boden doch voll- kommen von den Sonnenstrahlen getroffen und erwarml wird, was ziemlich hoch zu veransehlagen ist. In nicht zu steilem Geliinde werden die Reihen auch senkrecht auf das Gefalle quer uber den Abhang gezogen, damit die Erde bei der Bodenbearbeitung nicht nach unten gedrangt wird. Werden da zwischen den Reihen noch Furchen ausgehoben, so ist man auch gegen das Absch\vemmen sehr gut geschutzt. Wo mit Gespanngeraten gearbeitet werden soli, muss unbe- dingt diese Reihenrichtung eingehalten werden. In steilem Geliinde lege man doch die Reihen oder Arbeilsrichtung in das stiirkste Ge- fiille vom Fusse des Berges gegen den Scheitel zu. Ist das Terrain ungleichmassig, weist ds tiefe Mulden und erhohte Nasen auf, an- dert es das Gefalle nach verscbiedenen Richtungen, da halte man sich aucli nicht engherzig an eine besfimmte Reihenrichtung, sondern man ricbte sich nach dem Terrain und passe die Reihenrichlungen dem Gefalle nach verschiedenen Seilen an. Nachdem diese Linien (Ordinaten) ausgesteckt sind, \verden rechtwinklig auf dieselben Leil- linien (Abscissen) errichtet, in Zwischenraumen beilaufig so weit, dass man mit den Abzeilschniiren von einer bis zur anderen dieser Leitlinien reichen kann. In diesen Linien werden die Reihenentfer- — 16 — nungem z. B. mit Pfahlen markiert. Man braučht nun nur an je zwei correspondierenden Punkten zwischen je zwei solchen Leitlinien eine Abzeilschnur"zu spannen und an den Marken Pfahle einzulegen. Als Ausgangspunkt einer neuen Reihe wird entvveder die Marke an der Leitlinie (Abscisse) genommen, wobei sich die Querreihen mit den Langsreihen rechtwinklig schneiden, nach jeder Richtung gerade ver- laufen werden, oder, was zweckmassiger ist, der Band des Horizontal- grabens, \vobei die Querlinien mehr mit den Schichtenlinien des Terrains zusammenfallen. Beim Abzeilen braucht man starkere Schnure, Abzeilschnure. Solche sind tur diesen Zweck in der Hand eines ge- schickten Arbeiters recht gut. und es ist ein miissiges Unternehmen. besseren Ersatz hiefiir erfinden zu wollen. Die Stockweit.e, bezw. Reihenweite wird auf den Schniiren am besten mit feinem verzinnten Draht, den man an den betreffenden Stellen, welche man vorher mit Tinte bezeichnet. hat, durchsteckt und fest. umwiudet, oder mit ein- gezogenen farbigen Wollfaden oder farbigen Bandern etc. markiert. Beim Gebrauehe dieser Schnure moge man nur aufpassen, dass sie nicht nass Werden und dass man sie immer gleichmassig spannt. Beim Abzeilen vermeide man nach Tunlichkeit kiirzere Reihen, sogenannte Zvvickel, zu gewinnen. Die Form der Grundstiicke ist zwar selten ganz regelmassig. Ist der Bnterschied zwjschen der unteren und der oberen Seite nicht gross, z. B. dass die untere Seite bei 100 Reihen um 10 m langer ware als die obere, so kann man diese 10 m auf die 100 Reihen vertheilen, indem man sie unlen einfach zu je 10 cm breiter macht. Wurde man jedoch die Reihen uber 10 m verbreitern miissen, so legt man lieber kurzere Reihen ein. Es gibi noch viele Methoden des Abzeilens, doch die beschrie- bene ist die zweckmassigste. Als Abzeilpfahle kann man schwaehere, bllligere Pfahle nehmen. Bei Pfahlen aus alten Weingart.en, die man zu dem Zvvecke beniilzt, sei man doch vorsichlig, besonders wenn in den alten Weingarten Wurzelfau)e gehaust hat. In diesem Falle ist es angezeigt., solche Pfahle unten anzubrennen oder sie wenigstens ziemlich weit. frisch zuzuspitzen. Man moge wohl stets den praktischen Zweck vor Augen haben, schbne, gerade Linien in der Reihenrichtung, gleichmitssige Verthei- lung des Raumes fur die einzelnen Stocke, leichtere Bearbeitung, be- sonders bei ungunstigen klimatischen Verhaltnissen bessere Ausniilzung — 17 der Sonnenwiirme etc.; auf' die Schonheit der Querlinien kann man doch wohl verzichten, diese lassen sich ohne nutzlose Opfer iiber- haupt nicht lange in ihrer Schonheit erhalten. 2. Wann wird ausgepflanzt? Je zeitlicher man setzt, desto besser. Der Boden soli aber da- zumal nicht zu kalt, besonders nicht gefroren sein. In nocli zu nassen Boden setzen, taugt auch nicht. Ist. der Boden schon fruher vorbe- reitet, kann man auch mit Vorteil im Herbste setzen. Aus der Bebschule werden die Setzlinge ausgegraben, ehe sie in Saft kommen. Kann man sie nicht sofort. pllanzen, so werden sie am besten in einem kiihlen Keller in Sand gut eingeschlagen. Da vverden sie nicht zu friih austreiben. Im Notfalle kann man noch anfangs Juni die Beben aus der Bebschule nehmen und iibersetzen, wenn sie auch schon ziemlich lange Triebe haben. Einer dieser Triebe wird beim Ubersetzen auf ein Auge eingekiirzt, die iibrigen ganz beseitigt. Allein mit diesem spaten Ubersetzen ist mehr Bisico verbunden, be¬ sonders wenn die Beben lang ausgetrieben haben, das Anwachsen ist dann doch sclnvacher, es bleibe daher nur ein Notbehelf, haupt- sachlich zu etwa erforderlichem Nachsetzen. Man mache sich bei der Neuanlage iiberhaupt zum Grundsalz, gediegen vorzugehen, sich nicht auf Zufalligkeiten zu verlassen. 3. Was fiir Setzlinge setzen wir? In unseren Verhaltnissen wird heutzutage ein verniinftiger, fiir die Zukunft wohl bedacbter Weinbauer nur veredelte, gegen Beblaus widerstandsliihige, fiir den beziiglichen Boden passende amerikanische, selir gut verwachsene und bewurzelte Beben setzen. So erreichl er am schnellsten, sichersten und relativ billigsten sein Ziel. Beziiglich des Alters der Setzreben moge der Umstand beherzigt werden, dass junge sicherer und besser anvvachsen, als iiltere. Allere fangen zvvar fruher zu tragen an, doch werden sie mit Erfolg nur in einem guten humosen Boden, bei entsprechender Vorsicht, bei mogliehster Scho- nung des Wurzelapparates iibersetzt. Im Weingarten, wo man viele tausend Beben auszusetzen hat, wiire soleh eine kostspielige, zeit- raubende Vorsicht kauin moglich und am Blatze. In die Weingarten 2 — 18 — werden wir am besten ein- oder hochstens zweijahrige veredelle Reben setzen, also solche, \velche von im vorigen Fruhjahre veredellen Schnitt- oder einjahrigen Wurzelreben entstanden sind, oder zvvei- jahrige, im zweiten Jahre griinveredelte Slupfer. Besonderes Gewicht lege man darauf, dass die Setzreben \vohl bezuglieh der Verwachsung und Bevvurzelung, sovie Frische vollkommen tadellos sind. Man suche unter dem Guten noch das Bessere aus, sonst bat. man Eni tiluschung, nutzlose Muhe, Auslagen und Zeitverlust. Die Verbindung muss derart sein, dass man voraussetzen kann. dass sich geniigend Gevvebe ausbilden konnen, um den Verkehr zwischen Edelsorte und Unlerlage zu vermitteln. Abgestorbene Sehnittflachen von der Veredlung konnen nie ver- wachsen, es konnen sich die weiteren (lewebe nur aus dem das Edelreis und die Unterlage bereils verbindenden Gewebe weiter enlwickeln. Was die Liinge des Wurzelstammes anbelangt., so wird man wohl am besten bei dem von altersher ublichen Masse, wenigslens in den steileren Abhiingen, bleiben. Wir haben doch bereils altere, priichtige Besliinde, welche mit nach altem Mass zugeschnittenen Unterlagen angepdanzt worden sind, diese liaben auch bezuglieh der Dauerhafligkeit ziemlich die Feuerprohe bestanden. Wozu sollen wir auf einmal zu den kurzen Reben mit ihren problematischen Vor- teilen libergehen? Angezeigt. ist es auch, die Reben zu sorlieren und die schwa- cheren zusammen, die sliirkeren, besser bewurzelten, zusammen aus- zupflanzen, damit. bei allen die Kraft, im Kampte ums Dasein im Gleichgevvicht erhalten wird. Beziiglich der Unterlagssorten wahle man stets die far den beziaglichen Boden passenden Sorten, in unseren Verhaltnissen vor- wiegend Riparia portalis. Was die edlen Sorten anbelangt, so lasse man das iibliche Anlegen ganzer Sortimente und beschranke sich auf wenige, den Verhaltnissen am besten anpassende Sorten, dahei am meisten die an Ort und Stelle schon gemachten Erfahrungen beriicksichtigend. Man lasse sich nicht zu sehr von den Anpreisungen einer an Ort und Stelle unbekannten Sorte verleilen, bevor man konkrete Erfabrungen gesammelt bat. — 19 — 3- Vorbereitung der Setzreben vor dem Auspflanzen. Ein gutei* Erfolgsetzt die Bedingung voraus, dass die Setzreben mbglichst. frisch erhalten werden. Je saftiger sie bleiben, desto sieherer und besser werden sie anwachsen. Die Wurzel ist ein fur den Boden, durch welchen sie gegen Troekenheit und K alte geschlitzt wird, be- stimmtes Organ. Die Natur hat sich daher nicht. veranlasst gefunden, es gegen diese Unbilden durc-h Hiillen zu schiitzen, wie sie es beim Stamm durch die Borke getan. Der Pflanzenzuchter wolle dies wobl zur besonderen Kenntnis nehmen. Schon beim Ausgraben aus der Rebsehule mbge man die Wuizeln sofort. mit Erde bedecken. An frostigen Tagen mbge man sie uberhaupt nicht ausgraben. Mussen die ausgegrabenen Reben bis zum Auspflanzen in den Weing;irten durch langere Zeit aufbewahrt vverden, werden sie in einem kiihlen Raume derarlig in den Sand eingescldagen, dass alle Wu'rze]n mbg- lichst. vollkommen von diesem umgeben werden, ohne dass Luftritume verbleiben. Am besten ist es, die Bundel aufzubinden und auszu- breilen oder nur oben locker zusammenzu- binden und die unteren Teile ordentlich auszu- breiten. Damit. die Wurzeln nicht schimmeln, kann man sie auch mit ein wenig Holzkohlen- pulver bestreuen. Sehr angezeigt ist es, die Setzreben 2 — 3 Tage vor dem Setzen in Wasser oder in einen dunnen Brei von Wasser, Kuhfladen und Lehm einzustellen. In den Weingarten diirfen sie auf keinen Fali unbedeckl im trockenen Winde oder in der Sonne transportiert werden, sondern vvenigstens in nasse Tucher gul. eingewickelt. Beim Setzen passe man auf die Arbeiter besonders auf, damit sie nicht auf einmal mehrere Setzreben aus dem Lehmbrei, in welchem sie stecken, herausnehmen und bis diese in den Boden kommen, lange Zeit in der Sonne und im Winde herumschleppen, vielmehr sollen sie diese in handlichen mit Lehmbrei gefiillten Gefassen, oder wenigstens in nasse Tucher gehiillt mit- tragen. Gar viele Reben kommen in Neuanlagen schlecht weiter und viele Weinbauer haben grossen Schaden, weil sie solche scheinbare 2 * — 20 — Kleinigkeit iibersehen. Vor dem Setzen werden die Setzlinge auch entsprechend beschnitten (Fig. 6.). Den Trieb schneidet man auf zwei Augen zuriick. Eins davon ist gut entwickelt, das untere zweite ist beinahe unsichtbar. Beim Beschneiden der Wurzeln traehten wir, die Fusswurzel besonders zu kraftigen, die sind, als gegen Frost und Durre am siehersten. am \vichtigsten, werden aber von den oberen giinstiger gestellten benachteiligt. Wir schneiden daher alle Seiten- wurzeln glatt. weg. Die Fusswurzeln lassen wir aber je langer, desto besser. Je dunner nnd junger der Teil dort. ist, wo wir die Wurzeln einkiirzen, desto mehr haben sie das Vermogen. frische VVurzeln, Adventiswurzeln, zu treiben, desto sicherer und besser wachst die Rebe an. Doeh gar zu lange Wurzeln erschweren das Setzen. Man halle daher ein verniinftiges Mass ein und kurze die VVurzeln auf ca. 10—15 cm. Dieses Zuschneiden soli aber nicht im VVeingarten selber, in Wind und Sonne geschehen, sondern zu Hause, im kiihlen feuchten Keller, am besten, ehe man sie in den friiher erwahnten Lehmbrei eintaucht. S. Das Setzen. Am besten wird in Gruben gesetzt. Diese \verden mit schmalen Setzhauen gegraben. Die Gruben braucht man nicht zu breit zu machen, die breiten verteuern unnotigerweise die Arbeit. Sie sollen aber etwas tiefer sein als die Setzreben lang sind. Wo sehr tief rigolt worden ist, so dass die fruchtbare Ackerkrume zu tief untergebracht. \vurde, dort ist. auch zu befurchten, dass die Reben mit ihren VVurzeln nur in den toten Boden kommen. In dem Falle werden absichtlich tiefere Gruben atisge- hoben, in welche etwas Compost oder fruchtbare Erde geschultet wird. So ver- binden wir die VVurzeln mit dem tiefer vergrabenen fruchtbaren Boden. Vor dem Pfahle soli die VVand der Grube moglichst senkrecht sein, damit man die Setzreben senkrecht vor dem Pfahl setzen kann. Unter die VVurzeln kommt etwas gut verrotteter Compost. Unzersetzter Dunger passt daher in keinem Falle. Auf den Compost kommen die Setzlinge genau vor dem Pfahl-senkrecht und so tief, dasš die Veredlungsstelle in die — 21 Ebene der Erdoberflache kommt (Fig. 7). Schiefes Setzen hat keinen Sinn, fordert nar die Wurzelbrut und hat noch ungleichmassige Hewarzelung zur Folge. An Stellen, wo man erwartet, dass die Erde abgeschwemmt wird oder sonstwie weg kommt, setzt man tiefer, an Stellen, wo voraussichtlich der Boden wach.sen wird, seichter. Die VVurzeln werden schon ausgebreitet, werden mit guter, feiner Erde oder besser Compost zugeschultet und fest angedruckt. Sehr schad- lich sind den Wurzeln Hohlraume um dieselben, daher muss man von unten auf gut andrucken. Hat man Wasser bei der Hand, kann man die Reben auch gut einschlemmen, sobald die Graben etwa halb voli sind, was den Zweck hat, die Erde besser an die Wurzeln zu bringen. Nachdem die Grube vollkommen zugeschultet ist (ein An- driicken ganz oben hat keinen Zweck) wird noch iiber den oberen Teil der Rebe, welcher aus dem Roden guckt, ca. 2 cm hoch feine Erde angehaufelt, sonst trocknen die zarten Triebe beim Antreiben der Rebe gerne ab. Beim Setzen mit Stallmist zu diingen ist nicht gerade zvveckmassig. Nur in sehr mageren Boden und beim Mangel an Compošt wird mit allem, gut verrottetem Stallmist gediingt. Die Grube wird zuerst bis zur Halfte zugeschiittet, die Erde etwas an- gezogen und so, nicht direct an die Reben, eine schwache Gabel voli Mist gegeben und gut angetreten. Die junge Rebe, \velche sich erst einvvurzeln muss, kann ja doch keine grossen Dungermengen brauchen. Gewohnlich wird erst im nachsten Herbst nach dem Setzen ordentlich mit Stallmist gediingt. Beziiglich des Gompostes ist aber auch eine grosse Vorsicht ratsam. In selben legen die Mai- kiifer mit Vorliebe ihre Eier und so werden die Engerlinge ofter namentlich nach Flugjahren in die jungen Weingarten uberlragen, vvo sie riesigen Schaden anrichten konnen. Daher heisst es, den Compost vor der Verwendung ordentlich umarbeiten. III. Arbeiten in den ersten Jahren nach dem Setzen. a) Im ersten Jahre. 1. Aufraumen. Sobald sich nach dem Setzen ober den Reben eine harte Kraste bildet, welche den Durchbruch der jungen Triebe hindern — 22 — konnte, wird vorsichlig gelockert, doch aufgepasst, dass die zarten gelben Triebe noch nicht ungedeckt bleiben. Solche Triebe sind ausserst empfindlich und wiirden bald eintrocknen. Ein zu fruhes Aufraumen kann daher grossen Schaden bringen. Sobald aber die Triebe genugend erstarkt sind, wird so weit aufgeraumt, dass die Veredlungsstelle frei \vird, sonst wiirde sie bald Wurzeln treiben. was auch sehr schadlich ware. Jene Reben, welche nicht austreiben wollen, werden aber so tief aufgeraumt, dass die Unterlage allenfalls aus einem tieferen Knoten austreiben konnte, um im nachsten Jahre einen Trieb davon grlin veredeln zu konnen. 2. Nachsetzen. Hat man in der Rebschule oder im Keller noch vorratige Setz- linge, tut man am besten, wenn man diese an die Stelle derjenigen, welche nicht anwachsen wollten, nachsetzt. Dieses Nachsetzen kann mo n noch bis in die erste Hillfte Juni fortsetzen. Man fahrt dabei jedenfalls besser, statt zu warten, dass noch hie und da eine von den verspateten, zuerst ausgesetzten Reben austreibt. Diese wurden ohnehin langere Zeit schwach bleiben, wenn sie iiberhaupt auf- kommen, daher ist es jedenfalls besser, sie rechtzeitig herauszmverfen. VVird schon im ersten Jahre nachgesetzt, so werden die ausgewiihlten nachgesetzten Reben in noch lockerem , unbeschatteten Boden, durch die kriiftigen Wurzeln der alteren Nachbarreben noch nicht beeintrachtigt, besser gedeihen, als wenn man erst im nachsten Frlih- jahre oder sogar spater nachsetzt.. Auf diese Weise lasst sich ein luckenloser Bestand des Weingartens, das Ideal, welches jeder ra- tionelle Weinbauer anstreben muss, erzielen. In der ersten Halfte Juni lassen sich mit noch ziemlich gutem Erfolge sogar die Reben aus der Rebschule, wo sie bishin bereits ziemlich lang ausgetrieben haben, iibersetzen. Die Triebe werden in dem Falle auf ein Auge zuruckgeschnitten. Doch muss besonders darauf' Bedacht genommen werden, dass sie beim Ubersetzen ganz frisch bleiben. So libersetzte Reben liolen im Wachstume die erstgesetzten noch ein. Zum Nach¬ setzen lassen wir im Friihjahre beim Ausheben aus der Rebschule einige im vorigen Jahre eingelegte veredelte Reben oder vorjahrige vvilde, unveredelte Wurzelreben zuriick. — 23 — 3 . Bodenbearbeitung. Im ersten Jahre nach dem Rigolen hat man zwar nicht besonders mit dem Unkraute zu kampfen, doch handelt es sich um eine oftere Lockerung des Bodens, damit die Reben gut gekraftigt werden. Es ist daher sehr angezeigt, auch in Neuanlagen im ersten Jahre drei- mal zu hauen. 4. Ausbrechen und Anbinden der Triebe. Das Ausbrechen aller Triebe bis auf einen, natiirlich den schonsten, fordert die Entwicklung des Stockes ausserordentlich. Auf diese Weise erzielt man einen kraftigen Trieb, mit einer grossen, gut entvvickelten, produktiven Blattflache, welche auch die Einwur- zeiung fordert. Dieser eine Trieb ergibt im nachsten Jahre aber auch einen kraftigen Zapfen mit kraftigen Augen, was ein Weinbauer wohl zu wiirdigen wissen wird. Dieser Trieb wird aber noch besonders dadurch gestarkt, dass man ihn schon vertikal auf den Pfahl auf- bindet. Dadurch wird besonders die Geizbildung zuriickgehalten, welche durch den Verbrauch von Baustoffen den Stock immer schwacht. Diese Behandlung der jungen Reben ist wohl viel zweck- massiger als das ubermassige Diingen beim Setzen und andere, gar oft versuchte Kunsteleien. 5. Schutz vor Winterfrost. Frisch gesetzte Reben treiben naturgemass viel spater aus als altere und die naturliche B^olge davon ist die, dass die Triebe nicht so gut ausreifen konnen. Nicht gut ausgereifte Triebe sind aber gegen Winterfrost empfindlich. Aufgabe des Weinbauers ist es daher, sich durch einen zvveckmassigen Schutz, welchen er seinen Pfleglingen gegen Winterfrost angedeihen lasst, vor etwaigem Schaden zu schutzen. Dies erreicht er teilweise dadurch, dass er etwa anfangs October die Triebe ca. 30 cm hoch abschneidet, dadurch fordert er die Reifeder unteren Teile. Dann folgt das Zudecken wenigstens der unteren Augen mit Erde. Dies geschieht durch das Anhaufeln mit moglichst trockener Erde und erst unmittelbar bevor die starkeren Froste zu ervvarten sind. Wird mit feuchter Erde angehaufelt., legt sich diese nicht ganz an und die Augen leiden, so auch durch zu friihes Anhaufeln. — 24 b) Im zweiten Jahre nach dem Setzen. i. Aufraumen. Die im Herbste angehaufelten Reben werden, nachdem die Gefahr der starken Froste voriiber, unbedingt aber vor dem Schnilt aufge- raumt und zwar so weit, dass man auch die oberen Wurzeln, nament- lich die an der Veredlungsstelle, abschneiden kann. 2 . Dungung. Beim Setzen \vird gevvohnlich nicht gediingt. Die jiingeren Reben konnen grossere Mengen von Diinger ja doch nicht ausniitzen. Ge- diingt wird aber am besten in dem den Setzen folgenden Herbste oder Friihjahre, um die Entwicklung des Stockes recht zu fordern. Im ersten Jahre werden die Wurzeln zumeist noch nicht sehr lang sein. Da ist es angezeigt, den Diinger noch an den Stock unterzu- bringen. Die Rebe wird ungefahr bis zur Halfte aufgedeckt, sodann gibt man ihr je eine Mistgabel voli verrotteten Stallmist oder guten Compost, driickt diesen Diinger gut an und verschiittet ihn mit Erde. Ein zu frischer Diinger schadet. Diingt man mit Kunstdiinger, so nimmt man leichter loslichen, besonders dann, wenn erst gegen das Frlihjahr zu gediingt wird, so Superphosphat, schwefelsaures Kali und Chilisalpeter. Diese werden mit Erde durchgemischt und zu den aufgeraumten Reben 10—15 cm tief untergebracht und soviel ver¬ schiittet, dass um die Reben noch Griibchen bleiben, in denen sich das Regenwasser sammelt und die Diingemittel mehr zu den Wurzeln bringt. Wird Chilisalpeter angevvendet, so wird er ja nicht im Herbste, sondern erst im Friihjahre gestreut. 3 . Schnitt. Beim Schnitt werden vorher die Tatnvurzeln abgeschnitten, namentlich jene, vvelche aus dem veredelten Teile hervorkommen. Von dem einen Trieb, der im vorigen Jahre auf j eden Stock ge- zogen wurde, wird je ein Zapfen von zwei Augen geschnitten. 4 . Bodenbearbeitung. In dem dem Setzen folgenden Jahre wird die Haue bereils so ausgefiihrt als wie in iilteren Weingarten. Die erste, die Karsthaue, macht man tief, dieser folgt aber noch zwei- bis dreimaliges Jathauen, — 25 5- Nachsetzen. Ist nicht gleich schon im ersten Jahre nachgesetzt worden, oder vvenn dennoch Liicken enlslanden oder geblieben sind, so wird unbedingt in dem, dem Setzen folgenden Herbste oder Fruhjahre nachgesetzt. In dem noch nicht zu sehr gesetzten und beschatteten Boden werden diese nachgesetzten Reben noch gut gedeihen, gewiss viel besser als die im dritten Jahre nachgesetzten; die noch spater nachgesetzten kommen aber kaum weiter, da sie durch die Wurzeln und den Schatten der Nachbarreben zu stark beeintrachtigt werden. Auf das Vergruben soli man sich aber bei schon veredelten Reben wenigstens in der ersten Zeit nicht ganz verlassen. 6. Ausbrechen und Anbinden der Sommertriebe. Auch in dem dem Setzen folgenden Jahre wird man pro Stock am besten nur je einen Trieb sich entwickeln lassen, damit. dieser besonders kraftig wird. Im Fruhjahre wird pro Stock zwar je ein Zapfen mit je zwei Augen angeschnitten, doch eines von diesen zwei Augen dient nur zur Reserve, falls ein Auge nicht austreiben solite. Ist der Stock jedoch besonders kraftig, so kann man aber auch im zweiten Jahre schon einige Triebe lassen, die iibrigen werden aus- gebrochen. Die belassenen Triebe beginnt man friihzeitig schon aufrecht an den Pfahl zu binden, damit die allgemeine Entwicklun'g, so auch die der Wurzeln fordernd. In diesem Jahre werderf die Triebe schon sehr lang, man >, gebe daher schon in diesem Jahre den Reben normale Weingartenstecken. 7. Schutz vor Winterfrost. In diesem Jahre sind die Triebe bereits gut ausgereift und man hat bezuglich derselben viel weniger den Winterfrost zu fiirchten. Doch \vird man haufig gut tun, wenn man doch noch die jungen Reben mittelst Anhaufelns mit Erde schutzt. Die Erde bei diesem Anhaufeln darf aber auf keinen Fali nass sein. — 26 — 8. Weinlese. Sind gut ausgevvahlte, kraflige Setzreben geselzt vvorden, so geben diese bereits im zweit.en Jahre einige Trauben, vvelche man aber vvohl nicht als nennensvverten Ertrag ansehen kann. c) Im dritten Jahre nach dem Setzen, 1. Aufraumen. Dies geschieht wie im vorhergehenden Jahre, so friih als es geht und so tief, dass die Tauwurzeln leicht beseitigt werden. 2. Diingung. Ist nicht bereits in dem dem Setzen folgenden Herbste, resp. Fruhjahre gedlingt vvorden, so geschehe dies unbedingt jetzt fftr das dritte Jahr. Die Rebe beginnt nun zu tragen, man muss ihre Wurzeln besonders kraltigen, sonst wird sie bald schvvach. 3. Schnitt. Zuerst werden die Tauwurzeln abgeschnitten, sodann \vird pro Stock je ein Zapfen von 3—4 Augen angeschnitten. Auf starken Reben, wie es zumeist die auf amerikanischen Unterlagen a eredelten sind, auf denen man im Vorjahre je zwei oder mehrere Triebe ge- lassen hat., kann man auch mehrere Zapfen anschneiden. Doch šei man zu der Zeit noch immer mehr auf eine kraftige Ent\vicklung der Wurzeln, als auf einen Ertrag bedacht. Die spatere, hohere Er- tragsfahigkeit und die langere Dauer der Stbcke wird den Ausfall an der Ernte im dritten Jahre bedeutend aufwiegen. Die Zapfen werden moglichst auf vorjšlhrigem Holze angeschnitten, damit sie fruchtbar werden. 4. Bodenbearbeitung. Die Bodenbearbeitung wird ebenso wie in iilteren Weingarten durchgefuhrt. 5. Ausbrechen und Aufbinden der Sommertriebe. Ausser denjenigen Trieben, welche aus den Zapfen entspringen, werden alle iibrigen bald ausgebrochen. Kommen je zwei Triebe aus — 27 — einem Auge, wird der schwachere ausgebrochen. Die Zapfentriebe werden aufrecht gebunden. Fiir die im nachsten Jahre beginnende Erziehung lassen wir drei passende Triebe ganz, die ubrigen konnen wir 3—5 Augen ober dem Triebe einkiirzen, sobald sie Trauben haben, solche, welche keine Trauben haben, brechen wir ganz aus. 6. Schutz vor Frost. Im dritten Jahre sind die Triebe geradeso gut verholzt als wie die alten Reben, daher sie auch nicht mehr Schutz verlangen als die letzteren. Erscheint es jedoch zweckmassig sie zu schiilzen, geschieht dies mitlelst Anhaufelns. 7. Weinlese. Im dritten Jahre tragen die Neusatze so viel, dass sie die Stecken bezalt machen. Dies ist eine alte Regel schon vor Anwendung der amerikanischen Unterlagsreben gewesen. Auf den amerikanischen Unterlagen ist jedoch die Entwicklung eine raschere, daher kann unter Umstanden die Lese im dritten Jahre ziemlich ergiebig sein. Die Giite dieses ersten Weines wird zwar durchaus nicht, den Hohe- punkt, erreichen, denn die Giite des Weines steigt mit dem Alter der Anlagen. Dies ist dem Weinbauer seit jeher bekannt. Daher ist es eine Ungerechligkeit gegen die amerikanischen Unterlagsreben, falls man, nach diesen ersten Ertragen urteilend, sie einer geringeren Qualitat, schuldig erklart. VI. Erziehung und Schnitt. 1. Erziehung. Mit der Erziehung ist man beslrebt, der Rebe eine gevvisse Form zu geben. Die Form harigt namentlich von der Lange und Lage des alten Holzes, von der Lange und Lage des Tragholzes und von der Art der Unterstiitzung ab. A. Altes Holz. a) Die Lange des alten Holzes kann sehr verschieden sein. Im Interesse der Giite des Weines ist ein niederer Stock zumeist vorzu- — 28 — ziehen, daher kiirzeres, altes Holz. Unter unseren Verhaltnissen wird am angezeigtesten sein, in den \Veingarten das alte Holz circa 45 cm lang zu ziehen und durch zvveckmassiges Verjungen diese Lange einzuhallen. Auf Hecken wird das alte Holz naturlich langer gezogen. b) Lage des alten Holzes: Bei kurzem, altem Holze kann nur von der senkreehten Lage die Rede sein, langeres kann man doch in verschiedene Lagen bringen. Bei einer verlicalen Lage des alten Holzes, resp. Stammes, werden die Triebe am oberen Ende aus den hbheren Knospen immer die starksten sein, der tiefere Teil des Stammes bleibt mehr ieer. Um in diesem Falle langs des ganzen Stammes fruchlbare, kraftige Triebe zu erzielen, mussen die hoheren Triebe eingekurzt werden. Bei wagrechter Lage des alten Holzes werden die Triebe am Ende wohl noch am starksten sein, doch auch die Triebe an den Seilen entwickeln sich verhaltnismassig kraftig, soleh eine Lage des alten Holzes ist, daher z. B. fur Hecken, Spaliere, am zweckmassigsten. Je hbher wir das alte Holz aus der Wagrechten gegen die Verticale nach aufwarts richten, desto starker wird der Trieb gegen das Ende, je tiefer unter die Wagrechte nach abvvarts, desto starker wird der Trieb an der Basis, am Knie der Biegung. Wird das alte Holz in mehrere Arme geteilt, so wachsen die Triebe auf gleich starken Armen gleich stark, auf denjenigen mit mehreren Augen (z. B. Zapfen) starker als auf solehen mit weniger Augen. Werden die Arme in mehrere Etagen verteilt, wie z. B. bei Spalieren, werden die Triebe auf den hoher stehenden Armen (Etagen) kraftiger gedeihen als auf den tieferen. Dies muss durch ein zvveck¬ massiges Einkurzen reguliert werden. B. Tragholz. Fruchtholz ist dasjenige einjahrige Holz, das auf dem zvvei- jahrigen steht. Bei dem soli auch die Lange und Lage berucksich- tigt werden. Die Lange des Tragholzes wird nach der Anzal der Augen bemessen. Tragholz mit je 1 — 2 Augen nennt. man kurze, solehe mit 3 — 4 Augen lange Zapfen; Tragreben mit 5—8 Augen kurze Strecker oder Halbbogen und mit mehr als acht Augen lange Strecker, Halbbogen, Bogen etc. etc. Je langer das Tragholz ist, desto fruehtbarer ist es auch. Bei vielen Rebsorten sind die ersten — 29 — Augen an einjahrigen Trieben gar niclit. fruchtbar, die untersten sind gewohnlich schvvacher entvvickelt und der Rebstock treibt g ege n d as Ende der Ruten stiirkere Triebe. Auf kurzem Tragholz entvvickelh sich die Trauben besser, die Reeren werden grosser als auf langem. Dieser Umstand iibt wieder einen ungiinstigen Einfluss auf die Qualilat des Weines. Auf langem Tragholz, auf welchem die Trauben kleinbeeriger bleiben, vviichst feinerer Wein. Man schneidet, daher Sorten, die Zapfen und Bogen sonst gleich gut ver- tragen, fiir Tafeltrauben kurz, fur Wein langer. Auf den Zapfen reifen die Trauben, nachdem auf solchen beinahe alle Trauben gleich weit. vom Boden entfernt sind, ziemlich gleiehmassig. Auf langeren Tragreben hangt die mehr oder weniger gleichmassige Reife von deren Lage ab. Auf kurzen Zapfen werden die Triebe kraftiger als auf liingerem Tragholze. Reben mit schwachem Triebe werden kurz gesehnitten, um kraftige Triebe zu erziehen. Form des Tragholzes: Das lange Tragholz kann verschieden- arlig geformt werden. Man kann es gerade ziehen, man kann es biegen, um halbe oder ganze Bogen zu erhalten, man kann ferner diese Formen combinieren, z. B. Strecker mit ganzen Bogen etc. Was die Lage des Tragholzes anbelangt, ist wohl am passendsten die \vagrechte. Bei dieser Lage vverden die Augen noch am gleich- m&ssigsten treiben, die Trauben, nachdem sie gleich weit \ om Boden hiingen, den gleichen Einfliissen ausgesetzt sind, am gleichmassigslen ausreifen. Fur die Reife der Trauben wirkt auch noch der Vorteil mit, dass diese aus dem Schatten des Stockes kommen. Die Frucht- barkeit wird mehr durch eine Lage nach abvvarts unter die Wag- rechle gefordert. Dabei wird der Trieb geschvvacht, wovon die Zapfenlriebe profitieren. Auf die Triebkraft der einzelnen Augen iibt die Lage des Tragholzes einen tihnlichen Einfluss als die Lage des alten Holzes. Je mehr sich die Lage des Tragholzes der Senkrechten nach aufwiirls niihert, desto starker vverden die Endtriebe, desto schvviicher bleiben die Seitentriebe, je niiher der Senkrechten nach abvviirls, desto starker vverden die Triebe an der Basis, obzvvar der Endtrieb auch in dem Falle noch entsprechend kraflig bleibt, doch die Seitenlriebe im gleichen Verhallnisse vvie im vorigen Falle schvviicher vverden. Diese Formen und Lagen des Tragholzes kann der ralionelle Weinbauer mit allerhand Formen und liagen des alten Holzes — 30 kombinieren. Er kann Zapfen, Strecker, Halbbogen und ganze Bogen bei kurzen und langen Erziehungsarten in Weingiirten, an Heeken etc. anwenden. Naehdem der Rebstock, um in der gevviinschten Lage zn verharren, einer festen Stiitze bedarf, ist die Form des Rebslockes wesenllioh von der Stiitze abhiingig. C. Unterstiitzung der Rebe n. Als Unlerstutzungsmaterialien kommen in unseren Verhiilt- nissen hauptsachlieh die Pfiihle und Draht in Belracht. \Veijden die Triebe aufrecht an die Pfiihle angebunden, wird der Stock kriiftiger, als wenn man sie mehr wagrecht auf den Draht bindet. Im letz- teren Ealle heisst es, gleichen Boden vorausgeselzt, bfter und mehr diingen. Haben wir die Reben auf Draht gezogen, kbnnen wir bessere Weine erzielen, naehdem der Draht nicht so stark heschat- tet. wie die Pfiihle. Der einmal ordentlich gezogene Draht hiti L viele Jahre aus, man erspart sich das alljiihrliche Bepfiihlen und komml auf die Dauer, bei halbvvegs hohen Ilolzpreisen, der Draht bedeu- tend billiger als Pfiihle. Den Sttirmen im Sommer bietet der Draht Widerstand, wiihrend viele Pfiihle umgeworfen werden kbnnen. Ver- schiedenes Ungeziefer findet bei Drahtanlagen viel weniger Schlupf- winkel als an Pfiihlen, daher bei ersteren ervviesenermassen die Un- geziefei’plage auch eine geringere ist. Die Pfiihle seien so lang, dass die Triebe noeh circa P50 m ober ihren Ursprung angebunden werden kbnnen. Die Dicke der Pfiihle richtet sich nach deren Liinge und der Haltbarkeit des Holzes. Der armere \Veinbauer vvird sich mil. billigerem Pfahlmaterial begnugen, wenn ihm dies vvegen seiner geringen Dauerhafligkeit. mit der Zeit auch teurer komml, der kapitalskraftigere jedoch wird besser fahren mit teuerem, aber dauer- hafterem Pfahlmaterial. Figur 8. Die Pfiihle mus- sen naturlich entrin- del und gut geputzt sein, sonst bieten sie Sehlupfvvinkel fiir verschiedene Insek- ten. Dauerhafter wer- den sie durch Ein- stellen in circa 2—4°/ 0 Kupferv it riol 1 bsu ngen. Die Pfiihle, welche — 31 — noch friseh und saftig sein miissen, am besten solche, welche im selben Winter gefallt worden sind, vverden gespitzt und mit diesem, aueh der Wachsthumsrichtung nach unteren gespitzten Teil in diese Losung so tief gestellt, dass sie circa 05 m hoch davon umspiilt werden. So bleiben die Pfahle einige Tage stehen. Eme Bedingung fur den Er- folg dieser Beliandlung ist. die, dass die Slecken noch saftig sind. Gut. ausgelrocknetes Holz zieht. die Losung nicht an. Vollkommen tro- ekenes Holz wird am besten mit Karbolineum impragniert. Bas Karbolineum wird ip einem Kessel, iiber dessen Band natiirlich keine Flammen schlagen diirfen, siedend erhalten und die voll¬ kommen trookenen Pfahle auf je fiinf Minuten in dieses einge- taucht. Man taucht die Pfahle etwas tiefer ein, als wie tief sie spater in den Boden kommen. Am meisten faulen sie niimlich zwischen Tag und Erde. Ein oberflachliches Anstreichen mit Karbo¬ lineum niitzt- weniger, das siedende soli sich in das Holz hineinziehen. Berart. miissen aber die Pfahle geraume Zeit, wenigstens einige Monate bevor sie in den Weingarten kommen, behandelt und an der Luft stehen gelassen werden. Wird Braht als Unterstiitzungs- material angevvendet, wahlt man am besten Nr. 20—25. Von diesem gehen auf 1 kg. 44—28 m. Jener Braht, welcher blos in der Luft gespannt wird, braucht nicht verzinnt zu sein, es gentigt, dass der Eisendraht vor dem Spannen gut durchgliiht wird. Jener Draht, welcher hingegen in den Boden kommt, z. B. fur die Anker n. dgl. muss aber verzinnt sein. Auf den Enden der Reihen werden starke Pflocke etwas schief eingerammt. Biese werden verankert (Fig. 8). Ein Stein oder Ziegel, um den man etwas verzinnten Draht gewickelt, wird in die Erde vergraben und mittelst Braht mit dem Plosten verbunden. Ber Braht wird gut gespannt. Zwischen dem Endpfosten, auf je 6—8 m, schlagt man schwiichere Pfosten ganz senkrecht ein. Biese haben nur die Aufgabe, den Braht aufzuhalten. Am angezeigtesten isl es, den ersten stilrksten Draht etwa 30—40 cm ober dem Boden, den zvveiten elwa 30 cm ober diesem und den dritten etwa 50 cm ober dem zvveiten zu spannen. 2 . Wann beginnt man mit der Erziehung. Ben Rebstock lasse man sich zu allererst geniigend kriiftigen. Ro lange er nicht geniigend eingevvurzelt isl, kann man ihn nicht erziehen, weil er zu schnell abgeschwacht vverden mochte und ist er so sclnvach gevvordeii, dann miisste man ihn vvieder sehr kurz — 32 — schneiden, um kriiftiges Holz zu erhalten. Bei auf amerikanischen Unterlagen veredelten starktriebigen Reben kann man doch mil dei Erziehung bereits friiher beginnen als sonst, gevvohnlich im drillen Jahre. 3. Wie wird die Form des Rebstockes gezogen. In unseren Verhiiltnissen wird in den Weingiirten am besten die Form entsprechen mit einem circa 30—45 cm. hohem Stamme, auf dessen obersten Ende man Halb¬ bogen und unter diesen behufs der Moglichkeit einer steten rechtzeitigen Verjungung Zapfen anschneidel. (Fig. 9). Dies gilt beziiglich der Sorten, vvelche Halbbogen vertragen oder geradezu be- anspruchen, so z. B. die Burgunderarlen, Kleinriesling, Traminer el c. Der Stamm erreichl. gar bald die erwiinschte Hohe, falls man anfangs auf einen liingeren Zapfen die oberen Triebe zu Halbbogen und Zapfen verwendet. Ist der Stock genugend kraftig, so kann man aucb olineweiters den ganzen Stamm und Halbbogen auf einmal bilden. Man schneidet. eine starke Tragrufe so lang an, dass man sie bis zur Hohe von circa 30 - 45 cm be¬ hufs Stammbildung vertical aufbindet, da aher als Halbbogen wag- recht abbiegt. Falls die Tragrute zu viel Augen hal, krm n en dieje- nigen am verticalen Teil geblendet werden. Spa'er werden bei dieser Form, beim jedesmaligen Schnitt diejenigen Rnten zu Halbbogen gewahlt, welche circa 30 cm uber dem Boden am zweijahrigen Holze stehen und genugend kraftig sind. Sind die Beben genugend stark, kann man auch je zwei Halb¬ bogen pro Stock lassen und biegt sie nach entgegengesetzten Seiten ab. Damit der Stamm moglichst gleich hoch bleibt, wird mil teist Zapfen, welche stets unter den Halbbogen angeschnitten vverden, fur eine rechtzeilige Verjungung vorgesorgt. Auf diesen Reserve- zapfen werden unterhalb der Halbbogen krattige Tragruten gezogen. Wo man solche Reservezapfen anzuschneiden pflegt, dort wird man die Triebe an den Halbbogen beim nacbslen Schnitt gar nicht — 33 brauchen, da ist es angezeigt., die abgetragenen Halbbogen am besten schon gleich im Herbst abzuschneiden. Figur 10. Jenen Sorten, welchen ein kurzer Schnitt besser behagt, so dem Wiilsch-Riesling, den Veltlinerarten, mit Ausnahme 'des friihroten Veltliners, Zierfahndler, Rotgipfler etc. zieht man lieber auf einem kurzen Stamme mehrere Schenkel, an deren Enden entsprechende Tragzapfen angeschnitten vverden, z. E. Figur 10. Solche Schenkel bilden sich mit der Zeit selber aus. Im ersten Jahre der Erziehung schneiden wir beispielsweise je einen Zapfen von drei Augen per Stock, a Figur 11. So erhalten wir zwei Triebe, die uns im kiinftigen Jahre zwei Zapfen geben, l Figur 11. Im dritten Jahre der Erziehung konnen wir wieder Zapfen ansehneiden, c Figur 11. Durch diese Zapfen bekommen wir so mit der Zeit durch die entsprechende Verliingerung mehrere Schenkel. Diese Schenkel sollen schon verteilt sein (Figur 12 a richtig, b unrichtig verteilt). Sie sollen eine breite Rasis fiir die Triebe bilden und sich nicht dningen, sonst kommen die Triebe zu sehr auf einen Haufen, die Trauben werden zu stark beschattet. Mit der Zeit werden diese Schenkel aber doch zu lang, man muss sie daher nach Redarf mit Hilfe von tiefer stehenden Reservezapfen, fur welehe man rechlzeitig sorgen soli, verjiingen. 3 — 34 — Wo die Reben auf Draht gezogen werden, kann man die Schenkel auch kordonartig ziehen. Im ersten Jahre liisst man eine Tragrute aufrecht bis zum ersten Draht. Die oberslen zwei Triebe daraus werden im kunftigen Jahre als wagrechte Streoker zur Bil- dung der wagrechten Schenkel an den Draht gebunden. Die Triebe, welche aus diesen Streckern kommen, werden in Zukunft als Zapfen angeschnitten. An den Enden werden derartige Schenkel mit Hilfe von Streckern oder Zapfen nach Belieben verlilngert oder verjiingt. Die Zapfen langs dieser Schenkel werden mittelst steten Verjiingens stets knapp an diesen gehalten. Dies wird erreicht, indem man als Zapfen die dem Schenkel niichsten Triebe anschneidet. Mit der Kraft des Stockes steht es umso besser, je fruhzei- tiger geschnilten wird. Aus dem Grunde wiire der Herbstschnitt wohl der besfe. Wir haben jedoch zu furchten, dass wir im Laufe des Winters das angeschnittene Tragholz durch Frost oder Schneedruck verlieren und dadurch empfindlichen Schaden erleiden. Jenes alte Holz, welches wir im nachsten Jahre voraussichtlich sicher nicht brauchen \verden, z B. bei Reben, welche wir verjungen wollen, die abgetragenen Bogen etc. konnen wir mit Vorleil doch sehon im Herbste abschneiden. Fiir den Fruhjahrssehnitt bleibt uns dann nur das Tragholz, unter welchem wir noch geniigend Auswahl haben. Beim Fruhjahrssehnitt mbge man auch beherzigen, dass man durch friihen Schnitt den Stock kraftiger erhiilt als durch spateren. Man a Figur tl. / 4. Die Zeit des Rebschnittes. — 35 — schneide daher schwachere Stoeke, jungere Anlagen friiher, starke oder gar zu iippige Stoeke spšiter, mitunter ziemlich spat, um sie im Interesse der Fruchtbarkeit geradezu zu schwachen. 5. Andere Umstande, welche beim Schnitt zu beriicksichtigen sind. Im Schnitt hat man ein Mittel in der Hand, die Triebkraft der Stoeke zu regulieren, den Stock bei gleichmassiger Kraft zu erhalten. Starke Stoeke zwingen wir durch langen Schnitt zu starkerem Trieb. Der den Schnitt besorgende Arbeiter muss daher wohl uberlegen, in welchen Weingarten er auf Ertrag, in welchen auf’s Holz sehneiden kann und soli. In welchem Kraftzustande der Rebstoek ist, lasst sich schon nach den Trieben beurteilen. Die einjahrigen Triebe konnen ja auch mitunter schwacher sein und dennoch kann langer auf Ertrag angeschnitten werden. Dies darf z. B. gesehehen nach einer entsprechenden Herbstdun- gung, wo man voraussetzen kann, daB die Diingerwii kung eintref- fen wird. Der rationelle Wein- bauer wird mittelst rationelleren Diingens und gleichmassigen Schnittes trachten, den Wein- garten ohne dem den Durch- schniltsertrag schmallernden, wechselnden, kiirzeren und liingeren An- sehneiden bei gleicher Kraft und gleicher Ertragsfahigkeit zu erhalten. Derjenige, der z. B. heuer den Weingarten mit Tragholz uberladet, im nachsten Jahre aber kurz sehneiden und seine schlechte Einteilung mit einem grossen Ausfall an Ernle biissen muB, ist wohl kein rationeller Weinbauer. Fur den Ertrag ist nicht jedes Jahr gleich gunstig. Es kann gerade vorkommen, daB das Jahr, wo man den Stoek uber¬ ladet, ungiinslig und das niichste, lur welches man mehr kurz ge- schnitten, durch die Verhiiltnisse gunstig wird. Nun hat man aber den Weingarten nicht in dem Zustande, daB die giinsligen Ver- baltnisse voli zur Wirkung gelangen konnten. Die hochsten Durch- schnittsertragnisse kann man dort nur erhalten, wo man die Reben stets in einem solehen Zustande erhalt, daB, falls es gut einschliigt, auch der hochste Ertrag sieher ist. 3* — 36 — Junge Weingarlen diirfen natiirlich nie iiberladen werden. Dies wiirde sich an deren spaterer Entwicklung stark rachen. Will man altere Weingarten noch langere Zeit erhalten, wird man sie beim Schnitt auch schonen. Ist es aus trifdgen Grunden angezeigt, alte \Vein- garten aufzulassen, um an ihrer Stelle spater Neuanlagen zu schafTen, werden solche auf den Tod, auf die hochsle Leislungsfahigkeit. ge- schnitten, um deren letzte Kraft noch gut auszuniilzen. Beim Schnitt wird auch das alte Holz des Stockes berucksichtigt, besonders wird darauf geschaut, ob dieses nicht zu lang geworden, ob es nicht einer Verjungung bediirftig sei. Wie die allgemeine Kraft des Weingartens, berucksichtige man beim Schnitt auch innerhalb der VVeingarten den individuellen Zustand der einzelnen Stocke. Haben einzelne Stocke schwacheres Holz, werden diese kiirzer geschnitten als andere mit starkerem. In Weing;irten, welche stets gut gehalten werden, wird es wenige solcher Slocke geben, denen man durch dieses Mittel aufhelfen muC. Eine ralionelle Diin- gungund stets verniinftiger, wohliiberlegterSchnittwirdsolchedenErlrag schmalernde Falle sehr selten machen. Durch den Schnitt beabsichtigt man auch, die Form des Stockes zu erhalten, ein zu schnelles Verlangern des alten Holzes zu verhindern. Ist der Stamm oder sind die Schenkel so lang geworden, als beabsichtigt worden ist, trachtet man, diese Lange fortwahrend zu erhalten und zwar dadurch, dass stets tiefer stehende Tragruten angeschnitten werden. Wird der Stamm doch trotzdem sehr lang, sorgt man an einer tieferen Stelle fur einen Trieb, sei es auch, daB er direkt aus dem alten Holze kommt. (Fig. 13.) Dieser Trieb wird auf einen Zapfen geschnitten, welcher im kunftigen Jahre fruchtbare Tragruten gibt. Knapp ober diesen Zapfen kann daher bereits im nachsten Jahre der Stamm abgeschnitten, verjungt werden. Kommt, es vor, dal3 an einer entsprechend tieferen Stelle kein fiir Reservezapfen passender Trieb hervorkommen will, hilft man sich dadurch, da(3 man an der Stelle, wo man den Trieb haben will, das Messer einbohrt. Auf dieser Stelle — 37 — bilden sich Adventivknospen, welche spater den Trieb geben. Noch \virksamer ist das Abbiegen des Slammes (Fig. 14 ) In diesem Falle kommen bei a kraftige Triebe, der Bogen b tragt aber. Fruchlbar sind zumeist nur jene Ruten, welche am zwei- ahrigen Holze stehen, solche, vvelche direkt aus dem alten Holze kommen, sind wohl sel- ten fruchtbar. Wasser- triebe, d. h. solche Triebe, vvelche direkt aus den Adventivknos¬ pen, aus altem Holze b kommen, haben nur dann eine Bedeutung fur den Weinbauer, falls Flgur sie fur die Verjiingung Vervvendung finden sollen, sonst nicht. Bei sonst korrektem Schnitt vviiren Ersatzzapfen nicht. unbedingt notwendig und man wiirde sie mit Vorteil weglassen, da sie doch die Beschattung vergrbssern. Vorsichtshalber erhalt man aber stets an einer tieferen Stelle Ersatzzapfen, um, falls der Stamm durch Frost, Hagel oder sonst stark beschadigt wird, sofort bis zujn frucht- baren Triebe verjungen zu konnen. Haben die Zapfen mehrere Augen und mehrere Triebe, so erwahlt man zum Anschneiden stets die tieferen Triebe, die hoheren schneidet man ab. Als Strecker, Bogen, Tragzapfen etc. lafit man hohere, zu Ersatzzapfen, die fur das nachste Jahr Tragholz geben sollen, tiefere Triebe. Beim Anschneiden des Tragholzes, z. B. der Strecker, Bogen etc. wahlt man Triebe in entsprechender Hohe (Fig. 15.) Die hochsten und als solche zumeist starkšten Triebe geben gerade nicht immer das passendste Tragholz, sie erhohen zu sehr den Stock, verlangern zu stark das alte Holz. Die dicksten Triebe sind aber auch nicht gerade die fruchtbarsten, ja die dunneren, mit kraftigen, gut ent- wickelt,en Augen, sind zumeist tragbarer als solche mastige Triebe mit mehr verschwommenen Augen. Die Lange des Tragholzes moge sich aber auch wohl nach den Eigenttimlichkeiten der beziiglichen — 38 Sorten richten. Einige Sorten haben schon die unteren Augen frucht- bar, andere erst hohere. Manche haben kleine Triiubchen nnd werden bei kurzem Schnitt za wenig Ertrag geben, andere vvieder sind schon bei kurzem Schnitt sehr fruchtbar und wurden sich bei Iangem Schnitt za rasch vollkommen erschopfen, oder wiirden die Trauben infolge des langen Schnittes schlecht reifen. Langes Tragholz (Halbbogen, Strecker etc.) wird angeschnitten beim Rheinriesbng, Traminer, Sylvaner, in guten Boden (wird er zu lang angeschnitten und ist er zu voli, reift das Holz schwer aus,) alle Burgunderarten, Elbling, Ortlieber, fruhroter Veltliner, roler Portugieser, St. Laurent (nur in sehr guten Boden, mehr kurze Halb¬ bogen), Cabernet sauvignon, Trollinger etc. Diese Sorten vertragen oder verlangen gar auch (z. B. die Iruhrote Veltliner) langeres altes Holz. Kiirzeres altes Holz, mit Zapfen als Tragholz, uberhaupt niedere Erziehung und kurzer Schnitt behagt besser folgenden Sorten: gelber Muskateller, Walschriesling (etwas langere Zapfen,) roter und grliner Veltliner (bei Iangem Schnitt reift dieser schlecht und erschbpft sich der Stock zu stark), Rotgipfler, Zierfandler, Mosler, roter und weisser Steinschiller, St. Laurent, in nicht, sehr fruchtbaren Boden. blauer Portugieser, Blaufrankisch (den beiden letzteren behagt auf' die Dauer am besten kurzes, altes Holz mit kurzen Zapfen), Ortlieber tut auch bei langerem alten Holze, auf Zapfen geschnitten? — 39 — sehr gut, fiir ihn wie auch fiir den Gutedel ist, sehr die kordon- artige Erziehungsart passend. 6. Anbinden der Tragreben. Bei Reben mit kurzem alten Holze und Zapfen darauf, wird das Binden iiberflussig sein. Anders verhalt sich dies bei hoheren Er- ziehungsarlen mit langerem Tragholz mit Streckern, Halbbogen oder Bogen, da hangt der mehr oder minder gute Erfolg ziemlich wesent- lich auch von dieser Arbeit ab. Als festes Bindematerial dienen am besten Weidenruten, am besten solche von der'Goldweide. Durch das Binden gibt man dem Tragholz und den Schenkeln erst die Lage, vvelche der bezweckten Form entspricht. Die Strecker, Halbbogen u. s. w. werden am besten gleich an der Basis gut nach unten abgebogen und gedreht. so daB sie krachen. Dieses Drehen soli elwa giinstig aul die Tragbarkeit wirken. Die Bogen, Halbbogen etc. werden iiber dem Stamm so ab¬ gebogen, daC die ersten Augen, die an der Basis, moglichst am hochsten sind (Fig. 8, 9, 18.) Man bindet sie entweder auf Nach- barpfahle oder aul' eigens hiezu aufgestellte Pfahle, oder an Draht, oder indem man sie nach unten abbiegt, auf den Stamm und Schenkel des Stockes selber, lange Halbbogen auf niederen Stocken konnen, indem man sie nach unten abbiegt, mit ihrer Spitze auch in den Boden gesteckt werden (in diesem Falle ist es gut, jene Augen, welcbe in den Boden kommen, 'zu blenden) oder werden Ableger gemacht, wie bei der sogenannten ungarischen Methode, wo ein horizontaler Halbbogen in die Erde abgebogen vvird und man die Spitze dieser Tragrute aus dem Boden als Zapfen herausschauen Ial3t. V. Behandlung der Sommertriebe. Um die Wirkung des Schniltes zu erhohen, um die Form besser zu erhalten, die Fruchtbarkeit, die Entvvicklung und Reife der Trauben zu fordern, die Schadlichkeit der Pilzkrankheiten zu mindern etc. wird der Rebstock auch im Sommer einer zweck- massigen Behandlung beziiglich der Sommertriebe mit Vorleil unterzogen. Diese Sommerbehandlung besteht in Ausjiiten (Aus- brechen) der iiberflussigen Triebe, Ausgeizen, Einkiirzen und An- binden der Triebe. Alle diese Arbeiten miissen aber unbedingt wohl iiberlegt und gewissenhaft durchgefiihrt vverden, sonst bringen sie statt Nutzen nur Nachteile. Durch die Peronospora ist wohl jeder praktische Weinbauer belehrt worden, was fur hohe Bedeutung das Laub fur den Rebstock hat. Je rnehr gesunde, voli entvvickelte, gut beleuchtete Blatter der Rebstock hat, desto besser wird er ge- deihen, desto besser werden die Trauben reifen. Dies gilt aber nur beziiglich des Blattes, welches gesund, voli entwickelt nnd gut beleuchtet ist. Unsere Aufgabe ist es daher, dahin zu arbeiten, dati wir an unseren Stocken moglichst viele solche Blatter unter entspre- chender Beleuchtung erhalten. Das Beschneiden der Sommertriebe schwacht im allgemeinen die Pflanzen. Das schonste Beispiel geben uns die sonst machtig wachsenden Waldbaume in Hecken, welche regelmassig im Sommer- schnitt gehalten werden. Ebenso schwacht der Sommerschnitt auch den Rebstock, daher heifit es, diesen wohl mit vollem Verstandnis durehzufuhren, damit die Beeintlussung zum Vorteil und nicht zum Schaden gereicht. I. Ausbrechen. Schon durch den Frubjahrsschnitt streben wir nur eine ge- wisse Zalil von Trieben an, lassen an Zapfen und Bogen Augen, aus denen sich einzelne unseren Zwecken dienliche Triebe entwiekeln sollen. Trotzdem treibt der Rebstock aber noch viele andere iiber- fliissige Triebe, die den nutzlichen nur Nahrung und Licht weg- nelimen, sie schiidigen. Diese Aufdringlinge sollen unterdruckt werden. Man breche alle direkt aus dem alten Holz kommenden Triebe nur mit Ausnahme derjenigen aus, vvelche ebenfalls beim nachsten Friih- jahrsschnitt einen Ersatzzapfen abgeben sollen. Mit dem Ausbrechen beginne man bald nach dem Austrieb. Sind die Triebe noch kurz, ist es leicht, die nutzlichen von den uberflussigen Trieben zu unter- scheiden, welche bessere Ubersicht die Arbeit sehr fordert. Je iiher man Uberflussiges, das zu seiner Entwicklung viel Stoffe verbrauchen wiirde, entfernt, desto mehr wird der Slock geschont, desto mehr werden die nutzlichen Triebe begiinstigt. Neben den Augen, vvelche wir beim Fruhjahrsschnitt gelassen, um aus ihnen je einen Trieb zu erzielen, treiben gar haufig auch die Nebenaugen aus. In diesem Falle ist es auch sehr angezeigt, alle Triebe an einem Enoten, resp. 41 — einem Auge bis auf einen der best entvvickelfen auszubreehen, sonst wiirden sich diese Triebe gegenseitig unterdrucken. Und wenn diese Triebe auch Gescbeine haben sollten, man schone sie nicht, denn es handelt sicli doch um gute Enlvvicklung der ilbrigen Trauben. Leider kommen auf den Tragreben auch haufig Triebe ohne Geschein, ohne Trauben vor. Diese, wenn sie licht gestellt sind, werden aber nicht kurzweg entfernt. Sie sollen die Bogen einiger- massen beschatten, ausserdem sollen aber auch noch deren Bliitter den traubentragenden Trieben wie dem ganzen Stocke zugute kommen. Man unterdrucke nur deren weitere Entwicklung durch Einkurzen etwa beim dritten Blatt. Hat der Stock mehrere Zapfen und auf diesen je mehrere Triebe ohne Trauben, so vverden diese, falls man sie nicht als nachstjahriges Tragholz benotigt, einfach ausgebrochen, damit sie nicht die iibrigen niltzlichen Triebe durch Beschattung und Saftentzug beeintrachtigen. Alles dieses Ausbrechen geschehe je friiher desto besser. 2. Behandlung der Geize. AuBer den Trieben erster Ordnung, die direkt aus den Augen des einjahrigen oder alteren Holzes kommen, hat der Bebstock noch Triebe zweiter Ordnung, die in den Blattachseln der griinen Triebe entstehen. Diese verbrauchen aber Kraft, namentlich auf Kosten der Augen, welche im kunftigen Jahre Triebe und Trauben entwickeln sollen. Sie wirken auch durch eine grofie Beschattung ungiinstig und entnehmen dem Stock viel Nahrung dadurch, daB sie die Zahl der die plastischen Stoffe verbrauchenden Triebspitzen unnbtig vermehren. Der zu starken Entwicklung der (ieize beugt man einiger- massen durch senkrechtes Anbinden der griinen Triebe vor, die entstehenden moge man aber im Interesse der Fruchtbarkeit im niichsten Jahre, als wie auch der Reife der Trauben im selben Jahre, nach Bedarf unterdriicken. Ist die Geizbildung infolge nicht sehr kriiftiger Vegetation des Slockes und senkrechter Stellung des Triebes eine schvvachere, so vverden die Geize, so lange sie noch krautig, vveich sind, einfach mit den Fingern ausgebrochen. Sind sie im unteren Teile schon mehr verholzt, vviirden infolge dieses Ausbrechens zu grosse Wunden entstehen, man moge sie lieber abschneiden. Am besten schneidet man sie so ab, daB davon ein kurzer Zapfen bleibt, — 4 2 — damit das Auge nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen vvird. Bei starker Geizbildung ist jedoch das vollstandige Ausgeizen namentlich an solchen Trieben, welche fiirs niichste Jahr Tragholz geben sollen, unzvveckmassig. In dem Falle konnte man die Augen, welche man durch das Ausgeizen zu kraftigen beabsichligt, zum Austreiben bringen, die Augen, welche man besonders kriiftig haben mochte, auf diese Art verlieren. Hat man diese Folge eines zu starken Ausgeizens eingesehen, biege man ihr vor, indem man die Geize beim ersten oder zweiten Blatt einkiirzt, das Auge an der Basis des eingekurzten Geizes wird auf die Art nicht zum Aus¬ treiben angeregt. Das Langenvvachstum vvird vvenigstens auf einige Zeit unterdriickt, daher der fiir dasselbe friiher aufgevvendete Saft dem Hauptauge und anderen Organen zu Gute kommt, die auf dem Geizstummel bleibenden Blatter sind bereits' gut entvvickelt und tragen bei genugendem Lichte zur Ernahrung des Auges an der Basis und anderer Organe des Stockes mit bei. Es ist iiber- haupt wohl zu uberlegen, ob nicht haufig diese Blatter an den Geizen geschont und herangezogen vverden sollen, um beschadigte, kranke, unlatig gevvordene Blatter zu ersetzen. Schablonenhafte Arbeit kann vvie in jeder Hinsicht auch in dem Falle statt des ange- strebten Nutzens nur Schaden bringen. Durch das Ausgeizen ist man bestrebt, die Zahl der vvachsenden Triebspitzen, die zu grosse Beschattung moglichst zu verringern oder zu beheben und die Augen an den Trieben, vvelche nachstes Jahr Tragholz geben sollen, zu kraftigen. Hat man dies vor Augen, so vvird man bei Berlicksichti- gung des Vorangefiihrten und vvenn man Rebstocke infolge richtiger Beobachtung kennt, das Richtige trefTen. 3. Einkiirzen der Triebe. Die Bedeutung der Triebe fur die Entvvicklung der Pflanzen im allgemeinen, so auch des Rebstockes, ist bereits betoni, vvorden. In den Blattern entstehen aus der Kohlensaure, vvelche der Luft eiitnommen vvird, unler Mitvvirkung von Stoffen, vvelche von den Wurzeln dem Boden entnommen, der Pflanze zugefuhrt vverden (so dem Wasser, den Stoffen, vvelche vvir den Pflanzen im Dunger bieten, oder vvelche bereits im Boden vorhanden sind, daher Boden- losung) die verschiedensten Stoffe, so zuerst die Starke, daraus Zucker etc., Štolfe, aus vvelchen sich der ganze Korper der Pflanze 43 — aufbaut, welche fiir die wertvolle Enlwicklung der Friichte von hochster Bedeulung sind, doch sind nicht alle Blatter gleich tatig. Die Blattchen an den Triebspitzen, also noch unentwickelte Blatter, stark beschattete, vergilbte, kranke Blatter etc., die zehren, stalt selber zu erzeugen, an den Erzeugnissen der voli entwickelten, ge- sunden, gut beleuchteten Blatter. Sehon bei dem Ausbreehen und Ausgeizen waren wir bestrebt, die Zahl der vvachsenden, Štolfe ver- brauchenden Triebspitzen zu verringern, die von diesen verbrauchte Kraft den niitzlichen Trieben zuzuvvenden, besonders aber die Reb- stocke lichter zu stellen, damit das Licht auf dieselben moglichst voli einwirken kann. Der dadurch erzielte Erfolg kann unter Um- standen noch durch ein zweckmassiges Einkiirzen der iibrig geblie- benen niitzlichen Triebe erganzt werden. Kiirzen wir einen Trieb verhaltnismassig triih ein, halten wir ihn einige Zeit im Wachstume auf, so schwachen wir ihn. Gleichzeitig kommt aber der Saft, der friiher fiir den ganzen Trieb bestimmt, gevvesen und dessen groBter Teil zum Langenvvachstume der Triebe aufgebraucht worden ist., wenigstens fiir einige Tage den an den eingekiirzten Trieben iibrig gebliebenen Blattern und Trauben zu Gute. Dies aufiert sich besonders in einer auffallenden Vergros- serung und Dunkelfarbung der Blatter an Trieben, die rechtzeitig eingekiirzt worden šind. Auch die Trauben entwickeln sich kraftiger und reifen friiher. Dies beobachtet man besonders auffallend an kraftigen Stocken, die wegen Griinveredlung eingekiirzt worden sind. Dieser EinfluB des Einkiirzens wahrt. aber nur einige Tage und wiederholt sich, sobald wir die Seitentriebe, welche aus den oberen Augen der eingekiirzten Triebe nach eiuiger Zeit kommen, wieder einkiirzen. Je starktriebiger der Stock, desto ofter wird es notwendig sein, das Einkiirzen zu wieder- holen, nachdem nach dem jedesmaligen Einkiirzen immer wieder mehr oder weniger kraftige Seitentriebe kommen, die den beab- sichtigten Zweck, ein Lichterstellen des Stockes, vereiteln konnten. Durch ofteres Einkiirzen wird der Stock einigermassen geschwacht, ein zu iippiger Stock im Interesse Figur 16. — 44 — der Fruchtbarkeit zuriickgehalten. Mit dem Einkurzen hallen wir den Trieb im Wachstume zuriick, schvviichen ihn. Jene Triebe, deren Bestimmung es ist, im nachsten Jahre Tragholz zu geben, miissen aber gut genahrt, gekrafligt werden, damit daran kraftige Augen sich entwickeln konnen, die kraftig treiben und viel Trauben an- setzen werden. Wenn man schon einzelne Triebe einkiirzt, so kurze man nur diejenigen, welehe nur dazu da sind, im laufenden Jahre gut entwickelte Trauben zu bringen, so die Triebe an den Bogen etc. (Fig. 16,) jene jedoch. die kunftiges Jahr Tragholz geben sollen, lassen wir einstweilen ungekiirzt und binden sie am besten schon senkrecht auf den Pfahl oder Draht (Fig. 17.) Wo eigens Ersatz- zapfen wegen der Verjimgung angeschnilten worden sind, bleiben deren Triebe einslweilen ungekiirzt, schneidet. man Halbbogen ohne Zapfen an, so laBt man die Triebe an der Basis dieser Halb¬ bogen ungekiirzt. Wird der Slock nur auf Zapfen geschnitten, wird auf die Art auch am besten nur ein Teil der Triebe eingekurzt, so na- mentlich jene, welche an hoheren Zapfen vorkommen. Je drei, am besten an tieferen Zapfen, sollten aber ganz bleiben. Ein wieder- holtes vollkommenes Einkurzen aller Triebe am Stoeke schwacht diesen zu sehr. Durch das teihveise Einkurzen beabsichtigt man Figur 17. 45 aber auch eine Regulierung des Saftstromes im Stocke. Werden am Ende der Tragreben die starksten Triebe eingekurzt, so werden ungiinstiger gestellte, z. B. jene aus tieferen Augen oder an tieferen Zapfen davon profitieren, nachdem sie ganz bleiben und in Folge dessen mehr Saft einziehen werden. Im zvveekmilssigen Einkurzen haben wir unter Umstanden ein Mittel, die Form des Stockes besser zn erhallen und das Tragholz fur das nachste Jahr besonders zu kriiftigen. Damit die Arbeit des teilweisen Einkiirzens von Erfolg gekront wird, mufi sie zeitig durchgefuhrt werden, am besten, solange sich noeh die Triebspitzen mit den Nageln abzwicken lassen. Am besten wirkf das Einkurzen vor der Bliite, indem es auf den Verlauf der Blute und auf eine spatere kraftige Entwicklung der Trauben den besten Einflufi hat. Ist es nicht schon vor der Bliite, so soli es, wenn man es schon durehfiihren will oder soli, sofort nach der Bliite gescbehen. Besonders schadlich ist es jedoch, solche Triebe zu nahe den Trauben eizukiirzen, so dafi fur die Entwicklung, fur die Reife der Trauben zu wenig Blalter bleiben vviirden. Die Trauben konnten dann sebr schlecbt reifen, oder ganz sauer bleiben. (ierade die Bliitter ober der Traube, auf demselben Triebe (beilaufig bis zum sechsten Blatte) sind fiir die Reife der Trauben am wichtigsten. Beim Einkurzen der Triebe lasse man daher ober den Trauben vvenigstens 3—6 Bliitter. Man vermeide iiber- haupt, mit dem Ein- kiirzen die belichtete Blattflache zu stark zu verkleinern, die Trauben und die produktive Blattflache in zu grosses Mifiverhaltnis zu bringen, halte wie iiber- baupt auch diesbeziiglich das weise Mafi ein. Bei Erziehungsarlen, wo die Triebe infolge rationeller Stellung des Fruchtholzes sich ziemlich gleichmassig entwickeln, daher keine Saftregulierung erforderlich ist, wo die Reben auch infolge weiteren 46 — Satzes ohnehin mehr licht sind etc., wird man in vielen Fiillen dieses Einkiirzen mit Vorteil uberhaupt vermeiden. Besonders muB von dem Einkiirzen abgesehen werden, wo die unteren Blatter be- schadigt sind. Bei Erziehungsarten, bei welchen jene Augen, welche treiben sollen, verschieden hoch gestellt sind, daher die Triebe sicii nur ungleichmiiBig entwickeln konnen, dort soli aber durch ein ver- niinfiiges Einkiirzen der Saftstrom geregelt werden, die hoher, daher giinstiger gestellt en Triebe werden eingekiirzt, daher gesclrvvacht zu Gunslen der tieferen. Nach dem ersten Einkiirzen kotnmen aus den oberen Augen der eingekiirzten Triebe abermals neue Triebe, diese werden nach- her auf 1—2 Blatt eingekiirzt. 4. Gipfeln. Die traubentragenden Triebe, welche beim niichsten Schnitt ohnedies groBtenteils wegkommen, konnen nach vorigen Grund- siitzen ziemlich fiiih im Laufe des Sommers eingekiirzt werden. Jene Triebe jedoch, die den Zweck haben, fiir den nachsten Schnitt Fruchtholz zu liefern, bindet man doch einstweilen ungekurzt mog- lichst. senkrecht auf. Durch zu friihes Einkiirzen wiirde man auch diese schwachen und auch deren untere, fiir das nachste Jahr niitzlichen Augen zu sehr zur Entwicklung oder zum Antrieb anregen. Mit der Zeit konnen die Gipfel dieser Triebe, besonders wenn sie pfahlabwarts hangen, durch eine starke Besehattung doch ziemlich schadlich werden. Da iiberlegt man, welches von zwei Ubeln man wahlen, ob man besser die Folgen eines zn friihen Gipfelns oder einer zu starken Besehattung tragen soli. Durch das reehtzeitige Gipfeln kraftigen wir auch die unteren Augen der betreffenden Triebe fiirs nachste Jahr. Dies erreicht man jedoch nur dann, wenn so spat gegipfelt wird, daB die unteren Augen sich nicht mehr zu stark entwickeln konnen. Daraus folgt. auch, daB man Reben, die man im Zapfenschnitt halt, fruher gipfeln kann als solehe, an denen man liingeres Fruchtholz zu lassen pflegt, denn je hoher die Augen, desto mehr macht sich der ungiinstige EinfluB eines zu friihen Gipfelns bemerkbar. Der besle Zeitpunkt zum Gipfeln ware jener, wo das Langenwachstum der Triebe aufhort, wo deren Triebspitzen nicht mehr plastisch und gekriimmt, sodern schon ge- streekt sind. Ein Zeichen des richtigen Zeitpunkt.es fiir das Gipfeln 47 — ist auch d as Verholzen der Triebe. Haben solche beilaufig schon bis zur Hiilfte der Lange eine braune Rinde, kann man ohne Anstand gipfeln. In mehr starkvvuchsigen Weingarten, namenllich noch bei mehr dichtem Satz wird es aber nicht immer angezeigt sein, so Lange zu wart,en, da dann die Beschattung zu nachteilig werden konnte. Gegipfelt wird circa L5 m ober dem Stamme, also so hoch als man reichen kann, beilaufig spannvveit bis ober dem Pfahl. Zu kurzes Gipfeln ist nachteilig. Im Gipfeln hat aber der verstandige Weinbauer ebenfalls ein gules Mittel, sein nachstjahriges Tragholz zur besseren Reife, die Augen zur besseren Entwicklung, daher zur grosseren nachstjahrigen Fruchtbarkeit und die Trauben, vvegen verminderter Beschattung, zur besseren Reife zu bringen, doch dies nur, wenn er es versteht, wohl zu iiberlegen und das Richtige zu treflfen. Bei allen MaGregeln, durch \velche man die Beschattung in den Weingarten vermindert, moge doch auch darauf geachtet werden, dal3 Trauben oder andere Organe, die vorber ziemlieh beschaltet waren, nicht jiih von der grossen Hitze getroffen werden. Der Sonnenbrand konnte in dem Falle viel schaden, da die betref- fenden Organe im Schaflen weichhautig, empfindlich geblieben und dem raschen Wechsel nicht gewachsen sind. Man mache daher dies alles mit einer entsprechenden Vorsicht und zur zichtigen Zeit. 5. Entlauben. Das hiiufig praktizierle Entlauben um die Trauben herum kann als die unvernunftigste MaCregel in unserem Weinbau ange- sehen werden. Vergegenwarligt man sich die Bedeutung der vom Lichte getroffenen Bliitter, so wird man dieses Vorgehen wohl richtig beurteilen kbnnen. Bricht man die Bliitter um die Trauben aus, so werden diese in Folge direkter Besonnung sich besser farben, aber der Zuckergehalt wird vveniger zunehmen als dort, wo nicht entlaubt wurde. Nur vergilbte, kranke oder zu dichte, zu stark be- scbaltende Bliitter, unter denen die Trauben zu selir faulen, kbnnen ohne Nachteil, ja mit Nutzen abgenommen werden. Bei Tafeltrauben, bei denen es vveniger auf' einen hohen Zuckergehalt als auf ein schbnes Au(3ere und auf eine dickere, widerstandsfahigere Beerenhtilse ankommt, wird dieses teilweise Entlauben, Lichtslellen der Trauben mit Vorteil praktiziert. Bei Keltertrauben lasse man doch jene Bliitter, welche gesund und beleuchtet sind, lieber stehen. — 48 — 6. Binden der Triebe. Die griinen Triebe mussen angebunden werden, damit sie nicht. abbreehen, damit sie sieh gegenseitig nicht sehr beschatten, damit sie nicht zuviel Geize bilden und namentlich jene, die im nachsten Jahre Fruchtholz geben sollen, durch eine moglichst senk- rechte Stellung gekraftigt werden. Ein rechtzeitiges Binden hat Ein- flnss auf den giinstigen Verlauf der Bliite, durch Stiirkung der gescheintragenden Triebe, auf das Auftreten und die Verbreitung von Krankheiten, z. B. Brenner etc. Mit dem Binden beginne man, sobald die Triebe geniigend lang geworden sind. Auf Stocken, wo man nur Zapfen angeschnitten, kommen die Triebe kraftiger, fleischiger als auf Bogen oder bei hoheren Erziehungs- arten. Erstere sind aber auch viel briichiger, mussen daher fruher gebunden werden wie die ziemlich zahen Bogentriebe, welche man haufig gar nicht zu binden braucht. Gebunden wird dreimal. Dies gilt namentlich bezuglich jener Zapfentriebe, die das nachsljahrige Frucht¬ holz geben sollen. Als Bindematerial dient zumeist Stroh, am besten ist Roggenstroh. Je fruher der Roggen geschnitten worden ist, desto zaher ist das Stroh. Der vor der Bliite abgemahte Roggen gibi das zaheste Stroh. In neuerer Zeit kommt auch Raffiabast haufig als Bindematerial in Vervvendung. Binsen, Hopfenranken, Ipomearanken etc. sind nicht selten angevvandte Bindematerialien. Von diesen werden — 49 — immer diejenigen genommen, die sich in den bezuglichen Ge- genden als am billigsten eignen. Das oberste Band am Ende des Pfahles macht, man am besten aus Weidenruten, denn dieses bat. am meisten auszuhalien. Das erste Band wird lockerer gemacht, bei den niichslen zwei bindet man die Triehe schon fester an. Beim Binden durfen die Blatter nicht mit eingebunden werden. Wird an Draht ge- bunden, windet man das Band um den Draht in Form von QQ, da- mit die Triebe nicht direkt den Draht beruhren. Nach dem dritten Band verlangern sich die Triebe meist bedeu- tend. Man lafit sie da mit ihren Enden herunterhangen, falls es zum Gipfeln noch zu triih ist, oder besser, man bindet sie bis zum nachsten Pfahl (Fig. 19). Bei Drahtrahmen werden die gekiirzten Bogenlriebe auf den nachsthoheren Draht, die ungekiirzten Zapfen- Figur 20. triebe aber (wo die Driihle gespannt. sind) bis auf den dritten Draht senkrecht, dann aber wagrecht langs diesen gebunden. (Fig. 20.) VI. Bodenbearbeitung. i. Haue. Zweck der Haue ist hauptsachlich die Lockerung des Bodens und die Vertilgung des Unkrautes. Durch die Lockerung ermoglichen wir der Luft ein tiefes Eindringen. Die auch sehr luftbediirftigen 4 — 50 — Wurzeln sind dafiir sehr dankbar, sie kraftigen sich infolgedessen bis in eine grossere Tiefe, wo sie vveniger vom Frost und der Diirre abhiingig sind. Die Luft wirkt aber auch chemisch giinstig auf die Bodenbestandteile, macht dieselben den Pflanzen mundgerechter, daher auch deshalb die Reben in gut gehauenen Weingarten, bei sonst. vielleieht geringerer Diingergabe, besser gedeihen. Durch die Lockerung schiitzen wir uns auch gegen den ungiinstigen EinfluB der Diirre. Ein gelockerter Boden nimmt mehr Regenwasser aui' als ein ver- krusteter. In neu rigolten VFeingarten rinnt verhaltnissmassig sehr wenig Wasser ab, nachdem dieses vom Boden beinahe ganz auf- genommen wird. Durch das Lockern der Oberflache vvird auch die Feuchtigkeit in den tieferen Schichten besser zuriickgehalten. Nachdem durch eine gelockerte Oberflache die Capillaritat, die Haarrohrchenkraft, vermoge welcher das Wasser aus der Tiefe auf die Oberflache befGrdert wird, unlerbrochen ist, vvird auch die Ver- dunstung an der Oberflache verhindert. Da auf einer gelockerten Oberflache naiurgemafl weniger Niederschlagvvasser abrinnt als auf einer verkrusteten, da mehr davon aufgenommeu vvird, so vvird bei Regengiissen in einem gehauenen Weingarten vveniger Erde abge- schvvemmt als in einem ungehauenen. Dieser Umstand ist auch von ziemlicher Bedeutung, vvird aber von unseren VVeinbauern verkannt, da sie zumeist im Vertrauen auf das festere Gefuge einer Boden- kruste das Gegenteil vermuten. Nicht vveniger vvichtig als die Lockerung des Bodens ist die Unkrautvertilgung. Werden die Un- krauter nicht regelmassig vertilgt, so vviirden aus den VVeingarten bald Gestriippe oder Walder entstehen. Bei dem auch in der Natur vvutenden Kampf ums Dasein vviirden bald machiigere Pflanzen- gattungen das Terrain einnehmen und die Rebe mliBte das Feld raumen. Die Unkrauter iiberhaupt schmalern auf mannigfache Art die vom Weinbauer eingeriiumten Rechte der Reben. Sie nehmen aus dem Boden Nahrung auf, um vvelche sodann die Rebe zu kurz kommt, namentlich vvenn noch das Unkraut, aus Unversliindnis aus dem Weingarten geschleppt vvird. Ist eine Flache bevvachsen, verdunstet sie viel mehr Wasser als eine kahle Flache, folglich vvird in einem mit Unkraut bevvachsenen Weingarten viel mehr Feuchtigkeit ver- dunsten als in einem reinen, er vvird viel eher und viel mehr an Diirre leiden. Das Unkraut beschattet den Boden. Dies ist. im Wein- garten seine groBte Schandtat. Der unkrautbedeckte Boden kann — 51 — nicht direkt von der Sonne getroffen werden, er kann sich daher nicht rechf. ervvarmen und dies wirkt sehr ungunstig auf die Qualitat des Weines. Hohes Unkraut beschattet sogar die Blatter des Stockes, diese in ihret’ Tatigkeit hindernd. Ist der Weingarten mit Unkrant bewaehsen, khnnen auch verschiedene, Krankheiten erregende Pilze mehr Schaden stiften als wie in einem reingehaltenen. Die in "VVeingarten vorkommenden Unkrautpflanzen kann man in zwei Gruppen einteilen und zwar: Samenunkrauter. d. h. soiche, welche sich ausschliesslich durch Samen verbreiten und Wur- zelunkrauter, d. h. soiche, welche sich vorvviegend oder doch auch durch Wurzelteile vermehren resp. verbreiten. Jene, welche sich nur durch Samen verbreiten, miissen friiher vertilgt werden, bevor der Same auf denselben gereift. ist, sonst verbreiten sie sich noch mehr durch den Samen. Auch vermeide man, in die Weingarten Materialien zu bringen, z. B. Kompost, Diinger etc., die viele derartige Unkraut- samen enlhalten. Bei einiger Energie lassen sich diese Unkrauter leicht vertilgen. Werden Wurzelunkrauter, z. B. Disteln abgehauen, so treiben sie aus ihren Wurzelteilen immer wieder ans. Wiederholen wir dieses Abhauen nach langeren Pausen, so vverden diese Disteln immer vvieder frisch ergriinen, ihre Wurzeltriebe frisch starken und mit Re- servestoffen versehen. Wiederholt man dieses Abhauen der Disteln und anderer Wurzelunkrauter in kurzen Zvvischenraumen, so daR die vvieder emporgesprofiten Blatter ihre assimilierende Tatigkeit kaum oder gar nicht beginnen konnen, nachdem diese vvie auch die Stengel auf Kosten der Reservestoffe in der Wurzel entstanden sind, so wird mit der Zeit die Wurzel durch das vviederholte Austreiben aut ihre Kosten sozusagen ausgehungert oder aufgezehrt. Wurzelteile von sehr zahlebigen Unkrtiulern, so z. B. die Rhizome der Quecke, miissen bei jeder Bodenbearbeitung sorgfaltig aufgelesen, zusammen- geklaubt. und am besten verbrannt vverden. Beriicksichtigt der Wein- bauer vorangefiihrle Umstiinde, so wird er bezuglich der Zeit und Hiiufigkeit der Bodenbearbeitung behufs Dnkrautvertilgung im Rei- nen sein. Es ist. nicht zvveekmassig, vvie dies bei uns eingefiihrt ist, eine gevvisse Zahl von Jiithauen auf gevvisse Zeiten verteilt fest zu be- stimmen. Frisch rigolfe Weingarten vverden leichter verschlemmt als altere, in denen sich schon mehr Humus an der Oberflache gebildet, die Kruste der Oberflitche muB in solchen daher ofter gelockeit 4 * — 52 — werden. In feuchlen Jahren wird das Unkraut in fruchtbaren Boden uppig wuchern, man wird da auch ofter Jiithauen vornehmen miissen. Je einmal im Jahre wird der Boden 15 — 20 cm tief gelockert, gehauen, um der Luft ein tiefes Eindringen zu ermoglichen. dadurch, daB die obere, zusammengeschlagene und getrelene Schichte ziemlich iief angebrochen wird. Dieser tiefen Ilaue, der Karslhaue. folgt nocli ein ofteres bis 10 cm tiefes Flach- oder Jiithauen zu dem Zvvecke. um nur die obere Kruste zu durchbrechen und die Unkriiuter zu vertilgen. Die Karslhaue wird zumeist im Friihjahre gleich nach dem Schnitt ausgefuhrt, denn es ist. sehr vorteilhaft, wenn die Schollen noch von den Frosten ein wenig gelockert werden. Vorteilhafter ist diese Haue noch im Herbste, weil da der Boden vom Frost ordentlich miirbe, locker gemacht wird, womit eine weitereZerselzung, eine Zunahme der Fruchtbarkeit des Bodens verbunden ist. Gelegentlich der Karslhaue werden die Tauvvurzeln abgeschnitten. Fiir die Karsthaue braucht man Geriite, welche moglichst leicht und tief in den Boden eindringen konnen. Spitz- hauen sind zu dem Zvvecke vveniger brauchbar, da sie den Boden gegen die Sohle des Schlages zu spitz ausreiBen. Besser sind Ge- rate von rechteckiger Form. Diese dringen schvverer ein, daher werden sie fiirschvveren Boden schmliler genommen (Fig. 21), fiir leich- tere Boden konnen sie breiter sein. Sehr vorteilhaft sind die Karst- hauen (Fig. 22), deren GrundriB eigenllich ein ziemlich breitesRecht- eck wie bei einer breiten Flachhaue ist und vvelchen das Eindringen in den Boden dadurch vvesentlich erleichtert wird, daB diese breite Flache durch 2 ziemlich schmale, in den Boden leicht eindringende Zinken gebildet wird. Dadurch ist es moglich, auch in schvveren oder steinigen Boden bei jedes- maligem Schlag mit dem Gerate einen breiten Streifen Bodens zu nehmen. Das Flach- oder Jiithauen wird je nach Bedarf d bis 4-mal durchgefiihrt. Je ofter desto besser und ist die Zalil dieser Boden- Figur 21. — 53 — bearbeilung eigenllich nur durch den Zeitmangel und die Kosten begrenzt. FLir dieses Jiithauen, bei welchem man den Boden nur sozusagen abschalt, sind verschiedene Gerate, Hauen zweckmassig, so z. B. Fig. 2B. Die letzte Jathaue \vird unmittelbar vor dem Weich- vverden der Trauben fertig gemacht. Von dem Zeitpunkte an sind die Trauben sehr em- pfindlich und man tut besser, wenn man von der Zeit an gar nicht in den Weingarten geht. Das Jalen (bei uns Blossen genannt) des Unkrautes kann die Jat- haue, mit der auch eine Lockerung verbunden ist, auf keinen Fali er- tlgur setzen. Sehr nachteilig ist es, wenn, wie zumeist in Steiermark, das Unkraut als Futler bei unzureichender Diingung aus dem Weingarten gelragen wird und ist es gevviB iiusserst dringend geboten, diese MiBvvirtschaft je eher desto besser aufzulassen. Der Vorteil, den das Rein- und Lockerlmlten des Bodens mit sich bringt, kann Ilir den einen Ertrag heischenden Wein- bauer ausschlagge- bend sein. Die mit unter aufgeworfene Vermutung, eine oftere Haue konnte schadlich wirken, ist wohl nur eine Aus- rede seilens derjeni- Figur 14 gen, welche sich eine , . T >.„ nn oftere Wiederholung dieser Arbeit ersparen mochten. Nac 8 die Reinigung des Bodens, die Haue, nur wirken, a s \ 7 .. ^ kraut den Weingarten ziemlich iibervvuchert bat. ir 11 bei einer sehr groBen Hitze gehauen, ervvarmt sich der so u — 54 — rein gemachte Boden schnell und iafolge dieses rapiden Steigens der Hitze kann der Sonnenbrand Schaden anrichten. Kine bei nassem Boden durchgefiihrte Hane wirkt auch eher schadlich als niitzlich, sie hat die Bleichsucht zur Folge. Wenn namlich ein schvverer Boden gehauen wird, so lange er noch naB ist. komrnt derselbe in einen Zustand, in dem er, statt fur die Luft durchlassiger zu werden, dieselbe noch mehr abhalt. Bie Unkriiuter werden, falls ein nasser Boden gehauen wird, auch nicht so gut vertilgt wie bei trockenem Boden. Es isl selbstver- stiindlich, daB bei der Haue der Boden schon gewendet werden soli. Bie Unkriiuter werden ausgebeutelt und iin Weingarten gelassen, falls es solche sind, die sich nicht durch Wurzelstiicke erhalten oder verinehren, wie z. B. die Quecken. Letztere miissen aber sorgfiillig zusammen- geklaubt werden. Man kann durch gevvisse MaBregeln die Haue in den Weingarten, wenn nicht ganz, so vvenigstens teilweise umgehen. Figur 26. Man trachtet schon beim Rigolen moglichst Steine auf die Oberflache zu bringen. .le steiniger die Oberflache, desto lockerer bleibt der Boden, desto weniger ist eine oftere Lockerung n5tig. Durch Ver- mehrung des Humus in der oberen Krumme wird der Boden auch weniger verschlemmhar, bleibt slets locker, da handelt es sich auch vveniger um eine Lockerung als um die Unkrautvertilgung. Bringt man auf die Oberflache lockernde Malerialien z. B. Kohlenlosch, verkrustet die Oberflache auch nie, der Boden bleibt immer locker. Ein besonderer Vorteil so einer Becke ist aber deren groBe Erwarmungsfahigkeit, welche iiusserst giinslig auf die Qualitat des Weines wirkt. Sind die Lagen mehr eben und ist genugend Raum zum Wenden, kann in den Weingiirten die Bodenlockerung und Unkrautvertilgung auch mit Gespannsgeraten bewerkstelliget werden. Die Gespannarbeit komrnt bis zwei Drittel billiger als die Handarbeit,. Wegen dieser Billig- keit kann die Lockerung ofter wiederholt werden und die Qualitat der — 55 — Arbeit wird durch diese oftere Wiederholung sogar besser. Wo es daher angeht, namentlich wo es sich am Erzeugung billiger Weine handelt, mogen die Weingarten fiir diese Bearbeitung mit Gespann- geraten eingerichtet werden. Zu dem Zwecke sollen die Reihen in der zweckmassig.st.en Arbeilslinie und mit Zwischenraumen von min- Figur 27. destens 1 25 m abgesteckt werden. An den Enden der Reihen mu!3 geniigend Raum fiir das Wenden des Gespannes sein. Von solchen Gespanngeraten kommen fiir eine tiefe Lockerung, fiirs Anhiiufeln und Aufraumen der Reben die Pfliige Fig. 24, 25 in Ver- wendung. Fig. 26 zeigt die Scharre dieser Pfliige. Zur Vertilgung des Un- kraules und zur oberflachlichen Lockerung des Bodens ist am iiblichsten das Geriit (Fig. 27) mit Scharren oder Messern (Fig. 28. a, b, c.) 2 . Zudecken der Reben. In der Bodenbearbeitung ist eigentlich auch das Anhiiufeln der Reben inbegriffen. Dieses wird hauptsachlich zum Schulz der Reben gegen strenge Winterk;ilte vorgenommen. Nebenbei wirkt es aber ebenso, oder, weil durch die Kiimme die Oberfliiche des Bodens eine grossere vvird, noch giinstiger als vvie die Herbslhaue. Man moge aber ja nicht zu friih zudecken, sondern kurz bevor die argsten — 56 — Froste zu befiirehten sind. Itn Friihjahre riiume man aber auch zeitig, gleich nachdetn die argsle Gefahr toriiber ist. auf. Bleiben die Reb- slocke zu lange im Boden gedeckt, dann treiben sie zu sehr aus und leiden von den Friihjahrsfrosten umsomehr. Beim Anhaufeln, Zudecken muB der Boden unbedingt mehr trocken sein, denn nur ein solcher legt sich schon um die Reben und es wird so verhindert, daB die Augen im Boden faulen. So werden die Stdcke meist in Gegenden mit sehr kalten, doch haufig schneefreien Wintern ge- schiitzt. Am leichtesten wird dies dort durchgefiihrt, wo mit Ge- spanngeraten gearbeitet \verden kann, da wird einfach mit einem Haufelpflug angehaufelt. Natiirlich muB auch die Erziehungsart der Rebe darnach, namentlich eine niedere, sein. VII. Dungung. Dies ist das wichtigste Kapitel der Landvvirtsehaft. Es lehrt, die in den verschiedenen Erzeugnissen dem Boden entnomtnenen, eigentlich entliehenen Sloffe auf verntinltige Weise wieder zu ersetzen. Die unbefriedigenden Ertrage vieler Weingarten, deren elender Zu- stand ist zumeist einer ungeniigenden Dungung zuzuschreiben. Ohne Diinger bleibt. namentlich in den ausgesogeneren Boden die Ernte schwach, auch wenn allerhand mogliche und unmogliche sonstige Kunstgrifle angewendet werden. Wir sind nun so weit, daB wir endlich mehr oder weniger regelrecht durchgefuhrte Neuanlagen mit bedeutendem Kostenaufwand schaffen, wir sind mit unserem Wein- bau auf einen besseren Weg eingelenkt und erwarten, durch die bisherigen schonen Erfolge aufgemuntert, vieles von unserem Wein- garten. Unsere Hoffnungen diirften uns aber bald betrugen, falls wir nicht rechtzeitig wohl uberlegen, womit und wie wir dungen sollen. Der Weinbauer moge daher diesem Kapitel besondere Aufmerksamkeit \vidmen. Der Grundsatz, daB der Rebstock im Diinger schwimmen soli. kann dem Weinbauer zu jetzt ungekanntetn Wohlstande verhelfen. i. Warum soli gediingt vverden? Fur alle Kulturpflanzen wird in erster Linie deswegen gediingt. damit dem Boden die Stoffe ersetzt werden, von denen im selben ohnehin geringe verfugbare Mengen vorkommen und die wir ihm — 57 in den verschiedensten, auf demselben zugewachsenen Erzeugnissen fortwahrend entnehmen. Diese Štolfe miissen wir im Boden in dem Umfange vermehren, als dies unser wirtschaftlicher Vorleil erheischt, sovveit die Erhiihung der Reinertrage damit moglich ist. Wenn aus dem Weingarlen gar nichts herausgenommen wird, weder Blatter noch Unkraut, noch Trauben etc., \viirde der Boden wohl immer bei Kraft bleiben, da sich die Menge der Pflanzennabrstoffe in demselben gar nicht vermindern. im Gegenteile gewissermassen noch vermehren wurde. In Wirklichkeit werden aber dem Weingarten nebst, Wein auch noch Trester, Laub, Holz, Unkraul etc. entnommen. Alle diese Stofle enthalten aber Bodensubstanz, welche als Nahrstoff von der Rebe und den Unkrautpflanzen aufgenommen wurde. Diese Boden¬ substanz, welche ohnehin nicht in bedeutenden Mengen, besonders nicht im verfiigbaren Zustande im Boden enthalten ist, miissen wir in einer oder der anderen Form demselben wieder zuruckerstatten, sonst wird der Boden bald arm. Um daher unsere Boden bei gleicher Kraft zu erhalten, miissen wir diingen. Diingen \vir mit Stallmist, Kompost, Laubbausehen, Griindiinger etc., uberhaupt Stoffen, die viel organische Substanz enthalten, vvelche wir in grosseren Massen aufbringen, so beabsichtigen wir und erzielen auch gleichzeitig mit dem teilvveisen oder vollkommenen Ersatz der Pflanzennahrstoffe eine physikalische Bodenverbesserung. Wir ver¬ mehren die Humussubstanz noch mehr, als dies nur durch das untergehaute Laub, Unkraut etc. geschieht. Wird der Boden reich an Humus, verschlemmt er vveniger, bleibt locker, liiBt die Luft. besser in die Tiefe, bleibt feuchter, wird dunkler, die darin fortw;ibrend sich entwickelnde Kohlensaure besorgt die Zersetzung der mineralischen Bodenbestandteile etc. Lauter schwerwiegende Umstiinde. 2. Stoffe, vvelche wir im Diinger dem Boden zuruckerstatten miissen. Von den PflanzennahrstofTen, welche wir dem Boden in den Bodenprodukten entnommen haben, miissen wir namentlich drei wieder zuruckerstatten: Das Kali, die Phosphorsaure und den Stickstoff. An diesen ist der Boden zumeist arm. In den meisten Pallen erzielen wir mit Phosphorsaure und Stickstofl die besten Er- folge, denn Kali enthalten manche, namentlich aber schvvere Boden ziemlich viel, wahrend es an Phosphorsaure beinahe immer mangelt. 58 — * Sandige Boden sind aber auch meist arm an Kali. Bei einer Fech- sung von 24 hi entnehmen wir dem Boden im Wein, den Trestern, dem Gelager, Trieben etc. pro Joch zirka 45 5 kg Kali, 13 kg Phos¬ phorsaure, 58 5 kg StickstofT. Nur in Trauben entnehmen wir aber 19 5 Kali, 4'7 Phosphorsaure, 10 kg StickstofT. Bei einer Heuernte von 30 kg Heu entnehmen wir pro Joch Wiese 39'5 kg Kali. 12 kg Phosphorsaure und 46 kg StickstofT. Diese Zahlen zeigen uns, wie viel wir beilaufig durch die oben angefuhrten Produkte dem Boden entlehnen. Tragen wir nun die Trauben aus dem Weingarten, belasten wir uns mit einer verhaltnis- mafSig geringen Sehuld. Falls wir aber auch die Triebe, das Schnitt- holz elc. dem Weingarten entnehmen, da wird die Forderung des Weingartens gleigh beilaufig dreimal so hoch. Um wie viel hoher wird sie, wenn im Weingarten auch noch Futter fur das Vieh geerntet wird oder gar noch andere Pflanzen mit gezogen werden. Der Wein- bauer, der dies nicht beriicksichtigt, ist ein leichtsinniger Schulden- macher. Je mehr er dem Weingarten entnimmt, desto grd Cer wird die Sehuld, der Boden ist aber ein erbarmungsloser Glaubiger. Werden ihm seine Forderungen nicht rechtzeitig zurlickerstatt.et, verlangt er groCe Wucherzinsen in sorgfalligerer Bearbeitung und doch vernichlet er den wenn auch sonst unendlich fleiBigen Weinbauer. Ein ver- niinftiger Landwirt ist bestrebt, in einem Abrechnungsbuch alle seine Geldschulden iibersichtlich zu halten, deren Vermehrung und Ab- stattung genau aufzuzeichnen, die falligen Gebuhren rechtzeitig zu entrichten elc. VVare er doch gegeniiber dem argen Gliiubiger, dem Boden, auch so genau ! Die drei genannlen vvichtigsten StofTe nebst noch anderen haben wir entweder alle zusammen oder zu je zvveien oder einzeln in verschiedenen Mengenverhaltnissen im Slallmist, in der Jauche, im Kompost, in verschiedenen Abfallen der Wirtschaft und des Haus- haltes, im kauflichen Kunstdunger etc. enthalten. In den Handel kommen sie im Kunstdunger und haben in diesem einen Verkehrsvvert von beilaufig 1 K 60 h der StickstofT, von beilaufig 40 h die Phosphor¬ saure und 20 h das Kali pro 1 kg. Nach diesen Preisen laBt sich auch der Wert des zu Hause erzeugten oder gekauften Stallmistes beilaufig berechnen. Beim Ein- kauf von Slallmist ist dies von Bedeulung, damit er nicht iiberzahlt wird. Wohl soli dabei auch noch die Wirkung der organischen - 59 — Substanz mit veranschlagt werden. AUe Pflanzennahrstoffe mussen wir aber den Pflanzen in entsprechender Menge, in entsprechenden Mengenverhaltnissen und in entsprechender Form bieten. Beziiglich der Menge mogen die vorangefiihrten Zahlen betref- fend die Entnahme von Pflanzennahrstoffen durch die Ernten, als beilaufiger Anhaltspunkt dienen. Verschiedene Boden haben schon an und fiir sich infolge fort- vvahrender Zersetzung mehr oder weniger solche Stoffe in einer zutraglichen Form tur die Pflanzen verfiigbar. Bei einem ralionellen Betriebe werden auller dem Weine bei- nahe alle Erzeugnisse des Bodens demselben wieder erslattet. Aus der Atmosphare kommt durch den Regen und Schnee auch ziemlich viel Stickstoff in den Boden u. z\v. 5—14 kg pro Joch. Die in Weingarten als Unkraut wachsenden und beim Jathauen untergegra- henen Leguminosen tragen auch etwas zur Vermehrung des Stick- stoffes hei. Aus diesen Griinden geniigt es, wenn wir pro Jahr und Joch zirka 25 kg Stickstoff, 15 kg Kali, 8 kg Phosphorsaure als un- bedingt erforderliche Dungermenge rechnen. Haben wir aber durch Versuche und Erfahrungen die Uberzeugung gewonnen, dah mit gros- seren Mengen ein grosserer wirtschaftlicher Erfolg zu erzielen sei, werden wir naturlich starker diingen. Im allgemeinen ist. es angezeigt, den Boden mit grosseren Mengen von Pflanzennahrstoffen zu ver- sehen, als die unmittelhar aus der Menge der Erzeugnisse berech- nete, dem Boden entnommene Menge ausmacht. Bemessen wir nur karg, dann kommen die Pflanzennahrstoffe nicht voli dem Boden zu- guie, da sie ja im Boden stark verteilt sind und von der Rebe nicht volkommen erreicht und aufgenommen werden konnen. Sehr wichtig ist das Mengenverhaltnis dieser den Pflanzen zu Gebote steh- enden Pflanzennahrstoffe. Der Erfolg hiingt von dem richligen Mengenverhaltnisse der Pflanzennahrstoffe zu einander ab. Wenn beispielsweise der Boden ubermassig viel Kali und Stickstoff, aber zu wenig Phosphorsaure enthalt, konnen die grossen Mengen Kali und Stickstoff nicht zur- vollen Geltung gelangen, der volle Er¬ folg bleibt aus. In diesem Falle helfen wir mit Phosphorsaure nach, dann ist der Erfolg gesichert. Diingen wir beispielsweise nui mit Jauche, welche viel Stickstoff, doch verhaltnismiissig wenig Phosphor¬ saure enthalt, erzielen wir keinen befriedigenden Erfolg, auffer wenn wir noch Phosphorsaure beimischen. Dies ist die Ursache, dass — 60 — der Rebstock in iibermassig stickstoffreichen Boden vvuchert, doch wenig Friichte bringt, das Holz schlecht ausreift, sehr schwammig wird und leicht abfriert und ein guter Erfolg nur mit reichlichen Phos- phorsaure- eventuell auch Kaligaben erreicht vverden kann. Dieses Gesetz des Minimums moge daher woh! beherzigt werden. In der Asche der auf der Rebe zugevvachsenen Teile der Blatter, Trauben, des Holzes etc. ist das Verhaltnis zvvischen Phos- phorsaure und Kali gleich 1: 8'4. Wir brauchen aber nicht. immer in diesem Verhaltnisse die Reben zu diingen, ja haufig werden wir mit- grosseren Phosphorsaure- als Kalimengen einen besseren Erfolg er- zielen, denn einige, besonders aber schwere Boden enthalten ohnehin viel Kali, wahrend es in sandigen Boden zumeist daran mangelt. Auf ein und demselben Boden wird aber z. B. bei einer Pflanze mit Kaligaben ein vorziiglicher Erfolg erzielt, \vahrend bei einer anderen Pllanzenart der Ertolg ganz ausbleibt, wenn auch die letztere durch- einen grosseren Kaligehalt der Asche ein grosseres Bedurfnis nach Kali vermuten lasst, so z. B. die Rube. Dies hangt eben auch von der Fahigkeit einzelner Pflanzen, dem Boden Pflanzennahrstoffe zu entnehmen, ab. Was die Form der Pflanzennahrstoffe anbelangt, richtet sich deren Wert nach deren Loslichkeit. Wtinschen wir schnellen Erfolg, nehmen wir die Pflanzennahrstoffe in einer leicht loslichen, teureren Form. Die Verwendung leicht loslicher Pflanzennahrstoffe hangt aber auch von der Fahigkeit des Bodens, diese zu absorbieren zuruckzuhalten, ab. 3. Zeit fiir die Diingung. Gedungt wird am vorteilhaftesten im Herbst oder im Laufs des Winters. In dem Falle beobachten wir im folgenden Jahre be- reils einen besseren Erfolg, als wenn wir ersl im Fruhjahre diingen, Mit sehr leicht loslichen Kunstdiingern konnen wir, oder mitunter miissen wir sogar erst im Fruhjahre oder schon wahrend der Vege- tationsperiode diingen. Letzteres gilt besonders beziiglich des Chili- salpeters, vvelcher vom Boden nicht wie die librigen Kunstdiinger absorbiert (zuriickgehalten), sondern von der Winterfeuchtigkeit aus- gevvaschen wird, so dafi er fiir die Rebe verloren ware. - 61 - 4 - Wie wird gediingt? Jiingere Reben konnen wir, namentlich wenn wir mit Diinger sparen wollen, derart diingen daB ziemlich nahe um dieselben Griibchen gegraben werden, in \velche man den Diinger einstreut. In iilteren Weingarten, besonders aber in \Veingarten mit ameri- kanischen Unterlagsreben, sind aber die Wurzeln sehr stark verbreitet, so daB sie beinahe den ganzen Boden durchvveben. In solchen Fiillen ist es wohl angezeigter, den Diinger vor der Haue breit- wiirfig auszustreuen und ilm durch die Haue zu vergraben. Man kan n auch zwischen den Reihen Graben ausheben, in welche der Diinger eingeschiittet wird. Dies erfordert aber mehr Aufvvand an Arbeit, als wenn wir den Diinger vor der Karsthaue breitvviirfig aus- streuen und einfach durch die Haue unterbringen. Doch ist ein Vor- teil damit verbunden, daB namlich tiefere Schichten gediingt werden, so daB der Diinger auch tieferen Wurzeln besser zustatten komint. . Bei groBer Reihendistanz, namentlich in jiingeren Weingarten, werden solche Graben fiir die Diingung nicht mitten durch die Reihen, son- dern ein Jahr naher an einer, das nachste Jahr an der anderen Reihe, abvvechselnd, sodann auch durch die Reihen der Quere nach gezogen. Wo die Gepflogenheit herrscht. die Rebstocke iiber Winter anzu- haufeln, entstehen zwischen den Reihen, auf welche die Erde als Kamra angezogen wird, Graben. In diese kann der Diinger im Laufe des Winters eingebracht werden. Namentlich unzersetzter organischer Diinger darf nicht zu tief untergebracht werden, \vie dies haufig unverstiindigerweise geschieht. Besonders in schvveren Boden nicht. Stallmist soli man auch nicht im Weingarten langere Zeit ungedeckt lassen. Diingemittel, die vom Boden nicht absorbiert werden, z. B. Ghilisalpeter, Kalk etc. konnen nur obenauf gestreut werden. Liegt am Roden noch ungedeckter Stallmist. frei ausgebreitet, da soli wohl kein Atzkalk darauf gestreut werden. 5. Verschiedene Diingemittel. A. Stallmist. Nicht jeder Stallmist hal gleichen Wert. Derselbe hangt vve- sentlich vom Futter, von der Streu, von der Behandlung etc. ab. Frischer Stallmist hat in 100 kg u. zw. Pferdemist 25 4 kg.,Rinder- mist 20 3 kg, Schweinemist 25 kg organische Substanz. Pferdemist, — 62 — hat O 58 kg Stickstoff, 0 53 kg Kali, 0’28 kg Phosphorsaure, Rinder- mist 0‘34 kg Stickstoff, 0 40 kg Kali, 016 Phosphorsaure, Schvveine- mist 0 45 kg Stickstoff, 0 52 Kali und 019 kg Phosphorsaure. Die orgarische Substanz im Stallmiste moge man wohl audi nicht unterschatzen. Dieselbe hat eine groBe Bedeutung, nachdem sie im Poden Humus bildet. und den Boden physikalisch giinstig beeinfluBt. Ist der Stallmist friscb, so enthalt er die Pflanzennahrstoffe beilaufig in den oben angegebenen Mengenverhaltnissen. Wahrend des Lagerns, besonders bei schlechter Behandlung, andert er sich bedeutend. Namentlich kann dem Stallmist die Hiilfte und gar mehr des teuren Sticksloffes verloren gehen. Wird aber der Diinger, wie leider landesiiblich, vom Regen ausgewaschen, so gehl nebst viel Stickstoff auch noch Phosphorsaure und Kali verloren. Dem Wein- bauer geht es ohnehin zumeist knapp mit dem Diinger, moge er daher besonders darauf schauen, dafi der sdrvver ervvorbene ver- fiigbare Stallmist keinesfalls an Kraft und Gehalt verliert. Um das Auswascheri und Auslaugen des Diingers zu verhindern, braucht man wohl keinen besonderen Aufwand an Geist, wenn man nur den Wert des Diingers einsieht,. Festes Zusammentreten und Bedecken mit Erde mogen als weitere vorziigliche Behelfe zur Konservierung des Diingers dienen. Bei soleh richtiger Behandlung wird der Stall¬ mist durch das Lagern nicht wesentlich schwacher, relaliv wird er sogar starker, konzentrierter, nachdem der Diinger durch Verdunstung und Zerselzung der organischen Substanz an Gewicht abnimmt, die Menge der Pflanzennahrstoffe in demselben aber ziemlich die gleiche bleibt. Die oben angegebenen Mengenverhaltnisse an Pflanzen- nahrstoffen konnen dem Weinbauer als Behelf dienen, um beim Einkauf den Diinger nach seinem Gehalt annahernd schalzen und auch beilaufig berechnen zu konnen, wie viel Pflanzennahrstoffe er damit dem Boden einverleibt hat. Fiir den Weingarlen taugt jeder, auch der mitunter verponte Pferdediinger. Letzterer ist. sogar besser, weil er mehr Pflanzennahr¬ stoffe enlhalt, weil er konzentrierter ist. Schaden kann der Pferde¬ diinger nur in trockenen Boden, im Ubermasse, namendich nahe den Wurzeln gegeben, besonders wenn er frisch ist. Weil der Pferde¬ diinger kraftiger als der vom Rind ist, so kann man davon auch etwas weniger nehmen. 63 — Fiir schwere oder feuchlere Boden verwendet man frischeren Diinger, der bei der Vervvesung den Boden besser lockert, fiir leichfen und trockenen Boden taugt ein verrotteter Diinger besser. Ganz frischem Stallmist weicht man aber schon wegen seiner verhallnis- massigen Schwere und der schwierigen Verteilung wegen des un- verwesten Strohes aus. Aueh fordert er gerne verschiedene Krankheiten im Weingarten. Vor der Vemendung des Stallmisles im Weingarten wird derselbe mit Jauche gut durchjrankt, damit er vollkommener wird. B. M i s t j a u c h e. Die Mistjauche enthalt an und fiir sich viel Wasser, daher deren Transport im Weingarten umstandlich und verteuert wird. Sie taugt daher besser, um den Diingerhaufen vor der Vemendung gut zu durchlranken oder Komposthaufen mit ihr zu begiessen oder fahrt man sie als wertvollen Diinger auf bequemer gelegene Grund- stiicke. Die Mistjauche ist kein vollkommener Diinger. Sie bat viel Stickstoff und Kali, an Phosphorsaure mangelt es ihr aber. In den Weingarten niitzt die Jauche hauptsachlich zur sehnellen Starkung einzelner schwach gevvordener Rebstocke. Solchen Rebstocken wird nahe an denselben, in mittels eines Pfahles gemaehte Liicher, die leieht verleilbare und aufnehmbare Jauche zugegossen. C. Abortdiinger. Der Abortdiinger repriisentiert einen vorziiglichen Diinger. Dieser enthiilt namentlich viel Stickstoff, zirka 0 35 kg, sodann Kali 0 20 kg und 0.28 kg Phosphorsaure in 100 kg. Auf den VVeingarten iibt er keinen ungiinsiigen EinfluG, er taugt, weil er sehr kriiftig ist, sehr gut zum Uberdiingen. Besonders vorziiglich ist der Abortdiinger, wenn er mit Torfmull vermengt ist. D. Kunstdiinger. In Kunstdiingern kann man den Pflanzen leieht geniigende Mengen von Nahrstoflen geben, im Verhaltnis zum Stallmist weisen sie aber Mangel auf. Der Boden wird vom Kunstdiinger nichl so physikalisch verbessert als wie vom Stali diinger oder Kompost, im Oegenteile wird er noch verschlechtert. Um diesen Ubelstand zu beheben, ist es angezeigt, die Kunstdiinger neben Kompost, lorfstreu, Griindiinger etc., iiberhaupt neben Materialien anzuvvenden, welche _ 64 — mehr organische Substanzen enthalten. In den Weingarten kommt zwar etwas davon auch dureh. das Laub, Holz und verschiedene Abfiille, sowie das untergegrabene Unkraut. Die Vorteile der Kunst¬ diinger sind aber auch sehr erheblich. Sie sind im Stande, den Mangel an Pflanzennahrstoffen vollkommen zu beheben. Da sie sehr konzentriert sind, braucht man ein verhiiltnismassig nur geringes (ie- \vicbt und Volumen in den Weingarten zu transportieren, um dem- selben die enlspreehende Menge Pllanzennahrung einzuverleiben. Dies verbilligt wesentlich den Betrieb, besonders in steilen, schwer zu- giinglichen Weing;irten. Mit Hilfe der Kunstdiinger ist es auch mdglich, das richtige Verhaltnis zwischen den einzelnen Pflanzennilhr- stoffen im Boden zu erhalten. Bei ausschlieClicher Anwendung von Stallmist. ist eine Entmischung des Bodens docli leicht mdglich, es kanu bald ein UberschuB von diesen oder jenen PflanzennahrslofTen im Boden entstehen, so daB er nicht voli ausgeniitzt. wird. Mit Kunst- diinger kann man aber in diesem Falle denjenigen Niihrstoff ergiinzen, woran es im Boden am meisten mangelt. Diingen wir beispielšvveise zu stark mit gutem Stallmist, so konnen wir zu einem Uberschuss an Stickstoff kommen. Der Rebstock wird dabei wuchern, doch weniger fruchtbar sein und leicht abfrieren. In solchem Falle helfen wir mit Phosphor- saure und Kunstdiinger nach. Die Landwirte konnen mit vorziiglichem Erfolg die Kunstdiinger auf Wiesen, bei Futterpflanzen iiberhaupt anwenden. Die Folge davon ist mehr Futter, mehr und besserer Stallmist und dieser kann vvieder den Weingarten zugute kommen. Leichtsinnig und ver- schwenderisch isl jener Landvvirt, welcher fiir Kunstdiinger Geld ausgibt., wiihrend er dureh unrationelle Behandlung seines Stallmistes Pflanzenniihrstoffe, die er bereits besessen, in Verlust geraten liiBt. Die bei uns iiblichen Kunstdiinger haben zumeist je einen Pllanzennahrstoff. Kunstdiinger, welche hauptsachlich Stickstoff als Pflanzennahr- stoff enthalten: a) Chilisalpeter hat zirka 1 d°/o Stickstoff. Die Wirkung dieses Diingemittels ist eine ausserordentlichrasche und es wird hauptsachlich angevvendet, wenn man den Pflanzen rasch aufhelfen mochte. Die wirksame Saljietersaure des Chilisalpeters, wie die Snlpetersaure iiberhaupt hildet im Boden leicht lbsliche Salze, welche Votn Boden — 65 — leider nicht absorbiert, sondern vom Wasser ausgewaschen werden. Chjlisalpeter findet daher nur dann Verwendung, wann ihn die Pflanzen als die ihnen zutriiglichste Form Von StickstofT rasch aus- niitzen konnen, daher w,'ihrend der Vegetation. Im Weingarten streut man ihn im Friihjahre beim Beginn der Vegetation, falls nicht zu nasses Wetter in Anssicht steht, bei der ersten Haue. Am besten streut man ihn aber in zwei Portionen, im Friihjahre eine und im Friihsommer eine. b) Schwefelsaures Ammoniak enthalt zirka 20°/o StickstofT. Dieses Diingemiltel kann bereits im Herbst gestreut werden, da der Boden das Ammoniak fest fesselt. Schwefelsaures Ammoniak wird zurneist in Verbindung mit Phosphorsaure und kalihaltigen Diinge- mitteln angevvendet. Mit kalkhiiltigen Materialien z. B. Asche, Thomas- schlacke etc. darf man es nicht mischen, namentlich nicht zur lan- geren Aufbewahrung, nachdem der Kalk die Eigenschaft hat, das Ammoniak zu verdrangen. Kunsfdiinger, vvelche hauptsachlich Phosphorsaure enthalten: a) Knochenmehl enthalt zurneist 20—24% unlosliche Phosphor¬ saure und zirka 4% StickstofT. Die Wirksamkeit des Knochenmehles hiingt von dessen Feinheit ab. Mehr rohes Knochenmehl soli vor der Verwendung kompostiert werden. Aber auch beim feinsten Knochen¬ mehl empfiehlt sich im Interesse der Wirksamkeit das Fermentieren. Es wird mit Sagespanen eingeschichtet und ofters mit Jauche begossen, damit es anfaull. b) Thomasschlacke enthalt zu 16—24% Phosphorsaure. Ihre Wirkung ist zurneist sehr giinstig. Es empfiehlt sich, darin die dop- pelle Menge an Phosphorsaure als im Superphosphat anzuvvenden. Ihre Nachwirkung ist sehr gut uud wird hauptsachlich die Ihomas- schlacke in Fallen angevvendet, wo man fiir mehrere Jahre die Dtin- gung einmal ausfuhren will. c) Superphosphate enthalten zirka 10—20% einer bereits im puren Wasser loslichen Phosphorsaure. Doppelte Superphosphate sind solche, die 35—45% Phosphorsaure enthalten und kommen solche zurneist dann in Anwendung, wo es heifit, bei den I ransport- spesen zu sparen, da sich bei diesen der Aufwand fiir den Trans¬ port pro Kilogramm Phosphorsaure beim Bezug und in die V ein- giirten natiirlichervveise billiger slellt, als in Diingemitteln, dieweniger Phosphorsaure enthalten, von denen man naturgemiiB mehr nehmen 5 — 66 — muBte. Superphosphate bevorzugt man wegen der leichteren Los- lichkeit der Phosphorsaure, wegen ihrer raschen Wirkung. Mit. ihnen wird nicht auf Vorrat, sondern [tur den augenblicklichen Bedarf gediingt. Ihre leiclite Losliehkeit, daher ihre rasche Wirksamkeit verlieren die Superphosphate, falls sie mit kalkhitltigen Materialien z. B. Asche, Thomasschlacke etc. gemischt werden. Dungemittel, die hauptsachlich Kali enthalten: a) Kainit mit 12—14% Kali nebst ziemlich viel Kochsalz und anderen Chlorsalzen, konnte mit der Zeit in den Weingarten schadlich werden, falls sich nach haufiger, starker Anwendung zu viel Chlorsalze im Dntergrunde ansammeln wurden. Bei durchlassigem Untergrund ist die Gefahr keine grosse. Wegen der Schadlichkeit der Chlor¬ salze bei grosserer Ansammlung im Untergrund empfiehlt sich fiir die tiefwurzelnden Reben als Kalidiinger besser das b) konzentrierte schwefelsaure Kali mit 50—52% Kali. Nach- dem dieses beinahe fiinfmal soviel Kali enthalt als das Kainit, braucht man davon auch nur l / 8 vom Kainit, um gleiehe Mengen Kali in den Boden zn bringen, daher kommen die Transportspesen pr. 1 Kg. Kali im konzentr. sehwefelsauren Kali heilaufig nur auf 1 / 6 von den fiir 1 Kg. Kali im Kainit. Bei entfernten Bezugsquellen und schwer zuganglichen Weingarten moge dies \vohl Berti cksichtigung finden. Diese Kalidiinger werden aber selten allein in Weingarten mit Erfolg angewendet, sondern zumeist in Verbindung mit Superphosphaten oder Thomasschlacke. c) Asche vom Laubholz enthalt zirka 10% Kali und 6'5% Phosphorsaure, solche von Nadelholz aber nur zirca 6% Kali und 4-5% Phosphorsaure. Die Asche ist ein vorziigliches Diingemittel, welches das Kali und die Phosphorsaure beinahe ganz im selben Verhaltnisse enthalt, in welchem diese von der Rebe aufgenommen werden. Dieses Verhiiltnis wiire eigentlich das richtigste, insoferne die Eigenart des Bodens nicht besondere Anspruche stellen wiirde. Zu den kauflichen Dungemitleln rechnet man auch Olkuchen mit 5— 6°/„ Stickstoff und 2% Phosphorsaure, Wollabfalle aus Spinn- fabriken mit 4 1 / 2 —12°/ 0 Stickstoff, Lederabfalle mit 9°/„ Stickstoff, Hornspane mit 7—10% Stickstoff nebst etwas Phosporsiiure. Sind diese Materialien giinstig zu haben, so werden sie angeschaffl, doch vor der Verwendung am besten kompostiert. Durch den Handel werden haufig die Dungemittel gemischt. z. B. als Kalisuperphosphat, — 67 — Ammoniaksuperphosphat etc., oder als Spezialdiinger, z. B.Weingarten- Dunger etc., angetragen. Ein rationeller Landwirt kauft aber keine Mischungen, sondern jede Art Diingemittel fiir sich und mischt selbes in dem Verhaltnisse wie es sein Boden bedarf. E. Einkauf der Kunstdiinger. Beim Einkauf der Kunstdiinger sei man vorsichtig. Man wende sich nur an verlaGliche Firmen. In Untersteiermark haben wir eine solche in der chemischen Fabrik in Hrastnig. Am besten kauft man sie unter der Kontrole einer offenllichen chemischen Versuchsstation, z. B. der chemischen Landes-Versuchsstation in Marburg, durch welche man sie auch iiberhaupt moglichst billig und verlaBlich be- ziehen kann. Es ist gefehlt, beim Einkauf von Kunstdiinger darauf zu sehen, wie vigl ein Meterzentner von dem oder jenem Diinger kostet, sondern man sehe nur auf den Preis von 1 Kg. PflanzennahrstofF darin, bei gleichzeitiger Beriicksichtigung einer grosseren oder geringeren L5s- lichkeit. Kleinere Weinbauer bezieben am besten und billigsten die Kunstdiinger gemeinsam, genossenschaftlich. Die Frachtpreise stellen sich niimlich beim waggonweisen Bezug bedeutend biliiger, ausser- dem w(irden die Spesen fur die Kontroluntersuchungen bei kleineren Mengen von Kunstdiinger dieselben zu sehr belasten. 6. Anvvendung des Diingers im VVeingarten. Es ist viel besser, ofter mit entsprechenden Mengen Diinger zu diingen, als einmal grofie Mengen davon zu vergraben, dann aber die Diingung wieder auf lange Zeit auszusetzen. Nur bei in nicht zu grossen Zwischenzeiten wiederholtem Diingen werden die Reben gleichmiiBig wachsen und tragen. In schvveren Boden kann seliener, in leichten Boden mufi ofter gediingt werden, jedenfalls mit der der jevveiligen Periode entsprechenden Diingermenge. Wird der Weingarten auf einmal fur 5 Jahre gediingt, vvird man natiirlich 5mal soviel Diinger im selben unterbringen, als wenn er nur fiir ein Jahr gediingt vvird. Das alljahrliche Diingen ist wegen der Arbeit zu kostspiefig. Gewohnlich vvird in Weingarlen mit besserem Belrieb ali e 3—5 Jahre gediingt. Als mittlere Diingermenge nimmt. man fiii 3—5 Jahre pro Joch Weingarten zirka 200 bis 300 q verrotteten Stallmist. 5 * 68 — Sehr gunstig wirkend und kraftig ist folgende Dungung, z. 13. fur einen funfjiihrigen Dungungsturnus, pro Joch: 1. Jahr: 300 q Stallmist, 20 kg. Phosphorsaure, z. B. in 100 kg. Thomasschlacke. 2. Jahr: 30 kg. Phosphorsaure, z. B. 150 kg. Thomas- schlacke, 20 kg. Kali, z. B. in 40 kg. schwefelsaurem Kali. 3. Jahr: 30 kg. Phosphorsaure, z. B. in 150 kg. Thomasschlacke und 40 kg. Kali, z. B. in 80 kg. schwefelsaurem Kali nebst 8 kg. StickstolT, z. B. in 50 kg. Chilisalpeter. 4. Jahr: 40 kg. Phosphorsaure, z. B. in 200 kg. Thomasschlacke und 50 kg. Kali, z. B. in 100 kg. schvvefelsaurem Kali, nebst 13 kg. Stickstoff, z. B. in 100 kg. Chilisalpeter. Wird zum Teil mit Stallmist, zum Teil mit Kunstdiinger gediingt, so werden je 100 q Stallmist mit 50—100 kg. Thomas¬ schlacke, 600—1000 kg. Holzasche oder 100 kg. konz. schwefelsauren Kali, welche Dungemittel dem Stallmist zugefugt werden, ersetzt. AuBerdem streut man bei der ersten Hau pro Jahr und Joch zirka 80 kg. Chilisalpeter. Kunstdunger werden ausschliesslich nur in solchen Boden mit Vorteil angewendet, wo die Reben infolge der Wurzelfaule leiden. Sonst ist es angezeigt, fur den Humus zu sorgen und zwar durch Torfstreu, Kompost, Laub etc. Wenn nur mit Kunstdunger gediingt wird, so gibt man auf das Joch pro Jahr 150 kg. Superphosphat (oder fur je zwei Jahre 300 kg. Tomasschlacke) 50 kg. konz. schwefelsaures Kali und 80 kg. schvvefelsaures Ammoniak oder 80 bis 100 kg. Chilisalpeter. Chilisalpeter wird erst im Friihjahre ge- streut. Handelt es sich darum, mit Hilfe der Kunstdunger nur das Gleichgewicht. bezuglich der Pflanzennahrstoffe im Boden zu erhalten, so wird Pflanzen, die schvvach wachsen, mit Stickstoff z. B. Chili- salpeter, solchen aber, die sonst iippig wachsen, mit Phosphorsaure nachgeholfen. F. Abfalle der Weingarten. Werden dem Weingarten alle die im selben gewonnenen Ab¬ falle wiedergegeben, so erhiilt er in diesen keine neuen StofTe, man mufi trotzdem die mangelnden Nahrstoffe durch andere Diingemittel ersetzen. Das beim Sc-hnitt gewonnene Rebholz wird sofort in bei- laufig 10 cm. lange Stticke zerhackl und im Weingarten ausgestreut und. unterhauen. Wo aber der Traubenwickler auftritt, moge man — 69 — das Iieber lassen, da er in dem so zerkleinerlen Rebholz zu viele Schlupfwinkel findet. In schweren Boden ist es auch vorteilhaft, wenn das Rebholz in Riindeln zusammengebunden und eingegraben wird. Dadurch wird der Boden gelockert und Humus gebildet, welcher Umstand auch die ausschliefiliche Anwendung von Kunstdiinger im Weingarten zulassen wurde. Bei starkem Auftreten von Traubenvvicklern ist es aber ratsam, Iieber dieses Rebholz aus dem \Veingarten zu entfernen oder zu verbrennen, so wie auch dann, wenn es vom Brenner, Oidium etc. befallen ist. Wird das Rebholz als Brennmaterial verwendet, moge man wenigstens die Asche dem IVeingarten wieder zuriickgeben und den beim Verbrennen verloren gegangenen Stickstoff auf andere Art ersetzen. Das zerhackte Rebholz kann auch in Kom- posthaufen wenigstens einer teilweisen Zersetzung unterzogen werden. Dasselbe wie bezuglich des Holzes gilt beziiglich der grunen Triebe, Blatter etc. Wird das alles im Weingarten gelassen und unterhauen, so braucht man weniger mit anderen Diingemitteln zu dungen. Wenn es aber vom vvirtschaftlichen Standpunkte eher angezeigt sein solite, diese Štolfe zu verfiiltern, da miissen wohl die in denselben enthal- tenen Pflanzennahrstoffe durch mehr Diinger ersetzt vverden. Die Trester, das Gelager etc. werden am besten kompostiert. Mit dem Kompost kommen die beim Kompostieren aufgeschlossenen Pflanzen¬ nahrstoffe wieder in den Weingarten. G. Laubbauschen. Laubbauschen vvirken ahnlich als wie Bundel des Rebholzes im Roden. Durch die Laubbauschen wird der Boden gelockert, der Humus vermehrt., daher eine physikalische Verbesserung zu Stande gebracht. Auch an Pflanzennahrstoffen kommt etwas durch die Laub¬ bauschen in den Boden, doch bei weitem nicht genug. Neben den Laubbauschen muBte man unbedingt noch mit Stallmist oder mit Kunstdunger, dessen Wirksamkeit durch die physikalische Wirkung der Laubbauschen' erhoht wird, dungen. Wo Wurzelfaule herrscht, dort vermeide man die Laubbauschen, da dieselbe durch letztere gefordert wird. H. Kompost. Der Kompost kann den Stallmist vollkommen ersetzen. In den Komposthaufen kommen alle sonst nicht mehr verwendbaren Abfalle — 70 — der Wirtschaft. Handelt es sich darum, schwere Hoden zu loekera, bringt man in die Komposthaufen Astzeug, Sagespiine etc. und lasse dies nur halb verfaulen. Wiinscht man den Kompost kraftiger, so werden ihm Materialien beigemischt, welche viel Pflanzennahrstoffe enthalten und we!che sich im Komposthaufen giinstig veriindern, so z. B. Hornspane zirka 500 kg. oder 1000 kg. \Vollabfalle, 800 kg. Asche, etwas Knochenmehl etc., pro Joch, fiir 3 Jahre. Der Kompost¬ haufen mufi gut mit Erde durchmischt und gedeckt sein, sonst gehen aus ihm Pflanzennahrstoffe verloren. Er mufi ofter umgearbeitet und stets feucht erhalten werden, letzteres am besten durch ofteres Begiessen mit Jauche. I. Grundiinger. Werden die Pflanzen wahrend der Bliite unterhauen, so kommt durch diese viel Humus in den Boden, daher ist es moglich, mit Kunstdiinger unter Mitvvirkung des Griindiingers beinahe ganz das- selbe zu erreiehen als wie mit Stallmist. Es gibt Pflanzen, die so- genannten Eeguminosen, z. B. alle Kleearten, Wicken, Pferdebohnen, Erbsen u. s. w., welche die grofiartige Eigenschaft haben, den Luft- stickstoff auszuniitzen, aufzunehmen. Diese Eigenschaft ist fiir den Landwirt von grofiter Bedeutung, denn sie ermoglicht ihm, den im Handel so teuren und fiir die Pflanzenproduktion so wichtigen Stickstoff fiir seine Wirtschaft aus der Luft zu gewinnen, ihn in der Wirtschaft in Umlauf zu bringen. Nach dem Ausstreuen von Phosphorsaure und kalihaltigenKunstdiingern, z. B. Thomasschlacke und schwefelsaurem Kali, werden stickstoffsammelnde Pflanzen ausgesaet und man kann durch diese pro Joch bis zu 200 kg. Stickstoff, welcher bis 300 K im Handel kosten vviirde, auf diese Ari beinahe kostenlos gewinnen. Diese Art der Diingung ist daher fiir die Landwirtschaft von allerhochster Bedeutung. In unseren Gegenden ist als Grundiinger vielfach der Buchweizen fiblich, welcher in den Weingarten haufig angebaut und dort untergehauen wird. Doch bereichert man dadurch den Boden hur an organischer Substanz, nicht aber an Stickstoff. Um beides zu erreiehen, werden dort, wo man Griindtingung anwenden will, am besten Eeguminosen ausgesaet. Zu diesem Zwecke taugt sehr gut der Inkarnatklee. Dieser wird bei- laufig im September ausgesaet, kommt friih in die Bliite und kann bereits im Mai unterhauen werden. Natiirlich miissen vorher phos- — 71 — phor- und kalihilltige Dungemittel ausgestreut worden seiu. Man ge- winnl so viel StickstofT. Leider wintert aber der Inkarnatklee gerne aus, namentlich in den schneelosen Weingartenlagen. In siidlicben Gegenden, besonders bei hohen Erziehungsarten, vervvendet man zu dem Zwecke Erbsen oder Pferdebohnen. Bei uns wendet man mit Vorteil Wicke an, besonders Winterwicke, welche bei der Herbsthaue ausgesaet und in der vollsten Bliite unterhauen wird. Solche Griin- diingungen konnten in den Weingarten alle 3—5 Jahre ausgefiihrt werden, in der Zwischenzeit konnte mit Kunstdiinger allein nach- geholfen vverden, sobald im Boden genugend Humus enthalten ist. Bei Anwendung der Griindiingung achte man doch darauf daG die Griindungungspflanzen nicht zu sehr die schadliche Rolle des Unkrautes ubernehmen Besonders zu jenen Zeiten, wo die Trauben zu reifen an- fangen oder zur Zeit. groGer Diirre konnten die Griindungungspflanzen ebenso wie das Unkraut schadlich sein. K. K a 1 k. Der Kalk gehort eigentlich noch zu den mineralischen Dlinge- mitteln. Er ist zum ersprieGlichen gedeihen der P/lanzen gerade so notvvendig als wie die fruher genannten ganz unentbehrlichen Pflanzennahrstoffe. Da beinahe jeder Boden mehr oder weniger davon enthalt und zur Not der Pflanze damit aushilft, wird der Kalk noch ziemlich selten als Dungemittel richtig gewiirdigt. Der Kalk dient teilvveise als Nahrstoff, besonders vorteilhaft ist aber dessen EinfluB auf den Boden und die Zerselzung der iibrigen Pflanzen- niihrslofTe. Es ware hochste Zeit, daG auch unsere Eandvvirte, und Weinbauer mit Kalkdiingungsversuchen anfangen. Sie kbnnen es mit Atzkalk oder Gyps im staubformigen Zustande versuchen und pro Joch 3—5 q rechnen. Die Ertrage konnen damit wesentlich gesleigert werden, doch wohlgemerkt. auf die Dauer nur dann, wenn nicht nur mit Kalk, sonderen daneben auch ordentlich mit den an- deren Pflanzennahrsloffen gedtingt wird._ — 72 — VIII. Pflanzliche und tierische Schadlinge und deren Bekampfung. Von den pflanzlichen Rebenschiidlingen sind es zumeist sehr kleine Pilze, welche auf verschiedenen Teilen der Rebe, auf den Blattern, Trieben, Trauben ete. auftreten und diese mehr oder vve- niger schadigen, so z. B. die Peronospora auf Blattern und Trauben, das 0'idium ebenso, der schwarze Brenner auf allen griinen Teilen der Rebe etc. Diese kleinen Pflanzchen vermehren sich durch Sporen ins Ungeheuere, daher trotz ihrer Kleinheit ihre grosse Schiidlichkeit- I. Peronospora. Die Peronospora ist unseren Weinbauern so bekannt, da(3 eine nahere Beschreibung derselben mehr als uberlliiBig ist. Dem Figur 29. Schaden durch die Peronospora wird bekanntlieh mittelst einer Kupfervitriollosung vorgebeugt. Fiir das erstmalige Bespritzen nehme — 73 man 1—2 kg Kupfervitriol auf 100 Liter Wasser. Das erstemal nehme man mehr Kupfervitriol, da ja die erste Bespritzung natur- gemalJ am langsten wirken und die wichtigsten Organe schiitzen soli. Fiir die spiiteren Bespritzungen, namentlich flir die letzte, geniigt aber nur die Halfte Kupfervitriol und haben sich 1 I 2 — 3 U°I 0 Losungen ganz gut bevvahrt. An Kalk braucht man beiliiufig die Halfte vom Kupfervitriol. Am besten ist es, die richtige Menge des Kalkzusatzes mit Hilfe von Laekmuspapier zu bestimmen. Dies Papier bekommt man in jeder Apolheke. Ruhrt man dem aufgelosten Kupfervitriol Kalkwasser, resp. Wasser mit fein aufgeriihrtem Kalk zu, so kann man ofters mit dem blauen Laekmuspapier versuchen, ob es noch die Farbe andert oder nicht. Solange das blaue Laekmuspapier noch rot wird, giesse man weiter Kalk zu. Scharfer noch zeigt die Reaktion das Phenolphtalein- papier. Dies vvird bei kleinem UberschuB von Kalk karminrot. Er- baltlich ist es in der chem. Fabrik in Helfenberg bei Dresden. Zu grosse Kalkzusatze sind unzvveckmassig, bei zu kleinen bleibt das Kupfervitriol zu loslich und es kann auch die zarten Blatter beseba- digen. Das Kupfervitriol soli eigentlich verhindern, daB die nackten Sporen der Peronospora keimen, indem es im Tau stets in geringen Mengen gelost wird und so giftig wirkt. Das Kupfervitriol vermindert demnach die Verbreitung resp. Ansiedlung der Pilze, wirkt daher nur vorbeugend. Sobald der Pilz schon eingevvurzelt ist, dann niitzt das Kupfervitriol resp. das Spritzen auch nicht mehr. Aus dem folgt, daB zur rechten Zeit gespritzt vverden muB, unbedingt bevor sich der Pilz angesiedelt hat, bevor die Sporen ausgekeimt sind. Nachdem man dies doch nicht so mit freiem Auge beobachten kann, auBer- dem auch vom Zeitpunkt der Keimung der Sporen langere Zeit. vergeht, bevor man die Ansiedlung des Pilzes auf den Blaltern be- merken kann, so spritzt man zur Vorsorge vvenigstens 14 Tage vor dem Zeitpunkte, an welchem sich der Pilz gevvohnlich zum ersten- mate bemerkbar macht. Bei unseren Verhaltnissen ist es angezeigt, das erstemal unmittelbar vor der Bliite, aber auch unbedingt vor derselben, etwa gegen Ende Mai zu spritzen. Durch das Spritzen werden nur jene Blatter geschiitzt, vvelche von der Flussigkeit so getroffen und bedekt vverden, daB in allen Tautropfen, in vvelchen die Sporen keimen konnten, kleine Mengen Kupfervitriols aufgelost vverden. Aus dem folgt, daB man 74 — alle griinen Organe, namentlich Blatter und Gescheine, gleichmaBig und fein bebrausen soli. Aus dem folgt. aber auch, da!3 man die Blatter, welclie naeh dem ersten Bespritzen zuvvachsen, rechtzeitig mit einem zweiten resp. dritten Bespritzen schiitzen soli. Daher spritzt man das zweitemal etwa 4 Wochen nach dem ersten Bespritzen, resp. nach der Blute, ein drittes Mal etwa 4 Woehen nach dem zweiten Bespritzen. In trockenen Jahren kann sich die Peronospora nicht stark verbreiten, da die Sporen fliissiges Wasser zur Keimung brauchen. Nasse Jahre sind dagegen der Peronospora forderlich. Auch kann in sehr regnerischen Jahren das Kupfervitriol stark abgewaschen werden, in dem Falle helfe man namentlich bei empfindliehen Sorten mit einem vierten, resp. funften Bespritzen nach. Solange noch geniigend Knpferkalk an den wichtigen Organen klebt,, ist ein Wiederholen des Bespritzens nicht notig. Auch ein spates Bespritzen zum Schutze der Gipfelblatter, die ohnehin bald durch das Gipfeln entlernt werden sollen, ist unter normalen Ver- haltnissen eine Verschwendnng. Frisch gemachte Losungen kleben besser als altere, deswegen mache man sich solche lieber nur fur kurze Zeit voraus, z. B. fur jeden Tag. Wird statt eigentlich vor- zuziehendem Kalk Soda vervvendet, achte man umsomehr auf diesen Grundsatz. DaB von der Losung auch die Gescheine und Trauben getroffen werden, soli man wohl trachten, weil sonst. die Peronospora auch diese befallt, Lederbeeren erzeugt. Ftir 1 Joch Weingarten braucht man beilaufig 10 Hektoliter Losung, daher zirka 10 kg. Kupfervitriol, etwa 5 kg. Kalk und etwa 5 Tagesschichten. Doch hangt viel vom Wachstum, der Erziehung der Beben, der Giite der Spritzen etc. ab. Mit Riicksicht darauf, daB das Wet,ter mitunter nur kurze giin- stige Zeit fur das rechtzeitige Spritzen iibrig liiBt, ist es von wesent- licher Bedeutung, daB geniigend Spritzen bei der Hand sind. Was ein Arbeiter mit einer Spritze in 5 Tagen leisten kann, leisten 5 Arbeiter in einem Tag. Ein Versaumnis kann sich aber schlimtn riichen, wie uns jedes Jahr die Erfahrung lehrt. Sehr gute Peronosporaspritzen hat die Administration der Weinlaube in Klosterneuburg (Fig. 29), Fiebinger in Marburg, Huber in Luttenburg, Alexander Duller in Graz. Dabei kommt es nachst der relativen Billigkeit auf die Giite des Materials, Einfachheit und feine Verstaubung an. — 75 — 2 . Schvvazer Brenner. Dieser ist einer der altesten Bekannten unter den Rebparasiten. Von ihm werden die Triebe, Blatter und Trauben befallen. Namentlich aui Trauben macht er grossen Schaden, indem er viel davon ver- nichlen kann. Der Brenner macht auf diesen Organen schvvarze Punkte. Diese erweitern sich, bis die Trauben, Triebspitzen etc. ein- trocknen und wie verbrannt aussehen. Dieser Pilz verbreitet sich mittels der unzahligen Sommersporen (Copidiensporen) im Weingarten und wird dessen Verbreitung durch dichten Bestand, Diingung mit frischem Slallmist, schvveren feuchten Boden, feuchle Lage etc., uber- haupt Umstande, welche eine dampfreiche Luft oder besondere Zart- heit der Epidermis zur Folge haben, gerordert. Manche Rebsorten, so der Portugieser, Muskateller, Veltliner, Sylvaner etc. sind dieser Krankheit besonders untervvorfen. Solche Sorten pflanze man ja nicht, in feuchte Lagen und schwere Boden, in welchen diese Krankheit am ilrgsten auftritt. Schnecken und Insekten, welche die Sporen des Pilzes iibertragen, verbreiten auch die Krankheit. In Weingarten, wo die Triebe nicht recht angebunden sind, sondern he- rabhangen, tritt die Krankheit iirger auf. Gegen den Brenner haben wir kein so gediegenes Mittel wie gegen die Pe- ronospora. Wohl ist es angezeigt und mit einigem Erfolg verbunden, die Win- tersporen resp. Winterform, Pykniden dieses Pilzes zu 'vernichten. Alle vom Brenner befallenen Teile der Rebe, in- sofern sie entbehrlich sind, werden a m besten schon gleich im Herbste abgeschnitten und verbrannt. Die Winterform, vvelche auf jenem Teile des Rebholzes, das wir fuglich doch am Stocke lassen miissen, so am Tragholz, auch am Stamm haftet, wird am besten mit Hilfe einer Eisenvitriollosung vernichtet, auf 100 Liter ^asser lose man bis 50 kg. Eisenvitriol auf. Gegen die sehr widerstandsfahige Winterform dieses Pilzes sind starke Losungen notig. Mit Vorteil wird dieser Mischung noch etwa 1 kg. Schwefel- siiure beigemischt, dann braucht man auch weniger Eisenvitriol. Auch 10°/ 0 Schvvefelsaure wirkt an und fiir sich, doch diirfte es — 76 — meist angezeigt sein, das Eisenvitriol vorzuziehen. Mit diesen Lo- sungen resp. Mischungen werden die Rebstocke im Winter, beziehungs- weise im Fruhjahre, am besten im Monate Februar, jedenfalls erst nach den Schnitt und zum zweitenmale im Monate Marž, einige Wochen bevor der Stock zu treiben anfangt, gewasehen. Dies geschieht mittels eines aus Fetzen angefertigten Pinsels. J. Wechtel in Wien, I. Helferstorferstrasse 13, verkauft aber fiir dieses Ab- waschen sehr zvveckdienliche Apparate (Fig. 30) unter dem Namen »le Continu« um 20 K das Stiick. Mit diesem soli 1 Arbeiter in einem Tage die Reben auf einem Joch abvvaschen konnen und braucht zirka 50 — 100 Liter Fliissigkeit dazu. Abgewaschen wird das einjahrige Holz, dieses besonders auch an den Augen, so wie auch das alte Holz. Durch dieses Abwaschen werden nur die von der Losung erreichten Pilze vernichtet. Bei noch so genauer Arbeil kann doch nicht alle dieses Los treffen, und solche iibrig gebliebene sorgen fiir die Verbreitung ihrer Art in der nacbsten Vegetations- periode Es handelt sich nun darum, die Wirkung des friihen Ab- waschens dadurch zu erganzen, dafi man im nachsten Fruhjahre alle Triebe des Rebstockes, an welchem sich der Brenner breit zu machen beginnt, rechtzeitig, d. h. noch bevor sich die neugebildeten Sporen zu weit verbreitet haben, sorgfaltig sammelt und verbrennt. Ist. man vorher korrekt vorgegangen, wird dies keine Riesenarbeit sein und der Erfolg wird ziemlich gesichert. Durch Lichthalten des Weingartens, durch sorgfaltiges Aufbinden der Sommertriebe, durch Vermeidung frisclien Dungers, Mafiregeln, welche fiir den Weingarten iiberhaupt ntitzlich sind, tue man ein Ubriges. 3. Oidium. Dieser echte Mehltau ist das erstemal 1845 in England be- obachtet worden und hat sich riesig rasch verbreitet. Tritt diese Krankheit Irtih auf, solange die Trauben noch nicht vollkommen ent- wickelt sind, dann kann sie riesigen Schaden anstiften. Auch die steirischen VVeinbauer vvissen was davon zu erzahlen. Tritt das Oidium spater gegen den Herbst zu auf, wo die Trauben reif zu werden beginnen, oder schon sehr reif gevvorden sind, dann ist der Einflufi dieser Krankheit ein unbedeutender. Der Pilz tofet nur die Epidermis der Beeren ab und wenn diese, als abgestorben, bei der vveiteren Entwicklung der Beere dem inneren Drucke (Turgor), nicht - 77 — nachgeben kann, so springt sie auf. Dadurch der Schaden. Ist. die Beere bereits gut. entwickelt, findet. keine Vergrosserung derselben mehr statt, dann springt sie nicht so leicht auf. Das Oidium befallt alle griinen Organe der Rebe, Blatter, Triebe, am meisten Schaden macht es auf den Trauben, welche durch das- selbe dunkelgrau werden und aufspringen. Tritt das Oidium im VVeingarten auf, so kann man es schon mit der Nase nach dem Schimmelgeruch konstatieren. Sudliche Gegenden sind vom Oidium besonders heimgesucht, dort tritt es beinahe regelmassig auf und zwar bei niederen als auch bei hohen Erziehungsarten. Bei uns be- schrankt sich das Oidium in der Regel nur auf hohe Erziehungs¬ arten, auf Hecken. Nur bei besonders giinstigen Verhaltnissen, wie sie die letzten Jahre geboten haben, nach milden Wintern und warm- feuchten Sommern, steigt es von da in die Weingarten, auch auf niedere Reben. Besonders uppige Bestande, wie z. B. die Weingarten auf amerikanischen Unterlagen, werden gerne heimgesucht. Ein wohl be- wahrtes Mittel gegen das Oidium haben wir im Bestauben mit Schwefel- pulver. Der Schwefel totet den Pilz ah, wenn er auch bereits ent- wickelt ist. Im Gebrauche ist Schwefelblute oder gemahlener Schwefel. Letzterer ist viel wirksamer als die Schwefelblute, da er besser anhaftet. Die Wirksamkeit hangt von der Feinheit des Schvvefels ab. Je feiner er gemahlen ist, desto besser wirkt er und desto weniger braucht man davon Selbstgemahlener Schwefel ist daher schlecht. Am besten be- stellt man den Schwefel im groBen, auf genossenschaftlichem Wege oder auf anderem gemeinschaftlichen Wege, z. B. durch die Land- vvirtschafts-Gesellschaften, Versuchsstationen etc. Eine weiBgelbliche Farbe des gemahlenen Schwefels ist ein Merkmal seiner Feinheit. In gewohnlichen Jahren, wo das Oidium weniger stark auftritt, besonders nach Jahren, wo es sich kaum gezeigt hat, kommt man aus, falls man mit dem Schwefeln so lange wartet, bis sich die Krankheit sporadisch zeigt. Tritt sie auf, wird bestaubt und dies nach Bedarf wiederholt. Tritt das Oidium aber regelmassig auf, wie auch bei uns in den letzten Jahren mit einer grofien Heftigkeit, was besonders nacli Jahren, wo das Oidium stark aufgetreten und der Winter mild ge- wesen, zu erwarten ist, dann heiBt es wohl, die Krankheit in ihren ersten Anfangen unterdrticken, friih schwefeln, sonst wird man ihrer nicht Herr. i 78 — Am besten wird mit dem Bestauben sofort begonnen, sobald sich im Friibjahre die Triebe auf den Reben etvva lingerlang ent- wickelt haben. Wiederholt wird es noch einmal, unmittelbar vor der Blute, \venn es nicht anders angeht aueh vviihrend der Blute, dann wieder unmittelbar nach der Blute, spater aber noch so oft als es sich notwendig erweist. Zumeist wird man mit 4- bis 5-ma- ligem Bestauben auskommen, doch in manchen Fallen muss es wohl 7- bis 8-mal wiederholt werden. Der Erfolg des Bestaubens hangt wesentlich davon ab, dass es frlihzeitig durehgefuhrt wird, dass das Oidium in den ersten Anfangen unterdriickt wird. Wird bei heftigem Auftreten dieser Krankheit erst nach der Blute zum erstenmale bestaubt, so hat man die unange- nehme Folge zu tragen, dass die spateren Bestaubungen weniger wirksam werden. Bestaubt wird nur bei sehonem Wetter, wenn es nicht windig ist. und wenn der Thau an den Reben bereits abge- trocknet ist. Regnet es kurz nach dem Bestauben, so vvird die durchgefiihrte Arbeit beinahe erfolglos. Bestaubt wird der ganze Stock, namentlich die Trauben. Zum Bestauben sind mannigfache Geriite im Gebrauch. Die ursprunglichsten und zum ersten Bestauben der noch sehr kurzen Triebe aucli sehr zweckdienlichen Gerate sind die Streubiichsen und Puderquasten, fiir spatere Bestaubungen kommen Blasbalge, z. B. wie Fig. 31, nebst anderen mehr oder weniger komplizierten Geraten in Verwendung. Die besten Schwefler bis jetzt sind die von Vermorell, welche vom Ingenieur Riedmiiller in Triest geliefert werden. Die Schvvefler von Heller, von Nechville, Wechtel in Wien, Helferstorferstrasse (Fig. 32 a b) etc. sind auch sehr gut brauchbar. Ausserdem gibt es noch viele verschiedene andere Systeme verschiedener Giite. Fiir ein ofter wiederholtes Bestauben verbraucht man pro Joch Weingarten beilaufig 40 kg. Schvvefel. — 79 — lun einmaliges Bestiiuben eines Joches Weingarten mit gevvohnlichen Blasbalgen nimmt zirka 2 bis 3 Arbeitsscbichfen in Anspruch, mit besseren 1 bis 2. Letzterer Zeit wurde ver- sucht, das Schwefeln mit dem Bespritzen gegen die Pero- nospora zu kombinieren. Man nimmt pro Hektoliter Kupfer- vitriollosung 2 kg. Schwefel. Den Schwefel knetet man mit wenig Wasser zu einem Teig, der der Kupfervitriol- losungbeigemischtwird. Diese Art der Bekampfung des Oidiums ist aber immer noch im Stadium des Versuches und daher nicht allgemeiner Empfehlung wert. Wenn Figur 32 a. das Oidium in seinen An- fiingen auf diese Art bekiimpft werden konnte, so miisste doch noch unbedingt mit Irockenem Schwefel nachgeschvvefelt werden. Wo die Reben gegen den Brenner oder auch gegen das Oidium mit einer Figur 32 b. 10 bis 15%-igen Eisenvitriollosung abgewaschen wurden, beobachtele man ein viel schwacheres Auftreten dieses Pilzes. Dieses Mittel - 80 — wird daher unter Umstanden auch vorteilhaft angewendet, da die Reben sozusagen vollkommen desinficiert werden. 4. VVurzelfaule. Namentlich in schweren nassen Boden ist diese Krankheit auch in unseren Gegenden gar nicht selten. Die Wurzelspitzen beginnen zu faulen, die Rinde der Wurzel wird braun und lost sich leicht ab. Die Krankheit verpflanzt. sich von den Spitzen gegen die iilteren Teile der Wurzeln fort. Auf die Art erkrankte Stocke kann man leicht aus dem Boden herausziehen, da ihre Wurzelenden abgefault sind. Die bei naherer Beobachtung leicht erkennbaren weissen faden- formigen Strange gehoren dem Pilze, welcher diese Krankheit her- vorruft. Im Weingarten verbreitet sich dieser Pilz kreisformig dadurch, daB er von einer Wurzel auf die andere iibergeht, sprungweise von einem Flecke zum anderen aber mittelst der Sporen. Die Verbreitung und Wirkung.ist ahnlich wie bei der Reblaus, daher auch iihnlicbe Sjmplome bei den Reben. Von zuerst, vielleicht durch Vermittlung der Sporen befallenen Stoeken aus befallt der Pilz die benachbarten Stocke, diese nach und nach vernichtend, weshalb an solchen Stellen den Reblausherden ganz ahnliche Herde enfstehen. Die St5cke tragen im ersten Jahre, nachdem sie erkrankt sind, auBerordentlich reich, im nachsten Jahr schon bleiben die Triebe doch meist sch\vaeh, in 2 bis 3 Jahren geht der Stock zugrunde. Bei gunstigen Bedingungen fur den schadlichen Pilz wird dieser mit den befallenen Stbcken auch- viel frilher fertig. Befallen werden nicht nur Reben, sondern auch die verschiedensten Baume, wie auch Krauter. Von der Feuch- tigkeit wird dieser Krankheit besonders Vorschub geleistet und eine zweckmaBige Entwasserung ist das beste Vorbeugungsmitlel, ja es konnen mitunter dadurch schon erkrankte Weingarten geheilt werden. Bei heftigem Auftreten ist es am meisten angezeigt, die erkrankten und wegen groBerer Sicherheit auch die benachbarten Stocke in einer Sicherheitszone von 2 bis 3 m, d. h. im Kreise um den Krank- heitsherd, griindlich auszugraben und zu verbrennen. Man suche in dem Falle alle \Vurzelstucke sorgfaltig zusammen. Die betreffende Stelle lasse man 2 bis 3 Jahre bracln sie darf hochstens mit Getreide bebaut werden. Auf anderen Pflanzen — 81 — konnte sich nitmlich der Pilz wieder weiler erhalten. Sehr vorteil- haft ist. qs, diese Stellen mit Kalk zu bestreuen, denn dieser befordert eine schnelle Zersetzung aller den Pilz erhaltenden orga- nischen Substanzen. In Boden, wo die Reben von dieser Krankheit besonders gerne befallen vverden, vermeide man moglichst organische Dunger, man suche mehr mit Mineraldunger auszukommen. In Neu- anlagen wird der Pilz haufig durch Rehstocke, die alteren Weingarten eninommen sind, ubertragen, daher Vorsicht auch in dieser Richtung. Von anderen Pilzen sind bis jetzt mehr vereinzelt aufgetreten das Cladosporium Roesleri und die Weissfaule der Trauben. Dagegen, wie iiberhaupt bei ahnlichen ungewohnten Erscheinungen, empfiehlt sich ein rasches Sammeln und Verbrennen der befallenen Organe. IX. Tierische Schadlinge. i. Traubenvvickler. Die Schiidlichkeit des Traubenwicklers ist eine auRerordentlich grofic. Dieser kann einen groCen Teil oder die ganze Trauben- ernte vernichlen, er beeinfluBt aber auch die Qualitat des Weines sehr ungiinstig, da die von ihm befallenen Beeren sauer bleiben und faulen. Der Traubenwickler ist ein kleiner Schmetterling, der zweimal im Jahre auftritt. In den Monaten April, Mai erscheint er zum ersten Male und etwa im Monate Juli zum zvveiten Male. Zirka 14 Tage nach- dem die Eier der ersten Generation abgelegt worden sind, schlupfen aus denselben kleine Riiupchen heraus, die die Gescheine und Blatter der Reben benagen. Nach den eigenartigen Gespinnsten, in denen mehrere Bliiten mittelst einer Art Spinngevvebe zusammengesponnen sind, ist der Aufenlhalt der Raupehen sehr leicht zu entdecken, daher sind diese leicht zu verfolgen. Je kuhler das Wetter ist, desto langer brauchen die Raupehen zu ihrer Entwicklung, desto mehr Schaden machen sie auch naturgemaC. Erscheint der Schmetterling des Irauben- wicklers friih im Fruhjahre und schlupfen aus den Eiern die Raup¬ ehen vor der Rlute aus, so benagen dieselben auch die Rebaugen und die jungen Blatlehen. Beilaufig gegen Ende Juli, anfangs August erscheinen die Raupehen der zweiten Generation. Diese bohren sich in die Traubenbeeren ein, und jede vernichlet mehrere 6 — 82 — vnn diesen. Die so befallenen Traubenbeeren fangen an zu faulen und stecken namentlich bei feuchtem Wetter auch noch die unver- letzten Nachbarbeeren an. Nachdem die Raupchen derart auf Kosten des Weinbauers ausgewachsen sind, ziehen sie sich in ihre Winler- quartiere zuriick. Sie gehen namentlich unter die Borke der Reb- stocke, in die Spalten und Fugen der Rebstecken etc., ilberall, wo ihnen ein angenebmer Winteraufent.halt gevvahrt wird. Nach gliicklicher Uberwinterung beginnen sie ihr schadliches Werk von neuem. Ein energiseher Kampf gegen diesen gefahrlichen Schadling ist dringend geboten. Bekiimpft wird er entweder im Winter im Puppenzustande, oder als Schmetterling im Friibjahre oder Sommer, oder als Raupchen in den Bliiten, oder spater etwa anfangs August. in den angestochenen Beeren. Sehr zweckmal3ig ist es, zur Vertilgung der Puppen im Winter strengste Ordnung und Reinlichkeit im Weingarten walten zu lassen. Die Bander werden sorgfaltig ge- sammelt und verbrannt. Alles beim Rebschnitt abgeschnittene Holz wird gesammelt und am besten bald verbrannt. Die Rinde wird ab- gerieben und der Muli am besten verbrannt. Zum Abreiben eignen sich sehr gut Ketten oder noch besser die stiihlernen Sabate’schen Handschuhe, Fig. 33, (zu haben bei der Administration der Weinlaube in Klosterneuburg bei Wien.) Mit diesen werden beim Abreiben die Puppen auch zerdruckt. Doch auch in dem Falle wird man sicherer gehen, falls man das Abgeriebene auflangt und verbrennt. Diese MaI3- regeln entsprechen schon ohnehin dem Ordnungs- und Reinlichkeits- sinne eines gediegenen Weinbauers, auch wenn es sich nicht gerade um Bekampfung der Schadlinge handelt. In den Fugen der Reb- stocke, Heckenpfosten etc. sind auch willkommene Schlupfwinkel, welehe mit einem Gemisch von Kalk und Petroleum verstrichen werden, um die Puppen zu vernichten. Bei Drahtanlagen entiallen 85 — diese Schlupfvvinkel ziemlich, daher ist bei solchen die Trauben- wicklerplage eine seltenere. Im Friihjahre konnen die Schmetterlinge mit Hilfe von Liehtern gefangen werden oder man schliigt abends oder noch besser fruh- morgens mit Stocken die Rebstocke an und die verscheuchten, doch wegen der noch herrschenden Kuhle triigen Schmetterlinge fallen auf den Roden und werden dort leicht vernichtet oder schon wahrend ihres triigen Auffliegens mittels mit Klebemitteln kiebrig gemachten handlich zugeschnittenen leichten Brettchen aufgefangen. Mit den Lichlern erzielt man um die Zeit keinen besonders gliinzenden Erfolg, da die Schmetterlinge wiihrend der namentlich in der Nacht- zeit herrschenden Kuhle zu trage sind. Beziiglich der Fanglichter ist uberhaupt Vorsicht anzuraten, da sich mit Hilfe derselben ge- wohnlich mehr niitzliche Insekten fangen als Traubemvickler-Schmetter- linge. Man kann auf die Art seine besten, von der Natur beige- stellten Helfer bei der Vernichtung des schadlichen Gevvurms morden und erzielt so den entgegengesetzten Erfolg. Die Schmetterlinge der zweiten Generation sind wegen der herr- schenden hbheren Wtirme bedeutend lebhafter, daher mit den Kleb- fachern ziemlich schwer zu fangen. Da kann man es mit den Fanglichtern versuchen, falls man beobachtet, daB man unter den auf die Art gefangenen nicht zu viele gute Freunde trifft. Nach Dolles werden die Fanglichter folgender Art aufgestellt. In ein hohes Glas (Stutzen) kommt etwa bis zur Halfte Wasser, sodann etwas 01, auf dem das Nachtlicht. schwimmen soli. Man tut gut, wenn man iiber das Glas einen passenden Blechdeckel stiilpt, welcher das Lieht schulzen soli. Das improvisierte Nachtlicht wird am Abend auf einem zum Teil mit Wasser gefullten (auf der Oberflache des Wassers soli zum Vor- teil eine aufgegossene diinne Olschichte schwimmen) Teller in die VVeingarten gestellt. Die' Schmetterlinge fliegen dem Lichte zu und fangen sich im Wasser, resp. in der auf demselben schwimmenden Olschichte. Die Riiupchen werden in den Gescheinen wie auch in den Traubenbeeren vernichtet. In den Gescheinen sucht man sie auf, zieht sie mit gespitzten Holzchen oder Pinzetten heraus und zerquetscht sie oder man totet. sie mittelst. Giften. So ein Wurmgift wird bereitet aus zirka 3 Kg. Schmierseife, we!che in zirka 10 Liter Wasser solange ge- kocht wird, bis sie sich ganz aufgelost hat. Nachdem diese Seifen- 6 * — 84 — losung erkaltet ist., mischt man sie mit etwas Spiritus, welcher durch einigeZeit auf zirka 1—1-5 kg. frischem dalmatinischen Insektenpulvers aufgegossen gewesen ist. Diese Mischung bleibt einen Tag ruhig stehen, dann wird sie vom Satz abgegossen und die Fliissigkeil so- viel mit reinem Wasser erganzt, daB sie beilaufig 100 Liter ausmacht. Nun ist das Gift gebrauchsfahig. .1. Zacherl in Wien hat ein fertiges, gut bewahrtes Praparat gegen Pflanzenungeziefer, das billig und leicht verwendbar ist, daher den Vorteil hat., daB die immerhin umstand- liche Selbstbereitung der Dufor’schen Losung entfallt. Entdeckt man Heuwurmer, d. h. Raupchen der Traubenwickler resp. deren Gespinnste auf den Bluten, fiillt man ein geeignetes Ge- rat mit einem Wurmgift und spritzt dašselbe in die Gespinnste. Die FliiBigkeit soli mit einem kraftigen Strahi in die Gespinnste kommen, damit sie dieselben durchreifit. Der Strahi soli inlermittierend sein, so daB die FliiBigkeit. nur in dem Augenblicke ausflieBt., wenn man sie braucht. Verwendet man daher die gevvohnlieben Peronospora- spritzen zu dem Zvvecke, richte man den Verstauber demgemaB ein, oder ersetze denselben am besten mit einer Spritzlanze (Fig. 34), canulla sibella ge- nannt, welche auch in der Administration der Weinlaube in Klosterneuburg zu haben ist. Die Wurmspritze von \V. Kostiak in Wien (Fig. 35), zu beziehen durch diesen oder durch J. Zacherl a 6 und 8 K., Figur 35. eignet sich besonders gut tur diesen Zweck. Frisches dalmatinisches Insektenpulver bekommt man bei Eugenio Godnig in Žara. Sehr erfolgreich ist die Bekampfung der Raupchen in den Beeren. Man beginne damit schon friih, beilaufig anfangs August. v — 85 — Die wurmstiehigen Beeren werden gesammelt und die Raupchen (Sauerwiirmer) darin vernichtet. Diese Arbeit macht sich sehr wohl schon durch die Weinlese desselben Jahres bezahlt. Beginnt man mit dem Ausklauben der wurmstichigen Beeren nicht verhaltnis- miiGig triih, so haben die Sauervviirmer Zeit gewonnen und groGeren Schaden angerichtet. Sie kriechen aus einer Beere in die andere, Faulnis zuriicklassend. Die faulenden Beeren stechen in weiterer Folge auch die iibrigen gesunden Beeren an, zufolge dessen ganze Trauben verfaulen konnen. Die Qualit.at des Weines gewinnt durch dieses Ausklauben sehr bedeutend. Von der Brat der Schad- linge wird aber bei diesem Verfahren auch viel vernichtet. Etwa 10 bis 20 Weiber-Tagesschichten reichen beilaufig aus, um auf einem Joch derart auszuklauben. Keines der angefiihrten Mitte! verspricht einen sicheren, durchgreifenden Erfolg. Doch erganzt eins das an¬ dere. Ein rechtzeitiges energisches Anwenden derselben seitens des rationellen Weinbauers, namentlich dort wo die Plage noch nicht zu groG geworden, kann riesigem Schaden vorbeugen. Schon die Sorgfalt des Einzelnen kann mit. Erfolg gekront werden. Noch groGer ware dieser bei allgemeiner Anvvendung dieser Mittel und im Interesse der Gesamtheit ware es wohl gelegen, wenn alle Wein- bauer einen entsprechenden Eifer an den Tag legen mochten oder solche, die in der Hinsicht nicht mithalten wollen, dazu verhalten werden konnten. 2 . Eulenraupen. (Agrostis.) In den letzten Jahren wurden die Weinhauer in einigen Ge- genden von sechzehnfiiGigen nackten Ackereulenraupen beunruhigt. Diese halt.en sich vvahrend des Tages seicht im Boden auf, in Friihjahrsniichten benagen sie auGer anderen Pflanzen adch die Augen und jungen Blattchen der Reben. Am schadlichsten von allen Ackereulenraupen ist der Rebe die Weizenackereule. Diese Raupe ist. zirka 3—3 1 /2 cm - l an 8 un d hat eine bleigraue bis graubraune Farbe. Tagsiiber ist sie nur im Boden zirka 1—3 cm. t.ief, in der Umgebung der angefressenen Reben, in einer eingerollten Lage zu finden. Gefangen werden diese Raupen tagsiiber, indem man den Boden mit leichter Haue aufgrabt und sie aufsucht, oder sie \verden wah- rend der Nacht bei Licht auf den Rebstocken gesammelt. Hiihner, — 86 — namentlich aber Enten machen sich in Bezug auf' die Vernichtung dieser Raupenbrut sehr niitzlieh. In Frankreich soli es iiblich sein, dab abends an den FuB eines jeden Rebstockes ein Biindelchen Luzerne gelegt wird. In der Fruhe verkriechen sich die Raupen in die Luzernebiindelchen und werden so leicht abgefangen. In verunkrauteten Weingarten machen sich diese Raupen mehr uber die Unkrauter als liber die Reben. Das Unkraut im Weingarten zieht. aber wieder eine groBere Zahl Raupen an. In Frankreich sollen angeblich aueh um die Stocke zu 3 bis 4 Locher mit einem PfahI eingebohrt werden. Wahrend des Tages sammeln sich die Raupen in diesen Lochern und konnen darin leicht getotet werden. Von anderen tierischen Schadlingen sind mehr vereinzelt auf- getreten der Dickmaulriissler, welcher fruhmorgens durch Abklopfen oder bei Tage unter Steinen und Rasenstiicken, die man auf den Boden legt, gefangen wird, ferner der Springwurmwickler, \velcher durch Ablesen und Verbrennen der Blatter mit den Eierhaufchen, Hand in Hand mit dem Traubenwickler verfilgt wird. X. Ungiinstige Einfliišse des Klimaš, Bodens etc. x. Hagel. Es ist bis jetzt wohl noch nicht gelungen, mit Sicherheit den Hagel zu verhindern, respektive abzuhalten. Das seit jeher iibliche Schiessen wird gegenwardg mehr syslematisch mit besseren Vor- richtungen versucht und die Berichte von diesen Versuchen lauten von allen Seifen sehr giinstig. Soleh einen in Verwendung stehenden SchieBapparat von der Firma Lorber & Comp. in Saehsenfeld im Sanntale zeigt Figur 36. Immerhin ist das SchieBen noch im Stadium der noch nicht beendeten Versuche. Erst eine langjtihrige Statistik wird sichere Schliisse uber die Wirksamkeit des VVetter- schieGens moglich machen und eine allgemeine energische Abwehr des Hagels zur Folge haben. Einstweilen wird man noch immer mit. Beschadigungen durch Hagelschlag zu lun haben und da handelt es sich nun darum, den Schaden moglichst klein zu machen, durch zvveckmaBige Behandlung der beschadigten Rebstocke. War der Hagel schwach, sind die Schlossen mit Regen gemischt gefallen. ist der Hagel ziemlich spat im Sommer, wo die Triebe sehr stark ent- — 87 wickelt waren, gekommen, dann ist der Schaden verhaltnismaBig gering, es ist mehr oder weniger nur die Ernte des betrelfenden Jahres reduziert oder vernichtet. 2—3 Tage nach dem Hagelschlag ist der Schaden erst recht zu erkennen, nachdem die an den Stielen getroffenen Trauben zu trocknen anfangen. Waren die Trauben zur Zeit des Hagelschlages bereits ziemlich entwickelt, khnnen die an- geschlagenen Beeren oder Trauben ausgelesen und daraus ein Haustrunk bereitet werden. Noch harte, vom Hagel getroffene Beeren fallen ab oder trocknen ein. Bereits weiche, wenig abgeschlagene Traubenbeeren kbnnen bleiben, aber sie reifen schlechter und beein- flussen sehr ungunstig die Qualitat des Weines. Nach solchen spalen Hagelschlagen sorgt man nur fur eine moglichste Krafligung des Stockes. Mittel dazu sind eine entsprechende Boden- lockerung (Hane) und die Erhaltung moglichst vieler funktionsfahiger Blatter. In vom Hagel getroffenen Weingarten wird man nicht gipfeln und alle spilter zugevvachsenen neuen Blatter durch ein frisches Bespritzen mit Kupfervitriol- losung vor der Peronospora schiitzen. Eine erneute Bespritzung ist iiberhaupt sehr zweck- maBig, da die durch Hagel geschiidigten Blatter starker befallen werden. Auch eine im Herbste folgende Diingung erganzt das Streben, die durch Hagel beschadigten, geschwachten Stocke zu kraftigen, um dadurch den ungiinstigen EinfluB fur das niichste Jahr moglichst zu beheben. Nach heftigen, besonders fruhzeitigen Hagelschlagen kann aber der Rebstock auf mehrere Jahre hinaus sehr stark beschadigt sein. Tm selben Jahre muB man auf die Ernte von derart getroffenen Reben verzichten und sein Augerimerk nur darauf richten, daB diese wenigstens fiir die nachsten Jahre moglichst ertragsfahig ge- macht werden. Sind alle Triebe atn Tragholz stark beschadigt, werden alle ausgebrochen, um je 2 Triebe, sei es auch, daB diese aus dem alten Holze kornmen, zur kraftigen Entwicklung gelangen zu lassen. So schlimme Falle kornmen jedoch selten vor. Es diirften Figur 36. — 88 doch an den Trieben, auf dem einjahrigen Holze, z. B. auf den Zapfen wenigstens die unteren Augen verschont geblieben sein. In diesem Falle schneidet man die griinen Triebe auf Zapfen bis zum gesuncten Auge zuriick und erhii.lt derart wenigstens kraftiges Tragholz fur das nachste Jahr. VVerden die Triebe nicht zuriick- geschnitten, so entstehen viele schvvachliche Triebe, die zum niichsten Schnitt nur sehwaches Holz geben. Alle diese MaBregeln sollen aber immer nur nach reiflicher Oberlegung vorgenommen werden. Durch Ubereifer, ohne griindliche, die jeweiligen Umstande beriicksichtigende Uberlegung kann man wohl mehr Schaden als Nutzen stifien. Unmittelbar nach dem Hagel schaut es gewohnlich arger aus a!s es in Wirklickeit, ist. Nach dem Hagel ganz ihrem Schicksal iiberlassene Reben lassen durch einige Jahre im Ertrage stark nach. Wenn an Hecken, Spalieren oder sonst langeren Erziehungs- arten das alle Holz, Stamm und Schenkel durch Hagel verwundet, geschvvacht ist, beginne man von unten, von dem untersten Zapfen einen neuen Stamm und neue Schenkel zu erziehen und wenn diese ferlig sind, schneidet man die alten knapp an den neuen an. Diese vom Hagel geschadigten Triebe taugen weder fur Bdgen, weder zum Vergruben, noch fur Schnittreben. Wo der Trieb vom Hagel angeschlagen ist, entsteht eine sehr tiefe Wunde, die in vielen Jahren nicht vemachst. Verhagelte Weingarten leiden im Winter in der Regel stark vom Frost, es ist daher angezeigt, die Reben in denselben durch Anhaufeln vor dem Frost zu schiitzen. Eine nacbherige starke Ver- jiingung der schwer beschadigten Stocke ist sehr zweckma8ig. 2. Frost. Der Frost schadet den Reben im Winter, indem deren Triebe, Stiimme, Wurzeln etc. abfrieren, der groBte Schaden entsteht aber zumeist, wenn der Frost die Reben im griinen Zustande trifft, wie z. B. die Spatfroste im Friihjahre oder die Friihfroste im Herbst. A) W i n t e r f r o s t. Der Winterfrost beschadigt die Wurzeln, den Stamm und das einjahrige Holz. Die Wurzeln sind gegen Frostschaden sehr empfindlich. Dies — 89 — kann man besonders beobachten, wenn schlecht verpackte Wurzel- reben bei starkem Frost versendet weiden. Im Boden, namentlich im lockeren saudigen Boden frieren die Wurzeln gerne ab, wenn der Boden durch keine Schneedecke geschiitzt ist und dureh lange Zeit gefroren bleibt. Der VVurzelstamm ist doch gegen Frost viel weniger empfmdlich als die Wurzeln. Dem Sehadem durch das Ab- frieren der Wurzeln beugt man am besten durch Anwendung von langeren Setzreben vor, bei we!chen der Frost nicht zu den untersten VVurzeln reichen kann. Frieren nur die Wurze!n ab, so bleibt der Stock einige Zeit schvvach, kann sich aber mit den Jahren vvieder kraftigen. Wenn der ganze Wurzelstamm abfriert, dann ist es iiber- haupt. aus mit dem Stock. Haufig kommt es vor, dal! nur der Stamm des Rebstockes abfriert, vviihrend die Wurzeln und das ein- jahrige Holz vollkommen gesund bleiben. Manchmal friert auch nur der untere Teil des oberirdischen Stammes ab, wiihrend der hohere noch gesundes, unbeschadigtes Cambium autweist. Solcherart abge- frorene Stocke trahnen und Ireiben im Fruhjahre aus wie die gesunden, aber ihre Triebe bleiben wohl nur schwach und trocknen zumeist ganz ein Wird ein solcher Stamm angeschnitten, so findet man das Cambium unter der Rinde braun. Eine griinlichwei8e Farbe des Cambiums ware ein gutes Zeichen. Derart frieren besonders gerne Stocke ab, die stark von der Peronospora befallen oder stark verhagelt gewesen sind. So abgefrorene Stocke werden knapp am Boden abgeschnilten, damit aus dem Wurzelstamm kraftige Wassertriebe kommen. Von diesen werden nur je zwei unterste gelassen und schon aufrecht ge- bunden, damit sie ja recht kraftig werden Aus diesen Trieben wird sodann ein neuer Stamm gezogen. Urn ein derartiges Abfrieren zu verhindern, haufeit man die Stocke in Gegenden, wo es haufig vor- kommt, mit Erde an. Der Winterfrost schadet auch dem einjahrigen Holze und zwar kann dieses entweder ganz abfrieren oder es frieren nur die Augen auf demselben ab. Ganz friert das einjahrige Holz namentlich dann ab. wenn es nicht vollkommen ausgereift ist. Ausgereift.es vertragt noch Kiilte- grade von — 20° ganz gut, sonst friert es aber schon bei — 14 und weniger Kalte ab. AuHerlich ist am einjahrigen Holz wohl nichts zu erkennen, ob es abgefroren ist. Man schneidet die Rinde bis zur Cambialschichte an. Ist das Cambium schon griin, frisch, dann 90 — ist dem Holze nichts geschehen, ist es braunlich oder schwarzlich, dann ist es abgetroren. Ist das Cambium etwa nur auf einer Seite so schwarz, dann kann solches Holz zu Tragreben noch ganz gut Verwendung finden, hochstens, daB sich die Rinde im Laufe des Sommers davon loslosen wird. Wenn die ganze Cambialschichte braun ist, dann schneide man solches Holz einfach als unbrauchbar ab. Sehr leicht frieren die Augen manchmal bei verhiiltnismaBig geringen Frostgraden ab. In der Hinsicht geschieht der groBte Schaden bei langer anhaltender Kitite, wenn dieselbe z. B. 2—3 Wochen lang gleichma(3ig bleibt, oder bei Glatteis. Gewohnlich frieren nicht alle Augen ab. Die oberen besser ent.wickelten frieren leichter ab als vvie die tieferen. Das untersle Auge eines Triebes, welches so schvvach entwickelt ist, dali man es kaum sieht, friert beinahe nie ab. Ein jedes gut entiviekelte Haupt- auge hat auch Nebenaugen. Das Hauptauge als das am beslen entwickelte friert gewohnlich sehr leicht ab. Durch ein zu friihes Gipfeln kann die Gefahr des Erfrierens noch vergroBert werden. Um sich zu iiberzeugen, ob die Augen erfroren sind, schneidet man sie durch. Sind sie innen griin, so sind sie gut, braun sind sie ab- gefroren. Sind die Augen wenigstens an ihrer Basis grun, so ist immerhin noch Hoffnung vorhanden, daB sie austreiben werden. Die Augen als auch das einjahrige Holz schiitzt man gegen Winterfrost am besten durch Zudecken mit Erde im Herbste. Dabei achtet man besonders darauf, daB die dazu verwendete Erde trocken sei. Im Fruhjahre raume man die derart zugedecklen Reben friih auf, sonst treiben die Augen im Boden zu stark aus und erfrieren sodann noch leichter. Namentlich bei langeren Erziehungsarten konneri in Gegenden, wo die Reben durch Winterfroste stark gefiihrdet werden, dieselben in der Reihe auf den Boden gelegt und mit Stroh oder anderem Material zugedeckt werden. B) F r ii h j a h r s f r o s t e. Unter allen zur Verhiitung von Frostschaden bekannten und anvvendbaren Mitteln ist das Rauchern noch das beste. An den Wegen ober, im und unter dem Weingarten errichtet man beiliiufig in Entfernung von 10 Metern aus Reisig, Unkraut. Mist etc., iiber- haupt nassen, viel Rauch erzeugenden Materialien kleine Scheiter- haufen. Auf diese kann man etwas Teer oder Pech, z. B. Abfall- — 91 — peeh der Brauerei etc., uberhaupt Stoffe, die einen schweren dicken Raueh erzeugen, giefien. Man kann auch Siigespanne oder Torf- mull etc. mit Teer tranken oder aus diesen Stoffen Pechkuchen giefien etc. Hauptsache ist die Bildung von viel Raueh. Die Flamme darf nie durchbrechen, sie konnte hochstens die Nachbarreben ver- sengen, man halt sie mittelst Bespritzen zuruck. Erfolgreich wird das Rauchern nur dann sein, wenn die Weingarten vollkommen vom Raueh gedeekt sind, hauptsachlich in der Fruhe bei und nach dem Sonnenaufgang. Um genugend Raueh zu erzeugen, mussen wohl alle Weinbauer eines Riedes harmoniseh zusammenwirken, sich zur Frostwehr vereinigen. Man fange auch nicht zu friih zu heizen an, damit das Materiale nicht zur kritischen Zeit, das ist nach dem Sonnenaufgang ausgeht. Die grofite Gefahr besteht eben darin, dafi die durch den Frost vielleicht schon steif gewordenen zarten Triebe von der Sonne rasch getroffen werden, infolgedessen rasch auftauen und verwelken. Geschieht dieses Auftauen unter einem natiirlichen oder kunsflichen durch Rauchern erzeugten Wolkenschutz allmahlicher, kbnnen sich die vom Frost getroffenen Triebe noch erholen. Beim Rauchern handelt es sich daher um Bildung kunstlicher Wolken zur Verhiitung einer zu starken Ausstrahlung, daher einer zu slarken Abkuhlung, sowie auch um das zu rasche verderbliche Einvvirken der Sonnenwarme auf die vielleicht steif gefrorenen Triebe zu ver- hindern. Wenn die Triebe durch einen Spiitfrost vernichtetvrorden sind, kann dies verschiedene Folgen haben. Sind alle Triebe aus den Hauptaugen vernichtet, konnen doch noch immer die Nebenaugen austreiben, deren Triebe geben wenig- stens im nachsten Jahre fruchtbares Tragholz. Das Austreiben der Nebenaugen wird besonders gefordert, vvenn die abgefrorenen Triebe baldigst entfernt werden. Da sie sehr locker sitzen, kann man sie sehr leicht wegbringen, wenn man einige Tage nach dem Frost mit Stocken auf die Reben klopft. Friert nur ein Teil der Triebe ab, wahrend der andere gesund bleibt, vverden die abgefrorenen Triebe ausgebrochen, die gesunden lafii; man naturiicherweise und trachtet sie fiirs nachste Jahr zur Erzeugung von Tragholz besonders zu kraftigen. Werden durch den Frost nur die Gipfel der Triebe getroffen, dann lut. man am besten, indem man die Triebe bis zu den tie- feren gesunden Augen einkurzt, auf die Art kurze Zapfen bildet, I — 92 — sonst bekommt man zu viele schwache Triebe, welche beim nachsten Rebschnitt schvvaches Tragholz abgeben vviirden. Sind die Triebe auf dem Tragholz vollkommen vernichtet, was besonders eintrifft, wenn der Winterfrost schon die Hauptaugen vei-nichtet bat, der Spatfrost aber die Triebe aus den Seitenaugen, dann bleibt wohl nicbts iibrig, als fiir einige kriiftige Triebe aus dem alten Holze zu sorgen, welche zwar im nachsten Jahre nocb unfruchlbar sind, aber vvenigstens im zweiten Jahre darauf fruchtbares, kraftiges Tragholz geben konnen. C) Herbst,froste (Friihfroste) Friihfroste vor dem Winter sind schadlich, da sie die Blatter vorzeitig abfallen machen. Die Trauben konnen sich dann nicht weiter entvvickeln, es bildet sich kein Zucker mehr, ja etwas Zucker geht sogar verloren. Auch der Stock selber vvird durch die Friih- froste stark in Mitleidenschaft, gezogen, geschvvacht, nicht genug mit Reservestoffen versehen, auch reift das Holz nicht so gut. aus, vves- halb es von den Winterfrosten mehr leiden kann. Bleichsucht (Chlorose.) Gevvohnlich schon vor der Bliite werden die Blatter, anfangs von den Triebspitzen aus zunachst an den Randern, spater aber auf ihrer ganzen Oberflache gelb. Ursache davon ist eine ungentigende Tatigkeit der Wurzeln, schlechte Erniihrung durch dieselben. So tritt die Gelbsucht auf an Stocken, deren Wurzeln z. B. von der Reblaus oder durch die Haue stark beschadigt werden, wenn in Weingarten, in denen durch mehrere Jahre keine Tauvvurželn abgeschnitten wor- den sind, auf einmal tief gehauen und die Tauvvurželn als die kraftigst entvvickelten stark beschadigt werden, oder wenn die Tatigkeit der Wurzeln durch nassen kalten BodenungunstigbeeinfluBt wird, oder wenn schwerer Boden im feuchten Zustande gehauen wird etc. Man traehte daher bei Fallen der Bleisucht die bei den Wurzeln liegende Ur¬ sache zu finden und diese zu beheben. Durch Vermeidung von Bescbiidigung der Wurzeln, durch Drainage, durch das Behauen nur trockenen Bodens, manchmal durch Zugiefien von Jauche, iiber- haupt durch Forderung der Wurzeltatigkeit und der Ernahrung vvird das Ubel zumeist behoben sein. In Boden mit hohem, fein verteiltem den Pflanzen leicht zu- ganglichem Kalkgehalt kann die Chlorose besonders den amerikanischen Unlerlagsreben verderblich vverden. Riparia wird namentlich in kiihlen Gegenden mit vveniger giinstigen physikalischen Eigenschaften des Bodens, schon bei 10% Kalkgehalt chlorotisch und verfallt dem Siech- tum. Am stiirksten zeigt. sich die Chlorose im zvveiten Jahre nach der Veredlung. Wo man beobachtet hat, daB z. B. die Reben auf Riparia gerne chlorotisch werden, vvahle man gegen hbheren Kalk¬ gehalt vveniger empfindliehe Unterlagsreben. Ein tiefes Rigolen. Rrainage, gute Bodenbearbeilung, uberhaupt MaGregeln, vvelche den Boden physikalisch giinstiger gestalten, beheben aber schon an und fiir sich, wenigstens bei uns das Ubel ziemlich sicher. Wo die auf amerikanisehe Unterlagen veredelten Reben chlorotisch werden, kann man denselben wenigstens*vorubergehend auch mit Eisenvitriol authelfen und zvvar auf folgende Arten: 1. Das gepulverte Eisenvitriol kann zum Stock gestreut werden, doch mit geringem Erfolg. 2. Rasch vvirkend ist das Zugiessen von Wasser, in welchem auf 100 Liter zirca 3 Kg. Eisenvitriol aufgeldst sind. Pro Stock kommen etwa 3 Liter dieser Losung, zirca 100 Gramm Eisenvitriol pro 1 (Juadralmeter. 3. Ziemlich guten Erfolg erzielt man auch durch das Bešpritzen der Reben im grunen Zustande mit einer Eisenvitriollosung, 1 / a — 1 Kg. Eisenvitriol in 100 Liter Wasser. 4. Nach Dr. Rassignier wirkt sehr giinstig das Abwaschen der Sl (jeke mit einer Eisenvitriollosung von 20—40 Kg. Eisenvitriol in 100 Liter Wasser. Dieses Abvvaschen niitzt gleichzeilig auch gegen den schvvarzen Brenner, es desinfiziert uberhaupt den ganzen Stock, totet viele Pilze, die ihm gefahrlich vverden konnten. Erfahrungsge- mass treiben derart behandelte Stocke etvvas spater aus, was aber in Anbelracht. der SpiUfroste als Vorteil anzusehen ist. Spater treiben sie umso iippiger. XI. Spatere Erhaltung eines luckenlosen Bestandes und Verjiingung. Die Rente des Weinbauers wird in unseren Gegenden wesent- lich durch die Ungleicbmassigkeit der alten Bestiinde geschmiilert. Es gibt wohl kaum noch Kulturen, vvelche Pflanzen von so ungleicher Lei- stungsfahigkeit, in so ungleichem Zustande enthallen als die alten x — 94 — 7 Weingarten. Daher ist der Ertrag der zumeist verhiiltnismaBig groKen Flachen selten entsprechend, weil der Platz und die darauf angewendeten KulturmaBregeln nicht ordentlich ausgeniitzt werden. In der Zukunft wird sich daher auch sozusagen die Kunst des Wein- bauers darauf verlegen mussen, die Bestiinde liickenlos und m5glichst gleichmaSig zu erhalten. Diesem Streben wird beim Setzen ent- sprochen durch sorgfaltige Auswahl der Setzreben, sorgfaltiges Pllanzen, Nachsetzen in den ersten Jahren und sorfitltigere Behandlung der einzelnen Stocke. Trotzdem sterben doch jedes Jahr mehrere Stocke aus und der Ersatz derselben mittelst Nachsetzen mit veredelten Setzreben geht in den spateren Jahren nicht gut an. Mit der Zeit also, bis die Bestiinde sehr liickenhaft geworden, wird es unbedingt angezeigt sein, dieselben durch rationell durchgefiihrte Neu- anlagen zu verjlingen. Bis zu diesem Stadium kann es aber noch verschiedene Notbehelfe geben. Enslehende Lucken konnen ausgefullt vverden A) Durch Vermehrung der Zahl der Reben. 1. A b 1 e g e r. Ableger von den veredelten Stocken vverden derart gemacht, da8 eine entsprechend lange Rute in den Boden vom Mutterstock aus abgelegt und beim Standort des Stockes, welehen der Ableger in Zukunft bilden soli, etwa 40—50 cm. tief im scharfen Knie ab- gebogen wird, derart, da8 der kiinftige Wurzelstamm durch ein 40—50 cm. langes vertikales Stuck repriisentiert wird. Solcbe Ab¬ leger, wie auch der Mutterstock, von dem sie stammen, werden stark gediingt. Der Ableger macht sich gleich im selben Jahre durch seinen Ertrag niitzlich. Er kann aber auch nach der im zweiten .lahre erfolgenden Trennung einen kraftigen neuen Stock bilden, \velcher trotz Reblaus viele Jahre unbeeintrachtigt gedeihen und Iragen kann. Diese Methode der Ausfiillung der Lucken bevvahrt sich in der Pra- xis sehr gut und wird dem Weinbauer einen \villkommenen Not- behelf bieten. Es handelt sich dort, wo man Ableger machen will, hauptsachlich darum, dass man entsprechend lange Rulen an den Nachbarstocken der Lucken erzieht. Ein geschickter Weinbauer wird dies wohl verstehen, durch kiirzeren Schnitt, Diingung und dadurch, dass er solche Stocke, wenigstens die von selben als Ableger zu vervvendenden Triebe, nicht gipfelt. 95 2. Vergruben. Das vollstandige Vergruben des ganzen veredelten Stockes hat gegeniiber dem Ableger den zu beachtenden Nachteil, dass dadurch der Mutterstock als auch der zu ersetzende Stock auf europaische Wurzel gebracht wird, daher bei Anwendung dieser Methode der Liickenausfiillung gleich die doppelte Zahl Reben auf europaische Wurzeln kommen. Dies solile man aber angesichls der slets droh- enden Reblausgefahr lieber vermeiden. Wo es sich um eine derar- lige Verjiingung handelt, empfiehlt. es sich, die Stocke unter der Ver- edlungsstelle im Boden bis zum ersten Knoten abzuschneiden. Da kommen kraftige Triebe der Unterlagsreben hervor, welche griin oder sonst in entsprechender Lange veredelt und spater entsprechend vergrubt werden. Diese Methode der Verjiingung empfiehlt sich be- sonders dort, wo grossere Bestande nicht gut ausgefallen sind oder im starken Ruckgang sich befinden und stark liickenhaft geworden sind, oder wo infolge Fehler bei der Neuanlage Anderungen z. B. der Sorte etc. sich als zweckmassig erweisen. Auf diese Art ware es moglich, grossere Bestande auf einmal zu verjiingen, was in guten Boden mitunter ganz gut als Surrogat fur die Verjiingung durch Neuanlagen dienen kbnnte. B) Durch Verlangerung der oberirdischen Achsen, des alten Holzes. Entstehen in Weingarten, namentlich in solchen, die ohnehin bereils einer radikalen Verjiingung durch Neuanlage entgegensehen, durch das Ausslerben grossere Liicken, so konnen dieselben mitunter auch durch das Verlangern der mit Fruchtholz garnierten Schenkel in der Reihe ^us^efiillt werden. Dies ginge besonders in Wein- giirten mit Drahtrahmen, wo man ,die Schenkel sehr lang,' z. B. kor- donartig ziehen kann. Der Stock, dem bei gleich guter lullur mehr Raum angewiesen ist, wird sich auch besser entwickeln, den Raum gut ausniitzen. t NARODNA IN UNIUERZITETNA KNJI2NICA